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Westdeutsche Selbstbilder im Spiegel ostdeutscher Konstruktionen in:

Ilko-Sascha Kowalczuk

Die Übernahme, page 95 - 101

Wie Ostdeutschland Teil der Bundesrepublik wurde

6. Edition 2020, ISBN print: 978-3-406-74020-6, ISBN online: 978-3-406-77053-1, https://doi.org/10.17104/9783406770531-95

Series: C.H.Beck Paperback, vol. 6355

C.H.BECK, München

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Westdeutsche Selbstbilder im Spiegel ostdeutscher Konstruktionen | 95 mand danach gefragt, was der Nutzen dieser Märchenstunde sein würde. Und vor allem: Das war eine Einbahnstraße. Denn es wurde nicht gefordert, dass sich die Ostler gefälligst auch die Geschichten der Westler, womöglich sogar der zugewanderten Bürgerinnen und Bürger anhören sollten, um zu verstehen. Schon hier zeigt sich eine Machthierarchie, die ernst zu nehmen ist: «Seine Geschichte» muss nur das unbekannte Wesen erzählen. Dass dies Ostler wie Westler gleichermaßen forderten, zeigt nur, dass beide das Figurenpaar vom «Herrn und Knecht» anerkannt hatten. Rainer Eppelmann, zum Beispiel, hat auf Hunderten von Veranstaltungen im Westen vor einem staunenden Publikum, ob alt, ob jung, über seine beeindruckende Biographie berichtet. Auf wie vielen Veranstaltungen gleich nochmal erzählte, zum Beispiel, Joschka Fischer im Osten über seine bewegte Biographie in den 1960 er und 1970 er Jahren? Westdeutsche Selbstbilder im Spiegel ostdeutscher Konstruktionen Der Westler gilt als durchsetzungs- und meinungsstark, freiheitsliebend, forsch, laut, arrogant, auf seinen Vorteil bedacht, weltläufig, mehr Schein als Sein. Daher auch der Witz, warum die Westler 13 Jahren fürs Abitur benötigten, ein Jahr mehr als im Osten: weil ein Jahr Schauspielunterricht notwendig sei. Der Ostler hingegen ist zurückhaltend, geht im Kollektiv auf, jammert, meckert, hat keine eigene Meinung, hat mehr Sein, als er Schein verbreitet. So weit die Klischees. Woher die stammen? Nicht nur von der Straße. Sie wurden gefördert, verbreitet, produziert von Medien, der Politik, Kultur und vielen einzelnen einflussreichen Stimmen. Arnulf Baring, Jahrzehnte einer der wichtigsten öffentlichen Intellektuellen der alten Bundesrepublik, warnte 1991 in einem Bestseller vor der «Ver-Ostung» der Bundesrepublik, vor der «Verwahrlosung», der «Proletarisierung».11 Im Osten kenne man keine «zielstrebige, harte und initiativreiche Arbeit», Ostler glaubten, die Leuchtkraft des Westens sei geschenkt worden. Im Osten gearbeitet zu haben, muss, so Baring, ungeheuer bequem gewesen sein, weil Keine Ehe unter Gleichen96 | man eigentlich nichts zu tun hatte, weil die meisten nicht arbeiteten. Und nun? Woher sollten «die» wissen, wie man richtig arbeite?12 In der DDR blieb niemand, so der Politikwissenschaftler, der «energisch, zielstrebig, initiativreich war».13 Damit nicht genug: «Das Regime hat fast ein halbes Jahrhundert die Menschen verzwergt, ihre Erziehung, ihre Ausbildung verhunzt.» Baring sagt nicht nur, das Regime wollte «hirnlose Rädchen im Getriebe, … willenlose Gehilfen» erziehen, er meint, es sei ihm restlos gelungen: «Wir können den politisch und charakterlich Belasteten ihre Sünden vergeben, alles verzeihen und vergessen. Es wird nichts nützen; denn viele Menschen sind wegen ihrer fehlenden Fachkenntnisse nicht weiter verwendbar.»14 Mit anderen Worten: Ausschuss! Arnulf Baring war nicht irgendein Spinner oder Außenseiter; er sprach aus der Mitte der bundesdeutschen Gesellschaft, er verkörperte sie geradezu. Sein Sparringspartner, der Verleger Wolf Jobst Siedler, ein allgemein ob seiner intellektuellen Grazie hochgeschätzter Mann, hatte ein Rezept zur Hand, das irgendwie logisch erschien: «Sagen wir, daß in vielleicht zehn Jahren die schlimmsten Schäden beseitigt sein werden, aber ich vermute, daß ein wirklicher, umfassender Aufbau der Gesellschaft ebensolange dauern wird, wie es gedauert hat, sie zu ruinieren, sagen wir eine Generation. Im Grunde müßte eine neue Ostsiedlung stattfinden, genau jene Kolonisten-Bewegung, vor der Grass, Gaus und Jens warnen.»15 Baring sah das genauso: Nur Millionen Einwanderer könnten Ostdeutschland auf die Beine helfen.16 Wolf Jobst Siedler argumentierte auch historisch. Es verschlägt einem noch heute den Atem, wenn man liest, was der Bildungsbürger ernsthaft vortrug: Die DDR war ein Polizeistaat, von der ersten Minute an. (Da hat er Recht.) Dann zählt er auf, wer in der DDR alles verboten gewesen sei: Proust, Joyce, Kafka, Musil, Rilke, Hofmannsthal, das meiste von Picasso. (Nichts davon stimmte. Von allen waren Bücher erschienen, natürlich nicht alles und wie es mit guten Büchern in der DDR so war: Sie lagen auch nirgends in den Läden herum. Verboten war nicht einmal Kafka, erwünscht lange auch nicht. Verboten waren Biermann und Havemann, Fuchs und Bahro, Havel und Sacharow, Orwell und Solschenizyn usw. usf.) Und dann ver- Westdeutsche Selbstbilder im Spiegel ostdeutscher Konstruktionen | 97 gleicht Siedler die DDR mit dem NS-Staat: «Mein Vergleich läuft darauf hinaus, daß man nach 1945 im Westen nur Hitler und seine Herrschaftsinstrumente, die Spitzen der Partei und der SS beiseite räumen mußte, und hinter all den Zerstörungen des Krieges kam eine wesentlich intakte Gesellschaft zum Vorschein.  (…) Mit der Hinterlassenschaft des sich sozialistisch nennenden Systems verhält es sich genau entgegengesetzt.»17 (Der Regisseur Florian Henckel von Donnersmarck palaverte im Januar 2019, seine Familie sei zu «kultiviert» gewesen, um Nazis zu sein. Zwangsarbeiter auszubeuten, scheint dem Künstler keine «Kulturfrage» zu sein.)18 Auch Siedler sprach aus der Mitte der Gesellschaft. Was er und Baring äußerten, war gesellschaftlicher Mainstream zwischen Nordsee und Alpen, der sich nicht nur in der Publizistik, sondern allerorten äußerte. Wer einmal als Ostler das zweifelhafte Vergnügen hatte, in bürgerlichen Salons «unidentifiziert» an Gesprächen zwischen Westlern über Ostdeutschland und seine Bewohnerinnen und Bewohner teilnehmen zu können, weiß das nur zu genau. Selbst die Wohlmeinenden redeten in einem paternalistischen Ton, der nur Hartbesaitete unberührt ließ. Zuweilen wurden solche «Stammtischgespräche» publik. Im intellektuellen Osten besonders zweifelhafte Berühmtheit erlangte Johannes Niermann 1991. Dieser Mann galt als Experte, der sich seit zwei Jahrzehnten mit der DDR befasst hatte. Der Bundestag lud ihn als Sachverständigen ein. Niermann sollte sich zur «Identitätsfindung von Jugendlichen in den neuen Bundesländern» äußern. Was er über das System schrieb, entsprach auch meinen Erfahrungen: Die Schulen waren Zuchtanstalten. Über die Wirklichkeit wurde ständig gelogen. Es wurde ein Lügengebäude errichtet. Seit 1990 wolle von den Verantwortlichen niemand etwas davon wissen, das Lügen gehe weiter. Ja, das stimmte. Aber hatte das System auch erreicht, was es anstrebte? Niermann sagte ohne Einschränkungen: ja. In der Kinderkrippe bereits wurde «Eigensinn» ausgetrieben. «Besondere Zuwendung und Zärtlichkeit durch das Betreuungspersonal waren stets untersagt.» Müttern in der DDR falle es prinzipiell schwer, «mit der Pflege, Versorgung und Erziehung ihres Kindes fertig zu werden». Sie hätten keine Geduld, keine Ausdauer, seien nicht entspannt und unfähig zu emotionaler Keine Ehe unter Gleichen98 | Zuwendung.19 Mütter spielten nicht mit ihren Kindern, nähmen sie nicht mit zum Einkauf, bauten keine Beziehung zu ihren Kindern auf. Im Kindergarten setze sich das fort. Besuchten achtzig Prozent der Kinder eine Krippe, seien es nun gar 94 Prozent, die in einen Kindergarten gingen. Auch hier wären die Eltern einfach nur froh, ihre Kinder abzugeben und anderen die Verantwortung zu übertragen. Im Kindergarten selbst ginge es ausschließlich um politischideologische Erziehung. Unterschiedslos. Vergleiche zur Bundesrepublik unterblieben, natürlich, sonst hätte die Frage gestellt werden müssen, warum in der Bundesrepublik alternative Kinderbetreuungsinstitutionen entstanden sind. «Die Schulen waren die Ausleseanstalten für die Partei, die Ideologie und den Machtapparat zur Unterdrückung und Verdummung der Massen.»20 Das stimmt, der Anspruch war so, aber nicht nur, denn irgendwie brauchte auch die DDR technokratische Eliten. Und vor allem: Hat das so geklappt? Mit anderen Worten: War die DDR die perfekte totalitäre Diktatur à la George Orwell? Nun, das behaupten nicht einmal jene, die die DDR als totalitär verfasst oder die Totalitarismustheorie als allein nützliches Theorieinstrument ansehen, um die SED-Diktatur einzuordnen. Niermann schreibt dann vieles runter, was seiner Beobachtung nach für das DDR-Schulwesen typisch gewesen sei. «Schüler mit Normabweichungen: Linkshänder, Brillenträger, Lernbehinderte, Unsportliche, Stotterer, Bettnässer u. a. waren einer Hölle ausgesetzt.» Das mag stimmen, leider nicht nur für die DDR, sondern auch für die Bundesrepublik, zu schweigen von anderen Zeiten und Kulturkreisen. Immer gab es überall Lehrerinnen und Lehrer, die sich gegen solche Ausgrenzungen stemmten. In der DDR war die systematische Ausgrenzung sogar untersagt – sie war ebenso lückenhaft in der Praxis wie die Ideologisierung und Militarisierung letztlich. «Individuelle, familiäre, religiöse und sprachliche Normabweichler waren der kollektiven Ablehnung ausgesetzt.» Auch das stimmt – immer und überall, leider. Und es stimmt, das war vom System so gewollt, es hat es aber nicht geschafft, das auch wirklich immer und überall durchzusetzen. Denn viel hängt auch in der Diktatur von Einzelnen ab, die fast nie den gezeichneten Bildern im Westdeutsche Selbstbilder im Spiegel ostdeutscher Konstruktionen | 99 «Lehrbuch des mustergültigen Kommunisten und Opportunisten» entsprechen. Niermann hat diese Differenz nicht interessiert. Natürlich hat das DDR-System vielfältige Spuren hinterlassen, auch und gerade in den Köpfen. Darauf wird zurückzukommen sein. Doch auch solche allumfassenden wie Niermann sie konstatierte? «Die Prinzipien der alltäglichen Propaganda, die Übertreibung, die gnadenlose Konsequenz des Dabeiseinmüssens, des Zuhörenmüssens und des Mitmachenmüssens, der plumpen Parolen und der ganz offensichtlichen Lügen hat psychologische Bedeutung: die einfachen Begabungen und Gemüter werden konsequent unter Kontrolle gebracht, in Aktivitäten eingebunden, auf Trab gehalten und nach Zeit, Inhalt und Ziel planmäßig strukturiert. Erreicht wird eine ganz primitive Konditionierung – wie bei Tierdressuren. Rückhaltlos wurden Autonomie und Vitalität gebrochen.» Heraus kam der «angepaßte Untertan», der aktive Systemgänger, und um den kleinen Rest «hatten Justiz und Medizin» sich zu kümmern.21 Was sollte mit diesen Scherben angefangen werden? Niermann wusste es: Das Abitur sollte auf zehn bis dreißig Prozent der bisherigen Abiturienten reduziert werden. Dazu muss man wissen, was der Pädagogikprofessor wusste, dass in der DDR 1989 nur 13 Prozent (etwas weniger als 20 000 Schülerinnen und Schüler) des gesamten Absolventenjahrgangs (rund 150 000) Abitur ablegten und an diesen Zahlen auch 1990/91 sich noch nichts einschneidend hatte ändern können. Statt 20 000 also künftig nur noch 2000 bis 6000 pro Jahrgang. Passend dazu sollten «in vermehrtem Umfang» Realschulen eingerichtet werden «mit folgenden Schwerpunkten»: «Haus wirtschaft (als Pflichtfach für alle Mädchen), Werken/Handarbeit, Technisches Zeichnen/Arbeitslehre, kaufmännisches Wesen.»22 Dass der Autor kein Feminist war, hatte er bis zu diesem Vorschlag schon reichlich unter Beweis gestellt. Dass er aber den alten Morgenthau-Plan von 1945 aus der Versenkung hervorholte, nur dass er Deutschland nicht in Ackerland verwandeln, sondern den Ostdeutschen überhaupt erst einmal Hauswirtschaft und Arbeitstugend beibringen wollte, wirkt fast komisch, wenn es nicht weit verbreitete Bilder über Ostdeutsche wiedergeben würde. Doch damit nicht genug. «Erzogen wurde in der Familie, wenn Keine Ehe unter Gleichen100 | überhaupt, fast nur autoritär.» Versagten die Eltern, sprang das Kind ein: «Wenn die Eltern ihr Kind nicht zu den Pionieren lassen wollten, bettelte das Kind darum, zu den Pionieren gehen zu dürfen.»23 Niermann beobachtete: «Die psychische Deformierung vieler Eltern, als Folge der sozialistischen Indoktrination, hatte ihre Einfühlungsgabe in die Bedürfnis- und Erlebniswelt des Kindes ganz erheblich beeinträchtigt. Spontaneität und Emotionalität waren den Eltern völlig fremd. Zeigten Kinder diese Ausdrucksformen, so wurden sie rasch auf den nüchternen Weg der Planung und Kontrolle eingewiesen. (…) Auf die Bedürfnisse des Kindes einzugehen, war generell verpönt. (…) Dem Bedürfnis nach Liebe und Geliebtwerden wurde in den Familien nicht entsprochen.»24 Das geht so noch viele Seiten weiter. Der radikale Abtreibungsgegner Niermann sieht im massenhaften «Töten der Föten im Mutterleib» eine Folge ungezügelter Sexualkontakte und Vergewaltigungen, die eine Folge der emotionslosen Gesellschaft darstellten. Dass Frauen arbeiteten, habe zu ihrer generellen Degeneration beigetragen. Diese müssten sich künftig vor allem auf die «kindgerechte Erziehung» konzentrieren. Von Männern war keine Rede. Den Menschen im Osten müsse beigebracht werden, wie eine «richtige» Familie funktioniere. Alle Lehrerinnen und Lehrer seien umzuschulen, alle früheren SED-Mitglieder pauschal zu entlassen. Schulleiter im Osten sollten «vorzugsweise» Lehrer aus den alten Ländern werden. «An den Hochschulen und Universitäten in den neuen Bundesländern sollten in der Anfangsphase nur Personen aus den alten Bundesländern ihren Dienst verrichten, forschen und lehren dürfen, um einen wirklichen Neubeginn zu gewährleisten. Deshalb sollten Hochschulen und Uni versitäten auf ein Minimalmaß von 10 bis 30 % des jetzigen Umfangs gekürzt werden und nach und nach ein konstanter Auf- und Ausbau gewährleistet sein.»25 Und falls es seine Lesenden immer noch nicht verstanden hatten, wiederholte Niermann am Schluss seine vorgeschlagenen «Sofortmaßnahmen» und spitzte sie nochmals zu: «sofortige Absetzung aller Leitbilder: vom Erzieher über den Lehrer, Professor, Rundfunksprecher bis zum Führungspersonal der Jugendlichen in der Wirtschaft».26 Johannes Niermanns Ausführungen lesen sich heute wie die Nie- Die Forderung: «Anpassung» | 101 derschrift eines durchgeknallten, papsttreuen, leicht verwirrten, frauen feindlichen Antisozialisten. Vielleicht war er das alles auch. Vielleicht auch nicht. Seine Einlassungen waren von keiner Kenntnis, nicht dem Ansatz wissenschaftlicher Ausgewogenheit oder gar dem Drang nach Differenzierung geprägt.27 Man muss freilich festhalten, was Niermann auch immer gewesen sein mag, ein Außenseiter war er keinesfalls mit seinen Thesen. Kaum jemand traute sich das so offen und radikal auszudrücken. Höchstens Jörg Schönbohm noch. Der christdemokratische Hardliner, der die NVA aufgelöst, deren Reste in die Bundeswehr überführt hatte und zehn Jahre in Brandenburg Innenminister war (1999 – 2009), sagte im August 2005 mit Blick auf die Ermordung von neun Neugeborenen (Neonatizid) durch eine ostdeutsche Mutter, daran sei die «Proletarisierung Ostdeutschlands» bis 1989 schuld. Oder der Sozialdemokrat Jürgen Schneider. Der kam aus Stade nach Magdeburg und wurde dort Innenstaatssekretär. Er schrieb 1998 im «Spiegel»: «Den Ostler erkennt man, Ausnahmen ausgenommen, bereits beim Betreten des Raumes: Wie in der Kneipe oder im Restaurant duckt er sich zunächst, als warte er darauf, ‹platziert› zu werden.»28 Oder der Kriminologe Christian Pfeiffer. Auch er verkündete im «Spiegel»: «Viele Kinder sind … emotional nicht satt geworden an Zuwendung durch feste Bezugspersonen.»29 Oder … noch ganz viele andere. Die Forderung: «Anpassung» Die Reihe solcher Pauschalisierungen und Skandalisierungen ließe sich endlos fortsetzen. Sie bestätigen, wie viele einflussreiche Westdeutsche an einer Konstruktion namens «Ostdeutsche» werkelten. Der Subtext des «Einigungsprozesses» liegt in solchen Offenbarungen. Er lautete: Wir, die Westler, haben ein siegreiches, ein überlegenes System und zwar in jeglicher Hinsicht. Nicht nur wirtschaftlich, politisch, kulturell, nein, auch die Menschen sind Euch überlegen. Ihr könnt zwar nichts dafür, Ihr seid gezwungen worden, so «verzwergt» (Baring) zu werden, nun müssen Wir Euch halt umerziehen. Das wurde natürlich nicht Umerziehung oder Re-

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Zusammenfassung

Dreißig Jahre nach dem Mauerfall ist es an der Zeit, Bilanz zu ziehen. Was genau lief im Osten ab, als er vom Westen übernommen wurde? Worin unterscheidet sich Ostdeutschland von anderen Regionen in der Bundesrepublik? Und weshalb sind Populisten und Extremisten hier so erfolgreich? Ohne Scheuklappen stellt der ostdeutsche Historiker Ilko-Sascha Kowalczuk in seinem Buch harte Fakten neben persönliche Erfahrungen - und liefert damit das politische Buch der Stunde.

Die Revolution in der DDR kam völlig überraschend. Als die Mauer fiel, hatte niemand damit gerechnet. Die Herstellung der deutschen Einheit erfolgte in einem rasanten Tempo. Fast nichts blieb im Osten so, wie es war. Die Menschen mussten ihren Alltag, ihr Leben von heute auf morgen komplett neu einrichten. Die sozialen Folgen waren enorm und sind im Westen bis heute meist unbekannt. Ilko-Sascha Kowalczuk erklärt in seinem kurzweiligen Essay, wie sich die Umwandlung Ostdeutschlands vollzog, welche Gewinne und Verluste die Menschen dort verbuchten und wie die ostdeutsche Gegenwart mit der Vergangenheit von vor und nach 1989 zusammenhängt. Er entfaltet dabei ein breites politisches, ökonomisches und gesellschaftliches Panorama - mit Ecken und Kanten, voller Überraschungen und Zuspitzungen. Eine kontroverse Debatte zum Jubiläum ist garantiert.