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2.3 Zielsetzung der Kommunikation in:

Michael Schugk

Interkulturelle Kommunikation, page 41 - 44

Grundlagen und interkulturelle Kompetenz für Marketing und Vertrieb

2. Edition 2014, ISBN print: 978-3-8006-4888-7, ISBN online: 978-3-8006-4889-4, https://doi.org/10.15358/9783800648894_41

Bibliographic information
Vahlen – Allg. Reihe – Schugk – Interkulturelle Kommunikation in der Wirtschaft (2. Aufl.) – Herst.: Frau Deuringer Status: Imprimatur Datum: 25.08.2014 Seite 22 Vahlen – Allg. Reihe – Schugk – Interkulturelle Kommunikation in der Wirtschaft (2. Aufl.) – Herst.: Frau Deuringer Status: Imprimatur Datum: 25.08.2014 Seite 23 22 2 Kommunikation und Kommunikationsprozess 2.2.6.2 „Die oberflächlichen Neuseeländer“ Der deutsche Maschinenbauer Georg Rappolder befindet sich noch am Anfang seiner Karriere im in Hamburg angesiedelten Stammhaus eines international tätigen Unternehmens des Industriegütersektors. Das Angebot interkulturelle Erfahrungen durch einen Auslandsaufenthalt für drei Jahre bei der in Auckland, Neuseeland, ansässigen Landesgesellschaft zu sammeln und sich somit für eine Führungsposition auf Ebene des mittleren Managements zu empfehlen nimmt er spontan an. Es ist der erste längere Auslandsaufenthalt von Georg Rappolder und gemäß seinen Erwartungen ist ihm die neuseeländische Kultur keineswegs vollkommen fremd. Dennoch stellt er auch gravierende Unterschiede fest. Ein besonders gravierender Unterschied ergibt sich regelmäßig, wenn er nach Feierabend in den Supermärkten von Auckland seine Einkäufe tätigt. An der Kasse begrüßen ihn die Kassierer in der Regel mit einem freundlichen „Hello, how are you today?“. Die ersten Male stutzt Georg Rappolder und glaubt, es müsse sich um eine Verwechslung mit einem guten Bekannten des Kassierers handeln. Doch das freundliche Verhalten der Angestellten in Supermärkten wiederholt sich mit den unterschiedlichsten Neuseeländern und auch Tankwarte und der Hausmeister fragen ihn ziemlich persönlich nach seinem Wohlergehen, was er in Bezug auf diese ihm kaum bekannten Personen allerdings als etwas zu indiskret empfindet und ihm auch ein gewisses Unbehagen bereitet. An einem Tag, an dem es im Büro alles andere als gut gelaufen ist und sich zahlreiche neue, teils gravierende Probleme eingestellt haben geht er wiederum nach Feierabend in einen Supermarkt. Die Frage der Kassiererin nach dem persönlichen Wohlbefinden löst einen Fluss der Gefühle in ihm aus und da sich zudem keine weiteren Kunden hinter ihm befinden antwortet er tatsächlich sehr persönlich: „Not too good today… I just arrived here in New Zealand and in general it is not easy for me. But today I had an extraordinary bad day in the office.” Georg Rappolder erwartet ein paar einfühlsame, aufmunternde Worte, mit denen die Kassiererin ihm ihre Anteilnahme signalisiert. Doch stattdessen reagiert sie verwirrt, gar verstört und es machte fast den Eindruck als hätte noch niemals ein Kunde derart offenherzig geantwortet und die eigenen Gefühle dargelegt. Kurz angebunden entgegnet sie: „I am sure it is going to be alright!“ Georg Rappolder verlässt den Supermarkt reichlich deprimiert. Insgeheim fragt er sich, ob es die richtige Entscheidung war nach Neuseeland zu kommen und sich einer fremden Kultur auszusetzen, in der die Menschen offensichtlich durch die Bank reichlich oberflächlich sind. Worin ist die Irritation von Georg Rappolder begründet? Gehen Sie in Ihrer Erklärung insbesondere auf die Frage der semantischen Äquivalenz des Fragepaares „Wie geht es Ihnen? / How are you?“ ein. 2.3 Zielsetzung der Kommunikation Kommunikation ist grundsätzlich immer intentional, d. h. es handelt sich um einen zielgerichteten Vorgang zur Verwirklichung bestimmter Absichten und Zwecke. Intentionalität geht dabei sowohl vom Kommunikator als auch vom Rezipienten aus. Die Zielsetzungen der beiden unterscheiden sich jedoch häufig erheblich. So 2.3 Zielsetzung der Kommunikation Vahlen – Allg. Reihe – Schugk – Interkulturelle Kommunikation in der Wirtschaft (2. Aufl.) – Herst.: Frau Deuringer Status: Imprimatur Datum: 25.08.2014 Seite 22 Vahlen – Allg. Reihe – Schugk – Interkulturelle Kommunikation in der Wirtschaft (2. Aufl.) – Herst.: Frau Deuringer Status: Imprimatur Datum: 25.08.2014 Seite 23 23Anmerkungen weicht die Wahrnehmung, Interpretation und Nutzung von Mitteilungen durch den Rezipienten mitunter ganz erheblich von den ursprünglichen Absichten des Kommunikators ab. Dieser in der Kommunikationsforschung ermittelte Sachverhalt überraschte insbesondere anfangs sehr. So resultieren hieraus etwa bei Werbe-, Informations- oder Aufklärungsmaßnahmen mitunter große Schwierigkeiten. Die durch Kommunikation angestrebten Ziele werden in Kommunikationsmodellen häufig aus der Sicht des Kommunikators definiert. Dies wird in der oben angeführten Lasswell-Formel anhand des darin beinhalteten Elements „with what effect?“ deutlich. Es wird explizit nach der Wirkung bzw. dem Effekt der Kommunikation gefragt, die der Kommunikator auf Basis seiner Ziele bzw. Zielhierarchie aufseiten des Rezipienten erreichen möchte61. Ein Großteil der Kommunikationsforschung beschäftigt sich mit der Frage, welche Wirkungen unter welchen Bedingungen erreicht werden können. Die Erreichung kommunikativer Ziele von Kommunikatoren spielt insbesondere in den von Unternehmen durchgeführten Aktivitäten der Marketing-Kommunikation, also etwa in Mediawerbung, Verkaufsförderung, Öffentlichkeitsarbeit oder auch persönlicher Kommunikation etc. eine bedeutende Rolle. So versucht die Werbewirkungsforschung, die Werbewirkung von Werbemaßnahmen, die eine Unternehmung durchführt, zu ermitteln. Dabei bezieht sich die Werbewirkung auf die psychographischen Effekte der Werbung, indem außerökonomische Kenngrößen wie Erinnerung, Einstellung und Präferenzen gemessen werden. Anmerkungen 1 Riedlberger (2007), S. 15 2 Noelle-Neumann; Schulz; Wilke (2009), S. 169 3 Schorkopf (1993), S. 16 4 Schweiger; Schrattenecker (2013), S. 6 5 Noelle-Neumann; Schulz; Wilke (2009), S. 169 6 Kroeber-Riel; Weinberg; Gröppel-Klein (2009), S. 533 7 Wahren (1987), S. 28 8 Burkart (2003), S. 22 9 Watzlawick; Kreuzer (2001), S. 11 ff. 10 Noelle-Neumann; Schulz; Wilke (2009), S. 169 f. 11 zitiert nach Noelle-Neumann; Schulz; Wilke (2009), S. 173 12 Noelle-Neumann; Schulz; Wilke (2009), S. 173 13 Martin; Flores; Nakayama (2002), S. 365 14 Pross (1972), S. 145; zitiert nach Burkart (2003), S. 22 15 Burkart (2003), S. 22 f. 16 Wahren (1987), S. 29 17 Frey (2000), S. 53 18 Lenke; Lutz; Sprenger (1995), S. 19 ff. 19 Frey (2000), S. 56 20 Lenke; Lutz; Sprenger (1995), S. 19 ff. 21 Springer (2012), S. 134 f. 22 House (2004 b), S. 1 23 House (2004 a), S. 5 24 Frey (2000), S. 74 25 Frey (2000), S. 74 26 Kroeber-Riel; Weinberg; Gröppel-Klein (2009), S. 535 27 Noelle-Neumann; Schulz; Wilke (2009), S. 174 28 vgl. Kapitel 8.2.3.1 und 8.2.3.2 29 Rez; Kraemer; Kobayashi-Weinsziehr (2009), S. 50 30 Schneider; Rechtien (1991), S. 138 31 Burkart (2003), S. 25 32 Noelle-Neumann; Schulz; Wilke (2009), S. 175 f. 33 Lenke; Lutz; Sprenger (1995), S. 234 34 Lenke; Lutz; Sprenger (1995), S. 234 35 Kroeber-Riel; Weinberg; Gröppel-Klein (2009), S. 534 36 Maletzke (1996), S. 75 37 Burkart (2003), S. 24 38 Burkart (2003), S. 24 39 Thieme (2000), S. 96 f. 40 Burkart (2003), S. 25 41 Fisher; Ury; Patton (2013), S. 69 42 Burkart (2003), S. 33 43 Giles; Noels (2002), S. 117 44 Dülfer; Jöstingmeier (2008), S. 298 f. 45 Knapp (1999), S. 19 46 Beneke (1999), S. 62 Anmerkungen Vahlen – Allg. Reihe – Schugk – Interkulturelle Kommunikation in der Wirtschaft (2. Aufl.) – Herst.: Frau Deuringer Status: Imprimatur Datum: 25.08.2014 Seite 24 24 2 Kommunikation und Kommunikationsprozess 47 Knapp (1999), S. 20 48 Springer (2012), S. 95 49 Niehaus-Lohberg; Herrlitz (1999), S. 142 50 Marcotty; Solbach (2003), S. 440 51 Lustig; Koester (2010), S. 193 52 Dülfer; Jöstingmeier (2008), S. 486 53 Dülfer; Jöstingmeier (2008), S. 486 54 Blom; Meier (2004), S. 81 55 Springer (2012), S. 92 56 Ehrhardt (2003), S. 135 ff. 57 Ehrhardt (2003), S. 137 58 Dülfer; Jöstingmeier (2008), S. 485 59 Burkart (2003), S. 25 60 vgl. Kapitel 7.5 61 Noelle-Neumann; Schulz; Wilke (2009), S. 188 f. Vahlen – Allg. Reihe – Schugk – Interkulturelle Kommunikation in der Wirtschaft (2. Aufl.) – Herst.: Frau Deuringer Status: Imprimatur Datum: 25.08.2014 Seite 25 3 Der Kulturbegriff 3.1 Fallbeispiele zur Demonstration kultureller Unterschiedlichkeit 3.1.1 Fallbeispiel 1: Die freizügige Gastfreundlichkeit „Stellen Sie sich ein kleines Dorf irgendwo in der nördlichen Hemisphäre vor. Ein Mann sitzt gerade vor einem der Häuser, während seine Frau das Abendessen zubereitet. Sie geht nach draußen, um Wasser vom örtlichen Brunnen zu holen. Dort trifft sie einen charmanten jungen Mann und nimmt ihn mit nach Hause, damit er ihren Ehemann trifft. Sie plaudern für eine Weile nett miteinander und der Ehemann lädt den jungen Mann zum Abendessen ein. Nach der Mahlzeit löscht der Ehemann die Lampen aus, geht zu Bett und lässt seine Frau mit ihrem gemeinsamen Gast allein. Später lädt diese den Gast ein, mit ihr zu schlafen. Am nächsten Morgen steht der Ehemann auf, um das Frühstück vorzubereiten, und ruft seine Frau und den Gast zum Essen. Sie frühstücken zusammen, und anschließend dankt der junge Mann dem Ehepaar für seine herzliche Gastfreundschaft und setzt seine Reise fort.“1 Die vorangehende Episode schildert ein in den meisten Kulturen nicht nur unübliches, sondern vielmehr inakzeptables Verhalten. In der Kultur der Ammassalik-Eskimos hingegen bedeutet Gastfreundschaft tatsächlich, dass ein Gastgeber die eigene Ehefrau für die Nacht „anbietet“. Bereits dieses erste, zugegebenermaßen exotisch und ausgefallen anmutende und noch aufzuklärende Fallbeispiel der Ammassalik-Eskimos verdeutlicht das mögliche Ausmaß interkultureller Unterschiede. Offensichtlich herrschen in dem Kulturkreis dieser Eskimos zumindest partiell gänzlich andere Normen, Werte und Verhaltensweisen als etwa in mitteleuropäischen Kulturkreisen. Um zu zeigen, dass dieses Beispiel beileibe kein Einzelfall ist folgen zwei weitere Fälle, die das Bestehen von mitunter gravierenden interkulturellen Unterschieden überzeugend zeigen. 3.1.2 Fallbeispiel 2: Das brutale Ritual Zwischen den Bewohnern zweier entlegener Bergdörfer in Peru, die beide nahe des dort entspringenden Amazonas liegen, finden an einem bestimmten, traditionell festgelegten Tag im Jahr Kämpfe statt. Dabei trifft die Bevölkerung der beiden gegnerischen Dörfer auf Bergwiesen auf eine Art und Weise aufeinander, die fast mit historischen Schlachten vergleichbar ist. Die beiden Kampfparteien bewerfen sich gegenseitig mit Steinen und schlagen mit Stöcken überaus heftig aufeinander ein, wobei auch Gefangene gemacht werden. Die Kämpfe werden derart brutal geführt, dass schwere Verletzungen an der Tagesordnung sind und auch Todesfälle sich regelmäßig ereignen. Das Ritual dieser jährlichen Kämpfe sowie das damit einhergehende Blutvergießen werden als eine Art Opfergabe gegenüber den Göttern und der Natur gesehen. Allgemein ist unter einem Ritual eine Kombination 3 Der Kulturbegriff 3.1 Fallbeispiele zur Demonstration kultureller Unterschiedlichkeit

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Zusammenfassung

Kompetenz zur Interkulturellen Kommunikation für jeden Markt der Welt

Kommunikation in der Wirtschaft ist von essentieller Bedeutung und unabdingbar für den Erfolg, wobei die fortschreitende Globalisierung und Internationalisierung die Interkulturelle Kommunikation immer bedeutsamer machen. Erst die Kenntnis kultureller Unterschiede und Besonderheiten ermöglicht eine erfolgreiche Kommunikation auch zwischen Vertretern unterschiedlicher Kulturen.

Dieses Buch gibt kulturübergreifend einen umfassenden Überblick über

- Begriffe der Kommunikation und Kultur

- Interkulturelle Besonderheiten in der interpersonalen und massenmedialen

- Kommunikation (Interkulturelle Marketing-Kommunikation)

- Verbale und nonverbale Kommunikation

- Kulturvergleichende Studien (z.B. GLOBE-Studie)

- Neuere Forschungsgebiete wie Interkulturelle Kommunikationspsychologie und Kulturelle Neurowissenschaft

Durch zahlreiche Fallbeispiele und Fallstudien eignet sich dieses Buch für die Aus- und Weiterbildung an Universitäten, Hochschulen und anderen Bildungseinrichtungen sowie für die Praxis.