Content

2.2 Abbildung des Kommunikationsprozesses im Modell in:

Michael Schugk

Interkulturelle Kommunikation, page 24 - 41

Grundlagen und interkulturelle Kompetenz für Marketing und Vertrieb

2. Edition 2014, ISBN print: 978-3-8006-4888-7, ISBN online: 978-3-8006-4889-4, https://doi.org/10.15358/9783800648894_24

Bibliographic information
Vahlen – Allg. Reihe – Schugk – Interkulturelle Kommunikation in der Wirtschaft (2. Aufl.) – Herst.: Frau Deuringer Status: Imprimatur Datum: 25.08.2014 Seite 4 Vahlen – Allg. Reihe – Schugk – Interkulturelle Kommunikation in der Wirtschaft (2. Aufl.) – Herst.: Frau Deuringer Status: Imprimatur Datum: 25.08.2014 Seite 5 52.2 Abbildung des Kommunikationsprozesses im Modell Maschinenkommunikation) oder zwischen Menschen und technischen Apparaturen wie Computern (Mensch-Maschine-Kommunikation) Gegenstand des weiter gefassten Kommunikationsbegriffes. Der engere Kommunikationsbegriff hingegen gelangt im Bereich der interpersonalen Kommunikation zur Anwendung und bezieht sich auf die Gemeinsamkeiten zwischen verschiedenen Menschen, also letztlich auf einen sozialen Prozess im Rahmen der Kommunikation von Mensch zu Mensch. Die Gemeinsamkeiten kommunizierender Personen bilden einerseits die Voraussetzung für einen erfolgreichen Kommunikationsprozess, was bedeutet, dass die Kommunikation ohne diese Gemeinsamkeiten gar nicht in Gang kommen würde. Andererseits sind die zwischen den Kommunizierenden bestehenden Gemeinsamkeiten auch als Resultat des Kommunikationsprozesses zu betrachten. Kommunikation bestärkt somit die vorhandene Gemeinsamkeit an Erfahrungen oder begründet auch gänzlich neue Gemeinsamkeiten10. Bei der Betrachtung der Interkulturellen Kommunikation steht in der Literatur häufig die interpersonale Kommunikation im Mittelpunkt der Betrachtungen, d. h. der Schwerpunkt liegt auf dem enger gefassten Begriff der sozialen Kommunikation. Darüber hinaus erscheint es jedoch in Ausrichtung auf den Wirtschaftskontext wichtig, auch dem weiter gefassten Begriff der Kommunikation Rechnung zu tragen. Dieser weiter gefasste Kommunikationsbegriff gelangt beispielsweise in der medialen Massenkommunikation zur Anwendung und umfasst für das Wirtschaftsleben so wichtige Bereiche wie die Marketing-Kommunikation oder den über das Internet abgewickelten E-Commerce. In diesem Buch wird schwerpunktmäßig die interpersonale Kommunikation betrachtet. Daneben wird der Betrachtungsschwerpunkt aber auch auf die mediale Massenkommunikation gelegt, was insbesondere bei den Ausführungen zur Marketing-Kommunikation in Kapitel 12 deutlich werden wird. 2.2 Abbildung des Kommunikationsprozesses im Modell Der Kommunikationsbegriff wird häufig umschrieben mit Begriffen wie Verständigung, Mitteilung, Interaktion, Übertragung etc. Bereits aus diesen Begriffen geht der dynamische Charakter hervor, der die Kommunikation im Allgemeinen kennzeichnet. Diesem dynamischen Charakter zufolge wird auch von Kommunikationsprozessen gesprochen, die im Mittelpunkt kommunikationswissenschaftlicher Untersuchungen stehen. Es wurden bereits zahlreiche Versuche gemacht, Kommunikationsprozesse im Modell abzubilden. Um ein besseres Verständnis für das grundsätzliche Wesen der Kommunikation sowie die dabei zugrunde liegenden Prozesse zu erlangen, werden im weiteren Verlaufe einige der wichtigsten Kommunikationsmodelle näher vorgestellt. 2.2.1 Formel nach Lasswell Bei der Beschreibung von Kommunikationsprozessen stellt sich zunächst einmal die Frage nach den elementaren Prozessbestandteilen. Diese Fragestellung versuchte Lasswell zu beantworten mit seiner in Abbildung 2-1 wiedergegebenen, viel zitierten Formulierung11. 2.2 Abbildung des Kommunikationsprozesses im Modell Vahlen – Allg. Reihe – Schugk – Interkulturelle Kommunikation in der Wirtschaft (2. Aufl.) – Herst.: Frau Deuringer Status: Imprimatur Datum: 25.08.2014 Seite 6 Vahlen – Allg. Reihe – Schugk – Interkulturelle Kommunikation in der Wirtschaft (2. Aufl.) – Herst.: Frau Deuringer Status: Imprimatur Datum: 25.08.2014 Seite 7 6 2 Kommunikation und Kommunikationsprozess Die Fragestellung „Who – says what – in which channel – to whom – with what effect“ besteht aus fünf Elementen und wird auch als sog. Lasswell-Formel bezeichnet. Das Fragestellungselement „with what effect“ bezieht sich dabei auf die Wirkung der Kommunikation aufseiten des Rezipienten und somit auf eine andere logische Ebene als die übrigen vier vorausgehenden Elemente. Aus diesem Grunde soll dieses fünfte Element zunächst einmal zurückgestellt werden. Für die fünf Elemente haben sich – abhängig von Problemstellung und Wissenschaftskontext – unterschiedliche Bezeichnungen etabliert. Die gebräuchlichsten alternativen Bezeichnungen zeigt Abbildung 2-2. Die Lasswell-Formel ist mitunter als ein rein „lineares“ Kommunikationsmodell missverstanden worden, insbesondere wohl infolge der Anordnung der einzelnen, in der Lasswell-Formel beinhalteten Elemente. Doch war es eigentlich nur das Ziel von Lasswell die Elemente eines Kommunikationsprozesses für die wichtigsten Forschungsfelder der Kommunikationswissenschaft zu identifizieren12. Bei der Betrachtung der Lasswell-Formel für interkulturell geprägte Kommunikationssituationen ist es hilfreich, wenn der Sender bzw. Kommunikator durch interkulturelle Kompetenzen und Fähigkeiten ausgestattet ist. Durch das Erkennen und Verstehen von kulturellen Unterschieden und das Reagieren auf diese Unterschiede kann er bei der Verfassung von Nachrichten den Einfluss dieser Unterschiede  minimieren und eventuell Kommunikationsstörungen vermeiden13. Zum grundlegenden Verständnis der Kommunikationswissenschaft gehört es, dass Kommunikation immer über ein Medium abläuft. Das Medium ist der eigentliche Träger bzw. die Vermittlungsinstanz von Mitteilungen. Somit fungiert das Medium als unverzichtbares Ausdrucksmittel für jegliche kommunikativen Prozesse. In diesem allgemeinen Sinne steht der Begriff des Mediums in Bezug auf die menschliche Kommunikation daher sowohl für personale Vermittlungsinstanzen, etwa die Sprache, als auch für all jene technischen Hilfsmittel der Informationsund Kommunikationstechnologie, die die Übertragung einer Nachricht überhaupt Abbildung 2‑1: Lasswell‑Formel (Quelle: Noelle‑Neumann; Schulz; Wilke (2009), S. 173) Who Communicator Says what Message To whom Receiver With what effect Effect In which channel Medium Abbildung 2‑2: Alternative Bezeichnungen für die Elemente der Lasswell‑Formel (Quelle: in Anlehnung an Noelle‑Neumann; Schulz; Wilke (2009) S. 173) Who says what in which channel to whom with what effect Sender Nachricht Kanal Empfänger Effekt Kommunikator Aussage Medium Rezipient Wirkung Mitteilung Adressat Botschaft Publikum Vahlen – Allg. Reihe – Schugk – Interkulturelle Kommunikation in der Wirtschaft (2. Aufl.) – Herst.: Frau Deuringer Status: Imprimatur Datum: 25.08.2014 Seite 6 Vahlen – Allg. Reihe – Schugk – Interkulturelle Kommunikation in der Wirtschaft (2. Aufl.) – Herst.: Frau Deuringer Status: Imprimatur Datum: 25.08.2014 Seite 7 72.2 Abbildung des Kommunikationsprozesses im Modell erst ermöglichen. Die mediale Vielfalt menschlicher Kommunikation kategorisiert Pross in sog. primäre, sekundäre und tertiäre Medien. Dabei versteht er unter primären Medien all jene Medien des „menschlichen Elementarkontaktes“. Neben der Sprache zählen hierzu auch sämtliche nonverbalen Vermittlungsinstanzen wie Gestik oder Mimik. In jedem Falle sind primäre Medien dadurch gekennzeichnet, „daß kein Gerät zwischen Sender und Empfänger geschaltet ist und die Sinne der Menschen zur Produktion, zum Transport und zum Konsum der Botschaft ausreichen“14. Zu den sekundären Medien rechnet Pross jene Medien, die zwar auf der Produktionsseite ein Gerät erfordern, nicht aber auf der Seite des Empfängers. Hierzu können etwa Rauchzeichen und Flaggensignale, aber auch alle Manifestationen menschlicher Mitteilungen, die auf dem Druckverfahren basieren zugeordnet werden, also etwa Zeitungen, Bücher, Plakate etc. Den tertiären Medien schließlich sind all jene Vermittlungsinstanzen zuzurechnen, die sowohl einen technischen Sender als auch einen technischen Empfänger bedingen. Somit sind die modernen elektronischen Massenmedien wie Fernsehen, Hörfunk, Film, Internet, CD-ROM etc. als tertiäre Medien zu verstehen. Deren Gemeinsamkeit ist darin zu sehen, dass Kommunikation ohne jegliche Gerätschaften aufseiten des Senders und des Empfängers letztlich nicht stattfinden kann15. Schließlich kann auch der Empfänger durch interkulturelle Kompetenzen sowie dem damit verbundenen Erkennen und Verstehen kultureller Unterschiede auf selbige reagieren und diese Unterschiede beim Verstehen von Nachrichten berücksichtigen, um Kommunikationsstörungen zu verringern oder gar gänzlich zu vermeiden. 2.2.2 Kommunikationsmodell nach Shannon und Weaver Das vermutlich bis heute bekannteste und meistzitierte Kommunikationsmodell, das den Kommunikationsprozess abzubilden versucht, stammt von Shannon und Weaver. Dieses Modell hat seine Grundlage im nachrichtentechnischen Bereich. Dabei kann die Kommunikation in sehr einfach gehaltener und allgemeiner Form als eine Übertragung einer Nachricht von einem Sender („transmitter“) zu einem Empfänger („receiver“) bezeichnet werden. So definiert Miller Kommunikation in Anlehnung an das Modell von Shannon und Weaver wie folgt: „communication means that information is passed from one place to another“16. Das Kommunikationsmodell von Shannon und Weaver ist, wie bereits die Lasswell-Formel, als lineares, einseitiges Modell zu betrachten. Shannon und Weaver Abbildung 2‑3: Kommunikationsmodell von Shannon und Weaver (Quelle: Lenke; Lutz; Sprenger (1995), S. 228) Sender Empfänger Störquelle Nachricht Signal Empfangenes Signal Nachricht Nachrichtenziel Nachrichtenquelle Vahlen – Allg. Reihe – Schugk – Interkulturelle Kommunikation in der Wirtschaft (2. Aufl.) – Herst.: Frau Deuringer Status: Imprimatur Datum: 25.08.2014 Seite 8 Vahlen – Allg. Reihe – Schugk – Interkulturelle Kommunikation in der Wirtschaft (2. Aufl.) – Herst.: Frau Deuringer Status: Imprimatur Datum: 25.08.2014 Seite 9 8 2 Kommunikation und Kommunikationsprozess differenzieren auf der Kommunikatorseite zwischen der Informations- bzw. Nachrichtenquelle („information source“) und dem Sender („transmitter“) sowie auf der Rezipientenseite zwischen dem Empfänger („receiver“) und dem Adressaten bzw. Nachrichtenziel („destination“). Dies hat seine Ursache darin, dass dieses Modell wie schon angedeutet an dem Bereich einer technisch vermittelten Kommunikation orientiert ist, wie sie etwa beim Radio hören oder bei einem Telefongespräch stattfindet. Zieht man das Modell von Shannon und Weaver für das Beispiel eines Telefongespräches heran, so wäre die Nachrichtenquelle mit einem Menschen in der Funktion des Anrufers gleichzusetzen. Die Nachricht selbst würde in Form von Schallwellen an den Sender, also das Telefon als elektronische Apparatur weitergeleitet. Das gesendete bzw. empfangene Signal würde von elektrischen Impulsen repräsentiert werden, die über einen Kanal, also eine Telefonleitung übertragen werden. Der Empfänger ist, wie bereits der Sender, eine elektronische Apparatur, im Falle des Telefongespräches also ein Telefon. Schließlich wird die Nachricht wiederum in Form von Schallwellen an das Nachrichtenziel weitergeleitet, das wiederum in einem Menschen zu sehen ist, nunmehr aber in der Rolle des Angerufenen, der die Nachricht entgegen nimmt. Das Modell, das dem Bereich der Informationstheorie zuzuordnen ist, sollte ursprünglich rein technische Problemstellungen abhandeln, die zwischenmenschliche Kommunikation hingegen stand nicht im Mittelpunkt der Überlegungen. So erklärte Shannon selbst sein Modell nur gültig zur Erklärung der Funktionsmechanismen der technischen Kommunikation. Durch den Einfluss des Wissenschaftsmanagers Weaver sowie des Kybernetikers Wiener und des Psychologen Miller wurde das Modell jedoch dennoch bald und unzutreffender Weise als ein allgemeines Modell der Kommunikation angesehen, welches jedwede Form kommunikativer Austauschprozesse abbilden und erklären kann, einschließlich der Humankommunikation17. Die jedoch bestehenden Gründe für eine nicht mögliche Anwendbarkeit des Modells von Shannon und Weaver auf die Humankommunikation ergeben sich durch die grundlegenden Unterschiede zwischen Humankommunikation und technischer Kommunikation, die im Folgenden thematisiert werden sollen. Die Hauptprobleme der technischen Nachrichtenübertragung beziehen sich im Wesentlichen auf zwei Fragen. Zum einen auf die Frage, wie eine Nachrichtenübertragung gegen Störungen von außen abgesichert werden kann, zum anderen aber auch auf die Frage, wie eine Nachricht in einem für Sender und Empfänger identischen Kode optimal verschlüsselt werden kann, d. h. so abgefasst werden kann, dass sie erstens gegen Störungen immun ist und dass zweitens die Übertragung möglichst kurz, also zeit- und energiesparend ist18: „anders als in der Humankommunikation ist in der technischen Kommunikation durch geeignete Konstruktions- und Kontrollmaßnahmen jederzeit sichergestellt, daß der technische Empfänger die bei ihm eingehenden Signale nicht etwa eigenmächtig deutet, sondern sich sozusagen sklavisch an die semantischen Konventionen hält, die die Beziehung zwischen Zeichen und Bezeichnetem regeln.“19 Die Begrenztheit der Anwendbarkeit des Kommunikationsmodells von Shannon und Weaver für die zwischenmenschliche Kommunikation ergibt sich letztlich dadurch, dass Menschen – im Gegensatz zu technischen Apparaturen – nicht rein deterministisch nur in einer bestimmten Art und Weise auf ein bestimmtes Signal Vahlen – Allg. Reihe – Schugk – Interkulturelle Kommunikation in der Wirtschaft (2. Aufl.) – Herst.: Frau Deuringer Status: Imprimatur Datum: 25.08.2014 Seite 8 Vahlen – Allg. Reihe – Schugk – Interkulturelle Kommunikation in der Wirtschaft (2. Aufl.) – Herst.: Frau Deuringer Status: Imprimatur Datum: 25.08.2014 Seite 9 92.2 Abbildung des Kommunikationsprozesses im Modell reagieren, sondern Signale in das alltägliche Wissen und Handeln einordnen. Dies gilt bereits für die intrakulturell ausgerichtete Kommunikation und umso mehr auch für die Interkulturelle Kommunikation. Der Mensch gibt Signalen einen Sinn, es werden private Assoziationen und Konnotationen hervorgerufen. Unter Konnotationen ist dabei „Mit-Gemeintes“ zu verstehen, etwa das Hervorrufen von Begriffen wie Kind, Familie und Vater bei der Nennung des Begriffes Mutter. Der Kode zwischen Sender und Empfänger ist somit im zwischenmenschlichen Bereich, im Gegensatz zur Informationstechnik, nicht identisch, was durch die Phänomene der Assoziationen und Konnotationen deutlich wird20. Als Beispiel für interkulturell unterschiedliche Konnotationen, also „Mit-Gemeintes“ mögen die Begriffe „Nation“ bzw. „Nationales“ zur Veranschaulichung herangezogen werden. Zwar ist in Deutschland in den letzten Jahren eine gewisse Tendenz zur Hinwendung zur Nation bzw. zum Nationalen zu beobachten, doch kann im Falle einer Steigerung hin zur Ideologie noch immer sehr schnell die Sprache auf „Nationalismus“ und „Nationalistisches“ kommen und diese Wörter sind für die allermeisten Deutschen eindeutig negativ konnotiert, was natürlich in hohem Maße ein Resultat der jüngeren historischen Erfahrungen aus der unsäglichen Zeit des Nationalsozialismus ist. In anderen Kulturen hingegen, die mitunter das Überleben ihrer eigenen Nation zumindest teilweise ihrem eigenen „Nationalismus“ zu verdanken glauben, wie etwa in Polen, ist dieser Terminus sowie das „Nationalistische“ eindeutig positiv konnotiert. Aber auch für die in Spanien angesiedelten Basken und Katalanen handelt es sich hierbei um eindeutig positiv assoziierte Wörter. So sind beispielsweise die Vorstellungen der Katalanen von Nationalismus frei von aggressiven oder gar rassistischen Elementen und sie dienen zudem, vergleichbar mit Polen, als eine Art Ideologie des Widerstandes sowie der nationalen Selbstbehauptung. Es wird deutlich, dass es infolge unterschiedlicher interkultureller Konnotationen sehr schnell zu interkulturell bedingten Kommunikationsstörungen kommen kann, da man letztendlich aneinander vorbei redet bzw. sich nicht wirklich versteht, weil anscheinend identische Wörter, etwa das deutsche Wort „Nationalismus“ und das katalanische Wort „nacionalisme“ mit unterschiedlichen Wertungen in Verbindung gebracht werden und keineswegs für das gleiche geistig-historische Substrat stehen21. Ein anderes Beispiel für interkulturell unterschiedliche Konnotationen ergibt sich für den in zahlreichen westlichen Nationen extrem positiv konnotierten Terminus „leadership“, der indes in manch anderer Region der Welt weitaus skeptischer und negativer gesehen wird22: „For instance, Americans, Arabs, Asians, English, Eastern Europeans, French, Germans, Latin Americans, and Russians tend to romanticize the concept of leadership and consider leadership in both political and organizational arenas to be important. In these cultures leaders are commemorated with statues, names of major avenues or boulevards, or names of buildings. Many people of German-speaking Switzerland, the Netherlands, and Scandinavia are skeptical about leaders and the concept of leadership for fear that they will accumulate and abuse power. In these countries it is difficult to find public commemoration of leaders.“23 In Abgrenzung zur technischen Kommunikation ergibt sich eine weitere Besonderheit der Humankommunikation aus den Machtverhältnissen zwischen Sender und Empfänger heraus. Der technische Empfänger muss die Gesamtheit aller Informa- Vahlen – Allg. Reihe – Schugk – Interkulturelle Kommunikation in der Wirtschaft (2. Aufl.) – Herst.: Frau Deuringer Status: Imprimatur Datum: 25.08.2014 Seite 10 Vahlen – Allg. Reihe – Schugk – Interkulturelle Kommunikation in der Wirtschaft (2. Aufl.) – Herst.: Frau Deuringer Status: Imprimatur Datum: 25.08.2014 Seite 11 10 2 Kommunikation und Kommunikationsprozess tionen, mit denen er „gefüttert“ wird, eins zu eins „schlucken“, also hinnehmen. Der menschliche Empfänger hingegen ist hierzu keineswegs gezwungen. Vielmehr wird er grundsätzlich darauf bestehen, die Auswahl aus verfügbaren Informationen auf Basis seiner persönlichen Einschätzung der Relevanz der Informationen selbst zu vollziehen. Hierbei kommen die persönlichen, subjektiven Vorstellungen und Maßstäbe des jeweiligen menschlichen Empfängers zum Tragen. Die menschliche Kommunikation steht somit „unter dem heimlichen Diktat des Empfängers“. Äußerer Beleg für dieses Kräfteverhältnis ist für Grice eine Reihe stillschweigender Verhaltensregeln, die er mit den Begriffen „Quantity“, „Quality“, „Relation“ und „Manner“ umschreibt: „Sie verpflichten den Sender dazu, sicherzustellen, daß seine Äußerungen weder mehr noch weniger Information enthalten, als nötig ist (Quantity), nicht ungeprüft oder gar unwahr sind (Quality), nicht irrelevant im Hinblick auf den in Frage stehenden Sachverhalt sind (Relation) und nicht in einer unhöflichen oder mehrdeutigen Art vorgetragen werden (Manner).“24 Sicherlich hat der Rezipient in der Humankommunikation in der Regel keine Handhabe, den Sender zur Einhaltung derartiger Regeln zu zwingen. Die dominante Position, die der Empfänger in der Humankommunikation einnimmt, bleibt hiervon jedoch unberührt. Letztlich ist es im Interesse beider Kommunikationsparteien, einen guten und auch fortlaufenden Kontakt zueinander zu pflegen. Von daher tut auch der Sender gut daran, sich den angeführten stillschweigenden Verpflichtungen nicht zu entziehen25. Auch wenn ein Bezug zur Humankommunikation nicht herstellbar ist, so bringt das Modell von Shannon und Weaver dennoch deutlich zum Ausdruck, dass eine Mitteilung grundsätzlich umgewandelt werden muss, um übertragen werden zu können. Die umgewandelte Mitteilung wird von Shannon und Weaver Signal genannt. Die Umwandlung einer Mitteilung in Signale aufseiten des Kommunikators (Quelle) wird als Enkodierung bezeichnet, die Rückübersetzung der empfangenen Signale aufseiten des Rezipienten (Adressat) als Dekodierung. Somit wird auch deutlich, dass Enkodierung letztlich als die Zuordnung von Zeichen zu einer (subjektiven) Bedeutung zu verstehen ist, und Dekodierung letztlich – entgegengesetzt hierzu – als die Zuordnung einer (subjektiven) Bedeutung zu einem Zeichen zu verstehen ist26. Das Prinzip von Enkodierung und Dekodierung, bei dem es letztlich zu einer Übertragung von Signalen kommt, wird nach Schramm in Abbildung 2-4 abstrahiert dargestellt. Enkodierung und Dekodierung sind keineswegs besondere Merkmale des Kommunikationsmodells von Shannon und Weaver, sondern vielmehr konstitutive Abbildung 2‑4: Umwandlung einer Mitteilung (Enkodierung / Dekodierung) nach Schramm (Quelle: in Anlehnung an Noelle‑Neumann; Schulz; Wilke (2009), S. 175) Signal(e) Quelle Enkoder Dekoder Adressat Vahlen – Allg. Reihe – Schugk – Interkulturelle Kommunikation in der Wirtschaft (2. Aufl.) – Herst.: Frau Deuringer Status: Imprimatur Datum: 25.08.2014 Seite 10 Vahlen – Allg. Reihe – Schugk – Interkulturelle Kommunikation in der Wirtschaft (2. Aufl.) – Herst.: Frau Deuringer Status: Imprimatur Datum: 25.08.2014 Seite 11 112.2 Abbildung des Kommunikationsprozesses im Modell Merkmale aller Kommunikationsprozesse. Demzufolge sind Enkodierung und Dekodierung auch nicht auf Kommunikationsprozesse begrenzt, bei denen technische Apparaturen herangezogen werden. So ist in der interpersonalen Kommunikation (engl. face-to-face communication) der Kommunikator zugleich Quelle und Enkoder, die Mitteilung des Kommunikators wird als akustisches Signal, als Schallschwingung übertragen, und der Rezipient muss die Schallschwingungen zurück übersetzen. Somit ist der Rezipient zugleich Dekoder und Adressat. Das im Modell von Shannon und Weaver enthaltene Element Störquelle („noise source“) schließlich repräsentiert die Möglichkeit des Auftretens einer Störquelle im Rahmen des Kommunikationsprozesses. Damit wird modellhaft der Möglichkeit des Auftretens ungewollter, zusätzlicher Informationen durch Störungen oder, insbesondere im technischen Zusammenhang, Rauschen Rechnung getragen. Unter dem Element Störquelle werden alle Störungen und sämtliches Rauschen zusammengefasst, die eine Veränderung einer Mitteilung auf dem Wege der Übertragung darstellen. In der Praxis stellen Störungen sowohl in der interpersonalen als auch in der Massenkommunikation ein Problem mit oftmals weitreichenden Konsequenzen dar27. 2.2.3 Darstellung der Informationsarten nach Krippendorff Die von Shannon und Weaver mittels des Störquellen-Elements dargestellte unerwünschte Veränderung einer Mitteilung ist wenig differenziert vorgenommen worden. Ganz allgemein repräsentieren Störungen in der Kommunikation ein gro- ßes Problem. Hieraus gehen sowohl im Rahmen der technisch dominierten Massenkommunikation als auch im Rahmen der interpersonalen bzw. Interkulturellen Kommunikation häufig weitreichende Konsequenzen hervor. In der Wirklichkeit kann aber wesentlich genauer zwischen zwei Arten unerwünschter Störungen bzw. Veränderungen von Botschaften unterschieden werden. Zum einen können Störungen durch den Verlust von relevanter Information bedingt sein. Rez et al. sprechen in diesem Zusammenhang auch von verlorenen Botschaften, die den Empfänger nicht erreichen und die er somit auch nicht wahrnehmen kann. Zum anderen können Störungen aber auch durch das Hinzufügen von irrelevanten, störenden Informationen erfolgen. Hinsichtlich jenes Teils einer Botschaft, in Bezug auf den sich ein Empfänger lediglich wähnt, sie von seinem Kommunikationspartner erhalten zu haben, während letzterer diese (so) nicht übermittelt haben will sprechen Rez et al. auch von imaginierten Botschaften. Im Übrigen definieren Rez et al. in der Kommunikation auftretende Missverständnisse auf kommunikationspsychologischer Basis als verlorene oder imaginierte Botschaften28, wobei grundsätzlich durchaus zur gleichen Zeit sowohl eine Botschaft verloren gehen kann als auch eine andere Botschaft vom Empfänger imaginiert werden kann29. Aus der vorangehend dargelegten grundsätzlichen Unterscheidung können drei Arten von Information abgeleitet werden, die jeder Kommunikationsprozess grundsätzlich beinhaltet bzw. beinhalten kann: 1) Äquivokation („Informationsverlust“): der Verlust von ursprünglich intendierten Informationen, also sog. verlorene Botschaften; 2) Rauschen: zusätzliche ungewollte Informationen („Noise“), also sog. imaginierte Botschaften; Vahlen – Allg. Reihe – Schugk – Interkulturelle Kommunikation in der Wirtschaft (2. Aufl.) – Herst.: Frau Deuringer Status: Imprimatur Datum: 25.08.2014 Seite 12 Vahlen – Allg. Reihe – Schugk – Interkulturelle Kommunikation in der Wirtschaft (2. Aufl.) – Herst.: Frau Deuringer Status: Imprimatur Datum: 25.08.2014 Seite 13 12 2 Kommunikation und Kommunikationsprozess 3) Transinformation: die vom Kommunikator intendierte und relevante Information, die tatsächlich vom Sender zum Empfänger übertragen wird. Krippendorff hat die Unterscheidung zwischen diesen drei Informationsarten, wie Abbildung 2-5 zeigt, modellhaft abgebildet. 2.2.4 Kommunikationsmodell nach Schramm Sowohl die bereits dargestellte Lasswell-Formel als auch das Modell nach Shannon und Weaver stellen sog. Flussmodelle dar, die letztendlich den Kommunikationsfluss abbilden. Die beiden Modellen zugrundeliegende Linearität wurde häufig kritisiert. Dabei bezog sich die Kritik insbesondere darauf, dass in beiden Modellen lediglich die Rede von Rollen ist, nicht aber von Personen30. Gemäß der geäußerten Kritik ist es nicht realistisch, dass ein Rezipient immer ein Rezipient bleibt. Vielmehr ist, insbesondere in der interpersonalen Kommunikation, ein ständiger Rollentausch und eine Interaktion der Kommunizierenden zu erwarten, so dass Kommunikation letztlich immer im Sinne eines wechselseitig vonstatten gehenden Prozesses der Bedeutungsvermittlung aufzufassen ist. Es stellt sich also die Frage, ob die angesprochenen Modelle dem Grundgedanken der Interaktion im Sinne eines doppelseitigen Geschehens entsprechen, bei dem jede Kommunikationspartei Einwirkungen vom jeweils anderen erfährt sowie zugleich selbst Wirkungen auf der Seite des anderen auslöst31. Trotz der geäußerten Kritik darf jedoch nicht übersehen werden, dass die zugrundegelegte Linearität einen wesentlichen strukturellen Aspekt der Kommunikation an sich kennzeichnet. So beruht manche Kritik auf dem Missverständnis, dass Kommunikator und Rezipient grundsätzlich mit konkreten Personen zu identifizieren seien. Tatsächlich handelt es sich jedoch sowohl in der Lasswell-Formel als auch im Kommunikationsmodell nach Shannon und Weaver bei den angeführten Modellelementen von Kommunikator und Rezipient letztlich um Rollen. Dem Rollenverständnis entsprechend ist es aber möglich, dass ein und dieselbe in den Kommunikationsprozess involvierte Person verschiedene Abbildung 2‑5: Modellhafte Unterscheidung der Arten von Information nach Krippendorff (Quelle: Noelle‑Neumann; Schulz; Wilke (2009), S. 174) Kanal Rauschen („Noise“) Äquivokation Transinformation empfangene Information gesendete Information Vahlen – Allg. Reihe – Schugk – Interkulturelle Kommunikation in der Wirtschaft (2. Aufl.) – Herst.: Frau Deuringer Status: Imprimatur Datum: 25.08.2014 Seite 12 Vahlen – Allg. Reihe – Schugk – Interkulturelle Kommunikation in der Wirtschaft (2. Aufl.) – Herst.: Frau Deuringer Status: Imprimatur Datum: 25.08.2014 Seite 13 132.2 Abbildung des Kommunikationsprozesses im Modell Rollen einnimmt. So übernehmen etwa bei der interpersonalen Kommunikation in aller Regel beide Partner abwechselnd sowohl die Kommunikator- als auch die Rezipientenrolle, oft auch in rascher Folge bzw. sogar mit zahlreichen Überschneidungen. Dem Grundgedanken der Kommunikation, also der Interaktion im Sinne eines wechselseitig vonstatten gehenden Prozesses der Bedeutungsvermittlung wird somit in den angesprochenen Modellen durchaus entsprochen. Im Übrigen kann gerade der angesprochene Fall, in dem zwei Ereignisse zusammenfallen, also durch die Überschneidung eine Koinzidenz entsteht, vom kommunikativen Standpunkt aus sehr stark problembehaftet sein. Schließlich sei angemerkt, dass die Möglichkeit eines Feedbacks grundsätzlich auch im Bereich der Massenkommunikation möglich ist. Der Begriff Massenkommunikation hat sich für Kommunikationsprozesse, die mit Hilfe technischer Medien realisiert werden, durchgesetzt. Die Massenkommunikation ist v. a. dadurch gekennzeichnet, dass die Mitteilungen an eine große, anonyme Menge von Rezipienten gesendet werden. Grundsätzlich ist der Rollenwechsel vom Rezipienten zum Kommunikator auch im Bereich der modernen Massenkommunikation durchaus möglich. So besteht etwa für jede einzelne Person der angesprochenen Masse, dem Publikum, die Möglichkeit von der vorrangig eingenommenen Rezipientenrolle in die Rolle des Kommunikators zu wechseln. Dies ist selbst im Falle der klassischen Medien wie Fernsehen oder Zeitung möglich, da das Publikum zumindest indirekt Feedback geben kann, beispielsweise durch Telefonanrufe oder Leserbriefe. Im Falle der neuen Medien ist insbesondere das Internet zu nennen, welches es den Rezipienten aufgrund der interaktiven Medienkonzeption jederzeit sehr einfach ermöglicht, von der Rezipienten- in die Kommunikatorrolle zu wechseln. Letztendlich ist es gerade diese Interaktivität, auf der etwa die grundsätzlichen Möglichkeiten des E-Commerce beruhen. Basierend auf der Vorstellung eines jederzeit möglichen Rollentauschs vom Kommunikator zum Rezipienten und umgekehrt erlangt die Kommunikation eine symmetrische und reziproke Struktur. Dies hat Schramm in Abbildung 2-6 zum Abbildung 2‑6: Rollentausch in der Kommunikation nach Schramm (Quelle: in Anlehnung an Noelle‑Neumann; Schulz; Wilke (2009), S. 175) Message Message Encoder Decoder Decoder Encoder Interpreter Interpreter Vahlen – Allg. Reihe – Schugk – Interkulturelle Kommunikation in der Wirtschaft (2. Aufl.) – Herst.: Frau Deuringer Status: Imprimatur Datum: 25.08.2014 Seite 14 Vahlen – Allg. Reihe – Schugk – Interkulturelle Kommunikation in der Wirtschaft (2. Aufl.) – Herst.: Frau Deuringer Status: Imprimatur Datum: 25.08.2014 Seite 15 14 2 Kommunikation und Kommunikationsprozess Ausdruck gebracht. Eine kommunikative Situation, wie sie Schramm darlegt, ist weniger als Übertragung, sondern eher als ein Austausch von Zeichen oder Informationen zu beschreiben. Jedoch kann dieser Austauschprozess durchaus auch als eine Kette gedacht werden, die sich aus einzelnen Übertragungsvorgängen mit jeweils linearer Struktur zusammensetzt32. 2.2.5 Klassisches Kommunikationsmodell nach Herrmann Das den Themenkreis der kommunikationstheoretischen Modelle abschließende klassische Kommunikationsmodell von Herrmann berücksichtigt die in der Sprache bereits angelegte Dichotomie von Sender und Empfänger bzw. von Sprachproduktion und Sprachrezeption. Das klassische Kommunikationsmodell von Herrmann selbst basiert auf den vier Grundelementen Sender, Nachricht, Empfänger und Störung. Im Gegensatz zu den vorausgehend dargestellten Modellen werden Sender und Empfänger nunmehr näher charakterisiert. So verfügen beide • über einen Vorrat an Bedeutungen (Vorstellungen über Dinge, Sachverhalte, Erwartungen …), • über einen Vorrat an Zeichen (Buchstaben, Wörter, Piktogramme, Bilder…) und • Bedeutungs-Zeichen-Zuordnungen, durch die geregelt ist, welches Zeichen welcher Bedeutung und umgekehrt zugeordnet ist. Der Informationsfluss kommt in Gang, indem der Sender seinem Bedeutungsvorrat eine Menge von Bedeutungen entnimmt und sie in eine Ordnung, sprich Bedeutungssequenz (BS) bringt. Daraufhin entnimmt er seinem Zeichenvorrat genau die Zeichen, die den einzelnen Teilen der Bedeutungssequenz entsprechen und bildet daraus eine Zeichensequenz (ZS), d. h. der Sender enkodiert die Bedeutungssequenz. Die Zeichensequenz wird nun vom Sender emittiert und somit zur Nachricht. Auf die Möglichkeiten einer Störung der Nachricht soll hier nicht mehr näher eingegangen werden. Der Empfänger rezipiert sodann die Nachricht. Er ordnet mit Hilfe seiner Bedeutungs-Zeichen-Zuordnungen den Zeichen der Abbildung 2‑7: Klassisches Kommunikationsmodell nach Herrmann (Quelle: Lenke; Lutz; Sprenger (1995), S. 233) Bedeutungsvorrat Zeichenvorrat Bedeutungsvorrat Zeichenvorrat Nachricht Zeichensequenz Zeichensequenz Bedeutungssequenz Bedeutungssequenz Störung Sender Empfänger B ed eu tu ng s- Ze ic he n- Zu or dn un g B edeutungs-Zeichen- Zuordnung Vahlen – Allg. Reihe – Schugk – Interkulturelle Kommunikation in der Wirtschaft (2. Aufl.) – Herst.: Frau Deuringer Status: Imprimatur Datum: 25.08.2014 Seite 14 Vahlen – Allg. Reihe – Schugk – Interkulturelle Kommunikation in der Wirtschaft (2. Aufl.) – Herst.: Frau Deuringer Status: Imprimatur Datum: 25.08.2014 Seite 15 152.2 Abbildung des Kommunikationsprozesses im Modell rezipierten Zeichensequenz eine Bedeutungssequenz zu, d. h. er dekodiert die empfangene Nachricht33. Durch die Modellierung des Informationsflusses zwischen Sender und Empfänger wird eine strukturelle Symmetrie von Sender und Empfänger zumindest nahegelegt. Der Dekodierungsprozess kann dabei als Spiegelbild des Enkodierungsprozesses verstanden werden (BS wird vom Sender zu ZS enkodiert, Empfänger dekodiert ZS zu BS). Für die Interkulturelle Kommunikation wird bereits an dieser Stelle deutlich, dass im dann typischen Fall einer außerhalb der Muttersprache geführten Kommunikation in (noch) stärkerem Maße unterschiedliche Bedeutungs-Zeichen-Zuordnungen den Kommunikationsprozess erschweren und die damit verbundene Gefahr kommunikativer Störungen maßgeblich erhöhen können. Keine Aussagen trifft das Modell über jene Prozesse, die der Auswahl von Bedeutungen zugrunde liegen bzw. von dieser Auswahl vorausgesetzt werden. Ebenfalls keine Aussagen werden getätigt über den Vorgang der Dekodierung, also des „Verstehens“ der Nachricht. Der Sender ordnet seine Nachricht als eine Sequenz von Bedeutungen und sendet diese, in Zeichensequenzen verpackt, dem Empfänger. Der Empfänger wiederum empfängt die Zeichensequenzen und dekodiert diese in Bedeutungsinhalte34. Eine im Vergleich zur Enkodierung unveränderte Dekodierung ist denkbar und möglich, aber nicht unbedingt und zwingend in jedem Falle gegeben. Gerade in der Interkulturellen Kommunikation sind infolge der typischerweise erfolgenden Verwendung von Fremdsprachen Abweichungen zwischen Dekodierung und Enkodierung besonders wahrscheinlich, was ein eindeutiger Hinweis auf die besondere Störanfälligkeit der Interkulturellen Kommunikation ist. Das klassische Modell von Herrmann birgt eine wesentlich feinere Strukturierung der beiden Einheiten von Sender und Empfänger als etwa das Modell von Shannon und Weaver in sich. In dieser Strukturierung findet eine wesentliche Modelleigenschaft Berücksichtigung, die in der Semantisierung, also der Bedeutung der Nachricht zu sehen ist. Die semantische Dimension bezieht sich auf die Bedeutung der in der Kommunikation jeweils verwendeten Zeichen35. Dabei kann nach der Bedeutung gefragt werden, die für jemanden beispielsweise mit den Worten bzw. Zeichen „K-o-m-p-r-o-m-i-s-s“ oder „V-e-r-m-i-t-t-l-e-r“ verbunden ist. Im Übrigen ist die Semantik eines Begriffes bzw. Zeichens selbst im intrakulturellen Kontext oftmals nicht ganz einfach und eindeutig erschließbar. Vielmehr ergibt sich die Bedeutung eines Begriffes häufig erst bei genauer Betrachtung des Kontextes, in dem der jeweilige Begriff steht. Ein und dasselbe Wort kann in Abhängigkeit vom jeweiligen Zusammenhang eine durchaus entscheidend unterschiedliche Bedeutung haben. Beispielsweise hat das Wort bzw. Zeichen „Blatt“ ganz unterschiedliche Bedeutungen, je nachdem, ob es von einem Musiker, Graphiker, Maler, Skatspieler, Botaniker etc. verwendet wird. Diese Problematik setzt sich im interkulturellen Kontext in verschärfter Form fort36, zumal hier typischerweise zumindest einer der Kommunikationspartner eben eine andere Sprache als die Muttersprache anwendet. Neben der Semantik spielen Zeichen im Modell von Herrmann eine zentrale Rolle. Unter einem Zeichen ist grundsätzlich eine materielle Erscheinung zu verstehen, der eine Bedeutung zugeordnet wurde. Erst dadurch, dass ein Zeichen etwas Vahlen – Allg. Reihe – Schugk – Interkulturelle Kommunikation in der Wirtschaft (2. Aufl.) – Herst.: Frau Deuringer Status: Imprimatur Datum: 25.08.2014 Seite 16 Vahlen – Allg. Reihe – Schugk – Interkulturelle Kommunikation in der Wirtschaft (2. Aufl.) – Herst.: Frau Deuringer Status: Imprimatur Datum: 25.08.2014 Seite 17 16 2 Kommunikation und Kommunikationsprozess bedeutet, kann es auch auf etwas verweisen, d. h. es deutet auf etwas hin, das von ihm selbst verschieden ist: „Der Gegenstand / der Zustand / die Beziehung / das Ereignis usw., auf das / den das Zeichen verweist, fungiert dabei „lediglich“ als die Quelle seiner Bedeutung; der eigentliche Träger der Bedeutung ist das Zeichen selbst. Ein Zeichen kann grundsätzlich alles sein, was (sinnlich) wahrnehmbar ist, kurz: alles, was in irgendeiner materiellen Form manifestiert wird.“37 Im Sinne einer materiellen Erscheinung bedeutet ein Zeichen also etwas, d. h. es verweist auf etwas. Als in irgendeiner materiellen Form manifestierte Zeichen kommen materielle Gegenstände in Frage, z. B. ein aus einem Blechschild bestehendes Verkehrsschild, sowie dessen Eigenschaften, z. B. seine rote Farbe. Aber auch materielle Ereignisse, z. B. eine im Bereich der Gestik anzusiedelnde Handbewegung, können letztlich ein Zeichen sein38. Ein Zeichen ist somit, wie Eco, einer der Pioniere auf dem Gebiet der Semiotik, also der allgemeinen Wissenschaft von den Zeichen, es ausdrückt, etwas, das für jemanden in irgendeiner Hinsicht oder Funktion für irgendetwas (anderes) steht. Sowohl Wörter, ganze Sätze, Texte als auch nonverbale Zeichen wie Gesten oder Mimik sind Zeichen39. Ganz allgemein gilt es künstliche und natürliche Zeichen voneinander zu unterscheiden. Zu den künstlichen Zeichen sind alle materiellen Erscheinungen zu rechnen, die zum Zwecke der Kommunikation generiert worden sind. In Bezug auf die menschliche Kommunikation sind diese künstlichen Zeichen auf der Basis von gesellschaftlichen Konventionen entstanden, d. h. die Bedeutung der jeweiligen Zeichen ist das Ergebnis einer sozialen Übereinkunft bzw. einer Vereinbarung zwischen Menschen. Eine Aneinanderreihung von bestimmten Lautzeichen bzw. bestimmten Buchstaben wie beispielsweise „K-o-m-p-r-o-m-i-s-s“ ist somit zugleich ein künstliches Zeichen als auch ein konventionelles Zeichen. Das Zeichen wurde von Menschen zielgerichtet zum Zwecke der interpersonalen Kommunikation erstellt und ist durch eine Übereinkunft der Menschen der deutschsprachigen Kultur ins Leben gerufen worden, also mit einer Bedeutung belegt worden40. Das Zeichen „Kompromiss“ wurde zielorientiert zur Ermöglichung menschlicher Kommunikation aufgestellt und im konkreten Fall durch eine Übereinkunft der Menschen innerhalb der deutschsprachigen Kultur ins Leben gerufen, also mit einer Bedeutung versehen. Angemerkt sei, dass die Auswahl von künstlichen Zeichen aus jenem Vorrat, der sich auf die sog. künstlichen Zeichen bezieht, – zumindest in hohem Maße bzw. im Einzelfall – durchaus bewusst und planmäßig möglich ist. Ein eindrucksvolles Beispiel zur Veranschaulichung der Kulturabhängigkeit von Bedeutungsschemata zeigt sich in Verhandlungen des Österreichers Kurt Waldheim, die dieser Anfang 1980 in seiner damaligen Funktion als UN-Generalsekretär während einer Geiselnahme im Iran zu führen hatte. Um den Zusammenhang der Ereignisse zu verstehen ist es zunächst wichtig zu wissen, dass das Wort „Kompromiss“ in Persien keine so positive Bedeutung wie im Englischen hat, wo unter Kompromiss eine „Lösung auf dem Mittelweg, mit der beide Seiten leben können“, verstanden wird. In Persien bedeutet das Wort „Kompromiss“ viel eher eine „Herabsetzung des eigenen Wertes“ oder „Kompromittierung des Ansehens“. Zudem wird unter einem „Vermittler“ in Persien eine Person verstanden, die sich „uneingeladen in etwas hineindrängt“. Das Schlichtungsanliegen Waldheims wur- Vahlen – Allg. Reihe – Schugk – Interkulturelle Kommunikation in der Wirtschaft (2. Aufl.) – Herst.: Frau Deuringer Status: Imprimatur Datum: 25.08.2014 Seite 16 Vahlen – Allg. Reihe – Schugk – Interkulturelle Kommunikation in der Wirtschaft (2. Aufl.) – Herst.: Frau Deuringer Status: Imprimatur Datum: 25.08.2014 Seite 17 172.2 Abbildung des Kommunikationsprozesses im Modell de im iranischen Rundfunk nach dessen Ankunft mit der Nachricht kommentiert, dass Waldheim „als Vermittler kommt, auf der Suche nach einem Kompromiss“. Bereits wenige Stunden nach den ersten Sendungen attackierten verärgerte Iraner das Auto Waldheims und bewarfen es mit Steinen41. Im Gegensatz zu dieser geschilderten konfliktreichen interkulturellen Begegnung werden verschiedene Menschen ein und derselben Kultur auf Basis diverser Mechanismen und Instanzen der Sozialisation weitaus eher zu mehr oder weniger ähnlichen Erfahrungs- und Denkwelten gelangen. Dabei ist der Prozess der Sozialisation nicht auf den besonders bedeutenden Bereich der Erziehung in der Familie beschränkt, sondern bezieht sich genauso auf Bildungsinstitutionen wie die Schule, Wirtschaftsunternehmen oder Massenmedien. Somit werden unterschiedliche Menschen ein und derselben Kultur mit einem bestimmten Zeichen wie „K-o-m-p-r-o-m-i-s-s“ auch relativ ähnliche Bedeutungsvorstellungen bzw. Inhalte verbinden. Dies steht nicht in Widerspruch zu einem letztlich auch subjektabhängig unterschiedlichen Zeichen- und Bedeutungsvorrat. Sicherlich wird der Einzelne „seine“ jeweiligen Zeichen und Bedeutungen auf Basis eines ganz persönlichen, subjektiven Erlebnis- und Erfahrungszusammenhangs heraus bilden, entwickeln und zuordnen. Aber kulturübergreifende Gemeinsamkeiten sorgen dafür, dass letztlich verschiedene Vertreter ein und derselben Kultur durchaus zu ganz ähnlichen Bedeutungsvorstellungen von bestimmten Zeichen kommen können42. Im kulturübergreifenden Vergleich hingegen sind die diesbezüglichen Unterschiede der Tendenz nach weitaus größer und erschweren die Kommunikation entscheidend. Wird das klassische Kommunikationsmodell von Herrmann für die Interkulturelle Kommunikation herangezogen, so ist darauf hinzuweisen, dass die Bestimmung der zu verwendenden Sprache, die von den beteiligten Vertretern unterschiedlicher Kulturen vorzunehmen ist, die Kommunikationssituation entscheidend problematisiert. So ist ein exaktes Verfügen über Zeichen- und / oder Bedeutungsvorrat gemäß den jeweiligen Vorstellungen für eine Person in einer fremden Sprache wesentlich schwieriger als in der Muttersprache. Kommunikationsstörungen sind von daher im interkulturellen Kontext viel wahrscheinlicher als im intrakulturellen Kontext, bei dem Vertreter der gleichen Kultur miteinander kommunizieren43. Zudem bleiben die Übersetzungsmöglichkeiten zwischen Sprachen gerade im Falle sehr unterschiedlicher Kulturen mitunter eindeutig begrenzt, weil bei unterschiedlichen Akzentsetzungen in der Kultur Vokabeln gleichartigen Inhaltes schwer bzw. kaum zu finden sind. So muss insbesondere bei der Übersetzung zwischen Sprachen bedacht werden, dass die einzelnen Vokabeln nicht nur Bezeichnungen, sondern weitergehend Denkmodelle zur Erfassung bestimmter Realitätsausschnitte darstellen, bei denen für verschiedene Sprachen eine unterschiedliche Entwicklung möglich ist. Ein Beispiel, welches diesen Sachverhalt überzeugend veranschaulicht repräsentiert sich in der interkulturell unterschiedlichen sprachlichen Farbeinteilung des Regenbogenspektrums. So werden im Englischen in Bezug auf das Regenbogenspektrum gemäß der klassischen Unterteilung nach Newton die sechs Kernfarben Violett, Blau, Grün, Gelb, Orange und Rot unterschieden. Das Volk der Shona aus dem im südlichen Afrika gelegenen Simbabwe hingegen erkennt diesbezüglich nur vier Farbtöne und das Volk der Bassa im westafrikanischen Liberia untergliedert das gesamte Farbspektrum nur in den hellen und Vahlen – Allg. Reihe – Schugk – Interkulturelle Kommunikation in der Wirtschaft (2. Aufl.) – Herst.: Frau Deuringer Status: Imprimatur Datum: 25.08.2014 Seite 18 Vahlen – Allg. Reihe – Schugk – Interkulturelle Kommunikation in der Wirtschaft (2. Aufl.) – Herst.: Frau Deuringer Status: Imprimatur Datum: 25.08.2014 Seite 19 18 2 Kommunikation und Kommunikationsprozess den dunklen Teil. Es wird deutlich, dass die Sprache jeweils auch als ein Spiegel der jeweiligen Kultur gesehen werden kann, da sich ihr Inhalt an dem orientiert, was in der jeweiligen Kultur als wichtig angesehen wird. Insofern setzt also das volle Verständnis einer Sprache eigentlich auch die Kenntnis der jeweiligen Kultur voraus. „Die Übersetzungsmöglichkeit zwischen Sprachen sehr unterschiedlicher Kulturen bleibt begrenzt, weil bei unterschiedlichen Akzentsetzungen in der Kultur Vokabeln gleichartigen Inhaltes schwer zu finden sind.“44 In der für die Interkulturelle Kommunikation typischen Situation, in der zumindest eine Person auf eine Fremdsprache ausweichen muss, kommt es zum sog. „code-switching“, bei dem die entsprechende Person das Kommunikationssystem sowie die (ursprüngliche) Kommunikationssprache wechselt. Insbesondere im Wirtschaftsleben wird häufig auf Englisch als sog. Lingua franca zurückgegriffen45. Einfügend angemerkt sei, dass Lingua franca wörtlich „Sprache der Franken“ bedeutet. Diese Bezeichnung bezieht sich auf eine Handelssprache, die vom 13. bis 18. Jahrhundert im östlichen Mittelmeerraum unter Kaufleuten in Gebrauch war und die auf einer romanischen Grundsprache basierte. Diese Grundsprache war möglicherweise Provenzalisch. Von daher wird angenommen, dass deshalb von Lingua franca, also von Sprache der Südfranzosen gesprochen wird. Im Übrigen flossen auch Elemente des Arabischen und Griechischen in diese Lingua franca mit ein. Heute dient der Begriff der Lingua franca als Gattungsbegriff für internationale Verkehrssprachen46. Gerade die heutige häufige Bevorzugung des Englischen als Lingua franca ist jedoch nicht unproblematisch, verschärft sich hierdurch doch das interkulturell bedingte Konfliktpotential infolge der Tatsache, dass Kommunikationspartner aufeinandertreffen, deren englischsprachige Kommunikation durchsetzt ist mit Interferenzen aus verschiedenen Muttersprachen und Ausgangskulturen. Des Weiteren existieren neben dem britischen und dem amerikanischen Englisch in Abhängigkeit von der jeweiligen Weltregion unterschiedliche Englischstandards, zum Beispiel Indian English, Singapore English, Nigerian English etc.47. Im Übrigen bedeutet ein Zurückgreifen auf die englische Sprache als Fremdsprache natürlich nicht, dass der jeweilige Kommunikator seine eigene Kultur aufgibt. Vielmehr ist im Gegenteil zu erwarten, dass sein gesamtes Kommunikationsverhalten nach wie vor von seiner jeweiligen Heimatkultur geprägt ist48. Zudem sei darauf hingewiesen, dass die Bedeutung der Lingua franca nicht überschätzt werden sollte. So ist anstelle der Wahl einer internationalen Verkehrssprache auch die Wahl der Standardsprache des ökonomisch dominanten Partners eine denkbare Alternative oder gar Notwendigkeit. Hierbei sei nur auf die dänisch-deutsche oder auch die luxemburgisch-deutsche Verständigung hingewiesen49. Die Wahl der Sprache kann aber auch vom Thema abhängig gemacht werden. So ist die Behörden- und Handelsprache in vielen ehemaligen Kolonialstaaten des anglophonen Afrika noch immer die ehemalige Kolonialsprache50. In Marokko werden Gespräche über Wissenschaft oder Technik in Französisch geführt, für religiöse oder kulturelle Themen hingegen wird Arabisch bevorzugt51. Das Kommunikationsmodell von Herrmann zeigt letztlich die insbesondere auch für die Interkulturelle Kommunikation zu berücksichtigende Kernanforderung der semantischen Äquivalenz auf. Dabei bezieht sich die semantische Äquivalenz auf die inhaltliche Übereinstimmung der Wortbedeutung. In der Praxis kann die semantische Äquivalenz nicht durch eine „möglichst wortgetreue Überset- Vahlen – Allg. Reihe – Schugk – Interkulturelle Kommunikation in der Wirtschaft (2. Aufl.) – Herst.: Frau Deuringer Status: Imprimatur Datum: 25.08.2014 Seite 18 Vahlen – Allg. Reihe – Schugk – Interkulturelle Kommunikation in der Wirtschaft (2. Aufl.) – Herst.: Frau Deuringer Status: Imprimatur Datum: 25.08.2014 Seite 19 192.2 Abbildung des Kommunikationsprozesses im Modell zung“ erreicht werden, gibt es doch in der Muttersprache des Kommunikators in der Regel viele Termini, für die sich in einer Fremdsprache letztlich kein entsprechendes Pendant findet. Dieser Sachverhalt wird auch als „linguistic blank“ bezeichnet. Beispielsweise existiert in der japanischen Sprache keine Vokabel für „Ehepartner“ und im Deutschen keine für „Fair play“. Wortgetreue Übersetzungen können durchaus ihre Richtigkeit haben. So ist etwa die Verwendung des Begriffs „wallflower“ für den deutschen Terminus „Mauerblümchen“ zutreffend. Aber oftmals sind wortgetreue Übersetzungen auch unzutreffend bzw. falsch. Aber auch bestimmte grammatikalische Elemente sind in anderen als der deutschen Sprache nicht existent52. In der amerikanischen kulturvergleichenden Psychologie und Kulturanthropologie wurde eine Reihe von Postulaten an die sprachliche Gestaltung von Texten aufgestellt, die zur Realisierung der semantischen Äquivalenz beitragen können: • Formulierung kurzer, einfacher Sätze (Kürze und Prägnanz / Einfachheit) • Bevorzugung der Aktivform gegenüber der Passivform „Wir montieren die Anlage.“ anstelle von „Die Anlage wird von uns montiert.“ • Wiederholung von Nomina anstelle der Verwendung von Pronomina „Wir montieren die Anlage.“ anstelle von „Wir montieren sie.“ • Vermeidung metaphorischer oder umgangssprachlicher Ausdrucksformen • Vermeidung des Konjunktivs (z. B. könnte, müsste, sollte) • Herstellung eines Kontexts für wichtige Begriffe und Wiederholung wichtiger Sätze in einer anderen Formulierung • Vermeidung von Adverbien oder Präpositionen, die eine „wo“- oder „wann“-Bestimmung beinhalten (z. B. oben, bald, gelegentlich) • Vermeidung von Possessivpronomina (z. B. meine, deine etc.) • Vermeidung allgemeiner Begriffe (z. B. Gattungsbegriffe wie „Getränke“) zugunsten einer Spezifizierung deren inhaltlicher Bezüge (z. B. Tee, Kaffee, Wasser, Bier etc.) • Vermeidung von Wörtern, die Art, Umfang, Ausdehnung und Menge von Personen, Sachen oder Ereignissen auf unbestimmte Art und Weise zum Ausdruck bringen (z. B. jemand, manchmal, häufig, etwas etc.) • Verwendung von Ausdrucksweisen, die dem Übersetzer vertraut sind • Vermeidung einer Satzbildung mit zwei verschiedenen Verben, wenn sich diese auf unterschiedliche Vorgänge beziehen53; Das vorangehend angeführte Waldheim-Beispiel für Störungen in Ermangelung einer semantischen Äquivalenz ist kein Einzelfall. Vielmehr sind Missverständnisse im interkulturellen Kontext geradezu vorprogrammiert. So wird etwa in Russland unter dem Begriff „Freiheit“ eine gewisse Freiheit in der Gruppe verstanden, wohingegen in den USA hiermit in erster Linie die individuelle und politische Freiheit angesprochen ist54. Ein bei der Verabschiedung im Spanischen eingesetztes „Ya te llamaré“ wird durchaus nicht wortwörtlich im Sinne von „Ich rufe Dich Vahlen – Allg. Reihe – Schugk – Interkulturelle Kommunikation in der Wirtschaft (2. Aufl.) – Herst.: Frau Deuringer Status: Imprimatur Datum: 25.08.2014 Seite 20 Vahlen – Allg. Reihe – Schugk – Interkulturelle Kommunikation in der Wirtschaft (2. Aufl.) – Herst.: Frau Deuringer Status: Imprimatur Datum: 25.08.2014 Seite 21 20 2 Kommunikation und Kommunikationsprozess an“ gemeint. Ein mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit erfolgendes Ausbleiben des Anrufes kann leicht mit stereotypen Erwartungen vom unzuverlässigen, mitunter auch oberflächlichen mediterranen Kulturvertreter in Verbindung gebracht werden. Doch eigentlich wäre die bedeutungsgleiche Übersetzung viel eher in einem „Man sieht sich“ oder „Wir bleiben in Kontakt“ zu sehen, was indes keine konkrete Absicht eines baldigen Sich-Meldens beinhaltet55. Ein abschließendes Beispiel stellt die diplomatische Kommunikation zwischen USA und China dar, die nach der versehentlichen Kollision eines US-Spionageflugzeugs mit einem chinesischen Abfangjäger über dem südchinesischen Meer im April 2001 geführt wurde. Der damalige chinesische Ministerpräsident Jiang Zemin forderte eine offizielle Entschuldigung von Präsident Bush, ansonsten würde die Herausgabe von Flugzeug und Besatzung an die USA verweigert werden. Der US-Präsident konnte jedoch kein Verschulden seitens der USA erkennen und beließ es bei Äußerungen des Bedauerns. Dieses Verhalten wäre für die chinesische Staatsführung unweigerlich mit einem Gesichtsverlust verbunden gewesen. Von daher entspann sich im Folgenden eine intensiv geführte diplomatische Kontroverse um die Sprechhandlung der Entschuldigung. Offensichtlich sind die Auffassungen über Entschuldigungen in den USA und in China sowohl in Bezug auf die Bedingungen für ihren erfolgreichen Vollzug als auch in Bezug auf die Modalitäten des Vollzugs selbst unterschiedlich. Eine diplomatische Lösung konnte erst nach fast zweiwöchigem Tauziehen erreicht werden, indem sich die US-Regierung zwar gemäß den in den USA anerkannten Konventionen der Entschuldigung nicht entschuldigt hat, aber letztlich ihre Formulierungen so gefasst hat, „daß es aus der Perspektive der chinesischen Seite (und nach den chinesischen Konventionen) so aussehen konnte, als seien die Bedingungen für eine erfolgreiche Entschuldigung erfüllt.“56 Den Sachverhalt in Verbindung mit einem Brief der US-Regierung an den chinesischen Ministerpräsidenten kommentierte eine große deutsche Tageszeitung wie folgt: „US-Experten sind sich einig, dass geschickte Wortwahl in dem Brief beiden Seiten eine Lösung ohne Gesichtsverlust ermöglichte. Die entscheidenden Stellen des Schreibens in englischer Sprache lassen sich beim Übersetzen ins Chinesische so interpretieren, dass sie Pekings Wünschen entgegenkommen.“57 Unterschiedliche Bedeutungsschemata sind im interkulturellen Kontext keineswegs auf die verbale Kommunikation beschränkt. Vielmehr können sie auch in der nonverbalen Kommunikation gegeben sein. Beispielsweise ist in Indien häufig ein Kopfwiegen zu sehen, das als Ausdruck der Bejahung gilt. Dieses Kopfwiegen ist dem Kopfschütteln in Deutschland als Ausdruck von Verneinung ähnlich, noch mehr aber ähnelt es einem abwiegenden Kopfschütteln als eindeutiger Ausdruck von verbleibenden Restzweifeln. Eine nicht gegebene gemeinsame Bedeutungskenntnis bzw. Bedeutungszuweisung kann also bereits beim Austausch „minimaler“ (nonverbaler) Zeichen zu tiefen Kommunikationsstörungen führen58. Es wurde bereits auf die Unterscheidung in künstliche und natürliche Zeichen hingewiesen. Wurden die künstlichen Zeichen bereits umfassend diskutiert, bleibt nunmehr noch auf die natürlichen Zeichen näher einzugehen, deren Berücksichtigung im Modell nach Herrmann nicht unproblematisch ist. Als natürliche Zeichen gelten sämtliche materiellen Erscheinungen, die für das Objekt, den Vorgang, den Zustand etc., auf das / den sie verweisen, selbst kennzeichnend sind. Demzufolge Vahlen – Allg. Reihe – Schugk – Interkulturelle Kommunikation in der Wirtschaft (2. Aufl.) – Herst.: Frau Deuringer Status: Imprimatur Datum: 25.08.2014 Seite 20 Vahlen – Allg. Reihe – Schugk – Interkulturelle Kommunikation in der Wirtschaft (2. Aufl.) – Herst.: Frau Deuringer Status: Imprimatur Datum: 25.08.2014 Seite 21 212.2 Abbildung des Kommunikationsprozesses im Modell sind natürliche Zeichen keineswegs zum Zwecke der Kommunikation entstanden, vielmehr ist ihre Existenz unabhängig davon als natürlicher Prozess zu verstehen. Da natürliche Zeichen vom Objekt, welches sie anzeigen, letztlich kausal verursacht werden, kann eine natürliche bzw. naturhafte Verbindung zwischen Zeichen und Objekt unterstellt werden. So ist etwa Rauch ein Zeichen für brennendes Feuer und somit letztlich auch ein Anzeichen oder Symptom jener Objekte, auf die sie hindeuten59. Aber auch zittrige Hände können als natürliches (nonverbales) Zeichen angesehen werden, nämlich als Zeichen der Angst, Unsicherheit oder auch Aggression. Gerade die nonverbale Kommunikation wird, wie noch darzustellen sein wird, in hohem Maße mit dem unbewusst ausgerichteten, also nicht bewusst intendierten Teil des menschlichen Verhaltens in Verbindung gebracht60. Aufgrund der nur beschränkten Steuerbarkeit der nonverbalen Kommunikation stellt sich jedoch die Frage, ob, wie von Herrmann angedacht, tatsächlich ein Großteil dieser Zeichen bewusst und planmäßig dem verfügbaren Zeichenvorrat entnommen wird oder ob er letztlich im Rahmen unbewusst ausgerichteter Verhaltenssteuerungsmechanismen gewissermaßen „automatisch“ zum Ausdruck kommt. Offensichtlich ist die von Herrmann angesprochene bewusste und bestimmte Auswahl aus dem verfügbaren Zeichenvorrat für den Bereich der nonverbalen Kommunikation so eigentlich nicht möglich bzw. zumindest eingeschränkt. 2.2.6 Fallstudien zur semantischen Äquivalenz 2.2.6.1 „Der unhöfliche US‑amerikanische Arbeitskollege“ Der Deutsche Matthias Kleinemeier ist Ingenieur eines deutschen Unternehmens. Auf einem Flug nach Los Angeles lernt er den neben ihm sitzenden US-Amerikaner Andrew Carter kennen. Im Verlaufe des Gesprächs stellt sich heraus, dass beide im gleichen Unternehmen arbeiten. Während des Fluges unterhalten sich beide immer wieder sehr angeregt. Nach Ankunft am John-Wayne-Airport in Los Angeles verlassen beide das Terminal gemeinsam, so dass Matthias Kleinemeier noch die Ehefrau von Andrew Carter kennen lernt, die ihren Ehemann bereits am Flughafen erwartet. Andrew Carter stellt seiner Ehefrau Matthias begeistert vor: „Monica, darf ich Dir Matthias, einen ganz lieben Kollegen und Freund, vorstellen. Wir haben uns auf dem Flug hierher kennen gelernt.“ Matthias ist erfreut, die Ehefrau des Kollegen kennen zu lernen, nicht aber ohne etwas überrascht zu sein, gleich als Freund vorgestellt zu werden. Nach kurzer Zeit trennen sich die Wege der beiden Kollegen. Beide versprechen, bald miteinander telefonisch Kontakt aufzunehmen. Etwa einen Monat später treffen sich Herr Kleinemeier und Herr Carter in Deutschland in der Kantine ihres Unternehmens zufällig wieder. Andrew sieht Matthias an seinem Tisch sitzen, geht am Tisch vorbei, Matthias gleichzeitig mit einem freundlichen „Hi“ begrüßend, setzt sich dann aber alleine an einen anderen Tisch. Matthias Kleinemeier ist sehr irritiert angesichts des leicht distanzierten Verhaltens des Kollegen, zumal ihn dieser seiner Frau gegenüber vor wenigen Wochen gleich als Freund vorgestellt hat. Worin ist die Irritation von Herrn Kleinemeier begründet? Gehen Sie in Ihrer Erklärung v. a. auf die Frage der semantischen Äquivalenz des Begriffspaares „Freund / friend“ ein. Vahlen – Allg. Reihe – Schugk – Interkulturelle Kommunikation in der Wirtschaft (2. Aufl.) – Herst.: Frau Deuringer Status: Imprimatur Datum: 25.08.2014 Seite 22 Vahlen – Allg. Reihe – Schugk – Interkulturelle Kommunikation in der Wirtschaft (2. Aufl.) – Herst.: Frau Deuringer Status: Imprimatur Datum: 25.08.2014 Seite 23 22 2 Kommunikation und Kommunikationsprozess 2.2.6.2 „Die oberflächlichen Neuseeländer“ Der deutsche Maschinenbauer Georg Rappolder befindet sich noch am Anfang seiner Karriere im in Hamburg angesiedelten Stammhaus eines international tätigen Unternehmens des Industriegütersektors. Das Angebot interkulturelle Erfahrungen durch einen Auslandsaufenthalt für drei Jahre bei der in Auckland, Neuseeland, ansässigen Landesgesellschaft zu sammeln und sich somit für eine Führungsposition auf Ebene des mittleren Managements zu empfehlen nimmt er spontan an. Es ist der erste längere Auslandsaufenthalt von Georg Rappolder und gemäß seinen Erwartungen ist ihm die neuseeländische Kultur keineswegs vollkommen fremd. Dennoch stellt er auch gravierende Unterschiede fest. Ein besonders gravierender Unterschied ergibt sich regelmäßig, wenn er nach Feierabend in den Supermärkten von Auckland seine Einkäufe tätigt. An der Kasse begrüßen ihn die Kassierer in der Regel mit einem freundlichen „Hello, how are you today?“. Die ersten Male stutzt Georg Rappolder und glaubt, es müsse sich um eine Verwechslung mit einem guten Bekannten des Kassierers handeln. Doch das freundliche Verhalten der Angestellten in Supermärkten wiederholt sich mit den unterschiedlichsten Neuseeländern und auch Tankwarte und der Hausmeister fragen ihn ziemlich persönlich nach seinem Wohlergehen, was er in Bezug auf diese ihm kaum bekannten Personen allerdings als etwas zu indiskret empfindet und ihm auch ein gewisses Unbehagen bereitet. An einem Tag, an dem es im Büro alles andere als gut gelaufen ist und sich zahlreiche neue, teils gravierende Probleme eingestellt haben geht er wiederum nach Feierabend in einen Supermarkt. Die Frage der Kassiererin nach dem persönlichen Wohlbefinden löst einen Fluss der Gefühle in ihm aus und da sich zudem keine weiteren Kunden hinter ihm befinden antwortet er tatsächlich sehr persönlich: „Not too good today… I just arrived here in New Zealand and in general it is not easy for me. But today I had an extraordinary bad day in the office.” Georg Rappolder erwartet ein paar einfühlsame, aufmunternde Worte, mit denen die Kassiererin ihm ihre Anteilnahme signalisiert. Doch stattdessen reagiert sie verwirrt, gar verstört und es machte fast den Eindruck als hätte noch niemals ein Kunde derart offenherzig geantwortet und die eigenen Gefühle dargelegt. Kurz angebunden entgegnet sie: „I am sure it is going to be alright!“ Georg Rappolder verlässt den Supermarkt reichlich deprimiert. Insgeheim fragt er sich, ob es die richtige Entscheidung war nach Neuseeland zu kommen und sich einer fremden Kultur auszusetzen, in der die Menschen offensichtlich durch die Bank reichlich oberflächlich sind. Worin ist die Irritation von Georg Rappolder begründet? Gehen Sie in Ihrer Erklärung insbesondere auf die Frage der semantischen Äquivalenz des Fragepaares „Wie geht es Ihnen? / How are you?“ ein. 2.3 Zielsetzung der Kommunikation Kommunikation ist grundsätzlich immer intentional, d. h. es handelt sich um einen zielgerichteten Vorgang zur Verwirklichung bestimmter Absichten und Zwecke. Intentionalität geht dabei sowohl vom Kommunikator als auch vom Rezipienten aus. Die Zielsetzungen der beiden unterscheiden sich jedoch häufig erheblich. So 2.3 Zielsetzung der Kommunikation

Chapter Preview

References

Zusammenfassung

Kompetenz zur Interkulturellen Kommunikation für jeden Markt der Welt

Kommunikation in der Wirtschaft ist von essentieller Bedeutung und unabdingbar für den Erfolg, wobei die fortschreitende Globalisierung und Internationalisierung die Interkulturelle Kommunikation immer bedeutsamer machen. Erst die Kenntnis kultureller Unterschiede und Besonderheiten ermöglicht eine erfolgreiche Kommunikation auch zwischen Vertretern unterschiedlicher Kulturen.

Dieses Buch gibt kulturübergreifend einen umfassenden Überblick über

- Begriffe der Kommunikation und Kultur

- Interkulturelle Besonderheiten in der interpersonalen und massenmedialen

- Kommunikation (Interkulturelle Marketing-Kommunikation)

- Verbale und nonverbale Kommunikation

- Kulturvergleichende Studien (z.B. GLOBE-Studie)

- Neuere Forschungsgebiete wie Interkulturelle Kommunikationspsychologie und Kulturelle Neurowissenschaft

Durch zahlreiche Fallbeispiele und Fallstudien eignet sich dieses Buch für die Aus- und Weiterbildung an Universitäten, Hochschulen und anderen Bildungseinrichtungen sowie für die Praxis.