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2.7 Zusammenfassung in Thesen in:

Wolfgang Ballwieser

IFRS-Rechnungslegung, page 45 - 47

Konzept, Regeln und Wirkungen

3. Edition 2013, ISBN print: 978-3-8006-4562-6, ISBN online: 978-3-8006-4563-3, https://doi.org/10.15358/9783800645633_45

Series: Vahlens Handbücher der Wirtschafts- und Sozialwissenschaften

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Vahlens Handbücher Ballwieser – IFRS-Rechnungslegung, 3. Auflage Herstellung: Frau Deuringer Stand: 20.03.2013 Status: Druckdaten Seite 32 2. Regelungsphilosophie des IASB32 und nicht gewünschte Anreize94 verbunden waren, wollte man nicht sehen oder deren Gefahr für gering halten95. 2.7 Zusammenfassung in Thesen (1) Der IASB will Regeln gestalten, welche Informationen verlangen, die den Adressaten der Rechnungslegung zur Entscheidungsunterstützung und Rechenschaft dienen. Die Regeln stellen vorrangig auf Teilnehmer am Eigen- und Fremdkapitalmarkt ab. (2) Als qualitative Anforderungen an die Rechnungslegung benennt der IASB in seinem Rahmenkonzept Relevanz (inklusive Wesentlichkeit), glaubwürdige Darstellung, Vergleichbarkeit, Nachprüfbarkeit, Zeitnähe und Verständlichkeit. Grundsätzlich soll der Rechnungslegung die Annahme der Unternehmensfortführung zugrunde liegen. (3) Der IASB löst sich bei der Definition von Relevanz und Wesentlichkeit von der Informationsökonomie, weil auch bestätigende Nachrichten als relevant angesehen werden und Wesentlichkeit von Relevanz nur künstlich zu trennen ist. (4) Die Entwicklung der IFRS soll einer Kosten-Nutzen-Abwägung unterworfen werden. Das ist sinnvoll, verlangt aber – entgegen einem ersten Eindruck – auch Wertungen, ergibt sich mit anderen Worten weder rein logisch aus den qualitativen Anforderungen noch aus der „Natur der Sache“. Da Rechnungslegung dem Interessenschutz Dritter dient, ist es besonders wichtig zu erfahren, wie die von den Erstellern der Rechnungslegung ins Feld geführten Kosten berücksichtigt werden. Dazu schweigt das Rahmenkonzept. (5) Die IFRS sollen prinzipienorientiert sein. Das Rahmenkonzept verwendet die Vokabel Prinzip aber bisher nicht. Man muss hierfür stellvertretend die qualitativen Anforderungen und die Annahme der Unternehmensfortführung nehmen. (6) Der IFRS for SMEs fällt aus der Schwerpunktsetzung des IASB zur Entwicklung von Rechnungslegungsregeln für Adressaten am Kapitalmarkt heraus. Er torpediert das explizit genannte Ziel, nur eine einzige Menge von Rechnungslegungsregeln zu entwickeln, da er von den IFRS abweichende Gewinnermittlungsregeln enthält. Für Deutschland ist er wegen des BilMoG auf absehbare Zeit uninteressant; in der EU scheint ebenfalls die Neigung zu fehlen, den Standard in das Regelwerk aufzunehmen. 94 Vgl. hierzu z. B. Ballwieser/Kuhner (1994), S. 97 f. 95 A. A. z. T. Laux/Leuz (2009) und (2010). Vgl. ferner Ryan (2008), S. 1636. 2.7 Zusammenfassung in Thesen Vahlens Handbücher Ballwieser – IFRS-Rechnungslegung, 3. Auflage Herstellung: Frau Deuringer Stand: 20.03.2013 Status: Druckdaten Seite 33 2.7 Zusammenfassung in Thesen 33 (7) Seit einiger Zeit ist beim IASB eine Hinwendung zum assets and liabilities approach samt Ansatz von Zeitwerten zu beobachten. Eine allgemeine Regelung, wann Zeitwerte anderen Bewertungsmaßstäben vorzuziehen sind, findet sich (bisher) im Rahmenkonzept nicht. Auch IFRS 13 beschreibt nur, wie beizulegende Zeitwerte zu ermitteln sind. (8) Die Zeitwertbilanzierung von Finanzinstrumenten hat die Finanzkrise nicht ausgelöst, aber beschleunigt. Der in diesem Zusammenhang maßgebliche IAS 39 ist bisher nur in Teilen überarbeitet. Es bleibt abzuwarten, welche Endfassung er erlangen wird und welche Anreize von ihm ausgehen werden. Vahlens Handbücher Ballwieser – IFRS-Rechnungslegung, 3. Auflage Herstellung: Frau Deuringer Stand: 20.03.2013 Status: Druckdaten Seite 35 3. Vermögensabbildung versus Gewinnermittlung 3.1 Denkbare Abbildungsziele der Rechnungslegung und Wertungsnotwendigkeit Vermögen und Gewinn eines Unternehmens können nicht voraussetzungslos ermittelt werden. Beide Größen sind theoretische Begriffe, die zu präzisieren und deren Messvorschriften festzulegen sind96. Die Darstellung in Kapitel  2.4 hat deutlich gemacht, dass grundsätzlich von der Annahme der Unternehmensfortführung auszugehen ist. Dementsprechend kann es kein Ziel sein, ein Zerschlagungsvermögen darzustellen. Stattdessen ist dem IASB an einem Fortführungsvermögen gelegen. Fortführungsvermögen lässt sich aber ganz unterschiedlich verstehen. Ich diskutiere im Folgenden als denkbare Varianten eines Fortführungsvermögens (a) das Effektivvermögen, (b) das Marktpreisvermögen aufgrund von Einzelbewertung, (c) das Vermögen nach historischen Kosten. Stellt man den Vermögensbegriff in den Vordergrund, resultiert Gewinn einfach als Vermögensänderung. Würde man hingegen den Gewinnbegriff in den Vordergrund stellen, resultieren Bilanzposten als Konsequenz dieses Gewinnbegriffs und sind u. U. nur schwer als Vermögensbestandteil im umgangssprachlichen Sinne zu qualifizieren. Das wird sich im Folgenden erschließen. Ich beginne mit den Vermögensvarianten: Betrachtet man Unternehmen als Konsumquelle für die Eigentümer, lässt sich deren Vermögen durch Ansatz des (potentiellen) Marktpreises des Unternehmens messen. Da effektive Marktpreise für ganze Unternehmen nur selten zu beobachten sind und nicht aus einer Vielzahl von Angeboten und Nachfragen resultieren, werden potentielle Marktpreise durch einen Kapitalwertkalkül konstruiert. Man berechnet Unternehmenswerte, statt effektive Marktpreise zu erheben. Die Literatur kennt diesen Vorschlag zur Konkretisierung des Ausdrucks Fortführungsver- 96 Vgl. Schneider (1997), S. 35; Ballwieser (2001b), S. 161 f.; Ballwieser (2002b), S. 119; Moxter (1984). 3. Vermögensabbildung versus Gewinnermittlung 3.1 Denkbare Abbildungsziele der Rechnungslegung

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References

Zusammenfassung

IFRS-Rechnungslegung

Dieses Handbuch liefert einen Überblick über das Konzept und die Regeln der IFRS, ohne in einer Flut von Details unterzugehen. Neben der Vermittlung von Grundlagenwissen geht es aber auch um eine Wertung des Regelwerkes im Hinblick auf Konsistenz, Verständlichkeit und empirische Wirkungen auf den Kapitalmarkt.

Die Schwerpunkte

- IFRS als EU-weite Rechnungslegungsnormen

- Regelungsphilosophien des IASB

- Vermögensabbildung versus Gewinnermittlung

- Bilanzansatz und -bewertung

- Gesamtergebnisrechnung

- Weitere Instrumente

- Generalklausel: Vermittlung des den tatsächlichen Verhältnissen entsprechenden Bildes

- Konzernbesonderheiten

- Vermeintliche Vorteile der IFRS gegenüber HGB

- Probleme der IFRS