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Wer sind Ostdeutsche? in:

Ilko-Sascha Kowalczuk

Die Übernahme, page 83 - 89

Wie Ostdeutschland Teil der Bundesrepublik wurde

6. Edition 2020, ISBN print: 978-3-406-74020-6, ISBN online: 978-3-406-77053-1, https://doi.org/10.17104/9783406770531-83

Series: C.H.Beck Paperback, vol. 6355

C.H.BECK, München

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5 | Keine Ehe unter Gleichen: die Konstruktion «des Ostdeutschen» Reinhard Höppner war nicht der Erste und nicht der Einzige, der die Ehe-Metapher für die deutsche Einheit verwendete. Im übertragenen Sinne fallen einem schnell auch andere erfahrungsgesättigte Bonmots ein, die zwar eine Ehe zu meinen scheinen, aber durchaus gesellschaftliche Konflikte erfassen. Stimmt so etwa Woody Allens Ausruf, Ehe sei der Versuch, Probleme zu lösen, die man allein nicht gehabt hätte? Das stimmt für das vereinte Deutschland nur am Rande. Oder hat Eduard Mörike Recht, der meinte, wer keinen Humor habe, sollte nicht heiraten? Den Deutschen ist ja oft genug Humorlosigkeit vorgeworfen worden, jedenfalls von Nichtdeutschen. Auf die «deutsche Ehe» trifft in jedem Fall die Winston Churchill zugeschriebene Beobachtung zu, wenn zwei Menschen immer der gleichen Meinung seien, sei einer überflüssig. Man kann der deutschen Liebesheirat, die noch in den Flitterwochen zu einer Vernunftehe wurde, viel nachsagen, aber nicht, dass ein Partner überflüssig geworden wäre. Wer sind Ostdeutsche? Vielleicht klingt die Frage, wer eigentlich ein Ostdeutscher sei, etwas naiv, aber sie ist weniger klar zu beantworten, als es auf den ersten Blick erscheint. «Ostdeutschland» ist einfach zu bestimmen. Es ist erstens ein historischer Raum, den es seit 1945 nicht mehr gibt. Zweitens bilden die Bundesländer Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg, Sachsen-Anhalt, Thüringen und Sachsen das «neue» Ostdeutschland; so ist zuweilen auch bereits die DDR genannt wor- Keine Ehe unter Gleichen84 | den (oder «Zone»). Die Statistik erfasste 2017 für diese fünf Bundesländer 12,58 Millionen Einwohner. Zum Vergleich: In Baden-Württemberg lebten zum gleichen Zeitpunkt elf, in Bayern 13 und in Nord rhein-Westfalen 18 Millionen Menschen. Die fünf ostdeutschen Bundesländer erstrecken sich zwischen dem mecklenburgischen Kap Arkona, dem nördlichsten Punkt, und dem sächsischen Bad Brambach, der südlichsten Gemeinde, auf einer Fläche von etwa 108 000 Quadratkilometern, etwa ebenso viel wie die beiden südlichsten Bundesländer Deutschlands zusammen, Bayern und Baden- Württemberg. Fehlt noch die Megametropole Berlin. Wozu zählt die Weltstadt mit ihren 3,6 Millionen gemeldeten Einwohnern und Einwohnerinnen? Im früheren Ostteil der Stadt (rund 404 Quadratkilometer) sind 1,5 Millionen gemeldet, im Westteil (480) rund zwei Millionen. Berlin veranschaulicht das generelle Problem: Ost-Berlin gehört zu Ostdeutschland, zugleich nahm Berlin immer eine Sonderposition ein, auch seit 1990. Viele Ost-Berliner zogen nach 1990 in West-Berliner Stadtbezirke. Noch mehr Menschen aus dem früheren Bundesgebiet wanderten im Laufe der letzten Jahrzehnte in frühere Ost-Berliner Stadtbezirke ein, vor allem in die innenstädtischen Quartiere in Friedrichshain, Mitte und Prenzlauer Berg. Auch wenn dies nicht gerade wissenschaftlich korrekt ist, möge dies ein Beispiel aus persönlicher Anschauung verdeutlichen: In dem Haus (Vorderhaus, Seitenflügel), in dem meine Familie und ich seit rund drei Jahrzehnten im Prenzlauer Berg wohnen, einem Gebäude aus den 1890 er Jahren, stammen schon seit vielen Jahren von allen 22 Mietparteien neben uns nur drei weitere aus dem früheren Osten, und davon wohnte nur eine bereits vor der Wiedervereinigung in dem Haus. Und das ist für den Prenzlauer Berg oder Mitte nicht eben untypisch. In einem 2019 auf der Leipziger Buchmesse ausgezeichneten Werk wird sogar so getan, als beginne die Geschichte von selbstverwaltetem Wohnen mit Kindern im Prenzlauer Berg erst nach 2000; Ostler, Ost-Berliner kommen in diesem Buch, in dem es um soziale Unterschiede geht, erst gar nicht vor, nicht einmal als Negativfolie.1 Hier liegt ein klassischer Fall von Gentrifizierung vor. Damit ist der sozioökonomische Strukturwandel von Wohngebieten gemeint. Zahlungskräftigere Mieter und Eigentümer verdrängen bisherige Wer sind Ostdeutsche? | 85 Bewohnerinnen und Bewohner. Ein Phänomen, das in allen westlichen Großstädten im Innenstadtbereich zu beobachten ist. Ost- Berlin ist hier zur attraktiven Weltstadt geworden. Wie das Berliner Beispiel andeutet, ist es nicht so einfach zu beantworten, wer nun ostdeutsch sei. Denn wenn ein Zwanzigjähriger aus Ulm 1990 nach Berlin-Friedrichshain zog und dort seither lebt – was ist er dann? Er lebt jetzt immerhin mehr als die Hälfte seines Lebens im Osten. Es ist aber noch weitaus komplizierter. Nicht nur in Berlin, sondern überall in Ostdeutschland leben Menschen, die vor 1989 in der Bundesrepublik aufwuchsen, arbeiteten, lebten. Und umgekehrt genauso: Bis zur Wiedervereinigung gingen Millionen Ostdeutsche in den Westen. Verloren sie wegen ihres Wohnortwechsels ihre Herkunft als Ostdeutsche? Natürlich nicht. Heute leben Millionen Ostdeutsche in westlichen Bundesländern. Und damit ist das Problem noch immer nicht erschöpfend behandelt. Was ist mit jenen Frauen und Männern, die als vielleicht 25-, 30-, 35-Jährige vom Westen in den Osten gingen, um nach der Wiedervereinigung in den östlichen Bundesländern zu arbeiten, und seither dort leben? Sind das immer noch Westdeutsche oder nicht doch eher Ostdeutsche oder die berühmten Wossis (Wessi + Ossi = Wossi)? Umgekehrt gälte das auch für die Ostdeutschen, die im Westen leben. Und was ist mit den Kindern westdeutscher Paare, die in Ostdeutschland geboren wurden und aufwuchsen? Was mit denen ihrer ostdeutschen Pendants im Westen? Und schließlich, besonders schwierig einzuordnen: Was ist mit den Kindern von Paaren, bei denen ein Elternteil eine östliche, das andere eine westliche Herkunft vorzuweisen hat? Und hier ist noch nicht einmal angesprochen, «wohin» dann mit all jenen in diesen Beispielen, die selbst oder deren Eltern außerhalb Deutschlands geboren wurden. Wie man es auch wendet und dreht, es gibt keine andere Lösung, als «Ostdeutsche» an gemeinsamen Erfahrungsräumen zu «konstruieren». Jede gesellschaftliche Gruppenbestimmung ist eine Konstruktion, die oft weniger über die angeblichen Gruppenmitglieder, aber viel über die Konstrukteure aussagt. Was also könnten gemeinsame Erfahrungsräume sein, die jemanden ostdeutsch erscheinen Keine Ehe unter Gleichen86 | lassen? Für Menschen, die in der DDR aufwuchsen und lebten, ist das wegen der Normierung durch Staat und Gesellschaft, die auch auf den Alltag ausstrahlte, recht einfach. Kindergarten, Schule, Lehre, Studium, Betrieb, Einkommen, Konsum, Kultur, Rente, Sprache, Medien, Touristik  – es gab natürlich eine Bandbreite, keine Frage, und viele individuelle Möglichkeiten sich dem Einheitszwang zu entziehen, zugleich aber – und dies ist entscheidend – waren all diese und viele weitere Erfahrungsräume für alle in der DDR sehr ähnlich. Niemand konnte sich der angestrebten staatlichen Uniformität entziehen, selbst der Aussteiger kannte sie und stieg gerade deswegen aus. Die Begrenzung der Erfahrungsräume konstruierte soziale Positionen, die viele nicht mochten oder gar liebten, denen sie aber nicht entkamen – nicht einmal durch Flucht aus dem Land. «Wächter und Bewachte», «Herr und Knecht» sind Schlüsselpaare in der Geschichte, die aneinandergekettet sind, sehr zum Verdruss der Bewachten und Geknechteten. Bricht die Zwangsbeziehung auseinander, wie zum Beispiel nach dem Mauerfall, ist man einander immer noch nicht los. Es ist wie im wirklichen Leben: Langzeitpaare, die sich trennen, womöglich gemeinsame Kinder haben, bleiben lebenslänglich aneinandergekettet: in der Erinnerung, in Freundschaft, in Hass, in Abneigung, Liebe, Wut, Schweigen, Trauer – in jeder denkbaren Variante, nur vergessen geht nicht. Die Erfahrung bleibt eingebrannt. Selbst der radikale Gegenentwurf entsteht aus einer solchen Erfahrung. Mit der DDR verhält sich es bei den Ostdeutschen genauso. Und natürlich werden solche Erfahrungsräume unweigerlich am Abendbrottisch weitergegeben, ganz unabhängig davon, ob darüber geredet wird oder nicht. Hinzu kommt, dass die gemeinsamen Erfahrungsräume der Ostdeutschen 1989/90 nicht für alle, aber für viele neue Konturen angenommen haben: Auch wenn jeder etwas anderes erhofft und erträumt haben mag, die Erfahrung, einen als unabänderlich geltenden Zustand verändert, ja, beendet zu haben, war eine kollektive mit vielen positiven Hormonausschüttungen. Doch der gemeinsame Erfahrungsraum war auch eine Falle, denn der immer noch zwangsweise Aufenthalt im gleichen Raum bedingte die Konstruktion einer Gruppe, nämlich die der «Ostdeutschen». Wer sind Ostdeutsche? | 87 Erklärtes Ziel der Kommunisten war es, das Staatsbürgerkollektiv zu formen. Es gelang nicht. Nun kamen im Gefolge von 1989/90 neue Konstrukteure, eine sehr disparate Truppe: Politiker, Journalisten, Wissenschaftler, Publizisten. Alle bastelten am Bild der «Ostdeutschen» mit, alle erfanden sie «die Ostdeutschen». In den Medien traten «Vertreter» der Ostdeutschen auf, zu «Ostthemen» in den Medien wurden Ostdeutsche hinzugebeten, zu «Westthemen» eigentlich nie. Auch in der Politik war und ist das so. Dahinter stand eine Haltung, die der Chefintendant des ZDF am 1. Januar 1996 zur Primetime zum Besten gab: Er sprach von «denen» und von «uns», fünf Jahre nach der Wiedervereinigung, und meinte «Ostdeutsche» und «Westdeutsche». Natürlich bastelten nicht nur westdeutsche Konstrukteure am «Ostdeutschen» mit, das taten viele von ihnen selbst eifrig. In der DDR gelernt, konnten es viele auch nach 1990 nicht ablegen, von «wir» statt von «ich» zu reden. Das Individuum sollte im Kollektiv aufgehen, auch sprachlich. Noch heute durchzieht das «wir» wie eine Seuche die Sprache, egal ob Rechte wie Angelika Barbe, Linke wie Gregor Gysi, Aufarbeiterinnen wie Ines Geipel, liberale Demokraten wie Angela Merkel, Joachim Gauck oder Wolfgang Thierse über die DDR, Ostdeutschland, Ostdeutsche oder 1989/90 reden. Ständig verfallen sie ins kollektivbeschwörende «wir», als würden oder könnten sie auch nur für irgendjemand anderen sprechen als für sich selbst. Das Schlimmste vielleicht, nicht wenige glauben, es zu können. Ein Kennzeichen von Populisten übrigens. Ostdeutsche sind aber nicht nur vielfältig und oft gegensätzlich von den Erfahrungen bis 1989 oder der Revolution von 1989/90 geprägt. Ebenso einschneidend sind die Erlebnisse, Erfahrungen und Lebensumstände seither. Seit einiger Zeit wird darum gestritten, was wohl prägender gewesen sei: die Zeit vor oder nach 1989. Das ist albern. Geschichte kennt in ihrer Wirkung nicht jene Zäsuren, die wir ihr gern verpassen, um sie portionsweise verarbeiten und verdauen zu können.2 Ohne das eine ist in der Geschichte das andere nicht zu haben. Ohne Hitler kein Stalin in Deutschland, na ja, jedenfalls nicht so. Ohne die NS-Diktatur keine deutsche Teilung. Ohne die deutsche Teilung keine deutsche Einheit. Kontrafaktische Ge- Keine Ehe unter Gleichen88 | schichtsschreibung mag da zu anderen Ergebnisse kommen, darf sie auch, weil sie nicht auf Tatsachen, sondern Annahmen aufbaut: Was wäre wenn … Geschichte ist ausschließlich eine Anhäufung verpasster Chancen, Möglichkeiten und Alternativen. Wie im wahren Leben: Was wäre, wenn ich gestern den Hauptgewinn im Lotto erzielt hätte? Darauf kann ich mir eine ganze Reihe folgerichtiger Antworten geben, keine Frage, nur keine Antwort ist relevant – leider, weil ich den Hauptgewinn (noch) nicht zugelost bekam. Jedenfalls gehören für die Ostdeutschen die DDR-Geschichte, die Wiedervereinigung und nun bald dreißig Jahre deutsche Einheit zu jenem Erfahrungsraum, der sie entscheidend prägte. Und wiederum, der Vollständigkeit halber, sei erwähnt: Auch in diesem Raum befinden sich ganz viele, unterschiedliche, oft gegensätzliche Erfahrungen. Diese mussten auch nicht in Ostdeutschland gesammelt werden. Dass seit Jahren die musikalisch wenig filigrane Band «Rammstein» der größte deutsche Exportartikel der Populärmusik ist und als globale Marke agiert, täuscht dennoch nicht über deren ostdeutsche Wurzeln hinweg. In der Dezemberausgabe 2011 des deutschen «Rolling Stone» ließ Frontsänger – bei niemand anderem ist der Begriff «Front»sänger derart zutreffend – Till Lindemann verlautbaren, sie kämen aus dem Osten und daher seien sie sozialistisch und links. Damit versuchte sich die Band gegen andauernde Vorwürfe zu wehren, sie würden der nationalsozialistischen Ästhetik à la Leni Riefenstahl huldigen. Tatsächlich meinte Lindemann offenbar, ihre pure Herkunft verbiete bereits einen solchen Zusammenhang. Ein anderes Bandmitglied, genannt Flake nach der Zeichentrickserie «Wickie», frönt sogar öffentlich unter viel Beifall einer fast immer peinlichen DDR-Nostalgie, ohne dabei offenbar zu merken, dass er erstens über eine DDR spricht und schreibt, die so nie existierte, und zweitens mit der DDR auch nicht ansatzweise zu jenem «Weltmusiker» mit Spaßfaktor hätte werden können, den er heute darstellt. Egal wie, auch er kommt von seinen Wurzeln nicht los. Und so wie Flake geht es Menschen nun einmal, die Wurzeln haben, also allen. Ostdeutsche als «Andere» | 89 Ostdeutsche als «Andere» Wer also ist ein Ostdeutscher? Jede und jeder, die sich so bezeichnen. Wer war ein Ostdeutscher? Alle, die bis 1990 in der DDR lebten? Gibt es die Ostdeutschen? Ja. Es gibt ja auch Begriffe wie den «Wald». Sammelbegriffe, die über Inhalt, Form, Aussehen, Denken, Wollen, Fühlen zunächst einmal herzlich wenig aussagen. Aber sie sind ganz nützlich. Man fährt in den Wald, um Pilze zu sammeln, Gräser zu bestimmen, Bäume zu fällen oder gar Tiere zu jagen. «Ostdeutsche» gibt es, der Begriff allein ist ziemlich leer. Erst bei näherer Bestimmung und Differenzierung wird er mit Leben erfüllt. Kennzeichen von Ostdeutschen war es, sich dafür rechtfertigen zu müssen, ostdeutsch zu sein. Dafür gab es zwei Strategien: die Herkunft zu leugnen oder unentwegt darüber zu reden. Beides machte die Sache nicht einfacher. Als meine Ehefrau 2010 in Bayreuth einen Ruf auf eine Professur erhielt, musste sie in einem Fragebogen ankreuzen, ob sie in der FDJ war. Wie fast alle ihrer Generation war sie einfaches Mitglied gewesen. Und nun passierte Folgendes: Der Kanzler der Universität bestellte sie ein und war ratlos. Offenbar war er mit diesem Fall noch nicht konfrontiert worden, obwohl er hier bereits seit Jahrzehnten amtierte. Hatten andere Ostler, die in Bayreuth Beamte wurden, den Fragebogen nicht richtig ausgefüllt? Meine Frau musste jedenfalls nach Rücksprache mit dem Kultusministerium in München eine Erklärung aufsetzen, mit der sie «eindeutig» zum Ausdruck brachte, dass sie nicht mehr der kommunistischen FDJ-Ideologie anhänge. Das geschah genau zwanzig Jahre nach der Einheit. Die künftige Professorin mit diversen Auslandsaufenthalten hatte mittlerweile als Erwachsene weitaus länger in der demokratischen Grundordnung verbracht als in der SED-Diktatur. In Bayern schienen dennoch die Uhren diesbezüglich noch immer angehalten. «Ostdeutsch» ist eine Zuschreibung. Sie kann als Selbst- ebenso wie als Fremdbeschreibung erscheinen. Beides hat seine Berechtigung, weil wir ohne Gruppierungen und Zuschreibungen die Welt nicht geordnet bekommen. Alle würden sagen, Schubkastendenken sei nicht anzustreben. Niemand jedoch entkommt dieser Denkfalle, denn Denken erfolgt in Kategorien, Abstraktionen, Begriffen, Theo-

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Zusammenfassung

Dreißig Jahre nach dem Mauerfall ist es an der Zeit, Bilanz zu ziehen. Was genau lief im Osten ab, als er vom Westen übernommen wurde? Worin unterscheidet sich Ostdeutschland von anderen Regionen in der Bundesrepublik? Und weshalb sind Populisten und Extremisten hier so erfolgreich? Ohne Scheuklappen stellt der ostdeutsche Historiker Ilko-Sascha Kowalczuk in seinem Buch harte Fakten neben persönliche Erfahrungen - und liefert damit das politische Buch der Stunde.

Die Revolution in der DDR kam völlig überraschend. Als die Mauer fiel, hatte niemand damit gerechnet. Die Herstellung der deutschen Einheit erfolgte in einem rasanten Tempo. Fast nichts blieb im Osten so, wie es war. Die Menschen mussten ihren Alltag, ihr Leben von heute auf morgen komplett neu einrichten. Die sozialen Folgen waren enorm und sind im Westen bis heute meist unbekannt. Ilko-Sascha Kowalczuk erklärt in seinem kurzweiligen Essay, wie sich die Umwandlung Ostdeutschlands vollzog, welche Gewinne und Verluste die Menschen dort verbuchten und wie die ostdeutsche Gegenwart mit der Vergangenheit von vor und nach 1989 zusammenhängt. Er entfaltet dabei ein breites politisches, ökonomisches und gesellschaftliches Panorama - mit Ecken und Kanten, voller Überraschungen und Zuspitzungen. Eine kontroverse Debatte zum Jubiläum ist garantiert.