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2.1 IFRS als qualitativ hochwertige Normen der Informationsvermittlung für kapitalmarktorientierte Konzerne in:

Wolfgang Ballwieser

IFRS-Rechnungslegung, page 24 - 26

Konzept, Regeln und Wirkungen

3. Edition 2013, ISBN print: 978-3-8006-4562-6, ISBN online: 978-3-8006-4563-3, https://doi.org/10.15358/9783800645633_24

Series: Vahlens Handbücher der Wirtschafts- und Sozialwissenschaften

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Vahlens Handbücher Ballwieser – IFRS-Rechnungslegung, 3. Auflage Herstellung: Frau Deuringer Stand: 20.03.2013 Status: Druckdaten Seite 11 2. Regelungsphilosophie des IASB 2.1 IFRS als qualitativ hochwertige Normen der Informationsvermittlung für kapitalmarktorientierte Konzerne Die IFRS werden in London vom IASB grundsätzlich nach einem Entstehungsprozess über mehrere Stufen hinweg verabschiedet48. Von diesem Grundsatz wurde während der Finanzkrise auf Druck der EU und einzelner europäischer Staaten abgesehen, um die Umwidmung von Finanzinstrumenten und die damit verbundene veränderte Bewertung mit Anschaffungskosten statt beizulegendem Zeitwert zu erlauben49. Das Zustandekommen und die Legitimität dieses aus 16 Personen zusammengesetzten Gremiums kann kritisch gesehen werden, sei hier aber nicht problematisiert50. Der IASB ist Organ der IFRS Foundation, die im März 2001 unter dem Namen International Accounting Standards Committee Foundation (IASCF) als unabhängige Dachorganisation in Delaware, USA, gegründet wurde. Die Satzung der IFRS Foundation, die den IASB über ihr zugehörige Treuhänder (trustees) als Standardsetzer etabliert, enthält die Ziele der Stiftung, damit auch die Ziele von IASB und IFRS. Wir lesen in ihr: „The objectives of the IFRS Foundation are: (a) to develop, in the public interest, a single set of high quality, understandable, enforceable and globally accepted financial reporting standards based upon clearly articulated principles. These standards should require high quality, transparent and comparable information in financial statements and other financial reporting to help investors, other participants in the world’s capital markets and other users of financial information make economic decisions. 48 Vgl. die IASB Homepage (www.iasb.org) sowie Pellens/Fülbier/Gassen/Sellhorn (2011), S. 100–102; Wagenhofer (2009), S. 77–81. Kritisch hierzu Preißler (2005), S. 298–302. 49 Vgl. auch Zwirner (2009), S. 353: „Nur zwei Tage nach der entsprechenden Beschlussfassung durch das IASB hat die Europäische Kommission am 15.10. 2008 die Regelungen bereits übernommen.“ 50 Vgl. hierzu Schildbach (2004); Kirchner/Schmidt (2005). Die fehlende Repräsentanz der Adressaten der Rechnungslegung kritisiert Kaiser (2009), S. 82–87. 2. Regelungsphilosophie des IASB 2.1 IFRS als qualitativ hochwertige Normen Vahlens Handbücher Ballwieser – IFRS-Rechnungslegung, 3. Auflage Herstellung: Frau Deuringer Stand: 20.03.2013 Status: Druckdaten Seite 12 2. Regelungsphilosophie des IASB12 (b) to promote the use and rigorous application of those standards. (c) in fulfilling the objectives associated with (a) and (b), to take account of, as appropriate, the needs of a range of sizes and types of entities in diverse economic settings. (d) to promote and facilitate adoption of International Financial Reporting Standards (IFRSs), being the standards and interpretations issued by the IASB, through the convergence of national accounting standards and IFRSs.“ (IFRS Foundation Constitution. Approved January 2010. Updated December 2010, Abs. 2) Danach wird das Ziel der Entscheidungsunterstützung von Nutzern der Rechnungslegung genannt, zu dessen Erreichung hochwertige, transparente und vergleichbare Informationen benötigt werden, die wiederum durch Anwendung hochwertiger, verständlicher, durchsetzbarer und weltweit akzeptierter Standards auf Basis klar artikulierter Prinzipen erzeugt werden. Verkürzend sei von qualitativ hochwertigen Normen der Informationsvermittlung als Anspruch an IFRS gesprochen. Das obige Zitat lässt die Vorrangstellung der Regeln für kapitalmarktorientierte Konzerne noch nicht ganz deutlich werden. Zwar ist unter Buchstabe (a) bei den Rechnungslegungsadressaten von Teilnehmern in den Kapitalmärkten der Welt die Rede, aber auch von anderen Nutzern. Die Vorrangstellung ergibt sich aber aus dem Rahmenkonzept in den Absätzen OB2 und OB10, die die anderen Nutzer lediglich auf Kredit geber (Gläubiger) ausweiten. Letztere müssen nicht zwangsläufig Kapitalmarkttitel halten, aber es spricht viel dafür, dass diese im Vordergrund stehen. Das Rahmenkonzept sagt in der zuerst erwähnten Regelung: „Die Zielsetzung der Rechnungslegung für allgemeine Zwecke besteht darin, Finanzinformationen über das berichtende Unternehmen zur Verfügung zu stellen, die für bestehende und potenzielle Investoren, Kreditgeber und andere Gläubiger nützlich sind, um Entscheidungen für die Bereitstellung von Ressourcen an das Unternehmen zu treffen. Zu diesen Entscheidungen gehören das Kaufen, Verkaufen oder Halten von Eigenkapitalinstrumenten oder Schuldinstrumenten sowie das Bereitstellen oder Valutieren von Darlehen und anderen Kreditformen.“ (OB2)51 51 Da das Rahmenkonzept keinen IFRS darstellt, unterliegt es nicht dem Genehmigungsverfahren der EU und erfährt keine Übersetzung durch die EU. Ich nutze deshalb – wie sonst nur bei noch nicht in der EU übernommenen Standards – die Übersetzung des IASB. Sie fällt gelegentlich ungewohnt aus, wie hier bei „Valutieren“ für „settling“. Ansonsten weichen die Übersetzungen von IASB und EU oft ab, z. B. bei IAS 1.29, bei dem in der EU-Übersetzung von „Gruppe gleichartiger Gegenstände“, in der IASB-Übersetzung von „Klasse Vahlens Handbücher Ballwieser – IFRS-Rechnungslegung, 3. Auflage Herstellung: Frau Deuringer Stand: 20.03.2013 Status: Druckdaten Seite 13 2.2 IFRS als reduzierte Normen 13 Nach der zweiten Regelung gilt: „Andere Parteien, wie Aufsichtsbehörden und andere Mitglieder der Öffentlichkeit als Investoren, Kreditgeber und andere Gläubiger, können Finanzberichte für allgemeine Zwecke auch als nützlich erachten. Diese Berichte sind jedoch nicht in erster Linie für diese anderen Gruppen bestimmt.” (OB10) Zur These, wonach sogar vorrangig die Eigenkapitalgeber oder Investoren, die in Kapitalmärkten aktiv sind, die zentralen Adressaten der IFRS sind, passt auch die Existenz von IAS 33 Ergebnis je Aktie. Schließlich ist der Konzernabschluss das die Eigentümer vorrangig interessierende Gebilde, weil er die Situation der wirtschaftlichen Einheit nach bestimmten Regeln darstellt. Mit dem Konzernabschluss beschäftigen sich mehrere IFRS, insbesondere IFRS 3 Unternehmenszusammenschlüsse, IFRS 10 Konzernabschlüsse, IFRS 11 Gemeinschaftliche Vereinbarungen, IFRS 12 Angaben zu Anteilen an anderen Unternehmen, IAS 24 Angaben über Beziehungen zu nahe stehenden Unternehmen und Personen sowie IAS 28 Anteile an assoziierten Unternehmen und Gemeinschaftsunternehmen. 2.2 IFRS als reduzierte Normen für Unternehmen ohne öffentliche Rechenschaftspflicht Am 30. Juni 2009 hat der IASB einen International Financial Reporting Standard for Small and Medium-sized Entities (IFRS for SMEs) verabschiedet. Nach seinem Vorwort (Abs. P9) zielt er auf Unternehmen, die in verschiedenen Rechtsordnungen KMU, private Unternehmen oder Unternehmen ohne öffentliche Rechenschaftspflicht genannt werden. Insofern ist der Titel des Standards irreführend und wurde in der langwierigen Entwicklungsgeschichte der Regelung auch mehrfach geändert. SMEs werden in Abschnitt 1.2 des Standards als Unternehmen ohne öffentliche Rechenschaftspflicht definiert, die für externe Adressaten Mehrzweckabschlüsse veröffentlichen. Öffentliche Rechenschaftspflicht bestehe, wenn ein Unternehmen Eigen- oder Fremdkapitaltitel in einem öffentlichen Markt handeln lasse oder Vermögenswerte treuhänderisch für eine große Gruppe von Außenstehenden verwalte. Hintergrund für die Entwicklung des Standards war das Anliegen, den angesprochenen Unternehmen auf Basis des Rahmenkonzepts und der einzelnen IFRS erleichterte Gliederungs- und Offenlegungs- sogleichartiger Gegenstände“ die Rede ist. Wesentlich größere Abweichungen enthalten z. B. die Übersetzungen von IAS 1.69(d). 2.2 IFRS als reduzierte Normen

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References

Zusammenfassung

IFRS-Rechnungslegung

Dieses Handbuch liefert einen Überblick über das Konzept und die Regeln der IFRS, ohne in einer Flut von Details unterzugehen. Neben der Vermittlung von Grundlagenwissen geht es aber auch um eine Wertung des Regelwerkes im Hinblick auf Konsistenz, Verständlichkeit und empirische Wirkungen auf den Kapitalmarkt.

Die Schwerpunkte

- IFRS als EU-weite Rechnungslegungsnormen

- Regelungsphilosophien des IASB

- Vermögensabbildung versus Gewinnermittlung

- Bilanzansatz und -bewertung

- Gesamtergebnisrechnung

- Weitere Instrumente

- Generalklausel: Vermittlung des den tatsächlichen Verhältnissen entsprechenden Bildes

- Konzernbesonderheiten

- Vermeintliche Vorteile der IFRS gegenüber HGB

- Probleme der IFRS