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B. Berichterstattungsgegenstände in:

Gerhard Scherrer

Rechnungslegung nach neuem HGB, page 460 - 476

Eine anwendungsorientierte Darstellung mit zahlreichen Beispielen

3. Edition 2011, ISBN print: 978-3-8006-3787-4, ISBN online: 978-3-8006-3917-5, https://doi.org/10.15358/9783800639175_460

Series: Vahlens Handbücher der Wirtschafts- und Sozialwissenschaften

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B. Berichterstattungsgegenstände I. Bericht zu Geschäfts- und Rahmenbedingungen 1. Bericht zur Entwicklung der Gesamtwirtschaft und der Branche Nach h.M. dient der Überblick der Darstellung der gesamtwirtschaftlichen Ent wicklung und der Branchenentwicklung im Lagebericht der Interpretation und Relativierung unternehmens bezogener Angaben. Die Entwicklung einer Kapital gesellschaft (KG, KGaA, GmbH) bzw. einer kapitalistischen Personenhandelsge seIlschaft soll an der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung und an der Branchen entwicklung gemessen werden. Der Lagebericht stellt das Unternehmen, seine Geschäftstätigkeit und seine Rah menbedingungen als Ausgangspunkt für die Analyse des Geschäftsverlaufs und der wirtschaftlichen Lage dar. Unter Geschäftsverlauf versteht man alle Trans aktionen des Ablaufs des Geschäftsjahres. Im Rahmen der Darstellung des Ge schäftsverlaufs soll ein Überblick über die Entwicklung des Unternehmens in dem Geschäftsjahr, über das berichtet wird, gegeben werden. Es ist ein Überblick über den Geschäftsverlauf vor dem Hintergrund der ge samtwirtschaftlichen und branchenspezifischen Rahmenbedingungen zu geben. Hierzu rechnen alle wesentlichen Ereignisse; die für den Geschäftsverlauf eines Unternehmens in dem abgelaufenen Geschäftsjahr ursächlich waren. Die Unternehmensleitung hat zu beurteilen, ob die Geschäftsentwicklung insge samt günstig oder ungünstig verlaufen ist. Dabei sind die Wettbewerbssituation und die Marktstellung der Gesellschaft und ihrer Geschäftsbereiche zu erläutern. Hierzu rechnen vor allem der Marktanteil insgesamt und die Marktanteile der einzelnen Unternehmensbereiche. Nach h.M. sind Abweichungen zwischen tat sächlicher und prognostizierter Entwicklung zu erläutern. Abhängig von den speziellen Gegebenheiten gehen in die Darstellung der Ge schäfts- und Rahmenbedingungen die folgenden Unternehmensbereiche ein: • die Organisation, Leitung und Kontrolle; • die Geschäftsbereiche sowie die inländischen und ausländischen Standorte; • die wichtigsten Produkte und Produkt gruppen; • die Absatzmärkte und die oben angegebenen Marktanteile; und • die rechtlichen, steuerlichen und wirtschaftlichen Einflussfaktoren. Der Vorstand bzw. die Geschäftsleitung eines kapitalmarktorientierten Unter nehmens hat das eingesetzte Steuerungssystem darzustellen und zu erläutern. 426 Zehnter Teil: Lagebericht Dabei sind wesentliche Kennzahlen und Änderungen des Systems anzugeben und zu erläutern. Die Aktivitäten zu Forschung und Entwicklung sind darzustellen und zu erläu tern. Es sollen Einblicke in die globale Ausrichtung der Aktivitäten der F or schungs- und Entwicklung eines Unternehmens sowie deren Veränderungen im Zeitablauf gegeben werden. Dem stehen die Interessen des Unternehmens und der Anteilseigner entgegen. Die Offenlegung der Forschungs- und Entwicklungs aktivitäten kann einem Unternehmen schweren Schaden zurugen und das Wohl der Bundesrepublik Deutschland oder eines oder mehrerer ihrer Länder schädi gen. Eine Berichterstattung im Lagebericht kann danach nur unter Berücksichti gung der Schutzinteressen verlangt werden. Bei der Darstellung der Berichtsgegenstände wird der in der Praxis vorgenom menen Einteilung des Lageberichts in einen gesamtwirtschaftlichen Teil und ei nen Branchenteil sowie in einen breiten funktionsbezogenen Teil gefolgt. 2 . Bericht zu den Unternehmensfunktionen a) Bericht zu Beschaffung, Produktion und Absatz Als darzustellende Unternehmensfunktionen werden rur das typische Produkti onsunternehmen die angeruhrten Berichtsbereiche "Beschaffung", "Produktion" und "Absatz" angeruhrt. Über die Beschaffung ist im Lagebericht einer Gesellschaft zu berichten, wenn sie auf ihren Beschaffungsmärkten Risiken bezüglich der Preis-, Kurs- oder Mengenentwicklung eingeht. Darüber hinaus sind wesentliche Veränderungen der Beschaffungsstruktur, z .B. Änderung der Lieferanten, der regionalen Be schaffungsbereiche und der technischen Beschaffungsabwicklungen, z.B . Lager haltung gegen just in time production, zu erläutern. Von Bedeutung ist die Be richterstattung über die Sicherung von Beschaffungspreisen durch den Abschluss von Devisentermingeschäften, sofern der Lieferant vertragsgemäß in fremder Währung fakturiert. Dies gilt vor allem für Lieferungen aus den USA, den ÖI staaten, Japan und wichtigen Entwicklungsländern. Über die Produktion ist im Lagebericht einer Gesellschaft nicht nur in Bezug auf die Herstellmengen und die maßgeblichen Produktgruppen zu berichten; es sind darüber hinaus Angaben zu den Produktionsverfahren zu machen. Zudem werden Angaben zur Kapazitätsauslastung sowie zu Auswirkungen von Rationa lisierungsmaßnahmen verlangt. Schließlich sollen Angaben zu Änderungen des Produktionsprogramms und zu Investitionen in neue Produkte und Produktions verfahren gemacht werden. Das oben angeführte Dilemma der Information von berechtigten Rechnungsle gungsadressaten und der Sicherung der Interessen des Unternehmens, seiner An teils eigner zur Zurückhaltung wesentlicher Informationen im Produkt- und Ferti gungsbereich tritt hier ebenso auf, wie im Bereich "Forschung und Entwick- Il Berichterstattungsgegenstände 427 lung". Im Schrifttum wird vorgeschlagen, Informationen auf globale Angaben zu reduzieren. Reduzierte Informationen sind aber keine vollständigen Informatio nen und können deshalb irreführend sein. Überzeugende Lösungen hierzu sind bislang nicht vorgelegt worden. Im Lagebericht eines Unternehmens ist über den Umsatz und die Auftragsent wicklung zu berichten und im Zusammenhang mit der Stellung des Unterneh mens im Markt die Umsatz- und Auftragsentwicklung zu erläutern. Für die Um satzentwicklung sollen die wesentlichen Ursachen für Preis- und/oder Mengen veränderungen gegenüber dem Vorjahr angegeben und erläutert werden. Zu kunftsorientiert soll über die Sicherung von Veräußerungspreisen bei in fremder Währung fakturierten Rechnungen durch Devisentermingeschäfte berichtet wer den. Die Darstellung der Auftragsentwicklung soll im Zusammenhang mit der Auslastung der Beschäftigung des Unternehmens in den folgenden Geschäftsjah ren erfolgen. b) Bericht zu Investition und Finanzierung Die Angaben zu Investitionen im Lagebericht einer Kapitalgesellschaft bzw. einer Personenhandelsgesellschaft umfassen schwerpunktartig die im Folgenden angeführten Bereiche: • Investitionen in immaterielle Vermögensgegenstände, z.B . in Konzessionen und gewerbliche Schutzrechte, wie Patente, Warenzeichen, Urheberrechte, ähnliche Rechte, in Lizenzen, Quoten, Kontingente, Syndikatsrechte, und in ähnliche Werte, wie Know-how, ungeschützte Erfindungen oder Kundenkar teien des Unternehmens sowie nach dem BilMoG in Geschäfts- oder Fir menwerte; • Investitionen in Sachanlagen, z.B . in Grundstücke, grundstücksgleiche Rech te und Bauten einschließlich Bauten auf fremdem Grund und Boden, in tech nische Anlagen und Maschinen sowie in andere Anlagen, Betriebs- und Ge schäftsausstattung; • Investitionen in Finanzanlagen, z.B. in Beteiligungen an anderen Unterneh men mit Sitz im Inland und im Ausland, in Anteile an verbundenen Unter nehmen, in joint ventures, in assoziierte Unternehmen und in Wertpapiere des Anlagevermögens. Die Angaben zur Finanzierung im Lagebericht umfassen die Erläuterungen der Finanzlage sowie besondere, durchgeführte und beabsichtigte Finanzierungs maßnahmen. Sie betreffen die im Folgenden angeführten Bereiche: • Eigenfinanzierung in Form der Emission von Aktien und Genussscheinen; • kombinierte Eigen- und Fremdfinanzierung in Form der Emission von Wan delschuldverschreibungen und Options anleihen; • Fremdfinanzierung in Form der Emission von Anleihen und der Aufnahme von langfristigen Bankkrediten. 428 Zehnter Teil: Lagebericht Darüber hinaus sind im Lagebericht die Grundsätze des Finanzmanagements im Sinn der von dem Unternehmen gewählten Strategien zur Absicherung von Wäh rungs-, Zins- und Kursrisiken darzustellen. Zudem ist einzugehen auf Geschäfte mit derivaten Finanzinstrumenten als Trade- und Hedge-Instrumente. c) Bericht zum sozialen Umfeld des Unternehmens Die Berichterstattung über das soziale Umfeld einer Kapitalgesellschaft soll im Lagebericht entsprechend der zunehmenden Ausweitung des Berichts über das soziale Umfeld u.a. Angaben umfassen: • zu den Arbeitnehmern, dem Personalbestand und der Personalstruktur, d.h. u.a. zu der Altersstruktur, der Zusammensetzung aus männlichen Arbeitneh mern und weiblichen Arbeitnehmerinnen sowie aus inländischen und auslän dischen Beschäftigten, der Fluktuation und zum Kündigungsschutz; • zu den Einkommen der Arbeitnehmer mit Angabe der Lohnformen, der Brut tolöhne und Bruttogehälter, der Zuschläge und Zulagen, der sozialen Leis tungen und der sozialen Einrichtungen; • zu den Arbeitszeiten mit Angabe der Länge, der Pausen und Erholungszeiten und den Urlaubszeiten; • zu der Arbeitsgestaltung mit Angabe der Arbeitsorganisation, der Arbeitssi cherheit und der Gesundheit der Arbeitnehmer; • zur Qualifikation der Arbeitnehmer mit Angabe der Qualifikationsstruktur, den internen und externen Bildungsmaßnahmen, der Berufsausbildung und dem Bildungsaufwand des Unternehmens; • zu den aus Sicht des Unternehmens positiven und negativen arbeitnehmerbe zogenen Ereignissen, wie Betriebsvereinbarungen, tariflichen Vereinbarun gen zwischen Unternehmen und Arbeitnehmern oder Streiks . d) Bericht zum Umweltschutz des Unternehmens Einen zunehmend breiteren Bereich in der Lageberichterstattung stellen die An gaben zu den von dem Unternehmen getroffenen Umweltschutzmaßnahmen dar. Für umweltorientierte Unternehmen ist der Umweltschutz Teil des Zielsystems in allen wesentlichen Unternehmensbereichen. Der Umweltschutz wird dabei als Teil einer umweltschonenden Beschaffung von Rohstoffen und Produktion unter Anwendung umweltschonender Fertigungsanlagen gesehen. Umweltschonend sollen darüber hinaus die gewählten Versand- und Frachtarten sein. Die Berichterstattung über die Lage einer Gesellschaft bezüglich des Umwelt schutzes kann u.a. Angaben enthalten: • zum Umweltschutz in der Organisation des Unternehmens mit Festlegung der Umweltaufgaben, mit Benennung von Umweltschutzbeauftragten, der Offenlegung der Kompetenzen und der Verbindungen zu den einzelnen Un ternehmensbereichen; 11 Berichterstattungsgegenstände 429 • zur umweItorientierten Beschaffung und Lagerung von Rohstoffen, Hilfs stoffen und Betriebsstoffen des Unternehmens mit Hinweis auf die Auswahl der Einsatzstoffe nach ihrer Umweltverträglichkeit, den Einsatz möglichst umweltfreundlicher Transportsysteme, die Verkürzung von Transportwegen und die Vermeidung unnötiger Transportverpackungen; • zur umweltorientierten Produktion des Unternehmens mit Hinweis auf die rationelle Verwendung von Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffen, den Einsatz umweltfreundlicher Stoffe und umweltfreundlicher Fertigungsanlagen und Fertigungstechniken; • zur umweltfreundlichen Veräußerung der Produkte des Unternehmens mit Hinweis auf die umweltfreundliche Preisgestaltung von Produkten mit Be günstigung der von dem Unternehmen gelieferten umweltfreundlicher Güter und erbrachter umweltfreundlicher Dienstleistungen sowie umweltfreundli cher Vertragsgestaltungen über Verteilung und Recycling der für Lagerung und den Transport eingesetzten Materialien. 11. Bericht zur wirtschaftlichen Lage des Unternehmens 1. Gesamtaussage zur wirtschaftlichen Lage Unter Darstellung der wirtschaftlichen Lage werden bestehende und künftige Entwicklungen berücksichtigende Ausführungen zur Vermögens-, Finanz- und Ertragslage der Gesellschaft verstanden. Die Darstellung erfolgt nach Empfeh lungen der Theorie. In der praktischen Anwendung beinhaltet die Darstellung vielfach eine zum Teil unübersichtliche Menge von Kennzahlen betreffend die wirtschaftliche Lage der Gesellschaft. Bei der Berichterstattung ist auf Ereignisse und Entwicklungen des abgelaufenen Geschäftsjahres einzugehen, die für den Geschäftsverlauf der Gesellschaft ur sächlich waren. Als geeignete Kennzahlen werden von der h.M. über die bekann ten, typischen Kennzahlen hinaus die Einbeziehung der folgenden Angaben in die Berichterstattung empfohlen: • Umstrukturierungs- und Rationalisierungsmaßnahmen; • Unternehmenskäufe und Unternehmensverkäufe; • Abschluss oder Beendigung von Kooperationsvereinbarungen; • Veränderungen der rechtlichen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen; • Veränderungen der Markt- und Wettbewerbsbedingungen; sowie • besondere Schadensfälle. Die Ereignisse und Entwicklungen sind in ihrer Bedeutung für das Unternehmen zu beurteilen. Über die Angaben zum Jahresabschluss hinaus soll im Lagebericht eine ausführliche Beurteilung der Vermögens-, Finanz- und Ertragslage speziell aus der Sicht der Unternehmens leitung erfolgen. 430 Zehnter Teil: Lagebericht Die Darstellung der Vermögens-, Finanz- und Ertragslage des Unternehmens soll in einer Gesamtaussage zur wirtschaftlichen Lage zum Zeitpunkt der Aufstel lung des Lageberichts zusammengefasst werden. Die Aussage kann damit von der Gesamtaussage über die wirtschaftliche Lage zum Abschlussstichtag, wie sie sich aus dem Jahresabschluss ergibt, in positiver oder negativer Weise abwei chen. Dies ruhrt zur Verpflichtung, aus Zeitunterschieden entstandene Unter schiede in der Vermögens-, Finanz- und Ertragslage der Gesellschaft aufzuzei gen. 2. Bericht zur Vermögenslage des Unternehmens Im Rahmen der Darstellung der Vermögenslage der Gesellschaft sind nicht nur statische Daten zum Jahresabschlussstichtag betreffend die Höhe und Zusam mensetzung des Vermögens darzustellen. Von Bedeutung rur den Adressaten der Rechnungslegung sind Informationen über die dynamische Entwicklung der Vermögenslage. Sie zeigt vor allem die Abweichungen zum Ende des vorherge henden und zum Ende des laufenden Geschäftsjahres auf. Die Erhöhungen oder Minderungen des Vermögens sind zu begründen. Die Begründung hat sich auch auf Wechselkurseinflüsse und deren Auswirkungen auf die Vermögenslage zu erstrecken. Außerbilanzielle Instrumente und deren wesentliche Veränderungen gegenüber dem vorhergehenden Geschäftsjahr sowie die möglichen künftigen Auswirkun gen der bestehenden Verträge sind zu erläutern. Angaben zu geleasten, gepachte ten oder gemieteten Vermögens gegenständen und zu selbst geschaffenen imma teriellen Vermögensgegenständen sind notwendig, wenn sie von Bedeutung rur die wirtschaftliche Lage des Unternehmens sind. Insgesamt rechnen hierzu alle nicht bilanzwirksamen Geschäfte, z.B . Auftragseingänge und Auftragsvergaben, sowie alle wesentlichen anderen schwebenden Geschäfte und Haftungsverhält nisse. Technisch erfolgt die Darstellung der Vermögenslage durch Angabe von Ver mögensstrukturkennzahlen, z.B . durch Darstellung der Anlagenintensität, der Struktur des Vorratsbestandes und ähnlicher Kennzahlen, die als dynamische Zeitvergleichswerte der Entwicklung des Unternehmens zu erläutern sind. In der Praxis werden zur Beurteilung der Vermögens struktur neben unternehmensinter nen Zeitvergleichsdaten auch externe Branchenvergleichswerte herangezogen. In die Vermögens lage im Sinn des Nettovermögens soll auch die Kapitalstruk tur eines Unternehmens eingehen. Sie verlangt traditionelle Angaben zur Eigen und Fremdkapitalquote sowie zur Struktur des Eigenkapitals mit Ermittlung des Umfangs der eigenen Anteilen, der Anteilsquoten rur gezeichnetes Kapital, die Kapitalrücklage und die einzelnen Arten der Gewinnrücklagen sowie zur Struk tur des Fremdkapitals mit Ermittlung der Anteilsquoten rur die einzelnen Posten der Rückstellungen und der Verbindlichkeiten. Die Einbeziehung der Kapital struktur in die Vermögenslage ist nur dann systematisch korrekt, wenn die Ver mögenslage des Unternehmens als Nettovermögenslage unter Einbeziehung von Vermögen und Kapital definiert wird. Il Berichterstattungsgegenstände 43 1 3. Bericht zur Finan�lage des Unternehmens Bei der Darstellung der Finanzlage sind die Grundsätze und Ziele des Finanzma nagements des Unternehmens den Rechnungslegungsadressaten zu verdeutli chen. Zudem ist ein Gesamtbild der finanziellen und liquiditätsmäßigen Verhält nisse des Unternehmens zu vermitteln. Die oben skizzierte Kapitalstruktur einer Kapitelgesellschaft soll anhand inter ner und externer Finanzierungsquellen dargestellt und erläutert werden. Dazu rechnen Angaben zur Art, zur Fälligkeits-, zur Währungs- und Zins struktur sowie zu anderen Konditionen der Verbindlichkeiten. Es soll auch auf Beschränkungen, die die Verfügbarkeit der Gesellschaft von Finanzmitteln beeinträchtigen können, eingegangen werden. Wesentliche externe, eigen- und fremdkapitalbezogene Finanzierungsmaß nahmen der Gesellschaft im abgelaufenen Geschäftsjahr, z.B . die Emission von Aktien oder von Anleihen und Finanzierungsvorhaben sind, ebenso wie Auswir kungen des Zinsniveaus, zu erläutern. Dies gilt auch fur Finanzierungsmaßnah men in Form von Forderungsverkäufen im Rahmen von Asset-Back-Securities Transactions oder von Verkäufen von Sachanlagen in der Form von Sale-and Lease-Back-Transactions. Im Rahmen der Darstellung der Finanzlage soll eine Investitionsanalyse durch gefuhrt werden. Dabei seien abgeschlossene Investitionsvorhaben sowie Einflüs se auf begonnene Investitionsvorhaben darzustellen. Umfang und Hauptzweck der im abgelaufenen Geschäftsjahr getätigten Investitionen in immaterielle Ver mögensgegenstände und in Sachanlagen sind anzugeben. Die Entwicklung der Liquidität der Gesellschaft im abgelaufenen Geschäftsjahr und deren Einflussfaktoren sollen erläutert werden. Ebenso seien Ursachen we sentlicher Veränderungen der Mittelherkunft und Mittelverwendung offenzule gen. Zu erläutern seien darüber hinaus die wesentlichen internen und externen Liquiditätsquellen. Bei diesen Vorgaben bleibt offen, welche Bedeutung der Li quidität einer Gesellschaft im abgelaufenen Geschäftsjahr zukommt. Bei der Dar stellung der Berichtspflichten wird nicht ausreichend deutlich, dass Liquidität eine primär zukunftorientierte Größe darstellt. Vergangenheitsliquiditäten besa gen, dass das Unternehmen in der Vergangenheit in der Lage war, seine Zah lungsverpflichtungen gegenüber der Gläubigern, den Arbeitnehmern, dem Fis kus, den Sozialversicherungen und anderen Berechtigten zu erfullen. Die vergan genheitsbezogene Betrachtung sagt aber wenig über die zukünftige Liquidität einer Gesellschaft aus, wie dies in der Finanzkrise der Jahre 2008 und 2009 deut lich zum Ausdruck gekommen ist. Im Mittelpunkt der Berichterstattung über die Finanzlage i .S . der Liquidität einer Gesellschaft stehen Ausfuhrungen zum Grad der Liquidität als der Fähigkeit zur Erfullung ihrer zukünftigen Zahlungsverpflichtungen gegenüber den An spruchsberechtigten. Im Lagebericht ist festzustellen, ob die Gesellschaft ohne Einschränkung in der Lage sein wird, in absehbarer Zukunft sämtliche Zahlungs verpflichtungen uneingeschränkt zu erfullen. 432 Zehnter Teil: Lagebericht Nach h.M. sind eingetretene oder aufgrund der Geschäftsentwicklung erwartete Liquiditätsengpässe und die Maßnahmen zu ihrer Behebung im Lagebericht darzustellen. Der Forderung wird hier in keinem Fall entsprochen. Zum einen kann man der Logik der verlangten Berichterstattungspflicht nicht folgen. Hat ein Unternehmen für die Behebung erwarteter Liquiditätsengpässe in zukünftigen Geschäftsjahren Maßnahmen zu deren Behebung ergriffen, liegen keine Liquidi tätsengpässe vor, über die berichtet werden muss. Zum anderen verkennt die Ver pflichtung eines Unternehmens zur Berichterstattung über mögliche Liquiditäts engpässe und Behebungsmaßnahmen, die negativen Wirkungen auf eine mögli che Insolvenz dieses Unternehmens. Es gilt die Erfahrungsregel der "self fulfilling prophecy" als eine suggestiv wirkende Voraussage "das Unternehmen wird insolvent, nicht weil es nicht überleben könnte, sondern weil aufgrund der negativen Lageberichterstattung die Geschäftspartner denken, es wird insolvent und sich in den Geschäftsbeziehungen entsprechend verhalten mit der Folge, dass es tatsächlich insolvent wird". 4. Bericht zur Ertragslage des Unternehmens Im Lagebericht ist die Entwicklung des Ergebnisses einer Gesellschaft darzustel len und anhand der Ergebnisstruktur nach operativem, Finanz- und sonstigem Ergebnis sowie nach ihren wesentlichen Quellen zu erläutern. Wesentliche Ver änderungen gegenüber dem vorhergehenden Geschäftsjahr sind anzugeben. Es sollen die zugrunde liegenden Trends aufgezeigt und die ungewöhnlichen oder einmaligen Ereignisse sowie alle wesentlichen ökonomischen Veränderungen, die nachhaltig die Ertragslage beeinflussen, dargestellt werden. Falls Veränderungen der Ertragslage auf mehrere ertragswirksame Faktoren zu rückzuführen sind, sollen die Faktoren nach ihrer Bedeutung aufgezeigt werden für: • Rohstoffmangel und Verschlechterung der Zulieferungsbedingungen; • Mangel an Fachkräften, • Abhängigkeit von bestimmten Zulieferern oder Kunden; • Produkthaftung; • Umweltschutzaufwendungen und Umwelthaftung; • Einschränkung von Beschaffung und Absatz; oder • starke Wechselkursschwankungen. Wesentliche Veränderungen in der Struktur der Aufwendungen und Erträge sind zu erläutern, ebenso Auswirkungen von Inflations- und Wechselkurseinflüs sen auf die Entwicklung einzelner Posten der Gewinn- und Verlustrechnung. Zu den Veränderungen in der Struktur der einzelnen Aufwendungen und Erträge werden die folgenden Angaben als möglicherweise wirksam eingestuft als Roh stoff- und Energiekosten, Personalkosten, Kapazitätsauslastung, Inbetriebnahme oder Stilllegung von Produktionsanlagen oder Preise auf Absatzmärkten. 11 Berichterstattungsgegenstände 111. Nachtragsbericht zu dem Unternehmen 1 . Bericht zu Vorgängen von besonderer Bedeutung nach Schluss des Geschäftsjahres 433 Berichtspflichtig sind Vorgänge, die Auswirkungen auf die Vermögens-, Finanz oder Ertragslage der berichtenden Gesellschaft haben können. Besondere Bedeu tung haben Vorgänge, die die Beurteilung des Jahresabschlusses durch externe Rechnungslegungsadressaten erheblich beeinflussen können. Die Berichtspflicht umfasst Vorgänge, die erst nach Schluss des Geschäftsjahres eingetreten aber dem abgelaufenen Geschäftsjahr zuzurechnen sind, aber auch solche Vorgänge, die noch nicht abgeschlossene Entwicklungen darstellen. Hier zu werden im Allgemeinen gerechnet: • Veränderungen der Rahmenbedingungen fur die Geschäftstätigkeit eines Un ternehmens; • Veränderungen der Einkaufs- und Verkaufspreise; • Veränderungen des Anlagevermögens, z.B . durch Erwerb oder Veräußerung von Grundstücken, Gebäuden, technischen Anlagen, Beteiligungen; und • Störungen im Betriebsablauf, z.B. durch Störungen in der Rohstoff- und Teilebelieferung oder durch Streiks. Die verlangten Angaben lassen sich vielfach nicht eindeutig quantifizieren. An die Stelle von betragsmäßigen Angaben treten dann verbale Erläuterungen der im folgenden Geschäftsjahr eingetretenen Vorgänge. 2. Angabe zur Wirkung der Vorgänge für das Unternehmen Im Nachtragsbericht sind Vorgänge anzugeben, die, wenn sie vor Ablauf des Ge schäftsjahres stattgefunden hätten, eine andere Darstellung des Geschäftsverlaufs und der Lage der Gesellschaft bewirkt, d.h. , zu einer anderen Darstellung der Vermögens-, Finanz- und Ertragslage der Gesellschaft gefuhrt hätten. Die Berichterstattungspflicht umfasst auch nicht abgeschlossene Entwicklungen und Einflüsse, die eine abweichende Darstellung der Vermögens-, Finanz- und Ertragslage eines Unternehmens nach sich ziehen können. IV. Risikobericht zu dem Unternehmen 1. Berichtsgrundsätze zum Risiko des Unternehmens Es ist über Risiken zu berichten, deren Offenlegung im Lagebericht die Entschei dungen externer Adressaten beeinflussen können. Dies betrifft in erster Linie fi nanzielle Entscheidungen der Kapitalmarktteilnehmer. Solche Risiken liegen u.a. vor, wenn die Gefahr einer Verschlechterung der Vermögens-, F inanz- oder Er- 434 Zehnter Teil: Lagebericht tragslage besteht oder wenn Hinweise auf eine Bestandsgefährdung der Gesell schaft vorliegen. Ist über Risiken zu berichten, bedarf es einer exakten Umschreibung des der Be richterstattung zugrunde zu legenden Risikobegriffs. Der von den Standardsettern DSR und IDW definierte Risikobegriff ist nicht ausreichend präzise: • Der DSR 5 definiert "Risiko" als Möglichkeit von negativen künftigen Ent wicklungen der wirtschaftlichen Lage eines Unternehmens und "Chance" als Möglichkeit von positiven künftigen Entwicklungen der wirtschaftlichen La ge des Unternehmens (in beiden Fällen eingekränzt lediglich rur die Zuord nung zu Konzernen); • Nach IDW ist "Risiko" die Möglichkeit ungünstiger künftiger Entwicklun gen, die mit einer erheblichen, wenn auch nicht notwendigerweise überwie genden, Wahrscheinlichkeit erwartet werden. Unklar ist vor allem, was unter negativen bzw. ungünstigen · Entwicklungen verstanden werden soll. Ist damit z.B . das mögliche Entstehen von Verlusten gemeint, oder liegt eine negative bzw. ungünstige Entwicklung auch vor, wenn die Möglichkeit besteht, dass ein im vorhergehenden Geschäftsjahr erzieltes bes tes Ergebnis der Firmengeschichte im folgenden Geschäftsjahr U.U. nicht erreicht wird. Die Auslegungen deuten daraufhin, dass der Begriff "Risiko" überwiegend als Verlusterzielung oder Verschlechterung der Liquidität des Unternehmens aus gelegt werden soll. Damit würde die Möglichkeit des Abbrechens eines positiven Trends nicht unter den Begriff des Risikos subsumiert. Schwerpunkt der Berichterstattung sollen die mit der Geschäftstätigkeit eines Unternehmens verbundenen Risiken bilden. Hervorzuheben sind Risikobünde lungen oder Risikokonzentrationen auf einzelne Produkte und Produktgruppen, Produktionsverfahren, Produktionsstandorte, Absatzregionen, Abnehmer oder Lieferanten. Die Risiken sollen zu Risikokategorien zusammengefasst werden. Dabei soll sich die Gesellschaft an der rur Zwecke des Risikomanagements intern vorgege benen Risikogliederung orientieren, z.B . an den Kategorien: • Branchenrisiken; • unternehmensstrategische Risiken; • leistungswirtschaftliche Risiken; • finanzwirtschaftliche Risiken. Bei der Beurteilung der Risiken sollen deren Eintrittswahrscheinlichkeiten und betrags mäßige Auswirkungen berücksichtigt werden. Wie das Verfahren im Einzelnen durchzuruhren soll, wird vielfach im Einzelnen nicht näher dargestellt. Dabei sind Risiken zu quantifizieren, wenn es nach anerkannten Methoden mög lich ist und die quantitative Angabe eine entscheidungsrelevante Information rur die Rechnungslegungsadressaten des Lageberichts darstellt. Bei einer Quantifi zierung sollen die verwendeten Modelle und deren Annahmen im Lagebericht erläutert werden. 11 Berichterstattungsgegenstände 435 Wie die Erläuterung der anzuwendenden, u.U. theoretisch anspruchsvollen Schätz- und Testverfahren erfolgen soll, und wie die aufwendigen Annahmen der Modelle dem externen Rechnungslegungsadressaten vermittelt werden sollen, ist nicht geklärt und nicht zuletzt wegen der Komplexität der Materie im Allgemei nen nicht Gegenstand des Lageberichts in der Praxis. Soweit ein Risiko des Unternehmens durch Maßnahmen teilweise kompensiert wird, beschränkt sich die entsprechende Lageberichterstattung auf das verblei bende Restrisiko. Tatsächlich handelt es sich bei einem kompensierten Risiko nicht mehr um ein Risiko, d.h. , es gibt kein verbleibendes Restrisiko, sondern ein geringeres Risiko. Die Interdependenzen zwischen unterschiedlichen Risiken sollen im Lagebe richt dargestellt werden. Die Darstellung ist Pflicht, wenn ohne die Darstellung der Beziehungen zwischen Risiken und Chancen von der Geschäftsleitung des Unternehmens nicht zutreffend geschätzt werden können. Zur besseren Schät zung von Risiken soll daher auch über Chancen berichtet werden. Was darunter im Einzelnen zu verstehen ist bleibt unklar, da eine Definition des Begriffs "Chance" fehlt. Aus Gründen der Klarheit soll, ohne dass dies im Gesetz explizit vorgeschrieben ist die Risikoberichterstattung in einer geschlossenen Darstellung erfolgen. Ver weise auf Informationen des Jahresabschlusses oder anderer Teile des Lagebe richts werden als zulässig angesehen, wenn dadurch die Transparenz der Risiko berichterstattung nicht beeinträchtigt wird. Die Risikoberichterstattung bezieht sich, ebenso wie andere statische Angaben, nicht auf den Abschlussstichtag, sondern auf die Lage der Gesellschaft zum ab schließenden Zeitpunkt der Aufstellung des Lageberichts. 2. Besondere Berichtsgegenstände Hervorgehobene Risiken betreffen die Verschlechterung der ökonomischen Situ ation der Gesellschaft. Sie werden gegliedert in Risiken mit wesentlichem Ein fluss auf die Vermögens-, Finanz- und Ertragslage und in bestandsgefährdende Risiken. a) Bericht über Risiken mit wesentlichem Einfluss auf die wirtschaftliche Lage des Unternehmens Im Lagebericht ist über Risiken zu berichten, die zwar nicht den Fortbestand des Unternehmens gefährden, aber sich im wesentlichen Umfang nachteilig auf den Geschäftsverlauf und/oder die Vermögens-, Finanz- und Ertragslage auswirken und somit die Entwicklung der Gesellschaft beeinträchtigen können. Berichts pflichtig sind alle Risiken. Sie betreffen nach Auffassung im Schrifttum: • externe Faktoren, z.B . die Entwicklung der Branche, den politischen, recht lichen oder gesellschaftlichen Rahmen; und 436 Zehnter Teil: Lagebericht • betriebliche Funktionsbereiche, z.B . die Bereiche Forschung und Entwick lung, Beschaffung und Produktion, Absatz, Personal und Investition und Fi nanzierung. Im Lagebericht soll dargestellt werden, wie die wesentlichen Risiken sich auf die Vermögens-, Finanz- und Ertragslage des Unternehmens voraussichtlich auswirken. Als Bezugszeitraum sollen im Fall der Abschätzung der Risiken die zwei Folgejahre, gerechnet von dem Abschlussstichtag des abgelaufenen Ge schäftsjahres zugrunde gelegt werden. Die Festlegung auf den vorgegebenen Be zugszeitraum ist beim Blick auf die gefährdende Lage des Unternehmens mit zwei Folgejahren zu groß. Bei Gefahr des Unternehmens zur Liquidation oder Insolvenz, d.h. bei erwarteter Auflösung des Unternehmens ist in der Berichter stattung die aktuelle ökonomische Situation mit Planungsdaten unter der Annah me der Auflösung des Unternehmens darzustellen. Bei gesichertem Fortbestand ist die Fortbestandsprämisse im Lagebericht nicht besonders anzugeben, d.h., das gesicherte Unternehmen muss nicht erklären, dass sein Fortbestand gesichert ist. Allerdings muss sich indirekt aus der Darstellung des Geschäftsverlaufs und der Vermögens-, Finanz- und Ertragslage des Unter nehmens ergeben, dass die gesetzlichen Vertreter den Fortbestand uneinge schränkt annehmen. Grundsätzlich muss unter dem Gesichtspunkt der Going Concern Prämisse zu jedem Abschlussstichtag eine Einschätzung der Existenzfahigkeit des Unter nehmens Gesellschaft vorgenommen werden. Ob diese Einschätzung implizit oder explizit in der Lageberichterstattung zum Ausdruck kommt, ist abhängig davon, ob der Fortbestand des Unternehmens angenommen wird oder von ihm nicht mehr ausgegangen werden kann. b) Bericht über bestandsgefahrdende Risiken des Unternehmens Kann von dem Fortbestand nicht ausgegangen werden, oder liegen Anhalts punkte vor, nach denen der Fortbestand bedroht ist, muss dies in der Lagebe richterstattung explizit dargestellt werden. Es sind die bestandsgefährdende Risi ken i .S . der Nennung der Gründe für die Gefährdung des Fortbestands anzufüh ren. Werden nach Auffassung der gesetzlichen Vertreter die Risiken als nicht bestandsgefährdend eingeschätzt, soll im Lagebericht durch abwägende Bericht erstattung auf bestehende Gefährdungen hingewiesen werden. Die zukunftsbezogene Einschätzung der Existenzgefahrdung des Unternehmens kann in aller Regel wegen der Prognoseunsicherheit nur für einen vergleichswei se kurzen Zeitbereich abgegeben werden. Als Bezugszeitraum, der vom Gesetz geber nicht vorgegeben ist, wird der Zeitbereich von einem Geschäftsjahr zugrunde gelegt. Liegen dem Unternehmen fundierte Anhaltspunkte dafür vor, dass der Fortbestand der Gesellschaft nicht innerhalb dieses Bezugszeitraums, jedoch zu einem späteren Zeitraum gefährdet ist, d.h. es bestehen keine kurzfris tigen aber langfristige Probleme der Existenzgefährdung, z.B . durch Ablauf be deutender Schutzrechte und Lizenzen, soll hierüber berichtet werden. 11. Berichterstattungsgegenstände v. Prognosebericht bezüglich des Unternehmens 437 Gegenstand der Berichterstattung über die voraussichtliche Entwicklung des Un ternehmens sind Sachverhalte, die rur die Darstellung des Geschäftsverlaufs ei nes Unternehmens in den auf das abgelaufene Geschäftsjahr folgenden Ge schäftsjahren und rur die zukünftige Vermögens-, Finanz- und Ertragslage Lage von Bedeutung sind. Angaben zur voraussichtlichen Entwicklung der Gesellschaft sind Prognosen. Wegen der Prognoseunsicherheit, die bereits rur einen kürzeren Betrachtungs zeitraum besteht, und mit Erweiterung des Betrachtungszeitraums zunehmend größer wird, ist an Stelle von einwertigen Zahlenangaben, die sich in der Regel als fehlerhaft erweisen, als mögliche Lösungen abzustellen auf: • verbale Erläuterungen der prognostizierten Sachverhalte; oder • Angabe von Bandbreiten (Konfidenzintervallen) ermittelter Prognosedaten. Im Rahmen der Lageberichterstattung sind gleichzeitig Angaben zu machen über die der Prognose zugrunde liegenden Annahmen, die angewandte Schätzungsme thode und den zugrunde gelegten Betrachtungszeitraum. Soweit möglich, muss die Prognoseerstellung auf nachvollziebaren Erwartungs daten der Geschäftsruhrung, z.B. auf erwarteten Beschaffungs- und Absatzprei sen, auf geschätzten Lohnerhöhungen und die Schätzung der in Betracht kom menden Steuern, beruhen. Bei mehrwertigen Schätzungen gilt entgegen dem Bewertungsgrundsatz der Vor sicht des § 252 Abs . 1 Nr. 4 HGB das Prinzip der Wertneutralität. Werden z.B. die Umsatzerlöse rur das folgende Geschäftsjahr mit einer (subjektiven) Wahr scheinlichkeit von 1 0 % auf 30 Mill. €, einer Wahrscheinlichkeit von 70 % auf 35 Mill. € und mit einer Wahrscheinlichkeit von 20 % auf 40 Mill. € geschätzt, ist als Prognosewert nicht der vorsichtige Prognosewert von 30 Mill . €, sondern der Erwartungswert von 35 ,5 Mill. € anzugeben. Bei der Festlegung des Prognosezeitraumes ist abzuwägen zwischen: • einem kurzen Prognosezeitraumes mit größerer Genauigkeit der Prognose; und • der Zugrundelegung eines langen Prognosezeitraumes, bei eher größerer Ungenauigkeit der Prognose. Im Interesse einer größeren Reichweite der Prognose der relevanten Daten eines Unternehmens sind Ungenauigkeiten der Schätzung in Kauf genommen. Nach Auffassung im Schrifttum soll der Prognosezeitraum bei Einschätzung der Risiken mit wesentlichem Einfluss auf die Vermögens-, Finanz- und Ertragslage eines Unternehmens mindestens zwei Jahre umfassen. Die sich bei einer breiten Ausweitung des Prognosezeitraumes ruhrt erfahrungsgemäß zu einem ungenaue ren Ergebnis der Schätzung. Die sich daraus ergebende Wirkung auf die Genau igkeit der Schätzung wird bei der Vorgabe der Prognosedaten weder anzuspre chen noch in das jeweilige Prognosemodell einbezogen. 438 Zehnter Teil: Lagebericht VI. Spezielle unternehmensbezogene Berichtsteile 1. Bericht zum Bereich Forschung und Entwicklung In dem Berichtsgegenstand nach § 289 Abs. 2 Nr. 3 HOB ist entsprechend der Neuregelung der Bilanzierung von Entwicklungsaufwendungen durch das Bil MoG nach der von der h.M. vertretenen Auffassung zwischen Forschung und Entwicklung zu unterscheiden: • Unter Forschung versteht man Aktivitäten zur Gewinnung neuer wissen schaftliche oder technische Erkenntnisse; • unter Entwicklung versteht man Anwendungen und Verwertungen von Er kenntnissen zur Entwicklung neuer Techniken i .S . von Werkstoffen, Produk ten und Fertigungsverfahren. Berichtspflichtig jm Rahmen der Lageberichterstattung sind Forschung und Ent wicklung nur, soweit sie eigene Zwecke des Unternehmens betreffen. Dies gilt auch rur die auftragsbezogene Forschung und Entwicklung fur außen stehende Informationsberechtigte. Die Erläuterungen zum Bereich "Forschung und Entwicklung" rur eigene Zwe cke sollen den Adressaten des Lageberichts einen Eindruck von der Ausrichtung der Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten vermitteln. Angaben zu konkreten Forschungs- und Entwicklungsergebnissen sowie betragsmäßige Aufgliederun gen nach Forschungsprojekten müssen bei daraus rur das Unternehmen erwarte ten Nachteilen nicht gemacht werden. Entsprechend wird in der Praxis nicht über die laufende Forschung und Entwicklung des Unternehmens, sondern über die von ihm bereits abgeschlossenen und patentierten Forschungs- und Entwick lungsproj ekte berichtet. Bei Vorliegen der Umstände des § 286 Abs. 1 HGB ist eine Berichterstattung ohnedies im Interesse der Bundesrepublik oder eines ihrer Länder unzulässig. Die Schutzklausel des Staatsinteresses ist weiterhin darauf gerichtet, dass es den zuständigen Organen verboten ist, den Tatbestand der Nichtberichterstattung zu offenbaren. Auf das Dilemma der rur die Entscheidung der Anteilseigner und potentieller Erwerber notwendigen informativen Berichterstattung und der daraus u.U. ent stehenden Schäden rur das Unternehmen einerseits und der Sicherung des Unter nehmens gegenüber den Konkurrenten durch Verzicht auf informative Berichter stattung über den Stand der Forschung und Entwicklung wurde bereits oben hin gewiesen. Die Folge in der Praxis ist i .d.R. eine Lageberichterstattung einge schränkt auf bereits allgemein bekannte Forschungs- und Entwicklungsprojekte des berichtenden Unternehmens. 2. Bericht zum Bereich Zweigniederlassungen In Umsetzung der sog. Zweigniederlassungsrichtlinie ist § 289 Abs. 2 HGB um Nr. 4 ergänzt worden. Danach sollen im Lagebericht der Gesellschaft auch beste hende Zweigniederlassungen aufgefiihrt werden. 11. Berichterstattungsgegenstände 439 Unter Zweigniederlassung versteht man eine dauerhafte, räumlich von der Haupt niederlassung eines Unternehmens getrennte Einrichtung, die ohne rechtliche Selbständigkeit mit personeller und organisatorischer Eigenständigkeit am Ge schäftsverkehr teilnimmt. Im Allgemeinen reicht es aus, die wesentlichen Orte der in- und ausländischen Zweigniederlassungen aufzufiihren. Es sollen von der Hauptniederlassung ab weichende Firmenbezeichnungen aufgezeigt und wesentliche Veränderungen des Bestandes an Zweigniederlassungen gegenüber dem vorhergehenden Geschäfts jahr erläutert werden. Die Angabe des Geschäftsgegenstandes wird nicht gefor dert. Ein besonderer Zweck der rein formalen Angabe der Zweigniederlassungen eines Unternehmens fiir die Entscheidung des Rechnungslegungsadressaten ist nicht erkennbar. 3. Bericht zum Bereich Vergütungssystem des Unternehmens Mit dem Vorstandsvergütungs-Offenlegungsgesetz i st u.a. § 289 Abs. 2 Nr. 5 HGB eingefiigt worden. Er schreibt vor, dass bei einer börsennotierten Aktienge sellschaft der Lagebericht auch eingehen soll auf die Grundzüge des Vergütungs systems des Unternehmens fiir die in § 285 Satz 1 Nr. 9 HGB genannten Ge samtbezüge des Vorstandes und anderer Berechtigter. Werden im Anhang Anga ben entsprechend § 285 Satz 1 Nr. 9a) Satz 5 bis 9 HGB gemacht, können zur Vermeidung einer zweimaligen Darstellung der gleichen Angaben zum Vergü tungssystem des Vorstandes, die im Lagebericht zu machenden Angaben unter bleiben. VII. Besondere Berichterstattung betreffend die kapitalmarktorientierte AG u nd KGaA Mit dem Übemahmerichtlinie-Umsetzungsgesetz vom 8.7.2006 ist ein Abs. 4 in § 289 HGB eingefiigt worden, der Aktiengesellschaften und Kommanditgesell schaften, die einen organisierten Markt i .S . des § 2 Abs. 7 des WpHG durch von ihnen ausgegebene stimmberechtigte Aktien in Anspruch nehmen, verpflichtet, nicht im Anhang, sondern im Lagebericht die im Folgenden angeführten Sach verhalte anzugeben: • die Zusammensetzung des gezeichneten Kapitals ; bei verschiedenen Aktien gattungen sind tUr jede Gattung die damit verbundenen Rechte und Pflichten und der Anteil am Gesellschaftskapital anzugeben; • Beschränkungen, die Stimmrechte oder die Übertragung von Aktien betref fen, auch wenn sie sich aus Vereinbarungen zwischen Gesellschaftern erge ben können, soweit sie dem Vorstand der Gesellschaft bekannt sind; • direkte oder indirekte Beteiligungen am Kapital, die 1 0 % der Stimmrechte überschreiten; 440 Zehnter Teil: Lagebericht • die Inhaber von Aktien mit Sonderrechten, die Kontrollbefugnisse verleihen; die Sonderrechte sind zu beschreiben; • die Art der Stimmrechtskontrolle, wenn Arbeitnehmer am Kapital beteiligt sind und ihre Kontrollrechte nicht unmittelbar ausüben; • die gesetzlichen Vorschriften und Bestimmungen der Satzung über die Er nennung und Abberufung der Mitglieder des Vorstands und über die Ände rung der Satzung; • die Befugnisse des Vorstands insbesondere hinsichtlich der Möglichkeit, Ak tien auszugeben oder zurückzukaufen; • wesentliche Vereinbarungen des Unternehmens, die unter der Bedingung eines Kontrollwechsels infolge eines Übernahmeangebotes stehen, und die hieraus folgenden Wirkungen; ergänzend gilt, dass die Angabe unterbleiben kann, soweit sie geeignet ist, dem Unternehmen erheblichen Nachteil zuzu fugen; die Angabepflicht nach anderen gesetzlichen Vorschriften bleibt un berührt; und • Entschädigungsvereinbarungen der Gesellschaft, die fur den Fall eines Über nahmeangebots mit den Mitgliedern des Vorstands oder den Arbeitnehmern getroffen sind. Die Verpflichtung zur Aufnahme der Angaben fur kapitalmarktorientierte Akti engesellschaften und Kommanditgesellschaften auf Aktien in den Lagebericht ist ungewöhnlich und entspricht nicht der Funktion des Lageberichts als primäres Instrument der Bilanzanalyse des Unternehmens fur das abgelaufene Geschäfts jahr. Wie bereits oben angesprochen, wäre aus dieser Sicht eine Angabe der an gefuhrten Daten im Anhang zu präferieren. Entsprechendes gilt fur die Angabe pflichten im Lagebericht zu den Zweigniederlassungen nach § 289 Abs. 2 Nr. 4 HGB und zu den Grundzügen des Vergütungssystems der Gesellschaft nach § 289 Abs. 2 Nr. 5 HGB. VIII. Bericht zur Führung des Unternehmens Mit dem BilMoG ist § 289a in den Sechsten Titel des Ersten Unterabschnitts "Jahresabschluss der Kapitalgesellschaft und Lagebericht" des HGB eingerugt worden. Nach § 289a Abs . 1 HGB betrifft die Erklärung börsennotierte Aktiengesell schaften sowie Aktiengesellschaften, die ausschließlich andere Wertpapiere als Aktien zum Handel an einem organisierten Markt LS . des § 2 Abs . 5 WpHG aus gegeben haben und deren Aktien mit Wissen des Unternehmens über ein multila terales Handelssystem LS . § 2 Abs. 3 Satz 1 Nr. 8 WpHG gehandelt werden, ha ben eine Erklärung zur Untemehmensfuhrung in einem gesonderten Abschnitt in den Lagebericht des Unternehmens aufzunehmen. Die Erklärung kann auch auf der Internetseite der Gesellschaft öffentlich zugänglich gemacht werden. In die sem Fall ist in den Lagebericht eine Bezugnahme aufzunehmen, die die Angabe der Internetseite enthält. Il Berichterstattungsgegenstände Nach § 289a Abs . 2 HGB sind in die Erklärung aufzunehmen : • Die Erklärung zum Corporate Governance Kodex nach § 1 6 1 AktG; 441 • relevante Angaben zu Praktiken der Unternehmensfiihrung, die über die ge setzlichen Anforderungen hinaus angewandt werden, nebst Hinweis, wo sie öffentlich zugänglich sind; und • eine Beschreibung der Arbeitsweise von Vorstand und Aufsichtsrat sowie der Zusammensetzung und Arbeitsweise von deren Ausschüssen.

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Zusammenfassung

Dieses Werk ist als Lehrbuch und Nachschlagewerk konzipiert. Es beinhaltet eine umfassende und problembezogene Darstellung der Konzernrechnungslegung. Hierzu werden die Ausführungen durch eine Vielzahl von Beispielen vor allem im Bereich der Konsolidierung mit vorgeschlagenen Lösungen ergänzt. Die Interpretationen der Vorschriften des HGB zur Konzernrechnungslegung werden durch die Aufnahme der Regelungen der einschlägigen internationalen Standards ergänzt.

Aus dem Inhalt:

- Grundsätze der Konzernrechnungslegung nach HGB

- Ansatz und Bewertung von Bilanzposten

- Voll- und Quotenkonsolidierung

- Equity-Bewertung assoziierter Unternehmen

- Konzern-Kapitalflussrechnung und Konzern-Segmentberichterstattung

- Konzern-Eigenkapitalspiegel

- Konzernanhang und Konzernanlagebericht

Dieses Handbuch wendet sich an Studierende der Betriebswirtschaftslehre im Bereich der externen Rechnungslegung, an Praktiker im Rechnungswesen, an Wirtschaftsprüfer und an Examenskandidaten für die Prüfung zum Wirtschaftsprüfer.

Der Autor:

Prof. Dr. Gerhard Scherrer war bis zu seiner Emeritierung ordentlicher Professor an der Universität Regensburg und Inhaber des Lehrstuhls für Betriebswirtschaftslehre, insbesondere Financial Accounting and Auditing. Darüber hinaus war er mehrere Jahre Vorsitzender der Kommission Rechnungswesen im Verband der Hochschullehrer für Betriebswirtschaft und Mitglied im Prüfungsausschuss für die Prüfungen von Wirtschaftsprüfern.