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3.1 Denkbare Abbildungsziele der Rechnungslegung und Wertungsnotwendigkeit in:

Wolfgang Ballwieser

IFRS-Rechnungslegung, page 47 - 54

Konzept, Regeln und Wirkungen

3. Edition 2013, ISBN print: 978-3-8006-4562-6, ISBN online: 978-3-8006-4563-3, https://doi.org/10.15358/9783800645633_47

Series: Vahlens Handbücher der Wirtschafts- und Sozialwissenschaften

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Vahlens Handbücher Ballwieser – IFRS-Rechnungslegung, 3. Auflage Herstellung: Frau Deuringer Stand: 20.03.2013 Status: Druckdaten Seite 35 3. Vermögensabbildung versus Gewinnermittlung 3.1 Denkbare Abbildungsziele der Rechnungslegung und Wertungsnotwendigkeit Vermögen und Gewinn eines Unternehmens können nicht voraussetzungslos ermittelt werden. Beide Größen sind theoretische Begriffe, die zu präzisieren und deren Messvorschriften festzulegen sind96. Die Darstellung in Kapitel  2.4 hat deutlich gemacht, dass grundsätzlich von der Annahme der Unternehmensfortführung auszugehen ist. Dementsprechend kann es kein Ziel sein, ein Zerschlagungsvermögen darzustellen. Stattdessen ist dem IASB an einem Fortführungsvermögen gelegen. Fortführungsvermögen lässt sich aber ganz unterschiedlich verstehen. Ich diskutiere im Folgenden als denkbare Varianten eines Fortführungsvermögens (a) das Effektivvermögen, (b) das Marktpreisvermögen aufgrund von Einzelbewertung, (c) das Vermögen nach historischen Kosten. Stellt man den Vermögensbegriff in den Vordergrund, resultiert Gewinn einfach als Vermögensänderung. Würde man hingegen den Gewinnbegriff in den Vordergrund stellen, resultieren Bilanzposten als Konsequenz dieses Gewinnbegriffs und sind u. U. nur schwer als Vermögensbestandteil im umgangssprachlichen Sinne zu qualifizieren. Das wird sich im Folgenden erschließen. Ich beginne mit den Vermögensvarianten: Betrachtet man Unternehmen als Konsumquelle für die Eigentümer, lässt sich deren Vermögen durch Ansatz des (potentiellen) Marktpreises des Unternehmens messen. Da effektive Marktpreise für ganze Unternehmen nur selten zu beobachten sind und nicht aus einer Vielzahl von Angeboten und Nachfragen resultieren, werden potentielle Marktpreise durch einen Kapitalwertkalkül konstruiert. Man berechnet Unternehmenswerte, statt effektive Marktpreise zu erheben. Die Literatur kennt diesen Vorschlag zur Konkretisierung des Ausdrucks Fortführungsver- 96 Vgl. Schneider (1997), S. 35; Ballwieser (2001b), S. 161 f.; Ballwieser (2002b), S. 119; Moxter (1984). 3. Vermögensabbildung versus Gewinnermittlung 3.1 Denkbare Abbildungsziele der Rechnungslegung Vahlens Handbücher Ballwieser – IFRS-Rechnungslegung, 3. Auflage Herstellung: Frau Deuringer Stand: 20.03.2013 Status: Druckdaten Seite 36 3. Vermögensabbildung versus Gewinnermittlung36 mögen unter der Bezeichnung Effektivvermögen97. Die naheliegende Idee, bei börsennotierten Unternehmen auf die Börsen- oder Marktkapitalisierung (Zahl der Aktien mal Kurs) zurückzugreifen, vernachlässigt Paketzuschläge (oder Kontrollprämien), die sich empirisch beobachten lassen98 und der theoretisch oftmals betonten Wertadditivität widersprechen. Die Vermögensermittlung mit Kapitalwertkalkülen in Form der Ertragswert- oder verschiedener Varianten der Discounted-Cash-Flow- Methode99 würde relevante, aber höchst unzuverlässige Information widerspiegeln. Für die Rechnungslegung und ihre Funktion des Interessenschutzes ist es nicht vorstellbar, dass Rechnungslegende künftige Zahlungen an die Eigentümer prognostizieren und diskontieren, um mit dem resultierenden Barwert eine nachprüfbare Vermögensgröße zu kommunizieren. Da weiterhin Änderungen des Unternehmenswerts nicht nur durch Leistungen des Managements, sondern auch durch Zinsänderungen verursacht werden, müsste man bei Gewinnermittlungen durch Rückgriff auf Unternehmenswerte neben dem Zeiteffekt den Zinsänderungseffekt herausrechnen100, um Anreizkompatibilität zu erzielen101. Die Berechnung von Effektivvermögen basiert auf einer Gesamtbewertung. Rechnungslegung erfolgt hingegen auf Basis einer Einzelbewertung102, d. h. das (Netto-)Vermögen ergibt sich aus der Addition von einzeln angesetzten und bewerteten Aktiva und der Subtraktion von einzeln angesetzten und bewerteten Schulden. Diese Art der Rechnung hat einen großen Vorteil in der Objektivierung, also Verlässlichkeit. Wenn man Einzelbewertung akzeptiert, stellt sich die Frage nach dem Mengengerüst und den Wertkategorien: (a) Was kennzeichnet Aktiva und wann sind sie anzusetzen? (b) Was kennzeichnet Schulden und wann sind sie anzusetzen? (c) Welche Wertkategorien gelten bei Zugang von Aktiva und Schulden (Zugangsbewertung)? (d) Welche Wertkategorien gelten für die Bewertung zu künftigen Bilanzstichtagen (Folgebewertung)? 97 Vgl. Moxter (1984), S. 25, 112 f., 159; Ballwieser (1985b), S. 1037. 98 Vgl. Gaughan (2007), S. 556, m. w. N.; Ballwieser (2011a), S. 210 f. 99 Vgl. z. B. Ballwieser (2011a), S. 13–198. 100 Vgl. zu beidem Moxter (1982), S. 52–57. 101 Zwar gibt es Modelle, nach denen der Manager auch nach Größen entlohnt werden soll, die er nicht selbst zu kontrollieren vermag. Vgl. z. B. Ewert/ Wagenhofer (2008), S. 500–502. Aber diese Modelle sind wenig geeignet, der Realität gerecht zu werden. Ihre Annahmen sind zu weit davon entfernt. 102 Das gilt auch für die IFRS, selbst wenn sich der Grundsatz dort nicht explizit findet. Vgl. Hettich (2006), S. 169. Vahlens Handbücher Ballwieser – IFRS-Rechnungslegung, 3. Auflage Herstellung: Frau Deuringer Stand: 20.03.2013 Status: Druckdaten Seite 37 3.1 Denkbare Abbildungsziele der Rechnungslegung 37 Eine theoretische Antwort hierauf liegt in dem Ansatz von allen einzeln marktgängigen Posten, die am Bilanzstichtag im Unternehmen vorhanden sind, über die der Kaufmann verfügen kann (Aktiva) oder die ihn belasten (Passiva) und die sämtlich zu Marktpreisen bewertet werden. Ich rede im Folgenden vom Marktpreisvermögen aufgrund von Einzelbewertung. Auf einen Erwerb von Dritten käme es bei den Aktiva so wenig an wie auf eine Vertragsgrundlage bei Schulden. Aktiva könnten selbsterstellt oder geschenkt worden sein, sie könnten sich im Eigentum oder nur im Besitz des Kaufmanns befinden; Schulden könnten eine privat-rechtliche, eine öffentlich-rechtliche oder eine rein faktische Grundlage aufweisen. Ein erstes Problem der ersten Antwort liegt in dem Attribut „marktgängig“, weil es offen lässt, ob der Posten einzeln marktgängig sein soll oder ob es ausreicht, im Verbund mit anderen Posten marktgängig zu sein. Auch ist der Ausdruck „marktgängig“ selbst bei einer Beschränkung auf „einzeln marktgängig“ weiter zu erläutern. Werden mit Marktgängigkeit nur Veräußerungsvorgänge von Aktiva verbunden oder gehören hierzu auch sonstige Verwertungsmöglichkeiten wie ein bedingter Verzicht gegenüber einer Behörde, z. B. ein bedingter Verzicht auf die Nutzung einer Konzession? Weiterhin wäre zu klären, ob es überhaupt auf die Absatzmarktseite ankommt oder ob Beschaffungsvorgänge reichen. Zählen selbstgeschaffene Standortvorteile oder Mitarbeiter-Know-how (Belegschaftsqualität) zu den Aktiva, obwohl sie nicht isoliert veräußert werden können? Ein zweites Problem liegt in dem Verständnis von Marktpreisen. Mit aussagefähigen und insofern relevanten Marktpreisen verbindet man regelmäßig den Zustand (nahezu) vollkommener Konkurrenz mit vielen Marktteilnehmern, großem Angebot und großer Nachfrage und daraus resultierenden Preisen, welche ohne beachtliche Transaktionskosten zustande kommen und die Wertvorstellungen aller Marktteilnehmer zu einem bestimmten Zeitpunkt widerspiegeln. Märkte mit diesen Eigenschaften sind liquide; sie verkraften große Pakete von Angeboten und Nachfragen ohne starken Preiseinfluss. Die Realität ist von diesem Leitbild oft weit entfernt. Unternehmen kaufen nicht nur einzelne Wertpapiere, für die das Leitbild erfüllt sein mag, sondern auch Beteiligungen an Unternehmen (von bis zu 100 % Kapitalanteil) oder Spezialmaschinen, bei denen die Märkte ganz andere Eigenschaften aufweisen. Sie halten Forderungen gegenüber in ihrem Zahlungsverhalten schwer einschätzbaren Kunden; sie sind vor Gericht auf Schadenersatz verklagt oder müssen nur mit einer solchen Klage rechnen. Bei Beteiligungen und Spezialmaschinen liegen Marktpreise vor, aber sie resultieren aus bilateralen Monopolen oder Oligopolen; bei Vahlens Handbücher Ballwieser – IFRS-Rechnungslegung, 3. Auflage Herstellung: Frau Deuringer Stand: 20.03.2013 Status: Druckdaten Seite 38 3. Vermögensabbildung versus Gewinnermittlung38 drohender Schadenersatzklage fehlt der isolierte Marktpreis. Derartige Klagen werden nicht isoliert gehandelt oder isoliert versichert. Selbst wenn eine Versicherung zustande käme, wäre die Marktsituation erneut eher einem bilateralen Monopol als einem Zustand bei (nahezu) vollkommener Konkurrenz ähnlich. Marktpreise sind mit anderen Worten wahrscheinlich für viele Posten, an die wir in der Bilanz denken, nicht ohne weiteres zu erheben, sondern müssen in irgendeiner Form konstruiert werden. Selbst wenn sie zu erheben sind, kann der Markt andere Bedingungen aufweisen, als wir sie mit dem Modell der vollkommenen Konkurrenz verbinden. Ein drittes Problem resultiert aus der Tatsache, dass Marktpreise vorhanden sein mögen, die Eigentümer des Unternehmens aber den Markt für die Aktiva oder Schulden nicht nutzen wollen. Ein entscheidendes Motiv könnte hierin liegen, dass die interne Nutzung des Aktivums einen höheren Wert stiftet als dessen Veräußerung. Soll es dann auf den für jeden geltenden Marktpreis oder den individuellen Nutzungswert ankommen? Eine weitere Antwort auf die Frage, wie das Vermögen zu ermitteln ist, liegt darin, sämtliche Posten der Bilanz mit – gegebenenfalls fortgeschriebenen – Anschaffungs- oder Herstellungskosten anzusetzen. Ich rede im Folgenden von Vermögen nach historischen Kosten. Man muss Anschaffungs- und Herstellungskosten für Schulden erst interpretieren oder im übertragenen Sinne verstehen, aber das schafft keine unüberwindbaren Hindernisse. Erkennbar sind die historischen Kosten oftmals weit von späteren Marktpreisen entfernt. Das gilt auf der Aktivseite häufig für Grundstücke und Gebäude, Wertpapiere, aber auch Spezialmaschinen. Mit den Marktpreisen als Referenzpunkt, der allerdings z. B. bei Spezialmaschinen dubios wäre, hätten die historischen Kosten einen Nachteil bezüglich der Relevanz. Ihr entscheidender Vorteil läge in der Verlässlichkeit der Wertermittlung. Wer diesen Vorteil betont, muss freilich die Freiräume bei der Bestimmung von Herstellungskosten oder bei der Aufteilung einer Kaufpreissumme auf einzelne erworbene Aktiva zur Bestimmung der Anschaffungskosten (vgl. auch Kapitel 9.10.1.3 und 9.10.1.4) vernachlässigen. Als Konsequenz der drei denkbaren Vermögenskonzepte resultieren Gewinne aus (a) Änderungen des Effektivvermögens; u. U. unter Außerachtlassung von Zinseffekten, nicht aber des Zeiteffektes, (b) Änderungen der Marktpreise von Aktiva und Schulden oder (c) Fortschreibungen historischer Kosten. Vahlens Handbücher Ballwieser – IFRS-Rechnungslegung, 3. Auflage Herstellung: Frau Deuringer Stand: 20.03.2013 Status: Druckdaten Seite 39 3.1 Denkbare Abbildungsziele der Rechnungslegung 39 Stellt man den Gewinnbegriff in den Vordergrund, ergeben sich andere Konsequenzen: Hier ist vorab zu klären, welche Eigenschaften der (Perioden-) Gewinn aufweisen soll. Gewinn lässt sich insbesondere verstehen als (a) periodendurchschnittliches zukünftiges Konsumpotential oder (b) objektivierter, einkommensapproximativer Erfolg. Das periodendurchschnittliche zukünftige Konsumpotential knüpft an das Effektivvermögen an. Dieses ist eine Zeitpunktgröße in Form eines Bruttokapitalwertes, den man finanzmathematisch in eine Annuität transformieren kann. Während das Effektivvermögen den Barwert des Konsumpotentials ausdrückt, ist die Annuität die damit verbundene Rente über einen bestimmten Zeitraum. Das Maß ist relevant, denn: „Man kann nun fragen, welcher Betrag in der gegenwärtigen Periode maximal entnommen werden könnte, ohne die Entnahme eines gleich großen Betrags in allen Folgeperioden zu beeinträchtigen.“103 Und: „Kapitaleigner wollen Informationen über das ,Herausholbare‘.“104 Ohne weitere Objektivierungsmaßnahmen weist dieses Konzept aber für die Rechnungslegung gegenüber Dritten denselben Mangel fehlender Verlässlichkeit auf, wie er bereits gegenüber dem Effektivvermögen geäußert wurde. Moxter hat unter dem Stichwort „einkommensapproximative Bilanzierung“ gezeigt, wie man das Konzept objektivieren kann105. Bei der Ermittlung eines objektivierten, einkommensapproximativen Erfolgs sind Abweichungen von dem tatsächlich erwarteten Einkommen zwingend, denn: „Periodengewinnermittlung kann nicht bedeuten, sich zunächst eine Vorstellung von dem zu erwartenden (oder zu suggerierenden) Einkommen zu bilden, und anschließend die Komponenten des Periodengewinns so anzusetzen, daß jenes vorbestimmte Einkommen resultiert. Es wäre völlig überflüssig, einen Periodengewinn zu ermitteln durch relativ komplizierte Rechnungen, wenn dieser Periodengewinn bereits vor seiner Ermittlung feststeht. Der Periodengewinn soll über das Einkommen informieren, nicht das Einkommen über den Periodengewinn. Der Periodengewinn sollte unabhängig von Vor-Urteilen über das Einkommen ermittelt werden.“106 Nach Moxters Konkretisierung wird der Letztjahresumsatz in die Zukunft fortgeschrieben und auch trotz besserer Erwartungen nicht ver- ändert: „Als Periodenertrag gelten alle jene Einzahlungen, die durch 103 Moxter (1974), S. 246; im Original hervorgehoben. 104 Moxter (1974), S. 250; im Original z. T. hervorgehoben. 105 Vgl. Moxter (1974), S. 245–329. 106 Moxter (1974), S. 257 f.; Hervorhebung Verf. Vahlens Handbücher Ballwieser – IFRS-Rechnungslegung, 3. Auflage Herstellung: Frau Deuringer Stand: 20.03.2013 Status: Druckdaten Seite 40 3. Vermögensabbildung versus Gewinnermittlung40 ,Leistungen‘ der Periode verursacht sind.“107 „Der hier relevante Leistungsbegriff ist (…) dem Recht der Schuldverhältnisse entlehnt (…).“108 Zugleich werden den Umsatzerlösen die periodendurchschnittlichen Auszahlungen zugeordnet, die notwendig sind, um die Umsatzerlöse zu erzielen109. Aus Gründen der Objektivierung will Moxter nach dem Bilanzstichtag anfallende Auszahlungen nur ansetzen, wenn sie sich am Bilanzstichtag in Auszahlungsverpflichtungen gegenüber Dritten niedergeschlagen haben110. Schwierig ist die Behandlung zurückliegender Auszahlungen. Sie berührt die Frage, was ein Aktivum ist: „Es ist klar, daß man ,Aktivum‘ jetzt anders als ,zu übertragende Auszahlungen‘ definieren muß, wenn eine Objektivierung gelingen soll.“111 Aufgrund des Verursachungsgedankens von Umsatzerlösen durch vergangene Auszahlungen kommt man leicht zur Aktivierung von Vorleistungen wie Gründungs-, Forschungs- und Reklamefeldzugsauszahlungen, die wegen fehlender Greifbarkeit des mit den Auszahlungen Erlangten nicht ohne weiteres als Vermögenswerte im bilanzrechtlichen Sinne qualifiziert werden können. Die erwähnten Posten können nicht selbständig am Rechtsverkehr teilnehmen, sind insoweit „rein wirtschaftliche Güter“. „Das Problem der rein wirtschaftlichen Güter wirft (…) eine sehr unangenehme Alternative auf: entweder Verzicht auf die Einkommensapproximation oder Verzicht auf die Objektivierung.“112 Moxter arbeitet nicht nur das Entscheidungsproblem des einer Bilanztheorie folgenden Regulierers oder die Wertungsnotwendigkeit, was man hier vorrangig bedienen möchte (Einkommensapproximation oder Objektivierung), sondern auch die weiteren Aussagegrenzen des Periodengewinns heraus113. Sie gehen u. a. auf unsichere Erwartungen, Fehlschätzungen und Fehlerkorrekturen, Möglichkeiten der Sachverhaltsgestaltung durch den Bilanzierenden und rein buchtechnische Manipulationsmöglichkeiten zurück. Die Vorgehensweise von Moxter wurde in der Literatur angegriffen114. Wagner sieht zwar den Vorteil darin, dass das Konzept an den Zielen der Anteilseigner verankert ist115, fragt aber, wie sehr – bei Bezug auf die Selbstinformation des Kaufmanns – auf die Auswertung von Er- 107 Moxter (1974), S. 258. 108 Moxter (1974), S. 258. 109 Vgl. Moxter (1974), S. 268. 110 Vgl. Moxter (1974), S. 270 f. 111 Moxter (1974), S. 274; im Original z. T. hervorgehoben. 112 Moxter (1974), S. 276; im Original z. T. hervorgehoben. 113 Vgl. Moxter (1974), S. 288–292. 114 Vgl. insb. Schneider (1983); Wagner (1984). 115 Vgl. Wagner (1984), S. 1183 und S. 1185. Vahlens Handbücher Ballwieser – IFRS-Rechnungslegung, 3. Auflage Herstellung: Frau Deuringer Stand: 20.03.2013 Status: Druckdaten Seite 41 3.1 Denkbare Abbildungsziele der Rechnungslegung 41 fahrungswissen und Erwartungen über die Zukunft verzichtet werden darf, um die Nachprüfbarkeit der Rechnung zu sichern116. Bei der externen Rechnungslegung kommt die Agency- oder Täuschungs-Problematik des Managements hinzu, was dazu führt, dass die Abschlusszahlen auf ihre Gestaltung und Güte hin zu analysieren sind, statt dass man auf die Prognosegüte vertrauen darf117. Unabhängig von diesen Einwendungen wird die Wertungsnotwendigkeit deutlich, wenn man mit der Rechnungslegung eine aussagefähige oder entscheidungsnützliche Vermögens- oder Gewinnermittlung verbinden möchte. Selbst wenn man die Ertragskomponente bereits konkretisiert hat, hilft es nicht, auf periodengerechte Aufwandszuordnung zu verweisen: „,Periodengerechte‘ Aufwandserfassung ist eine leere Vorschrift, solange es nicht gelingt, Kriterien für die Auszahlungsverursachung durch die einzelnen Periodenleistungen anzugeben. Die Schwierigkeiten solcher Zurechnungen sind indessen enorm: Wird etwa ein Reklamefeldzug unternommen, so kann man selbst ex post im Regelfall nicht sagen, welchen Periodenleistungen nun diese Auszahlungen in welchem Umfange zugute gekommen sind. Bei den Auszahlungen für die Unternehmensleitung ist selbst dem Laien klar, daß eine Aufteilung auf die Periodenleistungen verschiedener Perioden problematisch ist. Doch sogar die Materialeinkäufe, die für eine ganz bestimmte Periodenleistung verwendet wurden, sind dieser Periodenleistung nur unter Vorbehalten zurechenbar: So hängen zum Beispiel die Einkaufspreise ab von den Einkaufsmengen; geht in der Rechnungsperiode die Verkaufsmenge und mit ihr die Periodenleistung zurück, so muß sich das noch nicht auf die Einkaufspreise auswirken, zum Beispiel weil bei unveränderter Einkaufsmenge die Lagerhaltung erhöht wurde. Man steht jetzt vor der Frage, ob man der Rechnungsperiode die wirklichen (relativ niedrigen) Einkaufspreise zurechnen soll oder ob man dieser Rechnungsperiode fiktive Einkaufspreise (höhere) zuzuordnen hat.“118 Selbstverständlich kann man die Einkommensapproximation aufgeben, aber welches Informationsziel verfolgt man dann? 116 Vgl. Wagner (1984), S. 1189 f. sowie S. 1192: „Es ist bislang ungeklärt, wo die Grenzen der einkommensapproximativen Bilanzierung hinsichtlich der Berücksichtigung von Erfahrungswissen und Zukunftsinformationen liegen.“ 117 Vgl. Wagner (1984), S. 1193–1195. 118 Moxter (1974), S. 268; im Original z. T. hervorgehoben. Vahlens Handbücher Ballwieser – IFRS-Rechnungslegung, 3. Auflage Herstellung: Frau Deuringer Stand: 20.03.2013 Status: Druckdaten Seite 42 3. Vermögensabbildung versus Gewinnermittlung42 3.2 Gewinnkonzept der IFRS 3.2.1 Systemgrundsätze Prüft man das Gewinnkonzept der IFRS, wird man zumindest aufgrund einer Suche im Rahmenkonzept nicht fündig. Dort gibt es – wie die Ausführungen in den Kapiteln 2.4 und 2.5 gezeigt haben – qualitative Anforderungen an die Information, die Annahme der Unternehmensfortführung und auch eine formale Definition von Gewinn durch Rückgriff auf Erträge und Aufwendungen, aber keine inhaltliche Präzisierung im Hinblick auf das Abbildungsziel. Es lässt sich im Rahmenkonzept nicht einmal erkennen, ob der IASB vorrangig einer Vermögensermittlung und dem Gewinn als Vermögensänderung oder einer Gewinnermittlung und der Bilanz als Sammlung von Verrechnungsposten zuneigt. Zwar besagt Abs. OB7 im Rahmenkonzept: „Finanzberichte für allgemeine Zwecke sind nicht dazu bestimmt, den Wert eines berichtenden Unternehmens zu zeigen; sondern sie liefern Informationen, damit bestehende und potenzielle Investoren, Kreditgeber und andere Gläubiger den Wert des berichtenden Unternehmens einschätzen können.“ Damit ist eine Vermögensorientierung angesprochen und die Abbildung des Effektivvermögens ausgeschlossen. Aber weitere Anhaltspunkte für das Vermögens- oder Gewinnkonzept fehlen. Mit der Annahme der Unternehmensfortführung ist inhaltlich wenig gewonnen. Auch die qualitativen Anforderungen von Vergleichbarkeit, Nachprüfbarkeit, Zeitnähe und Verständlichkeit führen nicht weiter. Es bleiben die Annahmen der Relevanz und glaubwürdigen Darstellung. Ihre Erfüllung stellt aber das Kernproblem jeglicher Rechnungslegung dar. Man könnte versucht sein, einen Blick auf die Definition von Aktiva und Schulden und die verwendeten Wertkategorien zu werfen. Ohne den Ausführungen der Kapitel 4 und 5 vorgreifen zu wollen, zeigt sich, dass dieser Rückgriff wenig ergiebig ist: Ein Aktivum oder Vermögenswert ist nach dem Rahmenkonzept „eine in der Verfügungsmacht des Unternehmens stehende Ressource, die ein Ergebnis von Ereignissen der Vergangenheit darstellt und von der erwartet wird, dass dem Unternehmen aus ihr künftiger wirtschaftlicher Nutzen zufließt.“ (Abs. 4.4(a)) Als derartige Ressource lässt sich neben den unproblematischen Sachen und Rechten auch jeder darüber hinausgehende wirtschaftliche Wert verstehen. Da IAS 12 aktive latente Steuern als widerspruchslos zu dieser Definition ansieht, weil diese gemäß IAS 12.12 aktiviert werden 3.2 Gewinnkonzept der IFRS

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Zusammenfassung

IFRS-Rechnungslegung

Dieses Handbuch liefert einen Überblick über das Konzept und die Regeln der IFRS, ohne in einer Flut von Details unterzugehen. Neben der Vermittlung von Grundlagenwissen geht es aber auch um eine Wertung des Regelwerkes im Hinblick auf Konsistenz, Verständlichkeit und empirische Wirkungen auf den Kapitalmarkt.

Die Schwerpunkte

- IFRS als EU-weite Rechnungslegungsnormen

- Regelungsphilosophien des IASB

- Vermögensabbildung versus Gewinnermittlung

- Bilanzansatz und -bewertung

- Gesamtergebnisrechnung

- Weitere Instrumente

- Generalklausel: Vermittlung des den tatsächlichen Verhältnissen entsprechenden Bildes

- Konzernbesonderheiten

- Vermeintliche Vorteile der IFRS gegenüber HGB

- Probleme der IFRS