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«Aufbauhelfer» aus dem Westen in:

Ilko-Sascha Kowalczuk

Die Übernahme, page 170 - 176

Wie Ostdeutschland Teil der Bundesrepublik wurde

6. Edition 2020, ISBN print: 978-3-406-74020-6, ISBN online: 978-3-406-77053-1, https://doi.org/10.17104/9783406770531-170

Series: C.H.Beck Paperback, vol. 6355

C.H.BECK, München

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8 | Kulturelle Hegemonie: der Elitenaustausch und die Entwertung ostdeutscher Kultur Ich war seit 1990 in verschiedenen Gremien am Neuaufbau der Humboldt-Universität zu Berlin und des dortigen Instituts für Geschichtswissenschaften aktiv beteiligt. Obwohl ich mich selbst nicht so sah, zählte ich zu den Vertretern radikaler Auffassungen: Im Prinzip müssten, so glaubte ich, alle weg, die im SED-System Verantwortung trugen. Als nur die ideologischen Fachbereiche der Universität abgewickelt und neu aufgebaut wurden, empfand ich das als ungerecht. Besser wäre es gewesen, so glaubte ich, alle Fachbereiche wären gleich behandelt, also abgewickelt worden. Natürlich wusste ich, dass es große Unterschiede in der politischen Belastung zwischen Geschichte, Philosophie, Jura, Ökonomie, Asien- und Afrikawissenschaften, Erziehungswissenschaften einerseits und Medizin, Mathematik, Biologie, Agrarwissenschaften andererseits gab. Aber ich wusste auch, dass selbst in diesen Gebieten nicht nur der reinen Wissenschaften gefrönt worden ist. Meine Ansichten verkündete ich überzeugt öffentlich auf großen Versammlungen. Ich fand, jeder sollte individuell seine Eignung für die Zukunft in einer Einzelfall- überprüfung unter Beweis stellen. Und das, meinte ich, sollte nicht nur für die Universitäten und Hochschulen, sondern für den gesamten Öffentlichen Dienst gelten. So habe ich das zu Beginn der 1990 er Jahre gesehen. Damit stand ich keineswegs allein. Erst allmählich dämmerte mir, dass ich es mit der Unschuldsvermutung offenbar nicht hatte, dass ich das Prinzip, die «Schuld» ist durch den Ankläger zu beweisen, nicht die «Unschuld» vom Angeklagten, nicht ernst genommen hatte. Auch wenn es sich um Kategorien aus dem Strafrecht handelt, die nicht übertragbar sind, weil es nicht um strafrechtlich relevante Vorgänge ging, so beschreiben sie doch eine He- «Aufbauhelfer» aus dem Westen | 171 rangehensweise. Für mich waren irgendwie alle diskreditiert, die in der DDR Verantwortung getragen hatten. Später sah ich, dass mit einer solchen Einschätzung kein Staat zu machen, keine Gesellschaft zu befrieden ist. Zum Glück hatte ich keine Verantwortung, jedenfalls keine tragende. Das von mir beschriebene Prinzip wurde zum Motto beim Umund Aufbau Ostdeutschlands. Dass die Parteiapparate, Armee und Polizei, Staatsapparat und Justiz ihre Spitzenkräfte verloren, war eine logische und richtige Folge der Freiheitsrevolution. Dass es aber viel weiter ging, hätte 1990 kaum jemand erwartet. Doch tatsächlich fand ein Austausch von Führungskräften größten Ausmaßes statt, so wie ihn zu Friedenszeiten in Europa noch keine Gesellschaft erlebt hatte. Drei Probleme erzwangen personelle Veränderungen: Tatsächlich war ein Teil der Führungskräfte, auch der technokratischen Führungselite, politisch diskreditiert. Zudem war die gesamte öffentliche Verwaltung im Osten aufgebläht und personell völlig überbesetzt. Und schließlich verlangte der Neuaufbau nach Kräften, die die bundesdeutsche Rechts-, Sozial- und Wirtschaftsordnung verinnerlicht hatten. «Aufbauhelfer» aus dem Westen waren daher unverzichtbar. Dass diese zur Verfügung standen, wurde viele Jahre als ein klarer Standortvorteil Deutschlands bewertet. Dass aber der Osten zum Karriereparadies für Westdeutsche wurde, damit hatte so niemand gerechnet. Nur weil die Bundesrepublik existierte, konnte es anders als in Ostmittel- und Osteuropa eine komplette personelle Tabula rasa geben – mit allen Folgen, die das bis heute zeitigt. «Aufbauhelfer» aus dem Westen Handfeste Aufgaben des Staates wurden – das lässt sich nicht oft genug herausstellen – in großer Schnelligkeit und Präzision erfüllt. Erinnert sei etwa an den Ausbau der Infrastrukturen (z. B. Verkehrsnetze, Telefon) oder die Umstellung von Stadt- auf Erdgas (auch in West-Berlin). Hier stießen allgemeine neoliberale Entwicklungen (z. B. Privatisierung der Bundesbahn, des Energiemarktes oder von Teilen der Bundespost) auf den großen Reformbedarf im Kulturelle Hegemonie172 | Osten, so dass in technischer Hinsicht die «Marktbereinigung» für privatisierte Unternehmen im Osten weitaus «problemloser» vonstatten ging. Das brachte viele Vorteile für die Verbraucher. Zu den wichtigsten staatlichen Aufgaben gehörte unmittelbar nach 1990 der Neuaufbau in der öffentlichen Verwaltung und dem Justizwesen  – zwei Grundpfeiler einer freiheitlichen Demokratie. Angesichts der Vielzahl an Problemen ist schon bewundernswert, dass die Verantwortlichen dabei überhaupt den Überblick behielten. Von Vorteil war, dass das bundesdeutsche System einfach nur übertragen zu werden brauchte. Die einzelnen Länder hatten jeweils Patenländer im alten Bundesgebiet, wobei Berlin einen klaren Vorteil besaß: In den Ostteil der Stadt entsandte Senatsmitarbeiter konnten nach Feierabend in ihre gewohnte Umgebung nach Hause fahren – mit der S-Bahn, dem Fahrrad oder dem Auto. Das war in den neuen Flächenländern nicht so ohne weiteres möglich  – und die Konflikte daher fast vorprogrammiert. Alles musste neu errichtet werden – von funktionierenden Arbeits- und Sozialämtern über die kommunale Verwaltung bis hin zu einem dem Rechtsstaatsgedanken verpflichteten Justizwesen. Im Osten gab es keine Verwaltungsbeamten und Juristen, die diesen Aufbau hätten gestalten können. Es war im Vergleich zu allen anderen Ostblockstaaten ein großes Glück, qua Grundgesetz Teil der Bundesrepublik geworden zu sein und nun beim Neuaufbau auf deren Beamtenelite zurückgreifen zu können. Nun, unter Elite darf man sich freilich nicht vorstellen, dass es immer die Besten sind. «Elite» beschreibt mehr ein Anforderungs-, Ausbildungs- und Positionsprofil denn eine professionelle Eigenschaft. Sie meint auch nicht nur die absoluten Führungsspitzen in Staat, Wirtschaft und Gesellschaft, sondern Führungskräfte wie Abteilungsleiter, Professoren oder Chefredakteure. Ohne diese Elite hätte der Osten Deutschlands nicht aus dem Sumpf gezogen werden können. Doch bei allen Verdiensten: In der Regel kam nicht die allererste Riege angeflogen in ihren merkwürdig gleich aussehenden Anzügen und Kostümen, mit ihren praktischen Kapitänskoffern und ihren großen mobilen Telefonen, um der Netzwüste Ostdeutschland nicht zu erliegen. Der Osten erwies sich als «Aufbauhelfer» aus dem Westen | 173 eine Karriereschleuse für viele Westler. Die Elitenrekrutierung ist eines der kompliziertesten und nachhaltigsten Kapitel im Transformationsprozess. Der Osten war auf diese Elite dringend angewiesen, ohne ihr Engagement ist der Neuaufbau undenkbar. Und zugleich stellte sie eines der größten Probleme dar – nicht die Einzelnen, sondern Elite als eine geschlossene, nur nach strengen Regeln und Auswahlkriterien zu betretende Gruppe. Diese Beamtenelite kam in den Osten angerauscht, voller Elan und Tatendrang und traf auf skeptisch, mürrisch dreinblickende und zurückhaltend agierende Angestellte des früheren SED-Staates. Nur in wenige Positionen waren Außenseiter nachgerückt, die oftmals mehr ihre moralische Überlegenheit denn ihre professionelle Berufung auszeichnete. Nur wenige Personen sind aus Rehabilitationsgründen aufgerückt oder wiedereingestellt worden. Und die Westbeamten kamen nicht als Gleiche unter Gleichen, sondern durchweg als Vorgesetzte. Die Behörden und öffentlichen Einrichtungen auf Landes- und Bundesebene in Ostdeutschland glichen sich jahrelang in einer Pyramide: Je höher die Posten in einer institutionellen Hierarchie ausfielen, um so geringer war die Chance, auf Ostdeutsche zu treffen. Es gab dazu kaum eine Alternative – wird bis heute vor allem von jenen gesagt, die in den Spitzen der Hierarchien standen. Das mag für das Justizwesen oder die Polizei zugetroffen haben, aber auch für technokratisch ausgerichtete Ämter? Bis 1995 hatten Kommunen, Länder und Bund rund 35 000 westdeutsche Beamte zeitweise oder dauerhaft in den Osten entsandt.1 Einige sind aus dem Ruhestand aktiviert worden, manche ließen sich dauerhaft im Osten nieder. Richard Schröder hat darauf hingewiesen, dass der Bedarf an westlichen Fachleuten nicht als Entmündigung der Ostdeutschen beklagt werden könne. «Es setzt sich niemand … gern in ein Flugzeug, wenn ihm erklärt wird: Der Pilot lernt grad noch.»2 Das stimmt. Doch stimmte es auch, dass es gar keine «Piloten», sprich keine potentiellen Führungskräfte außerhalb politischer Wahlämter im Osten gab? Nein, das stimmte nicht. Und mussten nicht auch die entsandten Westler lernen? Ihnen die Lernwilligkeit zuzumuten, Ostlern diese per se abzusprechen, ist wohl nicht das, was mit «auf Augenhöhe» in den 1990 er Jahren theoretisch gemeint war. Real war die «Augenhöhe» eine Perspektive von oben Kulturelle Hegemonie174 | nach unten (oder umgekehrt) zu schauen, je nachdem, wo der Einzelne herkam. So etwas nennen Wissenschaftler mit Hannah Arendt die Ausübung von «Macht», die nicht wie «Herrschaft» erworben oder übertragen wird, sondern die man hat (oder eben auch nicht). Die in den Osten entsandten westlichen Experten galten als «Aufbauhelfer Ost», eine besondere Form von «Entwicklungshelfern», beide Begriffe drücken unmissverständlich die Überlegenheit der gemeinten Person aus. Verfassung hin, Grundgesetz her – «Aufbauhelfer Ost» zementierten entgegen ihrer Entsendungsintention die kulturellen und mentalen Gräben zwischen «Helfern» und «Hilfsbedürftigen», zwischen Westlern und Ostlern. Das erfolgte strukturell bedingt. Wenn die «eine Herkunft» der «anderen Herkunft» unentwegt und zwar strukturell erläutert, wie es läuft, ergibt sich zwar nicht zwangsläufig das Figurenpaar vom Herrn und seinem Knecht, aber sehr wohl das vom Überlegenen und Unterlegenen, ein patriarchales Dienstverhältnis, aus dem es kein Entkommen gibt. Noch heute berichten «Aufbauhelfer» mit diesem Gestus: «Die Geschichten klingen wie Räuberpistolen aus einer anderen, einer erfundenen Welt.»3 Selbst Anerkennung erscheint so als Teil eines Unterwerfungsrituals oder schlicht als großkotzige Demütigung. Dass das Auftreten dieser «Aufbauhelfer Ost» vielfach  – natürlich nicht durchgängig! – zur Zementierung der Vorurteile beitrug, erscheint nur als Randnotiz angesichts der durch diese Praxis strukturell bedingten Ungleichheit der Lebensbiographien. Nun muss ich gestehen, dass ich in all den Jahren seit 1990 viel im Osten herumgekommen bin. Immer wieder, ob auf touristischen Kurzreisen, bei Vorträgen und Veranstaltungen oder mit der Familie im Urlaub. Ich kannte das Land sehr gut aus den Jahren bis zum Mauerfall, bin viel herumgereist, viel mehr blieb einem ja als DDR- Mensch nicht. Natürlich, ich war lieber in Prag oder Budapest, Krakow oder im Pirin, nur das ging nicht ständig. Sich die DDR anzuschauen, war dagegen unter jungen Menschen bestimmter Milieus am Wochenende eine verbreitete Freizeitaktivität. Nach 1990 erfreute ich mich daran, wie sich alles optisch veränderte. Hinter die Kulissen konnte man vor Ort kaum schauen. Was mich freilich störte, im Norden wie im Süden des kleinen Landes – die Menschen «Aufbauhelfer» aus dem Westen | 175 blieben für mich gewöhnungsbedürftig. Ob im Hotel, in der Gaststätte, im Kino, auf dem Parkplatz, im Museum oder in der Kaufhalle: Was habe ich mich geärgert über Unhöflichkeit, Maulfaulheit, Patzigkeit, Verantwortungslosigkeit. Hatte sich da im Vergleich zu vor 1989 wirklich nichts verändert? Ich schwor mir sehr oft seit 1990, nie wieder in den Osten zu fahren und tat es doch immer und immer wieder. Da komme ich nun einmal her. Da bin ich zu Hause, ob ich nun will oder nicht. Ich bin lieber in London oder New York oder Barcelona, zu Hause bin ich in Ost-Berlin, in Leipzig, in Rostock. Das kommt mir selbst ziemlich komisch vor. Was soll ich tun? Ich kann es nicht ändern. Wir lebten in mehreren Städten, lernten sie lieben und schätzen – meine Wurzeln sind nicht gelöst worden. Warum ich das hier schreibe? Weil ich all die Beamten und ihre Familien aus dem Westen immer nur zu gut verstehen konnte, wenn sie ihre Ost-Erfahrungen mitteilten und diese nicht eben günstig für den Osten und seine Einwohnerschaft ausfielen. Ich habe mich auch zeitlebens über Unfreundlichkeit, Interessenlosigkeit, Ignoranz und Engstirnigkeit geärgert. «Ostig» und «Scheiß-Osten» haben meine Freundinnen und Freunde und ich schon als Jugendliche in der DDR geflucht, am liebsten sagten wir «Scheiß-Ostwetter», ja, wir haben sogar in Anlehnung an faschistoid ein neues Adjektiv erfunden: «ostoid». Das haben wir bis 1989 gern und lachend und viel benutzt – nach 1990 kam das allmählich aus unserem Sprachgebrauch. Mir fiel das aber immer wieder ein, wenn ich Westler über den Osten reden und fluchen hörte. Ich konnte sie zu gut verstehen – und fand es zugleich ungerecht, arrogant und abstoßend. Denn letztlich regten sie sich worüber auf? Genau, dass sie anderswohin gingen, als «Aufbauhelfer», Karrierechancen nutzend, die ihnen sonst nicht geboten worden wären, neue Geschäfte aufbauend und dass sie dort, wo sie im wilden Osten nun aber auch so etwas von uneigennützig halfen, nicht alles so vorfanden, wie sie es gewohnt waren. Die Menschen waren anders, die Straßen, die Geschäfte, der Geruch, der Krach, die Kultur, einfach alles. Unerhört eigentlich. Die globale Tourismusindustrie hat darauf längst reagiert: Die Umsteigeflughäfen weltweit ähneln sich; die Hotelketten, das Frühstücksbuffet, die Poollandschaften – egal, aus welchem Schiff und Flugzeug Touristen fallen, Kulturelle Hegemonie176 | sie fallen ins gewohnte Bett. Die wunderschöne Insel Mallorca ist auch deswegen in Verruf geraten, weil deutsche und englische Touristen und ihre Reiseagenturen aber auch alles dafür taten, dass sie sich heimisch fühlen. Und genau das beklagten die westdeutschen Aufbauhelfer: Sie fühlten sich nicht heimisch. Ich konnte und kann über meine Heimat ungezügelt fluchen, weil das zu mir und meiner Heimat gehörte. Wenn ich mich nicht in meiner Heimat bewege, werde ich vieles tun, gewiss aber nicht verlangen, dass sich nun alle zu verhalten hätten, wie ich es gern hätte oder selbst tue. Vielleicht würde ich mich meiner Umwelt anpassen, wahrscheinlich einfach weiter so leben, wie es mir passt und die Einheimischen ihrem eigenen Glück überlassen oder einfach nach der Erfahrung ohne Groll wieder dorthin gehen, wo ich mich wohler fühle. Ganz so einfach war das natürlich nicht, weil, wie gesagt, der Aufbau Ost ohne das Personal aus dem Westen so nicht möglich gewesen wäre. Hätte die Politik eine andere Mentalität, eine andere Kultur des Umgangs miteinander befördern können? Das ist schwer zu beantworten, mindestens jedoch auf einem entscheidenden Feld hätte die Politik, wie schon erwähnt, ein deutliches Zeichen setzen können: Ja, wir sind jetzt ein neues Gemeinwesen, bei dem zwar die bundesdeutsche Wirtschafts-, Sozial- und Rechtsordnung auf den Osten übertragen wird  – woran auch fast niemand Kritik übte  – , aber wir geben uns die erste gesamtdeutsche Verfassung, so wie es die Väter und Mütter des Grundgesetzes 1949 mit Artikel 146 vorgesehen hatten. Noch mehr freilich wäre notwendig gewesen, andere Karrierewege als die bislang im Westen bekannten zu fördern und ausdrücklich als Alternative einzuschließen. Das erfolgte nicht, wohl auch, um sich lästige Konkurrentinnen und Konkurrenten vom Halse zu halten. Der Elitenaustausch an den Universitäten An den Hochschulen und Universitäten (ohne Medizin) gingen bis Mitte der 1990 er Jahre rund 75 Prozent der 1989 dort noch tätigen Hochschullehrer (Dozenten und Professoren) verloren. Dabei

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Zusammenfassung

Dreißig Jahre nach dem Mauerfall ist es an der Zeit, Bilanz zu ziehen. Was genau lief im Osten ab, als er vom Westen übernommen wurde? Worin unterscheidet sich Ostdeutschland von anderen Regionen in der Bundesrepublik? Und weshalb sind Populisten und Extremisten hier so erfolgreich? Ohne Scheuklappen stellt der ostdeutsche Historiker Ilko-Sascha Kowalczuk in seinem Buch harte Fakten neben persönliche Erfahrungen - und liefert damit das politische Buch der Stunde.

Die Revolution in der DDR kam völlig überraschend. Als die Mauer fiel, hatte niemand damit gerechnet. Die Herstellung der deutschen Einheit erfolgte in einem rasanten Tempo. Fast nichts blieb im Osten so, wie es war. Die Menschen mussten ihren Alltag, ihr Leben von heute auf morgen komplett neu einrichten. Die sozialen Folgen waren enorm und sind im Westen bis heute meist unbekannt. Ilko-Sascha Kowalczuk erklärt in seinem kurzweiligen Essay, wie sich die Umwandlung Ostdeutschlands vollzog, welche Gewinne und Verluste die Menschen dort verbuchten und wie die ostdeutsche Gegenwart mit der Vergangenheit von vor und nach 1989 zusammenhängt. Er entfaltet dabei ein breites politisches, ökonomisches und gesellschaftliches Panorama - mit Ecken und Kanten, voller Überraschungen und Zuspitzungen. Eine kontroverse Debatte zum Jubiläum ist garantiert.