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9.13 Zusammenfassung in Thesen in:

Wolfgang Ballwieser

IFRS-Rechnungslegung, page 222 - 224

Konzept, Regeln und Wirkungen

3. Edition 2013, ISBN print: 978-3-8006-4562-6, ISBN online: 978-3-8006-4563-3, https://doi.org/10.15358/9783800645633_222

Series: Vahlens Handbücher der Wirtschafts- und Sozialwissenschaften

Bibliographic information
Vahlens Handbücher Ballwieser – IFRS-Rechnungslegung, 3. Auflage Herstellung: Frau Deuringer Stand: 20.03.2013 Status: Druckdaten Seite 211 9.13 Zusammenfassung in Thesen 211 in ein assoziiertes Unternehmen oder Gemeinschaftsunternehmen. Der Anteil des Investors am Gewinn oder Verlust des assoziierten Unternehmens oder Gemeinschaftsunternehmens aus solchen Transaktionen wird eliminiert.“ (IAS 28.28) 9.13 Zusammenfassung in Thesen (1) Konzerne sind wirtschaftliche Einheiten, in denen eine Muttergesellschaft Tochterunternehmen beherrscht. Für diese wirtschaftliche Einheit ist ein Abschluss so aufzustellen, als ob es sich um eine Rechtseinheit handeln würde (Fiktion der Rechtseinheit). (2) Ein Investor beherrscht ein Beteiligungsunternehmen, wenn er aufgrund seines Engagements bei dem Unternehmen variablen wirtschaftlichen Erfolgen ausgesetzt ist oder Rechte daran hat und die Möglichkeit besitzt, diese wirtschaftlichen Erfolge durch seine Bestimmungsmacht über das Beteiligungsunternehmen zu beeinflussen. Bestimmungsmacht besteht, wenn man aufgrund bestehender Rechte die Tätigkeiten, die die wirtschaftlichen Erfolge des Beteiligungsunternehmens signifikant beeinflussen, prägen kann. (3) Im Konzernabschluss werden gleichartige Posten der Vermögenswerte, der Schulden, des Eigenkapitals, der Erträge, der Aufwendungen und der Cash Flows des Mutterunternehmens mit denen aller Tochterunternehmen zusammengefasst. Ferner werden für jedes Tochterunternehmen die Buchwerte der dem Mutterunternehmen gehörenden Anteile mit den jeweiligen anteiligen Eigenkapitalbeträgen der Tochterunternehmen verrechnet. Dieser Vorgang heißt Kapitalkonsolidierung. Konzerninterne Vermögenswerte, Schulden, Eigenkapital, Erträge, Aufwendungen und Cash Flows im Zusammenhang mit Geschäftsvorfällen zwischen Konzernunternehmen werden eliminiert. Gewinn oder Verlust entsteht deshalb nur aufgrund von Tätigkeiten mit Konzernfremden. (4) Für die Erstellung eines Konzernabschlusses sind Vorarbeiten nötig. Sie umfassen die Herstellung eines einheitlichen Stichtags, die Verwendung einer einheitlichen Währung, einheitliche Ansatz-, Bewertungs- und Gliederungsvorschriften. (5) Die Kapitalkonsolidierung erfolgt nach der Erwerbsmethode. Hierbei wird nach einer Fiktion des Einzelerwerbs die vom Erwerber übertragene Gegenleistung (in Form von hingegebenen Vermögenswerten, übernommenen Schulden und ausgegebenen Eigenkapitalanteilen) mit sämtlichen erworbenen identifizierbaren Vermögenswerten und Schulden, die zum beizulegenden Zeitwert 9.13 Zusammenfassung in Thesen Vahlens Handbücher Ballwieser – IFRS-Rechnungslegung, 3. Auflage Herstellung: Frau Deuringer Stand: 20.03.2013 Status: Druckdaten Seite 212 9. Konzernbesonderheiten212 zu bewerten sind, saldiert. Ein daraus resultierender Überschuss ist aktivierungspflichtiger Geschäfts- oder Firmenwert (Goodwill). Ein sich ergebendes Defizit ist erfolgswirksamer Ertrag. Der beschriebene Prozess heißt Kaufpreisaufteilung (purchase price allocation). (6) Identifikations- und Bewertungsprobleme für bei Unternehmenszusammenschlüssen erworbene Güter bestehen insbesondere bei immateriellen Vermögenswerten, die der Verkäufer nicht hat aktivieren dürfen. Die Identifizierbarkeit von immateriellen Vermögenswerten knüpft an die Kriterien der Separierbarkeit und der Entstehung aus vertraglichen oder gesetzlichen Rechten an. Separierbarkeit stellt auf externe Verwertbarkeit ab, ist aber nicht mit Einzelverwertbarkeit identisch. (7) Die Bewertungsmethoden zur Ermittlung des beizulegenden Zeitwerts sollen die Verwendung von relevanten beobachtbaren Einsatzgrößen maximieren und die Verwendung von nicht beobachtbaren Einflussgrößen minimieren. IFRS 13 schafft eine Hierarchie von Einsatzgrößen durch deren Zuweisung zu drei Ebenen. In ihr stehen notierte und unangepasste Preise aus aktiven Märkten für identische Güter auf der höchsten und nicht beobachtbare Einsatzgrößen auf der niedrigsten Ebene. Dazwischen stehen direkt oder indirekt beobachtbare Preise, die nicht die Eigenschaften der höchsten Ebene aufweisen, weil sie z. B. aus inaktiven Märkten stammen oder sich auf ähnliche statt identische Güter beziehen. Für viele immaterielle Güter bewegt sich die Bewertung auf der niedrigsten Ebene, was sie für bilanzpolitische Maßnahmen anfällig macht. (8) Der bei Unternehmenszusammenschlüssen aktivierte Geschäftsoder Firmenwert ist auf zahlungsmittelgenerierende Einheiten aufzuteilen, um dem jährlich mindestens einmal stattfindenden Wertminderungstest unterworfen zu werden. Die Aufteilung erfolgt nach interner Steuerung dieser Einheiten (management approach). Je größer die Einheit gewählt wird, desto unwahrscheinlicher wird ein Abwertungszwang für den zugeteilten Geschäfts- oder Firmenwert. (9) Für den Wertminderungstest ist der Buchwert des Geschäfts- oder Firmenwerts mit dem erzielbaren Betrag, das ist das Maximum aus beizulegendem Zeitwert abzüglich Veräußerungskosten und Nutzungswert, zu vergleichen. Auch wenn der beizulegende Zeitwert eine Marktperspektive und der Nutzungswert eine unternehmensbezogene Sicht verkörpern, verschwimmen die Grenzen zwischen beiden Wertansätzen, wenn in beiden Fällen Barwertkalküle angestellt werden müssen. (10) Die Vorgaben der IFRS zur Bestimmung des Nutzungswerts sind zum beachtlichen Teil inkonsistent und reflektieren nicht den Stand der (Unternehmens-)Bewertungstheorie. Vahlens Handbücher Ballwieser – IFRS-Rechnungslegung, 3. Auflage Herstellung: Frau Deuringer Stand: 20.03.2013 Status: Druckdaten Seite 213 10. Vermeintliche Vorteile der IFRS gegenüber dem HGB 10.1 Plausibilitäten Gegenüber dem HGB haben die IFRS auf den ersten Blick zahlreiche Vorteile: (a) Die IFRS sind an einem einzigen Ziel, der Vermittlung entscheidungsnützlicher Information, ausgerichtet und können damit frei von kompromisshaften Lösungen sein, die im Hinblick auf die Erfüllung einander wenigstens zum Teil widersprechender Ziele – wie Informationsvermittlung und vorsichtige Zahlungsbemessung für Zwecke der Ausschüttung – zu erwarten sind. (b) Die IFRS stellen die (tatsächlichen und potentiellen) Eigentümer des Unternehmens als Adressaten der Rechnungslegung in den Vordergrund. Diese sind als Residualanspruchsberechtigte auch besonders zu schützen, weil andere Parteien – von Deliktgläubigern abgesehen – grundsätzlich die Möglichkeit haben, sich vertraglich zu schützen364. (c) Aus der Informationsfunktion folgen vorteilhafte Regelungen wie der Ansatz auch selbsterstellter immaterieller Anlagewerte, das Verbot des Ansatzes von Innenverpflichtungen, Gewinnvereinnahmung nach Fertigungsfortschritt, umfangreiche Postenerläuterungsund weitergehende Informationspflichten (z. B. über Beziehungen zu nahestehenden Personen) und Einschränkungen expliziter Wahlrechte. (d) Der Ansatz von Zeitwerten geht nicht nur auf das – den Vorsichtsgedanken konkretisierende – Imparitätsprinzip zurück, sondern erfolgt, z. B. bei bestimmten Finanzinstrumenten, symmetrisch. Das verbessert die Information. (e) Durch die Einschränkung von expliziten Wahlrechten und relativ klare Bilanzierungsregeln lässt sich die Prognose künftiger Cash Flows verbessern und wird das „Rauschen“ des Informationsflusses gegenüber dem Kapitalmarkt in Relation zum HGB verringert, sodass Eigen- und Fremdkapitalkosten sinken können. 364 Das Argument verlangt vollständige Verträge. Hieran gibt es Zweifel. Vgl. Schmidt/Maßmann (1999), S. 145 f. 10. Vermeintliche Vorteile der IFRS gegenüber dem HGB 10.1 Plausibilitäten

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Zusammenfassung

IFRS-Rechnungslegung

Dieses Handbuch liefert einen Überblick über das Konzept und die Regeln der IFRS, ohne in einer Flut von Details unterzugehen. Neben der Vermittlung von Grundlagenwissen geht es aber auch um eine Wertung des Regelwerkes im Hinblick auf Konsistenz, Verständlichkeit und empirische Wirkungen auf den Kapitalmarkt.

Die Schwerpunkte

- IFRS als EU-weite Rechnungslegungsnormen

- Regelungsphilosophien des IASB

- Vermögensabbildung versus Gewinnermittlung

- Bilanzansatz und -bewertung

- Gesamtergebnisrechnung

- Weitere Instrumente

- Generalklausel: Vermittlung des den tatsächlichen Verhältnissen entsprechenden Bildes

- Konzernbesonderheiten

- Vermeintliche Vorteile der IFRS gegenüber HGB

- Probleme der IFRS