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5.7 Fragen und Aufgaben in:

Marcus Oehlrich

Betriebswirtschaftslehre, page 335 - 345

Eine Einführung am Businessplan-Prozess

3. Edition 2013, ISBN print: 978-3-8006-4545-9, ISBN online: 978-3-8006-4546-6, https://doi.org/10.15358/9783800645466_335

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322 5 Unternehmensstruktur Daneben können jedoch auch andere Formen des Restrukturierungs-Verkaufs genannt werden. Ist der Verkäufer ein institutioneller Investor, so kommen für eine Desinvestition folgende Alternativen (sog. Exitkanäle) in Betracht: Bei einem Trade Sale werden die Anteile an einen industriellen Investor verkauft. Während beim Going Public der Verkauf der Anteile über die Erstemission an einer Börse erfolgt, kaufen bei einem Buy Back die Altgesellschafter ihre Anteile zurück. Ein Secondary Purchase ist hingegen dadurch gekennzeichnet, dass ein anderer Finanzinvestor die Anteile erwirbt. 5.6.6 Desinvestition Auch die Alternative der Desinvestition stellt einen elementaren Bestandteil des strategischen Managements dar. Schließlich muss etwa einer M&A-Transaktion auf Käuferseite eine entgegengesetzte Transaktion auf der Verkäuferseite gegenüberstehen. Neben der Spaltung des übernommenen Unternehmens kann seine Zerschlagung durch Verkauf von Teilbereichen oder Vermögensgegenständen (asset stripping) oder seine vollständige Liquidation infolge einer Insolvenz in Frage kommen. 5.7 Fragen und Aufgaben Aufgabe 5-1: Multiple-Choice-Fragen Wählen Sie bei den folgenden Multiple-Choice-Fragen die jeweils richtigen Antworten aus. (1) Welche der folgenden Rechtsformen ist keine Kapitalgesellschaft? a) Aktiengesellschaft b) Genossenschaft c) Kommanditgesellschaft d) Kommanditgesellschaft auf Aktien (2) Welche der folgenden Rechtsformen ist keine Körperschaft? a) Aktiengesellschaft b) Genossenschaft c) Kommanditgesellschaft d) Kommanditgesellschaft auf Aktien (3) Die Geschäftsführung einer Aktiengesellschaft erfolgt durch … a) die Mehrheitsaktionäre. b) den Vorsitzenden des Aufsichtsrats. c) den Aufsichtsrat. d) den Vorstand. (4) In welchen Rechtsformen steht die Leitungsbefugnis allen Gesellschaftern zu? a) Gesellschaft mit beschränkter Haftung b) Aktiengesellschaft c) Offene Handelsgesellschaft d) Kommanditgesellschaft OehlrichBWL.pdf 346 29.01.2013 08:18:34 5.7 Fragen und Aufgaben 323 (5) Welche Rechtsformen sind grundsätzlich körperschaftsteuerpflichtig? a) Offene Handelsgesellschaft b) Genossenschaft c) Aktiengesellschaft d) Gesellschaft mit beschränkter Haftung (6) Bei welchen Rechtsformen ist ein Mindestnennkapital erforderlich? a) Offene Handelsgesellschaft b) Kommanditgesellschaft c) Aktiengesellschaft d) Gesellschaft mit beschränkter Haftung (7) Bei welchen Rechtsformen besteht für den Jahresabschluss auch ohne Anwendung des Publizitätsgesetzes eine Pflichtprüfung? a) Kommanditgesellschaft b) Aktiengesellschaft c) Gesellschaft mit beschränkter Haftung d) Genossenschaft (8) Wann ist ein Unternehmen überschuldet? a) Die Hälfte des Eigenkapitals ist verloren. b) Die Rücklagen sind durch Verluste vollständig aufgezehrt. c) Das Vermögen deckt nur noch 80% der Verbindlichkeiten. d) Das Eigenkapital ist vollständig aufgezehrt, das Vermögen deckt aber noch die Verbindlichkeiten. (9) In einem Unternehmen werden Anweisungen strikt gemäß dem Dienstweg weitergegeben. Welches System der Leitung kann vorliegen? a) Liniensystem b) Funktionssystem c) Stabliniensystem d) Spartenorganisation (10) Eine divisionale Organisation … a) ist verrichtungsorientiert. b) bindet die Unternehmensleitung stärker in Detailfragen ein als die funktionale Organisation. c) führt zu höheren Kosten der Organisation. d) ermöglicht keine Bildung von Profit Centern. (11) Stabsstellen … a) gibt es nur in einem Mehrliniensystem. b) können nur in einer divisionalen Organisation eingerichtet werden. c) haben niemals Weisungskompetenz. d) sind ein Synonym für Linienstellen. (12) Die Organisationsstruktur eines Unternehmens … a) wird von der Unternehmensleitung festgelegt. b) wird auf einer Betriebsversammlung mit Dreiviertelmehrheit beschlossen. c) teilt sich in Aufbau- und Ablauforganisation. d) wird top-down geplant. OehlrichBWL.pdf 347 29.01.2013 08:18:34 324 5 Unternehmensstruktur (13) Das Personalmanagement … a) ist identisch mit Personalverwaltung. b) unterlag in den vergangenen 100 Jahren einem starken Wandel. c) basiert heute auf dem Konzept des Scientific Management. d) bezieht immer stärker verhaltenswissenschaftliche Erkenntnisse mit ein. (14) Der Personalbedarf … a) wird alleine zahlenmäßig (quantitativ) ermittelt. b) unterteilt sich in den Brutto- und den Nettopersonalbedarf. c) ist als Personalbedarfsplanung Grundlage für die Personalbeschaffung. d) ist unabhängig von der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung. (15) Die Personalbeschaffung … a) erfolgt immer extern über sogenannte Headhunter. b) kann auch durch interne Stellenausschreibungen erfolgen. c) unterliegt in der Phase der Personalauswahl dem sogenannten Gambalo-Effekt. d) setzt die Einrichtung eines Assessment Centers voraus. (16) Expatriates … a) sind ausländische Konzernmitarbeiter, die dauerhaft an die Zentrale versetzt werden. b) sind inländische Mitarbeiter, die für einen begrenzten Zeitraum an einen Standort im Ausland versetzt werden. c) haben immer einen Karrieresprung vor sich. d) benötigen eine intensive Vorbereitung und Unterstützung ihres Aufenthalts. (17) Eine fristlose Kündigung … a) beendet das Arbeitsverhältnis ohne Einhaltung einer Kündigungsfrist. b) kann vom Mitarbeiter nicht gerichtlich überprüft werden. c) setzt einen wichtigen Grund voraus, der dem Arbeitgeber die Fortsetzung des Arbeitsverhältnisses unzumutbar macht. d) ist im Arbeitsgesetzbuch (AGB) geregelt. (18) Welche der folgenden Lohnformen ist nicht direkt leistungsbezogen? a) Stundenlohn bzw. Zeitlohn b) Akkordlohn bzw. Stücklohn c) Umsatzprovision d) Leistungszulage (19) Welche Lohnform ist für einen Mitarbeiter zweckmäßig, der keinen Einfluss auf die Menge der erbrachten Leistung hat? a) Akkordlohn b) Prämienlohn c) Zeitlohn d) Rekordlohn (20) Was versteht man unter unternehmerischer Mitbestimmung? a) Der Betriebsrat nimmt Einfluss auf Führungsentscheidungen. b) Die Arbeitnehmer sind im Vorstand vertreten und entscheiden mit. c) Die Arbeitnehmer sind im Aufsichtsrat vertreten und entscheiden mit. d) Die Arbeitnehmer können einen Betriebsrat bilden. OehlrichBWL.pdf 348 29.01.2013 08:18:34 5.7 Fragen und Aufgaben 325 (21) Welches Gesetz sieht eine unechte Parität vor? a) Betriebsverfassungsgesetz b) Montan-Mitbestimmungsgesetz c) Mitbestimmungsgesetz d) Drittelbeteiligungsgesetz (22) Welche Beteiligungsstufen kennt die deutsche Mitbestimmung? a) Sperrminorität und Dreiviertelmehrheit b) Drittelbeteiligung, unechte und echte Parität c) Sperrminorität und Drittelbeteiligung d) Einstimmigkeitserfordernis bei Massenentlassungen (23) Bei welchen Unternehmenszusammenschlüssen verliert mindestens ein beteiligtes Unternehmen seine rechtliche Selbstständigkeit? a) Kartell b) Fusion c) Konsortium d) stille Gesellschaft (24) Wenn sich Unternehmen desselben Wirtschaftszweigs miteinander verbinden, so ist das … a) ein vertikaler Zusammenschluss. b) ein horizontaler Zusammenschluss. c) ein unfriendly takeover. d) ein leveraged buy-out. Aufgabe 5-2: Verständnisfragen Beantworten Sie die folgenden Fragen: (1) Welche Rechtformen privater Betriebe kennen Sie? (2) Welche Entscheidungskriterien spielen bei der Wahl der Rechtsform eine Rolle? (3) Wer haftet in welchem Umfang für die Schulden einer OHG oder einer KG? (4) Welche Unterschiede bestehen zwischen den Kapitalgesellschaften und den Genossenschaften? (5) Was versteht man unter dem Begriff Leitungsbefugnis? (6) Was ist der Unterschied zwischen Geschäftsführung, Vertretungsbefugnis und Mitbestimmung? (7) Wer hat die Leitungsbefugnis bei einer OHG, einer KG oder einer Stillen Gesellschaft? (8) Benennen Sie die Organe der Aktiengesellschaft und der GmbH sowie ihre Funktionen. (9) Erläutern Sie die Gewinnverteilung bei der OHG und der KG nach dem HGB. (10) Wer entscheidet in einer Aktiengesellschaft über die Gewinnausschüttung und die Bildung von Rücklagen? (11) Wie schätzen Sie die Möglichkeiten der KG, der AG und der Genossenschaften ein, das Eigenkapital zu erhöhen? (12) Welche unterschiedlichen Steuerarten treffen Personen- und Kapitalgesellschaften? (13) Erläutern Sie die Vorteile der GmbH & Co. und der britischen Limited. (14) Was versteht man unter einer Doppelgesellschaft? OehlrichBWL.pdf 349 29.01.2013 08:18:34 326 5 Unternehmensstruktur (15) Welche Unternehmen sind zur Veröffentlichung des Jahresabschlusses verpflichtet? (16) Was versteht man unter Überschuldung? (17) Wodurch unterscheidet sich der Konkurs von der Insolvenz? (18) Was ist der Unterschied zwischen der Aufbau- und der Ablauforganisation? (19) Welches sind die beiden grundlegenden Gestaltungsmerkmale der Aufbauorganisation? (20) Welche Ausgestaltungen gibt es bei der Strukturierung der Leitung? (21) Welche Ausgestaltungen gibt es bei der Abteilungsgliederung? (22) Was ist eine funktionale bzw. divisionale Organisation? (23) Wie beschrieb Alfred Chandler den Zusammenhang zwischen Organisation und Strategie? (24) Was versteht man unter Synergieeffekten? (25) Was sind Economies of Scale? (26) Wie verhalten sich Economies of Scale zu Synergien? (27) Was versteht man unter der Transaktionsaktionstheorie? (28) Was ist ein relationaler Vertrag? (29) Was sind Transaktionskosten? (30) Was sind Opportunitätskosten? (31) Welche Verhaltensannahmen und Umweltfaktoren liegen dem Transaktionskostenansatz zugrunde? (32) Womit beschäftigt sich die Agency-Theorie? (33) Welche Vertragstypen kennt die Transaktionsaktionstheorie? (34) Was versteht man unter einer asymmetrischen Informationsverteilung? (35) Was beschreibt der Begriff Corporate Governance? (36) Was ist der grundlegende Unterschied zwischen dem deutschen und dem US-amerikanischen System der Corporate Governance? (37) Welche Spitzenorgane bei der deutschen Aktiengesellschaft bzw. der US-amerikanischen Corporation kennen Sie? (38) Welches Menschenbild lag dem Ansatz von Taylor zugrunde? Durch welches Menschenbild wurde es später abgelöst? (39) Welche Dimensionen bestimmen den Personalbedarf? (40) Welche grundlegenden Formen der Personalbeschaffung kennen Sie? (41) Was ist ein Assessment Center? (42) Was ist die Aufgabe der Personalauswahl? (43) Was ist ein Expatriate? (44) Welche Möglichkeiten der Personalfreisetzung existieren neben der Kündigung? (45) Wann ist eine fristlose Kündigung zulässig? (46) Was versteht man unter Personaleinsatz? (47) Was ist das Cafeteria-Modell? (48) Was versteht man unter einem Joint Venture? (49) Was ist eine strategische Allianz? (50) Was besagt die Abkürzung M&A? (51) Welche M&A-Wellen fanden bislang statt? OehlrichBWL.pdf 350 29.01.2013 08:18:34 5.7 Fragen und Aufgaben 327 Aufgabe 5-3: Rechtsformen Für die Wahl der Rechtsform wurden einige Entscheidungskriterien genannt, anhand derer man die Vorteilhaftigkeit einer Rechtsform beurteilen kann. Greifen Sie exemplarisch eine Rechtsform heraus und diskutieren Sie sie kurz und prägnant vor dem Hintergrund dieser Entscheidungskriterien. Aufgabe 5-4: Rechtsformen Recherchieren Sie im Internet Beispiele oder Muster für den Gesellschaftsvertrag einer Gesellschaft bürgerlichen Rechts, einer offenen Handelsgesellschaft, einer Partnerschaftsgesellschaft, einer Kommanditgesellschaft bzw. für die Satzung eines eingetragenen Vereins, einer eingetragenen Genossenschaft, einer Aktiengesellschaft, einer Gesellschaft mit beschränkter Haftung oder einer Kommanditgesellschaft auf Aktien. Satzungen von börsennotierten Gesellschaften finden Sie meist auf deren Homepage. Musterverträge werden von den Industrie- und Handelskammern (IHK) im Internet zur Verfügung gestellt. Aufgabe 5-5: Rechtsformen Recherchieren Sie Beispiele für Unternehmen, die als AG, GmbH, GbR und Einzelunternehmen geführt werden und erläutern Sie, warum die jeweilige Rechtsform gewählt wurde. Recherchieren Sie auch Mischformen der Ihnen bekannten Rechtsformen. Aufgabe 5-6: Offene Handelsgesellschaft Die Neue Handels OHG hat drei Gesellschafter A, B, und C. Die Kapitalanteile betragen 50 000 Euro, 150 000 Euro bzw. 800 000 Euro. Der Gewinn des Geschäftsjahres beträgt 490 000 Euro. Ermitteln Sie die Gewinnverteilung für den Fall, dass der Gesellschaftsvertrag keine vom HGB abweichende Regelung vorsieht. Diskutieren Sie, wann eine solche Gewinnverteilung nicht angemessen sein könnte. Aufgabe 5-7: Dividende bei einer Aktiengesellschaft Die Neutronix AG verfügt über ein Grundkapital von 100 000 Euro. Die gesetzlichen Rücklagen betragen 5000 Euro, die freien Rücklagen 60 000 Euro. Der Jahresüberschuss beträgt 30 000 Euro; ein Verlustvortrag existiert nicht. Berechnen Sie, welche maximale Dividende der Vorstand anbieten kann bzw. welche Dividende er mindestens anbieten muss, sofern keine vom Gesetz abweichenden Regelungen existieren. Aufgabe 5-8:87 Haftung bei einer Kommanditgesellschaft Mit einem Kommanditisten K ist ein Kapitalanteil von 100 000 Euro vereinbart, der auch eingezahlt und ins Handelsregister eingetragen wurde. Im Jahr 2007 macht die KG einen Verlust, von dem auf K 20 000 Euro entfallen. Dieser Betrag wird von seinem Einlagenkonto abgebucht, das sich danach auf 80 000 Euro stellt. Im Jahr 2008 entsteht ein hoher Gewinn, von dem K 40 000 zugeteilt werden. K lässt sich diesen Betrag auszahlen. 2009 muss die KG Insolvenz anmelden. Der Insolvenzverwalter fordert K auf, 20 000 Euro aus seinem Privatvermögen zur Befriedigung von Gläubigern zur Verfügung zu stellen. K entgegnet, er hafte als Kommanditist nur bis zur Höhe der Einlage von 100 000 Euro. Da er diese Einlage auch eingezahlt habe, könne er nicht mit weiteren 20 000 Euro in Anspruch genommen werden. Wer hat Recht? 87 Entnommen aus: Mertens/Bodendorf (2005), S. 134. OehlrichBWL.pdf 351 29.01.2013 08:18:34 328 5 Unternehmensstruktur Aufgabe 5-9: Kommanditgesellschaft Herbert Schmidt und Andreas Schulze sind Anteilseigner eines Handelsbetriebs mit der Firma „Schmidt und Schulze GmbH & Co. KG“. Herbert Schmidt ist mit 80% an der GmbH beteiligt, Andreas Schulze, der innerhalb der Kommanditgesellschaft als Komplementär fungiert, mit 20%. Außerdem sind Herr Schmidt und Herr Schulze mit einer Einlage von jeweils 20 000 Euro Kommanditisten Gesellschafter der KG. Bitte ergänzen Sie das folgende Schema. Welches sind Ihrer Meinung nach die Motive für eine derart komplizierte Rechtsform? Warum gründet man nicht einfach eine KG oder eine GmbH? Aufgabe 5-10: Funktionale Organisation Erläutern Sie das Grundmodell der funktionalen Organisation. Versuchen Sie, die gängige Beobachtung zu erklären, warum Unternehmen in ihrer Gründungs- und Pionierphase eher eine funktionale Organisation annehmen, in späteren Entwicklungsphasen jedoch zur divisionalen oder Matrix-Organisation wechseln! Aufgabe 5-11: Aufbau- und Ablauforganisation Im Folgenden werden verschiedene organisatorische Fragestellungen geschildert. Welche davon sind der Aufbauorganisation und welche der Ablauforganisation zuzurechnen: a) Sollen die Monteure in Werkshalle A von einem zweiten Meister angeleitet und überwacht werden? b) Soll das Materiallager in der Werkshalle B oder in einem Gebäude außerhalb des Werksgeländes untergebracht werden? c) Soll der Prüfingenieur zum zu untersuchenden Produkt kommen oder ist die Prüfung in seinem Labor vorzunehmen? OehlrichBWL.pdf 352 29.01.2013 08:18:34 5.7 Fragen und Aufgaben 329 d) Soll eine funktionale oder eine divisionale Organisationsstruktur gewählt werden? e) Wieviel Pufferzeit soll am Fließband eingeplant werden, bevor das nächste Werkstück den Monteur erreicht? f) Wie kann ein Stillstand des Fließbands bei technischen Problemen verhindert werden? Aufgabe 5-12: Organisation in der Praxis Unter der Chemical Pharma AG sind weltweit alle Pharma-Aktivitäten der Chemical AG zusammengefasst. Im vergangenen Jahr wurde mit rund 7500 Mitarbeitern weltweit ein Umsatz von 2 Mrd. Euro bei F&E-Aufwendungen von 330 Mio. Euro erwirtschaftet. Seit Anfang des Jahres ist das unter Alien Pharmaceuticals zusammengefasste Pharmageschäft der Alien PLC von der Chemical AG akquiriert und in die Chemical Pharma AG integriert worden. Mit weltweit rund 5800 Mitarbeiter wurde von der Alien PLC hauptsächlich in ergänzenden Geschäftsfeldern im vergangenen Jahr ein Umsatz von ca. 1 Mrd. Euro bei F&E-Aufwendungen von etwa 140 Mio. Euro erzielt. Beim Pharmageschäft handelt es sich um eine sehr forschungsintensive Branche mit hoher Innovationsfähigkeit. Ca. 15–16% vom Umsatz werden im Durchschnitt für F&E aufgewendet. Die Pharmaforschung wird zunehmend schwieriger, langwieriger und damit auch kostspieliger. Die durchschnittliche Entwicklungsdauer liegt bei 10–12 Jahren, die Kosten für die Entwicklung eines neuen Marktproduktes werden – einschließlich Fehlschläge – je nach Quelle auf ca. 800 Mio. US-Dollar geschätzt. Die Entwicklung des Pharmamarktes in den letzten 10 Jahren kann wie folgt charakterisiert werden: (1) Es herrscht insgesamt verstärkter Wettbewerbsdruck. (2) Der Preisdruck ist sowohl staatlich induziert (durch den Umbruch der Gesundheitssysteme, der in Europa durch staatliche Reglementierungen und in den USA durch Bildung sogenannter Managed Care Organizations eingeleitet wurde), als auch Ergebnis des verstärkten Wettbewerbsdrucks. (3) Die Änderung der Gesundheitssysteme (Krankenkassensysteme, Genehmigungsverfahren usw.) in Europa und USA erfordern für international tätige Unternehmen wesentlich stärkere länderspezifische Anpassungen als bisher. (4) Der Strukturwandel der Abnehmer führt zu neuen Kunden bzw. Kundenbeziehungen. Es müssen neben Ärzten verstärkt Patienten, Apotheker, Krankenkassen und relevante Zulassungsbehörden als Kunden betrachtet werden. (5) Die Vertriebswege ändern sich; es besteht ein Trend hin zum Internetversandhandel. (6) Es besteht ein Trend zur Vorwärtsintegration, bei der ein Hersteller sich auf den Verbraucher zu bewegt und einen Teil der Produkte im Direktvertrieb an den Markt bringt. Die Struktur der Chemical Pharma war durch eine rein funktionale Organisation mit Dominanz der Zentrale gekennzeichnet. Zahlreiche Schnittstellen mit geteilter Verantwortung behinderten einen effizienten Transformationsprozess. Das Chemical Pharma Management beschloss deshalb kürzlich, gemeinsam mit einem externen Berater die Organisationsstruktur an die gegebenen Bedingungen anzupassen. Es wurden folgende organisatorische Optionen untersucht: (1) Beibehaltung der funktionalen Organisation; (2) Organisation nach Therapiegebieten (Produktgruppen); OehlrichBWL.pdf 353 29.01.2013 08:18:34 330 5 Unternehmensstruktur (3) Regionale Organisation; (4) Hybridstruktur (Kombination von Funktion und Therapiegebieten oder Funktion und Region). Diskutieren Sie die obengenannten alternativen Organisationsdesigns für Chemical Pharma nach den Ihnen bekannten Kriterien. Beurteilen Sie die Effizienz jeder Alternative nach den Effizienzkriterien Motivations- und Koordinationseffizienz. Was würden Sie der Chemical Pharma empfehlen? Begründung? Aufgabe 5-13: Organisation in der Praxis Sie sind Manager in einem mittelgroßen, börsennotierten Unternehmen der pharmazeutischen Industrie. Das Unternehmen ist auf allen wichtigen Märkten der Welt tätig und erzielte im vergangenen Jahr mit Kunden im Ausland ca. 90% des Umsatzes von insgesamt rund 6,7 Mrd. Euro. Das Unternehmen stellt patentgeschützte Medikamente gegen Krebs sowie Herz-Kreislauf-Medikamente her. Hierfür unterhält das Unternehmen am deutschen Hauptsitz eine umfangreiche Forschungsabteilung, die auf ihrem Gebiet als weltweit führend gilt. Die Forschungsmitarbeiter sind stolz darauf, dass sie mit ihrer Arbeit einen großen Beitrag bei der Bekämpfung der beiden Erkrankungen leisten, die in Westeuropa und Nordamerika als häufigste Todesursache gelten. Aufgrund der Kostensenkungsbestrebungen im Gesundheitswesen, die weltweit zu beobachten sind, gerät Ihr Unternehmen unter Druck. Denn auch für lebensrettende Medikamente sind die Krankenkassen nicht mehr bereit, jeden Preis zu zahlen. Daher entschließt sich Ihr Vorstand zu einer drastischen Maßnahme: Zum ersten Mal in der über hundertjährigen Unternehmensgeschichte soll das Unternehmen nicht nur innovative Medikamente herstellen, sondern die Produktpalette soll um „gewöhnliche Gesundheitsprodukte“ ergänzt werden, die auch in Supermärkten verkauft werden: Vitamintabletten, Hustenpastillen und Rheumasalben. Der Vorstand ist der Ansicht, dass dieses Marktsegment so profitabel ist, dass es einen Versuch wert ist. Er möchte sich aber auch die Möglichkeit offenhalten, das neue Geschäftsfeld „Selbstmedikation“ an die Börse zu bringen. Sie werden gebeten, den Aufbau des neuen Geschäftsfeldes „Selbstmedikation“ vorzubereiten. Dafür müssen Sie die beiden Geschäftsfelder „innovative Originalpräparate“ und „Selbstmedikation“ vergleichen. Orientieren Sie sich bei diesem Vergleich an den folgenden Fragen: (1) Würden Sie sagen, dass sich Vision und Leitbild für beide Geschäftsfelder unterscheiden oder gibt es Vision und Leitbild nur für das Gesamtunternehmen? Wie könnten Vision und Leitbild aussehen? (2) Wie sind Ihrer Meinung nach die fünf Wettbewerbskräfte in den beiden Geschäftsfeldern ausgeprägt? (3) Welche Unterschiede könnte es im Marketing geben? (4) Welche Stärken benötigt das Unternehmen für das jeweilige Geschäft? Was sind Chancen und Risiken? (5) Welche Organisationsstruktur würden Sie für das neue Geschäftsfeld „Selbstmedikation“ wählen? Sollte es in das alte Unternehmen integriert werden oder sollte hierfür ein eigenständiges Unternehmen gegründet werden? Falls ja, in welcher Rechtsform? OehlrichBWL.pdf 354 29.01.2013 08:18:34 5.7 Fragen und Aufgaben 331 Aufgabe 5-14: Zeitlohn Das Unternehmen zahlt dem Produktionsmitarbeiter Schulze 2120 Arbeitsstunden pro Jahr. In diesem Jahr steht er effektiv 1532 Stunden der Fertigung zur Verfügung. Ermitteln Sie die Lohnkosten je Fertigungsstunde bei folgenden Angaben: Tariflicher Arbeitslohn je Stunde: 14 Euro Arbeitgeberanteil zur gesetzlichen Sozialversicherg: 20% Urlaubsgeld (in% vom Urlaubslohn bei 27 Urlaubstagen): 50% Weihnachtsgeld (in% vom Bruttomonatslohn): 60% Vermögenswirksame Leistungen pro Jahr (zur Hälfte vom Arbeitnehmer zu tragen): 312 Euro Aufgabe 5-15: Quantitativer Personalbedarf Die Motion GmbH erwartet für das folgende Planjahr 2013 einen zusätzlichen Personalbedarf in der Produktion. Folgende Daten sind gegeben: Jahresleistung eines Monteurs in Stück: 2000 Geplantes Produktionsvolumen in Stück: 2 Mio. Personalbestand zum 30.6.2012: 850 Zum Planungszeitpunkt am 30.6.2012 wird damit gerechnet, dass bis zum 31.12.2012 25 Arbeitnehmer wegen Erreichen der Altersgrenze ausscheiden, 5 Arbeitnehmer kündigen und 15 Auszubildende nach erfolgreichem Abschluss ihrer Ausbildung übernommen werden. Ermitteln Sie den Personalbestand bzw. den Personalüberhang zum 1.1.2013. Aufgabe 5-16: Konzern Nennen Sie Beispiele für Konzerne und stellen Sie die Konzernstruktur einschließlich der Leitungsbeziehungen grafisch dar. Aufgabe 5-17: Mergers & Acquisitions Nennen Sie Beispiele für Mergers & Acquisitions und versuchen Sie, die Transaktionen ökonomisch zu begründen. Aufgabe 5-18: Unternehmerische Mitbestimmung Wer wählt in einer dem Mitbestimmungsgesetz unterliegenden Aktiengesellschaft Aufsichtsratsmitglieder, wenn insgesamt 20 Mitglieder zu bestimmen sind? Aufgabe 5-19: Corporate Governance Abbildung 73 stellt die personellen Verflechtungen zwischen Vorstand und Aufsichtsrat deutscher Aktiengesellschaften dar, wie sie tatsächlich bestanden haben. Kommentieren Sie diese Situation unter dem Gesichtspunkt guter Corporate Governance. Welche Probleme könnten auftreten? OehlrichBWL.pdf 355 29.01.2013 08:18:34 332 5 Unternehmensstruktur 88 5.8 Literaturempfehlungen Eine Einführung in die Fragen der Rechtsformen, deren Gründung und Umwandlung bieten: Eisenhardt, Ulrich (2007): Gesellschaftsrecht, 13. Auflage, München, und Schmidt, Karsten (2002): Gesellschaftsrecht, 4. Auflage, Köln. Die beiden besten deutschsprachigen Lehrbücher zur Organisation sind: Laux, Helmut; Liermann, Felix (2005): Grundlagen der Organisation: Die Steuerung von Entscheidungen als Grundproblem der Betriebswirtschaftslehre, 6. Auflage, Berlin; Kieser, Alfred; Walgenbach, Peter (2007): Organisation, 5. Auflage, Stuttgart. Das Buch von Milgrom/Roberts beschäftigt sich mit dem Design von (möglichst) effizienten Organisationsstrukturen in Unternehmen und Volkswirtschaften. Überzeugend sind nicht nur die Darstellungen der gängigen ökonomischen Theorien, sondern auch die vie- Abb. 73: Verflechtungen zwischen Vorständen und Aufsichtsräten88 88 Quelle: Mertens/Bodendorf (2005), S. 145. Bayer Daimler Chrysler Dresdner Bank Deutsche Bank Allianz Volkswagen Siemens E.on X Y ist gleichzeitig Mitglied von Vorstand/Aufsichtsrat Mitglied von Aufsichtsrat OehlrichBWL.pdf 356 29.01.2013 08:18:34

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Zusammenfassung

Dieses Lehrbuch vermittelt eine verständliche Einführung in die Betriebswirtschaftslehre mit einem Schwerpunkt auf den Managementfunktionen. Die Besonderheit besteht darin, dass es die betriebswirtschaftlichen Funktionen nicht getrennt voneinander darstellt, sondern die Praxiszusammenhänge, z.B. zwischen der Organisation und dem Strategischen Management, deutlich macht. Dies gelingt dadurch, dass der Erstellungsprozess eines Businessplans gemeinsame Grundlage ist.

Aufbau

1. Businessplan und Business Planning

2. Geschäftsmodell, Zielsystem und Strategie

3. Analyse von Markt, Kunden und Konkurrenten

4. Gestaltung der Wertschöpfung

5. Unternehmensstruktur

6. Rechnungswesen

7. Finanzierung, Shareholder Value und Wertmanagement

8. Businessplan