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1 Grundlagen des Immobilien-Marketings in:

Hanspeter Gondring

Immobilienwirtschaft, page 432 - 440

Handbuch für Studium und Praxis

3. Edition 2013, ISBN print: 978-3-8006-4572-5, ISBN online: 978-3-8006-4573-2, https://doi.org/10.15358/9783800645732_432

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Vahlen Handbücher – Gondring, Immobilienwirtschaft, 3. Auflage – Herstellung: Frau Deuringer Stand: 11.02.13 Status: Druckdaten Seite 385 IV. Vermarktung, Verwaltung und Bewirtschaftung 1 Grundlagen des Immobilien-Marketings 1.1 Begriff des Immobilien-Marketings Begrifflich wird das Immobilien-Marketing in der Betriebswirtschaftslehre nicht einheitlich definiert. Daher muss ausgehend von der allgemeinen Definition des Marketings der Begriff des Immobilien-Marketings erschlossen werden. Marketing wird vielfach mit Werbung oder Kommunikationspolitik gleichgesetzt. Dabei umfasst Marketing wesentlich mehr, nämlich die klassischen Instrumentarien Produkt-, Service-, Kommunikations-, Distributions- und Preispolitik. Marketing schließt damit Planung, Koordination und Kontrolle aller auf die aktuellen und potentiellen Märkte ausgerichteten Unternehmensaktivitäten ein. Diese Aktivitäten zielen darauf ab, durch ein konsequentes Ausrichten des eigenen Leistungsprogramms an den Wünschen der Kunden die absatzorientierten Unternehmensziele zu erreichen.1 Abb. IV 1 zeigt die Einflüsse anderer Marketingbereiche und die immobilienspezifischen Ausprägungen. 1 Vgl. Scharf, A./Schubert, B. (2001), S. 4 1 Grundlagen des Immobilien-Marketings Abb. IV 1: Immobilien-Marketing aus der Sicht der Wissenschaft Vahlen Handbücher – Gondring, Immobilienwirtschaft, 3. Auflage – Herstellung: Frau Deuringer Stand: 11.02.13 Status: Druckdaten Seite 386 386 IV. Vermarktung, Verwaltung und Bewirtschaftung Immobilien-Marketing beschäftigt sich mit dem Marketing für das Produkt Immobilie. Damit ist auch hier die Gesamtheit aller unternehmerischen Maßnahmen in die Gestaltung einzubeziehen. Wichtige Eckpunkte sind die Entwicklung, Preisfindung, die Vermarktung und die weiteren immobilienspezifischen Dienstleistungen. Die Leistungen des Immobilienanbieters, also das Produkt Immobilie und der Service rund um dieses Produkt, können nur erbracht werden, wenn der Immobilienmarkt permanent beobachtet und bewertet wird. Nur durch eine systematische Marktforschung können die erforderlichen Informationsgrundlagen wie Entwicklungspotential des Marktes, Anforderungsprofile der Kunden, Marktmacht der Lieferanten u. a. m. gewonnen werden.2 Vor diesem Hintergrund lässt sich das Immobilien-Marketing auch als strategisches Werkzeug charakterisieren, welches einem längerfristig orientierten Unternehmenskonzept dient.3 1.2 Bedeutung des Immobilien-Marketings In den letzten Jahren hat die Dynamik der Veränderungen im Umfeld des Immobilienmarktes in einem bislang nicht gekannten Ausmaß zugenommen. Deutschlands Wirtschaft tritt seit fast zwei Jahren auf der Stelle. Unternehmensinvestitionen sind nach wie vor rückläufig. Der private Konsum bleibt derzeit unter seinem Vorjahresniveau. Rechtliche und steuerliche Vorgaben bedeuten eine weiter steigende Belastung des Produktionsstandortes Deutschland, was teilweise mit Produktionsverlagerungen von Unternehmensaktivitäten in das Ausland beantwortet wird. Die Bauinvestitionen setzten den langjährigen Abwärtstrend fort und im Besonderen ist im Osten Deutschlands angesichts erheblicher Überkapazitäten im Wohnungsbau mit einem Einbruch der Investitionstätigkeit zu rechnen. Im Gewerbebau und insbesondere im Bürobereich ist die Spitze des Fertigstellungsvolumens noch nicht erreicht und selbst bei einem kräftigen konjunkturellen Aufschwung dürfte dies kaum einen entscheidenden Impuls in diesem Bereich auslösen. Sinkende Mieten auf fast allen wichtigen europäischen Büroimmobilienmärkten treffen zusammen mit den schon erwähnten hohen Fertigstellungszahlen. Stagnation im Einzelhandel, bedingt durch die starke Kaufzurückhaltung führt zu Nachfrageeinbrüchen, die wiederum mit einer Konsolidierung des Einzelhandels und einer Flächenfreisetzung verbunden sind. Gleichzeitig sinken durch die fehlenden Handelsumsätze die Ladenmieten. Erschwerend für die Immobilienwirtschaft kommt hinzu, dass sich in Industrie und Handel verstärkt Konzentrationstendenzen abzeichnen und diese Unternehmen bestrebt sind, ein eigenständiges Immobilien-Management zu betreiben.4 Allein im Bereich der Wohnimmobilien, hier jedoch im Wesentlichen beschränkt auf die Wachstumsregionen im Westen Deutschlands, sind Wohnungsknappheit und steigende Mieten zu verzeichnen. Ostdeutsche Kommunen verzeichnen dagegen ganz überwiegend Wohnungsleerstände, die durch den anhaltenden Bevölkerungsrückgang und Fehlallokationen in der Vergangenheit bedingt sind. Auch die politischen Vorgaben bzw. die anhaltenden Diskussionen über Steueränderungen dämpfen die Nachfrage von Investoren im privaten und institutionellen Bereich. Insgesamt lässt sich eine Stagnations- und Sättigungstendenz am Immobilienmarkt feststellen. Zudem steigen die 2 Vgl. Brade, K. H. (2001), S. 59 3 Vgl. Käßer-Pawelka, G. (2001), S. 946 4 Vgl. ebenda, S. 944 f. Vahlen Handbücher – Gondring, Immobilienwirtschaft, 3. Auflage – Herstellung: Frau Deuringer Stand: 11.02.13 Status: Druckdaten Seite 387 1 Grundlagen des Immobilien-Marketings 387 Ansprüche der privaten wie gewerblichen Nutzer, sie werden kritischer und preisbewusster. Aus dieser Entwicklung heraus muss eine stetige Anpassung an die sich wandelnden Ansprüche und Wertvorstellungen stattfinden. Die jeweiligen unternehmerischen Aktivitäten unterliegen dabei der aktuellen und allgemeinen Marktsituation und den konkreten Gegebenheiten der Immobilien. Nachfolgende Übersicht (Abb. IV 2) zeigt die Einflussgrößen auf das Immobilien-Marketing. 5 Aus Abb. IV 2 wird deutlich, wie umfangreich die verschiedenen Einflussgrößen sind, die bei der Analyse der Marketingsituation berücksichtigt werden können. Aus dem Bereich Unternehmenssituation soll die Risikobereitschaft des Unternehmens beleuchtet werden. Risiko im weiteren Sinne kann als Verlustgefahr bezeichnet werden, die durch Unsicherheits- und Zufälligkeitsfaktoren oder branchenbedingte Störungen des Marktes in der Zukunft hervorgerufen wird. Unter bankbetrieblichen Risiken werden vor allem das Erfolgsrisiko und das Liquiditätsrisiko verstanden. Das Liquiditätsrisiko beinhaltet die Gefahr von Liquiditätsstörungen, also von negativen Abweichungen der tatsächlich realisierten Ein- und Auszahlungen von den erwarteten Ein- und Auszahlungen. Ursache für das Liquiditätsrisiko ist z. B. der vollständige oder teilweise Ausfall von Mietzahlungen infolge Insolvenz des Mieters. Diese Risiken korrespondieren mit einer Vielzahl anderer Einflussgrößen wie etwa der Kundenstruktur, der Ertragslage oder der Wettbewerbssituation. 5 Schulte, K.-W./Brade, K. H. (2001), S. 41 Abb. IV 2: Einflussgrößen auf das Immobilien-Marketing5 Vahlen Handbücher – Gondring, Immobilienwirtschaft, 3. Auflage – Herstellung: Frau Deuringer Stand: 11.02.13 Status: Druckdaten Seite 388 388 IV. Vermarktung, Verwaltung und Bewirtschaftung Eine umfangreiche Analyse unter Berücksichtigung aller relevanten Einflussgrößen bedarf demnach auch eines entsprechenden Know-hows für eine umfassende und systematische Informationsgewinnung. Damit wird deutlich, dass am Anfang einer Marketing-Konzeption die Marktforschung steht. Ohne Marktkenntnisse kann das Unternehmen weder erfolgreich Strategien formulieren noch umsetzen. Dies gilt sowohl für die Unternehmensstrategien generell wie auch für das Immobilien- Marketing. Die aufgezeigten Probleme und Entwicklungen machen eins deutlich: Wer sich am Immobilienmarkt als Anbieter von Immobilien bewegt, braucht ein starkes Instrument, um Interesse und potentielle Käufer zu finden und diese auch zu überzeugen. Deshalb wird in Zukunft das Immobilien-Marketing weiterhin an Bedeutung gewinnen. Strategische und operative Ausrichtungen des Immobilien- Marketings unterliegen einer konsequenten Markt- und Kundenorientierung mit dem Ziel des Unternehmenserfolges und einem erfolgreichen Marktauftritt. 1.3 Aufgaben und Ziele des Immobilien-Marketings Die unternehmerischen Zielsetzungen sind der zentrale Ausgangspunkt für das Bestimmen von Marketingzielen. Als zentrales Unternehmensziel wird das Streben nach dem maximalen Gewinn (Gewinnmaximierung) unterstellt. Doch in den letzten Jahren gab es einen Wandel. Die Unternehmen streben nicht mehr nach dem maximalen Gewinn, sondern nach einem zufrieden stellenden Gewinn (Satisfying Profit). Die Unternehmen legen vielmehr eine Steigerung ihrer Umsatz- und Marktanteilsziele in ihrer langfristigen Unternehmensplanung fest. Für diese Oberziele gibt es unternehmerische Basisziele wie Marktleistungs-, Marktstellungs-, Rentabilitäts-, Macht- und Prestigeziele sowie finanzielle, soziale und gesellschaftsbezogene Ziele.6 Marketingziele lassen sich wie folgt definieren: Marketingziele determinieren jene angestrebten zukünftige Sollzustände (marktspezifische Zielpositionen), die mit dem Verfolgen von Marketingstrategien und dem Einsatz der Marketinginstrumente realisiert werden sollen. Die Marketing-Zielplanung knüpft dabei sowohl an den zukünftigen Marktmöglichkeiten als auch an den vorhandenen Ressourcen des Unternehmens an. Für das Immobilien-Marketing lassen sich danach folgende Ziele ableiten: • Sichern des Unternehmensbestandes, • langfristige Gewinnerzielung, • Erhöhung des Marktanteils, • Ausbau der Wettbewerbsfähigkeit, • Sichern des Immobilienbestandes, • quantitatives und qualitatives Wachstum des Immobilienbestandes, • Erschließung neuer Marktsegmente, • Ausbau von Kerngeschäftsfeldern und Aufbau von Kompetenzen wie z. B. Facility-Management- Leistungen und das • Angebot innovativer Immobilienlösungen im Bau und der Gebäudebewirtschaftung. Diese Ziele werden in eine Strategie eingebettet und die dafür geeigneten operativen Maßnahmen und Instrumente müssen festgelegt werden. 6 Vgl. Becker, J. (2001), S. 14 ff. Vahlen Handbücher – Gondring, Immobilienwirtschaft, 3. Auflage – Herstellung: Frau Deuringer Stand: 11.02.13 Status: Druckdaten Seite 389 1 Grundlagen des Immobilien-Marketings 389 Die Aufgaben des Immobilien-Marketings können am Entwicklungsstatus der Immobilie dargestellt werden. Die Abb. IV 3 zeigt die verschiedenen Instrumente des Immobilien-Marketings in den verschiedenen Phasen eines Immobilienlebenszyklus. 7 Aus der Abb. IV 3 wird ersichtlich, dass in den jeweiligen „Lebensphasen“ der Immobilie verschiedene Instrumente eingesetzt werden. So wird sich deshalb ein großer Bestandshalter von Immobilien einer Vielzahl dieser Instrumente gleichzeitig bedienen müssen, um der jeweiligen Immobilie auch gerecht zu werden und eine optimale Strategie für sie zu finden. Aus dem Immobilien-Portfolio kann eine Vielzahl von An- oder Verkäufen notwendig werden, die aber nicht unter denselben Bedingungen und Voraussetzungen stehen. Entsprechend kommen dann über einen Marketing-Mix verschiedene Instrumente zum Einsatz. 1.4 Besonderheiten der Immobilie und des Immobilienmarktes Die Umsetzung der Aufgaben und Ziele des Immobilien-Marketings werden maßgeblich von den Besonderheiten der Immobilie und des Immobilienmarktes determiniert. Wie oben schon erwähnt, unterscheidet sich die Immobilie ganz wesentlich von anderen Konsum- oder Investitionsgütern. Sie zeichnet sich u. a. durch folgende Besonderheiten aus: • Entwicklung für den anonymen Markt, • natürliche Begrenztheit durch Standortgebundenheit, • hohe Komplexität (Kombination aus Architektur, Technik, Ausstattung, Lage, Image, Nutzer usw.), 7 In Anlehnung an Bobber, M./Brade, K. (1998), S. 587 Abb. IV 3: Immobilienlebenszyklus und Aufgaben des Immobilien-Marketings7 Vahlen Handbücher – Gondring, Immobilienwirtschaft, 3. Auflage – Herstellung: Frau Deuringer Stand: 11.02.13 Status: Druckdaten Seite 390 390 IV. Vermarktung, Verwaltung und Bewirtschaftung • hohe Kapitalintensität und langfristige Kapitalbindung mit einem umfassenden Entscheidungsprozess, • geringe Kaufintensität, vor allem bei Wohnimmobilien („Einmal im Leben“) und • hoher Erklärungsbedarf verglichen mit Konsumgütern, die meist selbsterklärend und problemlos sind. Die Merkmale und Tendenzen des Immobilienmarktes sind fehlende Markttransparenz, die geringe Anpassungselastizität an Marktänderungen, die Interdependenzen zu vor- und nachgelagerten Märkten und der hohe Stellenwert politisch-rechtlicher Faktoren. Immobilienentscheidungen haben einen sehr hohen Auswirkungsgrad u. a. auf Finanzierung, Kapitalbindung und langfristige Festlegung der Standortwahl sowie Absatz- und Marktchancen, Arbeitsmarkt und Konkurrenzsituation. Aus den dargestellten branchenspezifischen Besonderheiten ergeben sich damit die weiteren Anforderungen an die strategische und operative Planung und Umsetzung des Immobilien-Marketing. 1.5 Strategisches und operatives Immobilien-Marketing Unternehmerisches Handeln ist in der Regel zweck- und zielorientiert. Der markt- und kundenorientierte Unternehmensprozess setzt sich aus einer Vielzahl von Teilstufen/-funktionen zusammen. Jede dieser Stufen und Funktionen muss einen Teilbeitrag zum Erreichen der gesetzten Ziele leisten. Dieses Gestalten eines Unternehmensprozesses, in Teilen und im Ganzen, stellt eine komplexe Aufgabe dar, besonders wenn eine kaum übersehbare Zahl von Instrumenten zielgerecht eingesetzt werden soll. Um diese Ziele dennoch zu erreichen, müssen zieladäquate Strategien als Steuerungsmechanismen ausgewählt und eingesetzt werden.8 Ursprünglich stammt der Begriff Strategie aus einem Teilgebiet der Kriegsführungstheorie. In der neueren Zeit waren es u. a. Clausewitz und Jomini, die Strategie zum Gegenstand ausführlicher Studien machten. Kernaussage der strategischen Kriegsführung ist der Verzicht auf detaillierte, vom obersten Befehlshaber persönlich aufgestellte und durchgeführte Schlachtpläne. Vielmehr werden durch die Führung generelle Ziele und Grundregeln formuliert und durch die im Feld verantwortlichen Offiziere umgesetzt. In der BWL ist der Begriff der Strategie erst in jüngerer Zeit zu Bedeutung gelangt aber heute aus der Unternehmenswelt nicht mehr wegzudenken. Die seit den 50er Jahren überwiegend linear wachsende Weltwirtschaft in einem Angebotsmarkt mit schwachem Wettbewerbsprofil musste sich auf einen gesättigten Markt mit teilweise sprunghaftem Wandel umstellen. So wurde Anfang der 70er Jahre strategisches Denken und Handeln im Management notwendig. Die strategische Planung entstand als Folge davon. Der Wechsel von der auf Extrapolation beruhenden Langfristplanung zur strategischen Planung vollzog sich.9 Strategien legen damit den notwendigen Handlungsrahmen fest, um sicherzustellen, dass alle operativen (taktischen) Instrumente auch zielführend eingesetzt werden.10 Dieses Festlegen von Strategien wird auch in der Immobilienwirtschaft praktiziert. Die so genannten „aus dem Bauch heraus“ Entscheidungen gehen zurück, gerade wegen der hohen Investitionsvolumina und der hohen Komplexität von Immobilien. Strategien sind ein Mittel, um solche unternehmerischen Entscheidungen bzw. den Mitteleinsatz im Unternehmen zu kanalisieren. 8 Vgl. Becker. J. (2001), S. 140 9 Vgl. Wöhe, G. (2010), S. 76 ff. 10 Vgl. Becker, J. (2001), S. 141 Vahlen Handbücher – Gondring, Immobilienwirtschaft, 3. Auflage – Herstellung: Frau Deuringer Stand: 11.02.13 Status: Druckdaten Seite 391 1 Grundlagen des Immobilien-Marketings 391 Fehlende Strategien, auch in der Immobilienwirtschaft, schlagen sich nieder in Handlungsunfähigkeit. Strategien zeichnen in einem vorgegebenen Kanal Lösungswege vor, so dass ein gesetztes Ziel (Zielsystem) ohne gravierende Umwege erreicht werden kann. Ein solcher vordefinierter Kanal erlaubt zugleich notwendigen taktischen Spielraum für den Instrumenteneinsatz etwa hinsichtlich veränderter Markt- und/oder Umweltkonstellationen. Abb. IV 4 zeigt die strategischen Zielsetzungen am Beispiel der Vermietung von Büroimmobilien. Die aus der Abbildung ersichtlichen Ziele Rendite, Ertragssicherheit und Liquidität bestimmen das Agieren des Unternehmens auf dem Markt. Über diese Ziele werden potentielle Kundengruppen angesprochen bzw. schon bestehende Geschäftsbeziehungen ausgebaut. Dabei ist die Stärke der Akquisitionsbemühungen immer abhängig vom laufenden Geschäft und der Nachfrage am Markt. Dieser Nachfrage muss ein adäquates Angebot gegenüberstehen, um die gesteckten Ziele zu erreichen. Bei den bereits bestehenden Kundenbeziehungen gilt es, die Bindung beispielsweise durch Service und zusätzliche Dienstleistungen zu erhöhen. Dadurch steigt die Zufriedenheit des Kunden. Dabei müssen die verschiedenen Instrumente des Immobilien-Marketing abgestimmt und zielgerichtet eingesetzt werden. Bei der Umsetzung der strategischen Zielsetzung bedient sich das Unternehmen operativer Instrumente. Diese Abgrenzung von Strategie und Taktik ist notwendig, um sowohl kurz- als auch mittelfristig handlungsfähig zu bleiben. Die Taktik des unternehmerischen Handelns stellt jede operative Maßnahme. Abb. IV 5 zeigt die Abgrenzung von Strategie und Taktik. „Die Taktik legt die ,Beförderungsmittel‘ fest, die über die vorgegebene ,Route‘ (= Strategie) zu den angestrebten Zielen (,Wunschorten‘) führen sollen.“11 11 Becker, J. (2001), S. 143 Abb. IV 4: Strategische Zielsetzung bei der Vermietung von Großimmobilien Vahlen Handbücher – Gondring, Immobilienwirtschaft, 3. Auflage – Herstellung: Frau Deuringer Stand: 11.02.13 Status: Druckdaten Seite 392 392 IV. Vermarktung, Verwaltung und Bewirtschaftung 1.6 Entwicklung und Phasen des Immobilien-Marketings Neben der Vielfalt strategischer Formen (Optionen) ist es ein Problem, ein in sich geschlossenes System von Marketingstrategien zu entwickeln. Als Lösung wurde ein mehrdimensionales Strategiekonzept entwickelt, das auf vier Ebenen jeweils mehrere Optionen umfasst. Dazu gehören: • Marktfeldstrategien: Die Marktfeldstrategien legen die strategische Stoßrichtung in Bezug auf alternative Produkt/Markt-Kombinationen (Marktfelder) des Unternehmens fest; • Marktstimulierungsstrategien: Hier werden die Art und Weise des Einwirkens auf den Markt festgelegt; • Marktparzellierungsstrategien: Sie definieren Art bzw. Grad der Differenzierung der Marktbearbeitung; • Marktarealstrategien: Die Marktarealstrategien legen den Markt- und Absatzraum des Produktes fest. Um diese Strategien umzusetzen, werden operative Ziele bzw. Mittel festgelegt. Das operative Immobilien-Marketing formuliert die einzelnen Instrumente und legt die konkreten Maßnahmen fest. Maßnahmen werden für die einzelnen Funktionsbereiche im Rahmen des Lebenszyklus der Immobilie so festgelegt, dass die geplanten Marketingstrategien realisiert werden. Des Weiteren muss über das Abstimmen und Einsetzen der Maßnahmen entschieden werden. Beim Einsatz der einzelnen Instrumente ist auf die jeweiligen finanziellen und zeitlichen Restriktionen zu achten, da der jeweilige Einsatz situationsspezifisch und individuell erfolgt. Beim operativen Immobilien- Abb. IV 5: Abgrenzung von Strategie und Taktik Vahlen Handbücher – Gondring, Immobilienwirtschaft, 3. Auflage – Herstellung: Frau Deuringer Stand: 11.02.13 Status: Druckdaten Seite 393 2 Instrumente des Immobilien-Marketings 393 Marketing wird daher wie oben schon gesehen von einem Marketing-Mix gesprochen. Aufgrund der Vielzahl von Marketinginstrumenten und ihrer vielfachen Differenzierungs- und Modifikationsmöglichkeiten handelt es sich beim operativen Marketing um eine komplexe Aufgabe. 2 Instrumente des Immobilien-Marketings 2.1 Einleitung Für eine langfristige, erfolgreiche Konzeption, Realisierung und Vermarktung der Projekte bedarf es eines systematischen Planungs- und Realisierungsprozesses, der sich über die Stufen der Analyse, Prognose, Zielfestlegung, Strategie, Detailplanung und Realisierung sowie laufender Kontrolle vollzieht. Orientierungspunkt für die Planung und den Einsatz von Marketinginstrumenten sind die Vorgaben des strategischen Planungsprozesses. Dieser soll bereits im Vorfeld zum Erreichen der festgelegten Ziele beitragen. Das Immobilien-Marketing bedient sich im operativen Bereich einiger Instrumente, die im Folgenden dargestellt werden sollen. Abb. IV 6 zeigt die einzelnen Instrumente im Überblick. Im Folgenden sollen diese Instrumente kurz charakterisiert werden, um dann auf Einzelheiten einzugehen. Mit jedem der Instrumente soll, folgend aus dem Begriff, Politik für die Immobilie und ihre erfolgreiche Marktplatzierung gemacht werden. Entscheidend ist also immer die Ausrichtung des jeweiligen Politikmittels an der Strategie und den Zielen des Unternehmens in enger Rückkoppelung mit dem Markt: 2 Instrumente des Immobilien-Marketings Abb. IV 6: Klassische Marketinginstrumente

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References

Zusammenfassung

Alles zur Immobilienwirtschaft.

Immobilienwirtschaft komplett

Gondrings Lehr- und Nachschlagewerk umfasst alle wesentlichen Bereiche der Immobilienwirtschaft und eignet sich als allgemeine Einführung in einen bislang von der Betriebswirtschaftslehre vernachlässigten Wissenschaftszweig. Es berücksichtigt sowohl traditionelle als auch für die Zukunft richtungsweisende Themengebiete.

Der „Gondring“

orientiert sich am Lebenszyklus einer Immobilie, wobei ein besonderer Schwerpunkt auf das ganzheitliche Management von Immobilien in allen Bereichen gelegt wird. Die Schwerpunkte:

– Allgemeiner Teil

– Rechtlicher Teil

– Planen, Bauen, Betreiben

– Vermarktung, Verwaltung und Bewirtschaftung

– Die Immobilie als Asset im Portfolio

– Klassische Finanzierung

– Strukturierte Instrumente und Real Estate Investment Banking

– Bilanzierung und Basel II/Basel III

– Bewertung

– Immobilienmarkt und Ausbildung

Der Autor

Prof. Dr. Hanspeter Gondring, Studiengangsleiter Immobilienwirtschaft an der DHBW Stuttgart.

Zielgruppe

Studierende der Immobilienwirtschaft und immobiliennaher Studienfächer sowie Praktiker.