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5.3 Operative Distributionslogistik in:

Andreas Huber, Klaus Laverentz

Logistik, page 138 - 141

1. Edition 2011, ISBN print: 978-3-8006-3642-6, ISBN online: 978-3-8006-4183-3, https://doi.org/10.15358/9783800641833_138

Series: Vahlens Kurzlehrbücher

Bibliographic information
Vahlens Kurzlehrbücher – Huber/Laverentz – Logistik, 1. Aufl. Herstellung: Frau Deuringer Status: Imprimatur Stand: 23.11.11 Seite: 128 Vahlens Kurzlehrbücher – Huber/Laverentz – Logistik, 1. Aufl. Herstellung: Frau Deuringer Status: Imprimatur Stand: 23.11.11 Seite: 129 5 Distributionslogistik128 planen und steuern und damit zu Partnern der verladenden Wirtschaft im Supply Chain Management werden. ●● Die Auswahl des Dienstleisters erfolgt im Allgemeinen nach einem gewichteten Kriterienkatalog, der neben Merkmalen, wie Arbeitsqualität, Branchenwissen, Netzausdehnung, Flexibilität, Kompatibilität der IT-Systeme auch die allgemeine wirtschaftliche Situation des Anbieters und Kostenaspekte berücksichtigt. Dabei werden neben den reinen Entgelten für die Leistungseinheiten auch vereinbarte Steigerungsraten, mögliche Vertragsstrafen, Vereinbarungen der Übernahme von eigenen Ressourcen durch den Dienstleister, Opportunitätskosten, etc., bewertet. ●● Die Integration des Dienstleisters in die eigene Organisation erfordert zunächst eine genaue Beschreibung der Schnittstellen zwischen den eigenen und fremden Prozessen unter physischen und informationstechnischen Aspekten, wobei die zur Übernahme gedachten Materialien und Produkte in Art, Menge, Zeitpunkt spezifiziert werden müssen. Festgelegt werden die eingesetzten Transportmittel, Ladehilfsmittel, Verpackungen, etc. Definiert werden vorlaufende Informationen, wie z. B. Kundenaufträge, Avise, etc., mitlaufende Informationen, wie z. B. Lieferscheine, Etiketten, etc., und nachlaufende Informationen, wie z. B. Rechnungen, Empfangsbestätigungen, etc. Neben den klassischen, logistischen Prozessen übernehmen Dienstleister weitere Tätigkeiten aus dem Umfeld der Logistik, wie z. B. die Konfektionierung von Einzelteilen zu Verkaufs-Sets, das Finishing von Handelsware, die letzte Stufe der Fertigung bei mass customization, etc. 5.3 Operative Distributionslogistik 5.3.1 Operative Prozesse der Distribution Mit dem operativen Teil der Distribution erfolgt die korrekte Abwicklung der Distributionsaufträge, wobei das liefernde Lager zum einen über ausreichend Bestand verfügen, zum anderen die Belieferung des Empfängers sicherstellen muss. Empfänger können entweder Kunden oder bestandsführende Lager sein, die mit Nachschub versorgt werden. Die operative Distribution beinhaltet folgende Elemente: ●● Die Bestands- und Nachschubprozesse erfordern eine operative Planung und Steuerung. Diese dient im Kurzfristbereich einerseits der Umsetzung der Vorgaben aus der Lagernetzplanung, den definierten Lagerfunktionen und der Belieferungsstruktur, andererseits der Überprüfung der strategischen Vorgaben. Die damit festgelegten Sortimente, Größenordnungen der einzelnen Artikelbestände, als auch Nachschubstrategien werden gegebenenfalls angepasst, ansonsten kommen die in der Bedarfs- und Bestellrechnung erwähnten Verfahren zur Anwendung. ●● Die Auftragsbearbeitung der Distribution bezieht sich sowohl auf Kundenaufträge als auch auf Nachschubaufträge für bestandsführende Lager in einer Vahlens Kurzlehrbücher – Huber/Laverentz – Logistik, 1. Aufl. Herstellung: Frau Deuringer Status: Imprimatur Stand: 23.11.11 Seite: 128 Vahlens Kurzlehrbücher – Huber/Laverentz – Logistik, 1. Aufl. Herstellung: Frau Deuringer Status: Imprimatur Stand: 23.11.11 Seite: 129 5.3 Operative Distributionslogistik 129 nachrangigen Lagerstufe. Der Nachschub kann von einzelnen Lagern im Rahmen der vereinbarten Nachschubstrategien oder durch eine zentrale Steuerung initiiert werden. Die Bearbeitung von Kundenaufträgen stellt dabei den umfassenderen Prozess dar, wobei die Auftragsbearbeitung die Entgegennahme und Prüfung des Auftrags, die Benachrichtigung des Kunden und die Übergabe des Auftrags an das Lager zu weiteren Bearbeitung umfasst. Die Auftragsentgegennahme erfolgt über verschiedene Kommunikationsmittel, wie z. B. Postweg, Telefonat, etc., oder durch die Eingabe des Auftrags durch den Kunden in das Auftragserfassungssystem des Unternehmens. Prüfungen beinhalten die Beurteilung des Kunden, z. B. die Bonität, die Information des Kunden über das Ergebnis, die Abfrage der Bestandsverfügbarkeit, die Reservierung des gewünschten Bestands, die Übergabe des Auftrags an das Lager sowie Vermerke über den Transport. Der entsprechende Informationsaustausch erfolgt bei mittleren und großen Unternehmen im Rahmen eines Enterprise Resource Planning-Systems (ERP-System). ●● Die Lagerabwicklung beginnt mit der Übernahme des Kundenauftrags, der in einfachen Lagern als Kommissionierungsunterlage dient. Bei komplexeren Lagern werden die Informationen des Kundenauftrags mit weiteren Daten ergänzt, bearbeitet und dann der Kommissionierung zugeführt. Die weitere Abwicklung ist abhängig von der Struktur des Lagers und entspricht den in den Lagerprozessen dargestellten Vorgehensweisen. Nach ihrer Entnahme werden die Auftragswaren der Packerei zugeführt, entsprechend gekennzeichnet, für den Transport gesichert und mit Lieferschein und Frachtpapieren zur Übergabe an den Transport bereitgestellt. ●● Der Transport der Ware erfolgt durch eigene oder fremde Transportmittel, je nach Anforderung und eingesetzter Mittel, können die Transporte direkt oder über mehrere Stufen mit entsprechenden Umschlagpunkten erfolgen, ebenso unter Einsatz verschiedener Verkehrsträger. Abschluss des Transports bildet die Übergabe der Waren an den Empfänger mit einer entsprechenden Quittierung. Diese Prozesse werden durch die operative Planung und Steuerung der Distribution koordiniert und synchronisiert. 5.3.2 Konzepte operativer Planung/Steuerung von Distributionsprozessen Bestands- und Nachschubprozesse können im Rahmen strategischer Vorgaben dezentral in den einzelnen Lagern operativ geplant und gesteuert werden, damit wird ein Netz von zumindest teilautonomen Lagern und den ihnen zugeordneten Transportstrecken gestaltet. Solche Netze können sinnvoll sein, wenn z. B. der Warenfluss durch das Netz weitgehend konstant ist und in Entsprechung zur Kanban-Steuerung verfahren wird. Separierte Einzelentscheidungen können zu Problemen führen, weil Bedarfsbildungen über eine mehrstufige, bestandhaltige Lagerkette hinweg nicht unabhängig voneinander erfolgen können. Zudem werden die Nachschubmengen aufgrund von prognostizierten und Vahlens Kurzlehrbücher – Huber/Laverentz – Logistik, 1. Aufl. Herstellung: Frau Deuringer Status: Imprimatur Stand: 23.11.11 Seite: 130 Vahlens Kurzlehrbücher – Huber/Laverentz – Logistik, 1. Aufl. Herstellung: Frau Deuringer Status: Imprimatur Stand: 23.11.11 Seite: 131 5 Distributionslogistik130 nicht von realen Bedarfen bestimmt. Um die Verbrauchsorientierung dieser Planungsmethode zu vermeiden, wurden das programmorientierte Konzept Distribution Requirements Planning (DRP) und als Weiterentwicklung das Distribution Resource Planning (DRPII) entwickelt, wobei sich beide Konzepte an die Ansätze von MRP und MRPII anlehnen. In Entsprechung zu den Stücklisten im MRP werden im DRP Bills of Distribution verwendet, die für jedes Produkt festhalten, über welche Lager und Transportwege im Netz der Nachschub erfolgt. Sie bilden damit produktspezifische Untermengen der Lagernetzstruktur inklusive der Bestands- und Nachschubspezifika. Ähnlich dem MRP-Vorgehen wird eine Unterscheidung zwischen abhängigen und unabhängigen Bedarfen getroffen, wobei unabhängige Bedarfe nur in Lagern entstehen, die Kunden beliefern. Alle anderen Bedarfe innerhalb des Netzes sind abhängige Bedarfe. Die unabhängigen Produktbedarfe, die geschätzt werden, bilden zusammen mit den Beständen der Lager die Basis für eine deterministische Planung des Distributionsnetzes, dabei werden, beginnend mit den unabhängigen Bedarfen, schrittweise die Nettobedarfe aller beteiligten Lager bis hin zu den Quellen ermittelt. Hier werden Lieferzeiten, Bestellstrategien, etc. in die Berechnung einbezogen. Die für die Quellen festgestellten Nettobedarfe liefern gleichzeitig die Grundlage für das Produktionsprogramm und bilden damit den Verknüpfungspunkt zur Produktionsplanung. Damit ist die Basis für eine umfassende Planung gelegt. Die Weiterentwicklung von DRP zu DRPII bezieht die Bestände und Ressourcen der Distribution, wie z. B. Lager- und Transportkapazitäten, in die Planung ein, zudem wird wie bei MRPII die Verbindung der hierarchisch geordneten, zeitlichen Planungsebenen angeboten. Weiterhin können Tourenplanungen für Sammel- und Verteiltouren, Depottouren, etc. integriert werden. ALALAL AL RL RL Kunden WLWL ZL Kunden Quellen Stufe 3 Stufe 2 Stufe 1 Senken ALAL Kunden Kunden Kunden Kunden Abbildung 5.5: Bill of Distribution für ein Produkt Vahlens Kurzlehrbücher – Huber/Laverentz – Logistik, 1. Aufl. Herstellung: Frau Deuringer Status: Imprimatur Stand: 23.11.11 Seite: 130 Vahlens Kurzlehrbücher – Huber/Laverentz – Logistik, 1. Aufl. Herstellung: Frau Deuringer Status: Imprimatur Stand: 23.11.11 Seite: 131 5.4 Trends, Aufgaben und Literatur 131 5.4 Trends, Aufgaben und Literatur 5.4.1 Trends Die Distribution stellt die Schnittstelle zum Kunden dar. Daher werden die Entwicklungen in diesem Bereich noch direkter durch die Kundenwünsche geprägt, als das in den anderen Kernbereichen der Logistik der Fall ist. } Î Tr en d s }Î Steigende Anforderungen an den Lieferservice umfassen nicht nur eine Verbesserung der klassischen Parameter wie Lieferbereitschaft, Lieferzuverlässigkeit, Lieferflexibilität, etc., sondern auch zusätzliche Leistungsangebote wie etwa Montage- und Aufbauarbeiten der bezogenen Güter. }Î Erhöhte Kundenerwartungen an die Informationsversorgung durch den Lieferanten betreffen nicht nur den Umfang sondern auch die Aktualität der Daten. }Î Der Einsatz von IT-Mitteln wird verstärkt, um den gestiegenen Kundenanforderungen effizient zu begegnen. Dazu gehören unter anderem die bessere Vernetzung der ERP-Systeme, die Automatisierung der Identifikationssysteme und die Weiterentwicklung der Tracking & Tracing-Systeme. Kundennutzenerhöhungspotenziale dürften hier weiterhin als Orientierung für die Ausgestaltung von Systemen der Distributionslogistik angesehen werden. 5.4.2 Aufgaben Für die Bearbeitung sollten zunächst grundlegende Aspekte der Gestaltung von Distributionssystemen aufgezeigt werden. Daran anschließend können spezifische Elemente der Distribution bei der Bearbeitung der Aufgabenstellung integriert werden. } X A u fg ab en }X [1] Charakterisieren Sie die Bedeutung des Systems der Distribution unter Berücksichtigung ihrer Stellung im Unternehmen. }X [2] Skizzieren Sie denkbare Optionen bei der Einbindung externer Logistikdienstleister unter dem Aspekt der Ausgestaltung von Distributionsnetzen und der Nutzung eines logistischen Outsourcings. }X [3] Diskutieren Sie das Problem des Zentralisierungsgrades eines Distributionsnetzes über die dabei potenziell anfallenden drei Kostenkategorien. }X [4] Beschreiben Sie kritische Szenarien des operativen Teils der Distribution im Sinne der Abwicklung von Distributionsaufträgen durch die da für vorgesehenen Elemente. Stichworte zu konkreten Lösungshinweisen für die Aufgaben von Kapitel  5 finden Sie auf Seite 234.

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Zusammenfassung

Der perfekte Einstieg in die Logistik

Das Lehrbuch behandelt den klassischen Lehrstoff der Logistik und berücksichtigt gleichzeitig auch aktuelle Entwicklungen. Ziel des Buches ist es, den theoriebezogenen und praxisrelevanten Stoff der Logistik zu verzahnen.

Das Lehrbuch erläutert die wichtigsten Logistik-Themen:

* Unternehmenslogistik

* Beschaffungslogistik

* Produktionslogistik

* Distributionslogistik

* Entsorgungslogistik.

Neben Supply Chain Management werden auch logistische Supportsysteme, wie IT-Management, Marketingmanagement und Controlling dargestellt.

"In der Gesamtbeurteiiung liegt für den Logistikinteressierten ein gelungenes Werk mit einer soliden Darstellung des Stoffes unter Berücksichtigung der innovativen Logistikthemen vor. Darüber hinaus bietet das Buch Unternehmen und Organisationen die Möglichkeit, sich an den beschriebenen Ansätzen zu orientieren und damit eine ?passende" Logistik zu implementieren bzw. fortzuentwickeln." in: Der Betriebswirt 02/12