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6.2 Strategische Entsorgungslogistik in:

Andreas Huber, Klaus Laverentz

Logistik, page 146 - 149

1. Edition 2011, ISBN print: 978-3-8006-3642-6, ISBN online: 978-3-8006-4183-3, https://doi.org/10.15358/9783800641833_146

Series: Vahlens Kurzlehrbücher

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Vahlens Kurzlehrbücher – Huber/Laverentz – Logistik, 1. Aufl. Herstellung: Frau Deuringer Status: Imprimatur Stand: 23.11.11 Seite: 136 Vahlens Kurzlehrbücher – Huber/Laverentz – Logistik, 1. Aufl. Herstellung: Frau Deuringer Status: Imprimatur Stand: 23.11.11 Seite: 137 6 Entsorgungslogistik136 einsetzen lassen, wie z. B. Metall, Altpapier, Altöle, etc. Als Elemente des logistischen Subsystems Entsorgungslogistik lassen sich folgende Recyclingformen benennen: ●● Vermeidung: Präventiver Verzicht auf Entstehung von Abfällen, wie z. B. unnötige Transportverpackungen, etc. ●● Reduzierung: Quantitative und qualitative Reduzierung, wie z. B. der Einsatz schadstoffarmer Motoren, etc. ●● Verwendung: Wiederverwendung in Form von Mehrwegverpackungen und Ersatzteile, wie z. B. Pfandflaschen, Akku-Batterien, etc., sowie Weiterverwendung, wie z. B. Nutzung eines Produktes in verschiedenen Funktionen (Senfglas als Trinkglas), etc. ●● Verwertung: Stoffliche Verwertung als rohstoffliche Verwertungsform, wie z. B. Öle, Synthesegase/Methanol, etc., und als werkstoffliche Verwertungsform, wie z. B. Altpapier, Altglas, etc., sowie energetische Verwertung, wie z. B. Einsatz von Abfällen im Zementwerk, etc. ●● Beseitigung: Endgültige Abfallentsorgung, wie z. B. Deponierung, Kompostierung, etc. Entsorgungslogistik unterscheidet sich von anderen logistischen Subsystemen in der Art der Objekte, nämlich durch Reststoffe im Vergleich zu Einsatzgütern, durch eine entgegen gesetzte Flussrichtung dieser Objekte im Vergleich zur Beschaffungslogistik sowie durch eine nicht primär ökonomische Zielorientierung, sondern eine vorrangig ökologische Ausrichtung in der Vorgehensweise. 6.2 Strategische Entsorgungslogistik 6.2.1 Entsorgungslogistik, Nachhaltigkeit und ökologische Prinzipien Ausgangspunkt für eine explizite Entwicklung der Entsorgungslogistik waren seit Beginn der 1980er Jahre zahlreiche ökologische Probleme, die einerseits in einer planbaren Ressourcenverknappung, andererseits durch eine Verschlechterung der Ressourcenqualität zum Ausdruck kamen und zunehmend auch durch ein gestiegenes, gesellschaftliches Bewusstsein und zahlreiche, neu geschaffene Rechtslagen für Unternehmen und Märkte gebildet wurden. Umweltschutzmaßnahmen, die von Unternehmen aufgrund von Auflagen, Rechtsvorschriften oder Zertifikaten erbracht werden müssen, werden dadurch dem Verursacherprinzip gerecht, wonach Produzenten dazu verpflichtet werden, umweltschädigende Reststoffe bzw. Abfälle aus der gesamten Wertschöpfungskette sachgerecht zu entsorgen, d. h. dass im Schadensfall derjenige haftet, der die entstanden Kosten verursacht hat. Beispiele für umfassende ökologische Konzepte mit strategischem Charakter hierfür sind das Nachhaltigkeitsprinzip mit einem intergenerativen Gerechtigkeitsverständnis durch Sicherung gleicher Rechte auf Zugang und Nutzung der natürlichen Ressourcen, die Öko-Effizienz-Analyse, wie Vahlens Kurzlehrbücher – Huber/Laverentz – Logistik, 1. Aufl. Herstellung: Frau Deuringer Status: Imprimatur Stand: 23.11.11 Seite: 136 Vahlens Kurzlehrbücher – Huber/Laverentz – Logistik, 1. Aufl. Herstellung: Frau Deuringer Status: Imprimatur Stand: 23.11.11 Seite: 137 6.2 Strategische Entsorgungslogistik 137 z. B. das Produktions-Entsorgungs-Konzept der BASF, und die Corporate Social Responsibility (CSR), d. h. die Ausrichtung der Verantwortung der Unternehmen an gesellschaftlichen Erwartungen und Werten auszurichten. Die Bedeutung der Entsorgungslogistik und deren Umsetzung hat in den letzten Jahren stark zugenommen, unter anderem durch steigende Entsorgungskosten als Folge einer Verknappung von Endlagerstätten und Entsorgungsverarbeitungskapazitäten, durch gestiegenes Umweltbewusstsein und durch Umweltverträglichkeit als Wettbewerbsfaktor für Unternehmen sowie durch strengere gesetzliche Rahmenbedingungen. Ein entsorgungsstrategischer Handlungsspielraum ergibt sich im Einzelfall insofern, als die ökologischen Ziele der Entsorgung dem Grundsatz ,Vermeidung vor Verwertung vor Beseitigung‘ folgen. Ökologieorientierung wird ungeachtet dessen von Unternehmen auch als Marketing- bzw. Verkaufsinstrument eingesetzt, da Verbraucher immer mehr auf Recycling- und Umweltverträglichkeit achten. Besondere Auszeichnungen werden hierfür vergeben, wie z. B. Eco-Auditing-Listen (Öko-Check nach ISO-Norm 9005), Unbedenklichkeitsabzeichen (Green Label der EU) sowie Lieferanten-Audits (ISO-Normen 9000-9004/EN 29000-29004), etc. ,Grüne Logistik‘, d. h. ökologieorientierte Logistik oder Green Logistics, entwickelte sich dergestalt zu einem neuen Logistikparadigma, das die bestehenden Entwicklungsmuster der Logistik als Prozessorientierung und Wertschöpfungskette problemlos aufnehmen kann. Insbesondere unter strategischem Gesichtspunkt scheint sich angesichts dominanter Umwelt- und Ressourcenschutzorientierung das Konzept der grünen Logistik als ein entwicklungsfähiges Zukunftsszenario herauszubilden. Beschaffung Produktion Distribution Konsumption Transport- Verpackungen beschädigte Lieferungen Reste Beispiel BeispielBeispiel Beispiel Ausschuss Alt-Betriebsstoffe Abluft/Abwasser Transport- Verpackungen beschädigte Paletten Produkt- Verpackungen Alt-Produkte Leergut Abbildung 6.3: Quellen und Arten von Rückständen Vahlens Kurzlehrbücher – Huber/Laverentz – Logistik, 1. Aufl. Herstellung: Frau Deuringer Status: Imprimatur Stand: 23.11.11 Seite: 138 Vahlens Kurzlehrbücher – Huber/Laverentz – Logistik, 1. Aufl. Herstellung: Frau Deuringer Status: Imprimatur Stand: 23.11.11 Seite: 139 6 Entsorgungslogistik138 6.2.2 Rahmenbedingungen einer strategischen Entsorgungslogistik Wesentliche Impulse für eine insgesamt strategische Ausrichtung des logistischen Subsystems Entsorgungslogistik gingen sowohl von gesellschaftlichen und staatlichen Anforderungen, Marktanforderungen als auch innerbetrieblichen Rahmenbedingungen aus. Daraus entstandene, vielfältige Einflussfaktoren wirken sich gegenwärtig auf die Entsorgungslogistik wie folgt aus: ●● Gesellschaftliche und staatliche Anforderungen wie Wertewandel, ökologische Verantwortung, Grenzannahmen bezüglich des Wachstums, Proteste von Bürgerinitiativen oder umweltbewussten Mitarbeitern, werden hier wirksam, ebenso Auswirkungen durch die Rechtslage, etwa durch das Abfallbeseitigungsgesetz, die Verpackungsverordnung oder die Gefahrgutverordnung, etc. ●● Marktanforderungen ergeben sich einerseits aus den Anspruchshaltungen der Kunden und deren Wünschen nach umweltverträglichen Produkten, Produktionsprozessen oder Transportsystemen sowie einer allgemeinen Entsorgungserwartung. Daraus abgeleitetes, ökologieorientiertes Wettbewerbsverhalten, das über den Markt ausgelöst wird, provoziert neue Ersatzprodukte, Markteintritte neuer Konkurrenten oder ökologische Kommunikationsstrategien. ●● Innerbetriebliche Rahmenbedingungen, welche die Entsorgungslogistik beeinflussen, ergeben sich aus den spezifischen Merkmalen des Produktionsprozesses, aus Art und Umfang sowie der Struktur der anfallenden Reststoffe. Dadurch entstehen steigende Entsorgungskosten einerseits durch die Verknappung von Deponiekapazitäten, andererseits durch die Erfüllung einer sich ständig verschärfenden Rechtslage. Aus den vorbezeichneten Tatbeständen und Einflussfaktoren auf die Entsorgungslogistik ergeben sich sowohl ökonomische als auch ökologische Zielsetzungen innerhalb des logistischen Subsystems Entsorgung: Die ökonomische Zielsetzung verfolgt die Minimierung der gesamten Kosten der Entsorgungslogistik sowie die Gewährleistung einer effektiven und effizienten Entsorgungslogistikleistung unter Berücksichtigung einer ökonomisch vertretbaren Entsorgungszeit, Termintreue und Flexibilität. Die ökologische Zielsetzung favorisiert auf der Input-Seite bereits einen umweltverträglichen Einsatz natürlicher Ressourcen und auf der Output-Seite eine zielverträgliche Gestaltung von Emissionswirkungen sowie alle damit verbundenen, redistributionslogistischen Prozesse unter Berücksichtigung des gesetzlichen Rahmens. Vahlens Kurzlehrbücher – Huber/Laverentz – Logistik, 1. Aufl. Herstellung: Frau Deuringer Status: Imprimatur Stand: 23.11.11 Seite: 138 Vahlens Kurzlehrbücher – Huber/Laverentz – Logistik, 1. Aufl. Herstellung: Frau Deuringer Status: Imprimatur Stand: 23.11.11 Seite: 139 6.3 Operative Entsorgungslogistik 139 6.3 Operative Entsorgungslogistik 6.3.1 Teilbereiche der operativen Entsorgungslogistik Innerbetriebliche Entsorgungslogistik zählt Kernleistungen wie Lager-, Transport- und Umschlagprozesse zu ihren Aufgaben. Lagerprozesse in der Entsorgungslogistik dienen insbesondere der Gestaltung wirtschaftlicher Transporteinheiten beim Sammeln oder bei der Transformation von Rückständen sowie einer Aufbereitung von Rückständen für die Verwendung in Verwertungsanlagen. Hierbei sind generelle Sicherheitsvorkehrungen zu beachten, wie etwa Zusammenlagerungsverbote, Mengenschwellenüberwachung sowie Brandschutzanforderungen. Zu entscheiden ist hier über eine Lagerplatzzuordnung von Rest- bzw. Abfallstoffen mit den Alternativen von getrennten oder gemeinsamen Lagerzonen. Transportprozesse lassen sich als innerbetriebliche Aufgaben der Entsorgungslogistik nach der Art der Rückstände unterscheiden in Wertstoffe, deren Durchlaufzeiten zu minimieren sind, und Abfallstoffe, die unter Kosten- und Sicherheitsaspekten zu behandeln sind. Als Teilprozesse lassen sich hierbei Sammlung, Lagerung und Überführung in den außerbetrieblichen Transport unterscheiden. Umschlagprozesse sollten aus entsorgungslogistischer Sicht möglichst minimiert werden, da sich hieraus erneute Rückstände- und Abfallgefahren ergeben. Für den Umschlagmitteleinsatz lassen sich hier in Analogie zu Fördermitteln stetige und unstetige Umschlagmittel unterscheiden. Außerbetriebliche Entsorgungslogistik zählt Sammeltransporte, Nah- und Ferntransporte zu ihren Aufgaben. Sammeltransporte stellen vorgelagerte Prozesse zur weiteren, erforderlichen Beförderung von Rest- bzw. Abfallstoffen dar. Entsorgung Entsorgungsprozesse i.w.S.Aufbereitungsprozesse Zusatzleistungen Sammlung Sortierung Verpackung Logistische Prozesse Kernleistungen Lagerung Transport Umschlag Informationsleistungen Auftrags-abwicklung Trennung Demontage Filtration Magnetische Trennung Umwandlung Entwässerung Zerkleinerung Verfestigung Verwertung Wiederverwertung Weiterverwendung Beseitigung Deponierung Verbrennung Kompostierung Verwendung Wiederverwendung Weiterverwendung Abbildung 6.4: Elemente der Entsorgungslogistik

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Zusammenfassung

Der perfekte Einstieg in die Logistik

Das Lehrbuch behandelt den klassischen Lehrstoff der Logistik und berücksichtigt gleichzeitig auch aktuelle Entwicklungen. Ziel des Buches ist es, den theoriebezogenen und praxisrelevanten Stoff der Logistik zu verzahnen.

Das Lehrbuch erläutert die wichtigsten Logistik-Themen:

* Unternehmenslogistik

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* Produktionslogistik

* Distributionslogistik

* Entsorgungslogistik.

Neben Supply Chain Management werden auch logistische Supportsysteme, wie IT-Management, Marketingmanagement und Controlling dargestellt.

"In der Gesamtbeurteiiung liegt für den Logistikinteressierten ein gelungenes Werk mit einer soliden Darstellung des Stoffes unter Berücksichtigung der innovativen Logistikthemen vor. Darüber hinaus bietet das Buch Unternehmen und Organisationen die Möglichkeit, sich an den beschriebenen Ansätzen zu orientieren und damit eine ?passende" Logistik zu implementieren bzw. fortzuentwickeln." in: Der Betriebswirt 02/12