Content

Gewinnerinnen oder Verliererinnen? in:

Ilko-Sascha Kowalczuk

Die Übernahme, page 156 - 162

Wie Ostdeutschland Teil der Bundesrepublik wurde

6. Edition 2020, ISBN print: 978-3-406-74020-6, ISBN online: 978-3-406-77053-1, https://doi.org/10.17104/9783406770531-156

Series: C.H.Beck Paperback, vol. 6355

C.H.BECK, München

To the Pre-print version
Bibliographic information
Tabula rasa: die soziale Katastrophe156 | Staatsnähe einen bestimmten Sockelbetrag nicht überschreiten sollte. Am Ende blieben vor allem die hauptamtlichen Stasi-Mitarbeiter übrig. Gerecht ist das nicht – dass nur sie betroffen sind. Bis zum Jahre 2025 sollen die Renten im Osten auf nominelles Westniveau angehoben sein. Das hätte schließlich 35 Jahre gedauert. In Rente gehen dann Menschen, die ihr Erwerbsleben überwiegend im vereinten Deutschland absolvierten. Die realen Renten werden sich weiterhin unterscheiden. Eine verfestigte soziale Ungleichheit zwischen älteren Menschen in Ost und West ist anzunehmen. Gewinnerinnen oder Verliererinnen? Nach heute geltendem Recht sind rentenmäßig besonders Frauen benachteiligt. Zwar haben ostdeutsche Frauen aufgrund ihrer durchschnittlich längeren Berufstätigkeit (in der DDR waren 80 – 90 Prozent, in der Bundesrepublik 1989 nur 63 Prozent der Frauen erwerbstätig) eine höhere Durchschnittsrente als im Westen. Aber bislang sind vor allem in der DDR geschiedene Frauen mit Kindern erheblich benachteiligt – etwa 300 000 – , weil weder Kindererziehungszeiten aus der DDR anerkannt werden noch ein Versorgungsausgleich der geschiedenen Ehepartner vorgesehen ist. Das ist im Übrigen ein Feld, auf dem eine Forscherin zeigen konnte, dass trotz neuer Rechtspraxis in den ostdeutschen Bundesländern die alte Scheidungstradierung – Frauen sorgen nach einer Trennung für sich allein und setzen nicht auf die Unterstützung des Mannes – eine erstaunliche Kontinuität aufwies.28 Frauen gelten als Verliererinnen des Einigungsprozesses. In der DDR war die Vereinbarkeit von Beruf, Familie, Kindern und gesellschaftlichen Verpflichtungen nicht nur gewünscht, sondern wurde gefördert und gefordert. Die hohe Erwerbstätigkeit von Frauen  – kein Einzelfall in Europa, wie ein Blick nach Skandinavien zeigt – versinnbildlicht das. Wer nicht arbeiten ging, machte sich irgendwie verdächtig, nicht nur in den Augen des Staates, auch der gesellschaftliche, nachbarschaftliche Druck war nicht zu unterschätzen. Gleichberechtigung zählte zu einem Grundpfeiler der SED-Ideo- Gewinnerinnen oder Verliererinnen? | 157 logie, die auch fest verankert war und unumstößlich praktiziert wurde – alljährlich am 8. März, dem internationalen Frauentag. Karrieretechnisch blieben Frauen in der DDR ebenso benachteiligt wie in der Einkommensstruktur. Eine modernere Gesetzgebung schliff keine tradierten Rollenbilder. Die familiäre «Arbeitsteilung» blieb in der DDR-Gesellschaft traditionellen Zuschreibungen verhaftet; die in der Öffentlichkeit von der SED-Propaganda gezeichneten Geschlechterzuschreibungen verloren nie ihre paternalistische Patina. Im DDR-Duden konnte man noch Ende der 1980 er Jahren unter dem Stichwort «Feminismus» erfahren, dass es sich dabei um eine «Überbetonung des Weiblichen, weibische Art; Verweiblichung bei Männern» handle.29 So stand es Jahrzehnte, auch in der Bundesrepublik bis in die siebziger Jahre, in deutschen Wörterbüchern und Lexika.30 Das letzte in der DDR erschienene mehrbändige Universallexikon unterschied und wies darauf hin, dass es zwei Bedeutungen gebe. Die eine entspricht der vom zitierten Duden mit dem zusätzlichen Hinweis, «bes. bei Homosexuellen». Das stand in einer langen Tradition, die auch in der DDR trotz Abschaffung des Art. 175 StGb (de facto 1957, de jure 1968; in der Bundesrepublik erst 1994) gesellschaftlich ungebrochen bestehen blieb. Unter Feminismus in dem erwähnten Lexikon konnte man aber auch erfahren, dass es sich um «eine vielgestaltige bürgl. Richtung der gegenwärtigen Frauenbewegung in kapitalist. Ländern» handle. In der DDR zählten feministische Bewegungen zum Widerspruchsmilieu der Gesellschaft, teilweise zur politischen Opposition. Das Lexikon verzeichnete kräftig: «Statt sozialökonom. und polit. Ursachen macht der F. biolog. und psych. Eigenschaften des Mannes für die Unterdrückung der Frau im Kapitalismus verantwortlich; die Emanzipation der Frau wird als ein hauptsächlich psych. und sexuelles Problem dargestellt.»31 Das traf im übertragenen Sinne sehr gut auf die Wahrnehmung durch die SED-Führung zu: Sie glaubte ehrlichen Gewissens, in der DDR Gleich berechtigung herbeigeführt zu haben, und wunderte sich nicht, wenn in ihren Sitzungen in der Partei- und Staatsführung auf zentraler und bezirklicher Ebene neben Inge Lange, Margot Honecker, Hilde Benjamin, Margarete Müller, Elisabeth Zaisser oder im Schatten Lotte Ulbricht kaum Frauen in Erscheinung traten. Auch Tabula rasa: die soziale Katastrophe158 | unter den Kombinatsdirektoren waren Frauen eine Ausnahme. Die Liste ließe sich fortsetzen, ebenso wie strukturelle Benachteiligung in anderen Hierarchien. Die DDR stand hier in der europäischen Tradition – und doch nicht ganz. Denn die Sozialpolitik erleichterte es Frauen, selbstständig zu leben. Anders als in der Bundesrepublik bis in die 1970 er Jahre hinein waren Frauen in der DDR wirtschaftlich und juristisch unabhängig von Vater oder Ehemann.32 Ende 1989 gaben mehr als zwei Drittel der ostdeutschen Frauen an, die ostdeutschen gesellschaftlichen Verhältnissen seien für Frauen weitaus günstiger als die bundesdeutschen. Nur eine sehr kleine Gruppe, darunter vor allem Jüngere unter 25 Jahren, nahm an, in der Bundesrepublik fielen die Umstände für sie günstiger aus.33 Solche Umfragen lassen meist offen, was genau gefragt worden ist. Der politische Gewinn fiel für Frauen ebenso hoch aus wie für Männer. Sozial hatten sie oft das Nachsehen. Die Arbeitslosigkeit unter Frauen war fast von Beginn an doppelt so hoch wie unter Männern. Sie verloren nicht schneller ihre Arbeit  – sie fanden «bloß» keine neue mehr. Vor allem Frauen mit Grundschulkindern, Alleinerziehende, Frauen aus der Landwirtschaft, Frauen über 45 Jahre, unund angelernte Frauen sowie «ältere» Akademikerinnen hatten es schwer auf dem ersten Arbeitsmarkt.34 Das führte zu einer Abwanderung von Frauen, vor allem jungen Frauen. Zwar weisen die Bevölkerungsstatistiken für die ostdeutschen Bundesländer aufgrund von Abwanderung und dem natürlich Geburtenüberschuss von Jungen (auf 100 Mädchen kommen durchschnittlich 106 Jungen) «nur» einen männlichen Bevölkerungsanteil von 52 bis 55 Prozent aus, das hört sich nicht so dramatisch an. Bei näherer Betrachtung und unter Berücksichtigung der Überalterung der Gesellschaft stellt sich das ganz anders dar. Wissenschaftler alarmierten 2007: In der Folge der Frauenabwanderung «ist in den neuen Bundesländern mittlerweile ein erheblicher Überschuss an Männern in der Altersgruppe der 18bis 34-Jährigen entstanden. Besonders betroffen sind periphere, wirtschafts- und strukturschwache Regionen. Dort fehlen bis zu 25 Prozent der jungen Frauen … Die Frauendefizite der neuen Bundesländer sind heute europaweit ohne Beispiel. Selbst Polarkreisregionen im Norden Schwedens und Finnlands … reichen an ost- Gewinnerinnen oder Verliererinnen? | 159 deutsche Werte nicht heran. Sicher ist, dass tendenziell nicht nur die jüngeren und weiblichen Personen abwandern, sondern auch jene mit besserer Qualifikation. Umgekehrt bleiben eher die sozial Schwäche ren der Gesellschaft, die Älteren und jene mit geringerwertiger Ausbildung zurück … Diese Personen sind damit von einer Teilhabe in wesentlichen gesellschaftlichen Bereichen ausgeschlossen.»35 Das hat nicht nur sozioökonomische Folgen, auch politische – die Radikalisierung eines Teils der männlichen Gesellschaft im Osten ist auch mit diesem, viele Männer frustrierenden Leben in Einsamkeit erklärt worden. Das Emanzipationsstreben der ostdeutschen Frauen kommt nicht nur in ihrer Mobilitätsbereitschaft zum Ausdruck. Nach 1990 haben sich viele Analytiker immer wieder darauf kapriziert, ostdeutschen Frauen eine freiere Sexualität anzudichten, weil sie das als höchsten Ausdruck der Frauenemanzipation ansahen und doch nichts anderes als ihre Fantasien in «untrügliches Zahlenmaterial» verpackten. Es waren Nachhutgefechte einer in den 1960 er Jahren aufgebrochenen wichtigen Enttabuisierung von Sexualität in der westlichen Welt, die in einer völlig sexualisierten Gesellschaft mündeten. Sexismus ist erst seit kurzem als gesellschaftliches Problem in den Mainstream der Debatten vorgerückt, noch in den 1990 er Jahren galt Sexismus als Problem derjenigen, die es ansprachen. Der Diskurs über Ostdeutschland war davon in vielerlei Hinsicht berührt. Die Freikörperkultur (FKK) diente westdeutschen Beobachtern als Beleg einer ungezügelten Sexualität. Die wirtschaftlich und juristisch freiere Frau diente als Objekt ihrer Sexualfantasien, die so manche ostdeutsche Frau selbstbewusst bestätigte und so mancher westdeutsche Mann, der nun mit einer Ostdeutschen eine Partnerschaft einging, in den Medien freudig bekräftigte. Nüchtern betrachtet bleibt zu konstatieren, dass ostdeutsche Frauen häufiger Kinder ohne Eheschein bekommen, häufiger ihre Kinder allein erziehen und sich nach einer Eheschließung häufiger wieder scheiden lassen. Offenbar wirken hier Sozialisationsmuster aus der DDR fort. Dort war es juristisch und wirtschaftlich kein Problem, sich scheiden zu lassen. Die hohe Scheidungsquote hing auch mit der sozialpolitischen Alimentierung junger Ehen zusammen. Tabula rasa: die soziale Katastrophe160 | Insgesamt kommt es zwischen Ost und West zu Annäherungsprozessen, wobei auch hier der Westen sich eher dem Osten angleicht. Der ostdeutsche Wissenschaftler Kurt Starke, in der DDR «der» Beziehungsexperte neben Rolf Borrmann («Professor Borrmann antwortet», Rubrik in der monatlichen Jugendzeitschrift «neues leben») und Jutta Resch-Treuwerth (wöchentliche Rubrik der Tageszeitung «Junge Welt»), sagte jüngst in einem Interview: «Dass in der DDR viel früher feste Beziehungen eingegangen wurden und sofort auch an die Gründung einer Familie gedacht wurde, hing mit dem Selbstwertgefühl der Frauen zusammen.  (…) Lehre, Studium, Berufstätigkeit, Qualifizierung und natürlich ein sicherer Arbeitsplatz standen außer Frage. Baldige Kinder waren gesellschaftlich nicht nur ausdrücklich erwünscht, sondern gehörten auch fest zur individuellen Lebensplanung, auch für Studierende. Das alles brach aber 1990 ab. Warum? Ein Studium mit Kind ging unter marktwirtschaftlichen Voraussetzungen nicht mehr. Elternschaft galt gesellschaftlich plötzlich als soziales Risiko. Kinder behindern Berufstätigkeit und Karriere, sie passen heute nicht gut in den Lebenslauf, weder von Frauen noch von Männern. Kinderkriegen ist eine individuelle Angelegenheit, aber eine mit weitreichenden gesellschaftlichen Auswirkungen. (…) Die Tatsache, dass Frauen und Männer über den Zeitpunkt ihrer Elternschaft entscheiden können, ist eine zivilisatorische Errungenschaft. Das kann aber nur funktionieren, wenn es in Bezug auf das Kinderkriegen einen gewissen Normalismus gibt, also eine Unhinterfragtheit.»36 Eine der heftigsten gesellschaftspolitischen Debatten im Zuge der Vereinigung drehte sich folgerichtig um § 218 StGb. In der DDR war der Schwangerschaftsabbruch seit 1972 legalisiert, interessanterweise das einzige von der Volkskammer verabschiedete Gesetz, bei dem es einige Gegenstimmen von Ost-CDU-Abgeordneten gab – wohl auf ausdrücklichen Wunsch der SED-Führung, um so die katholische Minderheit und konservative Protestanten nicht vollends zu verprellen; aus den Kirchen hatte sich Protest geäußert. 1990 rückte das Thema in den öffentlichen Fokus – in Ost und West existierten nicht nur unterschiedliche Gesetze, sondern es dominierten auch verschiedene Moralvorstellungen. Im Osten überwog die Forderung nach Gewinnerinnen oder Verliererinnen? | 161 dem Selbstbestimmungsrecht der Frau über ihren Körper. Im Westen betonte die Mehrheit, der Schutz des ungeborenen Lebens stehe vor dem Selbstbestimmungsrecht der Frau. Die gesellschaftliche Debatte flackerte immer wieder auf, bis heute. 1990 wurde die Diskussion ebenso emotional geführt wie 2018. Demonstrationen, Unterschriftenaktionen, Hungerstreiks, vor keiner Aktionsform wurde zurückgeschreckt, um die eigene Position durchzusetzen. Am Ende kam es zu einem Kompromiss, weil sich keine Seite durchsetzen konnte: In Ostdeutschland blieb die Fristen-, in Westdeutschland die In di ka tionsregelung bestehen. Bis zum 31. Dezember 1992 musste der Bundestag ein gesamtdeutsches Gesetz verabschieden. In Ostdeutschland wurde parallel dazu ein flächendeckendes Netz von Beratungsstellen für schwangere Frauen aufgebaut. Im Juli 1992 verabschiedete das Parlament ein Gesetz zur Regelung legaler Schwangerschaftsabbrüche, das eine ausführliche Beratung als Bedingung einschließt. Das ist eines der seltenen Beispiele für einen Kompromiss und keine bloße Übertragung. Es gab nicht nur grüne Pfeile an den Ampeln. Frauen sei Dank. Für Ständegesellschaften war es typisch, dass die Standesmitglieder nur unter sich heirateten. In der DDR ist dieses traditionelle Heiratsverhalten aufgebrochen worden. Das hing mit der Durchlässigkeit der sozialen Hierarchien vor allem bis zu den späten 1960 er Jahren zusammen, danach schlossen sich die Schleusen wieder. Es war alles andere als untypisch, dass in Ostdeutschland ein Direktor mit einer Sekretärin, ein Chefarzt mit einer Krankenschwester, ein Universitätsprofessor mit einer Kindergärtnerin verheiratet war  – wohlgemerkt verheiratet und nicht nur eine Nebenpartnerschaft pflegend. Das hat sich nach 1990 verändert und glich sich bald den westlichen Standards an, nach denen durchschnittlich in der gleichen sozialen Schicht geheiratet wird. Darüber hat kaum jemand reflektiert, dass es so kommen würde. Viele Unterschiede blieben. Im Westen arbeiten in 23 Prozent aller Ehen beide Partner in Vollzeit, in Ostdeutschland ist dieser Wert zwar erheblich gesunken, aber immer noch doppelt so hoch (41 Prozent).37 Gerechnet haben allerdings viele damit, dass sich die ost- und westdeutsche Gesellschaft wie von selbst stärker «durchmischen» Tabula rasa: die soziale Katastrophe162 | werde – ein Schlagwort der 1990 er und 2000 er Jahre, wenn es um Institutionen und Personal ging. Eine echte Durchmischung der deutschen Gesellschaft versprachen Partnerschaften und Ehen. Und wie im Großen so im Kleinen: Es klappte nicht. Die Forschung geht davon aus, dass zwanzig Jahre nach der Wiedervereinigung kaum zwei Prozent aller Ehen aus einem Ost- und einem Westteil bestanden. Bei «nichtehelichen» Partnerschaften stellten Ost-West-Paare rund zehn Prozent.38 Aussagekräftiger wären freilich Angaben über neugeschlossene Ehen und Lebensgemeinschaften. Solche Angaben markieren Trends. Interessant ist dabei, dass Ost-West-Beziehungen überwiegend in Berlin und in den alten Bundesländern anzutreffen sind und dabei wiederum überwiegend die Frau aus dem Osten stammt. Ost-West-Paare sind einem weitaus höheren Trennungsrisiko ausgesetzt als «regional homogene» Beziehungen.39 Das hängt wohl mit den unterschiedlichen Sozialisationserfahrungen und unterschiedlicher Religiosität, sprich anderen Identifikationsmustern zusammen. Bildet die komplizierte Ehe im Kleinen ein Bild für das komplizierte Zusammenwachsen im Großen?40 Gerechtigkeit und Freiheit Politik, Wirtschaft, Soziales – das sind die klassischen Felder in der Vereinigungsforschung, auf denen mit vielen Zahlen und harten Fakten argumentiert werden kann. Anders als noch in den ersten zwanzig, fünfundzwanzig Jahren geht es nicht mehr darum, die deutsche Einheit als gelungen oder missraten, als Erfolgsprojekt oder Niedergangsgeschichte hinzustellen. Das mag in Sonntagsreden noch immer Wirkung erzielen. Es ist überflüssig. Wozu? Die deutsche Einheit ist längst zu einem Normalfall geworden. Etwa ein Drittel der in der Bundesrepublik Lebenden ist erst nach 1989 geboren worden. Natürlich, langanhaltende Prägungen aus Siegen oder Suhl werden weitergegeben, doch die Einheitsnormalität wird von Jahr zu Jahr weiter zunehmen, ganz egal wie sich Deutschland entwickelt, welche regionalen Gräben bestehen bleiben und wer was in Frage stellen wird. Die Zukunft wird eher noch komplizierter wer-

Chapter Preview

References

Zusammenfassung

Dreißig Jahre nach dem Mauerfall ist es an der Zeit, Bilanz zu ziehen. Was genau lief im Osten ab, als er vom Westen übernommen wurde? Worin unterscheidet sich Ostdeutschland von anderen Regionen in der Bundesrepublik? Und weshalb sind Populisten und Extremisten hier so erfolgreich? Ohne Scheuklappen stellt der ostdeutsche Historiker Ilko-Sascha Kowalczuk in seinem Buch harte Fakten neben persönliche Erfahrungen - und liefert damit das politische Buch der Stunde.

Die Revolution in der DDR kam völlig überraschend. Als die Mauer fiel, hatte niemand damit gerechnet. Die Herstellung der deutschen Einheit erfolgte in einem rasanten Tempo. Fast nichts blieb im Osten so, wie es war. Die Menschen mussten ihren Alltag, ihr Leben von heute auf morgen komplett neu einrichten. Die sozialen Folgen waren enorm und sind im Westen bis heute meist unbekannt. Ilko-Sascha Kowalczuk erklärt in seinem kurzweiligen Essay, wie sich die Umwandlung Ostdeutschlands vollzog, welche Gewinne und Verluste die Menschen dort verbuchten und wie die ostdeutsche Gegenwart mit der Vergangenheit von vor und nach 1989 zusammenhängt. Er entfaltet dabei ein breites politisches, ökonomisches und gesellschaftliches Panorama - mit Ecken und Kanten, voller Überraschungen und Zuspitzungen. Eine kontroverse Debatte zum Jubiläum ist garantiert.