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9.4 Notwendigkeit des Konzernabschlusses in:

Wolfgang Ballwieser

IFRS-Rechnungslegung, page 182 - 183

Konzept, Regeln und Wirkungen

3. Edition 2013, ISBN print: 978-3-8006-4562-6, ISBN online: 978-3-8006-4563-3, https://doi.org/10.15358/9783800645633_182

Series: Vahlens Handbücher der Wirtschafts- und Sozialwissenschaften

Bibliographic information
Vahlens Handbücher Ballwieser – IFRS-Rechnungslegung, 3. Auflage Herstellung: Frau Deuringer Stand: 20.03.2013 Status: Druckdaten Seite 171 9.4 Notwendigkeit des Konzernabschlusses 171 (d) ein übergeordnetes Mutterunternehmen stellt einen Konzernabschluss nach IFRS auf, der veröffentlicht wird. 9.4 Notwendigkeit des Konzernabschlusses Bei Konzernunternehmen ist ein Konzernabschluss neben den Jahresabschlüssen der konzernzugehörigen Gesellschaften aus mehreren Gründen nötig: (a) Aus der für die Erstellung des Summenabschlusses erfolgenden Addition der sich jeweils entsprechenden Posten der Jahresabschlüsse der Konzerngesellschaften ergibt sich kein aussagekräftiges Bild der Vermögens- und Finanzlage des Konzerns, weil Doppelzählungen stattfinden: Im Summenabschluss finden sich z. B. die bei der Muttergesellschaft aktivierte 100 %-Beteiligung an einer Tochter, aber auch die hinter dieser 100 %-Beteiligung an der Tochter stehenden Vermögenswerte und Schulden (sowie das damit verbundene Eigenkapital). Vermögenswerte in Form der Beteiligung und des Gegenwerts des Eigenkapitals der Tochter werden doppelt gezählt. Um dies zu vermeiden, ist eine Kapitalkonsolidierung nötig, die Au- ßenstehende mangels hinreichender Information nicht vornehmen können. (b) Aus der Addition der Jahresabschlüsse der einzelnen Gesellschaften zum Summenabschluss ergibt sich kein gutes Bild der Ertragslage des Konzerns, weil Doppelzählungen stattfinden: Neben dem bei einer Tochter entstehenden Gewinn nimmt die Summen-GuV zugleich den ausgeschütteten (oder den auszuschüttenden) Gewinn als Beteiligungsertrag bei der Muttergesellschaft auf. Der Gewinn der Tochter wird doppelt gezählt. Um dies zu vermeiden, ist eine Ertrags- und Aufwandskonsolidierung nötig, die Außenstehende nicht vornehmen können. (c) Ohne Ertrags- und Aufwandskonsolidierung lässt sich der Konzerngewinn maximieren, indem möglichst viele konzerninterne Geschäfte mit positiven Erfolgsbeiträgen realisiert werden. Da die Geschäfte noch nicht mit Konzernfremden realisiert sind, wird ein Gewinnrealisationsrisiko verdeckt265. Der Konzernabschluss weist hingegen nur Gewinne aus, die aus Transaktionen mit Konzernfremden resultieren, und eliminiert dieses Gewinnrealisationsrisiko. 265 Ich vernachlässige Sachverhalte, bei denen Gewinn ohne Lieferung und Leistung auszuweisen ist, z. B. bei bestimmten Finanzinstrumenten. Vgl. hierzu Kapitel 5.3.2. 9.4 Notwendigkeit des Konzernabschlusses Vahlens Handbücher Ballwieser – IFRS-Rechnungslegung, 3. Auflage Herstellung: Frau Deuringer Stand: 20.03.2013 Status: Druckdaten Seite 172 9. Konzernbesonderheiten172 (d) Im Konzern beherrscht die Muttergesellschaft ihre Töchter. Dadurch lassen sich z. B. Geschäfte aus dem Bereich der Mutter auf Töchter verlagern, was das Bilanzbild der Mutter verbessern kann266. Gleichermaßen lassen sich marktunübliche Konditionen bei Verträgen zwischen konzernzugehörigen Gesellschaften vereinbaren. Die Jahresabschlüsse der einzelnen Konzerngesellschaften machen beides regelmäßig nicht deutlich. Außenstehende erhalten ohne Konzernabschlüsse keine Indizien hierauf. (e) Konzerne sind regelmäßig international tätig und betreiben ihre Geschäfte in unterschiedlichen Währungen. Ohne Umrechnung der verschiedenen Währungen in eine Berichtswährung ist bereits die Erstellung des Summenabschlusses nicht zu bewältigen. Außenstehende können die Fremdwährungsumrechnung nur wenig aussagekräftig vornehmen und erhalten kein gutes Bild der Vermögens-, Finanz- und Ertragslage des Konzerns. (f) Konzerne haben konzernzugehörige Gesellschaften, die nicht zwingend auf den denselben Stichtag bilanzieren. Hieraus resultiert ein Problem wie das unter Punkt (e) genannte. Es ist von Außenstehenden nicht gut zu bewältigen. 9.5 Theoretische Grundlagen des Konzernabschlusses Der Konzernabschluss kann an zwei theoretischen Konzepten verankert sein: (a) der Einheitstheorie und (b) der Interessentheorie267. Nach der Einheitstheorie soll der Konzernabschluss Einblick in die wirtschaftliche Einheit Konzern derart geben, wie auch Einblick in eine Rechtseinheit zu geben wäre. Dies scheint durch die IFRS gefordert, weil IAS 27.4 – wie schon zitiert – lautet: „Der Konzernabschluss ist der Abschluss eines Konzerns, bei dem Vermögenswerte, Schulden, Eigenkapital, Erträge, Aufwendungen und Cashflows des Mutterunternehmens und seiner Tochterunternehmen so dargestellt werden, als handle es sich um ein einziges Unternehmen.“ Annahmen und Konsequenzen der Einheitstheorie sind: 266 Vgl. auch Hayn/Grüne (2006), S. 1 f. 267 Zur Begriffsbildung vgl. Bores (1935); zu Auseinandersetzungen mit den Konzepten vgl. insb. Ordelheide (1987); Ebeling (1995), S. 5–12. 9.5 Theoretische Grundlagen des Konzernabschlusses

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Zusammenfassung

IFRS-Rechnungslegung

Dieses Handbuch liefert einen Überblick über das Konzept und die Regeln der IFRS, ohne in einer Flut von Details unterzugehen. Neben der Vermittlung von Grundlagenwissen geht es aber auch um eine Wertung des Regelwerkes im Hinblick auf Konsistenz, Verständlichkeit und empirische Wirkungen auf den Kapitalmarkt.

Die Schwerpunkte

- IFRS als EU-weite Rechnungslegungsnormen

- Regelungsphilosophien des IASB

- Vermögensabbildung versus Gewinnermittlung

- Bilanzansatz und -bewertung

- Gesamtergebnisrechnung

- Weitere Instrumente

- Generalklausel: Vermittlung des den tatsächlichen Verhältnissen entsprechenden Bildes

- Konzernbesonderheiten

- Vermeintliche Vorteile der IFRS gegenüber HGB

- Probleme der IFRS