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3.8 Ermittlung der festzusetzenden Einkommensteuer in:

Dietmar Wellisch, Jörg Kroschel

Besteuerung von Erträgen, page 81 - 82

2. Edition 2011, ISBN print: 978-3-8006-3890-1, ISBN online: 978-3-8006-3891-8, https://doi.org/10.15358/9783800638918_81

Series: Vahlens Handbücher der Wirtschafts- und Sozialwissenschaften

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Sachliche Steuerpflicht 47 3.8 Ermittlung der festzusetzenden Einkommensteuer Die festzusetzende Einkommensteuer ermittelt sich nach § 2 Abs. 5, 6 EStG in zwei Schritten. Zunächst ist die tarifliche Einkommensteuer durch Anwendung des Steuertarifs des § 32a EStG auf das zu versteuernde Einkommen zu berechnen. Zu beachten ist, dass sich die tarifliche Einkommensteuer in den Fällen des § 32b EStG, der für bestimmte steuerfreie Vermögensmehrungen einen Progressionsvorbehalt vorsieht, in den Fällen der §§ 34, 34b EStG, die für bestimmte außerordentliche Einkünfte eine Tarifermäßigung vorsehen, in den Fällen des § 34a EStG, der einen ermäßigten Steuersatz für nicht entnommene Gewinne vorsieht, sowie in den Fällen des § 32d EStG, der einen besonderen Steuersatz für Einkünfte aus Kapitalvermögen vorsieht, nach abweichenden Vorschriften bemisst. In einem zweiten Schritt ist die tarifliche Einkommensteuer um die in § 2 Abs. 6 EStG genannten Beträge zu modifizieren, um die festzusetzende Einkommensteuer zu erhalten. Die folgende Darstellung orientiert sich an dem Schema in R 2 EStR. Zu versteuerndes Einkommen (§ 2 Abs. 5 EStG) Anwendung des Steuertarifs nach § 32a EStG (siehe B. 4.4) unter Berücksichtigung des Progressionsvorbehalts nach § 32b EStG, siehe B.4.4.3 der Tarifermäßigungen nach §§ 34, 34b EStG für außerordentliche Einkünfte, siehe B.4.4.4 des besonderen Steuersatzes für Einkünfte aus Kapitalvermögen nach § 32d EStG, siehe B.4.4.6 des besonderen Steuersatzes für nicht entnommene Gewinne nach § 34a EStG, siehe B.4.4.5 = Tarifliche Einkommensteuer (§ 2 Abs. 5 EStG) – anzurechnende ausländische Steuern (§ 34c Abs. 1 EStG) – Steuerermäßigung bei Einkünften aus Gewerbebetrieb (§ 35 EStG), siehe B.7.2.7 – Steuerermäßigung für Beiträge und Spenden an politische Parteien (§ 34g EStG), siehe B.8.3.9 – Steuerermäßigung bei Aufwendungen für haushaltsnahe Beschäftigungsverhältnisse, haushaltsnahe Dienstleistungen und Handwerkerleistungen (§ 35a EStG), siehe B.9.4 – Steuerermäßigung bei Belastung mit Erbschaftsteuer (§ 35b EStG), siehe B.9.5 + Zulage für Altersvorsorge (Riesterrente), wenn Sonderausgabenabzug günstiger (§ 10a Abs. 2 EStG), siehe B.10.3.2.3 + Kindergeld, soweit das Einkommen um die Freibeträge nach § 32 Abs. 6 EStG gemindert wurde, siehe B.8.5.3 = Festzusetzende Einkommensteuer (§ 2 Abs. 6 EStG) Tabelle B.5: Ermittlung der Festzusetzenden Einkommensteuer 48 Einkommensteuer 4 Festsetzung und Erhebung der Einkommensteuer 4.1 Zeitliche Erfassung der Einkünfte Die Einkommensteuer ist eine Jahressteuer (§ 2 Abs. 7 Satz 1 EStG). Der Veranlagungszeitraum, d.h. der Zeitraum, für den die Einkommensteuer festgesetzt wird, ist nach § 25 Abs. 1 EStG stets das Kalenderjahr. Regelmäßig ist der Veranlagungszeitraum zudem mit dem Ermittlungszeitraum, d.h. mit dem Zeitraum, für den das zu versteuernde Einkommen zu ermitteln ist, identisch (§ 2 Abs. 7 Satz 2 EStG). In einigen Fällen wird der Jahresgewinn allerdings zunächst nach den Verhältnissen eines vom Kalenderjahr abweichenden Zeitraums ermittelt und erst dann einem Veranlagungszeitraum zugewiesen. Wechsel zwischen beschränkter und unbeschränkter Steuerpflicht Eine solche Ausnahme von dem Grundsatz, dass der Ermittlungszeitraum mit dem Veranlagungszeitraum übereinstimmt, sieht das Gesetz für den Fall eines Wechsels von der unbeschränkten zur beschränkten Steuerpflicht oder umgekehrt vor. In diesem Fall sind die für den Zeitraum der beschränkten Steuerpflicht (Ermittlungszeitraum) erzielten inländischen Einkünfte in eine Jahresveranlagung zur unbeschränkten Steuerpflicht einzubeziehen (§ 2 Abs. 7 Satz 3 EStG). Der einheitliche Veranlagungszeitraum bezieht sich somit auf zwei Ermittlungszeiträume, nämlich den Zeitraum, für den die beschränkt steuerpflichtigen Einkünfte zu ermitteln sind, und den Zeitraum, für den die unbeschränkt steuerpflichtigen Einkünfte zu ermitteln sind. Abweichendes Wirtschaftsjahr für Land- und Forstwirte und Gewerbetreibende Eine weitere und in der Praxis bedeutsamere Ausnahme von dem Grundsatz der Identität von Veranlagungs- und Ermittlungszeitraum sieht § 4a EStG für Land- und Forstwirte sowie Gewerbetreibende vor. Diese haben den Gewinn nach dem Wirtschaftsjahr, das vom Kalenderjahr abweichen kann, zu ermitteln. Regelmäßiges Wirtschaftsjahr für Land- und Forstwirte ist der Zeitraum vom 1. Juli bis zum 30. Juni (§ 4a Abs. 1 Satz 2 Nr. 1 EStG). Dies gilt selbst dann, wenn der Land- und Forstwirt freiwillig oder auf Grund einer gesetzlichen Pflicht Bücher führt und Abschlüsse erstellt. § 8c EStDV erlaubt darüber hinaus für bestimmte Land- und Forstwirte andere Wirtschaftsjahre, die sich an den üblichen Saisonzeiten der jeweiligen Betriebsart orientieren. So können Betriebe mit einem Futterbauanteil von mindestens 80 % der landwirtschaftlichen Nutzungsfläche den Zeitraum vom 1. Mai bis zum 30. April, Betriebe reiner Forstwirtschaft den Zeitraum vom 1. Oktober bis zum 30. September (sog. Forstwirtschaftsjahr) und Betriebe, die reinen Weinbau betreiben, den Zeitraum vom 1. September bis zum 31. August als Wirtschaftsjahr bestimmen (§ 8c Abs. 1 EStDV). Dies gilt auch dann, wenn in geringem Umfang noch eine andere land- und forstwirtschaftliche Nutzung vorhanden ist (§ 8c Abs. 1 Satz 2 EStG, vgl. auch H 4a EStH „Wirtschaftsjahr bei Land- und Forstwirten“ sowie BFH- Urteil vom 03.12.1987, BStBl II 1988, S. 269 zum Begriff des geringen Umfangs).

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References

Zusammenfassung

Das Handbuch zur Besteuerung des Einkommens.

Thema des Buches ist die Besteuerung von Erträgen in der Bundesrepublik Deutschland, die von natürlichen und juristischen Personen erwirtschaftet werden. Es vermittelt einen systematischen Überblick über die Einkommensteuer, einschließlich der steuerlichen Gewinnermittlung, die Körperschaftsteuer und die Gewerbesteuer.

Das Buch eignet sich für die Ausbildung und für die Praxis. Die besondere Eignung für Praktiker leitet sich daraus ab, dass es anders als ein Kommentar bestimmte Sachfragen zusammenhängend abhandelt. So werden beispielsweise Fragen der Besteuerung der Altersvorsorge, von wiederkehrenden Leistungen, Betriebsaufspaltungen, der Umstrukturierung von Personengesellschaften oder der Verlustverrechnung in besonderen Abschnitten systematisch abgehandelt.

Insgesamt zeichnet sich das Buch dadurch aus, dass es die unübersichtliche Zahl von steuerlichen Einzelregelungen in verständlichen Sachzusammenhängen erläutert und somit die Komplexität des Ertragsteuerrechts auf den Kern der steuerlichen Behandlung zurückführt, ohne die steuerlichen Einzelregelungen zu vernachlässigen.

Zielgruppe sind die Studierenden der Wirtschaftswissenschaften an Universitäten und Fachhochschulen, des Steuerrechts an juristischen Fakultäten sowie Finanzfachhochschulen. Zudem eignet sich das Buch als Nachschlagewerk für die Praxis der Steuerberatung sowie Finanzverwaltung.

Die Autoren

Prof. Dr. Dietmar Wellisch, Steuer- und Rentenberater, studierte Wirtschafts- und Rechtswissenschaften, promovierte an der Universität Tübingen und habilitierte sich an der Indiana State University/USA und der Universität Dortmund. Prof.Wellisch ist Mitglied des wiss. Beirats beim BMF und zudem Vorsitzender des Vorstands der Arbeitsgemeinschaft Zeitwertkonten mit Sitz in Frankfurt/Main.

Prof. Dr. Jörg Kroschel war nach einer Promotion zum US-Steuerrecht mehrere Jahre als Steuerberater für Ernst & Young tätig. Seit 2007 ist er Professor für Rechnungswesen und Unternehmensbesteuerung an der Hochschule Zittau / Görlitz.