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Finanzierung im internationalen Unternehmen in:

Reinhard Meckl

Internationales Management, page 268 - 279

3. Edition 2014, ISBN print: 978-3-8006-4784-2, ISBN online: 978-3-8006-4785-9, https://doi.org/10.15358/9783800647859_268

Series: Lernbücher für Wirtschaft und Recht

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Vahlens Lernbücher – Meckl – Internationales Management (3. Auflage) Herstellung: Frau Wesp Änderungsdatum: 31.01.2014 Status: Imprimatur Seite: 246 4 Funktionenbezogenes Internationales Management246 den (zu empirischen Ergebnissen vgl. z. B. Stahl 2002). Angesichts der hohen Relevanz der Ziele und der zum Teil hohen Kosten, die mit internationalen Entsendungen verbunden sind, erscheint ein solches explizites Management des Auslandseinsatzes dringend geboten. 4.6 Finanzierung im internationalen Unternehmen 4.6.1 Grundzüge internationaler Kapitalmärkte Das unternehmerische internationale Finanzmanagement, das in diesem Abschnitt behandelt wird, findet vor dem Hintergrund globaler Kapitalmärkte statt. Bevor auf die internationalen unternehmerischen Finanzierungsentscheidungen eingegangen wird, ist deshalb zu klären, wie diese Kapitalmärkte vom Grundsatz her funktionieren (vgl. allgemein dazu z. B. Franke/Hax 2009). Internationale Kapitalmärkte können definiert werden als ein Netzwerk von Individuen, Unternehmen, Finanzinstitutionen und Regierungen, die über nationale Grenzen hinweg Finanzressourcen in Form von Eigen- und Fremdkapital investieren bzw. ausleihen (vgl. ähnlich Wild/Wild/Han 2008, 259). Zu den internationalen Finanzmärkten zählen auch die Devisenmärkte, auf denen Währungen zu Absicherungs- oder Spekulationszwecken gehandelt werden (vgl. zu dieser Thematik auch Abschnitt 2.2.3.3; Wall/Minocha/Rees 2010, 382–387). Durch den weitestgehenden Wegfall von Kapitalverkehrsbeschränkungen zumindest zwischen den Industriestaaten kann man inzwischen von einem etablierten und auch vom Volumen her sehr weit entwickelten internationalen Kapitalmarkt sprechen. Einfach ausgedrückt bedeuten diese internationalen Märkte, dass Marktteilnehmer mit überschüssigen Finanzressourcen die Mittel im Ausland investieren, während Marktteilnehmer mit einem Finanzbedarf sich Mittel auf dem Kapitalmarkt, die aus dem Ausland stammen, besorgen. Solche funktionierenden internationalen Kapitalmärkte haben wichtige Vorteile und insgesamt gesehen effizienzsteigernde Wirkungen für alle Beteiligten (vgl. z. B. Wild/Wild/ Han 2008, 259–260): •• Zugang zu Kapitalressourcen für kapitalnachfragende Unternehmen: Bei Kapitalknappheit in einem Land kann es schwierig sein für ein Unternehmen, die nötigen Mittel für die geplanten Investitionsprojekte im nationalen Rahmen zu bekommen. Dies ist besonders relevant für Unternehmen in Ländern mit schlecht ausgebildetem Kapitalmarkt. In anderen Ländern kann aber ein Überschuss an Finanzressourcen vorliegen. Durch die Etablierung internationaler Finanzmärkte werden die Mittel auch zugänglich für Unternehmen aus anderen Ländern. •• Verringerung der Kapitalkosten für kapitalnachfragende Unternehmen: Der „Preis“ für Geld wird auf den Kapitalmärkten durch Angebot und Nachfrage ermittelt in Form von zu zahlenden Zinsen bzw. in Form einer geforderten Eigenkapitalrendite. Der oben beschriebene Zugang zu den überschüssigen Finanzressourcen in einem anderen Land schafft ein zusätzliches Angebot durch die internationalen Finanzmärkte, das tendenziell preissenkend für die nachfragenden Unternehmen wirkt. Evtl. können dadurch Investitionsprojekte, die zu einem hohen Kapitalkostensatz nicht wertschaffend sind, durch den Zugang zu internationalem, billigerem Kapital doch verwirklicht werden. 4.6 Finanzierung im internationalen Unternehmen Vahlens Lernbücher – Meckl – Internationales Management (3. Auflage) Herstellung: Frau Wesp Änderungsdatum: 31.01.2014 Status: Imprimatur Seite: 247 4.6 Finanzierung im internationalen Unternehmen 247 •• Verringerung des Risikos für Kapitalanleger: Investoren haben grundsätzlich eine größere Auswahl aus Nachfragern nach ihren Mitteln bzw. aus Projekten, in die sie das Geld investieren können. Des Weiteren besteht für sie die Chance, Investitionsmöglichkeiten in Ländern, die sich in einer anderen Konjunkturphase befinden, wahrzunehmen. So kann ein Investor, der in einem Land mit geringen Wachstumsraten beheimatet ist, auch Investitionsmöglichkeiten in Wachstumsländern wahrnehmen. Nicht zuletzt dadurch kann eine Risikostreuung erreicht werden (vgl. dazu auch Abschnitt 2.4.2.3 zur Erklärung von ausländischen Direktinvestitionen durch Risikodiversifikation). Diese Vorteile haben dazu geführt, dass viele Länder die Abschottung ihrer Kapitalmärkte aufgehoben haben, um den Unternehmen den Zugang zu Kapitalressourcen zu ermöglichen. Gleichzeitig haben die erheblichen Fortschritte in der Informationstechnologie ungeahnte Möglichkeiten bei der Ausgestaltung dieser internationalen Kapitalmärkte geschaffen. Da ein physischer Transport von Finanzressourcen nicht nötig ist, kann das Internet seine Vorteile bei der Anbahnung und Abwicklung solcher Transaktionen voll ausspielen. Investoren und Ausleiher können praktisch ohne Zeitverzögerung zu geringen Kosten Informationen über eine beabsichtigte Transaktion austauschen und diese dann abschließen. Ein weiterer Grund für das starke Anwachsen von Kapitalströmen über Grenzen hinweg sind die neuen Finanzinstrumente, die insbesondere in der ersten Hälfte der 2010er Jahren entwickelt wurden. Vor allem die „securitization“, also das „unbundling and repackaging of hard-to-trade financial assets into more liquid, negotiable, and marketable financial instruments or securities“ (Wild/Wild/Han 2008, 261) haben dazu geführt, dass Vermögensgegenstände überall auf der Welt, verpackt in „securities“, auf den internationalen Kapitalmärkten gehandelt werden. Die Finanz- und Wirtschaftskrise 2008/2009 hat gezeigt, dass solche unkontrollierten, deregulierten internationalen Kapitalmärkte erhebliche Risiken nicht nur für einzelne Länder, sondern für die gesamte Weltwirtschaft besitzen: •• Verwerfungen durch kurzfristige Spekulationsgelder: Für ein einzelnes Land ergibt sich eine Gefahr dadurch, dass Kapital relativ schnell „einströmen“, aber schnell auch wieder abgezogen werden kann, was dann zu Verwerfungen im Preisgefüge des Kapitalmarkts führt (vgl. Feldstein 1995, 72–73). Besonders groß ist die Gefahr, wenn die Kapitalmittel zur kurzfristigen Spekulation eingesetzt werden („hot money“). Ein Extremfall liegt vor, wenn Spekulanten z. B. gegen eine Währung spekulieren und massiv Kapital aus einem Land, evtl. sogar in einer konzertierten Aktion, abziehen. •• Falsche Risikoeinschätzung auf Grund schlechter Informationslage durch ausländische Anleger: Ein weiteres grundsätzliches Risiko der internationalen Finanzmärkte besteht darin, dass eine ungenügende Information auf Investorenseite über die Gegebenheiten in den ausländischen Märkten zu einer verfehlten Investitionspolitik führt (vgl. Hill 2012, 396). Für die Kapitalmärkte gilt also Ähnliches wie für die Gütermärkte: Der ausländische Markt ist normalerweise weniger bekannt als der einheimische, was die Risikoeinschätzung schwieriger macht. Die Verlustgefahr erhöht sich. Vahlens Lernbücher – Meckl – Internationales Management (3. Auflage) Herstellung: Frau Wesp Änderungsdatum: 31.01.2014 Status: Imprimatur Seite: 248 4 Funktionenbezogenes Internationales Management248 •• Globale Betroffenheit bei Verlusten: Das dritte Risiko hat primär mit den Finanzintermediären zu tun, also Investmentund Geschäftsbanken, die als Verleiher von Kapital oder auch als Eigenkapitalinvestoren auftreten. Der letztendliche Auslöser für die Finanzkrise in 2008 war das weltweite Engagement vieler Banken in US-amerikanischen Hypothekendarlehen, die über die oben erwähnte „securitization“ weltweit handelbar gemacht wurden. Ein Defizit an Informationen über die Risiken, die diese ausländischen Anlagemöglichkeiten beinhalten (siehe oben), hat dazu geführt, dass einige Banken faktisch durch die Ausfallrisiken überschuldet waren. Nur durch den massiven Einsatz von Staatsgeldern konnte das Weltfinanzsystem vor dem Kollaps gerettet werden. Durch die Deregulierung wirken diese Risiken dann auch auf die ausländischen Kapitalmärkte zurück und bleiben nicht ein rein nationales Phänomen. Zu diesen Problemen, die schließlich zur weltweiten Ausbreitung der Finanzkrise 2008/2009 beigetragen haben, kamen in 2010/2011 noch die Verwerfungen auf den internationalen Finanzmärkten durch die Eurostaatsschuldenkrise. Die Schuldenstände einiger Länder, z. B. der von Griechenland, waren so stark gestiegen, dass die Länder keine Möglichkeit mehr hatten, auf den internationalen Finanzmärkten Kapital aufzunehmen und ihre Ausgaben zu finanzieren. Um einen Kreditausfall dieser Länder zu vermeiden, der vor allem die Banken mit Staatsanleihen in ihren Portfolios schwer getroffen hätte, wurde z. B. eine extreme geldpolitische Lockerung durch die Europäische Zentralbank umgesetzt. In diesem Zusammenhang spielte die Architektur der internationalen Finanzmärkte mit den beteiligten Institutionen eine große Rolle. Abbildung 4-22 zeigt die Grundstruktur bis hin zu den international tätigen Unternehmen, die über ihre Nachfrage nach Eigen- und Fremdkapital von den Kapitalmärkten beeinflusst werden. International organization level National government level National infrastructure level Firm level The firm International Monetary Fund World Bank Supra-national government institutions e.g. EU-commission Commercial banks National stock exchanges and bond markets Central Banks Bank for International Settlements Abb. 4‑22: Institutionen des globalen Finanzsystems (Quelle: vgl. Cavusgil/Knight/Riesenberger 2008, 299). Vahlens Lernbücher – Meckl – Internationales Management (3. Auflage) Herstellung: Frau Wesp Änderungsdatum: 31.01.2014 Status: Imprimatur Seite: 249 4.6 Finanzierung im internationalen Unternehmen 249 Besonders relevant sind für die international tätigen Unternehmen außerhalb des Bankensektors zum Einen die Auswirkungen der Krise auf die Versorgung mit Eigen- und Fremdkapital. Vor allem in den von der Staatsschuldenkrise betroffenen Ländern, deren Bankensektor restrukturiert werden muss, kann es zu einer Kreditklemme kommen, die dann auch die Auslandsinvestitionen betrifft. Zum Zweiten sind die Auswirkungen auf die Realökonomie zu bedenken. Solch starke Verwerfungen auf den Finanzmärkten und ein Staatshaushalt, der wegen des hohen Schuldenstands stark zurückgefahren werden muss, werden zwangsläufig, zumindest kurzfristig, zu rezessiven Tendenzen führen, wie man an Spanien oder Griechenland gut sehen konnte. Für international tätige Unternehmen bedeutet dies, dass die strategische Planung und hier insbesondere die Ziellandbestimmung für neue Investitionen (vgl. Abschnitt 3.3.1 und hier vor allem 3.3.1.3.2) eventuell neu durchgeführt werden muss, falls die betroffenen Länder als Zielländer ausgesucht worden waren. Trotz der Krisen, die die internationalen Finanzmärkten stark getroffen haben, bleibt aber festzuhalten, dass besonders internationale Unternehmen von grundsätzlich liberalen Finanzmärkten mit internationalen Kapitalströmen im Rahmen eines expliziten internationalen Finanzmanagements, das im nächsten Abschnitt  beschrieben wird, profitieren können. 4.6.2 Aufgaben eines internationalen Finanzmanagements und  Organisation der Finanzabteilung Generell, d. h. unabhängig von der internationalen Sichtweise, soll das Finanzmanagement das allgemeine Unternehmensziel – also z. B. die Wertmaximierung für die Anteilseigner – unterstützen. Das internationale Finanzmanagement wird definiert als „zielgerichtete Steuerung aller internationaler Zahlungen bzw. Zahlungsströme im Unternehmen“ (Büschgen 1997, 3). Wie in den meisten anderen Funktionen auch, zeigt sich dieses Ziel im internationalen Umfeld einer größeren Zahl von Einflussvariablen ausgesetzt, die die Aufgaben des internationalen Finanzmanagements komplexer werden lassen. Moser identifiziert drei Spezifika des internationalen Finanzmanagements (vgl. 2009, 684–691): •• Institutionelle Spezifika: Unterschiedliche Rechts- und Wirtschaftsordnungen bedingen ein differierendes Rechtsverständnis zwischen den Ländern, was wiederum erhebliche Auswirkungen auf die Ausgestaltung der Vertragsbeziehungen, z. B. bei Kreditverträgen hat. •• Erhöhtes Risiko: Eine größere Anzahl, eine höhere Eintrittswahrscheinlichkeit und komplexere Interdependenzen von Risikovariablen setzen das internationale Finanzmanagement einem gesteigerten Risiko aus. •• Wechselkursrisiko: Eine spezifische Risikovariable stellt das Währungsrisiko dar, das spezifischer Instrumente zur Absicherung/Vermeidung bedarf (vgl. Abschnitt 2.2.3.3 zur ausführlichen Behandlung dieses Risikos). Im Einzelnen sind als Aufgaben des Internationalen Finanzmanagements zu nennen (vgl. ähnlich Perlitz 2013, 622–624; Hill 2012, 644–663): Vahlens Lernbücher – Meckl – Internationales Management (3. Auflage) Herstellung: Frau Wesp Änderungsdatum: 31.01.2014 Status: Imprimatur Seite: 250 4 Funktionenbezogenes Internationales Management250 •• Erhöhung der Rentabilität: Eine Maximierung der Rentabilität in diesem Bereich wird durch die Minimierung der Kapitalkosten und die Maximierung des Kapitalertrags erreicht. So ist bei der Kapitalbeschaffung darauf zu achten, dass unterschiedliche Kostensätze auf den internationalen Finanzmärkten (vgl. Abschnitt 4.6.1 zur Struktur und Funktionsweise dieser Märkte; z. B. auch Wall/Minocha/Rees 2010, 382–400) sowohl bei der Fremd- als auch bei der Eigenfinanzierung genutzt werden. Analoges gilt bei der Anlage von kurz- oder auch langfristigen Mitteln. National unterschiedliche Anlageinstrumente, divergierende kapitalmarktrechtliche Rahmenbedingungen, steuerliche Aspekte und Transaktionskosten sind sowohl auf der Beschaffungs- als auch auf der Anlageseite zu berücksichtigen. •• Sicherstellung der Liquidität: Für die Muttergesellschaft, aber auch für jede Tochtergesellschaft im Ausland und Inland, muss jederzeit sichergestellt werden, dass die zur Verfügung stehenden Zahlungsmittel ausreichen, um die fälligen Verpflichtungen erfüllen zu können. •• Erhaltung der Unabhängigkeit: Insbesondere der Einfluss der Fremdkapitalgeber kann sich beschränkend auf die Entscheidungsfreiheit des Managements, z. B. bei der Genese und Umsetzung von Strategien, bemerkbar machen. Das internationale Finanzmanagement kann die internationalen Finanzmärkte nutzen, um die Anzahl der Fremdkapitalgeber zu vergrößern und die Darlehenssumme einzelner Gläubiger zu vermindern, so dass die Einflussnahme eines einzelnen Gläubigers begrenzt bleibt. •• Risikomanagement: Die aus den Maßnahmen zur Beschaffung, Investition und auch der Anlage von Kapitalmitteln resultierenden Risiken müssen ständig beobachtet und begrenzt werden. Die Nutzung von internationalen Finanzmärkten bietet zum einen die Chance, Risiken gemäß der Portfolioidee zu verteilen (vgl. im Detail dazu Abschnitt 2.4.2.3 und 4.6.1). Zum anderen entstehen z. B. durch offene Währungspositionen oder falsche Bonitätseinschätzung unbekannter Schuldner aber auch zusätzliche Risiken, die berücksichtigt werden müssen (vgl. dazu auch die Abschnitte 2.2.3.2 und 2.2.3.3). Aus diesen Aufgabenbereichen lassen sich als wesentliche Aktivitätsfelder des internationalen Finanzmanagements das Cash Management, die Beschaffung und Verteilung bzw. Anlage des Kapitals im internationalen Unternehmen und die Absicherung von finanziellen Risiken aus der internationalen Geschäftstätigkeit identifizieren. Das letzte Aktivitätsfeld wurde in Kapitel 2, in dem das Management dieser Risiken thematisiert wurde (vgl. Abschnitt 2.2.3, z. B. 2.2.3.4), behandelt. Bevor auf die anderen beiden Aktivitätsfelder, das Cash Management (vgl. Abschnitt 4.6.3) und die Verteilung der Kapitalressourcen (vgl. Abschnitt 4.6.4) eingegangen wird, wird der institutionelle Rahmen des internationalen Finanzmanagements im Unternehmen deutlich gemacht. Dieser Rahmen wird im Wesentlichen bestimmt durch die Organisation der Finanzabteilung im internationalen Unternehmen. Das in Abschnitt 3.4.1 erläuterte organisatorische Grundsatzproblem der Zentralisierung versus Dezentralisierung stellt sich auch bei der Strukturierung der Finanzabteilung. Eine Zentralisierung würde im Finanzmanagement bedeuten, dass die Entscheidungskompetenzen bezüglich der finanziellen Fragen im Wesentlichen an einer Stelle im Unternehmen liegen, im Normalfall in der Finanzabteilung des Mutterunternehmens Vahlens Lernbücher – Meckl – Internationales Management (3. Auflage) Herstellung: Frau Wesp Änderungsdatum: 31.01.2014 Status: Imprimatur Seite: 251 4.6 Finanzierung im internationalen Unternehmen 251 oder in einer Tochtergesellschaft, die als Finanzierungsgesellschaft (vgl. dazu z. B. Joppich/Meckl 2012) dient. Es lassen sich folgende Argumente für eine solche zentrale Struktur finden (vgl. Hill 2012, 663; Wall/Minocha/Rees 2010, 407–408): •• Nutzung von Volumeneffekten: Die zentralisierte Verhandlung über Kredite, die dann ein höheres Volumen aufweisen, kann zu günstigeren Konditionen führen und auch Transaktionskosten sparen, da nur einmal über die Bedingungen verhandelt werden muss. Ein größeres Volumen bedeutet in vielen Fällen eine größere Verhandlungsmacht. Analog können zentral gesammelte Anlagebeträge auf Grund ihres höheren Volumens auch zu besseren Anlagekonditionen führen. •• Erfahrungs- und Professionalisierungseffekte: Die Besetzung der (wenigen) Stellen in der zentralen Finanzabteilung mit hochprofessionellen Finanzmarktexperten, die die Bandbreite der internationalen Finanzierungsinstrumente überblicken und gezielt einsetzen können, führt zu einer höheren Effizienz bei der Ausnutzung von Finanzmarktbedingungen. Die Globalisierung und die starke Ausweitung des Angebots von teilweise komplexen Instrumenten zur Unternehmensfinanzierung erfordern eine hohe Expertise und die konzentrierte Beschäftigung mit diesen Entwicklungen. •• Flexibilität: Eine zentrale Marktbeobachtung macht eine schnelle und flexible Reaktion auf die Änderung von Finanzmarktbedingungen und das Auftreten von Risiken unternehmensweit möglich. So können z. B. erhöhte Länderrisiken sehr schnell in der Disposition anzulegender Mittel berücksichtigt werden. •• Kontrolle: Über die zentrale Finanzabteilung kann die Unternehmensleitung eine effektive Kontrolle über die Verwendung der liquiden Mittel ausüben und zugleich aktuelle Informationen über den Cashbestand und auch über das aktuelle finanzielle Risikoprofil des Unternehmens erlangen. Besonders im Zuge der „Compliance“- Diskussion (vgl. im Detail dazu Abschnitt 3.2.5) kommt dieser zentralen Kontrolle der Finanzströme, z. B. zur Verhinderung von schwarzen Kassen, die in (ausländischen) Tochtergesellschaften gebildet werden könnten, eine wichtige Rolle zu. Diesen positiven Effekten aus einer Zentralisierung stehen Vorteile gegenüber, die mit einer eher dezentralen Struktur einhergehen: •• Lokale Finanzierungsbesonderheiten: Trotz des zunehmenden Zusammenwachsens der internationalen Finanzmärkte bestehen immer noch lokale Spezifitäten insbesondere bezüglich der Finanzierung des laufenden Geschäfts oder der Notwendigkeiten zur Bereithaltung von liquiden Mitteln. Diese Besonderheiten werden in der Zentrale nicht oder nur verspätet wahrgenommen, was die Geschäftstätigkeit der Auslandsgesellschaft erschwert. •• Reaktionsfähigkeit auf lokale Veränderungen: Das lokale Management kann auf Änderungen auf den lokalen Finanzmärkten schnell reagieren. Das Durchlaufen einer „Entscheidungsbürokratie“ in der Zentrale kostet Zeit. Vahlens Lernbücher – Meckl – Internationales Management (3. Auflage) Herstellung: Frau Wesp Änderungsdatum: 31.01.2014 Status: Imprimatur Seite: 252 4 Funktionenbezogenes Internationales Management252 •• Motivation des lokalen Managements: Eine Zentralisierung der Entscheidungen über die erwirtschafteten Finanzmittel beraubt das lokale Management der Kontrolle über die eigenen Finanzmittel, was insbesondere bei Auslandsgesellschaften, die als Profit Center mit Ergebnisverantwortung geführt werden, dem grundlegenden Strukturierungsprinzip widerspricht. Negative Motivationseffekte bis hin zu ineffizienten Ausweichhandlungen, wie das suboptimale zeitliche Verschieben oder das „Verstecken“ von Cash Flows können die Folge sein. Die genannten Vorteile und auch die Möglichkeiten der modernen Kommunikationstechnologie in Bezug auf den täglichen internationalen kostenminimalen Transfer von liquiden Mitteln haben zu einer stärkeren Zentralisierung der Finanzentscheidungen geführt. Der letztendliche Grad der „optimalen“ Zentralisierung hängt dabei nicht zuletzt auch von den Besonderheiten der Rahmenbedingungen der Finanzierung in dem jeweiligen Land ab (vgl. Wall/Minocha/Rees 2010, 408). 4.6.3 Internationales Cash Management Das internationale Cash Management umfasst die Disposition der Kassenbestände auf Gesamtunternehmensebene (vgl. Perlitz 2013, 655). Die liquiden Mittel sollen so allokiert werden, dass die Zahlungsfähigkeit einer jeden Einheit des internationalen Unternehmens sichergestellt ist. Subziele des internationalen Cash Managements bestehen darin, überschüssige liquide Mittel im Unternehmen möglichst gewinnbringend anzulegen bzw. kurzfristige Defizite an liquiden Mittel möglichst kostenminimal zu überwinden. Eine wichtige Voraussetzung für das internationale Cash Management ist die zeitnahe Versorgung der Cash Management-Stelle mit Informationen über die liquiden Mittel und deren Verteilung im internationalen Unternehmen. Die Kenntnis aller Konten des Unternehmens weltweit, die aktuell getätigten Zahlungen bzw. Geldeingänge auf diesen Konten und auch die auf den Konten des Unternehmens in naher Zukunft zu erwartenden Ein- und Ausgänge von liquiden Mitteln sind wichtige Dispositionsinformationen. Ein solches Informationssystem zum Cash-Management muss, und das ist die zweite wesentliche Voraussetzung für ein internationales Cash Management, ergänzt werden durch ein schnelles und kostengünstiges Cash-Transfer-System. Dieses muss es ermöglichen, mindestens arbeitstäglich, evtl. auch öfter, einen internationalen Transfer von Geldbeständen durchzuführen, um die Disposition und Weiterverwendung von liquiden Mitteln an verschiedenen Stellen im internationalen Unternehmen zu ermöglichen. Durch den Online-Transfer von Geld und internetbasierte Überweisungsmöglichkeiten, die auch im internationalen Umfeld eingeführt sind, stellt der Aufbau eines derartigen Transfer-Systems für internationale Unternehmen aus technischer Sicht normalerweise kein Problem dar. Eine im Vergleich zum nationalen Cash Management zusätzliche Schwierigkeit ergibt sich durch Geldbestände, die in verschiedenen Währungen vorliegen. Bei einer Tätigkeit in mehreren Währungszonen dürfte dies regelmäßig der Fall sein. Unterschiedliche Währungen stellen zum einen ein Risiko dar, das sich beim zeitversetzten Umtausch in die heimische Währung ergibt (vgl. im Detail dazu Abschnitt 2.2.3.3). Eine weitere Schwierigkeit, die allerdings zunehmend seltener auftritt, sind Transferbeschränkun- Vahlens Lernbücher – Meckl – Internationales Management (3. Auflage) Herstellung: Frau Wesp Änderungsdatum: 31.01.2014 Status: Imprimatur Seite: 253 4.6 Finanzierung im internationalen Unternehmen 253 gen von Geldmitteln über Landesgrenzen hinweg, die von Regierungen im Rahmen einer Devisenbewirtschaftung vorgenommen werden. Die wichtigsten Aktivitäten im internationalen Cash Management sind das Cash Pooling und das Netting. Das Cash Pooling zeichnet sich dadurch aus, dass alle überschüssigen Mittel von Tochtergesellschaften im In- und Ausland an einer zentralen Stelle im Unternehmen gesammelt werden. Dies erfolgt bei gut ausgebauten Pooling- Systemen arbeitstäglich. Aus dem entstehenden zentralen Bestand werden an diejenigen Gesellschaften, die einen aktuellen Bedarf an liquiden Mitteln haben, kurzfristige Kredite vergeben. Der Zinssatz wird unternehmensintern festgelegt. Bleiben Mittel übrig, werden diese an den internationalen Finanzmärkten angelegt. Ergibt sich ein Defizit, werden die Mittel an diesen Märkten kostenminimal beschafft. Abbildung 4-23 macht den Zusammenhang deutlich. Multilaterales Netting, auch als Clearing bezeichnet, beschreibt eine unternehmensinterne Verrechnung von Forderungen und Verbindlichkeiten zwischen Tochtergesellschaften. Auslandsgesellschaften eines internationalen Unternehmens stehen sehr häufig miteinander in Geschäftsbeziehungen. Zulieferungen von Vorprodukten zur Weiterverarbeitung oder auch von Endprodukten zum Vertrieb auf dem lokalen Markt zwischen den Tochtergesellschaften im In- und Ausland lassen Forderungen und Verbindlichkeiten entstehen. Es spart Transaktionskosten, wenn diese Forderungen und Verbindlichkeiten von einer zentralen Stelle aufgerechnet werden. Letztendlich beglichen wird zwischen den Gesellschaften nur die Nettoposition, die sich als Ergebnis des Nettings ergibt. Insofern kann das multilaterale Netting als der Prozess der Bestimmung der Nettoforderungen- bzw. -verbindlich-keitenposition einer Tochtergesellschaft aus internationalen Transaktionen definiert werden. Das Ergebnis eines solchen Nettings kann anhand des folgenden Beispiels deutlich gemacht werden (vgl. ähnlich z. B. Rugman/Collinson 2012, 506; Hill 2012, 658). Tabelle 4-10 enthält die Forderungen und Verbindlichkeiten mehrerer Auslandsgesellschaften eines internationalen Unternehmens und die sich daraus ergebende Nettoposition. TG 1 in Land A: Cash-Flow > Finanzbedarf Finanzüberschuss TG 2 in Land B: Cash-Flow < Finanzbedarf aufgrund Investitionen Finanzdefizit Mutter- Gesellschaft Cash Pooling Anlage überschüssiger / Aufnahme fehlender Mittel auf internationalen Kapitalmärkten Anlage liquider Mittel Aufnahme liquider Mittel Abb. 4‑23: Internationales Cash Pooling (Quelle: in Anlehnung an Perlitz 2013, 656) Vahlens Lernbücher – Meckl – Internationales Management (3. Auflage) Herstellung: Frau Wesp Änderungsdatum: 31.01.2014 Status: Imprimatur Seite: 254 4 Funktionenbezogenes Internationales Management254 Auslandsgesell schaft Forderungen in Euro Verbindlichkeiten in Euro Nettoposition in Euro USA 300.000 225.000 75.000 Chile 125.000 150.000 – 25.000 Japan 200.000 275.000 – 75.000 Mexiko 225.000 200.000 25.000 Tab. 4‑10: Netto Cash‑Position von Auslandsgesellschaften (Quelle: Rugmann/Collinson 2012, 506) Bei einer Begleichung jeder Forderung und jeder Verbindlichkeit würden sich die in Abbildung 4-24 gezeigten Zahlungsströme ergeben. Durch das „Netting“ werden nur mehr die Nettopositionen beglichen (vgl. Abbildung 4-25). Amerikanische Auslandsgesellschaft Japanische Auslandsgesellschaft Chilenische Auslandsgesellschaft Mexikanische Auslandsgesellschaft 50.000 100.000 50.000 150.000 12 5. 00 0 10 0. 00 0 25 .0 00 50 .0 00 Abb. 4‑24: Multilaterale Zahlungsströme zwischen den Auslandsgesellschaften ohne „Netting“ (Quelle: Rugmann/Collinson 2012, 505) Amerikanische Auslandsgesellschaft Japanische Auslandsgesellschaft Chilenische Auslandsgesellschaft Mexikanische Auslandsgesellschaft 75.000 75.000 Zentrale Finanzabteilung 25.000 25.000 Abb. 4‑25: Zentralisierter „Netting“‑Prozess (Quelle: Rugmann/Collinson 2012, 507) Vahlens Lernbücher – Meckl – Internationales Management (3. Auflage) Herstellung: Frau Wesp Änderungsdatum: 31.01.2014 Status: Imprimatur Seite: 255 4.6 Finanzierung im internationalen Unternehmen 255 Letztendlich durchgeführt wird das Netting von einer zentralen Finanzabteilung, die die Nettopositionen der Auslandsgesellschaften in bestimmten Zeiträumen feststellt und die zentralen Konten der Auslandsgesellschaften belastet oder ihnen gutschreibt. Es ergeben sich mehrere Vorteile aus einem solchen Prozess: •• Sicherstellung eines schnellen Zahlungsausgleichs im Konzern: Die Zentrale kann durch das Netting garantieren, dass jede Auslandsgesellschaft ihren Zahlungsverpflichtungen im Unternehmen schnell nachkommt. Damit wird verhindert, dass mit Auslandsgesellschaften, die sich Zeit lassen mit der Begleichung von Rechnungen, keine internen Geschäfte mehr getätigt werden (vgl. Rugman/ Collinson 2012, 507). •• Kontrolle durch die Zentrale: Durch die Beobachtung der Entwicklung der Forderungen und Verbindlichkeiten hat die zentrale Finanzabteilung jederzeit die Möglichkeit, diejenigen Auslandsgesellschaften zu identifizieren, die Cash anhäufen und auch diejenigen, die Cash verbrauchen. Daraus ergeben sich wichtige Informationen z. B. für die Allokation von Finanzmitteln und generell für die strategische Ausrichtung des Unternehmens. •• Minimierung der Kosten für den Währungsumtausch: Der zentrale Cash Manager kennt die Positionen in einer Währung und kann durch den einmaligen Umtausch einer großen Menge die Kosten senken. •• Minimierung der Transaktionskosten: Durch die zentrale Verrechnung entfallen die Kosten für den internationalen Transfer der Geldmittel zwischen den Auslandsgesellschaften. Auslandsgesellschaften wird durch dieses zentrale Netting allerdings ein wesentlicher Entscheidungsspielraum beim Cash Management genommen. Die Möglichkeit, durch Verzögerung der Zahlung einen Cash-Engpass zu überwinden und keinen Kredit in Anspruch nehmen zu müssen, ist nicht mehr gegeben, weswegen aus Sicht der Auslandsgesellschaften, vor allem derjenigen, die einen starken Netto-Cash-Abfluss haben, dieses System auch Nachteile hat. 4.6.4 Kapitalstrukturpolitik im internationalen Unternehmen Die Kapitalstrukturpolitik beschäftigt sich, vereinfacht ausgedrückt, mit der Bestimmung der optimalen Eigen-/Fremdkapitalrelation eines Unternehmens. Die Kapitalstruktur bezeichnet die Art und Weise der Finanzierung der Geschäftstätigkeit eines Unternehmens (vgl. im Detail dazu z. B. Drukarczyk 2008, 304–319). Eigenkapital wird von den Anteilseignern bereitgestellt. Diese fordern eine risikoadäquate Verzinsung ihres eingesetzten Kapitals über Rückflüsse aus Kurssteigerungen oder in Form von Dividenden. Fremdkapital wird von Finanzierungsgesellschaften, in den meisten Fällen von Banken, geliehen und ist zum festgelegten Zeitpunkt zu tilgen und über die Laufzeit hinweg zu verzinsen. Das Verhältnis von Eigen- zu Fremdkapital gibt die Kapitalstruktur des Unternehmens an. Eine hohe Eigenkapitalquote impliziert geringe Zinszahlungen an die Fremdkapitalgeber. Außerdem sehen Zulieferer und Kunden, dass die Finanzausstattung mit Risiko tragendem Kapital gut ist, was das Vertrauen in ein langfristiges Überleben des Unternehmens stärkt. Allerdings fordern die Anteilseigner auf Grund des von ihnen übernommenen Risikos auch eine im Vergleich zum Fremdkapital höhere Verzinsung. Vahlens Lernbücher – Meckl – Internationales Management (3. Auflage) Herstellung: Frau Wesp Änderungsdatum: 31.01.2014 Status: Imprimatur Seite: 256 4 Funktionenbezogenes Internationales Management256 Eine hohe Fremdkapitalquote, also ein Unternehmen mit einem starken „leverage“, ersetzt teures Eigenkapital durch billigeres Fremdkapital. Allerdings müssen damit relativ hohe Zinszahlungen getätigt werden, und bei hohem Fremdkapitalanteil kann das Vertrauen in das langfristige Überleben des Unternehmens gefährdet sein. Für ein international tätiges Unternehmen ergibt sich eine spezielle Frage hinsichtlich der Kapitalstruktur. Sie lautet: Mit welcher Kapitalstruktur sollen die einzelnen Auslandsgesellschaften ausgestattet werden? Es gibt keine allgemein gültige Antwort auf diese Frage. Vielmehr gibt es neben den allgemeinen Einflussfaktoren auf die Kapitalausstattung (vgl. dazu z. B. Drukarczyk 2008, 304–305) für eine Auslandsgesellschaft eine Reihe individuell zu berücksichtigender Faktoren, die die Entscheidung einzelfallspezifisch machen: •• Politische Stabilität und Rechtssicherheit: Die Ausstattung mit Eigenkapital kann umso größer sein, je größer die Zuverlässigkeit des politischen und rechtlichen Systems im Ausland ist. Die Gefahr, dass das haftende Eigenkapital durch eine Verschlechterung der politischen Rahmenbedingungen verloren geht oder zumindest dem Zugriff des Unternehmens entzogen wird, ist bei einer stabilen Lage gering. Erhöhte Kapitalverkehrsbeschränkungen z. B. könnten den Rücktransfer des Eigenkapitals oder die Verzinsung daraus gefährden. •• Sicherung der Kreditwürdigkeit der Tochtergesellschaft: Geschäftspartner im Ausland legen Wert auf eine gute Ausstattung der Auslandsgesellschaft mit Eigenkapital, da so die Kreditwürdigkeit gesichert ist. Eine Orientierung an den lokal üblichen Eigenkapitalquoten verhindert Wettbewerbsnachteile der Tochter im Ausland. Allerdings kann dieses Problem auch über Bürgschaften oder Patronatserklärungen, bei denen die Mutter für die Verbindlichkeiten der Tochter eintritt, gelöst werden. •• Steuerliche Überlegungen: Je nach Ausgestaltung des Steuersystems des Auslands bzw. des Stammlands können der Transfer und die Verzinsung des Eigenkapitals ins Ausland günstig oder nachteilig sein. •• Erhöhung des Wertbeitrags der Auslandsgesellschaften durch „leverage“: Wie oben erläutert, kann Eigenkapital zumindest bis zu einer gewissen Grenze durch billigeres Fremdkapital ersetzt werden, was insgesamt gesehen zu einer erhöhten Wertschaffung durch die Auslandsgesellschaft führen kann (vgl. zur Wertschöpfung durch eine Auslandsgesellschaft auch Abschnitt 4.7.2). •• Vereinheitlichung der Kapitalstruktur des Konzerns: Die Steuerung und Kontrolle wie auch die Entwicklung von international vergleichbaren Anreiz- und leistungsbezogenen Entgeltsystemen für das Management der Auslandsgesellschaften fällt bei einer einheitlichen Ausstattung der Töchter mit Eigenkapital leichter. Hier ist auch die strategische Rolle der Auslandsgesellschaft im Unternehmen von großer Bedeutung (vgl. dazu Abschnitt 3.5.2). Ist einzelfallspezifisch die Kapitalstruktur festgelegt, so ist die Entscheidung über die Quelle des Eigen- bzw. Fremdkapitals zu treffen. Tabelle 4-11 zeigt die grundsätzlichen Möglichkeiten, aus welchen Quellen eine Auslandsgesellschaft finanziert werden kann. Vahlens Lernbücher – Meckl – Internationales Management (3. Auflage) Herstellung: Frau Wesp Änderungsdatum: 31.01.2014 Status: Imprimatur Seite: 257 4.7 Controlling im internationalen Unternehmen 257 Eigenkapital Fremdkapital 1. von der Muttergesellschaft 1. von der Muttergesellschaft 2. von einem Joint Venture Partner aus dem Land der Muttergesellschaft oder der Auslandsgesellschaft oder über eine lokale Börseneinführung 2. Bankkredit oder Anleihe im Land der Muttergesellschaft oder der Auslands gesellschaft 3. aus einem Drittland, z. B. bei Börsenein führung am Euro Aktienmarkt 3. Bankkredit, Anleihe, Konsortialdarlehen oder Euro Anleihe aus einem Drittland Tab. 4‑11: Finanzierungsquellen ausländischer Tochtergesellschaften (Quelle: Czinkota/Ronkainen/Moffet 2002, 429) Die Finanzierungsentscheidung ist unter Berücksichtigung der Sicherstellung von Einflussmöglichkeiten auf die Auslandsgesellschaft zu treffen. Wird das Fremdkapital von nur einer Bank zur Verfügung gestellt, so kann z. B. über Kreditauflagen die Verfügungsmöglichkeit über die Vermögensgegenstände der Auslandsgesellschaft eingeschränkt sein. Welche Quelle für das Eigen- bzw. Fremdkapital z. B. im In- oder Ausland in Frage kommt muss vor allem unter Kapitalkostengesichtspunkten entschieden werden (vgl. dazu auch Abschnitt 4.6.1). 4.7 Controlling im internationalen Unternehmen 4.7.1 Aufgaben und Besonderheiten des internationalen Controllings Controlling umfasst die Koordination der Planung und der Kontrolle sowie die Informationsversorgung des Führungssystems des Unternehmens (vgl. allgemein zu Controlling z. B. Küpper 2005; Weber/Schäffer 2011; Freidank/Mayer 2003; Hahn/Hungenberg 2001; zur Beschreibung von Controlling aus us- amerikanischer Sicht z. B. Hitt/ Black/Porter 2005, part 5). Die Definition zeigt die Breite der Aufgaben und Inhalte des Controllings in Unternehmen. Eine wichtige grundsätzliche Unterscheidung besteht in der Differenzierung zwischen einem strategischen und einem operativen Controlling (vgl. im Detail dazu z. B. Steinle 2005, Teil D; Horvath 2009, 225). Das strategische Controlling unterstützt die strategische Planung vor allem auf der informatorischen Seite, während das operative Controlling auf eine Steigerung der Effizienz der betrieblichen Abläufe ausgerichtet ist. Für ein Unternehmen, das in mehreren Ländern tätig ist, ergeben sich für das Controlling zusätzliche Aufgaben aus der Integration der Auslandsgesellschaften in das Controllingsystem. Wichtige Aufgaben eines internationalen Controllings sind dementsprechend (vgl. ähnlich Perlitz 2013, 577; Berens/Hoffjan 2003; Blödorn 1998, 305–307; allgemein zu internationalem Controlling z. B. Becker 2005a; für ein Anwendungsbeispiel Morschett/Schramm-Klein/Zentes 2010, Kapitel 20): •• Abstimmung der Finanz- und Wertsteigerungsziele sowie der Leistungsziele und -pläne der Auslandsgesellschaften mit den Zielen und Plänen des Gesamtunternehmens (vgl. Pohle 2002, 1088), 4.7 Controlling im internationalen Unternehmen

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References

Zusammenfassung

Prof. Dr. Reinhard Meckl lehrt Internationales Management an der Universität Bayreuth.

Dieses einführende Lehrbuch vermittelt Ihnen anschaulich die theoretischen Grundlagen und die anwendungsbezogenen Methoden des Internationalen Managements, sodass

Sie aufbauend darauf über grundlegende Kenntnisse zur erfolgreichen Bearbeitung aus­ländischer Märkte verfügen.

Ausgehend von den Bearbeitungsformen für internationale Märkte stellt das Buch die wichtigsten Erklärungsansätze, Führungsmodelle und Managementmethoden sowie die wesentlichen Funktionsfelder eines internationalen Unternehmens dar. Analysen und ­Empfehlungen zum interkulturellen Management komplettieren das internationale Themenfeld. Fragen zur Wiederholung in jedem Kapitel sorgen für einen nachhaltigen Lernerfolg.

Aus dem Inhalt:

– Grundlagen des Internationalen Managements

– Internationale Marktbearbeitungsformen und Theorien des Internationalen

Managements

– Führung von internationalen Unternehmen

– Funktionenbezogenes Internationales Management

– Regionale und kulturelle Dimension im Internationalen Management