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5.1 Definition, Aufgaben und Formen der Distributionslogistik in:

Andreas Huber, Klaus Laverentz

Logistik, page 131 - 135

1. Edition 2011, ISBN print: 978-3-8006-3642-6, ISBN online: 978-3-8006-4183-3, https://doi.org/10.15358/9783800641833_131

Series: Vahlens Kurzlehrbücher

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Vahlens Kurzlehrbücher – Huber/Laverentz – Logistik, 1. Aufl. Herstellung: Frau Deuringer Status: Imprimatur Stand: 23.11.11 Seite: 120 Vahlens Kurzlehrbücher – Huber/Laverentz – Logistik, 1. Aufl. Herstellung: Frau Deuringer Status: Imprimatur Stand: 23.11.11 Seite: 121 5 Distributionslogistik 5.1 Definition, Aufgaben und Formen der Distributionslogistik 5.1.1 Definition und Aufgaben der Distributionslogistik Die Distribution stellt jenes System dar, das die Eingangsobjekte, wie z. B. verkaufsfähige Produkte von der Produktion und Handelsware von der Beschaffung, etc., entgegennimmt und mittels zeitlicher und örtlicher Transformationen, d. h. durch Transport-, Umschlag- und Lagerungsprozesse, an den Kundenbedarfsstellen als Ausgangsobjekte nutzenstiftend bereitstellt. Gleichzeitig entstehen nichtnutzenstiftende Ausgangsobjekte in Form von Entsorgungsgütern. Dazu gehören beispiels weise nicht weiter verwendbare Verpackungen, Emissionen, etc. In Ausnahmefällen werden auch physische Transformationen während des Distributionsprozesses vorgenommen, wenn etwa die Fertigwaren vor der Auslieferung kundenspezifisch angepasst werden. Zu den Ressourcen zählen neben den Mitarbeitern, Lager, die in das Distributionssystem eingebundenen sind, Umschlagpunkte sowie innerbetriebliche und außerbetriebliche Transportmittel, weiterhin alle für den Betrieb benötigten Betriebsstoffe, IT-Ausstattung, etc. Auch Verträge und Kontrakte mit externen Logistikdienst leis tern über zu erbringende Leistungen werden zu den Ressourcen gezählt. Die Organisation der Distribution prägt die Struktur des Distributionsnetzes, bestehend aus den Lagern, Umschlagpunkten und den Transporten dazwischen. Außerdem zählen zur Distributionsorganisation Festlegungen, wie die Funktionszuteilung zu den einzelnen Lagern und Umschlagpunkten, die Bestands- und Nachversorgungsstrategie, etc. Die Distributionslogistik durchdringt sämtliche Bereiche der Distribution und befasst sich mit der Planung, Steuerung und Kontrolle aller Distributionsprozesse und übernimmt dabei folgende Aufgaben: Lernziele Kapitel 5 } } Le rn zi el e }} Überblick über wesentliche Ziele und Aufgaben der strategischen und operativen Distributionslogistik sowie über Formen der Distributionslogistik und über Optionen der Einbindung externer Dienstleister. }} Verständnis für Planungs- und Steuerungselemente bei der Gestaltung eines Distributionssystems sowie für Konzepte einer Planung und Steuerung von Distributionsprozessen. }} Einsicht in grundlegende Strukturen und Komponenten der strategischen und operativen Ausgestaltung des Distributionssystems unter Berücksichtigung logistischer Netze und des Outsourcings. Vahlens Kurzlehrbücher – Huber/Laverentz – Logistik, 1. Aufl. Herstellung: Frau Deuringer Status: Imprimatur Stand: 23.11.11 Seite: 122 Vahlens Kurzlehrbücher – Huber/Laverentz – Logistik, 1. Aufl. Herstellung: Frau Deuringer Status: Imprimatur Stand: 23.11.11 Seite: 123 5 Distributionslogistik122 ●● Strategische Aufgaben: (a) Planung und Gestaltung des Distributionssystems auf Basis von strategischen Distributionsmengen und internen Vorgaben, (b) Einbezug externer Logistikdienstleister über Kooperationsverträge. ●● Operative Aufgaben: (a) Planung und Steuerung der Bestände und des Nachschubs, (b) Planung und Steuerung von Distributionsaufträgen mit Auftragsbearbeitung, Lagerprozessen und Transporten. Die Art und Weise, in der diese Aufgaben erfüllt werden, hängt wesentlich von der Struktur des Distributionsnetzes und der Tatsache ab, inwieweit das Unternehmen auf externe Dienstleister zurückgreift. 5.1.2 Systematisierung der Distributionslogistikformen Das Distributionssystem eines Unternehmens hat die Aufgabe, Güter von n verschiedenen Quellen aufzunehmen und zu m verschiedenen Senken zu befördern. Quellen können Produktionsstandorte oder auch andere Zugangspunkte, wie beispielsweise See- oder Flughäfen sein. Im Folgenden werden Produktionen beziehungsweise die angeschlossenen Werkslager als Quellen betrachtet, als Senken die Kundenbedarfsstellen in Distributionssystemen. Die Beförderung kann über mehrere Lagerstufen erfolgen: ●● Werkslager (WL) auf Stufe 0 sind der Produktion direkt angeschlossen und nehmen die Fertigprodukte auf, um sie kurzfristig weiterzuleiten, daher werden die Werkslager auch als Quellen des Distributionsnetzes angesehen. ●● Zentrallager (ZL) auf Stufe 1 bevorraten aus allen Werkslagern das gesamte Spektrum an Gütern und transportieren diese an nachrangige Lagerstufen weiter oder direkt zum Kunden. Abbildung 5.1: Die Distribution als System Verkaufsfähige Produkte aus der Produktion Produkte und Handelsware am Kundenstandort Örtliche und zeitliche Transformation Distributionsprozesse Ressourcen Distributionsorganisation Organisation Distributionssystem Eingangsobjekte Ausgangsobjekte Verpackungen Entsorgungsgüter z.B. - Mitarbeiter - Lager - Umschlagpunkte - Transportmittel - Betriebsstoffe Handelsware aus der Beschaffung Vahlens Kurzlehrbücher – Huber/Laverentz – Logistik, 1. Aufl. Herstellung: Frau Deuringer Status: Imprimatur Stand: 23.11.11 Seite: 122 Vahlens Kurzlehrbücher – Huber/Laverentz – Logistik, 1. Aufl. Herstellung: Frau Deuringer Status: Imprimatur Stand: 23.11.11 Seite: 123 5.1 Definition, Aufgaben und Formen der Distributionslogistik 123 ●● Regionallager (RL) auf Stufe 2 lagern ein Voll- oder Teilsortiment mit dem eine Absatzregion versorgt wird. ●● Auslieferungslager (AL) auf Stufe 3 bilden die unterste Stufe der Lagerhierarchie, wodurch Kunden auf Abruf versorgt werden. Die einstufige Distribution läuft ausschließlich über eine Lagerstufe, die mehrstufige Distribution bedient sich mehrerer Lagerstufen, gemischte Distribution wird dann sinnvoll eingesetzt, wenn z. B. Kunden in der Nähe des Zentrallagers direkt von dort aus beliefert werden, während anderen Bedarfsstellen über eine mehrstufige Distribution versorgt werden. Die Einbindung externer Logistikdienstleister in die Distributionslogistik eines Unternehmens kann über die Vergabe einzelner Transporte oder Lagerstandorte erfolgen oder aber auch die Übertragung ganzer Subsysteme der Distribution, wie z. B. die Ersatzteillogistik, umfassen. In solchen Kooperationen übergeben die Unternehmen ihre Güterströme an ein Speditionssystem, das die Transport-, Lager- und Umschlagprozesse für die Kunden abwickelt. Für den Transport haben sich verschiedene Strukturen von Speditionssystemen herausgebildet, die abhängig von den jeweilig übergebenen Sendungsgrößen sind. Komplettladungen, die einen Lkw vollständig auslasten, werden direkt von der Quelle zur Senke transportiert. Teilladungen sind größere Sendungen, die einen Lkw nicht vollständig auslasten und deshalb mit anderen Teilladungen zu Touren zusammengefasst werden, wobei eine Tour mehrere Senken und/ oder Quellen innerhalb einer Fahrt bedient. Stückgut, wie z. B. Paletten, Kolli, etc., und Pakete werden in ein Speditionsnetz eingespeist, das die Güter gebündelt von verschiedenen Quellen zu verschiedenen Senken transportiert, dabei werden die Güter von den Quellen im Vorlauf abgeholt und in regionalen Depots gesammelt, sortiert, konsolidiert und von dort aus im Hauptlauf zu den Depots ALAL RLRL WLWLWLWL ALAL WLWL ALAL RLRL WL Mehrstufige Distribution Einstufige Distribution WLWL ZL RL AL WL ZL AL Kunden WL ZL Kunden Quellen Stufe 3 Stufe 2 Stufe 1 Senken Gemischte Form WL ZL RL AL KundenKunden Abbildung 5.2: Distributionsstufen Vahlens Kurzlehrbücher – Huber/Laverentz – Logistik, 1. Aufl. Herstellung: Frau Deuringer Status: Imprimatur Stand: 23.11.11 Seite: 124 Vahlens Kurzlehrbücher – Huber/Laverentz – Logistik, 1. Aufl. Herstellung: Frau Deuringer Status: Imprimatur Stand: 23.11.11 Seite: 125 5 Distributionslogistik124 der Zielregion befördert. Im Anschluss werden die Güter im Nachlauf regional an die Senken verteilt. Diese Transportprozesse laufen bidirektional ab, so dass jedes Depot eine Sammel- und Verteilungsfunktion hat. Speditionsnetze können von Unternehmen sowohl in der Distribution als auch in der Beschaffung verwenden werden, da jeder Transport beide Komponenten enthält. In solchen Netzen werden zwei Grundstrukturen verwendet, die erweiterbar sind und miteinander verknüpft werden können: (1) Direktverkehrsnetze verbinden jedes Depot direkt mit allen anderen Depots. (2) Hub-and-Spoke-Netze, auch Nabe-und-Speiche-Netze genannt, haben zwischen den Depots ein zentrales Umschlagdepot (Hub), über das alle Hauptläufe dirigiert werden. Ankommende Güter werden entladen, nach Zieldepots sortiert und gebündelt transportiert. Eine Kombination der beiden Netze ist möglich, wenn, wie in Beispiel 1 in Abbildung 5.4 gezeigt, ein Cluster von Depots weit entfernt vom Hub liegt. Hier kann es sinnvoll sein, diese Depots über ein Direktverkehrsnetz miteinander zu verbinden, während die Transporte zu den anderen Depots über ein Hub laufen. Hub-and-Spoke-Netze können sowohl horizontal als auch vertikal erweitert werden. Eine horizontale Erweiterung, bei der die Hubs auf gleicher Stufe der Distribution stehen, zeigt Beispiel 2 in Abbildung 5.4, ein Distributionssystem, das zwei weit auseinander liegende Gebiete zu versorgen hat. Jedes Gebiet erhält einen Hub, der für die Bündelung der Transporte in diesem Gebiet zuständig ist, gleichzeitig laufen alle Transporte zwischen den Gebieten über die beiden Hubs. Eine vertikale Erweiterung des Distributionssystems beinhaltet eine Stufung der Hubs, in der beispielsweise ein zentrales Hub die transportierten Güter der regionalen Hubs umschlägt und die regionalen Hubs für den Umschlag der Depotgüter zuständig sind. Direktverkehrsnetz D Hub D D D D D D D D D Hub-and-Spoke-Netz Abbildung 5.3: Formen von Netzstrukturen Vahlens Kurzlehrbücher – Huber/Laverentz – Logistik, 1. Aufl. Herstellung: Frau Deuringer Status: Imprimatur Stand: 23.11.11 Seite: 124 Vahlens Kurzlehrbücher – Huber/Laverentz – Logistik, 1. Aufl. Herstellung: Frau Deuringer Status: Imprimatur Stand: 23.11.11 Seite: 125 5.2 Strategische Distributionslogistik 125 5.2 Strategische Distributionslogistik 5.2.1 Strategische Planung des Distributionssystems Aufgabe der strategischen Planung des Distributionssystems ist es, das Distributionsnetz und die darin ablaufenden Prozesse langfristig so zu gestalten, dass die gesetzten Ziele der Distribution erfüllt werden, d. h. die prognostizierten Absatzmengen termin- und mengengerecht den jeweiligen Kunden bzw. Kundengruppen in der richtigen Qualität und zum richtigen Preis zur Verfügung zu stellen. In der Praxis handelt es sich bei der strategischen Planung im Regelfall nicht um eine vollständige Neuplanung, sondern um eine Anpassungsplanung, die ein vorhandenes System geänderten Anforderungen angleicht. Fragestellungen und Methodik des Vorgehens sind identisch. Die Planung muss interne und externe Einflussfaktoren berücksichtigen. Interne Faktoren sind die logistikrelevanten Eigenschaften der Produkte, wie z. B. Größe, Gewicht, Eigenschaft, Gefahrgut oder Kühlgut, die Wahl des Absatzwegs, wie z. B. über Einzel- oder Großhändler, und weitere Vorgaben in Form von Kosten- oder Qualitätszielen des Unternehmens. Externe Faktoren sind von Kunden formulierte Anforderungen bezüglich Lieferzeit, Lieferbereitschaft, Lieferfrequenz, Anzahl und geografische Verteilung der Bedarfsstellen, Sendungsgrößen, etc. Zur strategischen Planung gehören die folgenden Teilaufgaben, wobei Lager und Umschlagpunkte zusammengefasst werden: ●● Die Lagernetzplanung legt eine vertikale und horizontale Struktur des Distributionsnetzes fest. Dabei bestimmt die vertikale Struktur die Anzahl der D Hub D D D D D D D D Hub D Beispiel 1 D D D Hub Beispiel 2 Abbildung 5.4: Kombinationen und Erweiterungen

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Zusammenfassung

Der perfekte Einstieg in die Logistik

Das Lehrbuch behandelt den klassischen Lehrstoff der Logistik und berücksichtigt gleichzeitig auch aktuelle Entwicklungen. Ziel des Buches ist es, den theoriebezogenen und praxisrelevanten Stoff der Logistik zu verzahnen.

Das Lehrbuch erläutert die wichtigsten Logistik-Themen:

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* Entsorgungslogistik.

Neben Supply Chain Management werden auch logistische Supportsysteme, wie IT-Management, Marketingmanagement und Controlling dargestellt.

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