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1 Einführung in:

Michael Schugk

Interkulturelle Kommunikation, page 20 - 22

Grundlagen und interkulturelle Kompetenz für Marketing und Vertrieb

2. Edition 2014, ISBN print: 978-3-8006-4888-7, ISBN online: 978-3-8006-4889-4, https://doi.org/10.15358/9783800648894_20

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Vahlen – Allg. Reihe – Schugk – Interkulturelle Kommunikation in der Wirtschaft (2. Aufl.) – Herst.: Frau Deuringer Status: Imprimatur Datum: 25.08.2014 Seite 1 1 Einführung Weltweit spielt die Interkulturelle Kommunikation in den verschiedensten Gesellschaften und Kulturen heutzutage generell eine überaus bedeutende Rolle. Dies gilt für den privaten und beruflichen Bereich gleichermaßen. So haben jährlich viele Millionen von Touristen Kontakt mit Menschen fremder Kulturen. Besonders intensive, themen- und berufsbezogene Kontakte ergeben sich jedoch gerade auch im Rahmen internationaler Geschäftstätigkeiten und Wirtschaftskooperationen1. Wissenschaftliche Untersuchungen weisen ganz allgemein für die interpersonale Kommunikation in der Wirtschaft betrachtet nach, dass Manager im Durchschnitt 70 % ihrer täglichen Arbeitszeit für Kommunikation aufwenden2. Insbesondere Führungskräfte der höheren Management-Ebene haben die Aufgabe der unternehmensexternen Kommunikation, da sie als Repräsentanten des Unternehmens vor Ort für die Kontakte zuständig sind3. Dementsprechend bringen Führungskräfte im Einzelfall sogar bis zu 90 % ihrer Arbeitszeit für die verbale Kommunikation auf4. Das dabei zum Tragen kommende Beziehungsgeflecht ist als äußerst vielfältig und weitgefächert zu bezeichnen5. Bei näherer Betrachtung der Bedeutung von Kommunikation im Wirtschaftsleben im Allgemeinen wird jedoch auch schnell deutlich, dass die Aspekte von Kommunikation sinnvoll zu ergänzen sind durch interkulturelle Aspekte im Besonderen. Gerade heutzutage rücken im Wirtschaftsleben internationale und daraus abzuleitende interkulturelle Aspekte zunehmend in den Mittelpunkt des Interesses. Dies begründet sich natürlich zuvorderst durch die zunehmende Internationalisierung und Globalisierung der Wirtschaft. Dabei ist die Art und Weise der Internationalisierungs- bzw. Globalisierungsbestrebungen für die Betrachtung von Aspekten der Kommunikation unter interkulturellen Gesichtspunkten zunächst sekundär6. Das extreme Ausmaß der Internationalisierung des Wirtschaftslebens hat heutzutage indes zu einem einzigartigen Ausmaß der Kommunikation zwischen Vertretern unterschiedlicher Kulturen geführt. Der Trend zur Globalisierung, der durch den rasanten Fortschritt in den Bereichen von Kommunikations- und Transporttechnologie unterstützt wird, führt dazu, dass die einzelnen Ländermärkte zugänglicher werden und die Interdependenzen zwischen den Ländermärkten in den letzten Jahrzehnten zumindest der Tendenz nach zunehmend gestiegen sind. Die Entwicklung hin zu einer verflochtenen Weltwirtschaft bringt Menschen und Produkte aus der ganzen Welt auf dem Weltmarkt zusammen7. Neben den Internationalisierungsbestrebungen der Wirtschaft erfährt die Interkulturelle Kommunikation den Anstieg ihrer Bedeutung aber auch durch die Immigration von Arbeitskräften und die damit verbundene zunehmend multikulturelle Ausrichtung, die beispielsweise in zahlreichen Kulturen Europas sowie in deren Wirtschaftsunternehmen nach dem Zweiten Weltkrieg zu beobachten ist8. Die dabei vonstatten gehenden Kontakte hingegen werden in zunehmendem Maße als problematisch empfunden. Missverständnisse und Konflikte, die in der Wirtschaft zu Fehlschlägen ganzer Projekte und Geschäftsabschlüsse führen können, sind mögliche Folge von kulturabhängig unterschiedlichen Kommunikationsweisen sowie Handlungs- und Einführung Einführung Vahlen – Allg. Reihe – Schugk – Interkulturelle Kommunikation in der Wirtschaft (2. Aufl.) – Herst.: Frau Deuringer Status: Imprimatur Datum: 25.08.2014 Seite 2 2 Einführung Deutungsvoraussetzungen, die in der interkulturellen Zusammenarbeit Berücksichtigung finden müssen. So ist es unstrittig, dass die interpersonale Kommunikation sich im interkulturellen Kontext wesentlich schwieriger gestaltet als im intrakulturellen Kontext9. Geradezu unnötig erscheint es zu erwähnen, dass insbesondere angesichts einer zunehmenden internationalen Konkurrenz ein möglichst optimaler Umgang mit Verhandlungspartnern fremder Kulturen von entscheidender Bedeutung für den Geschäftserfolg ist. Angemerkt sei, dass die in der Wirtschaftskommunikation vor interkulturellem Hintergrund involvierten Manager, nicht zuletzt angesichts eines wirtschaftlichen bzw. beruflichen Erfolgsdrucks und einer begrenzt verfügbaren Zeit, ohnehin zur Kommunikation geradezu gezwungen sind. Sie können sich im Falle von Konflikten oder Problemen nicht, wie im privaten Leben beispielsweise Touristen oder Austauschschüler, aus dem Kommunikationsprozess zurückziehen und vergleichsweise gleichgültig auf als inakzeptabel empfundene Situationen reagieren10. Indes haben interkulturelle Unterschiede zwischen Geschäftsparteien mitunter erhebliche Auswirkungen auf die jeweiligen Geschäftsbeziehungen sowie auf die Anforderungen zu deren Unterhalt. So bedingt die Gestaltung von Geschäftsbeziehungen, etwa im Rahmen eines Geschäftsbeziehungs-Managements, ein hohes Maß an speziellem Wissen und Sensitivität, Einfühlungsvermögen und Kulturbewusstsein, um die Beziehungen möglichst optimal und erfolgreich zu gestalten11. Die persönliche Gestaltung von Geschäftsbeziehungen kann dabei nur auf Basis von kommunikativen Akten zwischen den Beziehungspartnern, etwa zwischen Kunden und Lieferanten, gelingen. Der Begriff der Interkulturellen Kommunikation („intercultural communication“) an sich wurde erstmals von Hall in einer Publikation in den 1950er Jahren verwendet. Bereits zu diesem Zeitpunkt wies er darauf hin, dass die Interkulturelle Kommunikation als ein erfolgversprechendes Feld wissenschaftlicher Betätigung anzusehen ist12, ohne dies ausschließlich auf den Bereich der Wirtschaft begrenzt zu verstehen. Anmerkungen 1 Müller (1999), S. 43 2 Schulze (2002), S. 140 3 Jahnke (1996), S. 41 4 Wahren (1987), S. 50 5 Schulze (2002), S. 140 6 Knapp (2003), S. 109 7 Chen; Starosta (2009), S. 5 8 Koole; Thije (1994), S. 10 9 Adler (2003), S. 247 10 Nagels (1996), S. 9 f. 11 Belz (1998), S. 42 f. 12 Roth (2000), S. 254 Vahlen – Allg. Reihe – Schugk – Interkulturelle Kommunikation in der Wirtschaft (2. Aufl.) – Herst.: Frau Deuringer Status: Imprimatur Datum: 25.08.2014 Seite 3 2 Kommunikation und Kommunikationsprozess Beim Versuch sich dem Thema der Interkulturellen Kommunikation anzunähern erscheint es nur allzu logisch, diesen etwas komplexeren Terminus zunächst in seine beiden Bestandteile untergliedert zu betrachten. Daher soll in diesem Kapitel 2 zunächst der Begriff der Kommunikation und im Kapitel 3 der Begriff der Kultur näher betrachtet und hinsichtlich seiner für die Interkulturelle Kommunikation relevanten Aspekte näher beleuchtet werden. Diese Vorgehensweise erscheint geeignet, um letztlich alle für das Forschungsgebiet der Interkulturellen Kommunikation relevanten Sachverhalte zu extrahieren und in Kapitel 4 zu einem umfassenden und differenzierten Verständnis hinsichtlich der Interkulturellen Kommunikation zu gelangen1. Bevor auf die interkulturellen Aspekte der Kommunikation näher eingegangen wird, sind zunächst einige grundlegenden Überlegungen hinsichtlich der Kommunikation bzw. hinsichtlich des dabei stattfindenden Kommunikationsprozesses anzustellen. Dies begründet sich auch darin, dass der Begriff der Kommunikation sehr stark in der Alltagssprache verankert und derart geläufig ist, so dass Überlegungen hinsichtlich der Verwendung bzw. der Bedeutung des Kommunikationsbegriffs häufig vernachlässigt werden. 2.1 Definition des Kommunikationsbegriffs Grundsätzlich wird als Kommunikation ein Vorgang bezeichnet, der auf bestimmten Gemeinsamkeiten zwischen verschiedenen Subjekten beruht (lat. communis = gemeinsam2; lat. communicare = gemeinschaftlich tun, sich verständigen, miteinander sprechen3). Wenn Menschen miteinander kommunizieren, so versuchen sie also, „eine Gemeinsamkeit mit jemandem herzustellen.“4 Diese Gemeinsamkeiten zwischen Kommunizierenden, also etwa zwischen zwei Kommunikationspartnern, liegen grundsätzlich in den folgenden vier Bereichen: 1) materielle oder energetische Verbindung zur Übertragung von Zeichen; 2) durch bestimmte Erwartungen gekennzeichnete Beziehung, aus der Information entsteht; 3) bestimmte übereinstimmende Kognitionen, aus denen sich die Erwartungen ableiten lassen und die den Zeichen Bedeutung verleihen; Kognitionen sind hierbei zu verstehen als Sammelbegriff für Wissen, Erfahrungen, Einstellungen und Bewertungen hinsichtlich der „Wirklichkeit“ durch die kommunizierenden Subjekte; 4) bestimmte Absichten oder Folgen in Bezug auf den Zustand oder das Verhalten der kommunizierenden Subjekte (Ziel der Kommunikation). Dabei gilt es zu beachten, dass das Ziel der Kommunikation oftmals latenter Art ist5. Latente 2 Kommunikation und Kommunikationsprozess 2.1 Definition des Kommunikationsbegriffs

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Zusammenfassung

Kompetenz zur Interkulturellen Kommunikation für jeden Markt der Welt

Kommunikation in der Wirtschaft ist von essentieller Bedeutung und unabdingbar für den Erfolg, wobei die fortschreitende Globalisierung und Internationalisierung die Interkulturelle Kommunikation immer bedeutsamer machen. Erst die Kenntnis kultureller Unterschiede und Besonderheiten ermöglicht eine erfolgreiche Kommunikation auch zwischen Vertretern unterschiedlicher Kulturen.

Dieses Buch gibt kulturübergreifend einen umfassenden Überblick über

- Begriffe der Kommunikation und Kultur

- Interkulturelle Besonderheiten in der interpersonalen und massenmedialen

- Kommunikation (Interkulturelle Marketing-Kommunikation)

- Verbale und nonverbale Kommunikation

- Kulturvergleichende Studien (z.B. GLOBE-Studie)

- Neuere Forschungsgebiete wie Interkulturelle Kommunikationspsychologie und Kulturelle Neurowissenschaft

Durch zahlreiche Fallbeispiele und Fallstudien eignet sich dieses Buch für die Aus- und Weiterbildung an Universitäten, Hochschulen und anderen Bildungseinrichtungen sowie für die Praxis.