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1 Die Notwendigkeit immobilien spezifischer Aus- und Weiterbildung in:

Hanspeter Gondring

Immobilienwirtschaft, page 1081 - 1082

Handbuch für Studium und Praxis

3. Edition 2013, ISBN print: 978-3-8006-4572-5, ISBN online: 978-3-8006-4573-2, https://doi.org/10.15358/9783800645732_1081

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Vahlen Handbücher – Gondring, Immobilienwirtschaft, 3. Auflage – Herstellung: Frau Deuringer Stand: 11.02.13 Status: Druckdaten Seite 1037 X. Immobilienmarkt und Ausbildung 1 Die Notwendigkeit immobilien spezifischer Aus und Weiterbildung Die Immobilie war bis in die 1990er Jahre hinein kein „Erkenntnisobjekt“ der Betriebswirtschaftslehre und damit einhergehend war das Fach Immobilienwirtschaft bzw. Immobilienbetriebslehre auch kein akademisch etabliertes Studienfach an den deutschen Hochschulen. Das änderte sich Anfang der 1990er Jahre als immer mehr die ökonomische Dimension der Immobilien gegenüber der bautechnischen und architektonischen Dimension an Bedeutung gewonnen hat. War das Fach bis dahin durch die Ingenieure und Architekten dominiert (selbst das deutsche System der Immobilienbewertung wurde in den 1970er Jahren von Ingenieuren entwickelt und eingeführt), so zeigte sich sehr bald, dass die Immobilie kein „risikoloses“ Wirtschaftsgut ist, sondern den gleichen ökonomischen „Gesetzen“ unterliegt wie andere Wirtschaftsgüter auch, wenngleich die Unterschiede sehr gravierend sind. Mit der Notwendigkeit einer Shareholder- bzw. wertorientierten Unternehmensführung waren gerade die börsennotierten Non-Property Companies gezwungen, jeden Vermögenswert auf seinen Wertbeitrag zu überprüfen. Machte der Immobilienbestand bei manchen Unternehmungen über 20 % der Bilanzsumme aus, so erklärt sich, warum gerade diese Unternehmungen den Wertschöpfungsprozess und das Management ihres Immobilienbestandes nach betriebswirtschaftlichen Gesichtspunkten näher betrachteten. Diese Entwicklung führte zu neuen Managementansätzen, die als Corporate Real Estate Management/Facility Management (CREM/FM) bezeichnet wurden. Ein Blick in den angelsächsischen Raum zeigte, dass Unternehmen in den USA oder Großbritannien in dieser Hinsicht bereits viel weiter waren. Gerade das Facility Management war ein „Treiber“ dieses Entwicklungsprozesses. Dies zeigte sich auch an der Gründung der beiden Verbände: GEFMA e.V. – German Facility Management Association (1989) und IFMA – International Facility Management Association (1996). Der Facility Manager ist der Generalist, der von Beginn der Wertschöpfungskette bis zu deren Ende die Immobilien begleitet. Dabei sind betriebswirtschaftliche Fragen neben den technischen von zentraler Bedeutung, insbesondere die Kostenrechnung, die Investitionsrechnung und die kaufmännische Verwaltung sind wichtige Elemente des Facility Managements. Mit Beginn der 2000er Jahre wurde der betriebswirtschaftliche Fächerkanon um die Themen Immobilienfinanzierung, Kapitalmarktinstrumente und die marktgerechte Immobilienbewertung erweitert. Viele betriebswirtschaftliche Modelle, Methoden und Techniken wurden auf die Immobilienwirtschaft übertragen, was letztlich auch zu einer Akademisierung des Fachs geführt hat. Heute haben gibt es fast 120 Studiengänge an Hochschulen, die immobilienbezogene Lehrinhalte vermitteln. Dafür besteht in Deutschland für die Immobilienbranche ein breit gefächertes Aus- und Weiterbildungsangebot: Im nicht-akademischen Bereich zählen hierzu der hochwertige Immobilienkaufmann/ -kauffrau (IHK) und der Immobilienfachwirt (IHK) sowie die Weiterbildungsakademien, die ein berufsbegleitendes Kontaktstudium zum (Diplom-)Immobilienökonom anbieten. Im akademischen Bereich gibt es seit 2009 die Bachelor- und Masterstudiengänge an den Hochschulen. Für die be- 1 Die Notwendigkeit immobilien spezifischer Aus- und Weiterbildung Vahlen Handbücher – Gondring, Immobilienwirtschaft, 3. Auflage – Herstellung: Frau Deuringer Stand: 11.02.13 Status: Druckdaten Seite 1038 1038 X. Immobilienmarkt und Ausbildung triebswirtschaftlichen Studiengänge sind Bachelor of Arts (B.A.) und Master of Arts (M.A.) sowie verschiedene MBA-Abschlüsse relevant, für die Wirtschaftsingenieur-Studiengänge sind es der Bachelor of Science (B.Sc.) und Master of Science (M.Sc.), für die Ingenieur-Studiengänge sind es der Bachelor of Engineering (B. Eng.) und Master of Engineering (M. Eng.). Diese Abschlüsse sind alle gleichwertig. 2 Ausbildungsangebote Die Ausbildungsangebote mit immobilienspezifischen Bezügen sind vielfältig. Sie erstrecken sich von der Berufsausbildung über Studienmöglichkeiten an der Dualen Hochschule Baden- Württemberg, Fachhochschulen, Berufsakademien und Universitäten bis hin zu Weiterbildungseinrichtungen. Die folgende Übersicht zeigt die immobilienspezifische Aus- und Weiterbildung in diesem Bildungssektor. Der dreijährige Ausbildungsgang Kauffrau/Kaufmann der Immobilienwirtschaft ist ein anerkannter Ausbildungsberuf nach dem Berufsbildungsgesetz (BBiG). Eine Spezialisierung auf bestimmte Teilgebiete erfolgt in der Regel erst nach der Ausbildung. Dafür wird eine Vielzahl von Weiterbildungsmöglichkeiten mit verschiedenen Schwerpunkten angeboten. Unter der Voraussetzung der Hochschulreife kann ein immobilienspezifisches Studium an einer Dualen Hochschule, Fachhochschule oder Universität aufgenommen werden. Im Weiterbildungsmarkt gibt es eine Vielzahl von Möglichkeiten, sich immobilienspezifisch zu qualifizieren. Die Abb. X 1 zeigt die Weiterbildungsmöglichkeiten und Qualifikationsstufen.1 Bedingt durch die lange Zeit unbefriedigende akademische Ausbildungssituation einerseits und wegen der großen Attraktivität der Immobilienbranche andererseits, rekrutiert sich ein Großteil 1 Die Weiterbildung wurde hier eingefügt, da sie sich primär an Kaufleute der Grundstücks- und Wohnungswirtschaft richtet. 2 Ausbildungsangebote Abb. X 1: Ausbildungsmarkt und Qualifikation1

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Zusammenfassung

Alles zur Immobilienwirtschaft.

Immobilienwirtschaft komplett

Gondrings Lehr- und Nachschlagewerk umfasst alle wesentlichen Bereiche der Immobilienwirtschaft und eignet sich als allgemeine Einführung in einen bislang von der Betriebswirtschaftslehre vernachlässigten Wissenschaftszweig. Es berücksichtigt sowohl traditionelle als auch für die Zukunft richtungsweisende Themengebiete.

Der „Gondring“

orientiert sich am Lebenszyklus einer Immobilie, wobei ein besonderer Schwerpunkt auf das ganzheitliche Management von Immobilien in allen Bereichen gelegt wird. Die Schwerpunkte:

– Allgemeiner Teil

– Rechtlicher Teil

– Planen, Bauen, Betreiben

– Vermarktung, Verwaltung und Bewirtschaftung

– Die Immobilie als Asset im Portfolio

– Klassische Finanzierung

– Strukturierte Instrumente und Real Estate Investment Banking

– Bilanzierung und Basel II/Basel III

– Bewertung

– Immobilienmarkt und Ausbildung

Der Autor

Prof. Dr. Hanspeter Gondring, Studiengangsleiter Immobilienwirtschaft an der DHBW Stuttgart.

Zielgruppe

Studierende der Immobilienwirtschaft und immobiliennaher Studienfächer sowie Praktiker.