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7.6 Segmentbericht in:

Wolfgang Ballwieser

IFRS-Rechnungslegung, page 165 - 168

Konzept, Regeln und Wirkungen

3. Edition 2013, ISBN print: 978-3-8006-4562-6, ISBN online: 978-3-8006-4563-3, https://doi.org/10.15358/9783800645633_165

Series: Vahlens Handbücher der Wirtschafts- und Sozialwissenschaften

Bibliographic information
Vahlens Handbücher Ballwieser – IFRS-Rechnungslegung, 3. Auflage Herstellung: Frau Deuringer Stand: 20.03.2013 Status: Druckdaten Seite 154 7. Weitere Instrumente154 Vorziehen oder die Abgrenzung am Ende des Geschäftsjahres des Unternehmens nicht angemessen wäre“ (IAS 34.37), (b) der Ertragsteueraufwand einer Zwischenberichtsperiode auf Basis des Steuersatzes abgegrenzt wird, „der auf das erwartete gesamte Jahresergebnis angewendet würde, d. h. der geschätzte durchschnittliche jährliche effektive Ertragsteuersatz wird auf das Vorsteuerergebnis der Zwischenberichtsperiode angewendet“ (IAS 34.B12). 7.6 Segmentbericht Große Unternehmen, erst recht große wirtschaftliche Einheiten wie Konzerne, weisen regelmäßig sehr unterschiedlich risiko- und ertragreiche Geschäftsbereiche auf, sodass es nahe liegt, über diese getrennt zu berichten, damit man ihre Entwicklung besser verfolgen kann. Dies geschieht mithilfe der Segmentberichterstattung. Der im Jahr 2006 verabschiedete IFRS 8 regelt die Details und gilt für Unternehmen, deren Schuld- oder Eigenkapitalinstrumente auf einem öffentlichen Markt gehandelt werden oder die ihren Abschluss einer Behörde zwecks Emission solcher Instrumente auf einem öffentlichen Markt zukommen lassen (IFRS 8.2). Er basiert auf dem Managementansatz (IFRS 8.5 b)) anstelle des die Vorläuferregelung in IAS 14 beherrschenden Risiko-Ertrag-Ansatzes, wonach es eine Berichtspflicht für ein Geschäftssegment oder ein geografisches Segment nur dann gibt, wenn es sich von anderen Segmenten hinsichtlich der Risiken und Chancen unterscheidet. Die Änderung folgte dem US-amerikanischen Standard SFAS 131. Nach IFRS 8.5 ist ein Geschäftssegment gekennzeichnet durch (a) Geschäftstätigkeiten, mit denen Umsatzerlöse erwirtschaftet werden und bei denen Aufwendungen anfallen können, (b) dessen Betriebsergebnisse regelmäßig von der verantwortlichen Unternehmensinstanz hinsichtlich Ressourcenallokation und Bewertung der Ertragskraft überprüft werden und (c) für das separate Finanzinformationen vorliegen. Umsatzerlöse von Geschäftssegmenten müssen bei ihrer Abgrenzung noch nicht vorliegen, aber erwartet werden (IFRS 8.5). Die unter (b) angesprochene verantwortliche Unternehmensinstanz wird funktional abgegrenzt, nicht nach Bezeichnung im Unternehmen (IFRS 8.7). Die Bedingung, dass Finanzinformationen vorliegen müssen, soll sowohl Mehraufwand zur Erstellung des Segmentberichtes verhindern als auch Fehlanreize aufgrund von Diskrepanzen zwischen interner 7.6 Segmentbericht Vahlens Handbücher Ballwieser – IFRS-Rechnungslegung, 3. Auflage Herstellung: Frau Deuringer Stand: 20.03.2013 Status: Druckdaten Seite 155 7.6 Segmentbericht 155 Steuerung und externer Berichterstattung vermeiden helfen. Häufig werden Segmente nach der konkreten Geschäftstätigkeit und/oder nach geografischen Märkten, insb. hinsichtlich Beschaffung, Produktion, Absatz oder Regulierung, zu unterscheiden sein (vgl. auch IFRS 8.12 und .22 a)). Für berichtspflichtige Segmente gibt es eine (grundsätzliche) Wesentlichkeitsgrenze in Form einer 10 %-Regel: „Ein Unternehmen legt gesonderte Informationen über ein Geschäftssegment vor, das einen der nachfolgend genannten quantitativen Schwellenwerte erfüllt: (a) Sein ausgewiesener Umsatzerlös, einschließlich der Verkäufe an externe Kunden und Verkäufe oder Transfers zwischen den Segmenten, beträgt mindestens 10 % der zusammengefassten internen und externen Umsatzerlöse aller Geschäftssegmente. (b) Der absolute Betrag seines ausgewiesenen Gewinns oder Verlustes entspricht mindestens 10 % des höheren der beiden nachfolgend genannten absoluten Werte: (i) des zusammengefassten ausgewiesenen Gewinns aller Geschäftssegmente, die keinen Verlust gemeldet haben; (ii) des zusammengefassten ausgewiesenen Verlusts aller Geschäftssegmente, die einen Verlust gemeldet haben. (c) Seine Vermögenswerte haben einen Anteil von mindestens 10 % an den kumulierten Aktiva aller Geschäftssegmente.“ (IFRS 8.13) Erfüllt ein Segment die genannten Kriterien nicht, kann es trotz fehlender Größe als berichtspflichtiges Segment bezeichnet werden, „wenn die Geschäftsführung der Auffassung ist, dass Informationen über das Segment für die Abschlussadressaten nützlich wären.“ (IFRS 8.13) Gleichermaßen kann es die Größenkriterien erfüllen, aber mit einem anderen Segment oder mit mehreren Segmenten zusammengefasst werden, „sofern die Zusammenfassung mit dem Grundprinzip dieses IFRS konsistent ist, die Segmente vergleichbare wirtschaftliche Merkmale aufweisen und auch hinsichtlich jedes der nachfolgend genannten Aspekte vergleichbar sind: (a) Art der Produkte und Dienstleistungen; (b) Art der Produktionsprozesse; (c) Art oder Gruppe der Kunden für die Produkte und Dienstleistungen; (d) Methoden des Vertriebs ihrer Produkte oder der Erbringung von Dienstleistungen; und (e) falls erforderlich, Art der regulatorischen Rahmenbedingungen, z. B. im Bank- oder Versicherungswesen oder bei öffentlichen Versorgungsbetrieben.“ (IFRS 8.12) Vahlens Handbücher Ballwieser – IFRS-Rechnungslegung, 3. Auflage Herstellung: Frau Deuringer Stand: 20.03.2013 Status: Druckdaten Seite 156 7. Weitere Instrumente156 Das im Zitat angesprochene Grundprinzip lautet: „Ein Unternehmen hat Informationen anzugeben, anhand derer Abschlussadressaten die Art und die finanziellen Auswirkungen der von ihm ausgeübten Geschäftstätigkeiten sowie das wirtschaftliche Umfeld, in dem es tätig ist, beurteilen können.“ (IFRS 8.1 = IFRS 8.20) Die Größenkriterien werden unmaßgeblich, wenn durch die ursprüngliche Abgrenzung weniger als 75 % der Unternehmenserträge segmentiert werden: „Machen die gesamten externen Umsatzerlöse, die von den Geschäftssegmenten ausgewiesen werden, weniger als 75 % der Umsatzerlöse des Unternehmens aus, können weitere Geschäftssegmente als berichtspflichtige Segmente herangezogen werden (auch wenn sie die Kriterien in Paragraph 13 nicht erfüllen), bis mindestens 75 % der Umsatzerlöse des Unternehmens auf berichtspflichtige Segmente entfällt.“ (IFRS 8.15) Wird eine Geschäftstätigkeit oder ein Geschäftssegment weder gesondert dargestellt noch zusammengefasst, werden die zu diesen Elementen gehörenden Informationen in einer Kategorie „Alle sonstigen Segmente“ zusammengefasst und präsentiert (IFRS 8.16). Die Angabepflichten betreffen allgemeine Informationen zur Segmentabgrenzung, Informationen über das Periodenergebnis, das Segmentvermögen und die Segmentschulden sowie Überleitungsrechnungen auf entsprechende Beträge des Unternehmens (IFRS 8.21). Sämtliche Segmentinformationen sind in Übereinstimmung mit der internen Steuerung zu liefern (IFRS 8.25). „Verwendet die verantwortliche Unternehmensinstanz mehr als einen Wertmaßstab für den Gewinn oder Verlust und die Vermögenswerte sowie Schulden eines Geschäftssegments, so sind jene Wertmaßstäbe zu verwenden, die die Geschäftsführung gemäß den Bewertungsgrundsätzen als am ehesten mit denjenigen konsistent ansieht, die für die Bewertung der entsprechenden Beträge im Abschluss des Unternehmens zu Grunde gelegt werden.“ (IFRS 8.26) Bezüglich des Periodenergebnisses sind grundsätzlich zu berichten (IFRS 8.23): (a) Umsatzerlöse aus Transaktionen mit externen Kunden, (b) Umsatzerlöse aus Transaktionen mit anderen Geschäftssegmenten, (c) Zinserträge, (d) Zinsaufwendungen, (e) planmäßige Abschreibungen, (f) wesentliche Ertrags- und Aufwandsposten im Sinne von IAS 1.86, (g) Ergebnisanteile von assoziierten Unternehmen und Gemeinschaftsunternehmen, die nach der Equity-Methode bilanziert werden, Vahlens Handbücher Ballwieser – IFRS-Rechnungslegung, 3. Auflage Herstellung: Frau Deuringer Stand: 20.03.2013 Status: Druckdaten Seite 157 7.7 Management Commentary 157 (h) Ertragsteueraufwand oder -ertrag, (i) wesentliche zahlungsunwirksame Posten, bei denen es sich nicht um planmäßige Abschreibungen handelt. Weiterhin ist über die Vermögenswerte und Schulden zu berichten, „wenn ein solcher Betrag der verantwortlichen Unternehmensinstanz regelmäßig gemeldet wird.“ (IFRS 8.23) 252 In Abhängigkeit der Nutzung für die interne Steuerung durch die verantwortliche Unternehmensinstanz ist ferner zu berichten über Beteiligungen an assoziierten Unternehmen und an Gemeinschaftsunternehmen, die nach der Equity-Methode bilanziert werden, und über den Betrag der Zugänge zu langfristigen Vermögenswerten (ohne Finanzinstrumente), latente Steueransprüche, Leistungen nach Beendigung des Arbeitsverhältnisses und Rechte aus Versicherungsverträgen (IFRS 8.24). Neben der Rechnungslegungsgrundlage für sämtliche Transaktionen zwischen berichtspflichtigen Segmenten ist jeweils „die Art“ der Unterschiede zwischen einer in- und externen Bewertung zu berichten (IFRS 8.27). Auf die unternehmensbezogenen Angaben sind gemäß IFRS 8.28 überzuleiten (a) die Umsatzerlöse der Segmente, (b) die Periodenergebnisse, (c) die Vermögenswerte, (d) die Schulden und (e) die Beträge für jeden anderen wesentlichen Informationsposten. Schließlich verlangt IFRS 8 auf Unternehmensebene grundsätzlich Informationen über Produkte und Dienstleistungen, über geografische Bereiche und über wichtige Kunden (IFRS 8.31-34). 7.7 Management Commentary Ein dem Lagebericht nach den §§ 289, 315 HGB ähnliches Instrument außerhalb des Abschlusses verlangen die IFRS nicht, wenngleich ein IFRS Practice Statement Managementbericht (Management Commentary) vom Dezember 2010 vorliegt. Nach dessen Einführung bildet es ein 252 Die deutsche Übersetzung macht in IFRS 8.23 aus dem Satz „An entity shall report a measure of profit or loss for each reportable segment“ die Aussage „Ein Unternehmen hat eine Bewertung des Gewinns oder Verlusts für jedes berichtspflichtige Segment vorzulegen.“ M.E. ist mit „measure“ ein Maß gemeint, keine Bewertung, auch wenn letztere amerikanisch mit „measurement“, englisch hingegen mit „valuation“ gleichgesetzt wird. In IFRS 8.26 wird aus „only one measure of an operating segment‘s profit or loss“ hingegen „lediglich einen Wertmaßstab für den Gewinn oder Verlust“. 7.7 Management Commentary

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References

Zusammenfassung

IFRS-Rechnungslegung

Dieses Handbuch liefert einen Überblick über das Konzept und die Regeln der IFRS, ohne in einer Flut von Details unterzugehen. Neben der Vermittlung von Grundlagenwissen geht es aber auch um eine Wertung des Regelwerkes im Hinblick auf Konsistenz, Verständlichkeit und empirische Wirkungen auf den Kapitalmarkt.

Die Schwerpunkte

- IFRS als EU-weite Rechnungslegungsnormen

- Regelungsphilosophien des IASB

- Vermögensabbildung versus Gewinnermittlung

- Bilanzansatz und -bewertung

- Gesamtergebnisrechnung

- Weitere Instrumente

- Generalklausel: Vermittlung des den tatsächlichen Verhältnissen entsprechenden Bildes

- Konzernbesonderheiten

- Vermeintliche Vorteile der IFRS gegenüber HGB

- Probleme der IFRS