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7.3 Einkünfte aus selbständiger Arbeit in:

Dietmar Wellisch, Jörg Kroschel

Besteuerung von Erträgen, page 349 - 354

2. Edition 2011, ISBN print: 978-3-8006-3890-1, ISBN online: 978-3-8006-3891-8, https://doi.org/10.15358/9783800638918_349

Series: Vahlens Handbücher der Wirtschafts- und Sozialwissenschaften

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Die einzelnen Einkunftsarten 315 Der Verlust aus dem Einzelunternehmen und der Gewinn aus der Mitunternehmerschaft sind für die Berechnung der Steuerermäßigung nach § 35 EStG nicht miteinander zu verrechnen. Aus der Beteiligung an der Mitunternehmerschaft sind A aufgrund seiner Beteiligungshöhe 50 % des Gewinns und 50 % des Gewerbesteuer-Messbetrags zuzurechnen. Die Einkommensteuer mindert sich um die auf den Gewinn aus der Mitunternehmerschaft entfallende Einkommensteuer (3.772 €), da diese niedriger ist als der 3,8 -fache anteilige Gewerbesteuer-Messbetrag der Mitunternehmerschaft (8.379 €). Zu doppelstöckigen oder mehrstöckigen Mitunternehmerschaften siehe Rz. 27 ff. des BMF- Schreibens vom 24.02.2009 (BStBl I 2009, S. 440). 7.2.7.6 Steuerermäßigung bei Organschaften § 35 EStG ist eine Begünstigungsvorschrift für gewerbliche Einzelunternehmen und Mitunternehmer von gewerblichen Personengesellschaften. Ist ein Einzelunternehmen oder eine gewerbliche Mitunternehmerschaft Organträger einer Organschaft im Sinne von §§ 14 ff. KStG sowie § 2 Abs. 2 Satz 2 GewStG, so ist der Gewerbeertrag der Organgesellschaft (Kapitalgesellschaft) dem Organträger zuzurechnen. Ebenso wird das nach dem KStG ermittelte Einkommen der Organgesellschaft unmittelbar dem Organträger zugerechnet und unterliegt bei diesem der Einkommensteuer. Der Organträger ist zur Gewerbesteueranrechnung auch in Bezug auf den Steuermessbetrag berechtigt, der sich auf den von der Organgesellschaft erwirtschafteten Gewerbeertrag bezieht. Zur Berechnung des Ermäßigungsbetrags nach § 35 Abs. 1 EStG ist ebenfalls der gesamte Gewerbesteuer-Messbetrag der Organschaft zugrunde zu legen. Auf die Voraussetzungen und die steuerliche Behandlung von körperschaftsteuerlichen und gewerbesteuerlichen Organschaften wird in den Abschnitten C.7.2 und D.6.2 ausführlich eingegangen. 7.3 Einkünfte aus selbständiger Arbeit § 18 Abs. 1 EStG zählt vier Arten von Tätigkeiten auf, die Einkünfte aus selbständiger Arbeit begründen können. Einkünfte aus selbständiger Arbeit sind danach Einkünfte aus freiberuflicher Tätigkeit (§ 18 Abs. 1 Nr. 1 EStG, Abschnitt B.7.3.1), Einkünfte der Einnehmer einer staatlichen Lotterie, wenn sie nicht Einkünfte aus Gewerbebetrieb sind (§ 18 Abs. 1 Nr. 2 EStG, Abschnitt B.7.3.2), Einkünfte aus sonstiger selbständiger Arbeit, insbesondere für Testamentsvollstreckung, Vermögensverwaltung und Aufsichtsratstätigkeit (§ 18 Abs. 1 Nr. 3 EStG, Abschnitt B.7.3.3), Einkünfte, die ein Beteiligter an bestimmten Wagniskapital-Gesellschaften oder - Gemeinschaften als Vergütung für Leistungen zur Förderung des Gesellschafts- oder Gemeinschaftszwecks erzielt, wenn die Vergütung unter der Voraussetzung gewährt wird, dass die Gesellschafter oder Gemeinschafter ihr eingezahltes Kapital zurückerhalten haben (§ 18 Abs. 1 Nr. 4 EStG, Abschnitt B.7.3.4). Wie sich der Formulierung des § 18 Abs. 1 EStG („Einkünfte aus selbständiger Arbeit sind...“) entnehmen lässt, handelt es sich um eine erschöpfende Aufzählung der Einkünfte aus selbständiger Arbeit. 316 Einkommensteuer H 15.6 EStH „Allgemeines“ stellt klar, dass die vier Positivmerkmale der gewerblichen Tätigkeit (Selbständigkeit, Nachhaltigkeit, Gewinnerzielungsabsicht und Teilnahme am allgemeinen wirtschaftlichen Verkehr) auch im Rahmen der Einkünfte aus selbständiger Arbeit erfüllt sein müssen (vgl. auch BFH-Urteil vom 14.03.1985, BStBl II 1985, S. 424). Zwar werden von den Einkünften aus selbständiger Arbeit gemäß § 18 Abs. 2 EStG ausdrücklich auch vorübergehende Tätigkeiten erfasst. Nach Auffassung des BFH ist allerdings auch unter einer vorübergehenden Tätigkeit eine Betätigung zu verstehen, die zwar zunächst nur einmal oder wenige Male ausgeübt wird, dies jedoch zumindest mit der Absicht, sie bei sich bietender Gelegenheit zu wiederholen (BFH-Urteil vom 10.09.2003, BStBl II 2004, S. 218). Gemäß § 18 Abs. 4 Satz 2 EStG gelten die Vorschriften des § 15 Abs. 1 Nr. 2 EStG zu gewerblichen Mitunternehmerschaften sinngemäß auch für die Einkünfte aus selbständiger Arbeit. Sind an einem Unternehmen, das eine selbständige Tätigkeit i.S.d. § 18 Abs. 1 EStG ausübt, mehrere Personen beteiligt, so beziehen diese anteilig Einkünfte aus selbständiger Arbeit, sofern sie als Mitunternehmer des Betriebs anzusehen sind. Zur Mitunternehmerschaft vgl. Abschnitt B.7.2.2. Die Gesellschafter einer Partnerschaftsgesellschaft, die gemäß § 1 PartGG nur von Angehörigen freier Berufe i.S.d. § 18 Abs. 1 Nr. 1 EStG gebildet werden kann, sind regelmäßig als Mitunternehmer anzusehen. Auch Vergütungen, die der Mitunternehmer von der Mitunternehmerschaft für die Überlassung von Arbeitskraft, Darlehen oder anderen Wirtschaftsgütern erhält, sind als Sondervergütungen den Einkünften aus selbständiger Arbeit hinzuzurechnen. Die der Mitunternehmerschaft zur Nutzung überlassenen Wirtschaftsgüter sind als Sonderbetriebsvermögen bei der Mitunternehmerschaft zu führen, d.h. durch Veräußerung oder Entnahme realisierte Wertsteigerungen dieser Wirtschaftsgüter werden ebenfalls von den Einkünften aus selbständiger Arbeit erfasst. Auf Grund des fehlenden Verweises in § 18 Abs. 4 EStG auf § 15 Abs. 3 EStG sind die Vorschriften zur Abfärbung und Prägung hingegen nicht sinngemäß bei den Einkünften aus selbständiger Arbeit anzuwenden. Ebenso anzuwenden sind gemäß § 18 Abs. 4 Satz 2 EStG die Verlustausgleichsbeschränkungen der §§ 15a und 15b EStG (siehe Abschnitte B.10.1.4 und B.10.1.5) sowie die Vorschriften zur Betriebsveräußerung und Betriebsaufgabe nach § 16 EStG (§ 18 Abs. 3 EStG; siehe Abschnitt B.5.3.3.1). 7.3.1 Freiberufliche Tätigkeiten Freiberufliche Tätigkeiten sind gemäß § 18 Abs. 1 Nr. 1 EStG die selbständig ausgeübte wissenschaftliche, künstlerische, schriftstellerische, unterrichtende oder erzieherische Tätigkeit, die in § 18 Abs. 1 Nr. 1 Satz 2 EStG aufgezählten selbständig ausgeübten „Katalogberufe“ (Ärzte, Zahnärzte, Tierärzte, Rechtsanwälte, Notare, Patentanwälte, Vermessungsingenieure, Ingenieure, Architekten, Handelschemiker, Wirtschaftsprüfer, Steuerberater, beratende Volks- und Betriebswirte, vereidigte Buchprüfer, Steuerbevollmächtigte, Heilpraktiker, Dentisten, Krankengymnasten, Journalisten, Bildberichterstatter, Dolmetscher, Übersetzer und Lotsen) und den Katalogberufen ähnliche Berufe. Den genannten freiberuflichen Tätigkeiten ist in Abgrenzung zur gewerblichen Tätigkeit gemein, dass die Tätigkeiten in starkem Maße auf der Ausbildung und dem Können des Die einzelnen Einkunftsarten 317 Steuerpflichtigen beruhen. Der Freiberufler setzt zwar auch Kapital ein. Der Einsatz von Kapital tritt jedoch gegenüber dem insbesondere geistigen Arbeitseinsatz in den Hintergrund. Gemäß § 18 Abs. 1 Nr. 1 Sätze 3, 4 EStG muss der Freiberufler (zusätzlich zu den vier Positivmerkmalen des § 15 Abs. 2 EStG) leitend und eigenverantwortlich tätig sein. Er darf Hilfskräfte beschäftigen und sich bei Abwesenheit vertreten lassen. Er muss jedoch das gesamte Spektrum der berufstypischen Arbeiten noch selbst erledigen. Ist für die Ausübung eines der Katalogberufe eine gesetzliche Berufsausbildung vorgeschrieben, so ist diese für das Vorliegen von Einkünften aus selbständiger Arbeit erforderlich (H 15.6 EStH „Allgemeines“; BFH-Urteil vom 01.10.1986, BStBl II 1987, S. 116). In der steuerlichen Praxis von besonderer Bedeutung ist die Frage, ob es sich bei einer Tätigkeit um eine den Katalogberufen ähnliche Tätigkeit handelt. Für die Qualifikation als ähnlicher Beruf i.S.d. § 18 Abs. 1 Nr. 1 EStG ist das gesamte Berufsbild zu betrachten. Es reicht jedoch nicht aus, den freiberuflichen Tätigkeiten insgesamt ähnlich zu sein (keine Gruppenähnlichkeit). Es muss vielmehr ein spezieller Katalogberuf gefunden werden, der mit allen Merkmalen dem Gesamtbild der zu beurteilenden Tätigkeit vergleichbar ist (BFH- Urteile vom 19.09.2002, BStBl II 2003, S. 27; vom 12.10.1989, BStBl II 1990, S. 64). Zu Beispielen für freie Berufe vgl. H 15.6 EStH „Abgrenzung selbständige Arbeit / Gewerbebetrieb“. Beispielhaft soll auf die „Ähnlichkeit“ mit einem beratenden Betriebswirt eingegangen werden. Hierzu hat der BFH in seinem Urteil vom 19.09.2002 (BStBl II 2003, S. 27) Stellung genommen. Den Beruf eines beratenden Betriebswirts im Sinne des § 18 Abs. 1 Nr. 1 EStG übt danach derjenige aus, der nach einem entsprechenden Studium oder vergleichbaren Selbststudium, verbunden mit praktischer Erfahrung, mit den hauptsächlichen Bereichen der Betriebswirtschaft (Unternehmensführung, Leistungserstellung, Materialwirtschaft, Finanzierung, Vertrieb, Verwaltung, Rechnungswesen, Personalwesen) und nicht nur mit einzelnen Spezialgebieten vertraut ist und diese fachliche Breite seines Wissens auch bei seinen praktischen Tätigkeiten einsetzt. Beispiel B.196: a) Ein Professor, der einen Aufsatz für eine betriebswirtschaftliche Fachzeitschrift schreibt und hierfür ein Honorar erhält, ist wissenschaftlich (und schriftstellerisch) tätig. Selbst bei einer nur einmaligen Veröffentlichung kann Wiederholungsabsicht unterstellt werden, da die fachschriftstellerische Tätigkeit eines Professors eine typische Nebentätigkeit ist. b) Ein Ingenieur, der in einem Hoch- und Tiefbauunternehmen angestellt ist, bezieht Einkünfte aus nichtselbständiger Tätigkeit nach § 19 EStG. Zwar ist der Beruf des Ingenieurs in dem Katalog des § 18 Abs. 1 Nr. 1 EStG aufgezählt, hier fehlt es jedoch an der Selbständigkeit. c) Ein selbständiger EDV-Berater übt keine ingenieurähnliche Tätigkeit aus, es sei denn er betreibt die Entwicklung qualifizierter Software durch eine klassische ingenieurmäßige Vorgehensweise (Planung, Konstruktion, Überwachung), BFH- Urteil vom 04.05.2004, BStBl II 2004, S. 989). 318 Einkommensteuer 7.3.2 Einnehmer einer staatlichen Lotterie Gemäß § 18 Abs. 1 Nr. 2 EStG beziehen die Einnehmer einer staatlichen Lotterie Einkünfte aus selbständiger Arbeit, sofern ihre Tätigkeit nach Art und Umfang nicht als Gewerbebetrieb aufzufassen ist. Gewerbliche Einkünfte liegen vor, wenn der Lotterieeinnehmer zum Absatz der Lose einen in kaufmännischer Weise eingerichteten Geschäftsbetrieb unterhält oder die Lose im Rahmen eines anderen, von ihm geführten Gewerbebetriebs absetzt (vgl. R. Wacker, in: L. Schmidt (2010), § 18, Rz. 135). So begründen Lottoannahmestellen, die in Tabakwarengeschäfte integriert sind, stets gewerbliche Einkünfte. 7.3.3 Sonstige selbständige Arbeit § 18 Abs. 1 Nr. 3 EStG nennt als Einkünfte aus sonstiger selbständiger Arbeit Vergütungen für die Vollstreckung von Testamenten, für die Verwaltung von Vermögen sowie für die Tätigkeit als Aufsichtsratsmitglied. Neben diesen ausdrücklich genannten Tätigkeiten kommen auch solche in Frage, die den genannten nach ihrem Gesamtbild ähnlich sind, z.B. die Tätigkeiten als Insolvenzverwalter, Nachlasspfleger, Hausverwalter oder Verwaltungsratsmitglied (vgl. BFH-Urteil vom 28.08.2003, BStBl II 2004, S. 112). Charakteristikum der sonstigen selbständigen Arbeit ist, wie im Falle der freiberuflichen Tätigkeit, dass der Steuerpflichtige seine persönliche Arbeitsleistung einbringt und der Einsatz von Kapital im Vergleich zur persönlichen Arbeitsleistung in den Hintergrund tritt. Nach der von der Rechtsprechung entwickelten Vervielfältigungstheorie ist die Grenze zum Gewerbebetrieb zudem dann überschritten, wenn sich der Steuerpflichtige der Mitarbeit von mehr als einem qualifizierten Mitarbeiter bedient (BFH-Urteil vom 12.12.2001, BStBl II 2002, S. 202; H 15.6 EStH „Sonstige selbständige Arbeit“). 7.3.4 Wagniskapital-Gesellschaften Die Vorschrift des § 18 Abs. 1 Nr. 4 EStG bezieht sich auf sog. Venture Capital Fonds bzw. Private Equity Fonds. In solchen Fonds, die meist von einem oder mehreren Initiatoren gegründet werden, schließen sich Kapitalanleger insbesondere zum Zweck der Beteiligung an nicht börsennotierten Kapitalgesellschaften mit Finanzierungsbedarf zusammen. Gehalten werden insbesondere Anteile an jungen, wachstumsstarken Unternehmen oder an Unternehmen mit Umstrukturierungsbedarf. Ziel ist es, die Unternehmen innerhalb kurzer Zeit (regelmäßig nicht mehr als 3-5 Jahre) börsenfähig zu machen und das Engagement durch gewinnbringende Veräußerung der Anteile wieder zu beenden. Solche Fonds werden beispielsweise in der Rechtsform einer KG betrieben, an der neben einer Komplementär-GmbH private und institutionelle Anleger sowie in geringem Umfang die Initiatoren beteiligt sind. Die Initiatoren sind entsprechend ihrem Kapitalanteil an den laufenden Ergebnissen des Fonds beteiligt. Zusätzlich erhalten sie regelmäßig eine Vergütung für ihre Anlageentscheidungen von z.B. 20 % der Gewinne des Fonds, die erst nach der Ausschüttung der Gewinne an die übrigen Gesellschafter ausgezahlt wird (sog. Carried Interest). Ertragsteuerlich ist insbesondere von Interesse, ob der Fonds gewerbliche oder private Einkünfte erzielt und wie der Carried Interest zu beurteilen ist. Die einzelnen Einkunftsarten 319 Einkünfte des Fonds Die Tätigkeit des Fonds begründet eine private Vermögensverwaltung, wenn sich die Betätigung noch als Nutzung von Vermögen im Sinne einer Fruchtziehung aus Substanzwerten darstellt und die Ausnutzung substanzieller Vermögenswerte durch Umschichtung nicht entscheidend in den Vordergrund tritt. Das BMF hat mit Schreiben vom 16.12.2003 (BStBl I 2004, S. 40) Kriterien formuliert, nach denen zu prüfen ist, ob noch eine private Tätigkeit oder bereits eine gewerbliche Tätigkeit vorliegt. Für einen gewerblichen Wertpapierhandel können danach im Rahmen einer Gesamtbetrachtung sprechen: Einsatz von Bankkrediten statt Anlage von Eigenkapital, Unterhaltung eines Büros oder einer Organisation zur Durchführung von Geschäften, Ausnutzung eines Marktes unter Einsatz beruflicher Erfahrungen, Anbieten von Wertpapiergeschäften einer breiten Öffentlichkeit gegenüber oder Wertpapiergeschäfte auch auf Rechnung Dritter, eigenes unternehmerisches Tätigwerden in den Portfolio-Gesellschaften. Die Annahme einer vermögensverwaltenden Tätigkeit kann sich auch aus § 19 Wagniskapitalbeteiligungsgesetz (WKBG) ergeben, wonach Wagniskapitalbeteiligungsgesellschaften in der Rechtsform einer Personengesellschaft stets als vermögensverwaltend gelten, wenn sie ausschließlich Anteile an Kapitalgesellschaften halten und bestimmte weitere Voraussetzungen erfüllen. So dürfen nur Kapitalgesellschaften erworben werden, die ein Eigenkapital von nicht mehr als 20 Mio. € aufweisen und deren Gründung nicht länger als zehn Jahre zurück liegt (§ 2 Abs. 3 WKBG). Ist der Fonds nach den genannten Kriterien vermögensverwaltend tätig, so unterliegen die Einkünfte bei den Anlegern als Einkünfte aus Kapitalvermögen grundsätzlich der Abgeltungsteuer von 25 %. Bei einer Beteiligung von mindestens 1 % ist davon abweichend § 17 EStG anzuwenden, so dass die Besteuerung nach dem Teileinkünfteverfahren (siehe Abschnitt B.7.2.5) erfolgt. Liegen die Voraussetzungen des WKBG vor, so wird ein gegenüber § 17 Abs. 3 EStG erhöhter Freibetrag gewährt (§ 20 WKBG). Carried Interest Der Carried Interest („Gewinnvorzug“), d.h. die Vergütung an die Investoren für Leistungen zur Förderung des Gesellschafts- oder Gemeinschaftszweckes, ist als Einkünfte aus selbständiger Arbeit zu behandeln, wenn die Voraussetzungen des § 18 Abs. 1 Nr. 4 EStG erfüllt sind: Der Fonds muss als vermögensverwaltende Personengesellschaft oder (Bruchteils-) Gemeinschaft ausgestaltet sein. Ob es sich bei der Tätigkeit um eine Vermögensverwaltung handelt, ist nach den oben genannten Kriterien zu prüfen. Zweck des Fonds muss in dem Erwerb, Halten und in der Veräußerung von Anteilen an Kapitalgesellschaften bestehen. Der Bezieher des Carried Interest muss an dem Fonds kapitalmäßig beteiligt sein (keine Mindestbeteiligungsquote). Der Anspruch auf die Vergütung (Carried Interest) muss unter der Voraussetzung eingeräumt worden sein, dass die Gesellschafter oder Gemeinschafter ihr eingezahltes Kapital vollständig zurückerhalten haben. 320 Einkommensteuer Der Fonds darf nicht nach der Abfärbe- oder Geprägetheorie (siehe Abschnitt B.7.2.4) als gewerblich zu beurteilen sein. Begründet der Carried Interest Einkünfte aus selbständiger Arbeit nach § 18 Abs. 1 Nr. 4 EStG, so ist das Teileinkünfteverfahren anzuwenden (§ 3 Nr. 40a EStG), d.h. der Carried Interest ist zu 40 % steuerfrei. 7.3.5 Abgrenzung zum Gewerbebetrieb Die Abgrenzung zwischen Einkünften aus selbständiger Arbeit und Einkünften aus Gewerbebetrieb hat zum einen Bedeutung für die Buchführungspflicht und Gewinnermittlungsmethode. Selbständige im Sinne des § 18 EStG sind weder handelsrechtlich noch nach § 141 AO buchführungspflichtig und können ihren Gewinn daher durch Einnahmen- Überschuss-Rechnung nach § 4 Abs. 3 EStG ermitteln. Nur bei einer freiwilligen Führung von Büchern ist der Betriebsvermögensvergleich nach § 4 Abs. 1 EStG anzuwenden. Von ungleich größerer Bedeutung ist die Abgrenzung zwischen Einkünften aus selbständiger Arbeit und Einkünften aus Gewerbebetrieb jedoch für die Gewerbesteuerpflicht. Nach § 2 Abs. 1 Satz 2 GewStG knüpft die Gewerbesteuerpflicht an den einkommensteuerlichen Begriff des Gewerbebetriebs an. Nahezu alle Prozesse über Abgrenzungsfragen wurden, ähnlich wie bei der Abgrenzung zwischen Vermögensverwaltung und Gewerbebetrieb, wegen der Gewerbesteuerpflicht geführt. Abgrenzungsfragen entstehen insbesondere im Hinblick auf Berufe, bei denen zweifelhaft ist, ob sie einem Katalogberuf des § 18 Abs. 1 Nr. 1 EStG oder einer der in § 18 Abs. 1 Nr. 3 EStG genannten Tätigkeiten ähnlich sind. Insoweit kann auf die Ausführungen in den vorhergehenden Abschnitten verwiesen werden. Durch die Einführung des § 35 EStG (siehe Abschnitt B.7.2.7) dürfte sich diese Problematik allerdings entschärft haben, da die Gewerbesteuer dadurch ihre belastende Wirkung weitgehend verloren hat. 7.4 Einkünfte aus nichtselbständiger Arbeit 7.4.1 Arbeitnehmer Die Einkünfte aus nichtselbständiger Arbeit sind die Einkünfte der Arbeitnehmer. § 1 Abs. 1 LStDV entwirft einen eigenständigen steuerlichen Arbeitnehmerbegriff, der nicht mit dem arbeits- oder sozialrechtlichen Arbeitnehmerbegriff identisch ist (BFH-Urteile vom 02.12.1998, BStBl II 1999, S. 534; vom 08.05.2008, BStBl II 2008, S. 868). Arbeitnehmer im steuerlichen Sinne sind danach Personen, die im öffentlichen oder privaten Dienst beschäftigt sind oder waren und aus diesem gegenwärtigen oder früheren Dienstverhältnis Arbeitslohn beziehen, sowie Rechtsnachfolger dieser Personen, soweit sie Arbeitslohn aus dem früheren Dienstverhältnis ihres Rechtsvorgängers beziehen. Merkmale eines Dienstverhältnisses im Gegensatz zu einer selbständigen Tätigkeit sind das Schulden der Arbeitskraft statt einer bestimmten Leistung (z.B. einen Arbeitserfolg wie bei einem Werkvertrag) (§ 1 Abs. 2 LStDV, BFH-Urteil vom 23.10.1992, BStBl II 1993, S. 303), die Weisungsgebundenheit gegenüber dem Arbeitgeber im Hinblick auf Art, Ort

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References

Zusammenfassung

Das Handbuch zur Besteuerung des Einkommens.

Thema des Buches ist die Besteuerung von Erträgen in der Bundesrepublik Deutschland, die von natürlichen und juristischen Personen erwirtschaftet werden. Es vermittelt einen systematischen Überblick über die Einkommensteuer, einschließlich der steuerlichen Gewinnermittlung, die Körperschaftsteuer und die Gewerbesteuer.

Das Buch eignet sich für die Ausbildung und für die Praxis. Die besondere Eignung für Praktiker leitet sich daraus ab, dass es anders als ein Kommentar bestimmte Sachfragen zusammenhängend abhandelt. So werden beispielsweise Fragen der Besteuerung der Altersvorsorge, von wiederkehrenden Leistungen, Betriebsaufspaltungen, der Umstrukturierung von Personengesellschaften oder der Verlustverrechnung in besonderen Abschnitten systematisch abgehandelt.

Insgesamt zeichnet sich das Buch dadurch aus, dass es die unübersichtliche Zahl von steuerlichen Einzelregelungen in verständlichen Sachzusammenhängen erläutert und somit die Komplexität des Ertragsteuerrechts auf den Kern der steuerlichen Behandlung zurückführt, ohne die steuerlichen Einzelregelungen zu vernachlässigen.

Zielgruppe sind die Studierenden der Wirtschaftswissenschaften an Universitäten und Fachhochschulen, des Steuerrechts an juristischen Fakultäten sowie Finanzfachhochschulen. Zudem eignet sich das Buch als Nachschlagewerk für die Praxis der Steuerberatung sowie Finanzverwaltung.

Die Autoren

Prof. Dr. Dietmar Wellisch, Steuer- und Rentenberater, studierte Wirtschafts- und Rechtswissenschaften, promovierte an der Universität Tübingen und habilitierte sich an der Indiana State University/USA und der Universität Dortmund. Prof.Wellisch ist Mitglied des wiss. Beirats beim BMF und zudem Vorsitzender des Vorstands der Arbeitsgemeinschaft Zeitwertkonten mit Sitz in Frankfurt/Main.

Prof. Dr. Jörg Kroschel war nach einer Promotion zum US-Steuerrecht mehrere Jahre als Steuerberater für Ernst & Young tätig. Seit 2007 ist er Professor für Rechnungswesen und Unternehmensbesteuerung an der Hochschule Zittau / Görlitz.