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3.2 Einkunftsarten in:

Dietmar Wellisch, Jörg Kroschel

Besteuerung von Erträgen, page 67 - 68

2. Edition 2011, ISBN print: 978-3-8006-3890-1, ISBN online: 978-3-8006-3891-8, https://doi.org/10.15358/9783800638918_67

Series: Vahlens Handbücher der Wirtschafts- und Sozialwissenschaften

Bibliographic information
Sachliche Steuerpflicht 33 Trotz eines solchen pragmatischen Einkommensbegriffs lässt sich aber ein begrenzter Einfluss der beiden theoretischen Ideale der Quellentheorie und der Reinvermögenszugangstheorie auf das geltende Einkommensteuerrecht erkennen. Die sieben Einkunftsarten des § 2 Abs. 1 EStG lassen sich entsprechend ihrer grundsätzlichen Orientierung an einem der beiden theoretischen Ideale in zwei Gruppen einteilen. Die Einkunftsarten des § 2 Abs. 1 Satz 1 Nrn. 1 – 3 EStG, die zusammengefasst als Gewinneinkunftsarten oder betriebliche Einkunftsarten bezeichnet werden, orientieren sich an der Reinvermögenszugangstheorie, ohne dieser jedoch konsequent zu folgen. Die Einkunftsarten des § 2 Abs. 1 Satz 1 Nrn. 4 – 7 EStG (Überschusseinkunftsarten oder private Einkunftsarten) sind in entsprechender Weise an der Quellentheorie ausgerichtet. Die Orientierung an der Quellentheorie bzw. der Reinvermögenszugangstheorie kommt insbesondere dadurch zum Ausdruck, dass (realisierte) Wertsteigerungen des Stammvermögens im Rahmen der Gewinneinkunftsarten, grundsätzlich jedoch nicht im Rahmen der Überschusseinkunftsarten (Ausnahme: Gewinne aus privaten Veräußerungsgeschäften nach § 23 EStG; Gewinne aus dem Verkauf von Anteilen an Kapitalgesellschaften nach § 20 Abs. 2 EStG) steuerpflichtig sind. 3.2 Einkunftsarten 3.2.1 Die sieben Einkunftsarten Der Einkommensteuer unterliegen gemäß § 2 Abs. 1 Satz 1 Nrn. 1 - 7 EStG die Einkünfte aus den sieben Einkunftsarten, die in den §§ 13 - 24 EStG näher ausgeführt sind. 1. Einkünfte aus Land- und Forstwirtschaft §§ 13 - 14a EStG 2. Einkünfte aus Gewerbebetrieb §§ 15 - 17 EStG 3. Einkünfte aus selbständiger Arbeit § 18 EStG 4. Einkünfte aus nichtselbständiger Arbeit § 19 EStG 5. Einkünfte aus Kapitalvermögen § 20 EStG 6. Einkünfte aus Vermietung und Verpachtung § 21 EStG 7. Sonstige Einkünfte §§ 22, 23 EStG Gemeinsame Vorschriften § 24 EStG Tabelle B.1: Die sieben Einkunftsarten § 24 EStG enthält gemeinsame Vorschriften zu den sieben Einkunftsarten. Insbesondere sind gemäß § 24 EStG auch Entschädigungen, die als Ersatz für entgangene oder entgehende Einnahmen gewährt werden (§ 24 Nr. 1 Buchst. a EStG) sowie nachträgliche Einkünfte aus einer ehemaligen Tätigkeit (§ 24 Nr. 2 EStG) einkommensteuerpflichtig. Zu beachten ist, dass § 24 EStG keine neue Einkunftsart schafft, sondern dass eine Zuordnung zu der jeweiligen Einkunftsart des § 2 Abs. 1 Satz 1 Nrn. 1 – 7 EStG zu erfolgen hat. 34 Einkommensteuer 3.2.2 Nettoprinzip Nach dem Nettoprinzip (vgl. BFH-Beschluss vom 30.01.1995, BStBl II 1995, S. 281) wird bei den einzelnen Einkunftsarten nicht der Rohertrag, sondern nur der Reinertrag besteuert. Einkünfte stellen die Differenz von Einnahmen und Erwerbsaufwendungen dar. Das Nettoprinzip ist nach der BVerfG-Rechtsprechung eine der Grundentscheidungen des ESt-Rechts; es darf nicht vollständig abgeschafft, bei Vorliegen eines besonderen, sachlich rechtfertigenden Grundes aber eingeschränkt werden (BVerfG-Urteil vom 04.12.2002, BStBl II 2003, S. 534; Birk, DStR 2009, S. 881). Das Nettoprinzip gilt seit 2009 nicht mehr bei den Einkünften aus Kapitalvermögen. Die Abgeltungsteuer von 25 % bezieht sich auf die Einnahmen aus Kapitalvermögen; Werbungskosten können nicht mehr abgezogen werden. Dies kann insbesondere bei fremdfinanziertem Erwerb von Vermögensanlagen zu einer effektiven Steuerquote von mehr als 100 % führen. Beispiel B.3: Eine natürliche Person erwirbt für ihr Privatvermögen kreditfinanziert Aktien für 100.000 €. In 2011 erhält sie eine Dividende von 6.000 €. Für das Darlehen muss sie in 2011 Schuldzinsen von 5.000 € entrichten. Einnahmen aus Kapitalvermögen 6.000,00 € Abgeltungsteuer, 25 % von 6.000 € – 1.500,00 € Solidaritätszuschlag, 5,5 % von 1.500 € – 82,50 € Schuldzinsen – 5.000,00 € Wirtschaftlicher Verlust – 582,50 € Eine wirtschaftlich sinnvolle Anlageentscheidung wird somit durch steuerliche Vorschriften unrentabel. Bezogen auf den Vorsteuergewinn von 1.000 € ergibt sich in diesem Beispiel eine Steuerquote von 158,25 %. 3.2.3 Gewinn- und Überschusseinkunftsarten Die sieben Einkunftsarten können in Gewinn- und Überschusseinkunftsarten einerseits sowie in Haupt- und Nebeneinkunftsarten andererseits gegliedert werden. 1. Einkünfte aus Land- und Forstwirtschaft Gewinneinkunftsarten2. Einkünfte aus Gewerbebetrieb 3. Einkünfte aus selbständiger Arbeit 4. Einkünfte aus nichtselbständiger Arbeit Überschusseinkunftsarten 5. Einkünfte aus Kapitalvermögen 6. Einkünfte aus Vermietung und Verpachtung 7. Sonstige Einkünfte Tabelle B.2: Gliederung der Einkunftsarten in Gewinn- und Überschusseinkunftsarten

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References

Zusammenfassung

Das Handbuch zur Besteuerung des Einkommens.

Thema des Buches ist die Besteuerung von Erträgen in der Bundesrepublik Deutschland, die von natürlichen und juristischen Personen erwirtschaftet werden. Es vermittelt einen systematischen Überblick über die Einkommensteuer, einschließlich der steuerlichen Gewinnermittlung, die Körperschaftsteuer und die Gewerbesteuer.

Das Buch eignet sich für die Ausbildung und für die Praxis. Die besondere Eignung für Praktiker leitet sich daraus ab, dass es anders als ein Kommentar bestimmte Sachfragen zusammenhängend abhandelt. So werden beispielsweise Fragen der Besteuerung der Altersvorsorge, von wiederkehrenden Leistungen, Betriebsaufspaltungen, der Umstrukturierung von Personengesellschaften oder der Verlustverrechnung in besonderen Abschnitten systematisch abgehandelt.

Insgesamt zeichnet sich das Buch dadurch aus, dass es die unübersichtliche Zahl von steuerlichen Einzelregelungen in verständlichen Sachzusammenhängen erläutert und somit die Komplexität des Ertragsteuerrechts auf den Kern der steuerlichen Behandlung zurückführt, ohne die steuerlichen Einzelregelungen zu vernachlässigen.

Zielgruppe sind die Studierenden der Wirtschaftswissenschaften an Universitäten und Fachhochschulen, des Steuerrechts an juristischen Fakultäten sowie Finanzfachhochschulen. Zudem eignet sich das Buch als Nachschlagewerk für die Praxis der Steuerberatung sowie Finanzverwaltung.

Die Autoren

Prof. Dr. Dietmar Wellisch, Steuer- und Rentenberater, studierte Wirtschafts- und Rechtswissenschaften, promovierte an der Universität Tübingen und habilitierte sich an der Indiana State University/USA und der Universität Dortmund. Prof.Wellisch ist Mitglied des wiss. Beirats beim BMF und zudem Vorsitzender des Vorstands der Arbeitsgemeinschaft Zeitwertkonten mit Sitz in Frankfurt/Main.

Prof. Dr. Jörg Kroschel war nach einer Promotion zum US-Steuerrecht mehrere Jahre als Steuerberater für Ernst & Young tätig. Seit 2007 ist er Professor für Rechnungswesen und Unternehmensbesteuerung an der Hochschule Zittau / Görlitz.