Content

8.1 Intersektorale Partnerschaften im Überblick in:

Silke Boenigk, Bernd Helmig

Nonprofit Management, page 215 - 218

1. Edition 2012, ISBN print: 978-3-8006-3707-2, ISBN online: 978-3-8006-4614-2, https://doi.org/10.15358/9783800646142_215

Series: Vahlens Handbücher der Wirtschafts- und Sozialwissenschaften

Bibliographic information
Helmig/Boenigk – Nonprofit Management – Herstellung: Frau Deuringer Stand: 20.04.2012 Status: Druckdaten Seite 209 8 Nonprofit-Partnerschaften Kapitelübersicht 8.1 Intersektorale Partnerschaften im Überblick . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 209 8.2 Entwicklungsstufen von Partnerschaften . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 212 8.3 Corporate-Nonprofit-Partnerschaften . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 213 8.3.1 Begriffliche Grundlagen und Forschungsbereiche . . . . . . . . . . . . 213 8.3.2 Kooperationsformen von Corporate-Nonprofit-Partnerschaften 215 8.4 Public-Nonprofit-Partnerschaften . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 220 8.4.1 Begriffliche Grundlagen und Forschungsbereiche . . . . . . . . . . . . 220 8.4.2 Kooperationsformen von Public-Nonprofit-Partnerschaften . . . . 222 8.5 Zusammenfassung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 223 Zentrale Quellen zu Kapitel 8 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 223 Lernziele Kapitel 8: Nonprofit-Partnerschaften • Sie können die verschiedenen Typen intersektoraler Partnerschaften im Überblick erläutern und die Entwicklungsstufen von Partnerschaften aufzeigen. • Sie kennen den Unterschied zwischen dem Begriff Corporate-Nonprofit und Public-Nonprofit-Partnerschaft und haben einen Überblick zu relevanten Forschungsarbeiten in beiden Bereichen. • Sie sind inhaltlich mit den verschiedenen Kooperationsformen von Corporate- Nonprofit-Partnerschaften und Public-Nonprofit-Partnerschaften vertraut. 8.1 Intersektorale Partnerschaften im Überblick Während der Fokus dieses Lehrbuchs bislang auf dem Management einer einzelnen Nonprofit-Organisation lag, werden in diesem Kapitel nun mögliche Kooperationsformen, die Nonprofit-Organisationen mit anderen Organisationen eingehen können, aufgezeigt und diskutiert. Im Nonprofit-Sektor ist, nicht zuletzt aufgrund von Globalisierungstendenzen und der Erkenntnis, dass weltumspannende, soziale Probleme wie Hunger oder Armut nicht allein von einigen wenigen Organisationen gelöst werden können, ein Trend hin zu Partnerschaften und Netzwerkbeziehungen festzustellen (Brinkerhoff 2002a, 2002b; Van Ham/Koppenjan 2002; Seitanidi/Crane 2009). Nonprofit-Organisationen können dabei mit Organisationen des eigenen Sektors oder mit Organisationen aus anderen Sektoren Partnerschaften eingehen. Letztgenannte werden als intersektorale Partnerschaften bezeichnet (Gray 1985). Helmig/Boenigk – Nonprofit Management – Herstellung: Frau Deuringer Stand: 20.04.2012 Status: Druckdaten Seite 210 8 Nonprofit-Partnerschaften210 D ef in it io n Was versteht man unter einer intersektoralen Partnerschaft? Unter dem Begriff intersektorale Partnerschaft wird die bewusste Zusammenarbeit von zwei oder mehreren Organisationen aus verschiedenen Sektoren (Staat, Markt und Nonprofit-Sektor) bezeichnet. Die Organisationen teilen in einer Partnerschaft Ressourcen, wie z. B. Personal oder Material, um gemeinsam eine bestimmte Aufgabe zu erfüllen, die für eine einzelne Organisation nicht oder nur schlechter realisierbar wäre. Wie in Abbildung 8-1 dargestellt, existieren drei unterschiedliche Typen intersektoraler Partnerschaften. Und zwar die Corporate-Nonprofit-Partnerschaften, die Public-Nonprofit-Partnerschaften und die Public-Private Partnerschaften. Corporate-Nonprofit und Public-Nonprofit-Partnerschaften werden inhaltlich ausführlich in den Abschnitten 8.3 und 8.4 diskutiert, so dass an dieser Stelle auf eine vertiefte Diskussion verzichtet wird. Die Form der Public-Private Partnerschaften (PPP) zählt hingegen nicht direkt zu den Nonprofit-Partnerschaften, sondern zu den Partnerschaften im Public Management, ist aber in Abbildung  8-1 vollständigkeitshalber aufgeführt (zur Abgrenzung von Nonprofit und Public Management vgl. auch Kapitel 1). In Public-Private Partnerschaften kooperieren staatliche Institutionen mit gewinnorientierten Unternehmen, um z. B. Kosten und/oder Steuergelder einzusparen und von dem Know-how der gewinnorientierten Unternehmen zu profitieren. Daher finden sich Public-Private Partnerschaften (PPP) häufig bei der Durchführung von Infrastrukturprojekten, beispielsweise bei dem Bau der Elbphilharmonie in Hamburg (grundlegend Van Ham/Koppenjan 2002; Wettenhall 2003; Trafford/Proctor 2006). Über die drei intersektoralen Partnerschaftstypen hinaus ist in Abbildung 8-1 eine weitere Form, die sogenannten dreiseitigen Partnerschaften, aufgeführt. Als dreiseitige Partnerschaften werden diejenigen Partnerschaften bezeichnet, in denen Organisationen aus allen drei Sektoren zusammenarbeiten und ein Wertschöpfungsnetzwerk bilden (Seitanidi/Crane 2009). Im Rahmen von dreiseitigen Partnerschaften werden die spezifischen Ressourcen und Kompetenzen der am Netzwerk beteiligten Organisationen häufig mit dem Ziel verbunden, ein umfassendes soziales Problem nachhaltig (z. B. Aids, Krebs, Armut usw.) gemeinsam zu bearbeiten (vgl. hierzu auch Kapitel 3). Intersektorale Partnerschaften Public-NPO Partnerschaften Public-Private Partnerschaften Corporate-NPO Partnerschaften Dreiseitige Partnerschaften/ Wertschöpfungsnetzwerk Abbildung 8-1: Intersektorale Partnerschaften (Quelle: In Anlehnung an Seitanidi/Crane 2009) Helmig/Boenigk – Nonprofit Management – Herstellung: Frau Deuringer Stand: 20.04.2012 Status: Druckdaten Seite 211 8.1 Intersektorale Partnerschaften im Überblick 211 Insofern erstaunt es nicht, dass sich theoretische Erklärungsansätze zur Entstehung der dargestellten Partnerschaftstypen insbesondere in der Netzwerkforschung finden lassen. Zwei Theorien sind in diesem Zusammenhang besonders relevant: Die „Theory of Interorganizational Networks“ (Park 1996) und die „Theory of Network Governance“ (Jones/Hesterly/Borgatti 1997). Theorieblock: Was versteht man unter der „Theory of Interorganizational Networks“ und der „Theory of Network Governance“? Die „Theory of Interorganizational Networks“ besagt, dass Netzwerke in manchen Fällen eine bessere Organisationsform als Markt- oder Hierarchiestrukturen bilden. Netzwerke bieten eine flexiblere Form der Organisation, die Unternehmensaktivitäten in einigen Fällen einfacher, schneller und kostengünstiger machen (Park 1996). Die „Theory of Network Governance“ besagt ferner, dass Netzwerke unter Rahmenbedingungen von Ressourcenspezifität, Unsicherheit, Komplexität und Informationsasymmetrien einen Vorteil gegenüber Markt- und hierarchischen Strukturen aufweisen (Jones/Hesterly/Borgatti 1997). Minicase: Netzwerk gegen Darmkrebs Der Verein „Netzwerk gegen Darmkrebs“, mit Sitz in München, ist ein typisches Beispiel für eine dreiseitige Partnerschaft bzw. für ein Wertschöpfungsnetzwerk. Neben dem Verein und weiteren Nonprofit-Organisationen haben sich Unternehmen, Medien und öffentliche Institutionen zu einem Netzwerk zusammengeschlossen. Zweck des Vereins ist es, das öffentliche Gesundheitswesen sowie die Lehre, Wissenschaften und Forschung auf dem Gebiet der Entstehung, Vorsorge, Erkennung und Bekämpfung des Krebses der Verdauungsorgane, insbesondere, aber nicht nur, des Darmkrebses, zu fördern. Vereinszweck ist ferner die Vernetzung von Aktivitäten wissenschaftlicher und anderer Gesellschaften/Organisationen, die sich die Prävention und Früherkennung von Krebs der Verdauungsorgane, insbesondere des Darmkrebses, zum Ziel gesetzt haben. Diese Gesellschaften/ Organisationen arbeiten in Form eines Netzwerks zur Koordination und zum Informationsaustausch zusammen. Einen weiteren Zweck des Vereins stellt die Information von Wissenschaftlern, Ärzten, betroffenen Personen und der Öffentlichkeit auf dem Gebiet der Krebsentstehung, -vorsorge, -erkennung und -bekämpfung dar. Der Vereinszweck wird insbesondere durch den jedes Jahr im Monat März auszurichtenden Darmkrebsmonat verwirklicht. Mit Unterstützung aller Vereinsmitglieder und Netzwerkpartner sowie gesellschaftlich, politisch und wirtschaftlich relevanter Gruppen, Institutionen, Personen und Unternehmen wird für eine geeignete Darmkrebsvorsorge mit dem Ziel geworben, die Zahl der Neuerkrankungen und der Darmkrebstoten drastisch zu senken. Quelle: Helmig/Michalski/Spraul 2008 Helmig/Boenigk – Nonprofit Management – Herstellung: Frau Deuringer Stand: 20.04.2012 Status: Druckdaten Seite 212 8 Nonprofit-Partnerschaften212 8.2 Entwicklungsstufen von Partnerschaften Innerhalb einer Nonprofit-Partnerschaft werden verschiedene Entwicklungsstufen durchlaufen, die in Abbildung 8-2 im Überblick dargestellt sind. In die Entstehungsstufe einer Partnerschaft fallen sämtlich Aktivitäten, die eine Nonprofit-Organisation durchführen muss, damit eine Entscheidung zu dem letztlich verbindlichen Nonprofit-Partner fallen kann. Häufig erfolgt zunächst eine Analyse der strukturellen Charakteristika potenzieller Partnerorganisationen, beispielsweise zur Branche, Größe oder zu den Kompetenzen des potenziellen Partners (Berger/Cunningham/ Drumwright 2004). Ferner spielt auch das ehemalige Verhältnis der beteiligten Organisationen eine Rolle. Eine vertrauensvolle Interaktion der letzten Jahre lässt beispielsweise darauf schließen, dass eine engere Nonprofit-Partnerschaft auch in Zukunft erfolgreich verlaufen wird (Rondinelli/ London 2003). Letztlich ist die Entstehung einer Nonprofit-Partnerschaft auch durch die Ziele und Motive der Partner geprägt. Organisationen unterschiedlicher Sektoren verfolgen in der Regel unterschiedliche Motive, wie beispielsweise die Erschließung finanzieller Einnahmequellen (Nonprofit-Organisationen), Knowhow Zuwachs (öffentliche Organisationen) oder die Imagepflege (Unternehmen). Die darauffolgende Implementierungsstufe einer Nonprofit-Partnerschaft wird in der einschlägigen Literatur in vier Phasen unterteilt (Seitanidi 2010). In der ersten Phase erfolgt die verbindliche Selektion des Partners. Die zweite Phase widmet sich der Gestaltung der Partnerschaft, das heißt der Definition von gemeinsamen Zielen, Projekten oder sonstigen Maßnahmen (z. B. Websitegestaltung, Medienkommunikation usw.) zur Umsetzung der Zusammenarbeit. Die dritte Phase beschreibt die Institutionalisierung der Partnerschaft durch den Aufbau von Organisationsstrukturen und -prozessen, die letztlich in der vierten Phase meist auch Anpassungsprozessen unterlegen sind; sei es durch Konflikte, die während der Partnerschaft aufgetreten sind oder auch durch Veränderungen des Umfeldes, die eigene Anpassungen erforderlich machen. Entwicklungsstufen von Nonprofit Partnerschaften Stufe 1: Entstehung Stufe 2: Implementierung Stufe 3: Ergebnis Strukturelle Charakteristika der Partner Beziehung vor der Partnerschaft Motive der beiden Partner Selektion Akzeptanz und Gestaltung Institutionalisierung Veränderung als Prozess Organisationale Ergebnisse Soziale Ergebnisse Gesellschaftliche Ergebnisse Gesamtheitliche Betrachtung der Partnerschaft Konflikt Veränderung Abbildung 8-2: Übersicht der Entwicklungsstufen von Nonprofit Partnerschaften (Quelle: In Anlehnung an Seitanidi 2010)

Chapter Preview

References

Zusammenfassung

Gewinner des VHB-Lehrbuchpreises 2013!

Die Bedeutung von Nonprofit-Organisationen wird angesichts der immer schwieriger werdenden staatlichen Finanzierung vieler Aktivitäten stetig steigen. Einhergehend mit dieser Entwicklung und den großen Spendenvolumina, die teilweise damit verbunden sind, nimmt auch der Bedarf an der Professionalisierung des Nonprofit-Sektors zu. Dies sollte jedoch nicht durch eine unreflektierte Anwendung von betriebswirtschaftlichen Instrumenten erfolgen. Dementsprechend zeigt dieses Buch die Besonderheiten des Management von Nonprofit-Organisationen systematisch auf. Nur so kann dem Wunsch von Spendern und sonstigen Anspruchsgruppen von Nonprofit-Organisationen nach effizienter und effektiver Mittelverwendung sowie nach Transparenz, Rechenschaftslegung und Verantwortlichkeit Rechnung getragen werden.

Dieses Lehrbuch führt Studierende, Wissenschaftler und Führungskräfte aus der Praxis in die Grundlagen des Nonprofit Management ein. Dabei werden alle zentralen Bereiche des so genannten Dritten Sektors vorgestellt. Zahlreiche Beispiele und Fallstudien aus verschiedenen Nonprofit-Branchen veranschaulichen die Konzepte und ermöglichen ein schnelles Umsetzen in die Praxis.

Ergänzend zum Buch wurde unter www.nonprofit-management.biz eine umfassende Lernplattform mit Videos, Selbsttests, Fallstudien und Beispielen eingerichtet.

Preise:

Am 24. Juni 2013 erhielten die Autoren Bernd Helmig und Silke Boenigk für Ihr Lehrbuch "Nonprofit Management" den Lehrbuchpreis des Verbandes der Hochschullehrer für Betriebswirtschaft e.V. (VHB). In der Laudation von Prof. Dr. Dorothea Greiling heißt es dazu: Das vom VHB in diesem Jahr ausgezeichnete Lehrbuch schließt hier nicht nur eine inhaltliche Lücke, sondern zeichnet sich auch durch die didaktische Aufmachung als hervorragend geeignet für den Einsatz in der akademischen Lehre aus: Umfangreiche E-Learning-Angebote, das Wechselspiel zwischen Theorieblöcken und Minicases und der klare Duktus in der Leserführung sind vorbildhaft nicht nur, was die Ausbildung in Methoden und Konzepten des Nonprofit-Managements angeht, sondern auch betreffend die praktische Umsetzung.

Pressestimmen:

"Das Lehrbuch vermittelt eine zeitgemäße Einführung in den Themenbereich des Nonprofit Management und ist auf dem besten Weg, sich als Standardwerk zu etablieren. Es kann daher als Einführungswerk sowohl für Studierende und Wissenschaftler als auch für Führungskräfte aus der Nonprofit-Praxis mit Interesse an dieser Thematik bestens empfohlen werden."

Manfred Bruhn, in: Zeitschrift für öffentliche und gemeinwirtschaftliche Unternehmen 04/2012

"Kurzum: Wer einsteigen will, rindet in diesem Buch einen sehr guten Wegweiser, wer weiterarbeiten möchte, profitiert von der Literaturauswertung und der klaren Struktur."

in: Verbändereport 05/2012, zur 1. Auflage 2012

"Alle Themen werden kurz und klar dargestellt. Besonders gefällt die häufige und zu den jeweiligen Themen gut passende Einbeziehung von Beispielen. Damit gewinnt diese Publikation für Praktiker, Studenten und Wissenschaftler als Einstiegs- und Nachschlagewerk in Lehre und Praxis eine besondere Bedeutung."

Swen Neumann, in: Die Stiftung 04/2012

"Wegen der zunehmenden Bedeutung der NPOs war es an der Zeit, die Unterschiede, aber auch die Gemeinsamkeiten von Profit- und Nonprofit-Organisationen systematisch in einem Lehrbuch aufzubereiten. Den beiden Autoren ist dies nicht nur inhaltlich, sondern auch in didaktischer Hinsicht hervorragend gelungen."

in: WISU 07/12

Über die Autoren:

Prof. Dr. Bernd Helmig lehrt Public und Nonprofit Management an der Universität Mannheim. Prof. Dr. Silke Boenigk lehrt Betriebswirtschaft, insbesondere Management von Öffentlichen, Privaten & Nonprofit-Organisationen, an der Universität Hamburg