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8.4 Das Riemann-Thomann-Modell in:

Michael Schugk

Interkulturelle Kommunikation, page 399 - 404

Grundlagen und interkulturelle Kompetenz für Marketing und Vertrieb

2. Edition 2014, ISBN print: 978-3-8006-4888-7, ISBN online: 978-3-8006-4889-4, https://doi.org/10.15358/9783800648894_399

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Vahlen – Allg. Reihe – Schugk – Interkulturelle Kommunikation in der Wirtschaft (2. Aufl.) – Herst.: Frau Deuringer Status: Imprimatur Datum: 25.08.2014 Seite 382 Vahlen – Allg. Reihe – Schugk – Interkulturelle Kommunikation in der Wirtschaft (2. Aufl.) – Herst.: Frau Deuringer Status: Imprimatur Datum: 25.08.2014 Seite 383 382 8 Interkulturelle Kommunikations psychologie 8.4 Das Riemann Thomann Modell 8.4.1 Die theoretischen Grundlagen des Riemann Thomann Modells In Bezug auf das vorausgehend abgehandelte Modell vom Inneren Team nach Schulz von Thun kann festgehalten werden, dass einerseits die Menschen weltweit durch eine dem Modell zugrunde liegende innere Pluralität gekennzeichnet sind. Andererseits aber unterscheiden sich Menschen und zwar kulturbedingt in der Zusammensetzung bzw. Ausprägung dieser inneren Pluralität, eben dem Inneren Team mitunter in überaus erheblichem Maße. Dieser Sachverhalt kommt auch im Koordinatenkreuz des an dieser Stelle diskutierten Riemann-Thomann-Modells zum Ausdruck, das auf Untersuchungen von Fritz Riemann basiert und später von Christoph Thomann weiterentwickelt worden ist. Dieses in Abbildung 8-12 dargelegte Modell geht von vier menschlichen Grundbestrebungen aus, die bei allen Menschen weltweit als grundsätzlich vorhanden angenommen werden können. So hat jeder Mensch auf der einen Seite unabhängig von seiner kulturellen Zugehörigkeit ein Bedürfnis nach Nähe sowie Zugehörigkeit und gleichzeitig auch nach dem Gegenpol der Distanz, also der Abgrenzung und Eigenständigkeit. Auf der anderen Seite streben Menschen ganz grundsätzlich nach Dauer und Dauerhaftigkeit sowie der damit verbundenen Sicherheit, Verlässlichkeit und Beständigkeit, jedoch nicht ohne dass der hiermit verbundene Gegenpol des Wechsels infolge der damit verbundenen Abwechslung, Entwicklung, Innovation und Lebendigkeit144 eine ebenfalls fundamental bedeutsame Rolle in 8.4 Das Riemann-Thomann-Modell Abbildung 8‑12: Verortung von Deutschland und südländischen Kulturen im Rahmen des Riemann‑Thomann‑Modells (Quelle: in Anlehnung an Kumbier; Schulz von Thun (2009), S. 21) Wechsel Dauer DistanzNähe Deutschland Südländ. Kulturen D D D DD D D D DDD D D D D DD D D D D D D D D D D D S S S S S S S S S S S SS S S SS S S S S S S S S S S S D = Deutsche S = Südländer Vahlen – Allg. Reihe – Schugk – Interkulturelle Kommunikation in der Wirtschaft (2. Aufl.) – Herst.: Frau Deuringer Status: Imprimatur Datum: 25.08.2014 Seite 382 Vahlen – Allg. Reihe – Schugk – Interkulturelle Kommunikation in der Wirtschaft (2. Aufl.) – Herst.: Frau Deuringer Status: Imprimatur Datum: 25.08.2014 Seite 383 3838.4 Das Riemann-Thomann-Modell Bezug auf das Verhalten und somit auch Kommunikationsverhalten von Menschen spielt145. Die vier Pole bzw. Grundbestrebungen menschlicher Persönlichkeit nach Riemann und Thomann können, auch in Hinblick auf ihre jeweiligen Auswirkungen auf die Interkulturelle Kommunikation zusammenfassend wie folgt beschrieben werden: 1) Nähe: Im Mittelpunkt stehen herzlicher Nahkontakt sowie harmonisches Miteinander in Liebe und Zuneigung. Dominierend ist Anlehnungsbedürftigkeit sowie die Vermeidung von Konflikten und Zerwürfnissen146. Eine besondere Ausprägung der Grundbestrebung Nähe kommt in der Kommunikation durch besondere soziale Kompetenz und hohe Fehlertoleranz gegenüber dem Umfeld zum Ausdruck, zwischenmenschliche Beziehungen werden durch Geduldigkeit und Indirektheit in der Kommunikation gewahrt. Gespräche werden unter Betonung des Beziehungsaspekts vergleichsweise persönlich geführt. Schließlich sind Entschuldigungen, mitunter auch eine unterwürfige Körperhaltung vergleichsweise häufig bedeutsam147. 2) Distanz: Von Bedeutsamkeit sind die Wahrung eines angemessenen Abstandes sowie die Vermeidung distanzloser Vertraulichkeit. Unabhängigkeit und die Vermeidung zu großer Abhängigkeiten spielen eine zentrale Rolle. Auch in Herzensangelegenheiten sollte kühler Kopf bewahrt werden und Raum für möglichen Rückzug eingeräumt werden148. Eine besondere Ausprägung der Grundbestrebung Distanz kommt in der Kommunikation durch durchsetzungsfähige, mitunter gar kämpferische Realisierung eigener Bedürfnisse zum Ausdruck. Konfliktbereitschaft und Entscheidungsfreude sowie das klare Setzen von Grenzen für die anderen charakterisieren die Kommunikation ebenso wie Direktheit sowie die Fähigkeit Nein zu sagen und die eigenen Ziele konsequent zu erreichen. Hingegen bereitet die Fähigkeit mit anderen auf Augenhöhe zu kommunizieren und deren Bedeutung ausreichend wertzuschätzen mitunter Probleme ebenso wie der Umgang mit emotionalen Themen149. 3) Dauer: Von dominierender Art sind Struktur und Ordnung, Organisation und Planung, Hierarchie, Regeln und Kontrolle, um in einer grundsätzlich unsicheren und chaotischen Welt zurechtkommen zu können. Darüber hinaus sind Pünktlichkeit und Disziplin unabdingbar für die Funktionsfähigkeit eines jeden Systems150. Eine besondere Ausprägung der Grundbestrebung Dauer kommt in der Kommunikation durch eine gewisse Ausrichtung an Rationalität, Logik und analytischen Verstand zum Ausdruck, die aber auch in ein gewisses pedantisch-starres Verhalten sowie eine Ausrichtung auf Kleinlichkeit, geringe Flexibilität und geringe Fehlertoleranz umschlagen kann. Das Handeln ist in erster Linie am Sachaspekt ausgerichtet, eigene und fremde Emotionen hingegen werden eher schwer erschlossen. In diesem Sinne ist die Kommunikation eher durch Direktheit sowie ihre überlegte und tiefgründige Art gekennzeichnet, die leicht als formal oder gar unterkühlt empfunden werden kann151. 4) Wechsel: Es herrscht eine Unabdingbarkeit von Lebendigkeit, Spontaneität und Kreativität vor, die es erlaubt Neues zu entdecken. Ungenügende Planung und Organisation können durch Improvisation kompensiert werden152. Eine besondere Ausprägung der Grundbestrebung Wechsel findet in der Kommunikation in einem gewissen Drang nach Abwechslung und Veränderung als Angst vor zuviel Unbeweglichkeit sowie dem Status quo ihren Ausdruck. All dies mündet Vahlen – Allg. Reihe – Schugk – Interkulturelle Kommunikation in der Wirtschaft (2. Aufl.) – Herst.: Frau Deuringer Status: Imprimatur Datum: 25.08.2014 Seite 384 Vahlen – Allg. Reihe – Schugk – Interkulturelle Kommunikation in der Wirtschaft (2. Aufl.) – Herst.: Frau Deuringer Status: Imprimatur Datum: 25.08.2014 Seite 385 384 8 Interkulturelle Kommunikations psychologie in eine deutliche Polychronität. Des Weiteren spielen neben der Fähigkeit zur Improvisation auch Harmonie, Spaß und Charme eine bedeutsame Rolle bei der Aufgabe der Gestaltung der Beziehungen zu anderen Menschen. Problematisch gestalten kann sich indes die häufig fehlende Konsequenz beim Abschluss von Aufgaben infolge ihrer unzureichenden Strukturierung, so dass es zu einem Denken in Sprüngen, aber auch zu von anderen als flatterhaft oder gar egozentrisch empfundenem Verhalten kommen kann. Die Kommunikation selbst ist häufig durch Bildhaftigkeit und Emotionalität im Sinne eines konkreten Denkens153 sowie durch hohe Indirektheit gekennzeichnet. So sind indirekte Antworten, aber auch das Herunterspielen der Ursachen von Problemen sowie deren Auswirkungen häufig angewandte Verhaltensstrategien zur Bewältigung von Konflikten. Darüber hinaus wird die mündliche Kommunikation gegen- über der schriftlichen Kommunikation bevorzugt154. Wie Abbildung 8-12 am Beispiel von Deutschen und Südländern des mediterranen Raumes zeigt, können Kulturen im Rahmen des Riemann-Thomann-Modells entsprechend ihrer menschlichen Grundorientierungen entlang der Raum-Achse zwischen den Polen Nähe und Distanz sowie entlang der Zeitachse zwischen den Polen Dauer und Wechsel eingruppiert werden155. Somit sind Deutsche der Tendenz nach an den menschlichen Grundbestrebungen der Distanz und Dauer ausgerichtet, südländische Kulturen wie bzw. Italien oder auch Spanien hingegen eher an den Grundbestrebungen der Nähe und des Wechsels156. Die vorangehend dargelegten vier Pole bzw. Grundbestrebungen der menschlichen Persönlichkeit nach Riemann und Thomann können dabei im Übrigen im Sinne des Modells vom Inneren Team157 als vier Stammspieler verstanden werden. In diesem Zusammenhang ist es nun vorstellbar, dass der Mensch in Hinsicht auf die Dimensionen nach Riemann und Thomann durchaus dauerhaft durch eine bestimmte Grundaufstellung charakterisiert ist, bei der ein, zwei oder auch drei Stammspieler schwerpunktmäßig im Vordergrund stehen und eine entsprechende Außenwirkung erzeugen, wohingegen die anderen sich als Antipoden im Hintergrund halten oder gar verbannt werden. Eine derartige persönlichkeitstypische Grundaufstellung kann ermittelt werden, indem eine Art Durchschnitt für viele unterschiedliche Lebenssituationen gebildet wird, auch wenn es eine menschliche Eigenart ist, dass sich diese Grundaufstellung je nach Kontext, also je nach Kommunikationspartner, Lebensbereich und Lebensthema, etwa Geld, Sexualität, Geburt und Tod, Lebenskrisen, Erziehung, Urlaub, Politik etc. mitunter sogar dramatisch wandeln kann. Dementsprechend ist durchaus zu erwarten, dass sich die vier Stammspieler ihr Betätigungsfeld suchen, also bei bestimmten Lebensthemen in den Vordergrund treten, wohingegen sie in Bezug auf andere Themen und Bereiche nur mehr als rückwärtiger Antipode agieren. Die vier Stammspieler nach Riemann und Thomann können genauer gesagt sogar als Fraktionssprecher des Inneren Teams aufgefasst werden, denn unter jedem der vier Oberbegriffe lässt sich eine ganze Anzahl an Unteraspekten einkategorisieren. Beispielsweise fasst der Nähe-Mensch in einer Person verschiedene Teilmitglieder zusammen, etwa einen selbstlosen Helfer, einen Anlehungsbedürftigen, einen konfliktscheuen Beschwichtiger, einen herzlichen Ermutiger etc.158. Wie bereits angesprochen zeigt Abbildung 8-12 auch, dass sich die Ausprägungen der im Riemann-Thomann-Modell zusammengefassten verschiedenen Bedürf- Vahlen – Allg. Reihe – Schugk – Interkulturelle Kommunikation in der Wirtschaft (2. Aufl.) – Herst.: Frau Deuringer Status: Imprimatur Datum: 25.08.2014 Seite 384 Vahlen – Allg. Reihe – Schugk – Interkulturelle Kommunikation in der Wirtschaft (2. Aufl.) – Herst.: Frau Deuringer Status: Imprimatur Datum: 25.08.2014 Seite 385 3858.4 Das Riemann-Thomann-Modell nisse kulturbedingt mitunter sehr stark voneinander unterscheiden können. So lässt sich Deutschland im Distanz-Dauer-Quadranten positionieren, was sodann mit den Stereotypen von Zuverlässigkeit, Nüchternheit, Sachorientierung und Gründlichkeit, aber eben auch Unterkühltheit und Brüskiertheit der Deutschen einhergeht. Da sich südländische Kulturen wie Italien und Spanien im Nähe-Wechsel-Quadranten wiederfinden ist es gut möglich, dass deutsche Kulturvertreter beim Umgang mit Vertretern der südländischen Kulturen im Gegenzug zwar einerseits Herzlichkeit und eine den Mitmenschen zugewandte Art erfahren, andererseits aber auch schnell Unzuverlässigkeit oder Distanzlosigkeit empfinden können. Es wird deutlich, dass das Riemann-Thomann-Modell dazu in der Lage ist sowohl wesentliche Unterschiede zwischen den Kulturen als auch zentrale Konfliktfelder zu verdeutlichen. Insofern repräsentiert das Modell eine Hilfestellung für das Verstehen einer typischerweise sich entwickelnden zwischenmenschlichen Dynamik im interkulturellen Kontext159. Dies wird insbesondere deutlich, wenn es zu interkulturellen Begegnungen zwischen ausgeprägten Distanz-Dauer-Personen und Personen aus dem ausgeprägten Nähe-Wechsel-Bereich kommt und somit einige klassische Problemkonstellationen entstehen. So stößt ein Dauer-Bedürfnis nach klaren, zuverlässig einzuhaltenden Vereinbarungen bei einer Wechsel-Orientierung häufig auf schnell getätigte Zusagen, die dann aber ebenso schnell von den Ereignissen überholt werden und somit keinen Bestand mehr haben. Mit einem Distanz-Konzept hingegen ist häufig der Wille zur sachlichen Analyse von Interessenkonstellationen und Klärung von Meinungsverschiedenheiten sowie der Freude an Verhandlungsführung und Diskurs verbunden, eine Nähe-Ausrichtung aber sowie der damit verbundene Aufbau von persönlichen Beziehungen kann schnell Misstrauen auslösen160. Angemerkt sei an dieser Stelle, dass das Riemann-Thomann-Modell auch herangezogen werden kann, um in Ausrichtung an den für unterschiedliche Kulturen bestehenden Stereotypen selbige einzuordnen. In diesem Sinne werden in Abbildung 8-13 die beiden Kulturen Deutschland und Italien in das Riemann-Thomann-Kreuz eingeordnet. Diese Verortung ist Ausdruck für die stereotyp unterschiedliche Einschätzung der beiden Kulturen entlang der Dimension der Beziehungsgestaltung entlang der Nähe-Distanz-Achse zum einen, der Dimension der Kontinuität entlang der Dauer-Wechsel-Achse zum anderen. Die Verortung von Deutschland und Italien ist somit Ausdruck der für beide Kulturen bestehenden Stereotype. Die Verortung Deutschlands im Distanz-Dauer-Quadranten ist Ausdruck der Sachorientierung und Strukturierung, in deren Sinne die Deutschen auch in Verhandlungen und Gesprächen schnell zum eigentlichen Thema kommen, um den jeweiligen Sachverhalt vergleichweise nüchtern und direkt sowie in eher beherrschter und distanzierter Art und Weise zu diskutieren. Im Sinne der für Italiener bestehenden Stereotype hingegen ist die Verortung im Nähe-Wechsel-Quadranten zu sehen. So gelten Italiener im Allgemeinen als herzlich und gesellig. Während der Arbeit nehmen sie sich Zeit für zwischenmenschliche Begegnungen. In Verhandlungen und Gesprächen geben sie sich vergleichsweise impulsiv und emotional und wechseln dabei auch im Sinne einer geringeren Strukturiertheit durchaus auch die Kommunikationsthemen vergleichsweise häufig161. Vahlen – Allg. Reihe – Schugk – Interkulturelle Kommunikation in der Wirtschaft (2. Aufl.) – Herst.: Frau Deuringer Status: Imprimatur Datum: 25.08.2014 Seite 386 Vahlen – Allg. Reihe – Schugk – Interkulturelle Kommunikation in der Wirtschaft (2. Aufl.) – Herst.: Frau Deuringer Status: Imprimatur Datum: 25.08.2014 Seite 387 386 8 Interkulturelle Kommunikations psychologie Angemerkt sei an dieser Stelle, dass sich im Rahmen interkultureller Begegnungen die Mitglieder des Inneren Teams162 einer fiktiv gedachten einzelnen Person nicht immer gleichermaßen auf den Plan gerufen fühlen. Dadurch führen bestimmte, sich kritisch entwickelnde interkulturelle Interaktionssituationen mit erhöhter Wahrscheinlichkeit zu Konflikten. In diesen Situationen verhält sich der Vertreter einer fremden Kultur plötzlich überaus „befremdlich“163 und fühlt sich auch selbst „fremd“. Durch den Wechsel des kulturellen Umfeldes kann sich nämlich die „innere Mannschaftsaufstellung“, also das Innere Team einer Person mitunter erheblich verändern, was daran liegt, dass das im Heimatland gegebene, gängige Innere Team in der fremden Kultur nicht mehr so wie gewohnt funktioniert. So wird beispielsweise die in Abbildung 8-13 eingezeichnete, fiktiv gedachte einzelne Person, die in der Heimatkultur Deutschland als ausgeprägter flexibler Innovator mit für Deutsche vergleichsweise hoher Wechsel-Orientierung auftritt in einer südländischen Kultur wie Italien durch den Kulturwechsel plötzlich zum eher Ordnungsliebenden und somit zur Person mit übermäßiger Dauer-Orientierung „mutieren“. Im Verhältnis zu den Italienern entspricht diese Person somit den deutschen Stereotypen und wird auch als Mensch mit Dauer-Orientierung eingestuft. Das Erleben dieser nun gänzlich anderen Einstufung in der Fremde wird nun naturgemäß aufseiten des jeweiligen Betroffenen mit großer Wahrscheinlichkeit zu Irritationen führen. Hat die entsprechende Person beispielsweise in der Heimatkultur Deutschland häufig den anderen Deutschen vorgeworfen zu rigide zu sein, so wird sie jetzt selbst als zu unflexibel angesehen und zwar von den Italienern. Andererseits wird diese fiktiv gedachte einzelne deutsche Person, wenn sie bereits im Vergleich zu anderen Deutschen als Person mit etwa übermäßiger Abbildung 8‑13: Verortung von Deutschland und Italien im Rahmen des Riemann‑Thomann‑Modells (Quelle: Hoppe (2009), S. 177) Wechsel Dauer DistanzNähe Deutschland Italien D = fiktive deutsche Einzelperson D Vahlen – Allg. Reihe – Schugk – Interkulturelle Kommunikation in der Wirtschaft (2. Aufl.) – Herst.: Frau Deuringer Status: Imprimatur Datum: 25.08.2014 Seite 386 Vahlen – Allg. Reihe – Schugk – Interkulturelle Kommunikation in der Wirtschaft (2. Aufl.) – Herst.: Frau Deuringer Status: Imprimatur Datum: 25.08.2014 Seite 387 3878.5 Das Teufelskreis-Modell nach Schulz von Thun Distanz-Orientierung und somit entsprechend unterkühlt empfunden wird im Falle eines Aufenthaltes in Italien in der dortigen fremden Kultur als Person mit unverhältnismäßiger Distanz-Orientierung empfunden, was die generell bestehenden kulturellen Unterschiede im Einzelfall noch verstärken und die kulturelle Kluft vergrößern kann. Es wird deutlich, dass durch Hinzuziehen der individuellen Ebene, also quasi des persönlichen Heimatterrains einer fiktiv gedachten einzelnen Person zur allgemeinen kulturellen Ebene sich zwar ein komplexeres, aber auch vollständigeres Bild von der Realität im Einzelfall wiedergeben lässt. Wenn sich die fiktiv gedachte einzelne deutsche Person darüber bewusst ist in der Heimatkultur Deutschland zu den Menschen mit ausgeprägter Wechsel- und Distanz-Orientierung zu gehören kann sie dieses Wissen über die eigene Person sowie das Wissen über die Besonderheiten der italienischen Kultur heranziehen, um die eigenen, persönlichen Konfliktfelder in einer fremden Kultur vergleichsweise einfach zu identifizieren, was als eine wichtige Voraussetzung für interkulturelles Verstehen anzusehen ist. Somit ist für die angeführte, fiktiv gedachte einzelne deutsche Person anzunehmen, dass die bereits in Deutschland in gewissem Maße gewohnten Probleme zu großer Distanz-Orientierung sich in Italien noch verschärfen werden. Mehr noch als in der Heimatkultur wird es für die deutsche Person also von Bedeutung sein sich nicht zu unnahbar und kontaktscheu zu geben. Doch ist davon auszugehen, dass diese aus der übermäßigen Distanz-Orientierung der deutschen Person resultierenden Probleme immerhin bereits bekannt und in gewissem Maße vielleicht auch vertraut sind. Daher ist es gut möglich, dass die eigentlichen Probleme für die fiktiv gedachte deutsche Person eher in Ausrichtung an ihrer Wechsel-Orientierung entstehen, war sie es in der Heimat-Kultur doch gewohnt als ausgeprägt wechselwillige Person angesehen zu werden, was in der italienischen Kultur aber ganz anders gesehen wird, gilt die Person nach italienischen Maßstäben doch eher als Person mit Dauer-Orientierung. Es ist deutlich geworden, dass sich durch den Kulturwechsel einer einzelnen Person Selbst- und Fremdwahrnehmung gravierend verändern können, was wiederum zu Irritationen sowie Selbstzweifeln in der Fremde führen kann164. 8.4.2 Fallstudie zum Riemann Thomann Modell: „Der unzuverlässige peruanische Möbelhändler“ Lesen Sie die in Kapitel 8.2.3.4.4 angeführte Fallstudie „Der unzuverlässige peruanische Möbelhändler“. Verorten Sie auf Basis der dort geschilderten Situation die beiden Kulturen von Deutschland und Peru im Rahmen des Riemann-Thomann-Modells. Beschreiben Sie anhand der Verortung der beiden Kulturen, worin sich die kommunikativen Missverständnisse zwischen dem deutschen Expatriate Hermann Gebhardt und dem peruanischen Möbelverkäufer Teodoro Cubillas begründen. 8.5 Das Teufelskreis Modell nach Schulz von Thun Im Rahmen des Teufelskreis-Modells wird ganz allgemein betrachtet Bezug genommen auf die Interaktion, also das Hin und Her von Äußerung und Antwort bzw. Aktion und Reaktion. Somit bezieht es sich also auf das Zwischen-Menschliche sowie die damit verbundene Beziehungsdynamik. Die in dieser Hinsicht 8.5 Das Teufelskreis-Modell nach Schulz von Thun

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Zusammenfassung

Kompetenz zur Interkulturellen Kommunikation für jeden Markt der Welt

Kommunikation in der Wirtschaft ist von essentieller Bedeutung und unabdingbar für den Erfolg, wobei die fortschreitende Globalisierung und Internationalisierung die Interkulturelle Kommunikation immer bedeutsamer machen. Erst die Kenntnis kultureller Unterschiede und Besonderheiten ermöglicht eine erfolgreiche Kommunikation auch zwischen Vertretern unterschiedlicher Kulturen.

Dieses Buch gibt kulturübergreifend einen umfassenden Überblick über

- Begriffe der Kommunikation und Kultur

- Interkulturelle Besonderheiten in der interpersonalen und massenmedialen

- Kommunikation (Interkulturelle Marketing-Kommunikation)

- Verbale und nonverbale Kommunikation

- Kulturvergleichende Studien (z.B. GLOBE-Studie)

- Neuere Forschungsgebiete wie Interkulturelle Kommunikationspsychologie und Kulturelle Neurowissenschaft

Durch zahlreiche Fallbeispiele und Fallstudien eignet sich dieses Buch für die Aus- und Weiterbildung an Universitäten, Hochschulen und anderen Bildungseinrichtungen sowie für die Praxis.