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5.2 Nonverbale Kommunikation in:

Michael Schugk

Interkulturelle Kommunikation, page 119 - 157

Grundlagen und interkulturelle Kompetenz für Marketing und Vertrieb

2. Edition 2014, ISBN print: 978-3-8006-4888-7, ISBN online: 978-3-8006-4889-4, https://doi.org/10.15358/9783800648894_119

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Vahlen – Allg. Reihe – Schugk – Interkulturelle Kommunikation in der Wirtschaft (2. Aufl.) – Herst.: Frau Deuringer Status: Imprimatur Datum: 25.08.2014 Seite 100 Vahlen – Allg. Reihe – Schugk – Interkulturelle Kommunikation in der Wirtschaft (2. Aufl.) – Herst.: Frau Deuringer Status: Imprimatur Datum: 25.08.2014 Seite 101 100 5 Interkulturelle Erscheinungsformen der interpersonalen Kommunikation die einzelnen Stilmerkmale über den Einzelfall hinaus verallgemeinert werden können. Das Wissen über die direkteren und expliziteren Sprachaktrealisierungen von Deutschen etwa ermöglicht es, sich auf diese Merkmale einzustellen und Fehlinterpretationen in hohem Maße zu vermeiden124. 5.2 Nonverbale Kommunikation Neben der Untersuchung des „akustischen Kanals“ liegt ein weiterer wesentlicher Schwerpunkt in der Erforschung des „visuellen Kanals“ sowie der damit verbundenen optisch-visuellen Phänomene, obwohl ja gerade die Sprache, also die verbale Kommunikation als das kommunikative Medium schlechthin angesehen wird125. Zu Recht konstatieren zahlreiche Autoren beispielsweise die immense Bedeutung der Körpersprache, die Bestandteil der nonverbalen Kommunikation ist, und stellen die ungenügende Beachtung heraus, die der nonverbalen Kommunikation im Allgemeinen zuteil wird126. Die Auffassung darüber, was alles unter dem Begriff der nonverbalen Kommunikation zu subsumieren ist, wird in der Literatur nicht immer völlig einheitlich vorgenommen127. Nach Helfrich und Wallbott umfasst die nonverbale Kommunikation „die Gesamtheit der im Interaktionskontext auftretenden nichtsprachlichen Phänomene, unabhängig davon, ob ein geteilter Kode und Intentionalität des Senders gegeben sind.“128 Für Kroeber-Riel et al. umfasst die nonverbale Kommunikation alle Formen der persönlichen Kommunikation und der Massenkommunikation, die sich nicht auf eine symbolische, vor allem sprachliche Informationsübertragung stützen. Die nonverbale Kommunikation beinhaltet also all jene menschlichen Ausdrucksformen, die weder in Schriftform noch mittels des gesprochenen Wortes übertragen werden129. Gemäß dieser Auffassung werden im Folgenden unter nonverbaler Kommunikation alle Formen der Kommunikation, die andere Mittel als die Sprache benutzen verstanden130. Abbildung  5-3 gibt einen Überblick über die Klassifikation nonverbaler Ausdrucksformen. Hierbei wird die Vielfalt der Kommunikationselemente deutlich, die im Einzelnen dem Bereich der nonverbalen Kommunikation zuzuordnen sind. Dabei wird auf einen eher weiten Definitionsrahmen der nonverbalen Kommunikation zurückgegriffen, zumal die vokalen bzw. parasprachlichen Kommunikationselemente, also die sog. Paralinguistik der nonverbalen Kommunikation zugeordnet werden. Unmittelbar mit der Vielfalt der nonverbalen Kommunikationselemente verbunden ist die Komplexität der nonverbalen Kommunikation im interkulturellen Kontext: „Non-verbal barriers to intercultural communication may pose greater problems than language barriers. Various non-verbal cues carry different meanings in different cultures. In addition, non-verbal cues may carry strong meaning in some cultures and little or no meaning in other cultures.”131 Über die vielfältigen nonverbalen Verhaltenskanäle kann eine Vielzahl unterschiedlicher Signale gleichzeitig übermittelt werden132. Bei der nonverbalen Kommunikation kommt es somit in der Regel zu einem Zusammenspiel mehrerer oder gar vieler Ausdruckselemente. So bestimmen beispielsweise Augenkontakt, Mi- 5.2 Nonverbale Kommunikation Vahlen – Allg. Reihe – Schugk – Interkulturelle Kommunikation in der Wirtschaft (2. Aufl.) – Herst.: Frau Deuringer Status: Imprimatur Datum: 25.08.2014 Seite 100 Vahlen – Allg. Reihe – Schugk – Interkulturelle Kommunikation in der Wirtschaft (2. Aufl.) – Herst.: Frau Deuringer Status: Imprimatur Datum: 25.08.2014 Seite 101 1015.2 Nonverbale Kommunikation mik, Körperhaltung, Gesten und anderes mehr ein äußerst kompliziertes Zusammenspiel, das den Rezipienten ganzheitlich erreicht. Von daher hat Birdwhistell auf die Notwendigkeit einer Multi-Kanal-Analyse dieses Multikanal-Systems („multichannel system“) hingewiesen133. Die Simultanität und Vielfältigkeit der nonverbalen Ausdrucksmöglichkeiten erlaubt es dem Kommunikator äußerst differenziert und nuancenreich Nachrichten zu übermitteln134. In diesem Zusammenhang kann die u. a. von Molcho postulier- Abbildung 5‑3: Klassifikation kommunikativer Ausdrucksformen (Quelle: in Anlehnung an Kroeber‑Riel; Weinberg; Gröppel‑Klein (2009), S. 559; Schorsack (1998), S. 34) K om m un ik at io ns el em en te no nv er ba le ve rb al e vo ka le / pa ra sp ra ch lic he no nv ok al e A rg um en ta tio ns st il Sp ra ch st il kö rp er lic he st at is ch e • K ör pe rb au • G es ic ht sfo rm • H au tfa rb e dy na m is ch e / ky ne tis ch e • M im ik • G es tik • K ör pe rb ew eg un g • K ör pe rh al tu ng • B er üh ru ng sv er ha lte n • B lic kk on ta kt m at er ie lle A rte fa kt e • z ur k ör pe rli ch en E rs ch ei nu ng de s K om m un ik at or s g eh ör en d (z .B . K le id un g, S ch m uc k et c. ) • z um p er sö nl ic he n G eb ra uc h de s K om m un ik at or s v er w en de t (z .B . A ut o, F ed er ha lte r e tc .) • i m In te ra kt io ns pr oz es s v om K om m un ik at or e in ge se tz te St im ul i ( z. B . M ah lz ei te n, G es ch en ke e tc .) • a us d er U m w el t d es K om m un ik at or s s ta m m en de St im ul i ( z. B . B ür oe in ric ht un g, Fi rm en ge bä ud e et c. ) re la tio na le • P ro xe m ik • K ör pe ro rie ntie ru ng ze itl ic he • W ar te ze it • I nt on at io n • B et on un g • L au ts tä rk e • P au se ng est al tu ng • S tim m e Vahlen – Allg. Reihe – Schugk – Interkulturelle Kommunikation in der Wirtschaft (2. Aufl.) – Herst.: Frau Deuringer Status: Imprimatur Datum: 25.08.2014 Seite 102 Vahlen – Allg. Reihe – Schugk – Interkulturelle Kommunikation in der Wirtschaft (2. Aufl.) – Herst.: Frau Deuringer Status: Imprimatur Datum: 25.08.2014 Seite 103 102 5 Interkulturelle Erscheinungsformen der interpersonalen Kommunikation te Notwendigkeit einer ganzheitlichen Betrachtung der gesamten nonverbalen Kommunikation einer Person gar nicht deutlich genug unterstrichen werden. Im Sinne dieser Ganzheitlichkeit nonverbaler Kommunikation gilt es, sämtliche nonverbalen Erscheinungsformen möglichst bewusst zu beachten. So lässt erst eine Kongruenz zwischen den einzelnen nonverbalen Signalen auf eine Wahrhaftigkeit in der nonverbalen Kommunikation einer Person schließen. Die Betrachtung von nonverbaler Kommunikation ist von so großer Bedeutung, weil sie letztlich das wahrhaftig Gefühlte bzw. Gemeinte auf den verschiedensten Ebenen in hohem Maße unbewusst zum Ausdruck bringt: „Gleichgültig, welcher Körperteil im Konzert des Bewegungsablaufs die Solostimme übernimmt, der übrige Körper folgt dem gesetzten Akzent bruchlos. Der Ausdruck setzt sich fort, noch mehr, er wird erst zum Ausdruck, indem er von anderen Körperpartien oder -teilen mitvollzogen wird.“135 Die Gültigkeit der Ganzheitlichkeit in der nonverbalen Kommunikation und die damit verbundene Unmöglichkeit einer nur auf bestimmte nonverbale Ebenen begrenzten Kommunikation kann mittels eines einfachen Beispiels illustriert werden. So ist es keineswegs möglich, nur mit den Augen zu „lachen“. Dieser z. B. in der Belletristik vielfach angeführte Sachverhalt kann erst im Zusammenspiel mit anderen nonverbalen Signalen zum Ausdruck kommen. So können die Augen letztlich nur in Zusammenspiel mit dem Mund lachen. Im Eigenversuch vor dem Spiegel kann dies sehr leicht getestet werden, oder – wenn auch stark vereinfacht – anhand der in Abbildung 5-4 wiedergegebenen Strichzeichnung veranschaulicht werden. Die Augen sind in beiden Fällen nur als kleine Punkte wiedergegeben und bei beiden Gesichtern identisch. Dennoch scheinen die Augen des linken Gesichts heiter, die des rechten hingegen äußerst missmutig in die Welt zu blicken. Die Pünktchen-Augen wirken somit isoliert betrachtet weder vergnügt noch missmutig. Ihre Wirkung ist vielmehr von anderen nonverbalen Signalen, die gleichzeitig ausgesendet werden, abhängig136. Augen können erst dann als lachend empfunden werden, wenn die mimischen Signale, die vom Mund ausgehen, eine entsprechende Kongruenz aufweisen. Das ganzheitliche System der nonverbalen Abbildung 5‑4: Zusammenspiel der nonverbalen Signale (Quelle: in Anlehnung an Molcho (2001), S. 110; Nieschlag; Dichtl; Hörschgen (2002), S. 1019) Vahlen – Allg. Reihe – Schugk – Interkulturelle Kommunikation in der Wirtschaft (2. Aufl.) – Herst.: Frau Deuringer Status: Imprimatur Datum: 25.08.2014 Seite 102 Vahlen – Allg. Reihe – Schugk – Interkulturelle Kommunikation in der Wirtschaft (2. Aufl.) – Herst.: Frau Deuringer Status: Imprimatur Datum: 25.08.2014 Seite 103 1035.2 Nonverbale Kommunikation Kommunikation wird im wahrsten Sinne des Wortes augenscheinlich137. In diesem Zusammenhang ist im Übrigen auch darauf zu verweisen, dass es nicht möglich ist einer bestimmten Ausdruckskomponente, beispielsweise der Mimik, generell eine überragende Kommunikationswirkung zuzusprechen. Vielmehr verhält es sich so, dass die Frage, welche Ausdruckskomponente im Rahmen einer Kommunikation dominant ist, aber auch die Frage welche relativen Beiträge die verbalen und die nonverbalen Ausdruckskomponenten zur Kommunikation leisten, abhängig ist von der jeweiligen Kommunikationssituation. Insbesondere das nonverbale Kommunikationsverhalten wird in besonderem Maße von der jeweiligen Kommunikationssituation determiniert138. Die nonverbale Kommunikation spielt für den Erfolg von Kommunikation im Allgemeinen eine eminent wichtige Rolle, eine Vernachlässigung der nonverbalen Kommunikationsanteile kann zu tiefgreifenden Störungen führen. Beispielsweise kann der sparsame Gebrauch von Gestik und Mimik als irritierend empfunden werden, wenn in einer Kultur nonverbales Verhalten wie Nicken, Lächeln oder intensiverer Augenkontakt zur Orientierung dafür herangezogen wird, wie etwas Gesagtes aufzunehmen ist. Ein Ausbleiben derartiger nonverbaler Zeichen kann durchaus falsch interpretiert werden und dergestalt etwa als Desinteresse ausgelegt werden139. Die richtige Interpretation nonverbaler Signale ist ohnehin mit Schwierigkeiten behaftet. Insbesondere die häufig gegebene Mehrdeutigkeit von nonverbalen Zeichen kann sich hierbei als problematisch gestalten. Eine isolierte Interpretation und Bewertung einzelner nonverbaler Zeichen ist aufgrund dieser Mehrdeutigkeit häufig vorschnell und somit nicht zutreffend140. So kann beispielsweise ein Verschränken der Arme unterschiedlichste Bedeutungen haben: • Suche nach Entspannung und damit verbundenes sich zurückziehen; • ablehnende bzw. abwehrende Haltung, beispielsweise gegenüber den verbal geäußerten Inhalten des Gegenüber; • sich sammeln und gespannte Konzentration auf bestimmte verbale Ausführungen des Gegenüber etc. Es ist somit explizit darauf hinzuweisen, dass nonverbale, insbesondere körpersprachliche Äußerungen zunächst einmal grundsätzlich mehrere Bedeutungen haben können. So wie die vollständige bzw. exakte Bedeutung eines Wortes oftmals nur aus dem Satzzusammenhang erhoben werden kann (z. B. die Bedeutung des Wortes Blatt für Musiker, Skatspieler, Botaniker etc.), genauso können ein Gesichtsausdruck oder eine Geste oftmals nur im Kontext der jeweiligen Gesamtsituation interpretiert werden141. Einzelne körpersprachliche Äußerungen können also nicht isoliert voneinander interpretiert werden. Vielmehr vermittelt erst die nonverbale Kommunikation in ihrer Gesamtheit ein Bild vom jeweiligen Gegenüber. So kann beispielsweise bei einer Begegnung mit einer Person, die mit offener Haltung und freiem Blick auftritt, dieser Ausdruck der Zuwendung in Widerspruch zu einem möglicherweise sehr passiven Händedruck stehen, der das eigentliche, wahrhaftig vorhandene Streben nach Abstand ausdrückt142. Die Vielfalt an Erscheinungsformen der nonverbalen Kommunikation kann bewusst zur nonverbalen Übermittlung von Nachrichten herangezogen werden, jedoch wird sie zuvorderst unbewusst zum Ausdruck gebracht. Somit ist sie Vahlen – Allg. Reihe – Schugk – Interkulturelle Kommunikation in der Wirtschaft (2. Aufl.) – Herst.: Frau Deuringer Status: Imprimatur Datum: 25.08.2014 Seite 104 Vahlen – Allg. Reihe – Schugk – Interkulturelle Kommunikation in der Wirtschaft (2. Aufl.) – Herst.: Frau Deuringer Status: Imprimatur Datum: 25.08.2014 Seite 105 104 5 Interkulturelle Erscheinungsformen der interpersonalen Kommunikation eigentlich dem Bereich der nicht intendierten Kommunikation zuzurechnen143. In Bezug auf den Unterschied der Wahrhaftigkeit von verbaler und nonverbaler Kommunikation konstatiert Kim daher: „nonverbal cues are truer than their conscious verbal cues. Thus, nonverbal cues may constitute deeply hidden messages that are less susceptible to foreign influence.”144 Der bekannte Pantomime Molcho behauptet sogar, dass Körpersprache „nicht lügen“ kann: „Jede Verstellung verrät sich selbst; mehr noch, Körpersprache entlarvt dem, der sie zu deuten weiß, das falsche Wort.“145 Die mit dem Auge wahrzunehmenden Merkmale des menschlichen Erscheinungsbildes, die Merkmale der nonverbalen Kommunikation, stehen seit langem im Mittelpunkt wissenschaftlicher Untersuchungen. So macht eine zunehmende Zahl an Wissenschaftlern auf die Bedeutung der nonverbalen Kommunikation aufmerksam, die mindestens ebenso groß ist wie die der Sprache und verweist darüber hinaus darauf, dass ein Großteil der zwischenmenschlich ausgetauschten Nachrichten nicht verbal, sondern nonverbal kommuniziert wird146. Die Wahrhaftigkeit der nonverbalen Kommunikation bestätigend kommen empirische Studien zu dem Ergebnis, dass der nonverbalen Kommunikation tatsächlich eine höhere Glaubwürdigkeit als den verbalen Aussagen beizumessen ist147. Dies hat bereits Molcho erkannt, wenn auch eher auf Basis subjektiver Erfahrungen und Beobachtungen. Jedoch findet diese Erkenntnis letztlich ihre Bestätigung in den aktuellen Erkenntnissen der modernen Gehirnforschung und Psychologie. Es ist davon auszugehen, dass Informationen zwar durchaus in bewusster Art und Weise über den nonverbalen Kommunikationskanal übermittelt werden können. Dominierend vorherrschend ist diese bewusste nonverbale Informationsübermittlung jedoch nicht. Vielmehr werden gerade nonverbale Zeichen oftmals, um nicht zu sagen in den allermeisten Fällen, unbewusst gesendet und somit nicht intendiert148. Moderne bildgebende Verfahren der Medizintechnik haben gezeigt, dass die nonverbale Kommunikation in einer Gehirnregion verankert ist, die als das limbische System bezeichnet wird. Interessanterweise ist das limbische System entwicklungs- und evolutionsgeschichtlich betrachtet eine der ältesten Gehirnregionen, die sich weitaus früher entwickelt hat als die für die Sprache verantwortliche Gehirnregion. Die Sprache ist also sehr jung im Vergleich zur nonverbalen Kommunikation. Das limibsche System hat aber noch andere entscheidende Merkmale, die für die Kommunikation letztlich von großer Wichtigkeit sind. So ist es maßgeblich für die Steuerung des unbewussten Teils des menschlichen Verhaltens verantwortlich. Schon seit längerer Zeit geht die Wissenschaft davon aus, dass dieser unbewusste Teil dominierend ist und ca. 70 bis 80 % des gesamten menschlichen Verhaltens ausmacht. Die Gehirnregion des limibischen Systems ist es, die letztlich nonverbale Kommunikation sowohl decodiert als auch bewertet149. Die angeführte unbewusste Sendung nonverbaler Zeichen legt nahe, von einer im Vergleich zur verbalen Kommunikation tatsächlich größeren Wahrhaftigkeit und Ehrlichkeit der nonverbalen Kommunikation auszugehen. So konstatiert Senner sehr treffend, dass grundsätzlich ein sehr großer Anteil des gesamten körper- Vahlen – Allg. Reihe – Schugk – Interkulturelle Kommunikation in der Wirtschaft (2. Aufl.) – Herst.: Frau Deuringer Status: Imprimatur Datum: 25.08.2014 Seite 104 Vahlen – Allg. Reihe – Schugk – Interkulturelle Kommunikation in der Wirtschaft (2. Aufl.) – Herst.: Frau Deuringer Status: Imprimatur Datum: 25.08.2014 Seite 105 1055.2 Nonverbale Kommunikation sprachlichen Ausdrucks im Unterbewusstsein erzeugt wird, welches letztlich nicht steuerbar ist. Die Körpersprache verrät an verschiedenen Stellen immer wieder die innere Einstellung bzw. Disposition, die ein Kommunikator hinsichtlich eines Sachverhaltes tatsächlich hat. Auch der Rezipient erkennt die Bedeutung der nonverbalen Kommunikation – in hohem Maße unbewusst – an und gewichtet die nonverbalen Ausdrücke intuitiv wesentlich stärker als die verbale Kommunikation. Ein zielgerichteter Einsatz der eigenen Körpersprache kann im Übrigen zwar erlernt und eingeübt werden. Dies ist jedoch kein einfaches Unterfangen. In jedem Falle ist es unabdingbare Voraussetzung, überhaupt erst einmal ein Bewusstsein für die eigene Körpersprache zu erlangen150. In Abgrenzung zur nonverbalen Kommunikation ist schließlich zu konstatieren, dass die verbale Kommunikation in „bewussterer“ Art und Weise vonstatten geht. Mittels verbaler Kommunikation kann der Mensch offensichtlich eher Täuschungen vollziehen151. Verhalten Japaner US- Amerikaner Brasilianer Stille Perioden (Anzahl von Perioden von mehr als zehn Sekunden während 30 Minuten) 5,5 3,5 0 Direkter Augenkontakt (Minuten während einer Periode von 10 Minuten) 1,3 3,3 5,3 Berührungen (während 30 Minuten, Händeschütteln nicht gerechnet) 0 0 4,7 Tabelle 5‑2: Bedeutung nonverbaler Kommunikationsmuster im interkulturellen Vergleich (Quelle: Rentzsch (1999 a), S. 47) Nach diesen eher allgemeingültigen Ausführungen zur Notwendigkeit einer ganzheitlichen Betrachtung der nonverbalen Kommunikation sowie deren Wahrhaftigkeit und Glaubwürdigkeit werden im Folgenden detailliert kulturspezifische Unterschiede in der nonverbalen Kommunikation thematisiert. Tabelle 5-2 macht zunächst einmal rein beispielhaft deutlich, dass im interkulturellen Vergleich mitunter gravierende Unterschiede hinsichtlich der nonverbalen Kommunikationsmuster bestehen152, die zu kommunikativen Missverständnissen oder Störungen führen können. 5.2.1 Nonvokale Kommunikation 5.2.1.1 Körperliche Kommunikation Die körperliche Kommunikation wird allgemein unter dem Begriff der Kinesik zusammengefasst. Die Kinesik, die Lehre von der Körpersprache153, wurde begründet durch den Anthropologen Birdswhistell und befasst sich mit dem kommunikativen Ausdrucksgehalt des Körpers154. 5.2.1.1.1 Dynamische körperliche Kommunikation Es gilt heutzutage als erwiesen, dass die dynamische körperliche Kommunikation, also allgemein das Bewegungsverhalten bei der Bildung von gegenseitigen Einschätzungen der Kommunikationspartner besonders bedeutsam ist. Vor Vahlen – Allg. Reihe – Schugk – Interkulturelle Kommunikation in der Wirtschaft (2. Aufl.) – Herst.: Frau Deuringer Status: Imprimatur Datum: 25.08.2014 Seite 106 Vahlen – Allg. Reihe – Schugk – Interkulturelle Kommunikation in der Wirtschaft (2. Aufl.) – Herst.: Frau Deuringer Status: Imprimatur Datum: 25.08.2014 Seite 107 106 5 Interkulturelle Erscheinungsformen der interpersonalen Kommunikation diesem Hintergrund gewinnt die Tatsache, dass das Bewegungsverhalten ganz offensichtlich in hohem Maße kulturspezifisch geprägt, also unterschiedlich ist, an Bedeutung: „So zeigte sich in dessen (Birdwhistell’s, Anm. des Verf.) Untersuchungen, daß in verschiedenen geographischen Regionen der USA Unterschiede im nonverbalen Verhalten bestehen, die so systematisch sind, daß man, fast wie im Falle der Lautsprache, von regionalen „Dialekten“ sprechen könne. Vergliche man das Bewegungsverhalten von Angehörigen verschiedener Nationen, so stoße man gar auf Differenzen, die oft nicht weniger sinnfällig seien, als die Unterschiede zwischen verschiedenen Lautsprachen. Das „von Franzosen, Deutschen und Engländern“ dargebotene nonverbale Verhalten sei beispielsweise kaum weniger kraß „unterschiedlich, als die von diesen gesprochenen Sprachen“…“155. Neuere Untersuchungen zeigen, dass die kulturspezifische Prägung des sprachbegleitenden Bewegungsverhaltens erstaunlich dauerhaft ist. So hat das Erlernen einer Fremdsprache kaum Einfluss auf das individuelle nonverbale Bewegungsverhalten. So verringern sich also die im Bewegungsverhalten bestehenden Unterschiede mit der zunehmenden Beherrschung einer Fremdsprache keineswegs: „Nach einem Jahr intensiven Spanischunterrichts sprachen unsere französischen Versuchspersonen zwar nahezu akzentfrei Spanisch, aber sie bewegten sich dazu nach wie vor „französisch“…“156. Die wesentlichen Ausprägungsformen der dynamischen körperlichen Kommunikation werden nachfolgend im interkulturellen Vergleich näher betrachtet. Mimik Zur Mimik werden die Vorgänge im Gesichtsbereich gezählt. Hierzu gehören u. a. Ausdrucksweisen wie Lachen und Weinen, mit denen nicht selten kulturspezifische Bedeutungsinhalte verbunden sind. Generell gilt das Gesicht als prägnantes Kommunikationsmedium, um Emotionen auszudrücken157. Gerade am Gesichtsausdruck ist es besonders gut möglich, die angenehmen oder auch unangenehmen Emotionen abzulesen, da sich emotionale Vorgänge im mimischen Ausdrucksverhalten quasi reflexartig als Teil des Emotionsprozesses widerspiegeln158. Somit scheint also insbesondere die Mimik dazu geeignet zu sein, unterschiedliche Arten an Emotionen zum Ausdruck zu bringen159. Allerdings ist darauf hinzuweisen, dass es gerade die Mimik ist, die durch eine Vielfalt an möglichen Gesichtsausdrücken gekennzeichnet ist. So hat der renommierte Mimik-Experte Paul Ekman über 10.000 verschiedene Gesichtsausdrücke identifiziert, von denen er diejenigen, die für den Ausdruck von Gefühlen am wichtigsten sind auch charakterisiert hat160. Eine der wichtigsten mimischen Ausdrucksformen ist das Lächeln. Grundsätzlich existiert in einer jeden Kultur eine Vielzahl an Arten des Lächelns. Die Bedeutung und Häufigkeit des Lächelns in einer spezifischen Situation bzw. die Funktion, die dieses Lächeln ausüben soll, kann jedoch durchaus kulturspezifisch sein. So wird in Asien eine Art „nervöses Lächeln“ in Situationen angewendet, in denen die eine Seite Peinlichkeit oder Verlegenheit empfindet. Das gemeinsame Lächeln überspielt die Situation und soll einen Gesichtsverlust vermeiden161. Ein Gesichtsverlust kann sich ereignen, wenn eine oder mehrere Personen einer Gruppe, derer sie zugehörig sind, essentielle Anforderungen, die mit ihrer sozialen Position verbunden sind, Vahlen – Allg. Reihe – Schugk – Interkulturelle Kommunikation in der Wirtschaft (2. Aufl.) – Herst.: Frau Deuringer Status: Imprimatur Datum: 25.08.2014 Seite 106 Vahlen – Allg. Reihe – Schugk – Interkulturelle Kommunikation in der Wirtschaft (2. Aufl.) – Herst.: Frau Deuringer Status: Imprimatur Datum: 25.08.2014 Seite 107 1075.2 Nonverbale Kommunikation nicht erfüllen bzw. nicht beachten. Im Übrigen sprechen Chinesen auch von einem „Gesicht verleihen“, und zwar beim Verleihen von Prestige oder Ehre. Wenn also das Gesicht angesprochen wird, so ist hiermit immer eine „saubere“ Beziehung mit dem sozialen Umfeld gemeint, die für eine Person sowie die Gruppe, derer die Person zugehörig ist, von maßgeblicher Bedeutung ist162. In westlichen Kulturen bedeutet der Verlust des Gesichts ein persönliches Versagen und ist auf den Einzelnen beschränkt. In asiatischen und nahöstlichen Kulturen hingegen bringt der Gesichtsverlust nicht nur für den einzelnen einen Ansehensverlust bzw. Schande mit sich, sondern auch für die Gruppe, derer er zugehörig ist163. So ist das Alltagsleben in den meisten asiatischen Ländern ohne Lächeln geradezu undenkbar. Im auch als „Land des Lächelns“ bezeichneten Thailand etwa können mit einem Lächeln die verschiedensten Bedeutungsinhalte übertragen werden, sowohl im gesellschaftlichen als auch im geschäftlichen Leben. Dabei werden unterschiedlichste emotionelle Empfindungen und Absichten mit kulturspezifischer Bedeutung zum Ausdruck gebracht. So können mit einem fein abgestuften Lächeln spezifische Inhalte wie z. B. Traurigkeit, Freude, Verlegenheit, Angst164, aber auch eine Entschuldigung oder eine Klärung eines Missverständnisses ausgedrückt werden165. In der großen Mehrzahl der westlichen Länder hingegen wird ein Lachen mit Witz, Fröhlichkeit und guter Stimmung assoziiert. In Japan wiederum wird das Lachen oft in Situationen eingesetzt, in denen der Lachende seiner Verwirrung, Unsicherheit oder gar einer sich aus einem begangenen Fehler resultierenden peinlichen Berührtheit Ausdruck verleiht. Die Peinlichkeit einer Situation wird gewissermaßen überspielt, um letztlich die Chance zum Wahren des eigenen Gesichts zu nutzen. Lacht somit ein Japaner, während ein Europäer seinen Unmut nachdrücklich zum Ausdruck bringt, so könnte dies den Zorn des Europäers sogar noch steigern, nämlich dann, wenn er glaubt, nun sogar noch ausgelacht zu werden166. In Japan hingegen hat das Lächeln, ähnlich wie in Südostasien, eine wichtige, soziale Funktion. Es wird in vielen Situationen gelächelt, in denen es Europäer als unangebracht bzw. unpassend empfinden würden. Hierbei seien insbesondere die Funktionen des Überspielens von peinlichen Situationen bzw. das Lächeln als Ausdruck des um Verzeihung Bittens angeführt. So lächeln auch andere Personen, wenn jemandem ein Missgeschick passiert. Die vermeintliche Schadensfreude ist somit der Versuch, zur Entspannung einer peinlichen Situation beizutragen. Aber auch in Situationen, in denen eine Person sich ganz allgemein unwohl oder unsicher fühlt, hat in Südostasien das Lächeln die Funk tion, für Entkrampfung und Entspannung der Situation zu sorgen167. Gänzlich anders hingegen repräsentiert sich die Situation bezüglich des Lächelns in Russland. Hier blicken die Menschen in der Betrachtung des Kulturfremden in der Regel sehr erst oder missmutig drein, da generell sehr wenig, wenn überhaupt gelächelt wird. Dies liegt daran, dass ein Lächeln, welches einem Fremden gegenüber entgegengebracht wird stark negativ konnotiert ist. So hat das einem Fremden entgegengebrachte Lächeln die Bedeutung, dass man selbigen veräppeln oder gar kritisieren möchte und anstelle der in manch einer Kultur gängigen Redewendung „Keep smiling!“ wird ein „Enough smiling!“ entgegengebracht. Im Übrigen ist anzumerken, dass das in Russland nur sehr reduziert eingesetzte Lächeln geradezu dazu prädestiniert ist die stereotypen Vorstellungen in Bezug auf Russen zu generieren168. Vahlen – Allg. Reihe – Schugk – Interkulturelle Kommunikation in der Wirtschaft (2. Aufl.) – Herst.: Frau Deuringer Status: Imprimatur Datum: 25.08.2014 Seite 108 Vahlen – Allg. Reihe – Schugk – Interkulturelle Kommunikation in der Wirtschaft (2. Aufl.) – Herst.: Frau Deuringer Status: Imprimatur Datum: 25.08.2014 Seite 109 108 5 Interkulturelle Erscheinungsformen der interpersonalen Kommunikation Gestik Neben der Mimik ist auch die Gestik der dynamischen körperlichen Kommunikation zuzurechnen. Abgeleitet vom Begriff Geste (lat. gestus = Bewegung, Haltung, Gebärde) wird unter Gestik im weiteren Sinne „die Gesamtheit der körperlichen Ausdrucksbewegungen“ verstanden. Gesten (Gestik) im hier zugrunde gelegten engeren Sinne sind die Bewegungen, die mit den Armen, Händen und Fingern ausgeführt werden169. Abbildung 5-5 zeigt Gesten, die im kulturellen Vergleich unterschiedliche, mitunter sogar geradezu gegensätzliche Bedeutungsinhalte aufweisen. Missverständnisse infolge einer Nicht-Kenntnis dieser unterschiedlichen  Bedeutungsinhalte sind bei interkulturellen Begegnungen vorprogrammiert. Geste 1 bedeutet in den USA „okay“, in Frankreich hingegen „Null“ bzw. „Du bist eine Null“. Ein US-amerikanisches Unternehmen musste beispielsweise in Frankreich eine Werbekampagne mit dem Slogan „Made in America“ und der berücksichtigten Geste 1 abbrechen, als nach Kampagnenstart die dort herrschende Bedeutung der Geste bekannt wurde. Die Bedeutungsvielfalt von Geste 1 beschränkt sich aber nicht auf die USA und Frankreich. So bedeutet Geste 1 in Griechenland eine sexuelle Aufforderung170, in Japan „Geld“ und in Tunesien „Ich bringe dich um“171. In zahlreichen romanischen Ländern schließlich hat die Geste eine „beleidigende anale Bedeutung“172. Die Geste 2 hat in Deutschland entweder die Bedeutung „Zwei“ oder „Sieg“, je nachdem, in welche Richtung Innenhand bzw. Handrücken zeigen. In Großbritannien ist ebenfalls die Bedeutung „Sieg“ gegeben, wenn der Handrücken nach innen zeigt bzw. verdeckt ist. Im entgegen gesetzten Fall hingegen ist in Großbritannien eine unanständige Geste gegeben. Der Bedeutungsinhalt von Geste 3 ist in Griechenland und Italien ein „Auf Wiedersehen“. In Deutschland und den USA hingegen bedeutet die Geste „Komm Abbildung 5‑5: Beispiele für unterschiedliche Bedeutungsinhalte von Gesten (Quelle: in Anlehnung an Gibson (2008) S. 28) Vahlen – Allg. Reihe – Schugk – Interkulturelle Kommunikation in der Wirtschaft (2. Aufl.) – Herst.: Frau Deuringer Status: Imprimatur Datum: 25.08.2014 Seite 108 Vahlen – Allg. Reihe – Schugk – Interkulturelle Kommunikation in der Wirtschaft (2. Aufl.) – Herst.: Frau Deuringer Status: Imprimatur Datum: 25.08.2014 Seite 109 1095.2 Nonverbale Kommunikation her“. Ein und dieselbe Geste kann im Einzelfall in Abhängigkeit von der jeweiligen Kultur also sogar genau die gegenteilige Bedeutung haben. Der Bedeutungsinhalt der Geste 4 schließlich ist in vielen Kulturen, z. B. in Deutschland, ein „gut“, wohingegen sie in Australien und Nigeria mit unanständigen Bedeutungsinhalten verknüpft ist173. Es wird von amerikanischen Touristen berichtetet, die in Nigeria per Anhalter fahren wollten und zu diesem Zwecke mit ausgestrecktem Arm den Daumen am Straßenrand in die Höhe hielten. Vorbeifahrende Nigerianer hielten an, um gegenüber den Amerikanern gewalttätig zu werden. Der Grund hierfür ist, dass der nach oben zeigende Daumen in Nigeria die gleiche Bedeutung hat wie in Amerika oder auch Deutschland der nach oben gestreckte Mittelfinger174. Auch zu Beginn des Irakkrieges wurden US-amerikanische Soldaten in den Straßen von Bagdad von großen Teilen der Bevölkerung mit dieser Geste begrüßt, nicht realisierend, dass im Irak die Bedeutung der Geste dieselbe ist wie in Nigeria175. Aus den vorausgehenden Ausführungen wird bereits deutlich, dass ein und dieselbe Geste bzw. zumindest eine sehr ähnlich aussehende Geste in unterschiedlichen Kulturen auch eine unterschiedliche Bedeutung haben kann. Im Umkehrschluss kann die semantische Äquivalenz176 im Bereich der Gesten natürlich nur dann gewahrt werden, wenn in unterschiedlichen Kulturen auch unterschiedliche Gesten verwendet werden um ein und dasselbe zum Ausdruck zu bringen. Will man beispielsweise zum Ausdruck bringen, dass man „etwas satt hat“ bzw. „genug hat von etwas“, so zeigt Abbildung 5-6, dass in Frankreich und in den Niederlanden zwar eine vergleichbare Geste zum Einsatz gebracht werden muss, indem die Hand in Richtung des Kopfes angehoben wird. Dennoch gibt es einen bedeutenden Unterschied wo die Hand letztendlich stoppen muss, so dass die Geste letztlich als vergleichsweise unterschiedlich angesehen werden kann. So hat die Hand in Frankreich am oberen Ende des Kopfes, in den Niederlanden hingegen bereits am Hals zu stoppen. Abbildung 5‑6: Wahrung der semantischen Äquivalenz durch den Einsatz unterschiedlicher Gesten (Quelle: in Anlehnung an Browaeys; Price (2011), S. 300) „etwas satt haben“ / „genug haben von etwas“ Frankreich Niederlande Vahlen – Allg. Reihe – Schugk – Interkulturelle Kommunikation in der Wirtschaft (2. Aufl.) – Herst.: Frau Deuringer Status: Imprimatur Datum: 25.08.2014 Seite 110 Vahlen – Allg. Reihe – Schugk – Interkulturelle Kommunikation in der Wirtschaft (2. Aufl.) – Herst.: Frau Deuringer Status: Imprimatur Datum: 25.08.2014 Seite 111 110 5 Interkulturelle Erscheinungsformen der interpersonalen Kommunikation Über die Problematik der Erreichung einer semantischen Äquivalenz hinausgehend sei schließlich darauf hingewiesen, dass gerade in Bezug auf Gesten auch Häufigkeit und Intensität des Einsatzes im interkulturellen Vergleich mitunter stark variieren, was bereits zu interkulturellen Kommunikationsstörungen führen kann. So ist es in Afrika und im Nahen Osten sowie in Europa beispielsweise ganz besonders in Italien generell vollkommen üblich und eigentlich auch erwartet Emotionen zu zeigen, indem der Gestik allgemein eine tragende Rolle in der Kommunikation zuteil wird, was etwa in Japan, China, aber auch in Skandinavien und Finnland sowie in Kanada zumindest mit dieser Häufigkeit und Intensität keinesfalls üblich ist und negativ interpretiert werden kann177. Körperbewegung Körperbewegung und auch Körperhaltung sagen generell viel aus über die soziale Position, den Charakter sowie die innere Befindlichkeit eines Menschen. So ist es durchaus sehr entscheidend für eine Person wie sie auftritt, geht oder auch steht. Ein aufrechter Gang mit selbstsicherer Bestimmtheit führt zu anderen Eindrücken beim Kommunikationspartner als etwa eine gebeugte Körperhaltung sowie ein gesenkter Blick, die eher auf ein Unterordnungsverhalten schließen lassen. Die möglichen interkulturellen Unterschiede im Gang als Ausdruck von Körperbewegung macht Stevenson fest am kulturspezifisch geprägten Gang US-amerikanischer Männer: „We walk big – swinging arms, letting our legs amble wide – in a manner that’s fitting for folks from a country with plenty of empty space. Citizens of densely populated Europe exhibit a far more compact posture, with elbows and knees tucked tight and arm swings restrained.“178 Es wird davon ausgegangen, dass die physische Beschaffenheit des Menschen ihm erlaubt in etwa 1.000 verschiedene Positionen einzunehmen. Dabei ist eine ganze Reihe an Körperbewegungen universell existent, beispielsweise sitzen, stehen, gehen oder rennen. Indes gibt es aber auch interkulturelle Unterschiede wie man sich bevorzugt bewegt bzw. zu bewegen hat. In Deutschland beispielsweise werden Kinder von ihren Eltern dazu aufgefordert gerade zu sitzen, wohingegen Mädchen aus islamischen Kulturen dazu angehalten werden sich nicht zu schnell zu bewegen und den Blick gesenkt zu halten. Besonders exponiert wirken Körperbewegungen mit dem Kopf. Gerade die Kopfbewegung ist entscheidend dafür, ob eine Person im Rahmen der Kommunikation Bejahung oder Verneinung ausdrückt. In diesem Zusammenhang hat Collett in Europa drei grundsätzlich verschiedene Codes identifiziert: • Nick-Schüttel-Code: Hierbei wird eine Bejahung durch Kopfnicken und eine Verneinung durch Kopfschütteln zum Ausdruck gebracht; • Roll-Werf-Code: Hierbei wird eine Bejahung mit einem Kopfwackeln von Schulter zu Schulter zum Ausdruck gebracht. Üblich ist diese Form der Bejahung beispielsweise in Indien und Pakistan. Mitunter wird in der Literatur angeführt, dass in Indien die Bejahung wie ein Kopfschütteln als Verneinung in Deutschland aussieht. Dem kann so aber nicht zugestimmt werden. Vielmehr sieht in Indien die Bejahung durch Kopfschütteln eher aus wie in Deutschland ein Vahlen – Allg. Reihe – Schugk – Interkulturelle Kommunikation in der Wirtschaft (2. Aufl.) – Herst.: Frau Deuringer Status: Imprimatur Datum: 25.08.2014 Seite 110 Vahlen – Allg. Reihe – Schugk – Interkulturelle Kommunikation in der Wirtschaft (2. Aufl.) – Herst.: Frau Deuringer Status: Imprimatur Datum: 25.08.2014 Seite 111 1115.2 Nonverbale Kommunikation abwiegendes Kopfschütteln, das noch deutliche Zweifel offen lässt. In Europa ist der Roll-Werf-Code beispielsweise in Bulgarien üblich; • Senk-Wurf-Code: Hierbei wird die Bejahung durch eine Fallbewegung des Kopfes von vorne ausgedrückt, eine Verneinung hingegen durch das Werfen des Kopfes in den Nacken. Verbreitung findet dieses Verhalten beispielsweise in Griechenland, Türkei und Süditalien179. Körperhaltung Mit Körperhaltung wird das Gesamtbild einer Person angesprochen, also insbesondere auch die Haltung von Kopf und Rumpf sowie von Armen und Beinen. Eine unterschiedliche Körperhaltung, etwa im Rahmen der Polarität von schlaff vs. gespannt oder ausladend vs. zusammengekrümmt wird häufig als Anzeichen bestimmter Charaktermerkmale herangezogen180. Auch in punkto Körperhaltung gibt es durchaus interkulturelle Unterschiede. So entspannen beispielsweise in Europa, aber auch in den USA Menschen, indem sie sich hinsetzen, wohingegen sich Mexikaner hinhocken. Erstaunlicherweise beobachtet die US-Border-Patrol im Grenzgebiet zwischen USA und Mexiko aus der Luft wie die Menschen sitzen, um daran zu erkennen, ob es sich um US-Amerikaner oder um Immigranten handelt. Ein anderes Beispiel für interkulturelle Unterschiede in der Körperhaltung repräsentiert sich an Polynesiern, die sich zur Begrüßung eines Gastes hinsetzen, um ihm gegenüber Respekt zu erweisen. In vielen anderen Kulturen hingegen ist es unausweichlich erforderlich bei Erscheinen eines Gastes sich zu erheben, um nicht als vergleichsweise unhöflich zu gelten. In zahlreichen Kulturen, insbesondere in arabischen Ländern ist es unüblich sich zu unterhalten während man geht. So gehört es sich gemäß der traditionellen Höflichkeit zum Reden stehen zu bleiben und sich anzusehen. In Europa hingegen ist diese Verhalten nicht üblich und eine Unterhaltung während des gemeinschaftlichen Gehens würde nicht im Geringsten mit Unhöflichkeit im Verhalten interpretiert und gleichgesetzt werden181. Auch die in Japan übliche Verbeugung kann in den Bereich der Körperhaltung eingeordnet werden. Abbildung 5-7 zeigt eine Verbeugung des US-Präsidenten Obama während seines Japanaufenthaltes beim japanischen Kaiser Akihito. Dieses kulturangepasste Verhalten hat in den Massenmedien einen Sturm an Aufmerksamkeit ausgelöst. Eine zentrale Frage beschäftigte sich in diesem Zusammenhang damit, ob dem Präsidenten eine Art kriecherisches, zumindest aber zu demütig wirkendes Verhalten gegenüber dem japanischen Kaiser vorzuwerfen ist oder nicht. Das zentrale Problem in Bezug auf diese Fragestellung ist darin zu sehen, dass die Verbeugung als Geste der Unterwürfigkeit gesehen wurde. Doch ist ganz deutlich herauszuheben, dass die Verbeugung für Japaner mit selbiger nicht in Verbindung gebracht wird, sondern vielmehr den Wert und Respekt gegenüber dem Kommunikationspartner zum Ausdruck bringt. Im Übrigen besteht eine Vielfalt an Verbeugungen, die je nach ihrer Art eine Danksagung, eine Begrüßung, eine Entschuldigung, einen Glückwunsch und vieles mehr zum Ausdruck bringen kann. Es wird deutlich, dass die für Außenstehende eher einfach wirkende Verbeugung letztlich ein eher differenziertes Ritual darstellt. So hat die Person mit der niedriger angesiedelten Position mit der Verbeugung zu beginnen und muss sel- Vahlen – Allg. Reihe – Schugk – Interkulturelle Kommunikation in der Wirtschaft (2. Aufl.) – Herst.: Frau Deuringer Status: Imprimatur Datum: 25.08.2014 Seite 112 Vahlen – Allg. Reihe – Schugk – Interkulturelle Kommunikation in der Wirtschaft (2. Aufl.) – Herst.: Frau Deuringer Status: Imprimatur Datum: 25.08.2014 Seite 113 112 5 Interkulturelle Erscheinungsformen der interpersonalen Kommunikation bige auch tiefer vornehmen als die höhergestellte Person. Gleichgestellte Personen hingegen beginnen und enden zur selben Zeit und wählen auch eine gleiche Verbeugung. Die eher komplizierte Verbeugungstechnik wird bereits japanischen Kindern gelehrt und in vielen größeren Unternehmen werden sogar Kurse angeboten, um den Angestellten die protokollgerechte Verbeugungstechnik zu vermitteln182. Grundsätzlich gilt in Japan, dass die Verbeugung umso tiefer ausfallen muss, je älter und / oder höher der berufliche Rang des Kommunikationspartner ist, wenn man ihn mit dem ihm entsprechenden Respekt würdigen möchte. Beispielsweise ist eine ca. 5-Grad-Beugung sowie leichtes Kopfnicken gegenüber gleichaltrigen bzw. gleichrangigen Kommunikationspartnern angemessen. Gegenüber einem Vorgesetzten hingegen ist eine ca. 15-Grad-Beugung mit angemessenem Kopfnicken üblich. Gegenüber einem Vorgesetzten aus der oberen Chefetage bzw. Unternehmensleitung ist eine ca. 45-Grad-Beugung mit ziemlich tiefem Kopfnicken erforderlich, bei dem das Kinn fast die Brust berührt. Die korrekte Einhaltung dieser Grußformen wird von ausländischen Geschäftspartnern in Japan dabei durchaus erwartet183. Eine geringfügigere Abwandlung erfährt die Verbeugung in Thailand. Hier werden die Handflächen vor dem Körper und mit den Fingerspitzen etwa in Höhe des Halses zueinander geführt. Grundsätzlich wird dem Kommunikationspartner gegenüber auf diese Weise Respekt zum Ausdruck gebracht, doch auch eine Danksagung kann hiermit verbunden sein. Eine wiederum andersgeartete Verbeugung kann bei den Hindu in Indien beobachtet werden. Hier gilt eine leichte Verbeugung, bei der die Hände vor dem Herzen zusammengeführt werden als Ausdruck der Überzeugung, dass sich Gott in Allem und somit auch im Kommunikationspartner befindet und man selbigem sowie den Göttern des Hinduismus somit Anerkennung bzw. Verehrung zuteil werden lässt184. Schließlich sei angemerkt, dass auch die Sitzhaltung einen wichtigen Aspekt der Körperhaltung berührt, der kulturgeprägt sein kann. So ist es in den USA völlig normal sich leger zu geben, was auch in der Weise des Sitzens zum Ausdruck kommt. Gerade Männer lassen sich raumgreifend in die Sitzmöbel lässig hinein- Abbildung 5‑7: Verbeugung des US‑Präsidenten Obama vor dem japanischen Kaiser Akihito (Quelle: Wikipedia (2013)) Vahlen – Allg. Reihe – Schugk – Interkulturelle Kommunikation in der Wirtschaft (2. Aufl.) – Herst.: Frau Deuringer Status: Imprimatur Datum: 25.08.2014 Seite 112 Vahlen – Allg. Reihe – Schugk – Interkulturelle Kommunikation in der Wirtschaft (2. Aufl.) – Herst.: Frau Deuringer Status: Imprimatur Datum: 25.08.2014 Seite 113 1135.2 Nonverbale Kommunikation fallen und lehnen sich bequem zurück. In Deutschland hingegen wird bereits den Schülern beigebracht gerade zu sitzen, nicht zuletzt deshalb, weil dies auch als Zeichen eines respektablen Charakters angesehen wird. Des Weiteren werden in den USA die Füße gerne auf den Tisch oder Schreibtisch gelegt, was dazu geeignet ist ein Gefühl der Entspannung zu vermitteln. In anderen Ländern wie Schweden oder Taiwan beispielsweise gilt ein derartiges Verhalten als ungebührlich und flegelhaft. Des Weiteren wird beim beliebten Überkreuzen der Beine häufig die Fußsohle gezeigt, was etwa in Saudi Arabien, Ägypten, Singapur oder Thailand als extreme Beleidigung des Kommunikationspartners interpretiert wird185. Schließlich sei angemerkt, dass es in Asien beim Sitzen auf dem Boden eines Wohnraumes üblich ist die Beine weder zu spreizen noch auszustrecken. Männer halten die Beine im Schneidersitz und verstecken die Fußspitzen, wohingegen Frauen die Beine nach einer Seite strecken und die Fußspitzen verstecken, was bei einem weiten Rock vergleichsweise mühelos gelingen kann186. Berührungsverhalten Körperberührungen sind grundsätzlich eng verknüpft mit dem Aspekt der Körperentfernung bzw. interpersonalen Distanz. So sind Körperberührungen untrennbar mit einem Eindringen in den intimen oder persönlichen Raum einer anderen Person verbunden. US-Amerikaner sind beispielsweise im Hinblick auf Körperberührungen deutlich empfindlicher als die meisten Europäer. So werden im kontinentalen Europa akzeptierte Berührungen, etwa am Arm, in den USA bereits als unangenehm empfunden. Die unterschiedliche Verbreitung von Berührungskontakten belegt der in Tabelle 5-3 angeführte Vergleich. Angegeben ist die Zahl der Körperberührungen von Personen, die in einem Café zusammensitzen187. Land Häufigkeit der Körperberührungen San Juan (Puerto Rico) 180 Paris (Frankreich) 110 Gainesville (Florida / USA) 2 London (England) 0 Tabelle 5‑3: Berührungshäufigkeiten von Personen in einem Café (Quelle: Kroeber‑Riel; Weinberg; Gröppel‑Klein (2009), S. 575) Beim Berührungsverhalten gibt es aber nicht nur in Hinsicht auf dessen Ausmaß, sondern auch in Hinsicht auf die Art und Weise der Berührungen mitunter gravierende interkulturelle Unterschiede. So ist es etwa für Männer europäischer Kulturen von besonderer Merkwürdigkeit, dass es in arabischen Ländern wie etwa in Saudi-Arabien188, im Jemen und in Afghanistan, aber auch in Kenia als völlig normal angesehen wird, wenn ein Mann mit einem anderen Mann Hand in Hand geht. In Europa würden zwei Männer mit einem derartigen Verhalten wohl unweigerlich mit einem Paar mit homosexueller Veranlagung gleichgesetzt werden189. Offensichtlich bestehen in Bezug auf das Berührungsverhalten nicht nur interkulturelle Unterschiede hinsichtlich der Häufigkeit der Berührungen. Vielmehr existiert in einer jeden Kultur in Bezug auf das Berührungsverhalten ein differenziert festgelegtes Set an Bedeutungen. Dieses Set legt ziemlich genau fest, Vahlen – Allg. Reihe – Schugk – Interkulturelle Kommunikation in der Wirtschaft (2. Aufl.) – Herst.: Frau Deuringer Status: Imprimatur Datum: 25.08.2014 Seite 114 Vahlen – Allg. Reihe – Schugk – Interkulturelle Kommunikation in der Wirtschaft (2. Aufl.) – Herst.: Frau Deuringer Status: Imprimatur Datum: 25.08.2014 Seite 115 114 5 Interkulturelle Erscheinungsformen der interpersonalen Kommunikation wer wen unter welchen Umständen und an welchen Körperregionen berühren darf190. Blickkontakt Der Blickkontakt hat, zumindest in westlichen Kulturen, in der Regel eine große Bedeutung. So haben einfache Experimente mit Studenten ergeben, dass sich die meisten Menschen in westlichen Kulturen in Situationen zwischenmenschlicher Begegnung ungut fühlen, in denen der Blickkontakt mit ihnen ostentativ vermieden wird. Dabei erfasste eine Mehrheit den eigentlichen Grund für das ungute Gefühl nicht einmal191. Der Blickkontakt unterliegt ebenfalls gravierenden interkulturellen Unterschieden. So ist in vielen westlichen Kulturen der direkte Blickkontakt von großer Bedeutung, da dessen Vermeidung leicht als Unaufrichtigkeit interpretiert wird. Beispielsweise werden in Deutschland bereits Kinder von ihren Eltern dazu angehalten den Blickkontakt zu wahren („Schau mich an, wenn ich mit Dir spreche!“)192. In anderen Kulturen, z. B. in Asien, verbietet es hingegen oftmals der Respekt, eine andere Person direkt anzusehen193. In Ländern wie Spanien, Griechenland, aber auch in arabischen Ländern hingegen erfolgt fortlaufend ein enger Blickkontakt, der zumindest implizit eine gewisse Dominanz zum Ausdruck bringen kann und somit die eigene Stellung bzw. die eigenen Aussagen untermauert. Dieses Verhalten gilt in anderen Ländern wie Japan als unangemessen und unhöflich. Demzufolge stellen Japaner nur ca. 10 % der Zeit einen Blickkontakt her, wobei der Blick hierbei dezent und zurückhaltend auf den Hals des Sprechers gerichtet wird, wenn man zuhört und auf die eigenen Füße oder Knie, wenn man selbst redet194. In zahlreichen Regionen Afrikas gilt der umfassende Blickkontakt ebenfalls als Zeichen von fehlendem Respekt sowie gar Aggression und zwar insbesondere gegenüber älteren und höhergestellten Personen, was das Sprichwort der Zulu „Das Auge ist ein Organ der Aggression“ anschaulich zum Ausdruck bringt195. 5.2.1.1.2 Relationale körperliche Kommunikation Proxemik Das räumliche Verhalten ist in der Kommunikation allgemein bedeutsam, zumal durch die räumliche Nähe zwischen Kommunizierenden die Haltung zueinander zum Ausdruck gebracht wird. So ist es grundsätzlich wichtig, die „richtige“ Distanz zueinander zu finden. Jedoch bestehen gerade im interkulturellen Vergleich diesbezüglich große Unterschiede. Die Untersuchung der Bedeutung, den die Raumnutzung innerhalb der Kommunikation einnimmt, findet in der sog. Proxemik statt. Hall, der als erster die Proxemik zum Gegenstand von Untersuchungen gemacht hat, unterscheidet grundlegend drei verschiedene Arten von Raum: 1) „Fixed-feature space“: Unter der sog. „fixed-feature space“ versteht Hall alle räumlichen Anordnungen, die immobil und nicht veränderbar sind, z. B. Gebäude oder Mauern. Die räumliche Anordnung kann nur durch Akte der Zerstörung aufgehoben werden. In diesem Bereich, der sich zuvorderst auf die Architektur bezieht, bestehen im Vahlen – Allg. Reihe – Schugk – Interkulturelle Kommunikation in der Wirtschaft (2. Aufl.) – Herst.: Frau Deuringer Status: Imprimatur Datum: 25.08.2014 Seite 114 Vahlen – Allg. Reihe – Schugk – Interkulturelle Kommunikation in der Wirtschaft (2. Aufl.) – Herst.: Frau Deuringer Status: Imprimatur Datum: 25.08.2014 Seite 115 1155.2 Nonverbale Kommunikation interkulturellen Vergleich große Unterschiede196. Im Sinne einer Corporate Architecture wird heutzutage in zunehmendem Maße der Versuch unternommen, „die Bedeutung eines Unternehmens und seine Kultur in Architektursprache umzusetzen und es dadurch für jeden erlebbar zu machen.“197 Selbstverständlich ist in diesem Zusammenhang davon auszugehen, dass die Kultur eines bestimmten Unternehmens nicht zuletzt auch von seiner Heimatkultur geprägt wird. Im Sinne der Corporate Architecture wird nicht nur der Funktionalität von Immobilien Rechnung getragen. Vielmehr wird der Versuch unternommen, in einem zunehmend härter werdenden Wettbewerb das eigene Unternehmen auch durch Gebäude zu positionieren, die architektonisch derart ausgerichtet sind, dass sie Ausdruck der Unternehmenskultur sowie der Entwicklung eines Unternehmens sind. Corporate Architecture bezieht sich auf die räumliche und urbane Dimension eines Unternehmens oder einer Institution. Gebäude und Städte sind darüber hinaus schon von jeher Orte für die Verräumlichung von kulturellen, politischen, religiösen oder wirtschaftlichen Haltungen gewesen. Als Beispiel hierfür können etwa die Bahnhöfe aus dem 19. Jahrhundert angeführt werden, die noch heute den Stolz einer Kultur über die gewonnene Mobilität überdeutlich zum Ausdruck bringen. Aber auch in der Wirtschaft ist eine Verräumlichung von kulturellen Haltungen zu beobachten. So weist beispielsweise das Schweizer Pharma- und Diagnostika-Unternehmen Roche selbst auf die eigene Unternehmenstradition hin, Vorreiter in Sachen Corporate Architecture zu sein. Das Unternehmen arbeitet traditionell mit ausgewählten Architekten zusammen. So gestaltet das Unternehmen bereits seit den 1930er Jahren unternehmenseigene Büro- und Produktionsgebäude in Ausrichtung an eine Sachlichkeit und Zurückhaltung in der Gestaltung sowie an eine zeitlose Eleganz. Diese durchaus mit bestimmten Grundwerten der Schweiz in Verbindung zu bringende Philosophie kommt bis zum heutigen Tage durch konsequente Umsetzung der Corporate Identity zum Tragen198. 2) „Semifixed-feature space“: Der Bereich der „semifixed-feature space“ bezieht sich auf mobile Objekte, die grundsätzlich nicht verrückt werden, es sei denn aus speziellem Bedarf heraus. Objekte in diesem Sinne können beispielsweise Schreibtisch, Schrank bzw. Möbel jeglicher Art sein, die z. B. zu Zwecken der Reinigung oder Neuanordnung umgestellt werden199. Kulturspezifische Unterschiede in diesem Bereich haben bereits direkte Auswirkungen auf die Möglichkeiten der Kommunikation. So dokumentiert sich die deutlich kollektivistische, also gruppenbezogene Orientierung, die in Japan vorherrscht, auch in einem charakteristischen japanischen Büro. Yokoi und Bolten beschreiben ein charakteristisches japanisches Büro wie folgt: „Üblicherweise handelt es sich dabei um ein Großraumbüro, in dem durchschnittlich 20, teilweise aber auch bis zu 50 Angestellte ohne räumliche Abgrenzungen und in größtmöglicher persönlicher Nähe zueinander arbeiten. Da überdies vom Abteilungsleiter bis zum Bürogehilfen alle Hierarchieebenen vertreten sind, bestehen in der Regel weder physische noch psychische Barrieren, untereinander zu kommunizieren. Die Anordnung der Tische befördert diese Haltung: Sie sind so platziert, daß ein anderes als gruppenweises Arbeiten kaum möglich erscheint. Vahlen – Allg. Reihe – Schugk – Interkulturelle Kommunikation in der Wirtschaft (2. Aufl.) – Herst.: Frau Deuringer Status: Imprimatur Datum: 25.08.2014 Seite 116 Vahlen – Allg. Reihe – Schugk – Interkulturelle Kommunikation in der Wirtschaft (2. Aufl.) – Herst.: Frau Deuringer Status: Imprimatur Datum: 25.08.2014 Seite 117 116 5 Interkulturelle Erscheinungsformen der interpersonalen Kommunikation Dementsprechend entfällt auch die Notwendigkeit, interne Sitzungen auf einen bestimmten Termin hin zu vereinbaren. Sie finden ad hoc statt und ermöglichen eine ständige Informiertheit aller in bezug auf wichtige und scheinbar unwichtige Angelegenheiten der Abteilungen bzw. des gesamten Unternehmens.“200 Geradezu gegensätzlich hingegen präsentiert sich die Situation in den USA. So kann dort die Erfahrung gemacht werden, dass sich die dort ebenfalls vorherrschenden Großraumbüros grundlegend von ihren japanischen Pendants unterscheiden. So ist häufig zu beobachten, dass die einzelnen Arbeitsplätze durch Stellwände vollkommen voneinander abgegrenzt sind. Infolge dieses Sicht- und Lärmschutzes für den Einzelnen nach vorne sowie zu beiden Seiten hin wird gleichzeitig eine flexible und spontane Kommunikation untereinander zumindest enorm erschwert. Die Stellwände, die in ihrer in den USA extremen Ausprägung geradezu zum „Kommunikationsschutz“ mutieren, sind sicherlich nicht zuletzt eine Ausdrucksform der in diesem Land vorherrschenden individualistischen Ausrichtung, gemäß der der Einzelne für sein Wohlergehen letztlich selbst verantwortlich ist. Dieser Eigenverantwortung des Individuums entsprechend ist eine Unterstützung durch die Gruppe keineswegs üblich bzw. selbstverständlich. 3) „Informal space“: Die sog. „informal space“ schließlich bezieht sich auf die räumliche Distanz, die in der zwischenmenschlichen Kommunikation zwischen den Kommunikationspartnern eingehalten wird. Diese Distanz variiert im kulturellen Vergleich stark und beeinflusst die Kommunikation direkt und mitunter erheblich, nicht zuletzt deshalb, weil hiermit Aspekte angesprochen werden, die das persönliche Territorium ansprechen, welches ein jedes Individuum in einem bestimmten Maße für sich beansprucht. Die Körperentfernung, die zwei miteinander kommunizierende Personen zueinander einnehmen, unterliegt also kulturspezifischen Normen und Konventionen. Die hierbei denkbaren Störungen beschreibt Watzlawick anhand eines extremen, aber anschaulichen Beispiels. Diesem zufolge kam es in einem noblen Reitklub der Stadt Sao Paolo zu mehrfachen Todesfällen, indem Menschen rücklings über das Verandageländer des Clubs zu Tode stürzten. Ein Verhaltenswissenschaftler konnte schließlich maßgeblich zur Ursachenklärung beitragen, indem er auf den an und für sich bekannten Sachverhalt verwies, demzufolge es in jeder Kultur eine als angemessen geltende Entfernung gibt, die in stehend geführten Gesprächen oder Diskussionen einzunehmen ist. Gegenüber der in Westeuropa oder in den Vereinigten Staaten „sprichwörtlichen Armeslänge“ ist die in Südamerika einzunehmende Distanz kürzer: „Nun stellen Sie sich vor, dass ein Nordamerikaner und ein Brasilianer auf jener Veranda ins Gespräch gekommen waren. Der Nordamerikaner nahm die richtige Distanz ein, die jeder Normale einnimmt, wenn er mit einem anderen spricht. Der Brasilianer fühlte sich aber zu weit abstehend und rückte auf, der Nordamerikaner stellte wieder die richtige Entfernung her, der Brasilianer tat das ebenfalls, bis dann der Nordamerikaner an jenes Geländer anstieß und hinunterfiel.“201 Die im Bereich der „informal space“ bestehenden Distanzen, die in unterschiedlichen Kulturen während der Kommunikation eingenommen werden hat Vahlen – Allg. Reihe – Schugk – Interkulturelle Kommunikation in der Wirtschaft (2. Aufl.) – Herst.: Frau Deuringer Status: Imprimatur Datum: 25.08.2014 Seite 116 Vahlen – Allg. Reihe – Schugk – Interkulturelle Kommunikation in der Wirtschaft (2. Aufl.) – Herst.: Frau Deuringer Status: Imprimatur Datum: 25.08.2014 Seite 117 1175.2 Nonverbale Kommunikation Watson im Rahmen einer breit angelegten kulturvergleichenden Untersuchung in eine Rangordnung gebracht, die in Abbildung 5-8 wiedergegeben wird. Für die eher durch Kollektivismus gekennzeichneten Kulturen in Lateinamerika, Afrika, des Vorderen Orients sowie Indien und Pakistan kommt Watson dabei zu signifikant geringeren Körperabständen als für die in stärkerem Maße durch Individualismus gekennzeichneten Kulturen202. Die im Bereich der „informal space“ sehr unterschiedlichen kulturspezifischen Gewohnheiten bleiben auch für das Berufsleben nicht ohne Konsequenzen. So fühlen sich die durch Individualismus gekennzeichneten Nordamerikaner am wohlsten, wenn sie sich ihrem Gegenüber die bereits zitierte Armlänge entfernt befinden203. In Asien halten Untergebene ganz allgemein einen großen Abstand gegenüber Vorgesetzten. Aber auch die Distanz zwischen Lehrern und Schülern ist in Asien größer als beispielsweise in den USA, da der Lehrer eine Respektsperson darstellt. Für den Fall, dass die „informal space“ verletzt wird ist von durchaus tiefgreifenden Wirkungen auf die Kommunikation auszugehen, da letztlich Unbehagen und Beklommenheit als unmittelbare Folge daraus auftreten können204. Doch ist darauf hinzuweisen, dass sich bereits im innereuropäischen Vergleich mitunter erhebliche Unterschiede feststellen lassen, bezüglich derer gemäß dem Verhaltensforscher Morris eine Einteilung in drei Zonen vorgenommen werden kann: 1. Ellbogenzone: die Personen stehen so dicht zusammen, dass sich ihre Ellbogen berühren könnten, wenn sie es wollten. Dies ist der Fall in den mediterranen Kulturen von Spanien, Frankreich, Italien, Griechenland und Türkei; 2. Handgelenkzone: die Personen stellen sich so zueinander auf, dass sie sich mit den Handgelenken berühren könnten, wenn sie es wollten. Dies ist der Fall in den größten Teilen von Osteuropa und Südosteuropa; 3. Fingerspitzenzone: die Personen wählen eine Armeslänge Abstand und verzichten gerne auf ein Berührungsverhalten. Dies ist der Fall in Nordeuropa und Nordwesteuropa, also z. B. in den Kulturen von Deutschland, Großbritannien, Holland, Belgien und Skandinavien205; Unterschiede bestehen auch beim Sitzen, sowohl hinsichtlich der Distanz zwischen den Beteiligten als auch hinsichtlich der räumlichen Anordnung der Personen. So präferieren Nordamerikaner für Gespräche in einem großen Raum eine personale Distanz von ca. eineinhalb Metern. Zudem sitzen sie bevorzugt einander gegenüber, nicht hingegen nebeneinander. Die räumliche Distanz beim Sitzen hängt aber auch von der Raumgröße ab. Dabei gilt, dass man umso Abbildung 5‑8: Interkulturelle Unterschiede in Bezug auf die „informal space“ nach Watson (Quelle: Browaeys; Price (2011), S. 284) Geringe „informal space“ Große „informal space“ Araber Inder und Pakistaner Südeuropäer Südamerikaner Asiaten Nordeuropäer Vahlen – Allg. Reihe – Schugk – Interkulturelle Kommunikation in der Wirtschaft (2. Aufl.) – Herst.: Frau Deuringer Status: Imprimatur Datum: 25.08.2014 Seite 118 Vahlen – Allg. Reihe – Schugk – Interkulturelle Kommunikation in der Wirtschaft (2. Aufl.) – Herst.: Frau Deuringer Status: Imprimatur Datum: 25.08.2014 Seite 119 118 5 Interkulturelle Erscheinungsformen der interpersonalen Kommunikation mehr zusammen rückt, je größer der Raum ist, um die Gesprächsatmosphäre angenehmer zu gestalten. In Japan gibt es bei festlichen oder formellen Anlässen eine festgelegte Sitzordnung, insbesondere bei Konferenzen oder beim Essen an langen Tischen. Hierbei liegt das Prinzip von Rang und Würde zugrunde. Die Verteilung der Plätze erfolgt abgestuft vom Ranghöchsten bis zum Rangniedrigsten oder Jüngsten206. Zusammenfassend bleibt festzuhalten, dass Manager und Vertriebsmitarbeiter im Berufsleben die kulturspezifischen Regeln in punkto „informal space“ unbedingt kennen und beachten müssen207. Die Missachtung der Regeln könnte bereits zu Kommunikationsstörungen führen und letztlich auch den Geschäftserfolg gefährden. Körperorientierung Ebenfalls eine Rolle spielt die Körperorientierung, die z. B. zwei Personen zueinander einnehmen. Dabei wird unter Körperorientierung die Position der Kommunizierenden zueinander verstanden208. Auch bezüglich dieses Aspektes sind kulturelle Besonderheiten durchaus zu beobachten. So nehmen Engländer nicht nur eine größere Distanz zueinander ein als Deutsche, sondern sie stehen auch selten frontal zueinander. Vielmehr stehen sie eher Schulter an Schulter oder auch „in einem Winkel von hundertzehn Grad zueinander.“209 5.2.1.1.3 Statische körperliche Kommunikation In der statischen körperlichen Kommunikation stehen statische Reize im Mittelpunkt. Hierzu gehören körperliche Eigenschaften wie Größe, Körperbau und Hautfarbe, aber auch vom Individuum kontrollierte äußere Erscheinungen wie etwa der Haarschnitt210. Frauen des Padaung-Volksstammes in Myanmar, ehemals Burma, schmücken sich beispielsweise von Kindesbeinen an mit Messingspiralen, welche die Funktion eines Halsschmuckes ausüben. Die auch als Giraffenhalsfrauen bekannten Frauen scheinen durch den sonderbaren Schmuck ihren Hals zu strecken. Tatsächlich jedoch drückt der Messingschmuck lediglich die Nackenmuskulatur nach unten. Ähnlichen Schmuck tragen die Frauen auch an den Beinen. Die Messingringe haben heute vor allem Schmuckfunktion, die körperlichen Veränderungen, die mit dem Tragen der Ringe einhergehen, kommunizieren Schönheit und Attraktivität211. Selbstverständlich variieren die Vorstellungen hinsichtlich der Schönheit sowie deren Bedeutung im kulturellen Vergleich mitunter sehr stark. Maßgeblich entscheidend sind hierfür statische körperliche Merkmale wie Gewicht, Figur, Hautfarbe, Haar etc.212 Beispielsweise werden in den USA Männer mit einem muskulären Körper und große Frauen mit einem schlanken Körperbau in besonderem Maße wertgeschätzt. Diese Merkmale für besondere Attraktivität haben aber in manch anderer Kultur keine Gültigkeit. So ist eine gewisse Rundlichkeit im Körperbau in weiten Teilen Afrikas ein Zeichen von Schönheit, Gesundheit und Reichtum. Schlankheit hingegen ist ein Beleg für Unzufriedenheit, Krankheit oder gar schlechte Behandlung durch den Ehemann213. Auch die Hautfarbe ist ein statisches Körpermerkmal, welches in der Interkulturellen Kommunikation nicht zu unterschätzen ist. So kommen jüngste Studien für Vahlen – Allg. Reihe – Schugk – Interkulturelle Kommunikation in der Wirtschaft (2. Aufl.) – Herst.: Frau Deuringer Status: Imprimatur Datum: 25.08.2014 Seite 118 Vahlen – Allg. Reihe – Schugk – Interkulturelle Kommunikation in der Wirtschaft (2. Aufl.) – Herst.: Frau Deuringer Status: Imprimatur Datum: 25.08.2014 Seite 119 1195.2 Nonverbale Kommunikation die USA zusammenfassend zu dem Ergebnis, dass Kinder mit weißer Hautfarbe zum großen Teil die eigene Hautfarbe mit positiven, die schwarze Hautfarbe hingegen mit negativen Attributen und Eigenschaften in Verbindung bringen. Hautfarbe wird somit auch heute noch als klares Symbol für Unterschiedlichkeit angesehen214. In europäischen Ländern erfährt ein von Jugendlichkeit geprägtes Äußeres hohe Wertschätzung. Dass der Einfluss kulturspezifischer Werte in Bezug auf die statische körperliche Kommunikation auch andersgeartet sein kann zeigt das Beispiel Malaysia, wo das Alter einen wesentlich höheren Stellenwert genießt: „Der Ministerpräsident des Bundesstaates Selangor wird beschuldigt, sich sein Haar grau gefärbt zu haben, ja, grau, um bei den Wählern besser anzukommen. Mohamad Khir Toyo, so toben seine Gegner, hätte in den Farbtopf gegriffen, um würdiger für seine Aufgabe zu wirken. Der Mann ist 38 Jahre alt. Auch wird ihm vorgeworfen, seine Stimme zu verstellen. Er spreche neuerdings tiefer und rauer, um die älteren Menschen in den ländlichen Gebieten für sich zu gewinnen. Und ihre Stimmen bei der anstehenden Wahl, versteht sich. Der jugendliche Minister leugnet. Alles Natur, behauptet er, und führt die grauen Strähnen auf den Stress seines Amtes zurück. Und weil er im Laufe seiner Karriere gar so viele Reden gehalten habe, sei seine Stimme ganz heiser geworden.“215 5.2.1.2 Materielle Artefakte Grundsätzlich kann auch mit Hilfe von Gegenständen verschiedenster Art kommuniziert werden. So können Artefakte wie Kleidung und Schmuck, aber auch Laptop, Fahrzeug, Smartphone etc. als materielle Verständigungsmittel herangezogen werden216. Bekannt ist auch, dass materielle Dinge als Indikatoren von Status und Macht fungieren können217. Die von einem Vertriebsmitarbeiter bzw. Verkäufer einsetzbaren materiellen Artefakte können sich grundsätzlich beziehen auf Gegenstände, • die zur äußerlichen Erscheinung des Verkäufers beitragen (z. B. Kleidung, Schmuck, Perücken etc.) • die dem persönlichen Gebrauch dienen (z. B. Auto, Aktentasche, Kugelschreiber, Füllfederhalter etc.) • die in der Interaktion zwischen Verkäufer und Käufer eingesetzt werden (z. B. Geschenke, Visitenkarten, Mahlzeiten etc.) und • die der kommunikativen Umwelt des Verkäufers zuzurechnen sind (z. B. Büroeinrichtungen wie Schreibtisch, Sekretärin etc.)218. Mit all diesen Gegenständen sind bestimmte kulturspezifische Assoziationen verbunden. Je nach Wertschätzung und Wertevorstellungen werden den angeführten materiellen Artefakten bestimmte Attribute beigemessen. Materielle Artefakte assoziieren bzw. signalisieren also konkrete Eindrücke. Häufig erfolgt eine Beurteilung der individuellen Persönlichkeit und Gruppenzugehörigkeit bereits über materielle Artefakte219: „Hilfsmittel der Kompensation sind der große Wagen (…) Büroeinrichtungen werfen stets ein bezeichnendes Licht auf ihre Besitzer. Riesige Schreibtische und große blankpolierte Tische sprechen eine eigene Sprache.“220 Vahlen – Allg. Reihe – Schugk – Interkulturelle Kommunikation in der Wirtschaft (2. Aufl.) – Herst.: Frau Deuringer Status: Imprimatur Datum: 25.08.2014 Seite 120 Vahlen – Allg. Reihe – Schugk – Interkulturelle Kommunikation in der Wirtschaft (2. Aufl.) – Herst.: Frau Deuringer Status: Imprimatur Datum: 25.08.2014 Seite 121 120 5 Interkulturelle Erscheinungsformen der interpersonalen Kommunikation Grundsätzlich erhalten sowohl Verkäufer als auch Käufer durch die Kleidung ihres jeweiligen Gegenübers in gewissem Umfange Aufschluss über dessen Persönlichkeit. Dabei greifen bei dem Rückschließen von der Kleidung auf die Persönlichkeit die Regeln der sog. stereotypen Personenwahrnehmung. Der Betrachter zieht in erster Linie Rückschlüsse von der Kleidung auf bestimmte soziodemographische Merkmale und persönliche Eigenschaften. Untersuchungen zeigen statistisch signifikante Unterschiede in der Personeneinschätzung in Abhängigkeit von der Kleidung. Dies ist insbesondere deshalb von Bedeutung, als die Käufer Ähnlichkeiten aufseiten von Verkäufern mit ihren eigenen Interessen, ihrem eigenen Lebensstil, ihren eigenen Einstellungen usw. als belohnend empfinden221. Sind beispielsweise die Interessen und der Lebensstil von Kunden aus fremden Kulturen bekannt, so kann ein Verkäufer die Kleidung dergestalt wählen, dass sie in den Augen der Käufer eine belohnende Gesinnungsgemeinschaft signalisieren. Materielle Artefakte spielen in den meisten Kulturen eine nicht zu unterschätzende Rolle. So ist etwa die Kleidung nicht nur in Europa, sondern auch in den meisten asiatischen Ländern durchaus wichtig. Europäische Geschäftspartner werden zunächst nach dem äußeren Erscheinungsbild, der Kleidung sowie den dazugehörigen Utensilien dahingehend eingeschätzt, ob sie vertrauenswürdig sind und dem sozialen bzw. geschäftlichen Status des asiatischen Partners entsprechen. Die europäischen Geschäftspartner werden von Kopf bis Fuß gemustert, ob sie z. B. einen Maßanzug und gute Schuhe tragen, ob sie eine Markenuhr besitzen oder ob sie, vor allem bei Frauen, echten Schmuck tragen. In einigen asiatischen Ländern existiert sogar die Auffassung, dass an den Schuhen der persönliche Charakter einer Person besonders gut abgelesen werden kann, wohl deshalb, weil die Schuhe ein vermeintlich unbedeutendes Bekleidungsaccessoire darstellen, welches oftmals vernachlässigt wird und somit in besonders wahrhaftiger Weise den eigentlichen Charakter der jeweiligen Person offenbaren kann. Es wird deutlich, dass selbst vermeintlich nebensächliche materielle Artefakte in den Mittelpunkt interkultureller Begegnungen rücken können222. Auch Geschenke können einen besonderen Stellenwert haben, indem Beziehungsstrukturen und Beziehungsstufen durch Art, Wert und Häufigkeit von Geschenken ausgedrückt werden: „Das beste Beispiel ist Japan, wo der alltägliche Umgang der Menschen untereinander auf kleinen Geschenken beruht. Die Geschenke repräsentieren die Beziehungsstufen, gehören in ein fein ausgearbeitetes System von Spielregeln, dass man durch die Zurückweisung eines Geschenks empfindlich stören würde.“223 In Kulturen wie Japan haben Geschenke also einen sehr hohen Stellenwert und dienen direkt und grundlegend zum Aufbau bzw. zur Pflege guter persönlicher Beziehungen. Die Verhältnismäßigkeit von Geschenken variiert grundsätzlich in Abhängigkeit von der Kultur. So werden etwa in Korea in der Regel großzügige Geschenke gemacht, was als wichtiges Mittel zur Pflege guter persönlicher Beziehungen angesehen wird224. Kulturelle Unterschiede im Geschenkverhalten im internationalen Geschäftsverkehr hat erstmals Reardon in einer umfassenden Erhebung ermittelt. Durch Interview von Experten und erfahrenen Geschäftsleuten konnten in diesem Zusammenhang Richtlinien für das Geschenkverhalten in fremden Kulturen abgeleitet Vahlen – Allg. Reihe – Schugk – Interkulturelle Kommunikation in der Wirtschaft (2. Aufl.) – Herst.: Frau Deuringer Status: Imprimatur Datum: 25.08.2014 Seite 120 Vahlen – Allg. Reihe – Schugk – Interkulturelle Kommunikation in der Wirtschaft (2. Aufl.) – Herst.: Frau Deuringer Status: Imprimatur Datum: 25.08.2014 Seite 121 1215.2 Nonverbale Kommunikation werden. So sind z. B. in Japan die kalendarischen Termine „1. Januar“ sowie Mitte Juni (Mittsommer) wichtige Zeitpunkte für das Schenken. Explizite Danksagungen vonseiten der Beschenkten sind nicht unbedingt zu erwarten, zudem ist es nicht zweckmäßig, gleich bei einem ersten geschäftlichen Kontakt Geschenke mitzubringen. Darüber hinaus sollten die Geschenke nur dann übergeben werden, wenn der Empfänger allein ist oder aber wenn alle Anwesenden beschenkt werden. Aber auch Normen und Gebote sind in Abhängigkeit von der Art der Geschenke zu beachten. So sollte in islamisch geprägten Ländern Arabiens auf keinen Fall Alkohol verschenkt werden, Frauen sind grundsätzlich nicht zu beschenken. Den Männern gegenüber gelten Geschenke mit einer intellektuellen Ausrichtung als besonders angebracht, etwa anspruchsvollere Bücher, da selbige an das Selbstwertgefühl der Araber appellieren und von daher sehr willkommen sind. Darüber hinaus sind hier die Geschenke, nicht zuletzt aus Statusgründen, nach Möglichkeit in Gegenwart vieler Personen zu übergeben. In den kollektivistisch geprägten Kulturen Lateinamerikas wiederum sind jene Geschenke besonders angebracht, die für die gesamte Familie geeignet sind. Messer hingegen sollten nicht verschenkt werden. Die Geschenkübergabe sollte erst erfolgen, wenn sich eine gewisse persönliche Beziehung zum Empfänger entwickelt hat. Nach Möglichkeit sollten Geschenke nicht während geschäftlicher Verhandlungen übergeben werden. Passende Gelegenheiten, z. B. im Rahmen des Mittagessens, bei dem geschäftliche Themen in den Hintergrund rücken, sind als Gelegenheit für die Geschenkübergabe abzuwarten225. In China sollten Scheren und Uhren nicht verschenkt werden, denn Scheren können symbolisieren, dass eine Beziehung zerschnitten wird und Uhren können Ende und Abschied symbolisieren. Mitunter sind es aber auch auf den ersten Blick möglicherweise als unbedenklich eingestufte Geschenke wie Schirme, die sich als problembelastet erweisen. So klingt das chinesische Wort für Schirm wie „sich trennen“226. Auch Visitenkarten können kulturspezifischen Stellenwert haben. So wird in Europa auf ausgetauschte Visitenkarten ein kurzer Blick geworfen, sogleich verschwindet dann die Karte aber in einer Tasche. In Japan hingegen sollte eine Visitenkarte mit beiden Händen gegeben und entgegengenommen werden227. Mit dem Kartenaustausch setzt dann eine umfassende Diskussion ein über die Funktionen und Aufgaben des jeweiligen Karteninhabers in seinem Unternehmen sowie über den Aufbau seines Unternehmens. Zudem wird die Visitenkarte grundsätzlich zunächst dem ranghöchsten Unternehmensvertreter überreicht, der sodann das Privileg hat, die Frage- und Diskussionsrunde zu eröffnen228. Wird der „carefully orchestrated event“ der Übergabe der Visitenkarten nicht mit entsprechender Aufmerksamkeit bedacht, so könnten Japaner dies als Desinteresse oder gar Respektlosigkeit interpretieren229. In Bezug auf angebotene Mahlzeiten ist unbedingt darauf zu achten, dass Gewohnheiten, mehr noch aber Ge- und Verbote, die in einzelnen Kulturen bestehen beachtet werden. So ist beispielsweise Schweinefleisch in Europa die am häufigsten verzehrte Fleischart, im Islam aber ist sein Verzehr nicht gestattet. Im Gegenzug sind beispielsweise fette Larven oder geröstete Termiten, die in Australien bei den Aborigines Anklang finden in Deutschland oder allgemein in Europa kaum begehrt230. In China werden gemäß den europäischen Vorstellungen mitunter auch Vahlen – Allg. Reihe – Schugk – Interkulturelle Kommunikation in der Wirtschaft (2. Aufl.) – Herst.: Frau Deuringer Status: Imprimatur Datum: 25.08.2014 Seite 122 Vahlen – Allg. Reihe – Schugk – Interkulturelle Kommunikation in der Wirtschaft (2. Aufl.) – Herst.: Frau Deuringer Status: Imprimatur Datum: 25.08.2014 Seite 123 122 5 Interkulturelle Erscheinungsformen der interpersonalen Kommunikation exotische Speisen verzehrt, etwa Schlange, Hund oder Katze. Die Tischmanieren weichen dabei ebenfalls von den europäischen Gepflogenheiten ab. So werden Schmatzen und Schlürfen als Hervorhebung bzw. Verstärkung des kulinarischen Genusses angesehen und Essensreste neben den Teller oder auf den Boden gespuckt. Während des Essens selbst geht es durchaus laut zu und Ermunterungen, dieses oder jenes Gericht zu probieren sind üblich wie auch der zwischenmenschliche Austausch überhaupt. Hingegen ist es in vielen Ländern Asiens, etwa China, Japan oder Korea unüblich sich mit einem Taschentuch zu putzen. Insgesamt betrachtet sind Arbeitsessen im deutschen Sinne in Asien unbekannt. Insofern werden geschäftliche Themen gänzlich ausgespart. Vielmehr werden eher heitere und angenehme Themen aufgegriffen, zumal das gemeinsame Essen ein wichtiger Bestandteil des Beziehungsaufbaus bzw. der Beziehungspflege ist231. Selbst vermeintlich unbedeutende Artefakte wie Türen als Teil der Wohnungsoder Büroeinrichtung können in der Interkulturellen Kommunikation Bedeutung erlangen. So lassen Nordamerikaner ihre Türen in Wohnung oder Büro gerne offen stehen, was etwa von Deutschen des Öfteren als Mangel an Ordnung empfunden wird. Jedoch signalisieren Amerikaner mit offenen Türen, dass sie jederzeit ansprechbar sind und möglicherweise auch, dass sie nichts zu verbergen haben. Deutsche hingegen signalisieren mit geschlossenen Türen, dass sie nicht gestört werden möchten. Missverständnisse sind vorprogrammiert, da Amerikaner bei geschlossenen Türen den Eindruck gewinnen können, dass geheime Absprachen oder gar Verschwörungen im Gange sind oder zumindest eine deutliche Abweisung empfinden können. Die Deutschen hingegen haben bei offenen Türen die Empfindung, dass sie dem anderen ungeschützt ausgesetzt sind232. Die Bedeutung einer offenen oder geschlossenen Tür wird somit, wie Eco es ausdrückt, in New York anders als in Berlin interpretiert. Amerikaner benutzen die offene Tür als Signal für Zugänglichkeit und Gesprächsbereitschaft. Eine geschlossene Türe hingegen verweist auf eine geschlossene Gesellschaft233. Angemerkt sei schließlich, dass auch Kulturen existieren, die z. B. materiellen Artefakten, die für Reichtum oder Besitz stehen, nur eine vergleichsweise geringe bis keine Bedeutung zukommen lassen, so etwa die auch als Seenomaden bezeichneten Bajau. Bei den Bajau handelt es sich um einen ca. 13.000 Personen umfassenden Volksstamm, der in Booten und Hütten auf den Meeren Südostasiens zuhause ist. Bei den Bajau heißt es sprichwörtlich „Besitz macht ein Boot schwer und langsam“. Aus Gründen des Lebensstils haben viele materielle Artefakte somit einen vergleichsweise geringen Stellenwert. 5.2.1.3 Zeitliche Elemente der Kommunikation Auch zeitliche Elemente haben in interkulturellen Begegnungen eine Bedeutung und üben Einfluss auf die Kommunikation aus. Jedoch soll auf ihre Bedeutung an dieser Stelle nicht näher eingegangen werden. Stattdessen sei auf die Ausführungen zur Zeitorientierung nach Hall verwiesen234. 5.2.2 Vokale bzw. parasprachliche Kommunikation Die vokale parasprachliche Kommunikation befasst sich mit dem Einsatz paralinguistischer Phänomene, die letztlich neben der verbalen Kommunikation Vahlen – Allg. Reihe – Schugk – Interkulturelle Kommunikation in der Wirtschaft (2. Aufl.) – Herst.: Frau Deuringer Status: Imprimatur Datum: 25.08.2014 Seite 122 Vahlen – Allg. Reihe – Schugk – Interkulturelle Kommunikation in der Wirtschaft (2. Aufl.) – Herst.: Frau Deuringer Status: Imprimatur Datum: 25.08.2014 Seite 123 1235.2 Nonverbale Kommunikation begleitend zum Einsatz kommen (lat. para = neben, bei), aber aufgrund der ihnen möglichen eigenständigen und enormen kommunikativen Aussagekraft letztlich einer gesonderten Betrachtung zu unterziehen sind. Die in der Paralinguistik zu berücksichtigenden paralinguistischen Phänomene determinieren letztlich die Art des Sprechverhaltens. Daher ist die Paralinguistik nicht damit befasst, was ein Mensch sagt, also welche Inhalte er zu vermitteln sucht. Vielmehr geht es um das wie, also die Art und Weise des Sprechens235. Als paralinguistische Phänomene sind insbesondere Intonation, Betonung, Lautstärke, Pausengestaltung und Stimme im gesprochenen Wort aufzufassen. Die paralinguistischen Gewohnheiten unterliegen großen kulturellen Unterschieden, die, wie im Folgenden gezeigt, bereits zu Kommunikationsproblemen führen können. 5.2.2.1 Intonation Die Intonation beschäftigt sich mit dem Wechsel der Tonlagen. Bezüglich der Stimmvariationen bestehen weltweit mitunter große Unterschiede. Abbildung 5-9 zeigt beispielhaft Kurven der Stimmvariation für ausgewählte Kulturen. In interkulturellen Begegnungen kann beispielsweise ein „Dramatisieren“ lateinischer Kulturen durch extreme Variation der Tonlagen von Asiaten als überheblich und wenig vertrauenswürdig eingestuft werden236. Variiert das Ausmaß der Tonhöhenmodulation sehr stark, so können entgegengesetzt intonierende Vertreter anderer Kulturen somit das Verhalten des anderen als affektiert, weibisch oder gar überheblich wahrnehmen237. Umgekehrt besteht bei einer sehr eintönigen Intonation in asiatischen Sprachen die Gefahr, dass diese von Vertretern lateinischer Kulturen mit Desinteresse und Langeweile in Verbindung gebracht wird. Aber auch Feinheiten in der Intonation spielen eine Rolle. Ein hierfür in der Literatur häufiger angeführtes Beispiel macht sich fest an einer pakistanischen Frau, die als Bedienung in einem englischen Selbstbedienungsrestaurant arbeitet. Dabei muss sie bei manchen Speisen nachfragen, ob die Gäste noch Soße dazu haben wollen. Hierfür sagt sie einfach nur „Soße“ („gravy“). Bereits nach kurzer Zeit gehen einige Kundenbeschwerden über die Frau ein, die als vollkommen unhöflich angesehen wird, was die pakistanische Frau selbst nicht im Geringsten nachvollziehen kann. Die eigentliche Ursache für die angespannte Situation liegt in den kulturspezifischen Unterschieden zwischen der Intonation im Pakistanischen Abbildung 5‑9: Beispielhafte Stimmvariation in verschiedenen Kulturen (Quelle: Rentzsch (1999 a), S. 42) Angelsächsisch Lateinisch Asiatisch Vahlen – Allg. Reihe – Schugk – Interkulturelle Kommunikation in der Wirtschaft (2. Aufl.) – Herst.: Frau Deuringer Status: Imprimatur Datum: 25.08.2014 Seite 124 Vahlen – Allg. Reihe – Schugk – Interkulturelle Kommunikation in der Wirtschaft (2. Aufl.) – Herst.: Frau Deuringer Status: Imprimatur Datum: 25.08.2014 Seite 125 124 5 Interkulturelle Erscheinungsformen der interpersonalen Kommunikation und im Englischen, das die Bedienung mit deutlichem Akzent spricht. Während im Englischen die Betonung in einer höflichen Nachfrage nach oben zu gehen hat, spricht die pakistanische Frau, nicht zuletzt wegen mangelnder Sprachkenntnisse nicht in Frageform formuliert, die Frage gemäß der sprachlichen Konvention ihrer Muttersprache mit einer nach unten gehenden Betonung, doch gleichfalls, zumindest aus ihrer Sicht, höflich aus. Die englischen Restaurantgäste hingegen empfinden dies wie eine Art unhöfliche Aufforderung, noch Soße nehmen zu können oder gar zu müssen238. Ein anderes Beispiel für die Bedeutung von Feinheiten in der Intonation zeigt sich an der Gegebenheit, dass in europäischen Sprachen ein Aussagesatz mit einer fallenden Intonation artikuliert wird. In einigen südindischen Sprachen hingegen wird diese Art der Intonation bei der Formulierung von Fragesätzen herangezogen239, Irritationen sind somit vorprogrammiert. 5.2.2.2 Betonung In der Kommunikation können ausgewählte Abschnitte bzw. Phrasen vom Kommunikator als besonders wichtig eingestuft werden. In europäischen Sprachen werden solche Abschnitte durch eine kontrastive, hervorhebende Betonung gekennzeichnet. In (einigen) Sprachen des südasiatischen Kulturraumes hingegen werden erneut aufgegriffene, bereits von einer anderen Person geäußerte Argumente, die lediglich einleitend wiederholt werden, besonders betont und auch lauter gesprochen als der nachfolgend hinzugefügte Äußerungsteil, in dem der Kommunikator seine eigenen, weiterführenden Ansichten und Meinungen kundgibt. 5.2.2.3 Lautstärke Auch das paralinguistische Phänomen der Lautstärke des gesprochenen Wortes findet unterschiedliche Verwendung. So sprechen Araber im Allgemeinen mit großer Lautstärke, was für sie als Zeichen persönlicher Stärke sowie Ehrlichkeit angesehen wird. Ebenfalls wird die Lautstärke in einigen arabischen und afrikanischen Kulturen gemeinhin als ein Instrument eingesetzt, welches den Rollenwechsel von Kommunikator und Rezipient regelt. Eine Konkurrenz zwischen mehreren Personen um die Rolle des alleinigen Kommunikators wird also über das Instrument der Lautstärke beim Spracheinsatz ausgetragen240. Auch gilt die Zunahme der Lautstärke, neben der Zunahme der Tonhöhe, in arabischen Kulturen als sicheres Indiz für gesteigertes Interesse am Verhandlungsgegenstand bzw. größeres emotionales Engagement241. In Europa hingegen entspricht dieses im arabischen und afrikanischen Kulturraum durchaus gesellschaftlich anerkannte und akzeptierte Instrument nicht den existenten Handlungsweisen und Normen242. Demzufolge kann es gerade auf der Beziehungsebene zu Kommunikationsstörungen kommen, wenn die Vertreter des europäischen Kulturraumes ein solches Kommunikationsverhalten als unhöflich und womöglich gegen die eigene Person gerichtet auffassen. Somit gestalten sich die gemeinhin akzeptierten Regeln zur Gestaltung des Rollenwechsels vom Rezipienten zum Kommunikator, die letztlich das Ablaufschema von Gesprächen festlegen, kulturspezifisch. Empfinden arabische und afrikanische Kulturen Europäer als vergleichsweise leise, so zeigt sich die Relativität derartiger Auffassungen darin, dass Asiaten die Europäer, besonders beispielsweise Spanier, wiederum im Allgemeinen als ver- Vahlen – Allg. Reihe – Schugk – Interkulturelle Kommunikation in der Wirtschaft (2. Aufl.) – Herst.: Frau Deuringer Status: Imprimatur Datum: 25.08.2014 Seite 124 Vahlen – Allg. Reihe – Schugk – Interkulturelle Kommunikation in der Wirtschaft (2. Aufl.) – Herst.: Frau Deuringer Status: Imprimatur Datum: 25.08.2014 Seite 125 1255.2 Nonverbale Kommunikation gleichsweise laut empfinden. In ihren Augen ist dieses Verhalten ungebührlich und geradezu unhöflich. In Asien ist es vielmehr üblich, insbesondere wichtige Themen mit leiser Stimme zu artikulieren243. Auf den Philippinen beispielsweise wird leise gesprochen aus der Überzeugung heraus, dass dies ein Zeichen für gute Erziehung und Bildung ist. In Thailand wird mit sanfter Stimme gesprochen, da eine Anhebung der Lautstärke als Zeichen von Zorn und Ärger angesehen wird. In Japan schließlich wird die Anhebung der Lautstärke mit einem unerwünschten Mangel an Selbstkontrolle gleichgesetzt244. 5.2.2.4 Pausengestaltung Während in Kulturen des Vorderen Orients die verbale Kommunikation geradezu durch ein Fehlen von Pausen charakterisiert ist, sind in einigen Indianerkulturen des amerikanischen Nordwestens sehr lange, mitunter mehrere Minuten andauernde Redepausen innerhalb eines Redebeitrags durchaus üblich. Aber auch innerhalb Europas bestehen bereits deutliche Unterschiede bezüglich der Pausengestaltung. So machen Finnen der Auffassung westeuropäischer Kulturkreise nach übermäßig lange Pausen245. Die Eigenart der Finnen, relativ langsam und mit langen Pausen zu sprechen, trug ihnen das Image ein, vergleichsweise einfach und schwerfällig zu denken und zu handeln246. Zudem bestehen Berichte, nach denen die relativ langen Redepausen der Finnen von deutschen Handelspartnern als Signal interpretiert werden, dass der finnische Kommunikationspartner mit seinem Gesprächsbeitrag am Ende ist. Wenn die Deutschen aufgrund dieser Interpretation nun mit einem eigenen Gesprächsbeitrag ansetzen, so unterbrechen sie nach Auffassung der Finnen ihre Gesprächspartner, wenn auch aufgrund der Fehlinterpretation letztlich unwillentlich. Die Folge ist, dass die Finnen verärgert sind und den Kommunikationsstil der deutschen Geschäftspartner als unhöflich oder gar brüskierend empfinden. Eine unterschiedliche Handhabung der Pausengestaltung bzw. der damit verbundenen Organisation des Sprecherwechsels findet sich bereits im Vergleich zur französischen Kultur. Beobachtungen zeigen, dass der Sprecherwechsel im Französischen grundlegend anders organisiert wird als im Deutschen. Franzosen unterbrechen häufiger als Deutsche, die Frequenz der sog. „Überlappungen“, also das gleichzeitige Sprechen zweier oder mehrere Personen ist demzufolge im Französischen höher. Während im Deutschen Unterbrechungen insbesondere aus Gründen der Höflichkeit am Ende eines Satzes erfolgen, wird im Französischen oftmals bereits in der Satzmitte unterbrochen, zumal der weitere Verlauf der Äu- ßerungen leichter antizipiert werden kann. Dieses Vorhersehen ist im Deutschen zweifelsohne problematischer, da Verben als wichtiger Informationsträger erst am Satzende angeführt werden247. Die französische Satzstruktur bietet somit Voraussetzungen für eine leichtere, zumindest aber frühzeitigere Verständlichkeit. In der deutschen Sprache hingegen erfolgt die Sinnerschließung vom Ende her, wodurch die Antizipierbarkeit eindeutig erschwert wird248. Der Wunsch der Franzosen nach der Übernahme des Rederechts wird häufig bereits vorab eingeleitet durch Mimik und Gestik. Eine derartige Übernahme des Rederechts, die im Deutschen als eindeutige Erscheinungsform der Unhöflichkeit interpretiert wird, hat in Frankreich einen anderen Stellenwert. Ein Unterbrechen wird nicht interpretiert als Versuch Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen, sondern als Ausdruck des Interesses an der Vahlen – Allg. Reihe – Schugk – Interkulturelle Kommunikation in der Wirtschaft (2. Aufl.) – Herst.: Frau Deuringer Status: Imprimatur Datum: 25.08.2014 Seite 126 Vahlen – Allg. Reihe – Schugk – Interkulturelle Kommunikation in der Wirtschaft (2. Aufl.) – Herst.: Frau Deuringer Status: Imprimatur Datum: 25.08.2014 Seite 127 126 5 Interkulturelle Erscheinungsformen der interpersonalen Kommunikation Bemerkung des anderen. Darüber hinaus wird eine Konversation ohne jedwede Unterbrechungen als spannungslos und demzufolge als formal und eher kalt empfunden. Unterbrechungen werden also in Frankreich nicht grundsätzlich als Unhöflichkeit249, Profilierungsdrang, Respektlosigkeit oder gar Desinteresse interpretiert, sondern können vielmehr als ein Ausdruck von Wärme, Interessiertheit, Enthusiasmus und Brillanz verstanden werden250. Aber nicht nur in Frankreich, sondern beispielsweise auch in Spanien gilt das Unterbrechen im Allgemeinen nicht als Unhöflichkeit, sondern vielmehr als probates Mittel um Interesse an den Aussagen des Dialogpartners zu zeigen251. In engem Zusammenhang mit der Pausengestaltung ist die Anzahl verwendeter Worte bzw. die Redefreudigkeit im Allgemeinen zu sehen. In einigen Kulturen wie Finnland und Japan ist es üblich, im Allgemeinen eher wenig zu sprechen. Klopf beschreibt dies wie folgt: „The desire not to speak is the most significant aspect or feature of Japanese language life. The Japanese hate to hear someone make excuses for his or her mistakes or failures. They do not like long and complicated explanations. Consequently, the less talkative person is preferred and is more popular than the talkative one, other conditions being equal. If one has to say something normally, it is said in as few words as possible.”252 In der Wirtschaftskommunikation würden es Kulturvertreter aus Nordamerika, Deutschland, Südeuropa oder auch Arabien sehr negativ auslegen, wenn ein geschäftlicher Vorschlag mit einem Schweigen quittiert werden würde. In diesen Regionen wird das Gespräch explizit als zweiseitiger Prozess auf der verbalen Ebene angesehen, in dem ein Gesprächspartner den Gesprächsfaden aufnimmt, wenn der andere selbigen fallen lässt. Die dazwischen liegenden Pausen belaufen sich je nach Land auf einige wenige Sekunden. In den „Zuhörer-Kulturen“ Ostasiens hingegen wird ein Schweigen als Antwort durchaus akzeptiert, gemäß dem chinesischen Sprichwort „Der Wissende schweigt; der Unwissende redet“. In Japan und Finnland als einzigem europäischem Land findet diese Auffassung hohe Akzeptanz. Ein Schweigen wird in diesen Ländern nicht als gescheiterte Kommunikation interpretiert, sondern vielmehr als integraler Bestandteil der Kommunikation. „Was nicht gesagt wird, ist bedeutsam, und Pausen im Gespräch werden als entspannend, höflich und angemessen empfunden.“253 5.2.2.5 Stimme Das letzte hier zu diskutierende paralinguistische Phänomen ist die Stimme. Die Prägung der Stimme erfolgt im Wesentlichen durch die Einflussgrößen einer günstigen Ausnutzung des Resonanzraumes (Stimmvolumen), einer unverkrampften Tongebung, einer präzisen Artikulation, einer geräuschlosen Vollatmung254, aber auch durch den Ton, der eine Aussage begleitet, die Stimmhöhe sowie die Stimmfarbe und Stimmstärke255. Mit entsprechender Ausgestaltung dieser einzelnen stimmlichen Elemente können in der Tat Stimmungen aufgebaut werden, die für die Eindrucksbildung maßgeblich sind256. Von besonderer Bedeutung ist die Stimme ganz allgemein insbesondere auch, weil es einem beliebigen Kommunikator nur sehr schwer möglich ist, wenn überhaupt, seine eigenen Gefühle aus der Stimme heraus zu halten. Zudem benötigt es die Kunstfertigkeit eines Schauspielers, Vahlen – Allg. Reihe – Schugk – Interkulturelle Kommunikation in der Wirtschaft (2. Aufl.) – Herst.: Frau Deuringer Status: Imprimatur Datum: 25.08.2014 Seite 126 Vahlen – Allg. Reihe – Schugk – Interkulturelle Kommunikation in der Wirtschaft (2. Aufl.) – Herst.: Frau Deuringer Status: Imprimatur Datum: 25.08.2014 Seite 127 1275.2 Nonverbale Kommunikation um wirklich glaubwürdig ein bestimmtes Gefühl mit der Stimme zu simulieren und selbst Schauspieler bringen die überzeugende stimmliche Bezeugung eines Gefühls nur dadurch zustande, dass sie das Gefühl in sich selbst entstehen lassen, etwa in dem sie sich an ein vergangenes und vergleichbares Ereignis aus ihrem eigenen Leben erinnern. Im Übrigen ist es weniger schwierig einen vorgetäuschten Gesichtsausdruck aufzusetzen, um mit einer solchen unechten Mimik die meisten Menschen, die sich nicht eingehender mit der Identifizierung von Emotionen befasst haben, zu täuschen. Die Stimme aber vermittelt nur selten falsche emotionale Botschaften. Im Vergleich zur Mimik ist allerdings vergleichsweise wenig bekannt, wie die Stimme Emotionen signalisiert. In jedem Falle belegen Studien von Scherer, dass die stimmlichen Emotionssignale ebenso universal gültig sind wie die mimischen Emotionssignale257. Stimmsignale, also Stimmqualität, Sprechmelodie etc. übernehmen in der Kommunikation grundsätzlich mehrere Funktionen. So wird die Stimme generell als ein Indikator für persönliche Eigenschaften sowie für die psychische Verfassung des Kommunikators herangezogen. Es ist insbesondere die Stimme, die maßgeblich ist für das unmittelbare zum Ausdruck bringen von Gefühlen, etwa Freude, Schmerz oder Angst. Den Eindruck, den ein Mensch auf den Gesprächspartner bzw. Empfänger ausübt, bestimmt die Stimme maßgeblich258. So zeigen Untersuchungen eine konsistente Beziehung zwischen dem Sprechtempo von Sprechern und der vom Empfänger wahrgenommenen Kompetenz des Sprechers. Hierbei wird unter Kompetenz eine Kombination von Eigenschaften des Sprechers verstanden, die als aktiv, intelligent, ehrgeizig oder selbstsicher zu beschreiben ist und die sich auf den kommunikativen Erfolg positiv auswirkt. Es hat sich gezeigt, dass die eingeschätzte Kompetenz des Sprechers mit zunehmendem Sprechtempo steigt. Verkäufer mit ausgeprägtem Sprechtempo besitzen offensichtlich eine höhere Überzeugungskraft259. Auch im Hinblick auf die Stimme bestehen interkulturelle Unterschiede. So steht die „lockere Kaubewegung“ von US-Amerikanern in Gegensatz zur Lautbildung von Briten mit einem ihnen typischen Sprachklang, der der Körpersprache jene charakteristische englische Zurückhaltung auferlegt. Die französische Sprache mit ihren schweifenden Nasaltönen sowie der Betonung der Endsilben bewirkt einen melodischen Klang, der auf körpersprachlicher Ebene seine Entsprechung in oftmals in die „Höhe schwingenden Bewegungen“ findet260. Schwarze Amerikaner unterscheiden sich bis zum heutigen Tage beim Sprechen klanglich von weißen Amerikanern. Nicht zuletzt durch diese Unterschiedlichkeit fällt es beiden ethnischen Gruppen bis heute schwer, miteinander in Einklang zu kommen. Vorrangig können jene Schwarzen, die sich klanglich an die Sprechweise der Weißen anpassen, beispielsweise Martin Luther King oder Sammy Davies jr., durch einen zumindest partiell hergestellten Gleichklang Akzeptanz bei den Weißen erringen und Erfolge erzielen261. 5.2.3 Bedeutungsanteil kommunikativer Erscheinungsformen bei der Eindrucksbildung Die verschiedenen, vorangehend detailliert dargelegten Erscheinungsformen der Kommunikation werden generell nicht isoliert eingesetzt, sondern gelangen vielmehr in Kombination zur Anwendung. Verbale, nonverbale und paraverbale Signa- Vahlen – Allg. Reihe – Schugk – Interkulturelle Kommunikation in der Wirtschaft (2. Aufl.) – Herst.: Frau Deuringer Status: Imprimatur Datum: 25.08.2014 Seite 128 Vahlen – Allg. Reihe – Schugk – Interkulturelle Kommunikation in der Wirtschaft (2. Aufl.) – Herst.: Frau Deuringer Status: Imprimatur Datum: 25.08.2014 Seite 129 128 5 Interkulturelle Erscheinungsformen der interpersonalen Kommunikation le werden also gleichzeitig eingesetzt. Die Wirksamkeit der Gesamtheit der Signale ist abhängig davon, ob sie zueinander passen und einander ergänzen. Mehrere gesendete Signale entfalten ihre optimale kommunikative Wirkung letztlich erst dann, wenn die einzelnen Signale zueinander passen, also zueinander kongruent sind und beim Empfänger widerspruchsfrei ankommen262. Dennoch ist die grundsätzliche Bedeutung der verschiedenen Erscheinungsformen der Kommunikation sehr unterschiedlich. In der Literatur immer wieder angeführt werden die Untersuchungen des amerikanischen Mediziners Mehrabian, der zu dem Ergebnis kommt, dass in der interpersonalen Kommunikation im Allgemeinen 93 % aller gesendeten Bedeutungsinhalte durch nonverbale Schlüsselreize zum Ausdruck gebracht werden. Dabei zeigt die Studie von Mehrabian, dass die Wirkung von Kommunikation aufseiten des Empfängers zu 38 % von paralinguistischen Erscheinungsformen und zu 55 % von der körperlichen Kommunikation bestimmt wird263. Kopper weist darauf hin, dass im interkulturellen Kontext der Anteil der nonverbalen Kommunikation an der Eindrucksbildung sogar noch höher sein kann, etwa in der Kommunikation mit Vertretern von sog. „high-gaze cultures“ im arabischen oder lateinamerikanischen Raum264. Lediglich 7 % der Wirkung von Kommunikation ist demzufolge durch die verbale Kommunikation bedingt265. Andere Wissenschaftler kommen zu durchaus vergleichbaren Ergebnissen. Birdwhistell und Lessmöllmann etwa haben ermittelt, dass immerhin 65 % bzw. 70 % der zwischenmenschlichen Kommunikation nonverbal ausgerichtet ist266. Diesen Ergebnissen entsprechend besteht in Wissenschaft und Forschung ein Grundkonsens dahingehend, dass die Bedeutung der nonverbalen Kommunikationsanteile außerordentlich hoch ist267. Diese Bedeutung gewinnt noch an Brisanz durch die Tatsache, dass die nonverbale Kommunikation, im Gegensatz zur verbalen Kommunikation, in sehr hohem Maße unbewusst abläuft, mithin sich also einer direkten Kontrolle oftmals geradezu entzieht268. Zudem wird gerade die nonverbale Kommunikation häufig nicht als kulturspezifisch geprägt erkannt und entsprechend der Vorstellungen der eigenen Kultur interpretiert, wodurch interkulturelle Kommunikationsstörungen quasi vorprogrammiert sind. Im Falle der verbalen Kommunikation ist dies im Falle eines nicht gegebenen Beherrschens der entsprechenden Fremdsprache eigentlich ausgeschlossen, da das Nichtverstehen offensichtlich ist. Abbildung 5‑10: Anteilige Bedeutung unterschiedlicher Kommunikationsformen an der Eindrucksbildung nach Mehrabian (Quelle: Rentzsch (1999 a), S. 44) 55 % Körpersprache (Blick, Mimik, Gestik, Haltung, Bewegung ...) 7 % gesprochenes Wort 38 % Stimme / Tonfall Vahlen – Allg. Reihe – Schugk – Interkulturelle Kommunikation in der Wirtschaft (2. Aufl.) – Herst.: Frau Deuringer Status: Imprimatur Datum: 25.08.2014 Seite 128 Vahlen – Allg. Reihe – Schugk – Interkulturelle Kommunikation in der Wirtschaft (2. Aufl.) – Herst.: Frau Deuringer Status: Imprimatur Datum: 25.08.2014 Seite 129 1295.2 Nonverbale Kommunikation Die Ergebnisse von Mehrabian sind auf Kommunikationssituationen zwischen Verkäufer und Kunde durchaus übertragbar. Deutlich mehr als die Hälfte aller Eindrücke, die der Verkäufer beim Käufer hinterlässt, sind dem Bereich der körperlichen Kommunikation und mehr als ein Drittel dem Bereich der Paralinguistik zuzuordnen. Geradezu frappierend erscheint es, dass nur 7 % der Eindrücke, die der Verkäufer beim Kunden hinterlässt, dem Bereich der verbalen Kommunikation zuzuordnen sind269. 5.2.4 Universale vs. kulturspezifische Ausprägung der nonverbalen Kommunikation Von besonderem Interesse ist die Frage, ob die nonverbale Kommunikation tatsächlich kulturgeprägt unterschiedlich ist, also letztlich quasi so unterschiedlich ist wie die in der verbalen Kommunikation eingesetzten Sprachen oder ob es sich nicht vielmehr doch so verhält, dass sie universal und somit für die Menschheit auf der Erde überall gleich geprägt ist. Bei der Beantwortung dieser Frage ist es zunächst einmal bedeutsam, sich zu vergegenwärtigen, dass es letztlich Emotionen sind, die dazu führen, dass Menschen bestimmte (nonverbale) Signale senden, die wiederum den vorausgehend bereits dargelegten nonverbalen kommunikativen Ausdrucksformen zugeordnet werden können. Jede Emotion sendet dabei ihre jeweils ganz eigenen Signale. Am stärksten machen sich die Emotionen eines Menschen dabei über die Stimme sowie die Gesichtszüge, also die Mimik bemerkbar, wobei einschränkend anzumerken ist, dass der Forschungsstand in Bezug auf die stimmlichen Signale noch relativ wenig weit fortgeschritten ist, sehr wohl hingegen aber in Bezug auf die Mimik270, was auch ein Verdienst des renommierten US-amerikanischen Psychologen Paul Ekman ist, der durch seine ethnologischen Studien zur Universalität emotionaler Gesichtsausdrücke bekannt geworden ist. Nebenbei bemerkt ist Ekman insbesondere auch durch die Entwicklung seines Facial Action Coding System (FACS) bekannt geworden, einer umfangreichen Sammlung von Texten und Fotografien zu Muskeln, Kombinationen von Muskeln und den daraus resultierenden Gesichtsausdrücken. Zwar soll FACS an dieser Stelle nicht weiter von Belang sein, doch sei darauf hingewiesen, dass sich mit Hilfe von FACS letztlich Gesichtsbewegungen messen und durch die Identifizierung von Gesichtsregungen etwa Lügen einer Person erkennen lassen. Das Verfahren wird in den USA bei der Terrorismus- und Kriminalermittlung eingesetzt, wobei sog. Mikroausdrücke („micro expression“) eine zentrale Rolle spielen. Mikroausdrücke sind extrem rasche Gesichtsbewegungen, die weniger als eine fünftel Sekunde lang dauern und in höchstem Maße ein wichtiges Indiz dafür sind, ob der Betreffende die Wahrheit spricht oder nicht271. Wendet man sich zunächst einmal der Theorie von Charles Darwin zu, so ist es interessant zu erfahren, dass Darwin davon ausgegangen ist, dass Mimik und Gestik vom Menschen nicht sozial erlernt werden und demzufolge auch nicht von Kultur zu Kultur unterschiedlich sein können272, sondern vielmehr angeboren sind. Auf diese Einschätzung von Darwin wird später noch Bezug zu nehmen sein. Im Rahmen seiner ethnologischen Studien hat sich Ekman darauf konzentriert, den Niederschlag von Basisemotionen im Gesichtsausdruck, also in der Mimik zu messen und zu lesen. Bei seinen Untersuchungen hat er sich dabei ausschließlich auf diejenigen Basisemotionen konzentriert, die universal sind und somit Vahlen – Allg. Reihe – Schugk – Interkulturelle Kommunikation in der Wirtschaft (2. Aufl.) – Herst.: Frau Deuringer Status: Imprimatur Datum: 25.08.2014 Seite 130 Vahlen – Allg. Reihe – Schugk – Interkulturelle Kommunikation in der Wirtschaft (2. Aufl.) – Herst.: Frau Deuringer Status: Imprimatur Datum: 25.08.2014 Seite 131 130 5 Interkulturelle Erscheinungsformen der interpersonalen Kommunikation von allen Menschen weltweit empfunden werden. Letztendlich kommt Ekman zu dem Ergebnis, dass diese Basisemotionen einen eindeutigen und universalen, also gleichen mimischen Ausdruck finden. Somit wird bereits vorweggenommen, dass Ekman zumindest in Bezug auf die von ihm identifizierten universalen Basisemotionen Trauer, Verzweiflung und Sorge, Ärger und Zorn, Überraschung und Angst, Ekel und Verachtung sowie verschiedenartige positive Emotionen wie z. B. Freude in der Tat von einer Universalität, also letztendlich nicht zu erlernenden Einheitlichkeit der Mimik ausgeht273. Diese Aussage scheint zunächst einmal der bereits weiter vorne getätigten Aussage von der Existenz einer kulturspezifisch geprägten nonverbalen Kommunikation zu widersprechen. Jedoch soll dieser zunächst einmal empfundene Widerspruch im Folgenden seine Aufklärung finden. Ursprünglich hat Ekman seine Untersuchungen zur Mimik zunächst einmal in der Annahme begonnen, dass Mimik wie im Übrigen auch Gestik sozial erlernt werden und somit von Kultur zu Kultur verschieden sind. Mit dieser Annahme stand er zu jener Zeit in Übereinklang mit zahlreichen anderen führenden Wissenschaftlern, aber in Widerspruch zum von Darwin angenommenen angeborenen und somit universalen mimischen Ausdruck des Menschen. Was Ekman zu jener Zeit beschäftigt hat war die Frage, ob Mimik universal ist oder ob sie, genau wie die Sprache, kulturspezifisch, also für jede Kultur einzigartig und unverwechselbar ist274 und in einer jeden Kultur letztendlich erst erlernt werden muss. In einer ersten Untersuchung zeigte Ekman Probanden aus den fünf Ländern Chile, Argentinien, Brasilien, Japan und den USA Fotografien zur Beurteilung, welches Gefühl jeder einzelne Gesichtsausdruck repräsentiert. Über alle fünf Kulturkreise hinweg war sich die Mehrheit der Probanden in ihrem Urteil einig, was für Ekman die Vermutung nahelegte, dass die Mimik tatsächlich universal sein könnte. Dieses auch für ihn eher überraschende erste Ergebnis ließ ihn indes noch zweifeln, brachten doch zahlreiche Berichte von Reisenden und anderen führenden Wissenschaftlern zum Ausdruck, dass ein- und derselbe Gesichtsausdruck ganz unterschiedliche Bedeutung hat, was am Beispiel der Japaner deutlich wird, die auch dann (noch) lächeln, wenn sie unglücklich sind275, wie beispielsweise Interviews von in mitunter dramatischer Weise betroffenen Japanern nach der Erdbeben- und Tsunamikatastrophe im Jahre 2011 deutlich gemacht haben. Letztendlich hat Ekman die Auffassung von einer universalen Mimik aber beibehalten und unterschiedliche Bedeutungen ein- und desselben Gesichtsausdrucks in Abhängigkeit von der Kultur mit von ihm eingeführten sog. „Darbietungsregeln“ („display rules“) zu erklären versucht. Diese Darbietungsregeln sind seiner Auffassung nach zu verstehen als „sozial erlernte, bei verschiedenen Kulturen unterschiedlich definierte Regeln für die Zurschaustellung von Gesichtsausdrücken, also darüber, wer wem zu welchem Zeitpunkt welche Emotionen offen zeigen darf. Solche Regeln finden ihren Niederschlag beispielsweise in der elterlichen Mahnung: „Hör auf zu grinsen, wenn ich mit dir rede.“ Diese Regeln diktieren uns womöglich, wann wir die dem Gefühl, das uns gerade befällt, entsprechende Mimik zu mäßigen, zu verstärken, ganz und gar zu verbergen oder zu überspielen haben.“276 Eine Überprüfung der Annahme von der Existenz solcher Darbietungsregeln hat Ekman nachfolgend in einer Versuchsreihe mit japanischen und amerikanischen Vahlen – Allg. Reihe – Schugk – Interkulturelle Kommunikation in der Wirtschaft (2. Aufl.) – Herst.: Frau Deuringer Status: Imprimatur Datum: 25.08.2014 Seite 130 Vahlen – Allg. Reihe – Schugk – Interkulturelle Kommunikation in der Wirtschaft (2. Aufl.) – Herst.: Frau Deuringer Status: Imprimatur Datum: 25.08.2014 Seite 131 1315.2 Nonverbale Kommunikation Probanden durchgeführt. Allen Probanden wurden dabei Filme über chirurgische Eingriffe und Unfälle vorgeführt. In einer ersten Situation, in der sich die Probanden diese Filme alleine ansahen spiegelten die Gesichtszüge beider Kulturgruppen ziemlich genau dieselben mimischen Regungen wieder. In einer zweiten Situation hingegen war ein Wissenschaftler gemeinsam mit den Probanden im Raum, was dazu führte, dass die japanischen Probanden ihre negativen Empfindungen sehr viel häufiger mit einem Lächeln überspielten als die amerikanischen Probanden. Dies ließ Ekman zu dem Schluss kommen, dass die japanischen Probanden in privaten Situationen ihren negativen Emotionen mit der ihnen angeborenen Mimik weitgehend freien Ausdruck verleihen, wohingegen in der Öffentlichkeit entsprechend der in Japan bestehenden Darbietungsregeln eine „kulturell manipulierte“ Mimik zum Einsatz kommt277, da es sich dort (zumindest in der Öffentlichkeit) nicht geziemt negativen Emotionen Ausdruck zu verleihen. Für die tatsächliche Existent solcher Darbietungsregeln spricht auch das Ergebnis eines Experiments von Matsumoto im Rahmen der Olympischen Spiele von Athen im Jahre 2004. Dabei wurden mittels einer hochauflösenden Kamera Aufnahmen von insgesamt 85 Judo-Athleten aus 35 Ländern gemacht und zwar sowohl unmittelbar vor als auch nach der Urteilsverkündung eines Kampfes. Das interessante Ergebnis war, dass alle Athleten in den Sekundenbruchteilen unmittelbar nach der Urteilsverkündung ähnliche spontane Emotionen durch ihren Gesichtsausdruck zeigten, natürlich immer unterschiedlich in Abhängigkeit von Sieg oder Niederlage. Mit sehr geringer Zeitversetzung setzte dann aber eine Kontrolle der gezeigten Emotionen insbesondere bei den Sportlern aus Kulturen mit hoher Ausprägung entlang der Kulturdimensionen Kollektivismus und Machtdistanz278 ein. Jene Athleten aus Kulturen mit hoher Ausprägung entlang der Kulturdimension Individualismus bzw. mit geringer Ausprägung der Kulturdimension Machtdistanz hielten hingegen weiterhin ihre expressiveren Gesichtsausdrücke aufrecht. Diese Ergebnisse lassen am Beispiel der Emotionen Freude und Ärger deutlich auf die Annahme schließen, dass Emotionen gleich empfunden werden können und zumindest zunächst einmal auch gleich ausgedrückt werden wollen, letztlich aber infolge kulturspezifisch existierender Darbietungsregeln unterbunden oder eben aufrechterhalten werden können. In einer weiteren Untersuchung hat Matsumoto herausgefunden, dass Mitglieder von Kulturen mit besonders hoher Ausprägung entlang der Kulturdimensionen Kollektivismus und Machtdistanz ihr nach außen gezeigtes emotionales Verhalten personenabhängig stärker differenzieren als Mitglieder aus Kulturen mit hoher Ausprägung entlang der Kulturdimension Individualismus bzw. geringer Ausprägung entlang der Kulturdimension Machtdistanz. Dies erscheint grundsätzlich plausibel, kann das authentische Zeigen der eigenen Emotionen in einem kulturellen Umfeld mit hohem Kollektivismus und hoher Machtdistanz doch mit vergleichsweise weit reichenden negativen Konsequenzen verbunden sein279. In Bezug auf die Darbietungsregeln unterscheidet Ekman grundsätzlich folgende Formen: 1. Herunterspielen emotionaler Zustände (beispielsweise Vorzeigen einer gelassenen Miene trotz eigentlich großer Furcht); 2. Intensivierung der Emotion; 3. Zeigen eines möglichst neutralen und somit emotionslosen Verhaltens; 4. Vortäuschen von de facto gar nicht gefühlten Emotionen280; Vahlen – Allg. Reihe – Schugk – Interkulturelle Kommunikation in der Wirtschaft (2. Aufl.) – Herst.: Frau Deuringer Status: Imprimatur Datum: 25.08.2014 Seite 132 Vahlen – Allg. Reihe – Schugk – Interkulturelle Kommunikation in der Wirtschaft (2. Aufl.) – Herst.: Frau Deuringer Status: Imprimatur Datum: 25.08.2014 Seite 133 132 5 Interkulturelle Erscheinungsformen der interpersonalen Kommunikation Gleichwohl hat Ekman gerade in Bezug auf seine erste Untersuchung, bei der die Probanden den mimischen Gesichtsausdruck von Vertretern ihnen fremder Kulturen zu interpretieren hatten, die dabei entgegenzubringende Kritik sogleich selbst antizipiert. Insbesondere hätte ihm vorgeworfen werden können, so hat er gemutmaßt, dass die Probanden die Bedeutung einer ihnen kulturfremden Mimik lediglich erlernt haben könnten, etwa eine westlich geprägte Mimik anhand von Massenmedien wie Fernsehen oder Kino und sich nur deshalb Menschen unterschiedlicher Kulturen bei der Betrachtung etwa der Fotografien von Weißen über deren jeweilige Gefühlslage so einig gewesen sind. Daher beschloss Ekman eine weitere Untersuchung durchzuführen und zwar anhand einer isolierten Kultur, die bis dahin keinen wesentlichen Zugang zu Massenmedien oder Kulturfremden gehabt hatte. Eine derartige „Steinzeitkultur“ für weitere Untersuchungen fand Ekman durch ihm zur Verfügung gestelltes Filmmaterial in einer Länge von 30 Kilometern über das tägliche Leben von Völkern im Hochland von Neuguinea. Nach sechsmonatiger Analyse des Filmmaterials fanden sich für ihn zwei sehr überzeugende Hinweise auf die Universalität der Mimik als Ausdruck von Emotionen. Der erste Hinweis bezieht sich dabei auf die Tatsache, dass er keinen nicht vertrauten Gesichtsausdruck sichten konnte. Gerade aber, wenn der Gesichtsausdruck zu einem Gefühl (kulturspezifisch) erlernt werden würde, so hätte sich bei den berücksichtigten isolierten Hochlandvölkern seiner Einschätzung nach die eine oder andere neue Mimik bzw. ein neuer Gesichtsausdruck finden müssen, der von ihm noch nie gesehen worden war. Allerdings wäre es natürlich immer noch möglich gewesen, dass die vertrauten Gesichtsausdrücke in Neuguinea ganz andere Emotionen repräsentierten als in den USA, der Heimatkultur von Ekman. Doch in den Fällen in denen das Filmmaterial zeigte, was sich vor oder nach dem Sichtbarwerden eines bestimmten Gesichtsausdruckes abgespielt hatte bestätigten diese Kontexte seine Interpretationen. Sodann hat Ekman sogar noch eine Überprüfung der mit den Gesichtsausdrücken einhergehenden Emotionen durch den Emotions- und Mimikexperten Silvan Tomkins vornehmen lassen, dem man diese Gesichtsausdrücke ohne den zuvor herausgeschnittenen sozialen Kontext vorspielte und von diesem Experten dennoch ausschließlich zutreffende Interpretationen als Ergebnis erzielt hat. Tomkins selbst gab an, die jeweils richtige Emotion den einzelnen Gesichtsausdrücken auf Basis einer detaillierten Analyse der Muskelbewegungen im Gesicht entnommen zu haben281. Nebenbei bemerkt ist dieses Analysevorgehen auch zentraler Bestandteil im von Ekman entwickelten und bereits angesprochenen FACS. Nach weiteren Studien in Neuguinea kehrte Ekman im Jahre 1968 dorthin zurück. Infolge des bei dem untersuchten Volk herrschenden Analphabetentums hatte er unterschiedliche, einfach gehaltene Geschichten konzipiert, zu denen er jeweils eine Reihe von drei Fotoaufnahmen mit unterschiedlichen Gesichtsausdrücken vorzeigte, um die Probanden jeweils das Foto von der jeweiligen Bildfolge identifizieren zu lassen, das vom emotionalen Ausdruck her mit der jeweiligen Geschichte zusammenpasste. Innerhalb weniger Wochen wurden mehr als 300 Personen befragt, was fast drei Prozent des gesamten Volkes ausmachte. Für die universalen Emotionen Freude, Ärger, Ekel und Trauer waren die Ergebnisse durchaus zutreffend und eindeutig, Furcht und Überraschung hingegen wurden häufiger verwechselt, was gemäß der Vermutung von Ekman sowohl in den konzipierten Geschichten als auch der oftmals engen Verknüpfung dieser beiden Emotionen Vahlen – Allg. Reihe – Schugk – Interkulturelle Kommunikation in der Wirtschaft (2. Aufl.) – Herst.: Frau Deuringer Status: Imprimatur Datum: 25.08.2014 Seite 132 Vahlen – Allg. Reihe – Schugk – Interkulturelle Kommunikation in der Wirtschaft (2. Aufl.) – Herst.: Frau Deuringer Status: Imprimatur Datum: 25.08.2014 Seite 133 1335.2 Nonverbale Kommunikation begründet sein könnte282. Später wurden diese Ergebnisse von Ekman in einer anderen Studie des Anthropologen Heider in Neuguinea bestätigt. Dabei überließ Ekman seinem Wissenschaftskollegen Heider die gesamten Forschungsunterlagen sowie die Beschreibung seiner Versuchsanordnung. Letztlich stimmten die Ergebnisse von Heider haargenau mit den Erkenntnissen von Ekman überein, sogar in Bezug auf die Schwierigkeit bei der Unterscheidung der beiden Emotionen Angst und Überraschung283. Letztendlich hat sich für Ekman bestätigt, dass Gesichtsausdrücke Universalien sind, was eigentlich auch wenig überraschend ist, handelt es sich doch bei Gesichtsausdrücken bzw. Mimik letztendlich um ein Produkt der Evolution des Menschen. Die „natürliche“ Mimik, so wie sie sich in privaten Situationen zeigen kann, besitzt für ein sozial ausgerichtetes Wesen wie den Menschen offenkundig einen unschätzbaren evolutionsbiologischen Vorteil. Der zentrale Selektionsvorteil von Emotionen bzw. eines differenzierten emotionalen Ausdrucksverhaltens, etwa durch entsprechende Mimik, erleichtert die soziale Kommunikation und somit auch die sozialen Bindungen, was als Selektionsvorteil für eine in Gruppen lebende Spezies zu sehen ist284. Zudem wird die Auffassung von Gesichtsausdrücken als Universalien durch eine ganze Reihe von Untersuchungen in Bezug auf spontane Gesichtsregungen an von Geburt an blinden Menschen untermauert. Diese Untersuchungen kommen zu dem Ergebnis, dass diese blind geborenen Menschen ein ähnliches Ausdrucksverhalten an den Tag legen wie sehend geborene Menschen, was für Ekman die Annahme von Gesichtsausdrücken als Universalien bestätigt und was ja bereits von Darwin angenommen worden war285. Noch stärker als die vorausgehend umfassend angesprochene Mimik werden Emotionen über die Stimme signalisiert. Gemäß Scherer, dem führenden Wissenschaftler zum Thema Stimme und Emotion, sind die stimmlichen Emotionssignale ebenso universal wie die mimischen. Neben Mimik und Stimme vermutet Ekman auch für Körperbewegungen eine universale und somit angeborene Ausrichtung, die nicht erlernt werden muss, auch wenn der Forschungsstand bzgl. Körperbewegungen zum gegenwärtigen Zeitpunkt vergleichsweise begrenzt ist. Die universale Ausrichtung von Körperbewegungen kann etwa anhand der Emotion Angst veranschaulicht werden, die ein Erstarren oder Fliehen überaus erwartbar macht. Im Falle der Emotion Ekel hingegen erscheint ein sich Abwenden logisch. Im Falle der Traurigkeit wiederum ist ein Absinken des Gesamtmuskeltonus zu erwarten, wobei der Betroffene in sich zusammensinkt. Bei Verachtung hingegen wird auf das entsprechende Objekt oder Subjekt herabgesehen. Bei Überraschung und Verwunderung richtet sich die Aufmerksamkeit fest auf das Objekt und bei Erleichterung kommt es zu einer entspannten Körperhaltung. Bei angenehmen taktilen Reizen führt das angenehme Berührungsverhalten dazu, dass die entsprechende Person sich der Reizquelle nähert. Bei anderen genussvollen Sinnesempfindungen schließlich findet eine eher innerliche Orientierung statt und außer einer Veränderung der Blickrichtung kann oftmals keinerlei Körperbewegung beobachtet werden286. Die Theorie zur nonverbalen Kommunikation von Ekman zusammenfassend kann festgehalten werden, dass er die vorangehend angesprochenen nonverbalen kommunikativen Ausdrucksformen von Mimik, Stimme und Körperbewegungen als Universalien einstuft, die grundsätzlich weltweit gleich ablaufen und die somit auch nicht erlernt werden müssen. Besonders bedeutsam erscheinen die für den Vahlen – Allg. Reihe – Schugk – Interkulturelle Kommunikation in der Wirtschaft (2. Aufl.) – Herst.: Frau Deuringer Status: Imprimatur Datum: 25.08.2014 Seite 134 Vahlen – Allg. Reihe – Schugk – Interkulturelle Kommunikation in der Wirtschaft (2. Aufl.) – Herst.: Frau Deuringer Status: Imprimatur Datum: 25.08.2014 Seite 135 134 5 Interkulturelle Erscheinungsformen der interpersonalen Kommunikation Bereich der Mimik von ihm eingeführten Darbietungsregeln, die kulturspezifisch regeln, welches Verhalten – in Abgrenzung zum Bereich der Privatheit – in der Öffentlichkeit als angemessen und akzeptabel anzusehen und somit auch zu zeigen ist. Ekman geht also gerade für die Mimik von einer Art Zwei-Schichten-Modell aus, bei dem die Basisemotionen durch kulturelle Konventionen in Form der Darbietungsregeln überformt und verdeckt, nicht aber wesentlich verändert werden. Vielmehr schimmern die Basisemotionen „„unter der Kultur“ immer wieder durch und sind mittels entsprechender Beobachtungstechniken aufdeckbar.“287 Ganz anders zeigt sich in der Einschätzung von Ekman hingegen die Situation in Bezug auf symbolische Gesten. So geht er für Gesten in der Tat von einer kulturspezifischen Prägung aus. Somit sind also ein Kopfnicken zur Bejahung bzw. ein Kopfschütteln zur Verneinung genauso wie auch Gesten, etwa die amerikanische OK-Gestik, in ihrem Wesen in der Tat kulturspezifisch vorgegeben bzw. geprägt und müssen somit – anders als bei den Universalien – auch erlernt werden288. Die Erkenntnisse von Ekman sind nicht ohne Kritik geblieben. So kritisiert etwa Röttger-Rössler insbesondere auf seine Erkenntnisse zur Mimik, dass seine Studien „nichts anderes erbracht (haben, Anm. des Verf.), als dass es ein überkulturelles Element in emotionalen Gesichtsausdrücken gibt, das aus einer Verbindung der Bewegung bestimmter Gesichtsmuskeln mit bestimmten Emotionen besteht“. Über diese Erkenntnis hinausgehend ist es aber für Röttger-Rössler von besonderer Wichtigkeit, einige sich aufdrängende Fragen nicht außer Acht zu lassen. So erscheint es ihr wenig plausibel, dass als Basisemotionen nur solche angesehen werden, die mit einem spezifischen Gesichtsausdruck einhergehen. Vielmehr sind für sie Emotionen denkbar, etwa Zuneigung und Liebe, die keineswegs mit einem typischen Gesichtsausdruck korrespondieren, für deren Existenz es aber dennoch in allen Kulturen Nachweise gibt und die entsprechend der Konzeption von Ekman somit als basal einzustufen sind. Die entscheidende Begrenzung des Ansatzes von Ekman aber ist für Röttger-Rössler darin zu sehen, dass nur eine Dimension von Emotionen in Betracht gezogen und somit der Multidimensionalität von emotionalen Phänomenen nicht Rechnung getragen wird. So sind mimische (wie auch andere) Ausdrucksformen von Emotionen lediglich Teilaspekte emotionalen Verhaltens. Die Auslöser von Emotionen in Form eines Zusammenspiels von kulturellen, biologischen, sozialen und individuellen Faktoren, welches Emotionen formt werden aber nicht mitbetrachtet289. Emotionen werden von Röttger-Rössler als ein relationaler Prozess aufgefasst, „in dem kulturelle, soziale, individuelle und biologische Faktoren auf gleichberechtigte Weise interagieren. Die Emotion, die ein Mensch in einer bestimmten Situation fühlt, basiert auf einer Vielzahl von Faktoren: zum einen auf dem jeweiligen sozialen Kontext und den entsprechenden kulturellen Interpretations- und Verhaltensmodellen, zum anderen auf der spezifischen Psyche und Biografie des Einzelnen sowie den jeweiligen physiologischen Reaktionen und ihrer subjektiven Wahrnehmung.“290 Die Frage nach den Ursachen für die Entstehung menschlicher Emotionen soll an dieser Stelle nicht näher vertieft werden. Es sei jedoch darauf hingewiesen, dass auch Röttger-Rössler auf die von Ekman eingeführten sog. Darbietungsregeln verweist. So unterliegt auch ihrer Auffassung nach die Äußerung von Emotionen diesen kulturellen Darbietungsregeln291. Vahlen – Allg. Reihe – Schugk – Interkulturelle Kommunikation in der Wirtschaft (2. Aufl.) – Herst.: Frau Deuringer Status: Imprimatur Datum: 25.08.2014 Seite 134 Vahlen – Allg. Reihe – Schugk – Interkulturelle Kommunikation in der Wirtschaft (2. Aufl.) – Herst.: Frau Deuringer Status: Imprimatur Datum: 25.08.2014 Seite 135 135Anmerkungen Anmerkungen 1 Kroeber-Riel; Weinberg; Gröppel-Klein (2009), S. 533 f. 2 zitiert nach Wahren (1987), S. 35 3 Schneider; Rechtien (1991), S. 137 4 Bolten (1999), S. 27 5 Maletzke (1996), S. 76 6 Häusel (2011), S. 27 7 House (1996), S. 1 ff. 8 Gudykunst; Ting-Toomey (2003), S. 117 9 Maletzke (1996), S. 76 10 Dülfer; Jöstingmeier (2008), S. 299 11 Spitzer (2003), S. 73 12 Spitzer (2003), S. 73 13 Dülfer; Jöstingmeier (2008), S. 299 14 Spitzer (2003), S. 73 15 Spitzer (2003), S. 97 16 Maletzke (1996), S. 73 17 Maletzke (1996), S. 74 18 Kroeber-Riel; Weinberg; Gröppel-Klein (2009), S. 579 19 Maletzke (1996), S. 74 20 Lustig; Koester (2010), S. 179 21 Blom; Meier (2004), S. 81 22 Thieme (2000), S. 200 23 Springer (2012), S. 138 24 Spitzer (2003), S. 97 25 Ehrhardt (2003), S. 143 26 Springer (2012), S. 108 27 Müller-Jung (2003), S. 51 28 Lustig; Koester (2010), S. 179 ff. 29 Pinker (1994), S. 61; zitiert nach Ehrhardt (2003), S. 143 30 Spitzer (2003), S. 97 31 Chen; Starosta (2009), S. 40 ff. 32 Scollon; Wong Scollon; Jones (2012), S. 271 33 Maletzke (1996), S. 109 f. 34 Gibson (2008), S. 12 35 Scollon; Wong Scollon; Jones (2012), S. 271 ff. 36 Tiittula (1999), S. 200 f. 37 Maletzke (1996), S. 109 38 Heringer (2007), S. 198 39 Adler (2003), S. 257 40 Koop; List; Wagner (1999), S. 124 41 Maletzke (1996), S. 109 42 Bungarten (1999), S. 28 43 Bannys (2012), S. 164 44 Bolten (2007), S. 129 45 Keller (1999), S. 111 f. 46 Watzlawick; Kreuzer (2001), S. 60 f. 47 Maletzke (1996), S. 109 48 Chen; Starosta (2009), S. 42 49 Ting-Toomey (2002), S. 323 50 Moon (2002), S. 17 51 Maletzke (1996), S. 110 f. 52 Maletzke (1996), S. 121 53 Maletzke (1996), S. 120 f. 54 Chen; Starosta (2009), S. 40 55 Reuter (1999), S. 162 56 Reuter (1999), S. 162 57 Tiittula (1999), S. 197 f. 58 vgl. Kapitel 8.1 59 Tiittula (1999), S. 197 f. 60 Chen; Starosta (2009), S. 40 61 Bolten; Ehrhardt (2003), S. 165 62 Chen; Starosta (2009), S. 39 f. 63 Maletzke (1996), S. 109 64 Chen; Starosta (2009), S. 40 f. 65 Tiittula (1999), S. 197 66 Schütz; Luckmann (2003), S. 46 67 Häusel (2011), S. 110 68 Häusel (2011), S. 111 69 Schmitt (2003 b), S. 27 70 Broszinsky-Schwabe (2011), S. 113 71 Schmitt (2003 b), S. 27 72 Frankl (2012), S. 73 f. 73 Koop; List; Wagner (1999), S. 117 ff. 74 Chen; Starosta (2009), S. 40 75 Maletzke (1996), S. 158 76 Hauschild (2003), S. 21 77 Naumann (2003), S. 1 78 o.V. (2003 b), S. 5 79 Schmitt (2003 a), S. 14 80 Naumann (2003), S. 1 81 o.V. (2003 a), S. 1 82 Schönau (2003), S. 18 83 Schmid (2003), S. 3 84 Warthun (1997), S. 58 85 Lüsebrink (2012), S. 103 f. 86 Lewis (2000), S. 29 87 Thieme (2000), S. 192 88 House (1996), S. 1 89 Maletzke (1996), S. 63 90 Redding (1980) S. 131; zitiert nach Hofstede (2011), S. 362 91 Maletzke (1996), S. 63 92 Neu (2012), S. 179 93 Maletzke (1996), S. 64 94 Diekmann; Fang (2008), S. 64 f. 95 Neu (2012), S. 179 f. 96 Maletzke (1996), S. 64 97 Neu (2012), S. 179 98 Knapp (2003), S. 115 99 Thieme (2000), S. 197 100 Maletzke (1996), S. 66 101 Cole; Scribner (1974), S. 162; zitiert nach Thieme (2000), S. 196 102 Braunberger (2006), S. 44 103 Strassmann (2003), S. 65 104 Thieme (2000), S. 193 f. 105 Maletzke (1996), S. 66 f. 106 Giese (2002), S. 7 107 Broszinsky-Schwabe (2011), S. 104 f. Anmerkungen Vahlen – Allg. Reihe – Schugk – Interkulturelle Kommunikation in der Wirtschaft (2. Aufl.) – Herst.: Frau Deuringer Status: Imprimatur Datum: 25.08.2014 Seite 136 Vahlen – Allg. Reihe – Schugk – Interkulturelle Kommunikation in der Wirtschaft (2. Aufl.) – Herst.: Frau Deuringer Status: Imprimatur Datum: 25.08.2014 Seite 137 136 5 Interkulturelle Erscheinungsformen der interpersonalen Kommunikation 108 Marcotty; Solbach (2003), S. 440 109 Thieme (2000), S. 197 110 Maletzke (1996), S. 67 111 House (1996), S. 7 f. 112 vgl. Kapitel 6.2.1 113 House (1996), S. 10 ff. 114 Niehaus-Lohberg; Herrlitz (1999), S. 148 115 Niehaus-Lohberg; Herrlitz (1999), S. 144 ff. 116 Niehaus-Lohberg; Herrlitz (1999), S. 151 ff. 117 Niehaus-Lohberg; Herrlitz (1999), S. 156 f. 118 vgl. Kapitel 6.2.2 119 Levine (2011), S. 182 120 House (1996), S. 12 121 House (1996), S. 13 122 Spencer-Oatey (2000), S. 2 123 House (1996), S. 9 124 Knapp (1999), S. 17 f. 125 Frey (1984), S. 6 126 Senner (1998), S. 67 127 Schorsack (1998), S. 34 128 Helfrich; Wallbott (1980), S. 271; zitiert nach Gyr (2000), S. 44 129 Kroeber-Riel; Weinberg; Gröppel-Klein (2009), S. 536 130 Kroeber-Riel; Weinberg; Gröppel-Klein (2009), S. 555 131 Spinks; Wells (1997), S. 287 132 Schorsack (1998), S. 44 133 Maletzke (1996), S. 76 134 Schorsack (1998), S. 45 135 Molcho (2001), S. 110 136 Nieschlag; Dichtl; Hörschgen (2002), S. 1018 f. 137 Molcho (2001), S. 110 f. 138 Kroeber-Riel; Weinberg; Gröppel-Klein (2009), S. 564 139 Helmolt; Müller-Jacquier (1991), S. 20 140 Thiele (2006), S. 68 141 Schuh; Watzke (1983), S. 155 142 Molcho (1983), S. 18 143 Maletzke (1996), S. 76 144 Kim (2002 a), S. 189 145 Molcho (2001), S. 110 146 Frey (1984), S. 6 147 Durante (2002), S. 204 148 Maletzke (1996), S. 76 149 Häusel (2007), S. 100 150 Senner (1998), S. 68 151 vgl. Kapitel 7.5 152 Rentzsch (1999 a), S. 47 153 Thiele (1994), S. 49 154 Schorkopf (1993), S. 120 155 Frey (2000), S. 99 156 Frey (2000), S. 99 157 Durante (2002), S. 217 158 Kroeber-Riel; Weinberg; Gröppel-Klein (2009), S. 109 159 Kroeber-Riel; Weinberg; Gröppel-Klein (2009), S. 129 160 Ekman (2010), S. 19 161 Scollon; Wong Scollon; Jones (2012), S. 46 ff. 162 Hofstede (2011), S. 230 163 Mitchell (2000), S. 171 164 Samovar; Porter; McDaniel; Roy (2013), S. 273 165 Lee (2008), S. 86 f. 166 Maletzke (1996), S. 77 167 Kessel (2000), S. 70 168 Browaeys; Price (2011), S. 292 169 Schorkopf (1993), S. 145 170 Hess-Lüttich (1999), S. 70 f. 171 Gibson (2008), S. 28 172 Knapp (1999), S. 17 173 Gibson (2008), S. 28 174 Rentzsch (2002), S. 812 175 Samovar; Porter; McDaniel; Roy (2013), S. 255 176 vgl. Kapitel 2.2.5 177 Samovar; Porter; McDaniel; Roy (2013), S. 271 f. 178 Samovar; Porter; McDaniel; Roy (2013), S. 267 179 Broszinsky-Schwabe (2011), S. 134 180 Heringer (2007), S. 82 181 Broszinsky-Schwabe (2011), S. 122 ff. 182 Samovar; Porter; McDaniel; Roy (2013), S. 268 183 Lee (2008), S. 73 f. 184 Samovar; Porter; McDaniel; Roy (2013), S. 268 185 Samovar; Porter; McDaniel; Roy (2013), S. 269 186 Lee (2008), S. 59 187 Kroeber-Riel; Weinberg; Gröppel-Klein (2009), S. 575 188 Samovar; Porter; McDaniel; Roy (2013), S. 277 189 Broszinsky-Schwabe (2011), S. 137 190 Samovar; Porter; McDaniel; Roy (2013), S. 277 191 Fisher; Ury; Patton (2013), S. 197 192 Broszinsky-Schwabe (2011), S. 127 193 Lee (2008), S. 58 194 Lewis (2000), S. 158 195 Samovar; Porter; McDaniel; Roy (2013), S. 275 196 Chen; Starosta (2009), S. 95 197 Harrienhausen (2003), S.V 13 198 Harrienhausen (2003), S.V 13 199 Chen; Starosta (2009), S. 95 200 Yokoi; Bolten (1999), S. 186 201 Watzlawick (1995), S. 24 202 Lüsebrink (2012), S. 63 Vahlen – Allg. Reihe – Schugk – Interkulturelle Kommunikation in der Wirtschaft (2. Aufl.) – Herst.: Frau Deuringer Status: Imprimatur Datum: 25.08.2014 Seite 136 Vahlen – Allg. Reihe – Schugk – Interkulturelle Kommunikation in der Wirtschaft (2. Aufl.) – Herst.: Frau Deuringer Status: Imprimatur Datum: 25.08.2014 Seite 137 137Anmerkungen 203 Chen; Starosta (2009), S. 95 f. 204 Browaeys; Price (2011), S. 283 f. 205 Lüsebrink (2012), S. 63 f. 206 Maletzke (1996), S. 62 207 Kroeber-Riel; Weinberg; Gröppel-Klein (2009), S. 566 208 Durante (2002), S. 218 209 Molcho (2001), S. 108 210 Kroeber-Riel; Weinberg; Gröppel-Klein (2009), S. 564 211 Köllner; Bruns (2011), S. 207 212 Lustig; Koester (2010), S. 218 213 Samovar; Porter; McDaniel; Roy (2013), S. 263 214 Samovar; Porter; McDaniel; Roy (2013), S. 264 215 Mühlmann (2004), S. 1 216 Kroeber-Riel; Weinberg; Gröppel-Klein (2009), S. 575 217 Hall; Hall (2002), S. 165 218 Kroeber-Riel; Weinberg; Gröppel-Klein (2009), S. 575 219 Durante (2002), S. 220 220 Molcho (2001), S. 199 221 Kroeber-Riel; Weinberg; Gröppel-Klein (2009), S. 575 f. 222 Lee (2008), S. 121 f. 223 Molcho (2001), S. 200 224 Brüch; Thomas (2007), S. 87 225 Kroeber-Riel (1990), S. 576 f. 226 Broszinsky-Schwabe (2011), S. 168 f. 227 Mochida (2003) 228 Lee (2008), S. 63 ff. 229 Hollensen (2012), S. 163 230 Broszinsky-Schwabe (2011), S. 74 231 Seelmann-Holzmann (2004), S. 149 ff. 232 Maletzke (1996), S. 139 233 Thieme (2000), S. 224 234 vgl. Kapitel 6.2.2 235 Maletzke (1996), S. 78 236 Rentzsch (1999 a), S. 43 237 Knapp (1999), S. 16 238 Lüsebrink (2012), S. 61 f. 239 Knapp (2003), S. 116 240 Knapp (2003), S. 116 241 Jahnke (1996), S. 100 242 Knapp (2003), S. 116 243 Blom; Meier (2004), S. 86 244 Samovar; Porter; McDaniel; Roy (2013), S. 279 245 Knapp (2003), S. 116 246 Maletzke (1996), S. 79 247 Helmolt; Müller-Jacquier (1991), S. 15 248 Litters (1995), S. 52 249 Helmolt; Müller-Jacquier (1991), S. 15 250 Litters (1995), S. 68 251 Lüsebrink (2012), S. 59 252 Klopf (1991), S. 181; zitiert nach Lustig; Koester (2010), S. 236 253 Lewis (2000), S. 24 254 Balser-Eberle (2012), S. 9 f. 255 Durante (2002), S. 215 f. 256 Grodel (2002), S. 4 257 Ekman (2010), S. 84 ff. 258 Durante (2002), S. 215 f. 259 Kroeber-Riel; Weinberg; Gröppel-Klein (2009), S. 572 260 Molcho (2001), S. 126 ff. 261 Molcho (2001), S. 134 262 Bänsch (2013), S. 14 f. 263 Rentzsch (1999 a), S. 44 264 Kopper (2003), S. 367 265 Rentzsch (1999 a), S. 44 266 Chen; Starosta (2009), S. 83 f.; Jahnke (1996), S. 35 267 Lessmöllmann (2002), S. 30; Durante (2002), S. 202 268 Chen; Starosta (2009), S. 83 f.; Jahnke (1996), S. 35 269 Schuhmann (2008), S. 69 270 Ekman (2010), S.XVI 271 Ekman (2010), S. 19 f. 272 Ekman (2010), S. 3 273 Ekman (2010), S.XVII 274 Ekman (2010), S. 3 275 Ekman (2010), S. 4 f. 276 Ekman (2010), S. 5 277 Ekman (2010), S. 5 278 vgl. Kapitel 6.3.2 und 6.3.1 279 Bannys (2012), S. 169 f. 280 Röttger-Rössler (2004), S. 14 f. 281 Ekman (2010), S. 6 ff. 282 Ekman (2010), S. 12 ff. 283 Ekman (2010), S. 16 f. 284 Röttger-Rössler (2004), S. 12 285 Ekman (2010), S. 18 f. 286 Ekman (2010), S. 86 f. 287 Röttger-Rössler (2004), S. 15 288 Ekman (2010), S. 5 f. 289 Röttger-Rössler (2004), S. 18 ff. 290 Röttger-Rössler (2004), S. 100 291 Röttger-Rössler (2004), S. 100 Vahlen – Allg. Reihe – Schugk – Interkulturelle Kommunikation in der Wirtschaft (2. Aufl.) – Herst.: Frau Deuringer Status: Imprimatur Datum: 25.08.2014 Seite 139 6 Kulturvergleichende Studien Es existieren zahlreiche sog. kulturvergleichende Studien, um unterschiedliche Kulturen zu charakterisieren bzw. zu kategorisieren, nicht zuletzt um die tatsächlich gegebenen kulturellen Distanzen bzw. Unterschiede zu erforschen und zu ermitteln. Im Folgenden wird ein Überblick über die wichtigsten kulturvergleichenden Studien gegeben, die anhand von Kulturdimensionen allesamt versuchen, das typische Verhalten in verschiedenen Kulturen zu charakterisieren und zu vergleichen. Eingangs wird die insbesondere auch historisch bedeutsame Studie der US-Amerikaner Florence Kluckhohn und Fred Strodtbeck vorgestellt. Des Weiteren werden die auch heute noch bedeutsamen Ansätze des US-Amerikaners Edwart T. Hall, dem „Stammvater“ der Interkulturellen Kommunikation1 vorgestellt. Einen besonderen Schwerpunkt erfährt die kulturvergleichende Studie des niederländischen Sozial- und Organisationsforschers Geert Hofstede, die sehr große Bekanntheit und Beachtung erlangt hat. Eine weitere vorzustellende kulturvergleichende Studie stammt von dem niederländischen Wissenschaftler Fons Trompenaars, der sich als Schüler von Hofstede stark auf den Bereich der Interkulturellen Kommunikation ausgerichtet hat. Abgeschlossen werden die Betrachtungen mit der jüngsten unter den bedeutsamen kulturvergleichenden Studien, der sog. GLOBE-Studie, die von dem US-Amerikaner Robert J. House initiiert worden ist und die gegenwärtig als State of the Art unter den kulturvergleichenden Studien angesehen wird. Ganz allgemein betrachtet liegt der Forschungsschwerpunkt der kulturvergleichenden Studien in der Ermittlung kultureller Dimensionen, mittels derer eine Abstrahierung kultureller Unterschiede möglich ist. Die ermittelten Kulturdimensionen dienen dabei einer vereinfachten Klassifizierung von Kulturen. Somit wird eine Analyse kultureller Unterschiede und Distanzen bzw. eine Analyse verschiedener interkultureller (Kommunikations)Situationen möglich. Allen nachfolgend veranschaulichten Studien liegt grundsätzlich eine kulturübergreifende Perspektive zugrunde, d. h. es können im Prinzip sämtliche Kulturen bzw. Länder dieser Erde entsprechend den jeweiligen Kulturdimensionen eingeordnet werden. 6.1 Das Werteorientierungs-Konzept nach Kluckhohn und Strodtbeck Die wohl erste umfassendere und auch heute noch nennenswert bedeutsame kulturvergleichende Studie überhaupt stammt aus dem Jahre 1961 und wurde von den beiden US-amerikanischen Anthropologen Kluckhohn und Strodtbeck erarbeitet. Aus heutigem Blickwinkel ergibt sich die Bedeutung dieser Studie nicht zuletzt aus historischer Hinsicht, war die Studie doch zu einem guten Stück weit Inspiration und auch Initialzündung für nachfolgende kulturvergleichende Studien wie beispielsweise jene von Hall, Hofstede, Trompenaars2 oder House. Die Studie von Kluckhohn und Strodtbeck wurde auf der Basis einer Umfrage bezüglich möglicher Zustände des Menschen entwickelt und ermöglicht einen Kulturvergleich entlang 6 Kulturvergleichende Studien 6.1 Das Werteorientierungs-Konzept nach Kluckhohn und Strodtbeck

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Zusammenfassung

Kompetenz zur Interkulturellen Kommunikation für jeden Markt der Welt

Kommunikation in der Wirtschaft ist von essentieller Bedeutung und unabdingbar für den Erfolg, wobei die fortschreitende Globalisierung und Internationalisierung die Interkulturelle Kommunikation immer bedeutsamer machen. Erst die Kenntnis kultureller Unterschiede und Besonderheiten ermöglicht eine erfolgreiche Kommunikation auch zwischen Vertretern unterschiedlicher Kulturen.

Dieses Buch gibt kulturübergreifend einen umfassenden Überblick über

- Begriffe der Kommunikation und Kultur

- Interkulturelle Besonderheiten in der interpersonalen und massenmedialen

- Kommunikation (Interkulturelle Marketing-Kommunikation)

- Verbale und nonverbale Kommunikation

- Kulturvergleichende Studien (z.B. GLOBE-Studie)

- Neuere Forschungsgebiete wie Interkulturelle Kommunikationspsychologie und Kulturelle Neurowissenschaft

Durch zahlreiche Fallbeispiele und Fallstudien eignet sich dieses Buch für die Aus- und Weiterbildung an Universitäten, Hochschulen und anderen Bildungseinrichtungen sowie für die Praxis.