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1.3 Konzeptionelle Ansätze der Logistik in:

Andreas Huber, Klaus Laverentz

Logistik, page 27 - 35

1. Edition 2011, ISBN print: 978-3-8006-3642-6, ISBN online: 978-3-8006-4183-3, https://doi.org/10.15358/9783800641833_27

Series: Vahlens Kurzlehrbücher

Bibliographic information
Vahlens Kurzlehrbücher – Huber/Laverentz – Logistik, 1. Aufl. Herstellung: Frau Deuringer Status: Imprimatur Stand: 23.11.11 Seite: 14 Vahlens Kurzlehrbücher – Huber/Laverentz – Logistik, 1. Aufl. Herstellung: Frau Deuringer Status: Imprimatur Stand: 23.11.11 Seite: 15 1.3 Konzeptionelle Ansätze der Logistik 15 genau genommen Meta-Ziele sind. Erst wenn sie mit konkreten Zahlen und Terminen belegt sind, werden sie in der Praxis verwendbar. 1.3 Konzeptionelle Ansätze der Logistik 1.3.1 Systemtheoretischer Ansatz zur Darstellung der Logistik Bisher wurde ein eher intuitiver Zugang zu dem Begriff des logistischen Systems und benachbarten Begriffen angeboten. In der Logistik bietet ein systemtheoretischer Ansatz oder ein Systemdenken die Möglichkeit ganzheitliche Betrachtungen für komplexe, vernetzte Zusammenhänge fruchtbar zu machen. Es herrscht weitgehende Einigkeit darüber, dass dieser Ansatz für die Logistik nicht nur deskriptiv sondern auch explikativ einsetzbar ist und sich darüber hinaus für eine grundlegende Betrachtungsweise der Logistikkonzeption eignet. Über Systeme lassen sich folgende grundsätzliche Aussagen machen. Unter einem System wird eine Menge von Elementen und den zwischen ihnen definierten Relationen verstanden. Elemente können ihrerseits Systeme sein, die relativ zum ursprünglichen System als Subsysteme bezeichnet werden. Die Untergliederung in Subsysteme kann über mehrere Stufen erfolgen. Die Methode, ein Element eines Systems erneut als System zu betrachten, nennt man Deduktion. In umgekehrter Richtung heißt die Methode Abstraktion. Das System wird durch eine Systemgrenze vom Systemumfeld abgetrennt. Ein System, bei dem kein Element in einer Relation zu einem Element aus dem Systemumfeld steht, bezeichnet man als geschlossenes System. Nicht geschlossene Systeme heißen offene Systeme. In einem System können verschiedene Arten von Subsystemen eingeführt werden. Als Beispiel sei ein System gegeben, dessen System Systemumfeld Systemgrenze Element Relation Subsystem mit Elementen und Relationen niederer Ordnung Deduktion Abstraktion Abbildung 1.7: System, Element, Relation, Subsystem Vahlens Kurzlehrbücher – Huber/Laverentz – Logistik, 1. Aufl. Herstellung: Frau Deuringer Status: Imprimatur Stand: 23.11.11 Seite: 16 Vahlens Kurzlehrbücher – Huber/Laverentz – Logistik, 1. Aufl. Herstellung: Frau Deuringer Status: Imprimatur Stand: 23.11.11 Seite: 17 1 Einführung in die Logistik16 Elemente Subsysteme und miteinander über die Relation 1 verbunden sind. Die Elemente innerhalb der Subsysteme stehen zueinander in der Relation 2. Führt man eine weitere Relation 3 ein, dann können damit die Elemente der Subsysteme zu einer anderen Art von System zusammengefasst werden, das dann relativ zu den Subsystemen Teilsystem genannt wird. Ein offenes System kann über einen Input, einen Output und über die Funktion des Systems beschrieben werden. Zur Untersuchung realer Systeme werden strukturerhaltende Abbildungen der Wirklichkeit (homomorphe Modelle) gebildet, die ihrerseits wieder Systeme darstellen können. Die Struktur eines Modells wird einerseits geprägt durch den Ausschnitt der Wirklichkeit, der mit dem Modell beschrieben und untersucht werden soll, und andererseits durch die Zielsetzung der Untersuchung. Bei einer Modellbildung werden nur die Elemente, Relationen und Subsysteme abgebildet, die zur Problemlösung beitragen. Damit können verschiedene Ansätze der Systembeschreibung für ein und denselben Gegenstand existieren. Wendet man diese Systemprinzipien für eine logistische Betrachtung auf ein Unternehmen an, so können folgende Definitionen vorgenommen werden: Ein Unternehmen ist ein offenes System mit den Elementen Beschaffung, Produktion, Distribution, Entsorgung und der Relation ,tauscht Güter und/oder Informationen aus mit‘. Die gleiche Art von Relation verbindet das Unternehmen auch mit dem Beschaffungsmarkt und dem Absatzmarkt. Neben dieser steht das Unternehmen auch über andere Relationen, wie etwa ,tauscht Geld aus mit‘ oder ,ist Verbandspartner von‘, mit dem Beschaffungs- und Absatzmarkt in Verbindung, die aber nicht in das Modell aufgenommen werden, weil sie für logistische Betrachtungen nicht relevant sind. Deshalb werden Gesamt-System Subsystem Teilsystem Relation 2 Relation 1 Relation 3 Systemumfeld Systemgrenze Abbildung 1.8: Sub- und Teilsysteme Vahlens Kurzlehrbücher – Huber/Laverentz – Logistik, 1. Aufl. Herstellung: Frau Deuringer Status: Imprimatur Stand: 23.11.11 Seite: 16 Vahlens Kurzlehrbücher – Huber/Laverentz – Logistik, 1. Aufl. Herstellung: Frau Deuringer Status: Imprimatur Stand: 23.11.11 Seite: 17 1.3 Konzeptionelle Ansätze der Logistik 17 auch keine Elemente wie ,Personalabteilung‘, ,Finanzen‘, etc. verwendet (siehe Abbildung 1.9). Aus den Elementen bzw. Kernbereichen eines Unternehmens lassen sich Subsysteme in der Weise deduzieren, dass deren Elemente wiederum über die oben genannte Relation verbunden werden. Diese Deduktion lässt sich bis in kleinste Aufgabenbereiche fortführen. Eine funktionale Aufteilung in Subsysteme bietet die Möglichkeit, eine hierarchische Organisation zu definieren. Die einem Kernbereich zugeordneten Ressourcen lassen sich als Eigenschaften dieses Subsystems formulieren. Die Kernbereiche sind über die genannte Relation miteinander verkettet und liefern damit in diesem Sinn eine statische Darstellung der Aktivitätenkette, statisch deswegen, weil mit der Darstellung ein ,eingefrorener‘ Systemzustand zu einem festen Zeitpunkt geliefert wird. Aktivitäten hingegen sind dynamisch, sie verändern Eingangsobjekte in Ausgangsobjekte. Zu ihrer Darstellung bedarf es der Dimension der Zeit. Fügt man sie den bisher beschriebenen Systemkomponenten hinzu, so können Aktivitäten und Prozesse in ihrem Ablauf dargestellt werden. Bricht man im System Unternehmen die Elemente auf das Niveau von Einzelaufgabenbereiche herunter, dann erhält man das Teilsystem Logistik, indem man über Relationen alle Einzelaufgabenbereiche zusammenfasst, die logistische Grundprozesse oder Zusammensetzungen davon bedienen. Über die Bildung von Sub- und Teilsystemen lässt sich die institutionelle und funktionale Abgrenzung von Logistiksystemen, bisher getrennt beschrieben, auch zusammenfassend darstellen: ●● Ein makrologistisches System einer Volkswirtschaft wird für die vorliegenden Fragestellungen als Menge der Elemente ,logistisches System der Unternehmen‘, ,logistisches System der öffentlichen Hand‘, etc. mit der Relation ,tauscht Güter und Informationen aus‘ definiert. Mittels Deduktion wird das Abbildung 1.9: Das Unternehmen als System Absatz markt Beschaffungsmarkt Unternehmen Beschaffung Produktion Distribution Einkauf Lager Transport innerbetrieblicher Transport außer betrieblicher Transport Entsorgung Vahlens Kurzlehrbücher – Huber/Laverentz – Logistik, 1. Aufl. Herstellung: Frau Deuringer Status: Imprimatur Stand: 23.11.11 Seite: 18 Vahlens Kurzlehrbücher – Huber/Laverentz – Logistik, 1. Aufl. Herstellung: Frau Deuringer Status: Imprimatur Stand: 23.11.11 Seite: 19 1 Einführung in die Logistik18 Element ,logistisches System der Unternehmen‘ als ein Subsystem aufgefasst, das die Elemente ,logistisches System der Industrieunternehmen‘, ,logistisches System der Handelsunternehmen‘, etc. mit gleicher Relation enthält. Dabei umfasst das Element ,logistisches System der Industrieunternehmen‘ alle Industrieunternehmen der Volkswirtschaft mit den entsprechenden Relationen, das Element ,logistisches System der Handelsunternehmen‘ beinhaltet alle Handelsunternehmen, etc. ●● Ein metalogistisches System, also ein System von Unternehmen, die in einer bestimmten Kooperation X Partner sind, entsteht in diesem Subsystem ,logistisches System der Unternehmen‘ dadurch, dass ein Teilsystem gebildet wird mit der Relation ,ist in der Kooperation X Partner von‘. Damit verbindet man alle Industrie-, Handels- und Dienstleistungsunternehmen, die in der Kooperation X zusammenarbeiten. ●● Ein mikrologistisches System entspricht einem einzelnen Element dieses Teilsystems. Es sind Unternehmen, die wiederum über Deduktion als funktionale Subsysteme mit den Elementen ,logistisches System Beschaffung‘, ,logistisches System Produktion‘, etc. darstellbar sind. Ergebnis dieser Überlegungen ist eine sowohl funktionale als auch institutionelle Ab grenzung von Logistiksystemen. 1.3.2 Funktionsorientierte Logistik In den gütertransformierenden Kernbereichen Beschaffung, Produktion, Distribution und Entsorgung werden verschiedene Funktionen wahrgenommen. Makrologistisches System Logistisches System der Unternehmen Logistisches System der öffentlichen Hand Logistisches System der Industrieunternehmen Logistisches System Industrieunternehmen 1 Logistisches System Beschaffung Logistisches System Produktion Logistisches System Distribution Logistisches System Entsorgung Logistisches System der Handelsunternehmen Logistisches System der Logistikdienstleister Logistisches System Industrieunternehmen 2 Subsystem Metalogistisches System Teilsystem Mikrologistisches System Subsystem In stitu tio n elle G lied eru n g Funktionale Gliederung Abbildung 1.10: Systemsicht der institutionellen und funktionalen Logistikgliederung Vahlens Kurzlehrbücher – Huber/Laverentz – Logistik, 1. Aufl. Herstellung: Frau Deuringer Status: Imprimatur Stand: 23.11.11 Seite: 18 Vahlens Kurzlehrbücher – Huber/Laverentz – Logistik, 1. Aufl. Herstellung: Frau Deuringer Status: Imprimatur Stand: 23.11.11 Seite: 19 1.3 Konzeptionelle Ansätze der Logistik 19 Zum einen sind es bereichsspezifische Funktionen, wie z. B. die Lieferantenbewertung in der Beschaffung oder die Produktentwicklung in der Produktion, etc., zum anderen handelt es sich um Servicefunktionen, die unterstützend wirken, wie z. B. die Reinigung der Betriebsflächen, die Bereitstellung von informationstechnischen Programmen, etc., oder auch logistische Abwicklungen, wie z. B. der Transport und die Lagerung von Sachgütern, etc. Die gütertransformierenden Aufgabenbereiche eines Unternehmens lassen sich als Matrix darstellen aus den Kernbereichen Beschaffung, Produktion, Distribution und Entsorgung und den orthogonal eingezogenen Servicefunktionen, zu denen auch die Logistik gehört. Im Sinne der Systemtheorie wird das Gesamtsystem ,Gütertransformation‘ in die Elemente ,Beschaffung‘, ,Produktion‘, ,Distribution‘ und ,Entsorgung‘ aufgeteilt, die über verschiedene Relationen miteinander in Verbindung stehen. Diese Elemente bilden wiederum Subsysteme mit den Elementen ,bereichsspezifische Funktionen‘, ,Servicefunktion 1 im Bereich‘, ,Servicefunktion 2 im Bereich‘, etc. Die Servicefunktionen als Ganzes stellen in diesem Schema Teilsysteme dar. Das Teilsystem ,Logistik‘ hat seinerseits wiederum die Subsysteme ,Beschaffungslogistik‘, ,Produktionslogistik‘, ,Distributionslogistik‘ und ,Entsorgungslogistik‘. Ein funktionsorientierter Ansatz der Logistik beruht darauf, dass diese logistischen Subsysteme zwar über die Relation ,tauscht Güter und/oder Informationen aus mit‘ untereinander verbunden sind, diese Kopplung jedoch nur schwach ausgeprägt ist. Dafür sind sie aber in den jeweiligen Kernbereichen stark eingebunden. Sie haben mit den anderen Subsystemen des jeweiligen Bereichs eine gemeinsame Organisation, gemeinsame Ressourcen und gemeinsame Ziele. Das Teilsystem Logistik bildet bei einem funktionalen Ansatz weitgehend nur namentlich eine Einheit, von der Abwicklung her verbleibt sie eine lose Zusammenfügung von auf das Unternehmen verteilten Aufgabenstellen. Beschaffung DistributionProduktion Entsorgung Logistik Se rv ic ef u n kt io n en Beschaffungslogistik Produktionslogistik Distributionslogistik Entsorgungslogistik Bereichsspezifische Funktionen der Beschaffung Bereichsspezifische Funktionen der Produktion Bereichsspezifische Funktionen der Distribution Bereichsspezifische Funktionen der Entsorgung weitere Servicefunktionen: Informationstechnik, Gebäudereinigung, etc. Gütertransformation Abbildung 1.11: Bereichs- und Servicefunktionen Vahlens Kurzlehrbücher – Huber/Laverentz – Logistik, 1. Aufl. Herstellung: Frau Deuringer Status: Imprimatur Stand: 23.11.11 Seite: 20 Vahlens Kurzlehrbücher – Huber/Laverentz – Logistik, 1. Aufl. Herstellung: Frau Deuringer Status: Imprimatur Stand: 23.11.11 Seite: 21 1 Einführung in die Logistik20 Das Fehlen gemeinsamer Ziele, einer gemeinsamen Organisation und gemeinsamer Ressourcen bedingt Gefahren für das funktionsorientiert organisierte Teilsystem Logistik: ●● Konkurrierende Zielsetzungen der Kernbereiche, wie z. B. Beschaffung, Produktion, etc., führen ebenfalls zu konkurrierenden, abgeleiteten Zielen für die Subsysteme der Logistik, wie z. B. Beschaffungslogistik, Produktionslogistik, etc. ●● Realisierung ausschließlich lokaler Optima durch Interessenegoismus, die überproportionale Verluste in anderen Bereichen erzeugen können. ●● Fehlen gemeinsamer Planungen mit der Folge schlecht-synchronisierter Abläufe, die zu erhöhten Beständen und einer schlechten Auslastung der Ressourcen führen können. ●● Mangelnde Zuordnung von Verantwortlichkeiten bei bereichsübergreifenden Abstimmungs- und Koordinationsproblemen. ●● Unzureichende Kommunikation führt zu defizitärem Reporting von Planabweichungen zwischen den Subsystemen mit der Folge von Koordinationsproblemen. Je größer der Wertschöpfungsbeitrag der Logistik im Unternehmen ist, desto stärker wirken sich diese Gefahren auf die Prozesse aus. 1.3.3 Prozessorientierte Logistik Die prozessorientierte Logistik sieht die Subsysteme des Teilsystems Logistik, wie z. B. Beschaffungslogistik, Produktionslogistik, etc., in engerem Verbund. Die Relationen zwischen den Subsystemen koppeln deutlich stärker als bei einer funktionsorientierten Logistik. Die Ziele der einzelnen Subsysteme werden auf die gemeinsamen Ziele der Logistik ausgerichtet. Das bedeutet beispielsweise, dass das Ziel der Auslastungsoptimierung der Ressourcen im Subsystem Produktionslogistik nicht mehr vorbehaltlos verfolgt wird, sondern im Kontext der Auslastungsoptimierung im gesamten System der Logistik gesehen wird. In diesem Sinne dominieren in der Prozessorientierung übergreifende Interessen der Logistik die Einzelinteressen der Subsysteme. Eine prozessorientierte Logistik versteht sich als ein System, bei dem die auf die Kernbereiche verteilten Aktivitäten zu einem abgestimmten und auf die logistischen Ziele ausgerichteten Prozess zusammengefasst werden, die Ressourcenzuordnung korrespondierend gestaltet und eine zu den Abläufen passende Organisation geschaffen wird. Diese grundlegend andere Strukturierung der Logistik im Sinne einer Prozessorientierung ist dann sinnvoll, wenn der Logistikanteil an der Wertschöpfung genügend hoch ist. Genau dies ist in den meisten Unternehmen der Fall. Die Vermeidung möglicher Gefahren der funktionalen Ordnung wird durch folgende Eigenschaften einer Prozessstruktur ermöglicht: ●● Synchronisierungsverbesserung der Abläufe sowie Unterstützung des Flusscharakters der Logistik mit der Folge einer Verringerung der Bestände und Verkürzung der Durchlaufzeiten Vahlens Kurzlehrbücher – Huber/Laverentz – Logistik, 1. Aufl. Herstellung: Frau Deuringer Status: Imprimatur Stand: 23.11.11 Seite: 20 Vahlens Kurzlehrbücher – Huber/Laverentz – Logistik, 1. Aufl. Herstellung: Frau Deuringer Status: Imprimatur Stand: 23.11.11 Seite: 21 1.3 Konzeptionelle Ansätze der Logistik 21 ●● Erhöhung der Kundennutzenorientierung über die Durchgängigkeit der Abläufe aller Kernbereiche ●● Höhere Ressourcenauslastung durch gemeinsame Planung im Gesamtsystem, insbesondere in Situationen, in denen Ressourcen bei Belastungsschwankungen bereichsübergreifend ausgetauscht werden können ●● Versorgungsverbesserung mit Sachgütern durch eine gemeinsame Planung und Steuerung mit der Folge auf drohende Nullbestand-Situationen kurzfristiger reagiert zu können ●● Realisierung von Kostenvorteilen über Synergie-Effekte Wenn im Folgenden von ,Produktionslogistik‘, ,Beschaffungslogistik‘, etc. gesprochen wird, ist damit der Systemteil der Logistik gemeint, der die Aufgaben in dem jeweiligen Bereich übernimmt, der aber auch immer eingebunden ist in das Gesamtsystem der Logistik. Bisher wurde der prozessorientierte Ansatz auf das System Unternehmen angewendet und dadurch unternehmensbezogene Vorteile erzeugt. Der Gedanke liegt nahe, diesen vorteilhaften Ansatz auf größere logistische Systeme zu übertragen, z. B. unter Einbezug von Lieferanten und Kunden. Solche metalogistischen Systeme, in denen ganze Ketten von Unternehmen prozessorientiert miteinander kooperieren, nennt man Supply Chains. 1.3.4 Logistische Konzepte Ein prozessbasiertes logistisches Konzept ist eine Vorgabe zur Gestaltung von logistischen Prozessen. Es wirkt wie eine Interpretation oder Konkretisierung der allgemeinen Regeln der Prozessidee. In diesem Umfeld wurden in der jünge- Beschaffung Produktion Distribution Entsorgung Funktionsorientierte Logistik Prozessorientierte Logistik Auf die Bereiche verteilte logistische Funktionen, wie Lagerung, Transport etc. Abgestimmte Logistikprozesse Beschaffung Produktion Distribution Entsorgung Gütertransformierende Kernbereiche Gütertransformierende Kernbereiche Abbildung 1.12: Übergang von der funktions- zur prozessorientierten Logistik Vahlens Kurzlehrbücher – Huber/Laverentz – Logistik, 1. Aufl. Herstellung: Frau Deuringer Status: Imprimatur Stand: 23.11.11 Seite: 22 Vahlens Kurzlehrbücher – Huber/Laverentz – Logistik, 1. Aufl. Herstellung: Frau Deuringer Status: Imprimatur Stand: 23.11.11 Seite: 23 1 Einführung in die Logistik22 ren Vergangenheit Konzepte entwickelt, die auf Basis der Prozessorientierung bestimmte Abschnitte der Logistik neu geordnet haben. Dazu gehören beispielsweise das Efficient Consumer Response (ECR) und das Collaborative Planning, Forecasting and Replenishment (CPFR). Hierbei handelt es sich um Kooperationen zwischen dem Einzelhandel und der Konsumgüterindustrie, die ihre Zusammenarbeit prozessbezogen neu organisiert haben. Das ECR-Konzept konkretisiert sich beispielsweise folgendermaßen. Das betrachtete System ist ein metalogistisches System, bestehend aus den Elementen ,Einzelhandel X‘, ,Konsumgüterhersteller Y‘, möglicherweise ,Zulieferunternehmen Z‘. Die Relationen sind ,betreibt gemeinsame Planung mit‘, ,betreibt gemeinsame Steuerung mit‘, ,übermittelt Verkaufsinformationen (Point of Sale Informationen) an‘, etc. Einige Autoren sprechen von der Logistikkonzeption und meinen damit eine Sam mlung von Leitideen, die eine bestimmte paradigmatische Ausprägung des Systems Logistik ausmachen sollen. Dazu gehört die Prozessorientierung, die Leitidee der Kundenorientierung, Formen des Netzwerkmanagements oder globales Wertschöpfungsmanagement. Dies bedeutet dann im Anwendungsfall, dass etwa die Erfüllung der Kundenerwartungen als Maßstab für die Gestaltung der Prozesse genommen wird, wobei der Logistikprozess als eine Abfolge von einzelnen Prozessschritten aufgefasst wird, die interne oder externe Kunden mit internen oder externen Lieferanten verbindet. Jeder Kunde in dieser Kette hat Erwartungen an die von seinem Lieferanten erbrachten Leistungen. Abweichungen der erbrachten Leistungen von den erwarteten Leistungen drücken sich dann in entsprechenden Qualitätsbewertungen aus. Dieser Ansatz bietet nicht nur ein gutes Instrument zur Steuerung von Prozessen, sondern schärft auch den Blick für das Wesentliche von Abläufen. Zur Idee einer Logistikkonzeption kann z. B. die Feststellung gehören, dass Logistik einen Kundennutzen stiftet und damit einen Teil der Wertschöpfungskette Externer Kunde Spedition Versandlager Kommissionierung Fertigwarenlager Fertigung interne Lieferanten- /Kunden-Verhältnisse externe Lieferanten- /Kunden-Verhältnisse Erwartung Ware kommt pünktlich, vollständig, unbeschädigt an Erwartung Ware steht pünktlich, vollständig, unbeschädigt, versandfähig, nach Kunden sortiert an der Versandrampe Erwartung Ware kommt pünktlich, vollständig, unbeschädigt, nach Kunden- Aufträgen sortiert aus der Kommissionierung Erwartung Ware steht vollständig, unbeschädigt auf den richtigen Plätzen im Fertigwarenlager zur Verfügung Erwartung Ware kommt pünktlich, vollständig, unbeschädigt, nach Artikeln sortiert aus der Fertigung Erwartung Rohstoffe und Fertigwarenanforderungen stehen pünktlich zur Verfügung Abbildung 1.13: Prozesse zwischen internen/externen Lieferanten und Kunden Vahlens Kurzlehrbücher – Huber/Laverentz – Logistik, 1. Aufl. Herstellung: Frau Deuringer Status: Imprimatur Stand: 23.11.11 Seite: 22 Vahlens Kurzlehrbücher – Huber/Laverentz – Logistik, 1. Aufl. Herstellung: Frau Deuringer Status: Imprimatur Stand: 23.11.11 Seite: 23 1.4 Trends, Aufgaben und Literatur 23 bildet. Ferner wird für die Logistik das Modell eines Netzes vorgeschlagen, durch das die logistischen Objekte fließen, weil dieser Modellansatz die logistische Wirklichkeit besser repräsentiert als das Modell einer logistischen Prozesskette. 1.4 Trends, Aufgaben und Literatur 1.4.1 Trends Die gestiegene Bedeutung der Logistik für die Unternehmen hat die Diskussion zu diesem Bereich nicht nur in der Wirtschaft, sondern auch in der Forschung belebt. Einige Hauptergebnisse des Diskurses sind im Folgenden zusammengefasst. } Î Tr en d s }Î Die Logistik wird in den Unternehmen nicht mehr als reine Dienstleistungsfunktion für wertschöpfende Bereiche wahrgenommen, sondern sie wird selbst als Teil der Wertschöpfungskette akzeptiert. Grund dafür ist eine gewandelte Sicht der Kunden, die neben den physischen Merkmalen eines Produktes auch die logistischen Leistungen als Wert empfinden, der die Kaufentscheidungen beeinflusst. }Î Die Ablösung der funktionalen Sicht der Logistik durch die Prozessorientierung führt zu einem Modell der Logistik als netzartigem Fließsystem. Viele logistische Entwicklungen sind vor diesem Hintergrund erklärbar. }Î Die gestiegene Bereitschaft zum Outsourcing, die damit verbundene Abnahme der Leistungstiefe der Unternehmen und die globalen Markt erweiterungsmöglichkeiten verstärken die Notwendigkeit von Kooperationen. Hinter einer logistischen Leistung, so wie sie beim Kunden ankommt, steht eine ganze Kette von kooperierenden Unternehmen. Deshalb wird verstärkt in den Firmen das mikrologistische System der Unternehmenslogistik durch das metalogistische System der Supply Chains ersetzt. Man operiert nicht als Einzelner nach Gesichtspunkten lokaler Optima, sondern im Sinne eines Gesamtoptimums der Supply Chain. Die beschriebenen Entwicklungen sind nicht abgeschlossen und ermöglichen ein weites Feld der Optimierung. 1.4.2 Aufgaben Für die Bearbeitung der Aufgaben sollten zunächst grundlegende Begriffe und Dimensionen der Logistik aufgezeigt werden. Im Anschluss daran, können allgemeine und spezielle Aspekte für die konkrete Umsetzung in strategische und operative Bereiche des Logistikmanagements skizziert werden.

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References

Zusammenfassung

Der perfekte Einstieg in die Logistik

Das Lehrbuch behandelt den klassischen Lehrstoff der Logistik und berücksichtigt gleichzeitig auch aktuelle Entwicklungen. Ziel des Buches ist es, den theoriebezogenen und praxisrelevanten Stoff der Logistik zu verzahnen.

Das Lehrbuch erläutert die wichtigsten Logistik-Themen:

* Unternehmenslogistik

* Beschaffungslogistik

* Produktionslogistik

* Distributionslogistik

* Entsorgungslogistik.

Neben Supply Chain Management werden auch logistische Supportsysteme, wie IT-Management, Marketingmanagement und Controlling dargestellt.

"In der Gesamtbeurteiiung liegt für den Logistikinteressierten ein gelungenes Werk mit einer soliden Darstellung des Stoffes unter Berücksichtigung der innovativen Logistikthemen vor. Darüber hinaus bietet das Buch Unternehmen und Organisationen die Möglichkeit, sich an den beschriebenen Ansätzen zu orientieren und damit eine ?passende" Logistik zu implementieren bzw. fortzuentwickeln." in: Der Betriebswirt 02/12