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7.1 Einkünfte aus Land- und Forstwirtschaft in:

Dietmar Wellisch, Jörg Kroschel

Besteuerung von Erträgen, page 328 - 330

2. Edition 2011, ISBN print: 978-3-8006-3890-1, ISBN online: 978-3-8006-3891-8, https://doi.org/10.15358/9783800638918_328

Series: Vahlens Handbücher der Wirtschafts- und Sozialwissenschaften

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294 Einkommensteuer 7 Die einzelnen Einkunftsarten 7.1 Einkünfte aus Land- und Forstwirtschaft Kennzeichnend für die Einkünfte aus Land- und Forstwirtschaft ist eine Tätigkeit, die die planmäßige Nutzung der natürlichen Kräfte des Bodens zur Erzeugung von Pflanzen und Tieren und die Verwertung der dadurch selbstgewonnenen Erzeugnisse zum Gegenstand hat (R 15.5 Abs. 1 Satz 1 EStR, BFH-Urteil vom 18.03.1976, BStBl II 1976, S. 482). Nach § 13 Abs. 1, 2 EStG resultieren Einkünfte aus Land- und Forstwirtschaft insbesondere aus Landwirtschaft, Forstwirtschaft, Weinbau, Gartenbau und aus allen Betrieben, die Pflanzen und Pflanzenteile mit Hilfe der Naturkräfte gewinnen (§ 13 Abs. 1 Nr. 1 Satz 1 EStG); Tierzucht und Tierhaltung innerhalb der Grenzen des § 13 Abs. 1 Nr. 1 Satz 2 EStG; Binnenfischerei, Teichwirtschaft, Fischzucht für Binnenfischerei und Teichwirtschaft, Imkerei, Wanderschäferei und Saatzucht (§ 13 Abs. 1 Nr. 2 EStG i.V.m. § 62 BewG); Jagdbetrieben, wenn diese mit dem Betrieb einer Land- oder Forstwirtschaft im Zusammenhang stehen (§ 13 Abs. 1 Nr. 3 EStG). land- und forstwirtschaftlichen Nebenbetrieben, die dem land- und forstwirtschaftlichen Hauptbetrieb zu dienen bestimmt sind (§ 13 Abs. 2 Nr. 1 EStG); zu unterscheiden ist zwischen Verarbeitungsbetrieben (z.B. Molkereien) sowie Substanzbetrieben (Abbauland i.S.d. § 43 BewG wie z.B. Sandgruben, Kiesgruben, Torfstichen); Verarbeitungsbetriebe qualifizieren sich als land- und forstwirtschaftlicher Nebenbetrieb, wenn überwiegend im eigenen Hauptbetrieb erzeugte Rohstoffe verarbeitet werden oder umgekehrt von Dritten übernommene Rohstoffe (z.B. organische Abfälle) verarbeitet werden, um im eigenen Hauptbetrieb verwendet zu werden (R 15.5 Abs. 3 Satz 1 EStR); Substanzbetriebe können land- und forstwirtschaftlicher Nebenbetrieb sein, wenn die gewonnene Substanz überwiegend im eigenen Hauptbetrieb verwendet wird (R 15.5 Abs. 3 Satz 3 EStR); dem Nutzungswert der zu eigenen Wohnzwecken oder zu Wohnzwecken des Altenteilers genutzten Wohnung des Land- und Forstwirts, wenn die Wohnung eine Größe, die bei Betrieben gleicher Art üblich ist, nicht überschreitet und das Gebäude ein Baudenkmal ist (§ 13 Abs. 2 Nr. 2 EStG); diese Vorschrift hat allerdings nur noch für Altfälle Bedeutung, in denen die Voraussetzungen für die Besteuerung des Nutzungswertes bereits im VZ 1986 vorlagen; zudem kann der Steuerpflichtige seit dem VZ 1999 unwiderruflich die Nichtanwendung der Nutzungswertbesteuerung der Wohnung beantragen (§ 13 Abs. 4 Satz 2 EStG); in diesem Fall gelten die Wohnung und der dazugehörende Grund und Boden als im Zeitpunkt der letztmaligen Anwendung der Nutzwertbesteuerung aus dem land- und forstwirtschaftlichen Betrieb entnommen; der dabei entstehende Entnahmegewinn bleibt außer Ansatz (§ 13 Abs. 4 Sätze 4, 5 EStG); der Produktionsaufgaberente nach dem Gesetz zur Förderung der Einstellung der landwirtschaftlichen Erwerbstätigkeit (§ 13 Abs. 2 Nr. 3 EStG). Die einzelnen Einkunftsarten 295 Wie in Abschnitt B.5.2.1 dargestellt wurde, kommen für Land- und Forstwirte die Gewinnermittlung durch Betriebsvermögensvergleich (§ 4 Abs. 1 EStG), die Gewinnermittlung durch Einnahmen-Überschuss-Rechnung (§ 4 Abs. 3 EStG) sowie die Gewinnermittlung nach Durchschnittssätzen (§ 13a EStG) in Betracht. Dabei stellt die Gewinnermittlung nach Durchschnittssätzen den Regelfall dar (siehe hierzu Abschnitt B.5.2.5). Wirtschaftsjahr für Land- und Forstwirte ist regelmäßig der Zeitraum vom 01. Juli bis zum 30. Juni (§ 4a Abs. 1 Nr. 1 Satz 1 EStG). Zu abweichenden Wirtschaftsjahren für Land- und Forstwirte sei auf die Ausführungen des Abschnitts B.4.1 verwiesen. Gemäß § 4a Abs. 2 Nr. 1 EStG ist der Gewinn aus Land- und Forstwirtschaft auf die Kalenderjahre des Beginns und des Endes des Wirtschaftsjahres zeitanteilig aufzuteilen. Im Regelfall des § 4a Abs. 1 Nr. 1 Satz 1 EStG ist der Gewinn somit hälftig in beiden Veranlagungszeiträumen zu erfassen. 7.1.1 Abgrenzung zum Gewerbebetrieb Der Begriff der Land- und Forstwirtschaft stellt auf die planmäßige Nutzung der natürlichen Kräfte des Bodens und die Verwertung der dadurch gewonnenen Erzeugnisse ab. Erfüllt die Bewirtschaftung des Bodens dieses Kriterium nicht, so ist von einer gewerblichen Bodenbewirtschaftung auszugehen. So liegt insbesondere dann ein Gewerbebetrieb vor, wenn fremde Erzeugnisse mit dem Ziel der Weiterveräußerung dauernd und nachhaltig zugekauft werden. Die Finanzverwaltung erkennt eine Land- und Forstwirtschaft regelmäßig dann noch an, wenn der Zukauf fremder Erzeugnisse, gemessen an deren Einkaufswert, 30 % des Umsatzes nicht übersteigt (R 15.5 Abs. 5 Satz 4 EStR). Ebenfalls keine planmäßige Nutzung des Bodens liegt vor, wenn Futtermittel im Rahmen der Tierzucht oder Tierhaltung dauernd und nachhaltig hinzugekauft werden müssen. In diesem Zusammenhang legt § 13 Abs. 1 Nr. 1 Satz 2 EStG Obergrenzen für die Viehbestände pro Hektar Land fest, bei deren Überschreiten eine gewerbliche Tierzucht und Tierhaltung unwiderleglich vermutet wird. Allerdings gilt nur der diese Grenzen übersteigende Tierbestand als gewerbliche Tierzucht oder Tierhaltung (§ 13 Abs. 1 Nr. 1 Satz 4 i.V.m. § 51 Abs. 2 BewG; vgl. auch R 13.2 Abs. 2 Satz 1 EStR). Ebenfalls gewerblicher Natur ist der Abbau von Bodenschätzen, da es sich nicht um die Verwertung durch die Bodenbewirtschaftung gewonnener Erzeugnisse handelt. Werden die Bodenschätze allerdings überwiegend im Rahmen eines land- und forstwirtschaftlichen Hauptbetriebs verwendet, so liegt kein gewerbliches Unternehmen, sondern ein landwirtschaftlicher Nebenbetrieb i.S.d. § 13 Abs. 2 Nr. 1 EStG vor. 7.1.2 Freibetrag nach § 13 Abs. 3 EStG § 13 Abs. 3 EStG sieht einen Freibetrag für Einkünfte aus Land- und Forstwirtschaft i.H.v. 670 € vor. Für zusammenveranlagte Ehegatten verdoppelt sich dieser Freibetrag. Voraussetzung für die Gewährung des Freibetrags ist, dass die Summe der Einkünfte den Betrag von 30.700 € (bzw. von 61.400 € bei zusammenveranlagten Ehegatten) nicht übersteigt. In § 13 Abs. 3 Satz 1 EStG heißt es: „Die Einkünfte aus Land- und Forstwirtschaft werden bei der Ermittlung des Gesamtbetrags der Einkünfte nur berücksichtigt, soweit sie den Betrag von 670 € übersteigen“. Aus dieser Formulierung ergibt sich, dass der Freibetrag nicht direkt von den Einkünften aus Land- und Forstwirtschaft abzuziehen ist, sondern erst bei der Ermittlung des Gesamtbetrags der Einkünfte; der Abzug erfolgt somit von der 296 Einkommensteuer Summe der Einkünfte (BFH-Urteil vom 25.02.1988, BStBl II 1988, S. 827), vgl. das Einkommensermittlungsschema in Abschnitt B.3.7. Hierdurch wird sichergestellt, dass der Freibetrag für Land- und Forstwirte nicht die Bemessungsgrundlage des Altersentlastungsbetrags nach § 24a EStG, der auf die positive Summe der Einkünfte abstellt, mindert. Der Abzug des Freibetrags darf nicht zu negativen Einkünften aus Land- und Forstwirtschaft führen. Obwohl er nicht direkt von den Einkünften aus Land- und Forstwirtschaft abzuziehen ist, darf er die Summe der Einkünfte maximal bis zur Höhe der Einkünfte aus Landund Forstwirtschaft mindern. Beispiel B.183: Ein Landwirt bezieht in 2010 Einkünfte aus Land- und Forstwirtschaft i.H.v. 12.000 €, Arbeitslohn i.H.v. 20.000 € sowie negative Einkünfte aus Gewerbebetrieb i.H.v. 15.000 €. Der Landwirt hat das 64. Lebensjahr in 2008 vollendet. Der Gesamtbetrag der Einkünfte ermittelt sich wie folgt: Einkünfte aus Land- und Forstwirtschaft 12.000 € + Einnahmen aus nichtselbständiger Arbeit (Arbeitslohn) + 20.000 € – Verluste aus Gewerbebetrieb – 15.000 € = Für den Altersentlastungsbetrag maßgebliches Einkommen 17.000 € – Werbungskosten-Pauschbetrag für Einkünfte aus nichtselbständiger Arbeit (§ 9a Satz 1 Nr. 1 EStG) – 920 € = Summe der Einkünfte 16.080 € – Altersentlastungsbetrag (33,6 % von 17.000 €, max. 1.596 €) – 1.596 € – Freibetrag gemäß § 13 Abs. 3 EStG – 670 € = Gesamtbetrag der Einkünfte 13.814 € 7.2 Einkünfte aus Gewerbebetrieb § 15 Abs. 1 EStG zählt drei Arten von Tätigkeiten auf, die Einkünfte aus Gewerbebetrieb begründen können. Einkünfte aus Gewerbebetrieb sind danach Einkünfte aus gewerblichen Einzelunternehmen (§ 15 Abs. 1 Nr. 1 EStG, siehe Abschnitt B.7.2.1), Gewinnanteile aus gewerblichen Mitunternehmerschaften (§ 15 Abs. 1 Nr. 2 EStG, siehe Abschnitt B.7.2.2) sowie Gewinnanteile der persönlich haftenden Gesellschafter einer KGaA (§ 15 Abs. 1 Nr. 3 EStG, siehe Abschnitt B.7.2.3). Darüber hinaus führen nach der Abfärbe- und Geprägetheorie des § 15 Abs. 3 EStG bestimmte weitere, nicht originär gewerbliche Tätigkeiten zu Einkünften aus Gewerbebetrieb (siehe Abschnitt B.7.2.4). Es sei zudem bereits an dieser Stelle darauf hingewiesen, dass der einkommensteuerliche Gewerbebetriebsbegriff des § 15 EStG gemäß § 2 Abs. 1 Satz 2 GewStG auch für die Gewerbesteuer relevant ist. Als Gewinnermittlungsmethode kommt für Gewerbetreibende der Betriebsvermögensvergleich nach § 5 EStG sowie die Einnahmen-Überschuss-Rechnung nach § 4 Abs. 3 EStG in Frage (vgl. Abschnitt B.5.2.1).

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Zusammenfassung

Das Handbuch zur Besteuerung des Einkommens.

Thema des Buches ist die Besteuerung von Erträgen in der Bundesrepublik Deutschland, die von natürlichen und juristischen Personen erwirtschaftet werden. Es vermittelt einen systematischen Überblick über die Einkommensteuer, einschließlich der steuerlichen Gewinnermittlung, die Körperschaftsteuer und die Gewerbesteuer.

Das Buch eignet sich für die Ausbildung und für die Praxis. Die besondere Eignung für Praktiker leitet sich daraus ab, dass es anders als ein Kommentar bestimmte Sachfragen zusammenhängend abhandelt. So werden beispielsweise Fragen der Besteuerung der Altersvorsorge, von wiederkehrenden Leistungen, Betriebsaufspaltungen, der Umstrukturierung von Personengesellschaften oder der Verlustverrechnung in besonderen Abschnitten systematisch abgehandelt.

Insgesamt zeichnet sich das Buch dadurch aus, dass es die unübersichtliche Zahl von steuerlichen Einzelregelungen in verständlichen Sachzusammenhängen erläutert und somit die Komplexität des Ertragsteuerrechts auf den Kern der steuerlichen Behandlung zurückführt, ohne die steuerlichen Einzelregelungen zu vernachlässigen.

Zielgruppe sind die Studierenden der Wirtschaftswissenschaften an Universitäten und Fachhochschulen, des Steuerrechts an juristischen Fakultäten sowie Finanzfachhochschulen. Zudem eignet sich das Buch als Nachschlagewerk für die Praxis der Steuerberatung sowie Finanzverwaltung.

Die Autoren

Prof. Dr. Dietmar Wellisch, Steuer- und Rentenberater, studierte Wirtschafts- und Rechtswissenschaften, promovierte an der Universität Tübingen und habilitierte sich an der Indiana State University/USA und der Universität Dortmund. Prof.Wellisch ist Mitglied des wiss. Beirats beim BMF und zudem Vorsitzender des Vorstands der Arbeitsgemeinschaft Zeitwertkonten mit Sitz in Frankfurt/Main.

Prof. Dr. Jörg Kroschel war nach einer Promotion zum US-Steuerrecht mehrere Jahre als Steuerberater für Ernst & Young tätig. Seit 2007 ist er Professor für Rechnungswesen und Unternehmensbesteuerung an der Hochschule Zittau / Görlitz.