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2 Die Immobilie und ihr Markt in:

Hanspeter Gondring

Immobilienwirtschaft, page 63 - 71

Handbuch für Studium und Praxis

3. Edition 2013, ISBN print: 978-3-8006-4572-5, ISBN online: 978-3-8006-4573-2, https://doi.org/10.15358/9783800645732_63

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Vahlen Handbücher – Gondring, Immobilienwirtschaft, 3. Auflage – Herstellung: Frau Deuringer Stand: 11.02.13 Status: Druckdaten Seite 13 2 Die Immobilie und ihr Markt 13 Vielmehr ist, im Hinblick auf die spezifischen Fragestellungen, eine konstruktive Auseinandersetzung mit den jeweiligen Erkenntnissen erforderlich. Die Immobilienbetriebslehre betrachtet alle Erscheinungsformen von Immobilien über deren gesamten Lebenszyklus hinweg. In einem ersten Schritt werden Erklärungen für die Erscheinungen der Realität erarbeitet und dadurch Erkenntnisse für die optimale Gestaltung der beobachteten Prozesse abgeleitet. Dabei wird auch das Zusammenspiel von Objekten, Institutionen und Funktionen analysiert. Im Hinblick auf die Institutionen werden die Belange und Zielsetzungen der relevanten Akteure (Projektentwickler, Kreditinstitute, Makler, Nutzer usw.) durchleuchtet. Aus der Analyse werden Problemlösungen für die Praxis, also Handlungsalternativen für das Management, generiert. Bezogen auf Management als originäre Führungsaufgabe, fallen Planung, Organisation und Kontrolle hierunter. Daneben erstreckt sich das Management auch auf funktionelle Aspekte. Hierfür stehen die Bereiche Analyse, Bewertung, Finanzierung, Investition und Vermarktung von Immobilien. Schließlich beinhalten auch die einzelnen Phasen des Lebenszyklus einer Immobilie spezifische Managementaspekte. In der Planungsphase dominiert die Projektentwicklung, während der Realisationsphase das Bauund Projektmanagement und in der Nutzungsphase schwerpunktmäßig das Facility-Management. Aus diesen Elementen konstituiert sich die Immobilienbetriebslehre, wie in Abb. I 2 schematisch dargestellt: 2 Die Immobilie und ihr Markt 2.1 Begriffliche, rechtliche und wirtschaftliche Definition In unseren Gesetzestexten findet sich keine Definition für den Begriff Immobilie. An seiner Stelle wird die Bezeichnung „Grundstück“ verwendet. Dieses Grundstück ist laut § 94 (1) BGB als die Verbindung eines Gebäudes mit dem Grund und Boden, auf welchem es errichtet wurde, definiert. Weitere Regelungen finden sich zum einen in den §§ 94–98 BGB, und zum anderen in §§ 873– 902 BGB. Das Grundstück ist in diesem Sinne als räumlich abgegrenzter Teil der Erdoberfläche zu verstehen, oder als eine wirtschaftliche Einheit in Form von Grund und Boden. Das Gebäude ist – ebenso wie bestehende Rechte – mit dem Grundstück verbunden. Auch einige andere Gesetze, 2 Die Immobilie und ihr Markt Abb. I 2: Der interdisziplinäre Ansatz der Immobilienbetriebslehre Vahlen Handbücher – Gondring, Immobilienwirtschaft, 3. Auflage – Herstellung: Frau Deuringer Stand: 11.02.13 Status: Druckdaten Seite 14 14 I. Allgemeiner Teil wie z. B. das Einkommensteuergesetz oder die Wertermittlungsverordnung, befassen sich mit der Immobilie. Eines ist diesen Regelwerken gemeinsam: Sie alle definieren die Immobilie über den Grund und Boden und sehen das Gebäude als einen rechtlich nicht autonomen Bestandteil an. Im wirtschaftlichen Sinn steht die Immobilie als ökonomische Einheit im Vordergrund. Die Immobilie definiert sich als ein abgeschlossener Raum, der innerhalb eines bestimmten Zeitrahmens einen bestimmten Nutzen stiftet. Ihr wirtschaftlicher Charakter ergibt sich also nicht aus der Produktion, sondern aus der Nutzung. Für den Wert der Immobilie ist daher entscheidend, wie stark die Marktteilnehmer die angebotenen Nutzungsmöglichkeiten nachfragen. Die Ökonomie kennt zwei Sichtweisen: Einerseits kann die Immobilie als Investition – und somit als Kapitalanlage oder Sachvermögen – betrachtet werden, andererseits aber auch als Produktionsfaktor. 2.2 Immobilienarten und -typen Immobilien können in verschiedene Gruppen eingeteilt werden. Möglich ist z. B. die Betrachtung von Immobiliennutzern. Die Nutzer lassen sich z. B. wie folgt einteilen: Privatleute, Non-Profit Organisationen und Unternehmen. Letztere lassen sich weiter aufgliedern in Handels-, Dienstleistungs- und Industrieunternehmen. Beispielsweise können Ein- oder Zweifamilienhäuser und Eigentumswohnungen den privaten Haushalten zugeordnet werden, während Anstalten, Kulturimmobilien und Verwaltungszentren zu den Gebäuden für Non-Profit Organisationen gehören. Bei den Handelsunternehmen können SB-Märkte, Einkaufszentren, Warenhäuser, Ladenlokale und Fachmärkte unterschieden werden, Dienstleistungsimmobilien lassen sich in Büros, Hotels, Kliniken, Seniorenresidenzen, Gastronomiegebäude, Freizeitimmobilien etc. einteilen. Zu den Industrieimmobilien zählen Produktions-, Lager- und Werkstattgebäude ebenso wie Distributionszentren und Industrieparks. Eine weitere Möglichkeit ist das Typologisieren nach Immobilienarten. Die Anzahl der Immobilienarten variiert je nach der gewählten Aufteilung. Denkbar ist beispielsweise eine Einteilung in drei Kategorien: Wohn, Gewerbe- und Sonderimmobilien; zur Gruppe der Wohnimmobilien zählen unter anderem Ein- und Zweifamilienhäuser, Mehrfamilienhäuser und Eigentumswohnungen, also Immobilien mit Wohnfunktion. Sie können selbstgenutzt oder vermietet sein. Gewerbeim- Abgeschlossener Raum vom Raum gestiftete Nutzung Zeitlicher Rahmen der Nutzung Abb. I 3: Definition der Immobilie Vahlen Handbücher – Gondring, Immobilienwirtschaft, 3. Auflage – Herstellung: Frau Deuringer Stand: 11.02.13 Status: Druckdaten Seite 15 2 Die Immobilie und ihr Markt 15 mobilien sind Flächen und Gebäude, die der Produktion von Gütern und Dienstleistungen oder der Distribution von Waren dienen. Sie können z. B. in Büros, Handels- und Industrieimmobilien eingeteilt werden. Sonderimmobilien werden für eine sehr spezifische Nutzung erstellt und sind nur schlecht für eine Drittverwendung geeignet, da sie für einen bestimmten Zweck sozusagen maßgeschneidert sind. Aus diesem Grund werden sie auch als „single use Immobilien“ bezeichnet. Zu diesen Immobilien zählen unter anderem Gastronomie- und Beherbergungsgebäude wie Hotels und Restaurants, aber auch Seniorenimmobilien, Sport- und Freizeitimmobilien, Golfplätze, - Abb. I 4: Grundstück aus wirtschaftlicher und rechtlicher Sicht öffentliche Verwaltungsgebäude Abb. I 5: Immobilienarten Vahlen Handbücher – Gondring, Immobilienwirtschaft, 3. Auflage – Herstellung: Frau Deuringer Stand: 11.02.13 Status: Druckdaten Seite 16 16 I. Allgemeiner Teil Kliniken, Verwaltungsgebäude, Veranstaltungshallen, Kraftwerke und Kläranlagen. Im Bereich der Sonderimmobilien finden sich Betreiber- und Managementimmobilien. Die Geschäftstätigkeit eines Betreibers liegt hauptsächlich darin, als Manager Nutzen aus der Sonderimmobilie zu ziehen, wobei der Betreiber nicht Eigentümer der Immobilie ist. Hotels und Seniorenimmobilien sind typische Beispiele für Betreiberimmobilien. Wenn unterschiedliche Betreiber gleichzeitig eingesetzt und koordiniert werden müssen, liegt eine Managementimmobilie vor. 2.3 Besonderheiten der Immobilie als Wirtschaftsgut Zunächst ist erwähnenswert, dass die Immobilie nicht nur als Wirtschafts- sondern auch als Sozialgut angesehen werden kann. Wäre die Immobilie in Deutschland ein reines Wirtschaftsgut, so würde lediglich die kaufkräftige Nachfrage nach Immobilien jeder Art befriedigt. Dies bedeutet, dass einkommensschwache Haushalte nicht mit einer Wohnung rechnen könnten, da für sie kein geeignetes Wohnungsangebot vorläge. Aus diesem Grund werden Immobilien im deutschen Sozialstaat auch als soziales Gut angesehen, was dazu führt, dass die weniger kaufkräftigen Nachfrager auf die Unterstützung des Staates zählen können, z. B. in Form von Sozialwohnungen, Subventionen für den Mietwohnungsbau, Eigenheimförderung und gesetzlichem Schutz.47 In den folgenden Kapiteln steht die Immobilie als Wirtschaftsgut im Vordergrund. 2.3.1 Eigenschaften von Immobilien Immobilien unterscheiden sich stark von anderen Wirtschaftsgütern; so sind sie zum Beispiel im wirtschaftlichen Bereich der Produktion gleich zweifach vertreten: Zum einen als Produktionsergebnis nach der Herstellung einer Immobilie, zum anderen als Produktionsfaktor in der Nutzungsphase. Die wesentliche Unterscheidung von anderen Wirtschaftsgütern ist jedoch in folgenden Charakteristika der Immobilie begründet: Sie zeichnet sich durch ihre Immobilität, Heterogenität, lange Realisierungsphase und Lebensdauer, begrenzte Substitutionsfähigkeit sowie die Höhe der Investitions- und Transaktionskosten aus. Die Immobilität, also die Gebundenheit der Immobilie an einen bestimmten Standort, ist das wesentlichste Merkmal. Die Lage wird in der Planungsphase festgelegt und kann dann nicht mehr verändert werden; sie beeinflusst die Nutzungsmöglichkeiten und den ökonomischen sowie subjektiven Wert der Immobilie. Grundstück und Gebäude bilden eine Einheit und schaffen in Verbindung mit ihrer Lage Abhängigkeiten zwischen benachbarten Nutzern, Eigentümern, Investoren und Entwicklern. Die Ortsgebundenheit der Immobilie hat eine weitere Eigenschaft zur Folge: Jeder Standort ist einzigartig, und die architektonische Gestaltung sowie die unterschiedlichen Nutzungsarten führen dazu, dass es keine wirklich gleichen Immobilien geben kann. Selbst bei mehreren gleich geschnittenen Eigentumswohnungen im selben Gebäude kann sich ein Unterschied z. B. in der Belichtung oder Beschallung ergeben. Somit ist jede Immobilie ein einzigartiges, autonomes Wirtschaftsgut. Dieses Merkmal wird als die Heterogenität der Immobilie bezeichnet. Bedingt durch die schlechte Vergleichbarkeit der Immobilie ist ihre Fungibilität gering. 47 Vgl. Jenkis, H. W. (1996a), S. 87 f. Vahlen Handbücher – Gondring, Immobilienwirtschaft, 3. Auflage – Herstellung: Frau Deuringer Stand: 11.02.13 Status: Druckdaten Seite 17 2 Die Immobilie und ihr Markt 17 Ein weiteres Charakteristikum ist die Tatsache, dass Raum durch andere Wirtschaftsgüter nur begrenzt substituiert werden kann. Entscheidend für die Nachfrage nach Raum ist nicht nur der Preis, sondern vor allem der Platzbedarf. Nutzer zeigen sich bezüglich ihres Flächenbedarfs als unflexibel. Auch die lange Realisationszeit zeichnet die Immobilie aus. Je nach Umfang eines Projektes liegt dieser Zeitraum zwischen eineinhalb und fünf Jahren, gerechnet von der Projektidee an, bis zur Baufertigstellung und Übergabe an den Nutzer. Je größer das Projekt, desto länger wird die Vermarktungs- bzw. Vermietungsdauer und die Zeit für die Akquisition von Grund und Boden. Jedes neu zu schaffende Raumangebot bedarf also einer relativ langen Vorlaufzeit. Gleichzeitig bedeutet dies, dass das Immobilienangebot zeitlich stark verzögert auf verändertes Nachfrageverhalten reagiert. Der Lebenszyklus der Immobilie ist weitaus länger als der der meisten anderen Wirtschaftsgüter; diese Tatsache macht die Immobilie zu einem sehr langlebigen Wirtschaftsgut. Die Nutzungszeit des Bodens ist zeitlich sogar unbegrenzt; für das Gebäude ergibt sich eine Unterscheidung zwischen der technischen und ökonomischen Nutzungsdauer. Im Allgemeinen übertrifft erstere die wirtschaftliche Nutzungsdauer bei weitem. Die wirtschaftliche Nutzungsdauer endet, wenn die Erträge aus der Immobilie die entstehenden Kosten nicht mehr decken können, und wenn weder eine Sanierung noch eine Revitalisierung eine bedeutende Renditesteigerung bewirken würde.48 Die Investition in eine Immobilie ist mit einem hohen, meist langfristigen Kapitaleinsatz verbunden. Die breite Masse der Bevölkerung kann sich daher häufig die direkte Anlage in Immobilien nicht leisten. Auch die Transaktionskosten, Kosten für die Übertragung des Eigentums oder der Nutzung an einer Immobilie, sind hoch. Es entstehen beispielsweise Erwerbsnebenkosten in Form von Notargebühren, Grunderwerbsteuer und Maklercourtage. Gerade diese Kosten sind es, die – in Verbindung mit dem hohen Investitionsvolumen – die Notwendigkeit schaffen, Immobilien möglichst langfristig im Bestand zu halten. Hieraus ergeben sich auch die schlechte Fungibilität und die geringe Markttransparenz. 48 Vgl. Heuer, J. H. B./Nordalm, V. (1996), S. 25 Abb. I 6: Eigenschaften der Immobilie Vahlen Handbücher – Gondring, Immobilienwirtschaft, 3. Auflage – Herstellung: Frau Deuringer Stand: 11.02.13 Status: Druckdaten Seite 18 18 I. Allgemeiner Teil 2.3.2 Die Immobilie als Anlage Die Immobilie eignet sich auch als Anlageprodukt. Sie zeichnet sich durch eine hohe Inflationssicherheit aus. Das Kapital wird meist sehr langfristig gebunden, wodurch die Liquidität der Anleger eingeschränkt wird. Selbst qualitativ schlechte Immobilien enthalten ein Wertsteigerungspotential in Form des Grund und Bodens, mit dem die Gebäude verbunden sind. Erwähnenswert ist auch der Risikostreuungseffekt, den Immobilien als Portfoliokomponente entfalten können. Immobilien verfügen gegenüber anderen Asset-Klassen über eine starke Diversifikationswirkung, d. h. die Einnahmen aus Immobilienanlagen korrelieren nur gering mit der Entwicklung anderer Anlageformen, oder anders gesagt: Wenn der Großteil des Portfolios Verluste bringt, kann die Immobilienanlage immer noch Gewinne bringen, und umgekehrt. Als Anleger kommen sowohl Privatleute als auch institutionelle Anleger und (Nicht-Immobilien-) Unternehmungen in Frage. Sie haben die Wahl zwischen einer Direktanlage und indirekten Anlageformen. Die direkte Anlage besteht im Kauf einer oder mehrerer Immobilien; die Rendite setzt sich aus den Mieteinnahmen abzüglich der Bewirtschaftungskosten und aus der Differenz zwischen Kauf- und Verkaufspreis zusammen. Als indirekte Anlageformen finden sich in Deutschland z. B. offene und geschlossene Immobilienfonds sowie Beteiligungen an Immobilien-Aktiengesellschaften. Geschlossene Immobilienfonds geben einmalig Zertifikate in einer vorher festgelegten Höhe aus, um ein vorher bestimmtes Immobilienobjekt zu finanzieren. Nachdem die ausgegebenen Anteile platziert wurden, wird der Fonds geschlossen, d. h. es können keine weiteren Zertifikate ausgegeben werden. Ein geschlossener Fonds ist rechtlich selbständig, er wird i. d. R. in Form einer Gesellschaft bürgerlichen Rechts oder einer Kommanditgesellschaft gegründet. Offene Immobilienfonds geben laufend Anteile aus, die zum Erwerb einer vorher nicht festgelegten Anzahl von Objekten verwendet werden. Es handelt sich hierbei um ein Sondervermögen, das beliebig vergrößert werden kann. Der Anteilseigner hat im Gegensatz zum Geschlossenen Fonds einen Anspruch auf Rücknahme des Anteils durch die Fondsgesellschaft. Beim Geschlossenen Immobilienfonds ist nur ein Verkauf an Dritte zu den jeweiligen Marktkonditionen möglich. Immobilien-Aktiengesellschaften geben Anteilsscheine (Aktien) aus, die an der Börse gehandelt werden, aus. Der Börsenwert der Immobilieninvestments Geschlossene Immobilienfonds. Immobilienaktien. REITS (Real Estate Investment Trusts; amerikanische Form der Immobilienaktiengesellschaft). Immobilien-Publikumsfonds Immobilien-Spezialfonds Indirektes Immobilieninvestment Direkte Immobilienanlage Immobilienprodukte nach InvG (Offene Immobilienfonds) Sonstige Immobilienprodukte Abb. I 7: Immobilien-Investments Vahlen Handbücher – Gondring, Immobilienwirtschaft, 3. Auflage – Herstellung: Frau Deuringer Stand: 11.02.13 Status: Druckdaten Seite 19 2 Die Immobilie und ihr Markt 19 keine Wohnungenalle Anlageobjektealle Anlageobjektealle Anlageobjektemögliche Anlageobjekte noch offenNeinNeinJaEignung für SV* (Immobilienquote) keine Besteuerung auf Gesellschaftsebene steuertransparentdoppelte Besteuerungkeine Besteuerung auf Fondsebene steuerliche Vorteile Hauptversammlung beschließt; Vorgabe durch REITG Gesellschafterversam mlung beschließt Hauptversammlung beschließt werden durch KAG festgelegt Ausschüttungen Personengesellschaftjur. Personunselbständig, Vertretung durch KAG rechtl. Persönlkt. des Investmentvehikels ohne Beschränkung niedrig, da Anleger Gesellschafter sind GmbHG BGB, HGB Geschlossene Fonds Anleger <10%, 15% der Anteile müssen dauerhaft im Streubesitz sein jur. Person ohne BeschränkungSpezialfonds: 1-30 jur.P. Publikumsfonds:ohne Beschränkung Anlegerkreis niedrig, da Anleger Aktionäre sind AktG REITG REITs niedrig, da Anleger Aktionäre sind AktG Immobilienaktien InvG (hoch)Anlegerschutz InvGGründung des Investmentvehikels Offene Immobilienfonds Abb. I 8: Indirekte Immobilienanlagen Abb. I 9: Übersicht über internationale Anlageformen Vahlen Handbücher – Gondring, Immobilienwirtschaft, 3. Auflage – Herstellung: Frau Deuringer Stand: 11.02.13 Status: Druckdaten Seite 20 20 I. Allgemeiner Teil Aktien wird hauptsächlich durch den Wert der eigenen Immobilien beeinflusst. Eine solche AG wird entweder zur Investition in Immobilien oder zu anderen immobilienbezogenen Tätigkeiten, wie z. B. Verwaltung, gegründet. Die Immobilienaktien sind sehr fungibel, da sie börsentäglich verkauft werden können. Darüber hinaus gibt es einige internationale Anlageprodukte, die sich in die Kategorien Immobilieninvestmentanteile, Immobilienanleihen und Immobilienderivate einteilen lassen. Investmentanteile sind handelbare, verbriefte Anteile an Immobilien. Der Anleger hat Anteil an den laufenden Einnahmen und am Wertzuwachs, ohne direkt am Management der Immobilie beteiligt zu sein. Zu dieser Anlageform zählen z. B. die amerikanischen Real Estate Limited Partnerships, Real Estate Investment Trusts (REITs) und die britischen Property Listed Companies. Immobilienanleihen sind verbriefte, handelbare Anteile an Immobilien, die durch Schuldverschreibungen gesichert sind. Der Anleiheinhaber erhält Zins- und Tilgungszahlungen. Mortgage Backed Bonds, Mortgage Backed Securities und Collateralized Mortgage Obligations sind Vertreter dieses Anlageproduktes. Immobilienderivate gehören zu den Wertpapieren. Ihre Wertentwicklung ist nur indirekt mit dem Immobilienmarkt verbunden. Zu diesen Derivaten zählen z. B. Property Index Certificates. Internationale Anlageformen können hinsichtlich ihrer Besteuerung, Markttransparenz, Fungibilität, Liquidität, Größe und Diversifikation sowie ihres Spezialisierungsgrades Vorteile gegenüber deutschen Immobilienanlagen aufweisen. 2.4 Die Immobilie als Produktionsfaktor Aus betriebswirtschaftlicher Sicht lässt sich der betriebliche Leistungsprozess in die Phasen Beschaffung, Produktion und Absatz einteilen (s. Abb.  I 10). Um die Rolle der Immobilie als Produktionsfaktor zu untersuchen, muss der Bereich der Produktion näher betrachtet werden. Immobilien können als Rahmen für die Erstellung anderer Güter dienen. Diese Eigenschaft macht die Immobilie zum Produktionsfaktor. Der betriebliche Leistungsprozess erfordert den Einsatz und die Kombination zahlreicher Produktionsfaktoren wie z. B. Arbeit, Maschinen, Werkstoffe und auch Immobilien. Um ihre Rolle im Leistungsprozess zu erfüllen, müssen Immobilien also mit anderen Faktoren kombiniert werden; nur so ist eine wirtschaftlich sinnvolle Nutzung möglich. Grundstücke und Gebäude zählen zu den wesentlichen Faktoren für die Produktion, zu den so genannten Elementarfaktoren. Im betrieblichen Leistungsprozess bilden Immobilien die räumliche Dimension ab. Immobilien werden nicht verbraucht, sondern gebraucht, also genutzt. Demnach verkörpern sie ein so großes Nutzungspotential, dass sie eine Vielzahl von Nutzungsleistungen erbringen können. Bei unbebauten Grundstücken ist dieses Potential nahezu unendlich, da diese Grundstücke nicht an Größe verlieren oder altersbedingt ausfallen. In diesem Zusammenhang sollen die Begriffe „Property Company“ und „Non-Property Company“ erklärt werden. Eine Property Company ist ein Immobilienunternehmen, also ein Unternehmen, das sich beispielsweise mit der Vermietung, Verwaltung, Projektentwicklung, dem Verkauf, der Finanzierung oder der Vermittlung von Immobilien befasst. Die primären, externen Leistungen der Unternehmung sind somit immobilienspezifisch ausgerichtet. Die Immobilie kann hier ebenfalls als Produktionsfaktor verstanden werden, da ohne sie eine Erbringung der gewünschten Dienstleistung nicht möglich wäre. Der Dienstleistungscharakter lässt die Grenzen zwischen Produktion und Absatz verschwimmen, da es sich um eine nicht materielle, nicht lagerbare Leistung handelt. Bei den Nicht-Immobilienunternehmen, den Non-Property Companies, sind die immobilienbezogenen Vahlen Handbücher – Gondring, Immobilienwirtschaft, 3. Auflage – Herstellung: Frau Deuringer Stand: 11.02.13 Status: Druckdaten Seite 21 3 Der Immobilienmarkt 21 Leistungen nach innen gerichtet und sekundär. Das bedeutet, dass sich diese Leistungen erst aus der erstrangigen Aufgabe der Unternehmung ergeben, aber dennoch für die Leistungserstellung erforderlich sind. Der Unternehmenszweck dient also nicht dem Immobiliengeschäft, es ist lediglich ein notwendiger Bestandteil. 3 Der Immobilienmarkt 3.1 Definition Allgemein gesagt treffen auf dem Immobilienmarkt Angebot und Nachfrage aufeinander. Der Immobilienmarkt ist folglich der Ort des Tausches immobilienbezogener Güter gegen Geld. An diesem Tauschplatz treffen sich viele Anbieter und viele Nachfrager, was bedeutet, dass dieser Markt ein Polypol darstellt. Der Immobilienmarkt unterscheidet sich von anderen Märkten, da die Immobilie viele sehr spezifische Eigenschaften besitzt. Die größte Bedeutung kommt hierbei 3 Der Immobilienmarkt Abb. I 10: Die betriebswirtschaftliche und immobilienwirtschaftliche Ebene

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References

Zusammenfassung

Alles zur Immobilienwirtschaft.

Immobilienwirtschaft komplett

Gondrings Lehr- und Nachschlagewerk umfasst alle wesentlichen Bereiche der Immobilienwirtschaft und eignet sich als allgemeine Einführung in einen bislang von der Betriebswirtschaftslehre vernachlässigten Wissenschaftszweig. Es berücksichtigt sowohl traditionelle als auch für die Zukunft richtungsweisende Themengebiete.

Der „Gondring“

orientiert sich am Lebenszyklus einer Immobilie, wobei ein besonderer Schwerpunkt auf das ganzheitliche Management von Immobilien in allen Bereichen gelegt wird. Die Schwerpunkte:

– Allgemeiner Teil

– Rechtlicher Teil

– Planen, Bauen, Betreiben

– Vermarktung, Verwaltung und Bewirtschaftung

– Die Immobilie als Asset im Portfolio

– Klassische Finanzierung

– Strukturierte Instrumente und Real Estate Investment Banking

– Bilanzierung und Basel II/Basel III

– Bewertung

– Immobilienmarkt und Ausbildung

Der Autor

Prof. Dr. Hanspeter Gondring, Studiengangsleiter Immobilienwirtschaft an der DHBW Stuttgart.

Zielgruppe

Studierende der Immobilienwirtschaft und immobiliennaher Studienfächer sowie Praktiker.