Content

Ausländische Direktinvestitionen (FDI) in:

Reinhard Meckl

Internationales Management, page 87 - 114

3. Edition 2014, ISBN print: 978-3-8006-4784-2, ISBN online: 978-3-8006-4785-9, https://doi.org/10.15358/9783800647859_87

Series: Lernbücher für Wirtschaft und Recht

Bibliographic information
Vahlens Lernbücher – Meckl – Internationales Management (3. Auflage) Herstellung: Frau Wesp Änderungsdatum: 31.01.2014 Status: Imprimatur Seite: 65 2.4 Ausländische Direktinvestitionen (FDI) 65 2.4 Ausländische Direktinvestitionen (FDI) 2.4.1 Daten und Formen ausländischer Direktinvestitionen 2.4.1.1 Abgrenzung ausländischer Direktinvestitionen Nach den Außenhandelsaktivitäten und den Kooperationen wird in diesem Abschnitt die letzte Gruppe von Marktbearbeitungsformen, die ausländischen Direktinvestitionen (Foreign Direct Investment, FDI) behandelt. Abbildung 2-31 zeigt nochmals im Überblick die Marktbearbeitungsformen. Ausländische Direktinvestitionen liegen dann vor, wenn ein Transfer von Kapital ins Ausland mit dem Ziel der operativen Kontrolle und Einflussnahme auf die ausländischen Geschäftsaktivitäten vorgenommen wird. Abbildung 2-31 zeigt, dass die auch als Foreign Direct Investment (FDI) bezeichneten Direktinvestitionen in die Gruppe der Kapitalanlagen im Ausland eingeordnet werden können. Allerdings gibt es wesentliche Unterschiede zu den ebenfalls in dieser Gruppe angesiedelten Finanzinvestitionen (vgl. Abbildung 2-31). Tabelle 2-8 stellt die Unterschiede heraus. Direktinvestition Finanzinvestition Motive Ertrags und Kontrollmotive Ertrags und Risiko motive Transferierte Ressourcen Kapital, Anlagegüter, Technologien, Mitar beiter, Know how, im Ausland erwirtschaf tete Gewinne Kapital 2.4 Ausländische Direktinvestitionen (FDI) Auslandsengagement Handelsbeziehungen Auslandsbeziehungen ohne Kapitalbeteiligung Kapitalanlagen Finanzinvestitionen Strategische Investitionen Minderheitsbeteiligung Akquisition/ (Mehrheitsbeteiligung) Eigengegründete Auslandsgesell. Joint Venture Außenhandel Direktinvestitionen Abb. 2‑31: Formen des Auslandsengagements Vahlens Lernbücher – Meckl – Internationales Management (3. Auflage) Herstellung: Frau Wesp Änderungsdatum: 31.01.2014 Status: Imprimatur Seite: 66 2 Internationale Marktbearbeitungsformen und Theorien des IM66 Direktinvestition Finanzinvestition Anlageformen Anteile am Grund bzw. Stammkapital bestehender Unternehmen, Unternehmens neugründungen Aktien, Immobilien und Investmentfonds Zeithorizont Langfristig kurz bis mittelfristig Tab. 2‑8: Direktinvestitionen vs. Finanzinvestitionen (Quelle: in Anlehnung an Hymer 1976) Die Unterscheidungsmerkmale machen deutlich, dass für das Internationale Management die ausländischen Direktinvestitionen von Interesse sind, da nur sie es erlauben, mit dem Einsatz von Kapital eine zielorientierte Internationalisierungsstrategie aufzubauen. Abbildung 2-32 zeigt nochmals die historische Entwicklung der so verstandenen ausländischen Direktinvestitionen (vgl. auch Abbildung 1-2). Durch den Transfer von Kapital stellen Direktinvestitionen die ausländische Marktbearbeitungsform mit der stärksten Bindung und entsprechend auch mit dem höchsten Risiko dar. Deshalb ist gerade bei den Direktinvestitionen im Ausland eine genaue Abschätzung insbesondere des Länderrisikos (vgl. Abschnitt 2.2.3.2) nötig. Die Kurve in Abbildung 2-32 zeigt, dass ein deutlicher Aufwärtstrend bei den Direktinvestitionen zu verzeichnen ist, der nur kurz durch Krisen in wichtigen Ökonomien unterbrochen wurde. Die dadurch resultierende starke Verflechtung der Volkswirtschaften durch die Abb. 2‑32: Globale FDI inflows nach Ländergruppen (Quelle: UNCTAD, World Investment Report 2013, 3) Vahlens Lernbücher – Meckl – Internationales Management (3. Auflage) Herstellung: Frau Wesp Änderungsdatum: 31.01.2014 Status: Imprimatur Seite: 67 2.4 Ausländische Direktinvestitionen (FDI) 67 Direktinvestitionen ist das, was man als langfristiges „Rückgrat“ der ökonomischen Internationalisierung bis hin zur Globalisierung bezeichnen kann. Generell können folgende Chancen und Vorteile aus ausländischen Direktinvestitionen für Unternehmen erwartet werden: •• Starke Präsenz in und Erschließung neuer Absatzmärkte: Direktinvestitionen implizieren einen hohen Bindungsgrad eines Auslandsengagements. Dies signalisiert den Geschäftspartnern und auch den Wettbewerbern, dass eine langfristige Bearbeitung des ausländischen Marktes geplant ist. •• Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit: Durch Nutzung komparativer Vorteile des Auslands, z. B. bei der Kostenposition in der Produktion oder auch durch den Zugang zu billigeren Rohstoffen, können Vorteile für das Gesamtunternehmen, die sich nicht nur auf diesen einen Markt beschränken, erreicht werden. •• Bessere Kontrolle der Auslandsaktivitäten: Eigentumsrechte verbriefen grundsätzlich die Verfügungsgewalt über die eingesetzten „assets“. Dies erlaubt zumindest eine Mitbestimmung bzgl. der Art und Weise der Geschäftsführung, was z. B. bei der Lizenzvergabe (vgl. Abschnitt 2.3.3) nicht der Fall ist. •• Niedrigere Transportkosten und keine Einfuhrprobleme: Die physische Nähe zum Markt und der lokale Wertschöpfungsanteil erlauben Kosteneinsparungen durch eine leichtere Logistik und die Umgehung etwaiger tarifärer oder auch nicht-tarifärer Beschränkungen staatlicherseits. •• Steueranreize und Investitionsförderungen des Gastlandes: Kapitalinvestitionen wirken positiv für die lokale Wirtschaft, weswegen von Regierungsseite diese Investitionen, gerade wenn dadurch Arbeitsplätze geschaffen werden, häufig durch erhebliche Subventionen oder generell Erleichterungen gefördert werden. Auf der Risikoseite ergeben sich folgende Überlegungen: •• Hoher Kapitalbedarf und langfristige Kapitalbindung: Je nach gewählter Form der Direktinvestition sind Eigenkapitalmittel zur Verfügung zu stellen, die zumindest bei Akquisitionen nicht so einfach und schnell wieder abgezogen werden können. Dies ist die Kehrseite der langfristigen Bindung an den Auslandsmarkt. •• Politische Risiken und staatliche Reglementierungen: Durch die hohe Bindungsintensität ist das investierende Unternehmen auch von den politischen Rahmenbedingungen und deren Änderungen abhängig. In Ländern, in denen keine stabilen politischen Verhältnisse herrschen, kann dies zu einer erheblichen Beeinträchtigung der unternehmerischen Spielräume führen (vgl. dazu auch Abschnitt 2.2.3.2 zum Länderrisiko). •• Wirtschaftliche Risiken: Die ökonomischen Rahmenbedingungen des Auslandsmarktes haben erhebliche Auswirkungen auf den geschäftlichen Erfolg. Dies gilt zwar auch für Handelsbeziehungen. Allerdings ist bei einer deutlichen Verschlechterung der ökonomischen Rahmenbedingungen das Erzielen einer adäquaten Rendite auf das eingesetzte Vahlens Lernbücher – Meckl – Internationales Management (3. Auflage) Herstellung: Frau Wesp Änderungsdatum: 31.01.2014 Status: Imprimatur Seite: 68 2 Internationale Marktbearbeitungsformen und Theorien des IM68 Kapital oder auch das gesamte eingesetzte Kapital bei FDI gefährdet (vgl. generell dazu Abschnitt 2.2.3.1). Diese allgemeinen Chancen und Risiken werden ergänzt durch Spezifika verschiedener Formen von Direktinvestitionen im Ausland. Wie in Abbildung 2-32 enthalten, können unter dem Überbegriff der FDI mehrere Formen unterschieden werden, die in den folgenden Abschnitten einzeln betrachtet werden. 2.4.1.2 Gründung einer Tochtergesellschaft im Ausland Die Gründung und der Aufbau einer 100 %igen Tochtergesellschaft stellt die klassische Form des Alleingangs in einen ausländischen Markt dar. Als genereller Vorteil ist das große alleinige Steuerungspotenzial mit der Möglichkeit der Etablierung eines eigenen Marktauftritts bei dieser Internationalisierungsvariante zu nennen. Hinzu kommt, dass der Abfluss von Know-how besser kontrolliert werden kann, als das z. B. bei dem in Abschnitt 2.4.1.4 besprochenen Joint Venture möglich ist. Wichtig ist im internationalen Kontext auch, dass die Wettbewerbsvorteile des investierenden Unternehmens gut auf die eigene Tochtergesellschaft übertragen werden können. Problematisch kann ein hoher Kapitaleinsatz sein. Durch die Notwendigkeit, lokales Personal zu akquirieren und sowohl die internen Strukturen des Unternehmens als auch die Kanäle zum Markt erst aufzubauen, ist zusätzlich ein beträchtlicher Zeitbedarf gegeben. Zu einem späteren Zeitpunkt, wenn die Tochtergesellschaft auf dem Auslandsmarkt etabliert und erfolgreich ist, ergibt sich das Problem der Steuerung der ausländischen Einheit, da sich erhebliche Interessendivergenzen zwischen Stammhaus und Tochter ergeben können, die über eine entsprechende Corporate Governance (vgl. Abschnitt 3.2) gelöst werden müssen. Die Gründung einer Auslandsgesellschaft erfolgt, wenn sich in der Strategieplanung für die Internationalisierung (vgl. dazu im Detail Abschnitt 3.3) die Alternative, die eine eigen gegründete Tochtergesellschaft enthält, als die Überlegene erwiesen hat. Bevor in den Prozess der Gründung eingestiegen wird, ist vom gründenden Unternehmen auch zu klären, welche strategische Rolle die Auslandsgesellschaft im Unternehmensverbund spielt. Dies kann entlang der in Abschnitt 3.5, insbesondere Abbildung 3-29, dargestellten Rolleneinteilung geschehen (vgl. auch Meckl 2002). Ist dies geschehen, können die im Laufe der operativen Gründung einer ausländischen Tochtergesellschaft auftretenden Einzelentscheidungen im Hinblick auf diese strategische Rolle gefällt werden. Folgende konstitutiven und inhaltlichen Entscheidungen sind zu treffen (vgl. Meckl 2002): Rechtsformwahl Die eigene Rechtspersönlichkeit als lokale Gesellschaft ist ein definitorisches Element einer Auslandsgesellschaft. Welche Rechtsform gewählt werden sollte, bestimmt sich im Einzelfall nach folgenden Kriterien: •• Grundsätze der Unternehmensführung: Eine geforderte Homogenität der Rechtsform aller Auslandsgesellschaften oder die gewünschte Einflussnahme auf Auslandsgesellschaften über bestimmte Gremien lassen einige Rechtsformen von vornherein ausscheiden. Vahlens Lernbücher – Meckl – Internationales Management (3. Auflage) Herstellung: Frau Wesp Änderungsdatum: 31.01.2014 Status: Imprimatur Seite: 69 2.4 Ausländische Direktinvestitionen (FDI) 69 •• Corporate Governance-Vorschriften für die Rechtsform: Die Regelungen bzgl. der diversen Aspekte der Corporate Governance (vgl. dazu im Detail Abschnitt 3.2) sind national unterschiedlich und häufig stark rechtsformabhängig. •• Haftungsbeschränkung: Um das Risiko aus dem Auslandsengagement zumindest formal-rechtlich auf das eingezahlte Kapital der Gesellschaft zu beschränken, empfiehlt sich eine gesellschaftsrechtliche Form, die z. B. der GmbH oder der AG in Deutschland entspricht. Die Haftung beschränkenden Kapitalgesellschaften sind denn auch die am weitaus häufigsten gewählte Form bei Tochterunternehmen im Ausland (vgl. Holland 1995, 39). •• Finanzierung: Im Vordergrund steht hier die Frage nach der Höhe des aufzubringenden Eigenkapitals. Die Höhe variiert von Land zu Land. Zum Zweiten müssen der Tochtergesellschaft ausreichende Mittel zur Durchführung der Geschäftsaktivitäten zur Verfügung gestellt werden, was ebenfalls von der Rechtsform beeinflusst wird. •• Gründungsaufwand: Die Kosten der Gründung und die zu erfüllenden Formalitäten, wie z. B. die Eintragung ins Handelsregister, sind hier zu betrachten. •• Publizitätsvorschriften: Häufig ist der Muttergesellschaft nicht daran gelegen, die Jahresabschlüsse der regionalen Tochtergesellschaften einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Aus diesem Grund ist zu beachten, ob die nationalen Vorschriften eine Veröffentlichung vorsehen. •• Steuerliche Überlegungen: Ziel ist hier die Minimierung der Steuerbelastung der Auslandsgesellschaft durch die Rechtsformwahl. Standortentscheidung Diese so genannte „site selection“, also die Auswahl eines Standorts im gewählten Zielmarkt, kann sich der bewährten Verfahren zur Standortwahl bedienen. Als Bewertungskriterien kommen hier die Lohnkosten, die Verfügbarkeit und ausreichende Qualität von benötigtem Personal, Transport- und Telekommunikationsinfrastruktur, für eine Region gewährte Subventionen, Nähe zu Kunden und Zulieferern und ähnliches in Frage (für eine detaillierte Auflistung der Kriterien vgl. z. B. Meckl 2002; Sanval 2001, 294). Als nächstes müssen die Bewertungen so aggregiert werden, dass eine Kennzahl als Basis für die Entscheidung generiert wird. Dies kann für eine Grobauswahl der Standorte, z. B. durch das Nutzwertanalyseverfahren, geschehen (zum Nutzwertanalyseverfahren vgl. z. B. Kaiser 1989, 1848). Dazu werden die oben genannten Bewertungskriterien zunächst gewichtet. Ist die Auslandsgesellschaft als Produktionsgesellschaft geplant, die eine arbeitsintensive Fertigung zu möglichst niedrigen Kosten durchführen soll, wiegt z. B. das Lohnkostenargument schwer. Dann wird jeder Standort bzgl. jedes Kriteriums bewertet. Die zugewiesene Punktzahl für einen Standort für ein Bewertungskriterium wird mit dem Gewicht multipliziert. Die gewichteten Punkte werden über alle Kriterien addiert. Es ergibt sich für jeden Standort eine Punktzahl, die zumindest eine erste Rangordnung für die „sites“ erlaubt. Vahlens Lernbücher – Meckl – Internationales Management (3. Auflage) Herstellung: Frau Wesp Änderungsdatum: 31.01.2014 Status: Imprimatur Seite: 70 2 Internationale Marktbearbeitungsformen und Theorien des IM70 Kapitalstruktur und Finanzierung der Auslandsgesellschaft Bei der Festlegung der Kapitalstruktur, vereinfachend im folgenden definiert als Relation zwischen Eigen- und Fremdkapital, ist es nicht möglich, auf eine allgemeingültige Optimierungsregel zurückzugreifen, da die Spezifika der Branche, die Größe und das Risikoprofil des Unternehmens die anzustrebende Kapitalstruktur beeinflussen. Als spezifische Einflussfaktoren auf die Kapitalstruktur lassen sich für Auslandsgesellschaften identifizieren: •• Rechtsformabhängige Vorschriften: Bei der Gründung von Kapitalgesellschaften ist in den meisten Ländern ein Mindesteigenkapital einzuzahlen. •• Finanzbedarf der Auslandsgesellschaft im operativen Geschäft: Die Kapitalstruktur beeinflusst maßgeblich die Kreditwürdigkeit und damit die Fähigkeit der Auslandsgesellschaft, sich liquide Mittel zur Finanzierung des operativen Geschäfts zu besorgen. •• Länderspezifische Gegebenheiten: Die Kapitalstruktur kann sich an den Usancen, d. h. an den Bräuchen und Gepflogenheiten im Geschäftsverkehr des Gastlands, orientieren, indem die durchschnittliche Eigenkapitalquote in der bearbeiteten Branche im Gastland ermittelt und die Tochtergesellschaft entsprechend ausgestattet wird. •• Risiken des Auslandsmarkts: Eine niedrige Eigenkapitalquote ist insbesondere für Länder zu empfehlen, in denen eine hohe politische Instabilität (vgl. dazu im Detail Abschnitt  2.2.3.2), Kapitaltransferbeschränkungen und/oder ein hohes Währungsrisiko (vgl. dazu Abschnitt  2.2.3.3) gegeben sind (vgl. Büschgen 1997, 463–464). Durch das niedrige Eigenkapital wird das Risiko beschränkt. •• Unternehmenspolitische Überlegungen: Aus Gesamtunternehmenssicht kann es z. B. im Hinblick auf eine Bonitätseinstufung durch Rating-Agenturen sinnvoll sein, eine einheitliche Kapitalstruktur für alle Gesellschaften des Konzerns zu erreichen. Außerdem wird die erfolgsbezogene Steuerung der Auslandsgesellschaften vereinfacht (vgl. Eckert 1997, 393). Neben der Kapitalstrukturentscheidung sollte bereits bei der Gründung überlegt werden, wie die Finanzdispositionen in der Auslandsgesellschaft gestaltet werden. Insbesondere ist hier festzulegen, wie die An- und Einbindung in das Cash-Management des Gesamtunternehmens aussieht (vgl. dazu auch Abschnitt 4.6.3). Organisatorische Entscheidungen Die vertikale Anbindung an die Muttergesellschaft und die horizontale Verbindung mit anderen Gesellschaften des Konzerns wird im Wesentlichen beeinflusst von der strategischen Rolle der zu gründenden Tochtergesellschaft (siehe oben bzw. Abschnitt 3.5). Je nach Führungsstruktur des Gesamtunternehmens ist eine Aufteilung der Entscheidungsmacht zwischen der Mutter und den ausländischen Tochtergesellschaften festzulegen. Dies geschieht durch Wahl einer der in Abschnitt 3.4 erläuterten Organisationsformen für international tätige Unternehmen. Vahlens Lernbücher – Meckl – Internationales Management (3. Auflage) Herstellung: Frau Wesp Änderungsdatum: 31.01.2014 Status: Imprimatur Seite: 71 2.4 Ausländische Direktinvestitionen (FDI) 71 Personalwirtschaftliche Aspekte bei der Gründung von Auslandsgesellschaften Am Beginn der personalwirtschaftlichen Überlegungen in der Gründungsphase steht die Planung der benötigten Personalkapazitäten für die Auslandsgesellschaft. Dabei empfiehlt es sich, zwischen den Führungsebenen und den ausführenden Stellen zu unterscheiden. Während für die ausführenden Stellen die „normalen“ Konzepte der quantitativen und qualitativen Personalbedarfsbestimmung, wie sie auch im nationalen Rahmen verwendet werden, Anwendung finden (vgl. z. B. Drumm 2008, 203–240), müssen bei der Bedarfsplanung für die Führungspositionen einige Besonderheiten beachtet werden. Bei der quantitativen Bedarfsermittlung von Führungspositionen ist zu beachten, dass die aus dem Inland bekannten Leitungsspannen evtl. deutlich verkleinert werden müssen. Insbesondere in der Anfangsphase der Auslandsgesellschaft müssen Führungskräfte einen erheblichen Teil ihrer Arbeitszeit auf den Wissenstransfer hin zu ihren neuen Mitarbeitern verwenden, was eine erhöhte Betreuungsintensität zur Folge hat. Außerdem ist zu berücksichtigen, dass die Fluktuationsrate bei Führungskräften im Ausland relativ hoch ist (vgl. Weber/Festing/Dowling/Schuler 2001, 134), was ebenfalls für eine nicht zu knappe Ausstattung mit Führungspersonal spricht (vgl. dazu auch Abschnitt 4.5). 2.4.1.3 Mergers & Acquisitions (M&A) Mergers & Acquisitions sind Transaktionen, die durch den Übergang von Leitungs- und Kontrollbefugnissen an Unternehmen auf andere Unternehmen gekennzeichnet sind. Wesentliches Kriterium ist dabei die Änderung der Eigentumsverhältnisse am Eigenkapital (zu Details zu internationalen M&A vgl. z. B. Meckl/Müller 2013; Meckl 2012; Meckl 2004a; Lucks/Meckl 2002; Bruner 2004). Abbildung 2-33 zeigt das Volumen aller, also auch der inländischen Akquisitionen im Laufe der letzten Jahre. Die Ausreißer in den Jahren 1999 und 2000 sind vor allem auf die hohen Börsenkurse und in Folge damit auch hohen Unternehmenspreise zurückzuführen. In den Zahlen für 2008 und 693 1.010 1.508 1.705 1.893 1.253 949 1.011 1.079 617 0 200 400 600 800 1.000 1.200 1.400 1.600 1.800 2.000 2003 2004 2005 2006 2007 2008 2009 2010 2011 2012 Mrd. EUR Jahr Abb. 2‑33: Wert der weltweiten M&A‑Transaktionen (Quelle: Zephyr Database 2013) Vahlens Lernbücher – Meckl – Internationales Management (3. Auflage) Herstellung: Frau Wesp Änderungsdatum: 31.01.2014 Status: Imprimatur Seite: 72 2 Internationale Marktbearbeitungsformen und Theorien des IM72 2009 schlägt sich die Finanz- und Wirtschaftskrise nieder (vgl. zum Thema M&A und Finanzkrise auch Meckl/Riedel 2009). Regelmäßig tauchen in den Medien Ankündigungen über internationale Großakquisitionen auf, die die Strukturen ganzer Branchen weltweit verändern. Die feindliche Übernahme der Mannesmann AG durch Vodafone in 2000 ist aus deutscher Sicht das markanteste Beispiel. Der Kauf der Chrysler Corp. in 1998 durch die Daimler-Benz AG und der Verkauf in 2007 ist wohl das bekannteste Beispiel für eine fehlgeschlagene Akquisition. Die Vorteile der Internationalisierung durch dieses so genannte exogene Wachstum ergeben sich durch: •• einen schnellen Zugriff auf Ressourcen des gekauften Unternehmens und damit einen schnellen Zugang zum Auslandsmarkt. So können z. B. ein Vertriebssystem oder auch lokale F&E-Kapazitäten des gekauften Unternehmens genutzt werden, um die eigenen Produkte technologisch an den Auslandsmarkt anzupassen und sie über das Vertriebssystem schnell in den Markt zu bringen, •• ein geringeres Risiko eines Scheiterns des Markteintritts. Etablierte Kundenbeziehungen und ein stabiles bestehendes Geschäft bilden, bei Bewältigung der Integrationsschwierigkeiten (siehe weiter unten), eine gute Basis für den weiteren Ausbau der Marktposition, •• den Auftritt im ausländischen Markt als inländisches Unternehmen. Dies ist insbesondere dann gut möglich, wenn die gekaufte inländische Marke beibehalten wird und die eigenen Produkte unter dieser Marke vertrieben werden können. Diesen Vorteilen stehen folgende Nachteile gegenüber: •• Regelmäßig ist beim Kaufpreis z. B. im Vergleich zum letzten Börsenkurs eine Übernahmeprämie zu zahlen, die durchaus 30 % und mehr betragen kann. Diese Prämie muss durch Realisierung von Synergien erwirtschaftet werden. •• Es bestehen erhebliche Risiken bei der Integration des gekauften Unternehmens. Empirische Studien geben zwar kein genaues Bild, allerdings sind Misserfolgsquoten von bis zu 50 % keine Seltenheit (vgl. im Detail Meckl/Sodeik/Fischer 2006). Die Schwierigkeiten resultieren aus Struktur- und Kulturkonflikten, da das gekaufte Unternehmen, insbesondere wenn es erfolgreich ist, eine eigene Unternehmens- und wenn es ein anderes Heimatland hat, eine eigene Soziokultur aufweist. Widerstände gegen eine Integration und eine soziokulturell begründete Ablehnung behindern eine Realisierung der oben beschriebenen Vorteile (vgl. dazu z. B. Gertsen/Søderberg/Torp 1998). Angesichts der stark steigenden Wettbewerbsintensität, der hohen Innovationsraten und der immer wichtiger werdenden Volumenvorteile ist aber zu erwarten, dass gerade zur internationalen Expansion M&A weiter an Bedeutung gewinnen werden (vgl. Lucks/Meckl 2002, 7; vgl. auch Abschnitt 5.2 zur Bedeutung von M&A für Unternehmen aus Emerging Markets). M&A in ihrer engen Definition umfassen Komplett- oder zumindest Mehrheitsübernahmen. Abbildung 2-31 zeigt auch noch eine Minderheitsbeteiligung als Markteintrittsform. Diese sind häufig eine erste Stufe der Bearbeitung eines Auslandsmarktes. Eine meist kleine Eigenkapitalbeteiligung am Vertriebspartner oder eine Sperrminorität an einem wichtigen F&E-Partner wären Beispiele für diese Variante. Die im Vergleich zu M&A wichtige Stärke dieser Variante ist der niedrigere Kapitaleinsatz und Vahlens Lernbücher – Meckl – Internationales Management (3. Auflage) Herstellung: Frau Wesp Änderungsdatum: 31.01.2014 Status: Imprimatur Seite: 73 2.4 Ausländische Direktinvestitionen (FDI) 73 das dadurch verminderte Risiko, das sich auch durch die Möglichkeit der Erfahrungssammlung in der Zusammenarbeit mit dem ausländischen Partner ergibt. Das zentrale Problem dieser Variante liegt darin, dass die Einflussnahme auf die Geschäftspolitik des Partners eng begrenzt sein kann und deshalb eine zielgenaue Ausrichtung der Zusammenarbeit auf die eigene Strategie nicht möglich ist. 2.4.1.4 Joint Venture als Markteintrittsform Bei einem Joint Venture gründen zwei oder mehr Muttergesellschaften eine gemeinsame Tochtergesellschaft, an der sie mit festgelegten Verhältnissen am Eigenkapital beteiligt sind (vgl. allgemein zu Joint Ventures z. B. Raffée/Eisele 1993). Im Rahmen einer internationalen Markteintritts- bzw. -bearbeitungsstrategie werden Joint Ventures mit lokalen Unternehmen gegründet. Das Joint Venture hat die Aufgabe, in einem bestimmten Geschäftsfeld den Markt im Auftrag der Muttergesellschaften zu bearbeiten. Häufig wird dazu vom ausländischen Unternehmen Kapital und Know-how eingebracht, während der inländische Partner z. B. Personal und das Vertriebssystem zur Verfügung stellt. Ein wesentlicher Verhandlungsgegenstand zwischen (zukünftigen) Joint Venture- Partnern ist die Höhe der Beteiligung an dem Gemeinschaftsunternehmen und wie die Einlagen, die jeder erbringt, bei der Gründung zu bewerten sind. Des Weiteren müssen insbesondere die Entscheidungsverfahren und die organisatorische Führungsstruktur, kurz gesagt die Corporate Governance (vgl. dazu auch Abschnitt 3.2) des Joint Ventures neben der strategischen Grundausrichtung geklärt werden. Es ergeben sich ähnliche Argumente für und gegen ein Joint Venture wie bei der grenzüberschreitenden Kooperation (vgl. Abschnitt 2.3). Es muss ein nur geringerer Kapitalaufwand als bei eigenständigem Eintritt aufgebracht werden. Die Informationen des einheimischen Partners über den Auslandsmarkt können genutzt werden. Es findet eine Risiko- und Kostenteilung statt. Das Personal des Partners, das den Auslandsmarkt kennt und die geeigneten Qualifikationen besitzt, kann im Joint Venture eingesetzt werden. Angesichts des geringeren Ressourcenaufwands sind Joint Ventures häufig für mittelständische Unternehmen die Internationalisierungsvariante der Wahl. Auf der anderen Seite besteht auch hier eine Abhängigkeit vom Partner, die dann problematisch wird, wenn der einheimische Partner strategische Interessen verfolgt, die mit denen des Auslandsunternehmens nicht kompatibel sind. Eine mittelfristig angestrebte eigenständige Bearbeitung des Heimatmarktes wäre ein solch konfliktäres Ziel mit allen negativen Konsequenzen für die Internationalisierungsstrategie. Durch die Kapitalbindung ist ein Austritt häufig schwieriger als bei einer vertraglichen Kooperation. 2.4.2 Theorien zur Erklärung und Gestaltung von FDI 2.4.2.1 Die Theorie des monopolistischen Vorteils Im Folgenden werden Theorien betrachtet, die schwerpunktmäßig in der Lage sind, die im vorigen Abschnitt dargestellten Marktbearbeitungsformen mit strategischem Kapitaltransfer, also ausländische Direktinvestitionen, zu erklären. Ein sehr stark rezipierter Ansatz aus dem Feld der strategischen/industrieökonomischen Modelle geht auf die zum Teil bereits in den späten fünfziger Jahren entstandenen Arbeiten von Hymer zurück, die von Kindleberger, Hymers Doktorvater, überarbeitet und letztendlich, über ein Jahr nach Hymers Tod, veröffentlicht wurden (vgl. als Originalquellen Hymer Vahlens Lernbücher – Meckl – Internationales Management (3. Auflage) Herstellung: Frau Wesp Änderungsdatum: 31.01.2014 Status: Imprimatur Seite: 74 2 Internationale Marktbearbeitungsformen und Theorien des IM74 1976, Kindleberger 1969, 11–36). Hymer begründet als erster eine Unterscheidung internationaler Direktinvestitionen in zwei Typen, die in der Literatur in der Folge stark beachtet wurden. Direktinvestition vom Typ 1: Hierunter subsumiert Hymer Investitionen im Ausland, die primär unter Renditegesichtspunkten getätigt werden. Ziel ist es, durch die Allokation von Kapital im Ausland eine größere Sicherheit des eingesetzten Kapitals bei zumindest gleichen Renditeerwartungen zu erreichen. In der in Abschnitt 2.4.1, Abbildung 2-31 gezeigten Einteilung der Markteintrittsformen würden die Finanzinvestitionen unter diesen Typ fallen. Direktinvestition vom Typ 2: Für Hymer interessanter sind die Investitionen des zweiten Typs. Er unterteilt die Zielsetzungen dieses Typs in ein Nebenmotiv und zwei Hauptmotive. Das Nebenmotiv zielt eher wieder ab auf kapitalmarkttheoretische Überlegungen. Durch Diversifikation soll das Risiko der Geschäftsaktivitäten insgesamt gesenkt werden. Rugman hat diesen Gedanken aufgenommen und zur Portfoliotheorie der internationalen Investitionen ausgebaut (vgl. Abschnitt 2.4.2.3). Das Hauptmotiv 1 sieht Hymer in dem Bestreben der Unternehmen, die Kontrolle über Aktivitäten im Ausland auszuüben. Abbildung 2-31 in Abschnitt 2.4.1 zeigt unter den strategischen Investitionen, die gleichzustellen sind mit den Typ 2-Investitionen, dass durch die Auswahl der Direktinvestitionsform die komplette oder zumindest teilweise Kontrolle über die Auslandsinvestitionen ausgeübt werden kann. Ein wesentliches Ziel der Kontrollerreichung ist nach Hymers Vorstellungen die Reduktion bis hin zur Ausschaltung von Wettbewerb auf Auslandsmärkten. Die Akquisition von Wettbewerbern im Auslandsmarkt zur Eliminierung eines Konkurrenten ist ein typisches Beispiel, das hierunter fallen würde (vgl. Kutschker/Schmid 2011, 414). Liegt z. B. ein internationales Oligopol vor, so kann durch die Fusion zweier Anbieter ein Gewinnzuwachs durch Reduktion des Wettbewerbs erreicht werden (vgl. im Detail zum Nachweis Stein 1998, 43–45). Hymer nennt aber auch die notwendigen Rahmenbedingungen. Das Vorliegen einer Wettbewerbsbeziehung oder einer potenziellen Wettbewerbsbeziehung muss ergänzt werden durch relativ hohe Markteintrittsbarrieren in den nationalen Markt, in dem der Wettbewerb herrscht. Diese Bedingung sichert – genauso wie die Voraussetzung, dass nur eine kleine Zahl von Unternehmen im Oligopol sein darf –, dass nicht neu eintretende Wettbewerber die Intensität der Konkurrenzbeziehung wieder steigern und z. B. Preiserhöhungsspielräume wieder zunichte machen (vgl. Hymer 1976, 25–40). Diesem Hauptmotiv 1 von Hymer kann aber entgegengehalten werden, dass es keinesfalls so sein muss, dass in einem zahlenmäßig kleinen Oligopol bis hin zum Duopol eine geringe Wettbewerbsintensität herrscht. Der sehr harte Konkurrenzkampf zwischen Boeing und Airbus im Bereich der Langstreckenflugzeuge ist ein prominentes Gegenbeispiel. Das Hauptmotiv 2 war namensgebend für die Überlegungen von Hymer und begründet wegen dieser damals innovativen Idee die weite Verbreitung der Theorie. Die Ausgangsthese von Hymer in diesem Feld seiner Theorie besagt, dass Unternehmen in ihren Heimatmärkten grundsätzlich Wettbewerbsvorteile gegenüber ausländischen Konkurrenten haben, die in den Heimatmarkt eintreten. Diese „heimischen“ Wettbe- Vahlens Lernbücher – Meckl – Internationales Management (3. Auflage) Herstellung: Frau Wesp Änderungsdatum: 31.01.2014 Status: Imprimatur Seite: 75 2.4 Ausländische Direktinvestitionen (FDI) 75 werbsvorteile, von Hymer als „barriers to international operations“ bezeichnet, können liegen in (vgl. Kindleberger 1969, 12–13; Hymer 1976, 32–35): •• einem Informationsvorsprung der einheimischen Anbieter bzgl. des ökonomischen, rechtlichen und kulturellen Umfelds des Marktes, •• zusätzlichen Risiken ausländischer Unternehmen, wie Wechselkurs- oder Transportrisiken, •• rechtlichen Regelungen, die ausländische Unternehmen benachteiligen, •• Vorbehalten von Kunden oder Lieferanten gegenüber ausländischen Unternehmen, •• Zusatzkosten der ausländischen Unternehmen (Transport, technische Anpassung der Produkte, doppelter Jahresabschluss etc.). Angesichts dieser durchaus plausiblen Ausgangsthese muss man sich die Frage stellen, wie Unternehmen überhaupt erfolgreich in einen ausländischen Markt eindringen und sich dort etablieren können, wenn doch diese „natürlichen“ Wettbewerbsnachteile (auch häufig als „liability of foreigness“ bezeichnet) bestehen. Die Lösung dieser Frage liegt in spezifischen Wettbewerbsvorteilen, die Unternehmen herausbilden und die die genannten Nachteile gegenüber den heimischen Anbietern kompensieren und wenn möglich überkompensieren müssen. Diese Vorteile bezeichnet Hymer als „monopolistische Vorteile“. Eine Quelle für diese monopolistischen Vorteile liegt in unvollkommenen Güter- und Faktormärkten. Auf Gütermärkten ergeben sich Wettbewerbsvorteile z. B. durch die höhere Innovationsfähigkeit einzelner Unternehmen (vgl. dazu z. B. auch die Theorie der technologischen Lücke in Abschnitt  2.2.2.3) oder durch überlegene Marketingfähigkeiten. Sie führen dazu, dass Unternehmen zumindest kurz- und mittelfristig höhere Erfolgspotenziale auch auf Auslandsmärkten haben als ihre heimischen Wettbewerber. Unvollkommenheiten auf den Faktormärkten liegen zum einen begründet in unterschiedlichen Beschaffungskosten für Produktionsfaktoren für Unternehmen aus verschiedenen Ländern und auch differierender Qualität eines Faktors, insbesondere des Faktors Arbeit, in verschiedenen Ländern. Kindleberger weist zusätzlich auf Patente, die technologisches Wissen schützen, als Quelle von Unvollkommenheiten bei der Beschaffung von Technologie hin (vgl. 1969, 14–15). Eine weitere Gruppe von Unvollkommenheiten liegt in Größenvorteilen („economies of scale“) und Erfahrungskurveneffekten (vgl. dazu z. B. Lynch 2006, 479–481), die insbesondere Anbieter realisieren können, die auf mehreren nationalen Märkten tätig sind. Größenvorteile und Erfahrungskurveneffekte führen zu einer günstigeren Kostenposition und damit zu einem, in Hymers Terminologie, „monopolistischen“ Vorteil. Als letztes ist als verzerrender Faktor auch die „Einmischung“ des Staates in die Marktstrukturen zu nennen. Die Begrenzung des Markteintritts durch den Staat durch tarifäre oder nicht-tarifäre Regelungen, die eine Erhöhung der Wettbewerbsintensität durch weitere ausländische Wettbewerber verhindert, sind Beispiele hierfür. Eine solche teilweise Abschottung trägt dazu bei, dass einmal in den Märkten etablierte Anbieter ihre monopolistischen Vorteile auch längerfristig nutzen können (vgl. dazu und allgemein zu den Gründen für monopolistische Vorteile Kindleberger 1969, 13–27). Die Stärken der Hymer-Kindleberger-Überlegungen liegen in der Identifikation empirisch relevanter und nachweisbarer Entscheidungsvariablen für die internationale Vahlens Lernbücher – Meckl – Internationales Management (3. Auflage) Herstellung: Frau Wesp Änderungsdatum: 31.01.2014 Status: Imprimatur Seite: 76 2 Internationale Marktbearbeitungsformen und Theorien des IM76 Direktinvestition. Insbesondere die Überlegungen zum monopolistischen Vorteil waren innovativ und decken einen wichtigen Teil der Erfolgsfaktoren für die Internationalisierung ab. Insbesondere ressourcenorientierte Überlegungen die als Basis für Wettbewerbsvorteile eine hohe Ressourcenqualität verwenden, können als geeignete theoretische Grundlage für den Ansatz gesehen werden. Die wesentlichen Kritikpunkte betreffen denn auch die Phänomene, die Hymer/Kindleberger nicht erklären können (vgl. z. B. Stein 1998, 50–51). Cross-Investments, die beim oligopolistischen Parallelverhalten (vgl. den folgenden Abschnitt 2.4.2.2) im Mittelpunkt stehen, entziehen sich hier einer schlüssigen Erklärung, da sie nicht zur Nutzung, sondern zur Beseitigung von Wettbewerbsvorteilen getätigt werden. Schwerwiegender ist noch, dass die Vorteilhaftigkeit alternativer Markteintrittsformen – wie Export oder internationale Kooperationen – nicht begründet werden kann. Eine weitere Gruppe von Gegenargumenten betrifft die Transferierbarkeit von Wettbewerbsvorteilen. Die Übertragung eines technologischen Vorsprungs kann durch erhebliche Zusatzkosten bei der Adaption der Produkte zunichte gemacht werden (vgl. Pausenberger 1982, 334). Auch ist nicht klar, ob ein Vorteil in einem Land auch einen Vorteil in einem anderen Land darstellt. Die Frage, wann ein monopolistischer Vorteil vorliegt, ist damit schwierig zu beantworten. Auch ist wohl zu konzedieren, dass die „natürlichen“ Vorteile der einheimischen Unternehmen immer mehr abnehmen durch die neuen Informations- und Kommunikationstechnologien, den generellen Trend zur Öffnung nationaler Märkte und die Konvergenz von Konsumentenpräferenzen. Damit würde die Ausgangsthese von Hymer für dieses zweite Hauptmotiv an Gültigkeit verlieren. 2.4.2.2 Die Theorie des oligopolistischen Parallelverhaltens Die Theorie des oligopolistischen Parallelverhaltens ist der Gruppe der industrieökonomischen Theorien zuzuordnen. Eine wesentliche Komponente der industrieökonomischen Betrachtungsweise beschreibt die Aktionen und Reaktionen der Wettbewerber in einem Markt. Maßnahmen von Unternehmen, die ein gegebenes Wettbewerbsgleichgewicht verändern, provozieren nach dieser Sichtweise Gegenmaßnahmen, die darauf abzielen, das alte Gleichgewicht wieder herzustellen. Knickerbocker hat für das Internationale Management eine solche Argumentationskette entwickelt (vgl. als Originalquelle 1973). Er stellt die These auf, dass bei einer oligopolistischen Struktur auf einem Markt eine Internationalisierungsmaßnahme eines Oligopolisten zu einer Reaktion der anderen Oligopolisten in Form einer „Followthe-Leader“- oder einer „Cross-Investment“-Strategie führt. Als Ausgangssituation wird ein oligopolistisches Gleichgewicht auf den einzelnen nationalen Märkten angenommen. Bei einem solchen oligopolistischen Gleichgewicht ist die Industriestruktur durch eine relativ hohe Anbieterkonzentration, hohe Markteintrittsbarrieren und stabile Marktanteile gekennzeichnet. Das Verhalten der Wettbewerber kann als defensiv bezeichnet werden. Das Ergebnis sind in vielen Fällen hohe operative Margen und Ergebnisbeiträge. Ein nationaler oder internationaler Oligopolist stört das Gleichgewicht durch Investition in einen ausländischen Markt. Die oben genannten zwei Reaktionstypen können dann unterschieden werden. Vahlens Lernbücher – Meckl – Internationales Management (3. Auflage) Herstellung: Frau Wesp Änderungsdatum: 31.01.2014 Status: Imprimatur Seite: 77 2.4 Ausländische Direktinvestitionen (FDI) 77 Bei der „Follow-the-Leader“-Reaktion werden Investitionen in dem Land, in dem der „Leader“ investiert hat, erklärt. Der nationale Erstinvestor (Leader) investiert in einem Auslandsmarkt. Dadurch verschafft er sich potenzielle Wettbewerbsvorteile durch •• Erfahrungen in dem Auslandsmarkt, die er auch auf den Heimatmarkt übertragen kann, •• Größenvorteile bzw. Vorteile durch einen kostengünstigeren Produktionsstandort, wodurch er auf dem Heimatmarkt die Preise senken kann, •• Reputationseffekte bei den ausländischen Kunden, die ihm einen hohen Marktanteil sichern und auch auf den Heimatmarkt ausstrahlen können. Durch die Erstinvestition des Leaders ist das oligopolistische Gleichgewicht auf dem Heimatmarkt gestört. Die Folge ist, dass Wettbewerber (Follower) sich dazu veranlasst sehen, selbst Direktinvestitionen im Ausland zu tätigen, um ihre relative Position im Oligopol wiederzuerlangen und die Wettbewerbsvorteile des Leaders zu kompensieren. Bei der „Cross-Investment“-Reaktion werden Investitionen in dem Land, aus dem der Leader stammt, erklärt. Die Ausgangssituation ist so zu beschreiben, dass das Gleichgewicht in einem nationalen Oligopol durch das Eindringen eines ausländischen Wettbewerbers (Leader) gestört wird. Es ergeben sich Nachteile für die Wettbewerber des nationalen Oligopols, da sie nicht über die Vorteile des Erstinvestors verfügen (siehe oben) und mit einer Verringerung des eigenen Marktanteils im nationalen Markt rechnen müssen. Dies gilt natürlich insbesondere dann, wenn der „Eindringling“ einen monopolistischen Vorteil nach Hymer aufweist (vgl. Abschnitt  2.4.2.1). Die Konsequenz ist, dass die Oligopolwettbewerber (Follower) aus dem Zielland des Erstinvestors Gegeninvestitionen in dessen Heimatland tätigen, um das internationale Gleichgewicht wieder herzustellen und der Einschränkung der eigenen Machtposition im Heimatmarkt entgegen zu wirken. Diese Argumentationskette begründet damit auch die Entstehung von internationalen Oligopolen. Bei der Beurteilung dieser Oligopoltheorie ist zunächst auf den empirischen Nachweis durch Knickerbocker (1973) und Graham (1978) zu verweisen, auch wenn die Studien schon ein gewisses Alter aufweisen. Das beschriebene Verhaltensmuster wird gestützt durch die später entwickelte Spieltheorie, die solche Gegenmaßnahmen rational begründen kann. Allerdings gelten die Aussagen nur für Oligopolmärkte. Außerdem werden Auslandsinvestitionen hier nur als defensive Reaktion aufgefasst. Wie kann aber das Verhalten des „Initiators“, also des Leaders, erklärt werden? Dazu muss offensichtlich auf andere Ansätze zurückgegriffen werden. Dass Parallelverhalten bei ausländischen Direktinvestitionen auftritt, ist durchaus beobachtbar. Allerdings kann dieses auch durch andere, nicht-oligopolistische Gründe bedingt sein. Marktstrategische Überlegungen oder auch behavioristische Wirkungsmechanismen (vgl. Abschnitt 2.4.2.6) können ebenfalls eine wichtige Rolle spielen. 2.4.2.3 Der Risikoportfolioansatz von Rugman 2.4.2.3.1 Grundsätzliches zur Portfoliotheorie Die Portfoliotheorie ist den kapitalmarktorientierten Ansätzen zuzuordnen. Bei diesen Ansätzen werden Verhaltensweisen von Akteuren auf Kapitalmärkten, insbesondere von Eigenkapitalinvestoren modelliert und verwendet, um finanzökonomische aber auch realökonomische Beobachtungen und Zusammenhänge zu begründen. Diese Vahlens Lernbücher – Meckl – Internationales Management (3. Auflage) Herstellung: Frau Wesp Änderungsdatum: 31.01.2014 Status: Imprimatur Seite: 78 2 Internationale Marktbearbeitungsformen und Theorien des IM78 Überlegungen können auch genutzt werden, um ausländische Direktinvestitionen zu erklären. Vor der Anwendung der Portfoliotheorien auf die internationale Fragestellung werden im Folgenden zunächst die für die hier verfolgte Thematik relevanten Grundlagen dieses kapitalmarkttheoretischen Ansatzes dargelegt (für eine detaillierte Darstellung vgl. z. B. Franke/Hax 2009). Das Ziel der Portfoliotheorie liegt in der Ableitung von Handlungsempfehlungen bei der optimalen Zusammenstellung risikobehafteter Anlagealternativen. Im klassischen Fall handelt es sich bei den Anlagealternativen um Wertpapiere mit unterschiedlichen Risiko-Ertrags-Relationen. Für solche Portfolien aus Wertpapieren hat Markowitz bereits 1952 folgende Optimierungsüberlegungen formuliert: Es wird angenommen, dass ein Wertpapier eine erwartete Rendite, gemessen mit Hilfe des Erwartungswerts der Einzahlungen, erbringt. Die Investition in das Wertpapier ist mit einem Risiko verbunden, das durch die Standardabweichung gemessen wird. Das Risiko wird definiert als die Streuung der tatsächlichen Ergebnisse um den Erwartungswert der Einzahlungen. Solchermaßen beschreibbare Wertpapiere werden im nächsten Schritt zu einem Portfolio kombiniert. Die Rendite des Portfolios ergibt sich aus der Summe der Erwartungswerte aller einzelnen Wertpapiere im Portfolio. Das Risiko ist maximal so hoch wie das Mittel der Risiken der Einzelanlagen, gewichtet mit den jeweiligen Portfolioanteilen. Allerdings kann das Risiko auch deutlich unter diesem Mittelwert liegen. Hier setzen die Überlegungen von Markowitz an. Ziel muss es für risikoaverse Investoren sein, das Portfolio so zusammenzustellen, dass bei einem gegebenen Ertrag nur ein möglichst geringes Risiko akzeptiert werden muss oder bei einem gegebenen Risikoniveau ein maximaler Ertrag erzielt wird. Wie kann das Risiko durch geschickte Zusammenstellung einzelner Wertpapiere gesenkt werden? Der Schlüssel zur Lösung dieses Problems liegt in der Verbundwirkung der Wertpapiere, die sich durch ihre Korrelation zeigt. Die Korrelation ist in diesem Zusammenhang das Maß dafür, in welchem Ausmaß sich die Renditen von Wertpapieren im Gleichlauf oder unterschiedlich bei Änderungen von Umfeldvariablen bewegen. Drei Extremfälle sind denkbar: Die Renditen bewegen sich völlig gleich, d. h. der Korrelationskoeffizient würde als Maß des Gleichlaufs den Wert 1 annehmen. Eine vollständig negative Korrelation führt zu einem Koeffizienten von –1 und würde bedeuten, dass bei einer Änderung der Rendite eines Wertpapiers sich die Rendite des Vergleichspapiers in dem selben Maße in die entgegen gesetzte Richtung bewegen würde. Ein Koeffizient von 0 würde eine Unabhängigkeit der Wertpapiere implizieren. Nimmt man als Beispiel eine Änderung des Ölpreises, so wird die Grundidee deutlich. Eine Aktie aus dem Automobilbereich würde bei einem starken Anstieg des Ölpreises eher einen Rückgang der aus der Aktie erzielbaren Erträge erwarten lassen, da stark steigende Treibstoffpreise zu einem Rückgang der Absatzzahlen führen könnten. Es liegt eine negative Korrelation vor. Eine Aktie eines Ölproduzenten hingegen ließe eher steigende Renditen über die erhöhten Rückflüsse aus den Ölverkäufen erwarten. Es liegt eine positive Korrelation vor. Die Kunst beim Zusammenstellen von Portfolien liegt darin, solche Wertpapiere zu finden, die möglichst negativ korreliert sind. Denn dies führt dazu, dass das Gesamtrisiko des Portfolios geringer ist als das gewogene Mittel der Einzelrisiken der Vahlens Lernbücher – Meckl – Internationales Management (3. Auflage) Herstellung: Frau Wesp Änderungsdatum: 31.01.2014 Status: Imprimatur Seite: 79 2.4 Ausländische Direktinvestitionen (FDI) 79 Wertpapiere bei unterstellter gleicher Rendite. Allerdings hat diese so genannte „Risikovernichtung“ auch ihre Grenzen. Zum einen ist es in der Realität kaum möglich, –1-korrelierte Wertpapiere zu identifizieren. Die meisten Wertpapiere weisen einen Korrelationskoeffizienten zwischen 0 und +1 auf und haben eine entsprechend niedrigere risikovernichtende Wirkung. Eine konzeptionelle Grenze ergibt sich durch das systematische Risiko, auch Marktrisiko genannt. Ab einem gewissen Punkt kann durch Hinzunahme eines weiteren Wertpapiers das Risiko nicht weiter gesenkt werden, da das allgemeine Marktrisiko, das sich z. B. durch politische Instabilität ergibt, nicht mehr von Einzelunternehmen abhängig ist. Abbildung  2-34 macht den Zusammenhang zwischen diesem systematischen und dem unsystematischen Risiko, das sich aus den Einzelunternehmen heraus ergibt, deutlich. Ziel der Zusammenstellung von Portfolien ist es also nicht, möglichst risikoarme Papiere zu finden, sondern unter Berücksichtigung der Renditeerwartungen eine Zusammenstellung mit möglichst hoher Risikoreduktion zu erreichen (zur Kritik des Portfolioansatzes, insbesondere was die Prämissen betrifft, vgl. z. B. Frankel/Hax 2009, 317–329). 2.4.2.3.2 Anwendung der Portfoliotheorie auf ausländische Direktinvestitionen Die ersten Überlegungen zur Übertragung des Portfolioansatzes auf Internationalisierungsaspekte hat Lessard formuliert (vgl. 1979). Er stellte in einer empirischen Untersuchung fest, dass durch die Integration von Aktien aus mehreren Ländern insgesamt ein internationales systematisches Risiko erreicht werden kann, das niedriger liegt als das systematische Risiko eines Landes. Der ökonomische Begründungszusammenhang liegt in der unterschiedlichen Reaktion einzelner Volkswirtschaften auf exogene Gesamtrisiko unsystematisches Risiko systematisches Risiko Risiko Anzahl an Aktien im Portfolio Abb. 2‑34: Systematisches und unsystematisches Risiko im Portfoliomodell (Quelle: Stein 1998, 131) Vahlens Lernbücher – Meckl – Internationales Management (3. Auflage) Herstellung: Frau Wesp Änderungsdatum: 31.01.2014 Status: Imprimatur Seite: 80 2 Internationale Marktbearbeitungsformen und Theorien des IM80 Ereignisse, was eine Korrelation von weniger als 1 bedeutet. Abbildung 2-35 fasst das Ergebnis Lessards aus US-amerikanischer Sicht zusammen. Aufbauend auf diesen Überlegungen hat sich ein Erklärungsmuster für internationale Unternehmen entwickelt, das maßgeblich durch Rugman beeinflusst wurde (vgl. als Originalquellen 1980, 1979, 1975). Rugman geht in seiner grundlegenden These davon aus, dass die internationale Diversifizierung von Risiken das zentrale Motiv für Direktinvestitionen darstellt. Hierzu interpretiert er ein international tätiges Unternehmen als ein Portfolio von Investitionen in verschiedenen Ländern. Die Realinvestitionen werden analog den Wertpapieren eines Portfolios behandelt. Dementsprechend, wie Abbildung 2-35 und die Vorarbeiten von Lessard zeigen, ist eine Risikovernichtung durch die Investitionen des Unternehmens in verschiedenen, kleiner 1 korrelierten Ländern gegeben. International agierende Unternehmen stellen damit ein optimiertes Realinvestitionsbündel aus Sicht der Portfoliotheorie dar. Um die Theorie von Rugman beurteilen zu können, ist zunächst zu klären, ob der Korrelationskoeffizient der Auslandsinvestitionen überhaupt kleiner 1 ist. Dafür sprechen: •• konjunkturelle Unterschiede in den Ländern bzw. Regionen, so weist z. B. China auch in 2008/2009 trotz der Weltfinanz- und -wirtschaftskrise ein fast 10 %-Wachstum auf, während in den meisten westlichen Industrieländern zumindest in 2009 die gesamtwirtschaftliche Leistung zurückgegangen ist, •• unterschiedliche Phasen der Produkt- und Technologiezyklen in verschiedenen Ländern, die im internationalen Vergleich zu zeitlich verschobenen Rückflüssen führen, •• Variationen in der Marktbearbeitung, dem Marketing oder generell dem Geschäftsmodell, Number of securities in portfolio P or tfo lio s ta nd ar d de vi at io n S ta nd ar d de vi at io n of ty pi ca ls to ck 0,25 0,50 0,75 1,00 10 20 30 40 50 60 US International Abb. 2‑35: Risikodiversifikation durch internationale Aktiendiversifikation (Quelle: in Anlehnung an Lessard 1979, 255; 1974) Vahlens Lernbücher – Meckl – Internationales Management (3. Auflage) Herstellung: Frau Wesp Änderungsdatum: 31.01.2014 Status: Imprimatur Seite: 81 2.4 Ausländische Direktinvestitionen (FDI) 81 •• Währungsveränderungen und unterschiedliche Länderrisiken. Argumente dagegen sind: •• eine zunehmende wirtschaftliche Verflechtung der wichtigsten Volkswirtschaften führt zu einem stärkeren Gleichklang der konjunkturellen Entwicklung, •• auf Grund des erheblichen Wettbewerbsdrucks und der raschen Produktgenerationenfolge werden die Phasenverschiebungen im Produktlebenszyklus immer kürzer. Insgesamt gesehen ist, trotz gegenläufiger Tendenzen, immer noch davon auszugehen, dass die Korrelation zumindest zwischen den großen Wirtschaftsräumen einen Wert von kleiner 1 besitzt, die Überlegungen von Rugman aus dieser Sicht also Erklärungspotenzial haben. Damit liefert Rugman einen zunächst in sich schlüssigen Ansatz zur Erklärung von Direktinvestitionen. Allerdings ist noch eine zweite Ebene von Gegenargumenten zu beachten. Um die Vorteile der internationalen Risikominderung zu erreichen, kann ein Investor auch andere „Investitionsvehikel“ benutzen. So kann er •• ein eigenes Portfolio mit Aktien ausländischer Unternehmen zusammenstellen oder •• einen international investierenden Investmentfonds kaufen, der diese Investitionen vornimmt. Rugman sieht beide Alternativen im Vergleich zum Kauf von Anteilen an einem international tätigen Unternehmen als suboptimal an (vgl. Rugman 1977). So weisen seiner Ansicht nach diese Unternehmen Transaktionsvorteile durch die Qualifikation der Manager, Nutzung professioneller Finanzierungsinstrumente und durch ein gutes Informationsmanagement auf. Außerdem besitzen die Realinvestitionen durch ihr sehr spezifisches Risiko-Ertrags-Profil ein höheres Potenzial an Risikovernichtung als internationale Finanzinvestitionen. Zusätzlich sind Informations- und Suchkosten zu beachten, die der Investor selbst erbringen muss oder die ihm über die Fondsverwaltungsgebühr in Rechnung gestellt werden. Kapitalverkehrsbeschränkungen können ebenfalls auftreten. Die Rechtfertigungsargumente, die Rugman für seinen Ansatz ins Feld führt, können aber auch wieder in Frage gestellt werden. So wird eine effiziente Risikoreduzierung auf Investorenebene durch die inzwischen auch durch das Internet deutlich gesunkenen Such- und Informationsbeschaffungskosten gefördert. Außerdem vernachlässigt Rugman in seinen Überlegungen Agency-Kosten (vgl. dazu auch Abschnitt 3.5.1). Manager handeln nicht ausschließlich im Sinne ihrer Anteilseigner, weswegen bei dem Umweg zur internationalen Risikodiversifizierung über international tätige Unternehmen diese Kosten eingerechnet werden müssen. Der letztendliche empirische Beweis zur Rugman-These fehlt bisher. Wie bei allen kapitalmarkttheoretischen Ansätzen ist auch hier anzumerken, dass definitionsgemäß nur ein singulärer Aspekt als Erklärungsvariable verwendet wird. Obwohl diese kapitalmarkttheoretischen Überlegungen in den letzten Jahren im Zuge der Shareholder- Value-Betrachtungen zunehmende Relevanz erlangt haben, stellen sie aber dennoch nur eine Kategorie von Erklärungsvariablen dar, die durch die vorher bereits beschriebenen Überlegungen, z. B. zu marktstrategischen oder ressourcenorientierten Aspekten, ergänzt werden müssen. Vahlens Lernbücher – Meckl – Internationales Management (3. Auflage) Herstellung: Frau Wesp Änderungsdatum: 31.01.2014 Status: Imprimatur Seite: 82 2 Internationale Marktbearbeitungsformen und Theorien des IM82 2.4.2.4 Die Internalisierungstheorie Die Internalisierungstheorie ist den institutionenökonomischen Ansätzen zuzuordnen. Internalisierungsansätze beschäftigen sich vor allem mit den Bedingungen, unter denen Unternehmen bestimmte Aktivitäten selbst, d. h. in ihrer eigenen Hierarchie abarbeiten, also internalisieren. Übertragen auf internationale Marktbearbeitungsformen stellen Direktinvestitionen internalisierte internationale Aktivitäten dar, während Export-/ Importaktivitäten externalisierte, also marktorientierte internationale Aktivitäten beschreiben. Die Internalisierungstheorie liefert unter Rückgriff auf die Transaktionskostentheorie damit ein Instrumentarium zur Entscheidung, wann ein Unternehmen zu Direktinvestitionen als Marktbearbeitungsform greift. Zum besseren Verständnis werden daher, bevor die Internalisierungsansätze der Internationalisierung im Speziellen vorgestellt werden, die wichtigsten Grundaussagen der Transaktionskostentheorie erläutert. Als Begründer der Transaktionskostentheorie kann Coase (vgl. 1937) angesehen werden, der als erster die Kosten der marktlichen Koordination als Begründungstatbestand für die Existenz von Unternehmen identifizierte. Die wesentlichen Weiterentwicklungen wurden vor allem von Alchian/Demsetz (vgl. 1972) und Williamson geleistet. Die nachfolgenden Ausführungen basieren in wesentlichen Teilen auf dem Transaktionskonzept von Williamson (vgl. z. B. 1990a, 1990b, 1985, 1975). Die Transaktionskostentheorie versucht, dasjenige institutionelle Arrangement zu bestimmen, das eine kostenminimale Abwicklung einer ökonomischen Austauschbeziehung zwischen Transaktionspartnern gewährleistet. Williamson bezeichnet als Transaktion, „wenn ein Gut oder eine Leistung über eine technisch trennbare Schnittstelle hinweg übertragen wird“ (vgl. 1990a, 1). Transaktionen können mit Hilfe von drei Kriterien beschrieben werden (vgl. Williamson 1985, 52–62; Ebers/Gotsch 2006, 278–281): •• Transaktionsspezifität (asset specifity): Eine hohe Spezifität liegt dann vor, wenn die erstellte und ausgetauschte Leistung auf spezialisierte Inputs zurückgreift, so dass der Inhalt des Austauschs spezifisch auf beide oder einen Transaktionspartner zugeschnitten ist. •• Unsicherheit (uncertainty): Die situativen Bedingungen einer Transaktion und deren Entwicklung in der Zukunft sind unsicher. Der zweite Grund für Unsicherheit stellt darauf ab, dass das Verhalten der Transaktionspartner zwar ex ante festgeschrieben werden kann, sich aber die Partner nicht in jedem Fall daran halten. •• Häufigkeit (frequency): Hier ist die Anzahl identischer, d. h. vom Inhalt her gleicher Transaktionen gemeint. Was die Verhaltensannahmen betrifft, die den an der Transaktion beteiligten Individuen zugesprochen werden, geht der Transaktionskostenansatz von einem durch ökonomische Interessen und Eigennutzorientierung geleiteten Individuum aus. Drei Verhaltensannahmen werden unterstellt: •• Begrenzte Rationalität: Basis dieser Annahme ist das Bild eines rational handelnden Menschen. Allerdings gelingt es ihm nicht, sich in jeder Situation rational zu verhalten, da jeder Trans- Vahlens Lernbücher – Meckl – Internationales Management (3. Auflage) Herstellung: Frau Wesp Änderungsdatum: 31.01.2014 Status: Imprimatur Seite: 83 2.4 Ausländische Direktinvestitionen (FDI) 83 aktionspartner nur über unvollständige Informationen verfügt und auch nur eine begrenzte Informationsverarbeitungskapazität besitzt (vgl. Hanke 1993, 8). •• Opportunismus: Hierunter wird ein strategisches, die Eigeninteressen verfolgendes Verhalten der Akteure verstanden (vgl. Williamson 1975, 26), das sich im Extremfall durch Betrug und Täuschung zeigen kann. Auch subtilere Formen, wie z. B. das Zurückhalten von Informationen oder das Verschweigen zusätzlicher Handlungsalternativen, die zu einer Schädigung des Partners führen, fallen hierunter. •• Risikoneutralität: Diese Annahme dient eher der Vereinfachung der Argumentation und kann ohne Beschädigung der Hauptaussagen der Theorie fallen gelassen werden (vgl. Ebers/ Gotsch 2006, 280). Die Verhaltensannahmen und die Transaktionscharakteristika beeinflussen die Transaktionskosten. Eine eindeutige, allgemein akzeptierte Definition für Transaktionskosten liegt in der Literatur noch nicht vor (für einen Überblick über einige Definitionen vgl. z. B. Michaelis 1985, 80). Eine inzwischen weit verbreitete und anschauliche Einteilung liefert Picot (vgl. 1982, 270). Er identifiziert •• Anbahnungskosten: Informationssuche über potenzielle Transaktionspartner, •• Vereinbarungskosten: Kosten der Verhandlungen, Vertragsformulierung, Einigung, •• Kontrollkosten: Kosten der Sicherstellung des vereinbarten Leistungsumfangs, wie z. B. Überwachungs- und Absicherungskosten, •• Anpassungskosten: Kosten der Durchsetzung von Vertragsänderungen, z. B. zur Lösung von Konflikten, sowie die Kosten der Nachverhandlungen. Was den Einfluss der Transaktionscharakteristika (s. o.) auf die Transaktionskosten betrifft, so gilt, dass die Transaktionskosten einer Abwicklung über den Markt umso höher sind, je größer die Transaktionsspezifität und die Unsicherheit und je kleiner die Häufigkeit der Transaktion ist. Um nun zu einem anwendbaren Aussagegerüst der Transaktionskostentheorie zu kommen, muss das Effizienzziel des Transaktionskostenansatzes deutlich gemacht werden. Das Effizienzkriterium des Transaktionskostenansatzes lautet: Wähle diejenige institutionelle Form des Austausches, die die Transaktionskosten minimiert (vgl. auch Ebers/Gotsch 2006, 277). Die Transaktionskostentheorie stellt damit auf einen kostenorientierten Effizienzbegriff ab. Die konkrete Auswahl der effizientesten Beziehung hängt von den oben beschriebenen Annahmen und von den Charakteristika der zu bewertenden Transaktion ab. Abbildung  2-36 macht die Beziehungen und die logische Vorgehensweise graphisch deutlich. Ergebnis dieses Auswahlprozesses ist eine Handlungsempfehlung zur Etablierung eines kostenminimalen institutionellen Arrangements für die Abwicklung einer bestimmten Transaktion. Diese Alternative ist im Sinne der Transaktionskostentheorie als effizient einzustufen. Sie kann eine Abwicklung einer Transaktion über den Markt oder im Unternehmen („hierarchy“) vorsehen. Unspezifische, häufig durchgeführte Vahlens Lernbücher – Meckl – Internationales Management (3. Auflage) Herstellung: Frau Wesp Änderungsdatum: 31.01.2014 Status: Imprimatur Seite: 84 2 Internationale Marktbearbeitungsformen und Theorien des IM84 Transaktionen in einem sicheren Umfeld werden entsprechend tendenziell eher über den Markt abgewickelt werden, andere eher über die Hierarchie. Während Coase gar nicht und Williamson, der die Überlegungen von Coase aufgegriffen und weiterentwickelt hat, nur am Rande auf die internationale Unternehmenstätigkeit eingehen (vgl. z. B. Williamson 1985, 290–294), ist es anderen Autoren, darunter Buckley und Casson (vgl. z. B. 1985, Casson 1992), Rugman (vgl. 1997, 1980), Hennart (2005, 1993, 1982) und Teece (1986, 1981) zu verdanken, dass die transaktionskostentheoretischen Überlegungen auf die Internationalisierung von Unternehmen unter Zuhilfenahme der Internalisierungstheorie übertragen wurden. Die Hauptaussage der Internalisierungstheorie zur Erklärung internationaler Unternehmensaktivitäten lautet: Unternehmen wickeln internationale Transaktionen so lange intern ab (also über die Hierarchie), wie die dadurch verursachten Koordinationskosten geringer sind als die Transaktionskosten der Abwicklung über den Markt (vgl. Abbildung 2-37). Eine interne Abwicklung ist immer dann lohnend, wenn die Kosten des externen Marktes die der internen Abwicklung übersteigen oder eine marktliche Abwicklung in Ermangelung eines externen Marktes gar nicht oder nur erschwert möglich ist. Anders ausgedrückt: Internalisierung ist umso lohnender, je größer die Nettovorteile sind, welche die Alternative „Unternehmen“ gegenüber der Alternative „Markt“ aufweist. Die Nettovorteile bestimmen sich aus den oben beschriebenen transaktionskostentheoretischen Überlegungen. In der Literatur lassen sich mehrere Varianten der Internalisierungstheorie im Bereich des Internationalen Managements finden. So stellen Buckley und Casson (vgl. 1976/1991) in ihrer so genannten „Long-Run-Theory“ – dem wohl bekanntesten und in der Literatur am häufigsten zitierten Ansatz zur internationalen Internalisierung – vor allem die Internalisierung von Know-how und Erfahrung in den Vordergrund. Als Durchzuführende Transaktionen Einschätzung der Transaktionskostenarten • Anbahnungskosten • Vereinbarungskosten • Abwicklungskosten • Kontrollkosten • Anpassungskosten Kostenwirksame Transaktionscharakteristika • Spezifität • Unsicherheit • Häufigkeit Kosteninduzierende Verhaltensannahmen • Begrenzte Rationalität • Opportunismus Kostenwirksame Charakteristik von institutionellen Arrangements • Kosten der Etablierung und Nutzung • Anreizsystem • Kontrollmechanismen • Anpassungsfähigkeit Auswahl des transaktionskostenminimalen institutionellen Arrangements „Markets vs. Hierarchies“ Abb. 2‑36: Auswahl effizienter Regelungen auf Basis der Transaktionskostentheorie (Quelle: Meckl 2000, 89) Vahlens Lernbücher – Meckl – Internationales Management (3. Auflage) Herstellung: Frau Wesp Änderungsdatum: 31.01.2014 Status: Imprimatur Seite: 85 2.4 Ausländische Direktinvestitionen (FDI) 85 Gründe für die interne Abwicklung von Transaktionen, die mit diesen Feldern verbunden sind, identifizieren sie z. B. die fehlende Möglichkeit der Preisdifferenzierung beim Verkauf von Wissen, was eine Marktbeziehung schwierig macht. Bewertungsprobleme beim Verkauf von Wissen auf Grund von Informationsasymmetrien zwischen Käufer und Verkäufer (vgl. dazu z. B. Kubitschek/Meckl 2000, 745–746) sind ein weiterer Faktor für eine Marktunvollkommenheit, welcher die Internalisierung von Know-how und Erfahrung besonders begünstigt (vgl. Buckley/Casson 1976/1991, 37–39; Buckley 1981, 77). Ein weiteres Internalisierungsmotiv, auf das auch Magees Ansatz der Aneignungsmöglichkeiten internationaler Unternehmen hinweist (vgl. 1981), ist der Schutz der Eigentums- und Verfügungsrechte und die Verhinderung von Wissensabflüssen. Vor allem, wenn keine geeigneten institutionellen Vorkehrungen, etwa ein leistungsfähiger Patentschutz, zur Verfügung stehen, wird Internalisierung von vielen Unternehmen als probates Mittel zum Schutz geistigen Eigentums gewählt. Fehlender Patentschutz oder große Schwierigkeiten bei der Durchsetzung von Schadensersatzansprüchen aus Vertragsverletzungen können bei internationalen Beziehungen oft auftreten. Das Spektrum der Beispiele zeigt, dass prinzipiell fast alles, wo der Markt versagt bzw. wo er im Vergleich zum Unternehmen nicht die effizientere Lösung darstellt, internalisiert werden könnte. Wird die Betrachtung aber auf die rein transaktionskostenbezogenen Aspekte der Internalisierung verkürzt, so sieht sich die Internalisierungstheorie dem Vorwurf der Vernachlässigung anderer relevanter Einflussfaktoren ausgesetzt, da bezüglich der Qualität des Austausches die ceteris paribus-Bedingung implizit gesetzt wird, weil nur die Kostenseite betrachtet wird (vgl. Meckl 2000, 90). Doch selbst die Transaktionskosten in ihrer Reinform lassen sich nur äußerst schwierig operationalisieren und noch schwieriger quantifizieren (vgl. z. B. Hammes/Poser 1992; Dillerup/ Stoi 2013, 911). Diese fehlende Konkretisierung hat dazu geführt, dass eine aus betriebs- Abwicklung internationaler Aktivitäten Transaktionskosten- überlegungen Export / Import Lizenzen etc. Direktinvestitionen Hierarchie („Make“) Markt („Buy“) Abb. 2‑37: Erklärung von Direktinvestitionen durch die Internalisierungstheorie Vahlens Lernbücher – Meckl – Internationales Management (3. Auflage) Herstellung: Frau Wesp Änderungsdatum: 31.01.2014 Status: Imprimatur Seite: 86 2 Internationale Marktbearbeitungsformen und Theorien des IM86 wirtschaftlicher Sicht wünschenswerte „Transaktionskostenrechnung“ (vgl. dazu z. B. Albach 1988, für einen Versuch z. B. Matje 1996) bisher nicht verfügbar ist. Ein weiterer als zentraler Kritikpunkt vorgebrachter Einwand setzt an den Verhaltensannahmen an. Das wesentliche Argument hier ist der Vorwurf der Verkürzung des Menschenbildes auf opportunistisches Verhalten. Abgesehen davon, dass Opportunismus bei verschiedenen Akteuren auch unterschiedlich ausgeprägt sein dürfte (vgl. Eigler 1996, 53; Föhr 1991, 73), werden andere Beweggründe für Verhalten und auch ökonomisch schwer fassbare Tatbestände, wie z. B. Vertrauen, ausgeklammert. Ein weiteres Manko besteht darin, dass Direktinvestitionen in dieser Theorie nicht auch im Vergleich zu Kooperationen (vgl. Abschnitt 2.3) erklärt werden, sondern nur im Vergleich zu Außenhandelsaktivitäten. Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass die Internalisierungstheorie ein theoretisch elegantes, weil logisch konsistentes Konzept zur Systematisierung und Bestimmung der Bedingungen, unter denen bestimmte Transaktionen internalisiert werden, darstellt. Sie lässt aber offen, warum diese Internalisierung gerade auf internationaler Ebene und nicht nur auf nationaler Ebene erfolgt und liefert damit eigentlich keine originäre Begründung der Internationalisierung. Auf Grund der einschränkenden Annahmen und Operationalisierungsprobleme lassen sich die Internalisierungsansätze nur schwer auf konkrete Entscheidungsprobleme im Internationalen Management anwenden. 2.4.2.5 Der Realoptionenansatz Zur langfristigen Unternehmenssicherung ist es erforderlich, dass Unternehmen ein bestimmtes Maß an Handlungsspielräumen und somit an Flexibiliät besitzen. Dies ist notwendig, um in einem turbulenten und von Unsicherheiten geprägten Wettbewerbsumfeld agieren zu können. Besonders wichtig ist diese Flexibilität in Zusammenhang mit Investitionen, die getätigt werden. Dies gilt in besonderem Maße für ausländische Direktinvestitionen, da diese in einem unsicheren Umfeld stattfinden und damit die Möglichkeit, flexibel reagieren zu können, einen besonders hohen Wert hat. Der Realoptionenansatz beschäftigt sich mit der Flexibilität, die mit Investitionen geschaffen wird, und hat damit das Potenzial, interessante Beiträge zur Erklärung von Direktinvestitionen im Ausland zu liefern. Zunächst zur Grundidee des Realoptionenansatzes. Bei einer leistungswirtschaftlichen Investition erwirbt ein Unternehmen zugleich Handlungsspielräume, die ihm erlauben, je nach Umweltentwicklung das Investitionsprojekt flexibel anzupassen. Diese Handlungsmöglichkeiten haben den Charakter von Optionen, da sie ausgeübt werden können, aber nicht ausgeübt werden müssen, so dass eine Asymmetrie von Gewinnchancen und Verlustrisiken besteht. Die durch eine leistungswirtschaftliche Investition entstehenden Handlungsspielräume können somit sowohl in der Begrenzung von Verlusten als auch in der Offenlegung neuer Gewinnchancen bestehen. Dies kann man auch als strategisch-dynamische Freiheitsgrade bezeichnen (vgl. Löhr/Rams 2000, 1983). Die Handlungsmöglichkeiten, die ein Unternehmen mit einem Investitionsprojekt gewinnt, werden als Realoptionen bezeichnet (vgl. allgemein zur Begriffserklärung Kühn/Fuhrer/Jenner 2000, 45–48; Macharzina/Wolf 2012, 924). Zur Betrachtung von Realoptionen ist es zweckmäßig, eine Klassifikation hinsichtlich der Charakteristik von Realoptionen vorzunehmen. Man kann dabei grundsätzlich fünf Arten von Realoptionen unterscheiden. Vahlens Lernbücher – Meckl – Internationales Management (3. Auflage) Herstellung: Frau Wesp Änderungsdatum: 31.01.2014 Status: Imprimatur Seite: 87 2.4 Ausländische Direktinvestitionen (FDI) 87 •• Wachstumsoptionen zeichnen sich dadurch aus, dass im Rahmen eines Investments die unternehmerische Wettbewerbsposition optimiert werden kann, indem die Option auf zusätzliche Wachstumspotenziale geschaffen wird (vgl. Hommel/Pritsch 1999, 125). •• Halte- bzw. Verzögerungsoptionen beinhalten die Möglichkeit, den optimalen Zeitpunkt für Zusatzinvestitionen abzuwarten. Die aktuell getätigte Investition stellt eine notwendige Voraussetzung dar, um die späteren Investments überhaupt durchführen zu können. •• Bei der Modifikationsoption können die bereits vorhandenen Kapazitäten einer anderen erfolgsversprechenden Verwendung als ursprünglich vorgesehen zugeordnet werden. •• Die Anschlussoption charakterisiert sich durch Investitionen in Anschlussprodukte bzw. -technologien, die nur deswegen möglich sind, weil die Ursprungsinvestition getätigt wurde. •• Unter einer Abbruchoption versteht man die Desinvestition eines Projekts, falls sich dieses Investitionsprojekt nicht planmäßig entwickelt. Die verschiedenen Arten von Realoptionen sind häufig miteinander verbunden. Die Flexibilität der Handlungsspielräume, die Realoptionen abbilden können, hat dabei einen ökonomischen Wert, der bei der Berechnung von Strategien und letztendlich bei Investitionsentscheidungen berücksichtigt werden sollte. So kann etwa bei der Verzögerungsoption abgewartet werden, ob sich z. B. eine bestimmte Technologie, die man durch vorherige F&E-Investitionen jetzt zur Verfügung hat, auf dem Markt durchsetzt oder nicht. Je nachdem wird die Option realisiert, indem Produktionskapazitäten für ein Produkt mit dieser Technologie aufgebaut werden, oder die Option verfällt. Bei einer positiven Marktentwicklung hat diese Option damit eindeutig einen ökonomischen Wert. Für die Ermittlung des ökonomischen Wertes einer Investition existieren in der Betriebswirtschaftslehre zahlreiche Methoden, anhand derer die Vorteilhaftigkeit von Investitionsvorhaben und damit die Flexibiliät, die Realoptionen abbilden, analysiert werden kann. Grundsätzlich haben zwei Faktoren einen wesentlichen Einfluss auf den Wert von Realoptionen (vgl. Abbildung 2-38): Wertzunahme einer Option niedrig niedrig Nettokapitalwert (NKW) hoch Volatilität hoch Abb. 2‑38: Einflussfaktoren auf den Wert einer Realoption (Quelle: Luehrmann 1998, 91) Vahlens Lernbücher – Meckl – Internationales Management (3. Auflage) Herstellung: Frau Wesp Änderungsdatum: 31.01.2014 Status: Imprimatur Seite: 88 2 Internationale Marktbearbeitungsformen und Theorien des IM88 (1) Der Nettokapitalwert (NKW) der zu Grunde liegenden Zahlungsreihe, (2) die Unsicherheit (messbar z. B. anhand der Volatilität, also der Schwankungsbreite der Zahlungsreihe). Die Berechnung des ökonomischen Wertes einer Realoption basiert auf dem Vergleich der Realoption mit Finanzoptionen, die eine ähnliche NKW- bzw. Risikostruktur aufweisen (vgl. im Detail zur Bewertung von Realoptionen z. B. Brach 2003). Auffällig ist, dass ein Investitionsobjekt aus Realoptionensicht mit zunehmender Unsicherheit „wertvoller“ wird. Dies liegt zum einen daran, dass während der Haltezeit der Option zusätzliche Informationen über die Entwicklung relevanter Umweltveränderungen aufkommen und so das (Investitions-)Verhalten, also die Ausübung oder das „Verfallenlassen“ der erworbenen Realoption entsprechend angepasst werden kann. Zum anderen steigt die Wahrscheinlichkeit, dass die Realoption „ins Geld“ kommt, also einen positiven Gesamtwert hat, bei hoher Schwankung des Basiswertes. Wie kann diese Realoptionensichtweise für das Internationale Management genutzt werden? Bei der Übertragung des Realoptionenansatzes auf das Internationale Management werden die eigengegründeten Auslandsgesellschaften als Realoptionen interpretiert (vgl. z. B. Fisch 2006; Macharzina/Wolf 2012, 924–925). Die Gründung einer Auslandsgesellschaft führt dabei zu folgenden Realoptionen: •• Der vorhandende „Nukleus“ kann relativ schnell ausgebaut werden, wenn sich der Auslandsmarkt gut entwickelt (Wachstumsoption). •• Die Auslandsgesellschaft kann in „Wartestellung“ bleiben, bis sich gesicherte Informationen über die Weiterentwicklung des Marktes ergeben (Halteoption). •• Je nach Erkenntnissen aus der Tätigkeit im Auslandsmarkt können z. B. das Produktprogramm, die Vertriebsstrategie oder die Technologie modifiziert werden (Modifikationsoption). •• Aus der Tätigkeit im Auslandsmarkt können Lerneffekte resultieren, die in anderen Märkten eingesetzt werden können. Die Auslandsgesellschaft kann auch als Basis für weitere Investitionen z. B. in Nachbarländern verwendet werden (Anschlussoption). •• Bei entsprechender Informationslage und Umweltentwicklung kann die Investition im Ausland auch zurückgenommen werden (Abbruchoption). Je nach Ausprägung von NKW und der (kumulativen) Volatilität kann eine Auslandsgesellschaft in den Realoptionenraum eingeordnet werden (vgl. Abbildung 2-39). Für alle Auslandsgesellschaften betrachtet ergibt sich dabei das internationale Realoptionenportfolio eines Unternehmens. Selbst wenn eine Auslandsgesellschaft bislang noch keinen positiven Cash-Flow-Beitrag liefert, kann sie einen (aus Sicht der Realoptionentheorie) positiven Wertbeitrag zum Gesamtunternehmen liefern. Durch die Optionen können evtl. in Zukunft Werte realisiert werden, je nach Umweltentwicklung, die ohne die Auslandsgesellschaft nicht bestehen würden. Allerdings muss man auch die Grenzen bzw. die Risiken der Realoptionentheorie, nicht nur im Internationalen Management, sehen. Große Mess- und Operationalisierungsprobleme machen die Quantifizierung des Wertbeitrags einer Realoption schwierig, teilweise unmöglich. Bewertungstechnisch muss ein analoges Wertpapier gefunden werden, das zumindest einen ähnlichen Gesamtcharakter wie die Investition mit den Vahlens Lernbücher – Meckl – Internationales Management (3. Auflage) Herstellung: Frau Wesp Änderungsdatum: 31.01.2014 Status: Imprimatur Seite: 89 2.4 Ausländische Direktinvestitionen (FDI) 89 Realoptionen aufweist. Dies erscheint für eine spezifische Auslandsgesellschaft kaum möglich. Ein großes Risiko besteht darin, dass die hypothetischen Realoptionenwerte zum „Schönrechnen“ einer Auslandsinvestition missbraucht werden. Notwendige Desinvestitionen unterbleiben, der Realoptionenansatz würde dann eher zur Wertvernichtung führen. 2.4.2.6 Verhaltenswissenschaftliche Theorien: Der Ansatz von Aharoni Die bisher erläuterten theoretischen Ansätze zur Erklärung von ausländischen Direktinvestitionen und deren Gestaltungsmuster rekurrieren letztlich alle auf rationale Entscheidungsprozesse zur Selektion der erfolgversprechendsten Schritte ins Ausland. Verhaltensorientierte Ansätze setzen andere Prämissen, was das Entscheidungsverhalten generell, aber im Speziellen auch im Internationalen Management, betrifft. Ausgehend von den behavioristischen Entscheidungsmodellen von Cyert und March (vgl. 1963) wird der in den quantitativen Ansätzen unterstellte „rational economic man“ durch den „behavioural man“ ersetzt (vgl. dazu auch Macharzina/Wolf 2012, 51). Dieser zeichnet sich dadurch aus, dass motivationale, kognitive und/oder emotionale Aspekte bei der Entscheidungsfindung im Mittelpunkt stehen, während die rein rationalen, meist quantifizierten Entscheidungsmodelle des „rational economic man“ bestenfalls eine untergeordnete Rolle spielen. Als grundlegende Annahme unterstellt die verhaltensorientierte Argumentation den Individuen, also z. B. den Managern, die über eine Internationalisierungsstrategie entscheiden, eine begrenzte Kapazität, was die Aufnahme und Verarbeitung von entscheidungsrelevanten Informationen betrifft. Dies bedingt auch das in der Praxis häufig nicht beachtete Informationsparadoxon: Ein Zuviel an Informationen verschlechtert sogar die Entscheidungsqualität. Hinzu kommt, dass nur unvollkommene Informationen, die unsicher sind, oder nur wenig Entscheidungsrelevanz besitzen, vorhanden sind. Ein zusätzliches Kennzeichen des „behavioural man“ sind Entscheidungsanomalien, denen er unterliegt (vgl. genauer dazu z. B. Müller/Kornmeier 2002, 456–459). Eine starke Gewichtung der zuerst aufgenommenen Information (Reihenfolgeeffekt), die grundsätzliche Tendenz, Alternativen, die den Status Quo nur wenig oder nicht verniedrig NKW hoch niedrig Volatilität hoch Option verfallen lassen Ausübungszeit wahrscheinlich verfallen lassen wahrscheinlich jetzt ausüben vielleicht später ausüben wahrscheinlich später ausüben 1 3 2 6 5 4 Abb. 2‑39: Der Realoptionenraum (Quelle: Luehrmann 1998, 93) Vahlens Lernbücher – Meckl – Internationales Management (3. Auflage) Herstellung: Frau Wesp Änderungsdatum: 31.01.2014 Status: Imprimatur Seite: 90 2 Internationale Marktbearbeitungsformen und Theorien des IM90 ändern, zu präferieren (Konservatismus) oder die mangelnde Bereitschaft, Fehler einzugestehen, gehören zu diesen Anomalien, die bei den verhaltenswissenschaftlichen Ansätzen unterstellt werden. Neben diesen Restriktionen auf der kognitiven Seite kommen individuelle Ziele hinzu, die das Entscheidungsverhalten maßgeblich beeinflussen. Diese individuellen Ziele wiederum sind, so die Annahme, Ergebnis eines Sozialisationsprozesses des Individuums. Je nach Wertegerüst der Gruppe, in der das Individuum aufwächst bzw. sich bewegt, unterscheiden sich die individuellen Ziele und damit letztendlich auch das Entscheidungsverhalten. Im Hinblick auf die Überlegungen zu den soziokulturellen Unterschieden, die im Internationalen Management eine große Rolle spielen (vgl. Abschnitt 5.3), erhält diese Annahme besondere Relevanz. Ein weiterer Anreiz ist das Streben nach sozialer Bestätigung, das am ehesten erreicht wird, wenn die anerkannten Werte der sozialen Gruppe umgesetzt werden. Insgesamt gesehen verwenden die verhaltenswissenschaftlichen Theorien damit ein deutlich differenzierteres Menschenbild als die quantitativen Ansätze. Auf der negativen Seite dieser Modelle ist zu vermerken, dass die abgeleiteten Hypothesen und Aussagen auf Grund dieser Differenziertheit in den meisten Fällen nur situative Geltung besitzen, da sie sich an den individuellen Charakteristika von Entscheidungsträgern orientieren. Die Berücksichtigung dieser Differenziertheit hat auch wichtige Auswirkungen auf Aussagen zur Internationalisierung von Unternehmen, wenn man für die dortigen Entscheidungsträger ein solches Menschenbild unterstellt. Die ersten umfassenden Überlegungen zur Internationalisierung auf Basis der oben skizzierten verhaltenswissenschaftlichen Annahmen hat Aharoni in einer auch heute noch viel zitierten Studie angestellt (vgl. 1966). Sein Ziel ist die Erklärung von ausländischen Direktinvestitionen unter Zuhilfenahme der angenommenen Verhaltensmuster von Individuen. Er identifiziert vier Phasen des Investitionsentscheidungsprozesses: Anstoßphase („decision to look abroad“): Wesentlich sind für Aharoni die Initialkräfte, die letztendlich ursächlich sind für die Direktinvestitionen (vgl. 1966, 54). Hier kommen die verhaltenswissenschaftlichen Komponenten stark zum Tragen. So kann z. B. ein interner Anstoß durch persönliche Interessen und Erfahrungen eines Managers entstehen. Ein Studium in einem bestimmten Land, ein Urlaubsaufenthalt, besondere Sprachkenntnisse oder verwandtschaftliche Beziehungen sind bei Aharoni typische Einflussvariablen auf die Initiierung eines Entscheidungsprozesses zu Direktinvestitionen in einem Land. Eine daraus abgeleitete These von Aharoni besagt, dass Auslandsinvestitionen umso eher vorgenommen werden, je stärker die individuellen Auslandserfahrungen der Manager eines Unternehmens sind. Der Unterschied zur instrumentell-logischen Analyse, z. B. der rationalen Selektion eines Zielmarktes im Rahmen des strategischen Planungsansatzes (vgl. Abschnitt 3.3.1.3.2), wird deutlich. Externe Anstöße entstehen durch Mitläufereffekte, wenn andere Unternehmen, Konkurrenten oder auch Kunden im Ausland investieren. Eine Bedrohung durch die Investitionen von ausländischen Wettbewerbern im eigenen Heimatmarkt wirkt ebenfalls als Initialkraft. Hier decken sich die Überlegungen von Aharoni mit den Erkenntnissen von Knickerbocker (vgl. dazu im Detail Abschnitt 2.4.2.2). Vahlens Lernbücher – Meckl – Internationales Management (3. Auflage) Herstellung: Frau Wesp Änderungsdatum: 31.01.2014 Status: Imprimatur Seite: 91 2.4 Ausländische Direktinvestitionen (FDI) 91 Für Aharoni ist die Anstoßphase entscheidend, da er die Initiierung eines Prozesses zur Entscheidung über eine Direktinvestition als zentral für die Internationalisierung ansieht, auch wenn es letztendlich zur Entscheidung der Nichtinvestition kommen sollte. Bewertungsphase („investigation process“): Gemäß den Annahmen der verhaltenswissenschaftlichen Theorie geht Aharoni davon aus, dass bei der detaillierten Bewertung möglicher Direktinvestitionen Informationen nur selektiv wahrgenommen und verarbeitet werden und diese Wahrnehmung stark von der Art der Initialkraft aus der ersten Phase abhängt. Dabei gilt, dass bei der Entscheidungsfindung weniger ein Optimierungsgedanke im Vordergrund steht („optimizing“), wie er von den quantitativen Ansätzen angenommen wird. Vielmehr orientieren sich die Beteiligten an Satisfizierungsüberlegungen („satisficing“). Solange ein aktueller Zustand oder eine Strategie, in diesem Fall eine Internationalisierungsstrategie, zufriedenstellende Ergebnisse liefert, ist die Tendenz der Beibehaltung des Status Quo vorherrschend. Auch hier verwendet Aharoni wieder konsequent die Annahmen des verhaltenswissenschaftlichen Ansatzes. Investitionsentscheidungsphase („decision to invest“): Den letztendlichen Investitionsentscheidungsprozess modelliert Aharoni als Verhandlungsprozess zwischen Einzelpersonen und/oder Gruppen im Unternehmen. Die oben beschriebenen Sozialisations- und Werteaspekte der Gruppe, in diesem Fall der Unternehmensleitung, spielen dabei annahmegemäß eine größere Rolle als die rein rationalen Überlegungen. Hier kommen dann machtpolitische Einflüsse zur Geltung, die z. B. zwischen Gruppen, die lieber im Heimatmarkt investieren wollen und Gruppen, die Auslandsmärkte stärken wollen, ausgetragen werden. Überprüfungs‑ und Nachverhandlungsphase („reviews and negotiations“): In dieser Phase nehmen, wie indirekt bei der Entscheidungsfindung in den vorhergehenden Phasen auch schon, Erfahrungen und Lerneffekte eine zentrale Rolle ein. Diese Effekte können zu einer teilweisen, evtl. auch weitgehenden, Veränderung des Internationalisierungsansatzes führen. Der Ansatz von Aharoni wird auch heute noch in der Literatur breit wahrgenommen. Dies liegt an folgenden Stärken der Theorie: •• Modellierung einer verhaltenswissenschaftlich dominierten Internationalisierungsentscheidung in einem gut nachvollziehbaren Stufenprozess. •• Eine sehr praxisrelevante Kategorie von Einflussvariablen auf Internationalisierungsentscheidungen wird berücksichtigt. •• Erklärung des Phänomens, dass Direktinvestitionsentscheidungen in der Praxis in einigen Fällen streng rationale Kriterien nicht erfüllen. •• Erklärung des Phänomens, dass sehr erfolgreiche Unternehmen im Inland ihre Geschäftsaktivitäten nicht ins Ausland ausweiten. Allerdings unterliegt der Ansatz von Aharoni wie alle verhaltenswissenschaftlichen Theorien einigen Restriktionen: •• Der Ansatz beobachtet und interpretiert die suboptimale Realität, macht aber keine Vorschläge, wie eine Internationalisierung optimal gestaltet werden sollte. Vahlens Lernbücher – Meckl – Internationales Management (3. Auflage) Herstellung: Frau Wesp Änderungsdatum: 31.01.2014 Status: Imprimatur Seite: 92 2 Internationale Marktbearbeitungsformen und Theorien des IM92 •• Einstellungen und (Auslands-)Erfahrungswerte von Führungskräften sind nur schwer operationalisierbar, so dass eine empirische Überprüfung dieses Teils des Ansatzes schwer fällt (vgl. Welge/Holtbrügge 2010, 62). •• Die Modellierung und inhaltliche Ausgestaltung des Stufenprozesses gilt im Wesentlichen nur für die Anfangsphase einer Internationalisierung, hat also auf Grund des inzwischen stark fortgeschrittenen Internationalisierungsgrads vieler Unternehmen an Bedeutung verloren. Aharoni erreicht, abschließend bewertet, durch seinen Ansatz ein besseres Verständnis der Realität der Direktinvestitionsentscheidungen, das aber dazu genutzt werden muss, eine Optimierung der Internationalisierungsentscheidungen und -strategien zu erreichen. Mit den verhaltenswissenschaftlichen Ansätzen sind die wichtigsten Theorien zur Erklärung von ausländischen Direktinvestitionen referiert. Gliederungslogisch sollte nun ein Abschnitt zu „Management und Gestaltung von Auslandsinvestitionen“ folgen. Allerdings werden in Kapitel 3 und 4 die Ausführungen zur Führung von internationalen Unternehmen und der funktionsbezogenen Betrachtung stark an den Bedingungen eines Unternehmens mit hohen Auslandsinvestitionen orientiert, so dass diese Kapitel inhaltlich den Abschnitt „Management und Gestaltung von Auslandsinvestitionen“ in deutlich detaillierter Form repräsentieren. Bevor darauf eingegangen wird, wird aber noch eine Theorie vorgestellt, die einen Erklärungsansatz für alle bisher vorgestellten Marktbearbeitungsformen liefert. 2.5 Das eklektische Paradigma von Dunning als übergreifender Ansatz zur Erklärung internationaler Marktbearbeitungsformen 2.5.1 Erklärungsanliegen und Komponenten der Theorie In den Abschnitten 2.2.2, 2.3.2 und 2.4.2 wurden mehrere Ansätze zur Erklärung internationaler Unternehmenstätigkeit vorgestellt, die sich sowohl hinsichtlich ihres Erklärungsobjektes, in diesem Fall der internationalen Marktbearbeitungsform, als auch der zu Grunde liegenden Argumentationslogik zum Teil erheblich unterscheiden. Die Vielzahl und Heterogenität der dargestellten Ansätze verdeutlicht, dass das Phänomen der Internationalisierung von Unternehmensaktivitäten einen vielschichtigen und komplexen Problembereich darstellt, dessen umfassende Beschreibung keiner der vorgestellten Ansätze allein zu leisten vermag. Vielmehr stellen die einzelnen Ansätze Analysewerkzeuge dar, die jeweils unterschiedliche Facetten des Untersuchungsgegenstandes „Internationalisierung“ erhellen. Motiviert von der Unzufriedenheit mit dem partialanalytischen Charakter der bestehenden Theorien, entwickelte John Dunning (vgl. als grundlegende Quellen 1977, 1979) einen Ansatz, der den Anspruch erhebt, Internationalisierung und ihre Formen umfassender zu erklären als alle bisherigen Theorien. Seit seiner erstmaligen Präsentation auf dem in Stockholm abgehaltenen Nobel-Symposium „The International Allocation of Economic Activity“ im Jahr 1976 hat sich Dunnings „eklektischer Ansatz“ zu einem der am häufigsten zitierten und zugleich meist kritisierten Ansätze zur 2.5 Das eklektische Paradigma von Dunning

Chapter Preview

References

Zusammenfassung

Prof. Dr. Reinhard Meckl lehrt Internationales Management an der Universität Bayreuth.

Dieses einführende Lehrbuch vermittelt Ihnen anschaulich die theoretischen Grundlagen und die anwendungsbezogenen Methoden des Internationalen Managements, sodass

Sie aufbauend darauf über grundlegende Kenntnisse zur erfolgreichen Bearbeitung aus­ländischer Märkte verfügen.

Ausgehend von den Bearbeitungsformen für internationale Märkte stellt das Buch die wichtigsten Erklärungsansätze, Führungsmodelle und Managementmethoden sowie die wesentlichen Funktionsfelder eines internationalen Unternehmens dar. Analysen und ­Empfehlungen zum interkulturellen Management komplettieren das internationale Themenfeld. Fragen zur Wiederholung in jedem Kapitel sorgen für einen nachhaltigen Lernerfolg.

Aus dem Inhalt:

– Grundlagen des Internationalen Managements

– Internationale Marktbearbeitungsformen und Theorien des Internationalen

Managements

– Führung von internationalen Unternehmen

– Funktionenbezogenes Internationales Management

– Regionale und kulturelle Dimension im Internationalen Management