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Entwicklungslinien und Forschungsschwerpunkte des Internationalen Managements in:

Reinhard Meckl

Internationales Management, page 29 - 32

3. Edition 2014, ISBN print: 978-3-8006-4784-2, ISBN online: 978-3-8006-4785-9, https://doi.org/10.15358/9783800647859_29

Series: Lernbücher für Wirtschaft und Recht

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Vahlens Lernbücher – Meckl – Internationales Management (3. Auflage) Herstellung: Frau Wesp Änderungsdatum: 31.01.2014 Status: Imprimatur Seite: 7 1.2 Entwicklungslinien und Forschungsschwerpunkte 7 Die sich durch die internationalen Einflussvariablen ergebenden Fragestellungen zeichnen sich im Allgemeinen durch eine höhere Komplexität und zusätzliche Einflussgrö- ßen im Vergleich zum nationalen Betrachtungsfeld aus. Gerade im internationalen Geschäft ist die Beachtung von funktionalen und logischen Interdependenzen zwischen den einzelnen Entscheidungsfeldern eines Unternehmens wichtig. Dies wird durch den Querschnittscharakter des Internationalen Managements deutlich. Bei einer Internationalisierung der Geschäftsaktivitäten sind in den meisten Fällen mehrere, ab einer bestimmten Schwelle wohl der größte Teil der betrieblichen Funktionen, Entscheidungen und Abläufe betroffen und müssen auf die neue Situation ausgerichtet werden. Internationales Management ist aus diesem Blickwinkel ein wesentlicher Teil eines General-Management-Ansatzes (vgl. im Detail dazu z. B. Kutschker 2009; Schneider 2009). 1.2 Entwicklungslinien und Forschungsschwerpunkte des Internationalen Managements Vom Forschungsgegenstand her lässt sich der Themenbereich der Erforschung internationaler Unternehmenstätigkeit wie in Abbildung 1-5 dargestellt einteilen. Der interkulturelle Vergleich von Instrumenten und Methoden des Managements stellt auch vom Forschungsansatz her ein separates Feld im Rahmen der Erforschung der internationalen Unternehmenstätigkeit dar. Ziel ist es hier, Managementmethoden in verschiedenen soziokulturellen Bedingungen zu beschreiben und deren Effizienzwirkung zu untersuchen, um im zweiten Schritt Empfehlungen bei der Übertragung von Managementstilen auf einen anderen Kulturkreis abzuleiten (vgl. im Detail dazu Abschnitt 5.3). Im Rahmen des Überbegriffs der Internationalen Managementforschung kann zum einen die internationale Unternehmensführung, auch zu bezeichnen als Internationales Management im engeren Sinn, verstanden werden. Betrachtet werden hier die 1.2 Entwicklungslinien und Forschungsschwerpunkte Management multinationaler Unternehmungen Erforschung internationaler Unternehmungstätigkeit Kulturvergleichende Managementforschung Internationale Managementforschung Internationale Unternehmungsführung Internationale Betriebswirtschaft Auslandsmanagement Abwicklung operativer Geschäftsaktivitäten im Ausland Abb. 1‑5: Forschungsschwerpunkte des Internationalen Managements (Quelle: in Anlehnung an Welge/Holtbrügge 2010, 35) Vahlens Lernbücher – Meckl – Internationales Management (3. Auflage) Herstellung: Frau Wesp Änderungsdatum: 31.01.2014 Status: Imprimatur Seite: 8 1 Grundlagen des Internationalen Managements (IM)8 Auslandsaktivitäten als separate, mit besonderen Spezifika behaftete Managementfelder. Des Weiteren wird als Aufgabe des Managements eines international tätigen Unternehmens die Berücksichtigung der Interdependenzen des nationalen mit dem internationalen Geschäft als auch der Interdependenzen zwischen einzelnen Auslandsmärkten gesehen („Management multinationaler Unternehmen“; vgl. dazu z. B. Kapitel 3.1.4). Die internationale Betriebswirtschaft schließlich legt den Schwerpunkt auf das Management der Geschäftsprozesse und die Instrumente zur Abwicklung internationaler Geschäftsaktivitäten (vgl. dazu z. B. Abschnitt 2.3.3). Bei einer inhaltlichen Lokalisierung der internationalen Managementforschung entlang der Zeitachse ergibt sich das in Abbildung 1-6 dargestellte Bild (zur geschichtlichen Einteilung des IM vgl. auch Macharzina 2009; speziell für Deutschland Macharzina 2008). Wie in den folgenden Abschnitten zu sehen sein wird, haben die meisten der besprochenen Theorien des Internationalen Managements ihre Wurzeln in den 70er Jahren oder kurz davor (vgl. für einen Überblick auch Macharzina/Wolf 2012). Dies rührt daher, dass in dieser Zeit das Phänomen der Internationalisierung zum ersten Mal für größere Bereiche der Volkswirtschaften eine gewichtige Rolle spielte. In den Theorien wurde versucht, in einem ersten Schritt die Frage zu beantworten, warum Unternehmen überhaupt eine internationale Tätigkeit aufnehmen und in einem zweiten Schritt zu klären, wie dies im Einzelnen auszusehen hat. In den 80er Jahren erfuhr die Internationalisierung in der Wirtschaftspraxis, zumindest in den Ländern der damaligen westlichen politischen Zone, eine deutliche Beschleunigung durch verstärkte Bemühungen, die nationalen Schranken für eine Ausweitung der Unternehmenstätigkeit zu senken. So wurde z. B. die Öffnung wichtiger Infrastrukturmärkte für ausländische Investoren vorangetrieben. Im Zuge des generellen Bedeutungsgewinns der strategischen Planung in der Unternehmensführung wurde Forschungsschwerpunkte Internationales Management 70er Jahre 80er Jahre 90er Jahre 00er Jahre 10er Jahre Implementation der Internationalisierung Führung/ Steuerung in internationalen, integrierten Netzwerken (Bartlett/Ghoshal, Macharzina) Interkulturelles Management, Optimierung von Führungsmodellen Compliance, Corporate Social Responsibility, Neue Medien (Internet) und IM Formen/ Strategie der Internationalisierung Ausgestaltung von Internationalisierungsstrategien (z.B. Heenan/ Perlmutter, Porter, Ohmae) Ausbau der Marktposition auf internationalen Märkten und internationale Optimierung der Wertschöpfungskette Entwicklung globaler Wettbewerbsstrategien Internationales Risikomanagement Gründe der Internationalisierung Theorie der IU, Theorie des Außenhandels (z.B. Dunning) Liberalisierung, Deregulierung Emerging Markets Realisierung globaler Wettbewerbsvorteile Entstehen von Weltmärkten Abb. 1‑6: Zeitliche und inhaltliche Entwicklungslinien der Forschung im Internationalen  Management Vahlens Lernbücher – Meckl – Internationales Management (3. Auflage) Herstellung: Frau Wesp Änderungsdatum: 31.01.2014 Status: Imprimatur Seite: 9 1.2 Entwicklungslinien und Forschungsschwerpunkte 9 auch für die Internationalisierung ein Instrumentarium zur planerischen Vorbereitung und Bewältigung der internationalen Aktivitäten entwickelt. Zu dieser Zeit wurden die ersten internationalen Führungsmodelle generiert (vgl. z. B. Heenan/Perlmutter 1979). Nicht zuletzt durch die geänderten politischen Bedingungen wurde der Auf- bzw. in vielen Fällen der Ausbau der internationalen Aktivitäten durch den Eintritt großer, bisher weitgehend geschlossener Volkswirtschaften in den internationalen Austausch zum zentralen Gegenstand der Führung von Unternehmen in den 90er Jahren. Zusätzlich zeigten hohe Wachstumsraten in „Emerging Markets“ wie z. B. China, Indien oder Brasilien das Entstehen neuer interessanter Absatzmärkte an (vgl. auch Abschnitt 5.2). Erfolgsfaktoren und Strategien gerade für diese Märkte waren entsprechend wichtige Gegenstände der Forschung im IM. Seit Beginn des aktuellen Jahrhunderts zeigt sich, dass viele Unternehmen inzwischen einen erheblichen Ausbaustand ihrer internationalen Aktivitäten erreicht haben. In dieser Situation ging es nicht mehr nur darum, für einen bestimmten Auslandsmarkt eine Strategie zu entwickeln. Vielmehr kam es jetzt darauf an, die Interdependenzen nationaler Aktivitäten zu beachten und auf dieser Basis globale Strategien zu konzipieren. Für die Führung von solchen international tätigen Unternehmen bedeutet dies einen enormen Komplexitätszuwachs. Aus diesem Grund wurden in diesen Jahren zunehmend Führungsmodelle für komplex strukturierte, heterogen organisierte Unternehmen entwickelt. Bei der Implementierung ist zunehmend auf die Berücksichtigung von interkulturellen Fragen zu achten, weshalb dieser Themenbereich auch als Forschungsgegenstand relevanter wurde. Seit einigen Jahren ist zu beobachten, dass in vielen Branchen, z. B. im High-Tech- Bereich, zunehmend Weltmärkte entstehen, die mit ihrer hohen Wettbewerbsintensität die Segmentierung der Welt in nationale Märkte kaum mehr zulassen. Ähnliche Nachfragestrukturen, standardisierte Technologien und weltweit die gleichen Wettbewerber sind Kennzeichen dieser globalen Märkte. Die daraus entstehenden Risiken werden zunehmend zu einem zentralen Gegenstand der Unternehmensführung und auch der Forschung im IM. Die vermehrte Beschäftigung mit Compliance und Corporate Social Responsibility kann unter diesem Aspekt gesehen werden (vgl. dazu die Abschnitte 3.2.5 und 3.2.6). Die vielen neuen Einflüsse des Internet auf die Führung internationaler Unternehmen mit den neu entstandenen Geschäftsmodellen sind ein weiterer aktueller Forschungsgegenstand (vgl. zur Einschätzung der Zukunftsperspektiven von Internationalem Management als Wissenschaft z. B. Schmid/Oesterle 2009). Vahlens Lernbücher – Meckl – Internationales Management (3. Auflage) Herstellung: Frau Wesp Änderungsdatum: 31.01.2014 Status: Imprimatur Seite: 10 1 Grundlagen des Internationalen Managements (IM)10 Fragen zur Wiederholung und Selbstkontrolle  1. Was versteht man unter einem „internationalen Unternehmen“? Welche Ansätze gibt es, um internationale Unternehmen von nationalen Unternehmen abzugrenzen und hinsichtlich ihres Internationalisierungsgrads zu beschreiben? 2. Welche Zielkategorien lassen sich für die Internationalisierung von Geschäftsaktivitäten finden? Erläutern Sie diese! 3. Erläutern Sie die historischen Schwerpunkte und Entwicklungslinien der Forschung im Internationalen Management und begründen Sie diese jeweils! 4. Welche Themenschwerpunkte und Entwicklungen sehen Sie für das IM in den nächsten Jahren? ?

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Zusammenfassung

Prof. Dr. Reinhard Meckl lehrt Internationales Management an der Universität Bayreuth.

Dieses einführende Lehrbuch vermittelt Ihnen anschaulich die theoretischen Grundlagen und die anwendungsbezogenen Methoden des Internationalen Managements, sodass

Sie aufbauend darauf über grundlegende Kenntnisse zur erfolgreichen Bearbeitung aus­ländischer Märkte verfügen.

Ausgehend von den Bearbeitungsformen für internationale Märkte stellt das Buch die wichtigsten Erklärungsansätze, Führungsmodelle und Managementmethoden sowie die wesentlichen Funktionsfelder eines internationalen Unternehmens dar. Analysen und ­Empfehlungen zum interkulturellen Management komplettieren das internationale Themenfeld. Fragen zur Wiederholung in jedem Kapitel sorgen für einen nachhaltigen Lernerfolg.

Aus dem Inhalt:

– Grundlagen des Internationalen Managements

– Internationale Marktbearbeitungsformen und Theorien des Internationalen

Managements

– Führung von internationalen Unternehmen

– Funktionenbezogenes Internationales Management

– Regionale und kulturelle Dimension im Internationalen Management