Content

2.5 Lager- und Umschlagprozesse in:

Andreas Huber, Klaus Laverentz

Logistik, page 71 - 77

1. Edition 2011, ISBN print: 978-3-8006-3642-6, ISBN online: 978-3-8006-4183-3, https://doi.org/10.15358/9783800641833_71

Series: Vahlens Kurzlehrbücher

Bibliographic information
Vahlens Kurzlehrbücher – Huber/Laverentz – Logistik, 1. Aufl. Herstellung: Frau Deuringer Status: Imprimatur Stand: 23.11.11 Seite: 58 Vahlens Kurzlehrbücher – Huber/Laverentz – Logistik, 1. Aufl. Herstellung: Frau Deuringer Status: Imprimatur Stand: 23.11.11 Seite: 59 2.5 Lager und Umschlagprozesse 59 2.5 Lager und Umschlagprozesse 2.5.1 Lagertypen, Lagerzonen, Lagerbereiche Die Richtlinie VDI 2411 beschreibt ein Lager als Raum oder Fläche zum Aufbewahren von festen, d. h. als Stück- und/oder Schüttgut, flüssigen oder gasförmigen Gütern, die mengen- und/oder wertmäßig erfasst werden. Zusätzlich zu Raum/Fläche und Gütern gehören Ausrüstung und Arbeitskräfte zu einem Lager, die in ihrer Gesamtheit als ein Lagersystem die Lagerprozesse gewährleisten. Lagerprozesse dienen der zeitlichen Transformation der gelagerten Güter, d. h. der Überbrückung der Zeitspanne zwischen Ankunft und Abgang. Die Notwendigkeit einer Lagerung entsteht, wenn die Prozesse vor und nach der Lagerung nicht synchronisiert sind. Lager sind entlang der gesamten Logistikkette vorhanden, innerhalb von und zwischen Unternehmen und im letzten Schritt zwischen Unternehmen und Endverbrauchern. Dabei übernehmen sie sehr unterschiedliche Aufgaben für sehr unterschiedliche Ware mit sehr unterschiedlichen Mengen und sehr unterschiedlichem Durchsatz. Es ist nachvollziehbar, dass die Form und Ausstattung von Lagern ebenso unterschiedlich sein kann. Um einen Lagertyp zu spezifizieren können folgende Kriterien verwendet werden: ●● Art der Bestandsführung: Lager im eigentlichen Sinne sind bestandsführend. Bestandslose Lager, in denen die Ware ankommt, umsortiert/umgeladen wird und sofort wieder das Lager verlässt, heißen Umschlagpunkte. ●● Art der Funktion innerhalb der Logistikkette: Man unterscheidet nach Beschaffungs-, Produktions-, Distributions- und Entsorgungslager. Bei einer mehr- Kombination aus Rollenbahn und Kettenförderer Ausschleusung per Pusher Pusher Rollenbahnen Kettenförderer Abbildung 2.26: Beispiele für Zusammenführungs- und Verteilelemente Vahlens Kurzlehrbücher – Huber/Laverentz – Logistik, 1. Aufl. Herstellung: Frau Deuringer Status: Imprimatur Stand: 23.11.11 Seite: 60 Vahlens Kurzlehrbücher – Huber/Laverentz – Logistik, 1. Aufl. Herstellung: Frau Deuringer Status: Imprimatur Stand: 23.11.11 Seite: 61 2 Bereichsübergreifende Prozesse der Unternehmenslogistik 60 stufigen Distribution können Zentral-, Regional- und Auslieferungslager auftreten. ●● Art der verwendeten Ladehilfsmittel: Abhängig von den verwendeten Ladehilfsmitteln spricht man von Paletten-, Container-, Fasslager, etc. ●● Art der Lagerplatzzuordnung: In einigen Lagern werden die Produkte festen Lagerplätzen zugeordnet (Festplatzzuordnung). Es ist ein für die Lagerarbeiter transparentes System, Ein- und Auslagerungen können ohne Systemhilfe durchgeführt werden. Allerdings hat das Verfahren auch Nachteile: Werden die Plätze oder die Anzahl der Plätze so dimensioniert, dass das Produkt mengenmäßig immer unterkommt, wird das Lager im Durchschnitt schlecht ausgelastet sein, weil die Dimensionierung auf das Maximum hin erfolgt ist. Verringert man den zugeordneten Platz, kann es zu Überläufen kommen, die dann an anderen Plätzen untergebracht werden müssen. Diese Plätze sind nicht fest zugeordnet und müssen gesondert verwaltet werden, was einen erhöhten Aufwand nach sich zieht. Eine andere Möglichkeit ist die chaotische Lagerplatzzuordnung, welche die beschriebenen Schwierigkeiten vermeidet. Bei Eingang der Ware wird von einem Lagerverwaltungssystem (LVS) nach einer festgelegten Logik ein freier Platz zugeordnet. Dorthin wird die Ware verbracht und im LVS quittiert. Wenn man die Ware wieder auslagern will, fragt man bei dem LVS unter der Produktnummer nach und erhält die Nummer des zugeordneten Lagerplatzes. Chaotisch heißt die Zuordnung deshalb, weil sie für den Betrachter so erscheint (nicht aber für das LVS) ●● Art der eingesetzten Lagertechnik: Die einfachste Form der Lagerung bietet das Bodenlager. Außer den Fördergeräten ist (fast) keine weitere Ausrüstung notwendig. Man lagert die Ware block- oder zeilenweise. Diese Lagerform wird häufig für sperrige und/oder schwere Güter gewählt. Vorteile sind eine sehr einfache Lagerausstattung, im Wesentlichen nur die Platzauszeichnung auf Blocklagerung Zeilenlagerung Bodenlagerung Regallagerung Fachbodenregallager Fachböden Durchlaufregallager Einlagerung Auslagerung Kanal 1 Kanal 2 Abbildung 2.27: Boden- und Regallagerung Vahlens Kurzlehrbücher – Huber/Laverentz – Logistik, 1. Aufl. Herstellung: Frau Deuringer Status: Imprimatur Stand: 23.11.11 Seite: 60 Vahlens Kurzlehrbücher – Huber/Laverentz – Logistik, 1. Aufl. Herstellung: Frau Deuringer Status: Imprimatur Stand: 23.11.11 Seite: 61 2.5 Lager und Umschlagprozesse 61 dem Boden, und eine flexible Nutzung der Fläche. Nachteile sind, dass nur jeweils auf die oberste Schicht eines Blocks oder einer Zeile zugegriffen und im Allgemeinen keine allzu hohe Stapelbarkeit erreicht werden kann. Bei der Regallagerung bieten sich je nach Anspruch verschiedene Möglichkeiten an. Das Fachbodenregallager eignet sich für nichtpalettierte Ware, speziell für Kleinteile. Die Greifhöhe sollte nicht größer als zwei Meter sein, bei höherer Lagerung müssen Zwischenböden oder Leitern eingebaut werden. Vorteile sind eine einfache Handhabung und ein wahlfreier Zugriff auf die Ware. Nachteile sind u. a. ein hoher Personalaufwand bei manueller Bedienung. Bei einem Palettenregallager werden die Paletten meistens auf Auflageträgern im Regal abgelegt. Besonders geeignet ist diese Form für die Lagerung von mittelschweren bis schweren Gütern mit großen Mengen je Gut. Vorteile sind wie bei den Fachbodenregallagern der Direktzugriff auf alle Güter, weiterhin die Bandbreite einsetzbarer Automatisierung von sehr einfachen Förderzeugen bis hin zu hoch automatisierten Regalbediengeräten. Nachteile u. a. sind bei niedrigem Automatisierungsgrad ein hoher Personalaufwand. Durchlaufregale beruhen auf dem Prinzip der Schwerkraft und werden sowohl für palettierte als auch nichtpalettierte Ware eingesetzt. Vorteile dieser Regalart sind das selbständige Nachrücken der Ware, das dadurch eingehaltene Prinzip First in/First out (Fifo-Prinzip) und eine gute Raum- und Flächennutzung. Nachteile sind u. a., dass pro Kanal nur jeweils ein Artikel untergebracht werden kann. Wenn Paletten verwendet werden, müssen sie mit einer Ladungssicherung ausgestattet sein. Ein Hochregallager wird für die Lagerung großer Mengen verschiedenartiger Güter eingesetzt. Solche Lager werden in den meisten Fällen automatisiert betrieben und erreichen Höhen von fünfundvierzig Metern. Vorteile sind der geringe Personalbedarf und eine hohe Umschlagleistung. Nachteile sind u. a. der große Investitionsbedarf und in vielen Fällen ein erhöhtes Risiko durch die Störanfälligkeit der Automatisierung. Da größere Lager häufig für eine Vielzahl verschiedenartiger Güter verwendet werden, findet man in solchen Fällen auch einen Mix von unterschiedlichen Lagertypen, die dann in verschiedenen Lagerbereichen oder Lagerzonen stehen. Diese Lagerbereiche/Lagerzonen haben im Allgemeinen eine eindeutige Funktion, die sie von anderen Lagerbereichen/Lagerzonen unterscheiden. So ist es üblich, vom Wareneingangsbereich, Warenausgangsbereich und dem eigentlichen Lagerungsbereich zu sprechen. Bei entsprechender Größe des Lagers lassen sich diese Bereiche weiter unterteilen. Beispiele sind: ●● Einteilung des Wareneingangsbereichs in Entladebereich, Prüfbereich, Bereich für Umladung auf lagergerechte Ladehilfsmittel, etc. ●● Einteilung des Lagerbereichs in Hochregallager, Palettenlager, Bodenlager, Sperrlager, Gefahrgutbereich, etc. ●● Einteilung des Warenausgangsbereichs in Kommissionierzone, Packerei, Versandbereitstellung, etc. Ebenso sind Zusammenfassungen von Lagern zu einem Lagerverbund nach geografischen oder funktionalen Gesichtspunkten möglich. Vahlens Kurzlehrbücher – Huber/Laverentz – Logistik, 1. Aufl. Herstellung: Frau Deuringer Status: Imprimatur Stand: 23.11.11 Seite: 62 Vahlens Kurzlehrbücher – Huber/Laverentz – Logistik, 1. Aufl. Herstellung: Frau Deuringer Status: Imprimatur Stand: 23.11.11 Seite: 63 2 Bereichsübergreifende Prozesse der Unternehmenslogistik 62 2.5.2 Lagerprozesse Entsprechend der Vielfalt von Möglichkeiten, wie Lager ausgelegt und genutzt werden, können auch die darin ablaufenden Prozesse sehr verschieden sein. Die hier aufgeführten Prozesse sind daher als Beispiele zu verstehen, die in dieser Form allerdings sehr häufig anzutreffen sind. Üblicherweise werden Lagerprozesse in Wareneingangsprozesse, interne Prozesse und Warenausgangsprozesse unterteilt. ●● Wareneingangsprozesse beginnen mit der Entgegennahme der Ware. Häufig docken LKW an Rampen an, um über die Rückfront oder die Seite entladen zu werden. Im Allgemeinen geschieht das mit Staplern. In Ausnahmefällen, wenn ein Lieferant große Mengen über lange Zeiträume liefert, können festinstallierte Abzugsvorrichtungen, die zum Fahrzeug kompatibel sein müssen, die Entladung vornehmen. Es folgt die Identifizierung der Ware und grobe Prüfung. Anhand der Frachtpapiere überprüfen Mitarbeiter des Lagers die eingehende Ware gegen offene Bestellungen oder Avise im IT-System. Eine Prüfung auf Vollständigkeit und Qualität kann an dieser Stelle nur sehr grob vorgenommen werden, da die Ware teilweise noch verpackt ist und/ oder Mitarbeiter nicht die nötige Qualifikation besitzen. Zudem würde eine aufwendige Prüfung zu diesem Zeitpunkt den weiteren Wareneingangsprozess stören und die Abfahrt des LKWs verhindern. Mit der IT-Erfassung werden die physischen Zugänge im Bestandssystem nachvollzogen und der logische Bestand fortgeschrieben. Die Kennzeichnung der Ware mit Barcode- Label oder anderen Identifizierungsmöglichkeiten dient der weiteren Verarbeitung im Lager. Wenn die Zusammenarbeit mit dem Lieferanten langfristig und vertrauensvoll ist, kann die Auszeichnung auch schon beim abgebenden Lager vorgenommen worden sein, so dass ein einfaches Scannen genügt. Einlagerungsfähigkeit herstellen bedeutet, dass die Kompatibilität von Ladung und Ladungsträger mit dem Lager überprüft wird und gegebenenfalls z. B. bei falschen Maßen, schlechtem Zustand, etc., entsprechend umgepackt wird. Mit der körperlichen Einlagerung wird die Ware auf den endgültigen Lagerplatz verbracht. Das geschieht häufig nach einer Strategie, welche die spätere Kommissionierung, z. B. nach Fifo, nach ABC, etc., unterstützt. Zum Schluss erfolgt eine Quittierung der Einlagerung im IT-System. ●● Interne Prozesse umfassen die Lagerpflege und die Inventuren. Zur Lagerpflege gehören u. a. Verdichtungen von artikelgleichen Waren, wenn sie in kleinen Mengen auf verschiedenen Lagerplätzen liegen und damit den Befüllungsgrad des Lagers verschlechtern. Weiterhin können Umlagerungen notwendig werden, wenn sich die ABC-Struktur der Artikel geändert hat. Allgemein gehören alle internen Aktivitäten zur Lagerpflege, welche die effektive und effiziente Lagerabwicklung unterstützen. Eine Inventur hat die Aufgabe, alle Waren men gen durch körperliches Zählen, Messen oder Wiegen aufzulisten und danach zu bewerten, da sie Vermögensgegenstände darstellen und laut Gesetz in das Inventar aufgenommen werden müssen. Die Inventur hat mindestens einmal im Jahr zu erfolgen. Neben der Erfüllung gesetzlicher Auflagen hat die Inventur auch einen logistischen Sinn. Vahlens Kurzlehrbücher – Huber/Laverentz – Logistik, 1. Aufl. Herstellung: Frau Deuringer Status: Imprimatur Stand: 23.11.11 Seite: 62 Vahlens Kurzlehrbücher – Huber/Laverentz – Logistik, 1. Aufl. Herstellung: Frau Deuringer Status: Imprimatur Stand: 23.11.11 Seite: 63 2.5 Lager und Umschlagprozesse 63 Der Abgleich zwischen physischem Bestand und logischem Bestand dient auch als Korrektiv für den logischen Bestand, auf den wesentliche logistische Funktionen zurückgreifen: Bedarfsrechnung, Bestell rechnung, Zuordnung von Ware zu Kunden- und Produktionsaufträgen, etc. Abgesehen davon ist die Inventur auch ein Kontrollinstrument, um die Gründe für Differenzen zu beleuchten, wie z. B. Schwund, Schrott, etc. Der Gesetzgeber lässt verschiedene Varianten der Inventur zu. Dazu gehören neben der normalen Stichtagsinventur zum Bilanzstichtag die verlegte Inventur, durchgeführt im Zeitraum drei Monate vor und zwei Monate nach Bilanzstichtag, die permanente Inventur, die nicht en bloc durchgeführt werden muss, sondern zeitlich verteilt zwischen den Bilanzstichtagen erfolgen kann, und die Stichprobeninventur, die keine Vollzählung notwendig macht, sondern nur die Zählung einer Stichprobe beinhaltet, von der aus danach entsprechend hochgerechnet wird. Die Erlaubnis zu den von der Stichtagsinventur abweichenden Verfahren ist jeweils an eine Reihe von Bedingungen geknüpft, deren Erfüllung vom Unternehmen nachgewiesen werden muss. ●● Warenausgangsprozesse starten mit der Kommissionierung und den vorbereitenden Tätigkeiten. Unter Kommissionieren versteht man das Zusammenstellen von Gütern aus einem Lager für einen oder mehrere Aufträge. Handelt es sich um Kundenaufträge, so werden verkaufsfähige Güter aus dem Distributionslager kommissioniert. Soll die Produktion versorgt werden, kommissioniert man aus dem Beschaffungslager oder einem Produktionslager Materialien für Produktionsaufträge. Wie oben erwähnt, können Lagerprozesse in sehr vielen Varianten vorkommen. Das gilt insbesondere für die Kommissionierung. Die Art der Güter, die Regale, die Fördermittel, aber auch die Auftragsstruktur beeinflussen die Form der Kommissionierung. Hier sollen einige wichtige Typen vorgestellt werden: (a) Kommissionierungstyp Mann zur Ware: Der Kommissionierer bekommt einen Kundenauftrag in Papierform und fährt mit seinem Wagen zum Lagerplatz, auf dem der Artikel der ersten Auftragsposition steht. Dort entnimmt er die Ware, legt sie in den Wagen und fährt zum nächsten Lagerplatz. Ist der Auftrag abgearbeitet, quittiert ihn der Kommissionierer und bringt den Wagen mit der Ware zur Packerei. (b) Kommissionierungstyp Ware zum Mann: Der Kommissionierer sitzt an einem festen Kommissionierplatz und gibt dem Lagerverwaltungssystem (LVS) den Auftrag bekannt, den er bearbeiten möchte. Das LVS sucht zu den georderten Waren einen Lagerplatz, auf dem die Produkte liegen und fährt das darauf befindliche Ladehilfsmittel (z. B. Palette, Schäferbox, etc.) zum Kommissionierplatz. Dort entnimmt der Kommissionierer die Ware für den Auftrag und schickt das Ladehilfsmittel zurück in das Lager. Danach wird die nächste benötigte Ware ausgelagert. Nach Abschluss des Auftrags lässt der Kommissionierer die gepickte Auftragsware an die Packerei schicken. (c) Kommissionierungstyp einstufige Kommissionierung: Die Waren werden auftragsbezogen kommissioniert und der Weiterverarbeitung (z. B. der Packerei) zugeleitet. Vahlens Kurzlehrbücher – Huber/Laverentz – Logistik, 1. Aufl. Herstellung: Frau Deuringer Status: Imprimatur Stand: 23.11.11 Seite: 64 Vahlens Kurzlehrbücher – Huber/Laverentz – Logistik, 1. Aufl. Herstellung: Frau Deuringer Status: Imprimatur Stand: 23.11.11 Seite: 65 2 Bereichsübergreifende Prozesse der Unternehmenslogistik 64 (d) Kommissionierungstyp zweistufige Kommissionierung: Wenn viele Aufträge auf gleiche Artikel zugreifen, werden diese Artikel in der ersten Stufe über alle Aufträge artikelweise zusammengefasst und en bloc kommissioniert, in der zweiten Stufe werden diese Artikelblöcke auf die Aufträge verteilt. Nachdem die Waren kommissioniert worden sind, werden sie an die Verpackung und Versandbereitbereitstellung weitergeleitet. In einigen Kommissionierverfahren wird das Pick & Pack-Prinzip angewendet. Das bedeutet, dass die kommissionierte (gepickte) Ware sofort in das Packstück gelegt wird, das später dem Versand übergeben werden kann. Damit erspart man einen Teilprozess. Im anderen Fall wird die lose Ware eines Auftrages der Packerei zugeführt. Dort werden die Güter verpackt, ein Lieferschein gedruckt, die Packstücke werden gesichert und mit einem Versandlabel etikettiert. Handelt es sich um Exportware, erfolgt eine Zollabwicklung. Danach werden die Frachtpapiere gedruckt und die Ware zum Abholplatz gebracht. Den Abschluss bildet die Verladung auf das Fahrzeug des Frachtführers und eine entsprechende Quittierung im IT-System. Damit sind alle entsprechenden Prozesse dargestellt. 2.5.3 Umschlagpunkte Umschlagpunkte dienen dazu, eingehende Güterströme so umzusortieren und weiterzuleiten, wie es die ausgehenden Güterströme erfordern, d. h., dass in einem Umschlagpunkt Güter das Fahrzeug und/oder den Ladungsträger wechseln, wobei sie je nach Bedarf umsortiert, neu kommissioniert oder anderweitig bearbeitet werden. Umschlagpunkte werden häufig dann eingesetzt, wenn viele Quellen mit vielen Senken rationell verbunden werden sollen. Ein Paar, bestehend aus einer Umschlagpunkt be- /entladen ein- /auslagern sortieren bearbeiten Eingehende Güterströme Ausgehende Güterströme Abbildung 2.28: Prinzip des Umschlagpunkts Vahlens Kurzlehrbücher – Huber/Laverentz – Logistik, 1. Aufl. Herstellung: Frau Deuringer Status: Imprimatur Stand: 23.11.11 Seite: 64 Vahlens Kurzlehrbücher – Huber/Laverentz – Logistik, 1. Aufl. Herstellung: Frau Deuringer Status: Imprimatur Stand: 23.11.11 Seite: 65 2.6 Trends, Aufgaben und Literatur 65 Quelle und einer Senke, nennt man Relation. Die Anzahl der Relationen in einem Netz mit Umschlagpunkt reduziert sich, wenn die Anzahl der Quellen (N) mindestens drei und die Anzahl der Senken (M) mindestens zwei beträgt oder umgekehrt. Die Anzahl der Relationen reduziert sich umso deutlicher, je größer die Anzahl von Quellen und Senken ist. Mit der Anzahl der Relationen reduzieren sich im Allgemeinen auch die Trans portwege. Dagegen stehen die Aufwendungen für die Unterhaltung des Umschlagpunkts. Beispiele für den Einsatz von Umschlagpunkten sind: ●● Deutsche Paket-Post: Pakete einer Region werden jeweils zu dem regionalen Paketzentrum gefahren, dort nach Empfängerregionen sortiert und über Nacht mit LKW zu den entsprechenden Paketzentren der Empfängerregion transportiert. Dort werden die Pakete sortiert und feinverteilt. ●● Cross-Docking am Hafen: Container werden vom Schiff entladen, die Ware wird empfängergerecht sortiert und mit LKW zum Empfänger verbracht. Umschlagpunkte wie Lager bilden in einem Logistiksystem die Knotenpunkte eines Netzes. 2.6 Trends, Aufgaben und Literatur 2.6.1 Trends Die Prozessorientierung der Logistik wirkt sich insbesondere bei den bereichs- übergreifenden Aktivitäten aus, weil hier die verschiedenen, gütertransformierenden Bereiche aufgerufen sind, im Sinne eines Systems zu handeln. N Quellen M Senken N * M Relationen (nur eine Richtung) Umschlagpunkt N + M Relationen (nur eine Richtung) Ohne Umschlagpunkt Mit Umschlagpunkt Abbildung 2.29: Einsatz von Umschlagpunkten

Chapter Preview

References

Zusammenfassung

Der perfekte Einstieg in die Logistik

Das Lehrbuch behandelt den klassischen Lehrstoff der Logistik und berücksichtigt gleichzeitig auch aktuelle Entwicklungen. Ziel des Buches ist es, den theoriebezogenen und praxisrelevanten Stoff der Logistik zu verzahnen.

Das Lehrbuch erläutert die wichtigsten Logistik-Themen:

* Unternehmenslogistik

* Beschaffungslogistik

* Produktionslogistik

* Distributionslogistik

* Entsorgungslogistik.

Neben Supply Chain Management werden auch logistische Supportsysteme, wie IT-Management, Marketingmanagement und Controlling dargestellt.

"In der Gesamtbeurteiiung liegt für den Logistikinteressierten ein gelungenes Werk mit einer soliden Darstellung des Stoffes unter Berücksichtigung der innovativen Logistikthemen vor. Darüber hinaus bietet das Buch Unternehmen und Organisationen die Möglichkeit, sich an den beschriebenen Ansätzen zu orientieren und damit eine ?passende" Logistik zu implementieren bzw. fortzuentwickeln." in: Der Betriebswirt 02/12