Content

2.2 IFRS als reduzierte Normen für Unternehmen ohne öffentliche Rechenschaftspflicht in:

Wolfgang Ballwieser

IFRS-Rechnungslegung, page 26 - 28

Konzept, Regeln und Wirkungen

3. Edition 2013, ISBN print: 978-3-8006-4562-6, ISBN online: 978-3-8006-4563-3, https://doi.org/10.15358/9783800645633_26

Series: Vahlens Handbücher der Wirtschafts- und Sozialwissenschaften

Bibliographic information
Vahlens Handbücher Ballwieser – IFRS-Rechnungslegung, 3. Auflage Herstellung: Frau Deuringer Stand: 20.03.2013 Status: Druckdaten Seite 13 2.2 IFRS als reduzierte Normen 13 Nach der zweiten Regelung gilt: „Andere Parteien, wie Aufsichtsbehörden und andere Mitglieder der Öffentlichkeit als Investoren, Kreditgeber und andere Gläubiger, können Finanzberichte für allgemeine Zwecke auch als nützlich erachten. Diese Berichte sind jedoch nicht in erster Linie für diese anderen Gruppen bestimmt.” (OB10) Zur These, wonach sogar vorrangig die Eigenkapitalgeber oder Investoren, die in Kapitalmärkten aktiv sind, die zentralen Adressaten der IFRS sind, passt auch die Existenz von IAS 33 Ergebnis je Aktie. Schließlich ist der Konzernabschluss das die Eigentümer vorrangig interessierende Gebilde, weil er die Situation der wirtschaftlichen Einheit nach bestimmten Regeln darstellt. Mit dem Konzernabschluss beschäftigen sich mehrere IFRS, insbesondere IFRS 3 Unternehmenszusammenschlüsse, IFRS 10 Konzernabschlüsse, IFRS 11 Gemeinschaftliche Vereinbarungen, IFRS 12 Angaben zu Anteilen an anderen Unternehmen, IAS 24 Angaben über Beziehungen zu nahe stehenden Unternehmen und Personen sowie IAS 28 Anteile an assoziierten Unternehmen und Gemeinschaftsunternehmen. 2.2 IFRS als reduzierte Normen für Unternehmen ohne öffentliche Rechenschaftspflicht Am 30. Juni 2009 hat der IASB einen International Financial Reporting Standard for Small and Medium-sized Entities (IFRS for SMEs) verabschiedet. Nach seinem Vorwort (Abs. P9) zielt er auf Unternehmen, die in verschiedenen Rechtsordnungen KMU, private Unternehmen oder Unternehmen ohne öffentliche Rechenschaftspflicht genannt werden. Insofern ist der Titel des Standards irreführend und wurde in der langwierigen Entwicklungsgeschichte der Regelung auch mehrfach geändert. SMEs werden in Abschnitt 1.2 des Standards als Unternehmen ohne öffentliche Rechenschaftspflicht definiert, die für externe Adressaten Mehrzweckabschlüsse veröffentlichen. Öffentliche Rechenschaftspflicht bestehe, wenn ein Unternehmen Eigen- oder Fremdkapitaltitel in einem öffentlichen Markt handeln lasse oder Vermögenswerte treuhänderisch für eine große Gruppe von Außenstehenden verwalte. Hintergrund für die Entwicklung des Standards war das Anliegen, den angesprochenen Unternehmen auf Basis des Rahmenkonzepts und der einzelnen IFRS erleichterte Gliederungs- und Offenlegungs- sogleichartiger Gegenstände“ die Rede ist. Wesentlich größere Abweichungen enthalten z. B. die Übersetzungen von IAS 1.69(d). 2.2 IFRS als reduzierte Normen Vahlens Handbücher Ballwieser – IFRS-Rechnungslegung, 3. Auflage Herstellung: Frau Deuringer Stand: 20.03.2013 Status: Druckdaten Seite 14 2. Regelungsphilosophie des IASB14 wie andere Gewinnermittlungsregeln zu liefern. Auslöser dafür war die Vermutung, dass die IFRS den Ansprüchen dieser Unternehmen nicht gerecht werden würden und die Unternehmen überfordern und mit unangemessenen Kosten belasten könnten52. Der Standard wurde dementsprechend durch Rückgriff auf das Rahmenkonzept und die IFRS entwickelt. Resultat ist ein (mit einer Ausnahme; vgl. Abs. 11.2(b)) grundsätzlich eigenständiges53, aber gegenüber den IFRS vereinfachtes Regelwerk. Das Regelwerk ist gegenüber den IFRS im Inhalt beschränkt (z. B. fehlen Regelungen zur Segmentberichterstattung), übernimmt einen Großteil von Bilanzierungswahlrechten der IFRS nicht (z. B. das Wahlrecht zur Klassifizierung von Finanzinstrumenten), hat Ansatzund Bewertungsvorschriften vereinfacht oder abgewandelt (z. B. den Wertminderungstest beim Geschäfts- oder Firmenwert) und verlangt deutlich weniger umfangreiche Anhangangaben. Weitere Details können an dieser Stelle entfallen, denn der Standard fällt nicht unter die in Kapitel 1 zitierte EG-Verordnung Nr. 1606/2002 und wird nicht im Rahmen des Komitologieverfahrens in der EU umgesetzt. Deutschland hätte sich bei der jüngsten Bilanzrechtsreform an dem Standard orientieren können, hat dies aber mit dem BilMoG im Jahr 2009 bewusst nicht getan, sondern eine eigenständige Alternative zu den IFRS gesucht (vgl. oben S. 6). Unabhängig davon gab es aus unterschiedlichen Gründen Stellungnahmen gegen die Entwicklung des IFRS für KMU: Erstens wurde auf die Diskrepanz von IFRS für KMU und bereits bestehenden Erleichterungen im Rahmen eines sog. Differential Reporting verwiesen. Zweitens wurden wegen bereits bestehender nationaler Regelungen, aber auch fehlender Marktanalyse die Nachfrage nach IFRS für KMU bestritten und Kostenerhöhungen ohne Zusatznutzen befürchtet. Drittens wurde betont, dass es für identische Geschäfte nur identische Ansatz- und Bewertungsregeln geben könne, während allenfalls die Zahl und der Inhalt der Erläuterungen zur Disposition stehen könnten. Der IASB hat sich davon nicht irritieren lassen, aber mit dem Standard seine eigene Zielsetzung konterkariert, wonach es „a single set of high quality (…) globally accepted financial reporting standards“ entwickeln soll (vgl. Satzung der IFRS Foundation und Kapitel 2.1, S. 11), da die einzige Menge nicht mehr existiert, sondern durch die Ableitung 52 Vgl. auch Coenenberg (2005), S. 111: „Die Anwendung der IFRS in ihrer vollen Breite und Tiefe auf mittelständische Unternehmen würde diese völlig überstrapazieren. Darüber besteht in Literatur und Praxis weitgehend Einigkeit.“ Vgl. ferner Ballwieser (2004b). 53 Prasse (2009), Tz. 32, moniert jedoch, dass einige Regelungen ohne Zuhilfenahme der IFRS schwer verständlich sind. Vahlens Handbücher Ballwieser – IFRS-Rechnungslegung, 3. Auflage Herstellung: Frau Deuringer Stand: 20.03.2013 Status: Druckdaten Seite 15 2.3 Relevanz und glaubwürdige Darstellung der Informationen 15 der Teilmenge aus den IFRS und ihre teilweise Änderung (z. B. bei der Abschreibung des Geschäfts- oder Firmenwerts) verschiedene Mengen entstanden sind. Zwar enthält die Satzung der IFRS Foundation in Abs. 2(c) eine Öffnungsklausel, wonach bei der Entwicklung der Standards unterschiedliche Bedürfnisse zu berücksichtigen seien („the needs of a range of sizes and types of entities in diverse economic settings“; vgl. Kapitel 2.1, S. 12), aber diese Öffnungsklausel ist höchst unbestimmt und kann keine unterschiedlichen Gewinnermittlungsregeln rechtfertigen. Die Vorgehensweise des IASB muss man vielmehr in dem Versuch sehen, die Regulierungsmacht des Gremiums zu erweitern. 2.3 Relevanz und glaubwürdige Darstellung der Informationen als Leitlinien Das Rahmenkonzept sagt – wie bereits in Kapitel 2.1 ausgeführt – in Abs. OB2: „Die Zielsetzung der Rechnungslegung für allgemeine Zwecke besteht darin, Finanzinformationen über das berichtende Unternehmen zur Verfügung zu stellen, die für bestehende und potenzielle Investoren, Kreditgeber und andere Gläubiger nützlich sind, um Entscheidungen für die Bereitstellung von Ressourcen an das Unternehmen zu treffen.“ Wie in dem bereits in Kapitel  2.1 zitierten Abs. 2 der Satzung der IFRS Foundation tritt uns hier das Ziel der Entscheidungsnützlichkeit oder Entscheidungsunterstützung entgegen. Aber auch das Ziel der Rechenschaft findet sich in Abs. OB4 angesprochen, wo es heißt: „Zur Einschätzung der Aussichten auf künftige Nettomittelzuflüsse eines Unternehmens benötigen bestehende und potenzielle Investoren, Kreditgeber und andere Gläubiger Informationen über die Ressourcen des Unternehmens, über Ansprüche gegen das Unternehmen und darüber, wie effizient und effektiv das Management und das Leitungsorgan des Unternehmens ihren Verpflichtungen nachkommen, die Ressourcen des Unternehmens einzusetzen.“ Mit dem Nachweis des Nachkommens der Verpflichtungen von Management und Leitungsorgan wird die Funktion der Rechenschaft betont. Beschränke ich mich im Folgenden auf die Entscheidungsnützlichkeit, so besagt Abs. QC4: „Sollen Finanzinformationen nützlich sein, müssen sie relevant sein und glaubwürdig darstellen, was sie vorgeben darzustellen. Die Nützlichkeit 2.3 Relevanz und glaubwürdige Darstellung der Informationen

Chapter Preview

References

Zusammenfassung

IFRS-Rechnungslegung

Dieses Handbuch liefert einen Überblick über das Konzept und die Regeln der IFRS, ohne in einer Flut von Details unterzugehen. Neben der Vermittlung von Grundlagenwissen geht es aber auch um eine Wertung des Regelwerkes im Hinblick auf Konsistenz, Verständlichkeit und empirische Wirkungen auf den Kapitalmarkt.

Die Schwerpunkte

- IFRS als EU-weite Rechnungslegungsnormen

- Regelungsphilosophien des IASB

- Vermögensabbildung versus Gewinnermittlung

- Bilanzansatz und -bewertung

- Gesamtergebnisrechnung

- Weitere Instrumente

- Generalklausel: Vermittlung des den tatsächlichen Verhältnissen entsprechenden Bildes

- Konzernbesonderheiten

- Vermeintliche Vorteile der IFRS gegenüber HGB

- Probleme der IFRS