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3.1 Herausforderungen der Führung von Nonprofit-Organisationen in:

Silke Boenigk, Bernd Helmig

Nonprofit Management, page 67 - 69

1. Edition 2012, ISBN print: 978-3-8006-3707-2, ISBN online: 978-3-8006-4614-2, https://doi.org/10.15358/9783800646142_67

Series: Vahlens Handbücher der Wirtschafts- und Sozialwissenschaften

Bibliographic information
Helmig/Boenigk – Nonprofit Management – Herstellung: Frau Deuringer Stand: 20.04.2012 Status: Druckdaten Seite 59 3 Nonprofit Governance und Führung der Organisation Kapitelübersicht 3.1 Herausforderungen der Führung von Nonprofit-Organisationen . . 60 3.2 Nonprofit Governance . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 61 3.2.1 Begriff Nonprofit Governance . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 61 3.2.2 Forschungsfelder der Nonprofit Governance . . . . . . . . . . . . . . . . . 63 3.2.3 Nonprofit Governance-Praxisinitiativen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 65 3.3 Entwicklung eines Nonprofit-Managementkonzepts . . . . . . . . . . . . 68 3.3.1 Grundlegende Managementansätze . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 68 3.3.2 Nonprofit-Managementkonzept im Überblick . . . . . . . . . . . . . . . . 71 3.3.3 Nonprofit-Analysen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 73 3.3.4 Mission, Vision und Leitbild in Nonprofit-Organisationen . . . . . 76 3.3.5 Ziele in Nonprofit-Organisationen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 78 3.3.6 Segmentierung der Anspruchsgruppen in Nonprofit-Organisationen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 80 3.3.7 Strategien in Nonprofit-Organisationen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 83 3.3.8 Implementierung und Wandel in Nonprofit-Organisationen . . . 90 3.3.9 Kontrolle des Erfolgs der Nonprofit-Organisation . . . . . . . . . . . . . 93 3.4 Zusammenfassung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 94 Zentrale Quellen zu Kapitel 3 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 95 Lernziele Kapitel 3: Nonprofit Governance und Führung der Organisation • Sie kennen die aktuellen Problemstellungen und Herausforderungen, denen Führungskräfte in Nonprofit-Organisationen aktuell gegenüberstehen. • Sie haben einen Überblick über die wesentlichen Ergebnisse der Nonprofit Governance-Forschung und kennen zudem aktuelle Nonprofit Governance- Praxisinitiativen. • Sie wissen, welche Inhalte in einem „Managementkonzept“ für eine Nonprofit- Organisation enthalten sein sollten und sind in der Lage, ein solches Nonprofit- Managementkonzept eigenständig zu erarbeiten. Helmig/Boenigk – Nonprofit Management – Herstellung: Frau Deuringer Stand: 20.04.2012 Status: Druckdaten Seite 60 3 Nonprofit Governance und Führung der Organisation60 3.1 Herausforderungen der Führung von Nonprofit-Organisationen In den letzten Jahren sind Fragen der Führung von Nonprofit-Organisationen vermehrt in der Öffentlichkeit diskutiert worden. Dies hängt u. a. mit der im Jahr 2007 aufgetretenen „UNICEF-Führungskrise“ zusammen, bei der es in einer frühen Phase der Krise um den Vorwurf der Veruntreuung von Spendengeldern und damit einhergehend auch um die fehlende Transparenz in Nonprofit-Organisationen ging (Gibelman/Gelman 2001, 2004). Obwohl der Veruntreuungsvorwurf letztlich ausgeräumt wurde, sah sich UNICEF für einige Zeit mit erheblichen Imageeinbußen und dem Verlust des DZI-Spendensiegels konfrontiert. Der Organisation ist es jedoch durch zahlreiche personelle und organisatorische Veränderungsmaßnahmen, insbesondere durch die Erhöhung der Transparenz zur Verwendung von Spendengeldern, gelungen, diese Krise zu überwinden. Minicase: UNICEF Deutschland/Interview mit Dr. Jürgen Heraeus Wie konnte es zu der Krise bei UNICEF Deutschland kommen? Es fehlte an Transparenz, zum Beispiel bei der Offenlegung der Geschäftszahlen, der Strukturen der Organisation und im Umgang mit Provisionen für professionelle Spendenwerber. Diese wurden zwar nur sehr selten eingesetzt, aber man hat es nicht offen gelegt. Als dies in der Zeitung stand, hat es viel zur Verunsicherung beigetragen. Dazu gab es einen Führungskonflikt, der öffentlich ausgetragen wurde. Dies hat ein Krisenmanagement unmöglich gemacht. Wichtig ist aber: Es gab keine Veruntreuung und keine persönliche Bereicherung. Was sind die Ursachen? UNICEF Deutschland war in den vergangenen Jahren sehr erfolgreich und ist rasch gewachsen. Dabei wurde es aber versäumt, die Arbeitsabläufe und die Satzung entsprechend zu modernisieren. Auch hat man das gewachsene und berechtigte Interesse der Öffentlichkeit an Transparenz bei Spendenorganisationen nicht rechtzeitig erkannt. Durch die Kritik in den Medien hatten vor allem die Tausenden ehrenamtlichen Helfer zu leiden. Trotzdem sagen die meisten: „Jetzt erst recht“. Das ist enorm wichtig. Denn sie verankern UNICEF in der Gesellschaft. Leider haben viele Fördermitglieder ihre Unterstützung zurückgezogen. Wir müssen so viele wie möglich von ihnen zurückgewinnen. Denn wenn weniger Geld zur Verfügung steht, kann weniger geholfen werden. Was hat sich seit 2008 bei UNICEF Deutschland geändert? Die Satzung von UNICEF Deutschland wurde 2008 überarbeitet und modernisiert. So wurden Geschäftsführung und Vorstand getrennt. Die Amtszeiten wurden begrenzt und die Rolle der Ehrenamtlichen im Komitee gestärkt. Interne Arbeitsabläufe wurden überprüft und verbessert: Ein Wirtschafts- und Investitionsausschuss prüft Auftragsvergaben sowie alle Berater- und Dienstleistungsverträge. Organisatorische Vorgaben, Richtlinien und Arbeitsanweisungen sind in einem verbindlichen Organisationshandbuch zusammengefasst. UNICEF hat zudem eine unabhängige Innenrevision eingeführt. Copyright: UNICEF 2010 Helmig/Boenigk – Nonprofit Management – Herstellung: Frau Deuringer Stand: 20.04.2012 Status: Druckdaten Seite 61 3.2 Nonprofit Governance 61 Im Jahr 2010 erhielt UNICEF vom Deutschen Zentralinstitut für soziale Fragen (DZI) erneut das DZI Spendensiegel. Ferner wurde UNICEF im Jahr 2010 mit dem PwC-Transparenzpreis ausgezeichnet (vgl. hierzu Kapitel 7). Das Beispiel zeigt, dass dem Thema Führung und Kontrolle in Nonprofit-Organisationen eine hohe Bedeutung zukommt. Allerdings wird die Diskussion zu diesen Themen teilweise noch zu undifferenziert geführt. Daher werden in diesem Buch zwei Führungsebenen unterschieden: Die branchenübergreifenden und die individuellen Führungsaspekte. Zum einen treten branchenübergreifende Fragestellungen der Führung und Kontrolle von Nonprofit-Organisationen auf, die sich auf den gesamten Nonprofit-Sektor beziehen (z. B. Transparenz, Offenlegung von Geschäftszahlen, Umgang mit Spendengeldern) und die folglich mehrheitlich in Abstimmung mit anderen Nonprofit-Organisationen getroffen werden müssen. Diese übergeordneten Fragen werden in Abschnitt 3.2 „Nonprofit Governance“ vertieft behandelt. Zum anderen ergeben sich individuelle Führungsfragen (z. B. Führungskonflikte, Vertrauensverlust bei Spendern, Verunsicherung der Ehrenamtlichen), die jede Nonprofit-Organisation für sich selbst analysieren und beantworten muss und die mittels eines „Nonprofit-Managementkonzeptes“ geplant und umgesetzt werden. Die Bausteine eines solchen Managementkonzeptes sind Thema von Abschnitt 3.3. 3.2 Nonprofit Governance 3.2.1 Begriff Nonprofit Governance Obwohl das Thema Governance von Nonprofit-Organisationen in den letzten Jahren eine immense Aufmerksamkeit erfahren hat (Schuhen 2002; Pfaffenzeller 2003; Siebart 2006; Dittmer 2008; von Schnurbein 2008; Speckbacher 2008; Stötzer 2009; Jegers 2009; Hopt/von Hippel 2010), liegt bislang noch keine allgemein akzeptierte Definition des Begriffs „Nonprofit Governance“ vor. Der Ursprung des Begriffs Governance kann auf das lateinische Wort „gubernamus“ („wir steuern“) zurückgeführt werden. Bankenskandale und andere Problemfelder der Unternehmensführung führten im Kontext von gewinnorientierten Unternehmen sehr schnell zu einer Anwendung des Begriffs „Corporate Governance“, der später auf Nonprofit-Organisationen übertragen wurde (Shleifer/Vishny 1997; Tuschke/Sanders 2002; Hambrick/von Werder/Zajac 2008). Eine mittlerweise weit verbreitete Definition im deutschsprachigen Raum beschreibt Corporate Governance als den „rechtlichen und faktischen Ordnungsrahmen für die Leitung und Überwachung eines Unternehmens“ (von Werder 2009). Im historischen Kontext ist in Bezug auf das Thema Corporate Governance in Deutschland insbesondere die vom Bundesministerium der Justiz im September 2001 eingesetzte Regierungskommission Corporate Governance hervorzuheben, die ein umfassendes Richtwerk zur Führung und Überwachung von Unternehmen vorlegte, welches auch Auswirkungen auf die Denkweisen im Nonprofit-Sektor hatte (Baums 2001; Littger 2006). Dieses Richtwerk wurde im

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References

Zusammenfassung

Gewinner des VHB-Lehrbuchpreises 2013!

Die Bedeutung von Nonprofit-Organisationen wird angesichts der immer schwieriger werdenden staatlichen Finanzierung vieler Aktivitäten stetig steigen. Einhergehend mit dieser Entwicklung und den großen Spendenvolumina, die teilweise damit verbunden sind, nimmt auch der Bedarf an der Professionalisierung des Nonprofit-Sektors zu. Dies sollte jedoch nicht durch eine unreflektierte Anwendung von betriebswirtschaftlichen Instrumenten erfolgen. Dementsprechend zeigt dieses Buch die Besonderheiten des Management von Nonprofit-Organisationen systematisch auf. Nur so kann dem Wunsch von Spendern und sonstigen Anspruchsgruppen von Nonprofit-Organisationen nach effizienter und effektiver Mittelverwendung sowie nach Transparenz, Rechenschaftslegung und Verantwortlichkeit Rechnung getragen werden.

Dieses Lehrbuch führt Studierende, Wissenschaftler und Führungskräfte aus der Praxis in die Grundlagen des Nonprofit Management ein. Dabei werden alle zentralen Bereiche des so genannten Dritten Sektors vorgestellt. Zahlreiche Beispiele und Fallstudien aus verschiedenen Nonprofit-Branchen veranschaulichen die Konzepte und ermöglichen ein schnelles Umsetzen in die Praxis.

Ergänzend zum Buch wurde unter www.nonprofit-management.biz eine umfassende Lernplattform mit Videos, Selbsttests, Fallstudien und Beispielen eingerichtet.

Preise:

Am 24. Juni 2013 erhielten die Autoren Bernd Helmig und Silke Boenigk für Ihr Lehrbuch "Nonprofit Management" den Lehrbuchpreis des Verbandes der Hochschullehrer für Betriebswirtschaft e.V. (VHB). In der Laudation von Prof. Dr. Dorothea Greiling heißt es dazu: Das vom VHB in diesem Jahr ausgezeichnete Lehrbuch schließt hier nicht nur eine inhaltliche Lücke, sondern zeichnet sich auch durch die didaktische Aufmachung als hervorragend geeignet für den Einsatz in der akademischen Lehre aus: Umfangreiche E-Learning-Angebote, das Wechselspiel zwischen Theorieblöcken und Minicases und der klare Duktus in der Leserführung sind vorbildhaft nicht nur, was die Ausbildung in Methoden und Konzepten des Nonprofit-Managements angeht, sondern auch betreffend die praktische Umsetzung.

Pressestimmen:

"Das Lehrbuch vermittelt eine zeitgemäße Einführung in den Themenbereich des Nonprofit Management und ist auf dem besten Weg, sich als Standardwerk zu etablieren. Es kann daher als Einführungswerk sowohl für Studierende und Wissenschaftler als auch für Führungskräfte aus der Nonprofit-Praxis mit Interesse an dieser Thematik bestens empfohlen werden."

Manfred Bruhn, in: Zeitschrift für öffentliche und gemeinwirtschaftliche Unternehmen 04/2012

"Kurzum: Wer einsteigen will, rindet in diesem Buch einen sehr guten Wegweiser, wer weiterarbeiten möchte, profitiert von der Literaturauswertung und der klaren Struktur."

in: Verbändereport 05/2012, zur 1. Auflage 2012

"Alle Themen werden kurz und klar dargestellt. Besonders gefällt die häufige und zu den jeweiligen Themen gut passende Einbeziehung von Beispielen. Damit gewinnt diese Publikation für Praktiker, Studenten und Wissenschaftler als Einstiegs- und Nachschlagewerk in Lehre und Praxis eine besondere Bedeutung."

Swen Neumann, in: Die Stiftung 04/2012

"Wegen der zunehmenden Bedeutung der NPOs war es an der Zeit, die Unterschiede, aber auch die Gemeinsamkeiten von Profit- und Nonprofit-Organisationen systematisch in einem Lehrbuch aufzubereiten. Den beiden Autoren ist dies nicht nur inhaltlich, sondern auch in didaktischer Hinsicht hervorragend gelungen."

in: WISU 07/12

Über die Autoren:

Prof. Dr. Bernd Helmig lehrt Public und Nonprofit Management an der Universität Mannheim. Prof. Dr. Silke Boenigk lehrt Betriebswirtschaft, insbesondere Management von Öffentlichen, Privaten & Nonprofit-Organisationen, an der Universität Hamburg