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A. Form und Inhalt der Gewinn- und Verlustrechnung in:

Gerhard Scherrer

Rechnungslegung nach neuem HGB, page 367 - 374

Eine anwendungsorientierte Darstellung mit zahlreichen Beispielen

3. Edition 2011, ISBN print: 978-3-8006-3787-4, ISBN online: 978-3-8006-3917-5, https://doi.org/10.15358/9783800639175_367

Series: Vahlens Handbücher der Wirtschafts- und Sozialwissenschaften

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Achter Teil Gewinn- und Verlustrechnung A. Form und Inhalt der Gewinn- und Verlustrechnung I. Gliederungs- und Ausweismerkmale der Gewinn- und Verlustrechnung 1 . Staffelform der Gewinn- und Verlustrechnung Nach § 275 Abs . 1 Satz 1 HGB ist die Gewinn- und Verlustrechnung in Staffel form nach dem Gesamtkostenverfahren oder dem Umsatzkostenverfahren aufzu stellen. Die nach der Bilanzrichtlinie der EU neben der Staffelform zugelassene Kontoform hat der deutsche Gesetzgeber nicht übernommen. Das Verbot der Kontoform wird im Wesentlichen mit dem nicht überzeugenden Argument be gründet, dass sich die Staffelform bewährt habe und kein Bedürfnis rur eine an dere Gliederungsform, d.h. die Kontoform, weder rur die Bilanz noch rur die Gewinn- und Verlustrechnung, bestehe. Im Schrifttum wird der Staffe1form eine größere Übersichtlichkeit zugespro chen, da sie erlaube, Posten der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit von außeror dentlichen Posten zu trennen, was jedoch ohne Probleme auch bei Anwendung der Kontoform möglich ist. Nicht beantwortet ist die Frage, ob die Gliederung der Gewinn- und Verlustrech nung nach der Kontoform in Anwendung des § 265 Abs . 6 HGB zulässig oder erforderlich ist, wenn dies wegen der Besonderheit der Gesellschaft der Darstel lung eines klaren und übersichtlichen Jahresabschlusses dient. Nach Auffassung im Schrifttum soll dies in Ausnahmefällen gelten. So sei die Kontoform bei Un ternehmen aussagefähiger, die ausschließlich Finanzerträge haben. Auch dieses Argument ist nicht nachvollziehbar. Für Kreditinstitute ist nach dem Formblatt 2 RechKredV die Kontoform und nach Formblatt 3 RechKredV wahlweise die Staffelform zugelassen. Auch hier fehlt eine Begründung rur das abweichende Vorgehen bei der Festlegung der Form der Gewinn- und Verlustrechnung. Die Gliederungsvorschrift des § 275 Abs. 1 HGB gilt nicht rur den Einzelkauf mann und rur die Personenhandelsgesellschaft, es sei denn die OHG oder KG hat § 264a HGB anzuwenden. Dass der Gesetzgeber die Wahl der Staffelform rur 332 Achter Teil: Gewinn- und Verlustrechnung die Personengesellschaft und den Einzelkaufmann stillschweigend unterstellt, wie zuweilen festgestellt wird, ist aus dem HGB nicht ableitbar. Die Beurteilung von Vor- und Nachteilen der Konto- bzw. Staffelform führt nicht zu eindeutigen Vorteilen einer Form. Der Kontoform werden als Vorteile zugeschrieben: gleiche Anordnung wie in der Bilanz, Zuordnung als Aufwand oder Ertrag leicht zu erkennen und Aufwands- bzw. Ertragssumme sichtbar aus zuweisen. Die Vorteile der Staffelform liegen vor allem in ihrer weltweiten An wendung und damit in den weitgehenden Vergleichsmöglichkeiten der Gewinn und Verlustrechnung im nationalen und internationalen Bereich. 2. Mindestgliederung der Gewinn- und Verlustrechnung Nach § 275 Abs. 1 Satz 2 HGB sind die in dem gesetzlich vorgegebenen Gliede rungsschema der Gewinn- und Verlustrechnung bezeichneten Posten in der an gegebenen Reihenfolge auszuweisen. Aus der Verpflichtung zum gesonderten Ausweis folgt das Gebot der Mindestgliederung. Eine Einschränkung der Verpflichtung zum gesonderten Ausweis der in § 275 Abs. 2 oder 3 HGB angefiihrten Posten der Gewinn- und Verlustrechnung ergibt sich aus § 265 Abs . 7 HGB. Er erlaubt die Zusammenfassung der mit arabi schen Zahlen versehenen Posten der Gewinn- und Verlustrechnung, wenn nicht besondere Formblätter vorgesehen sind und: • die mit arabischen Zahlen versehenen Posten der Gewinn- und Verlustrech nung Beträge enthalten, die für die Vermittlung eines den tatsächlichen Ver hältnissen entsprechenden Bildes der Vermögens-, Finanz- und Ertragslage der Kapitalgesellschaft bzw. der bestimmten oHG und KG nach 264a HGB nicht erheblich ist, oder • die Klarheit der Darstellung vergrößert wird. Voraussetzung für eine Zusammenfassung von Posten der Gewinn- und Ver lustrechnung nach § 265 Abs. 7 Nr. 2 HGB ist die Klarheit und Übersichtlich keit der Darstellung der Posten der Gewinn- und Verlustrechnung. Als mögliche Zusammenfassungen von Posten der Gewinn- und Verlustrechnung bei Anwen dung des Gesamtkostenverfahrens können angeführt werden: • Nr. 1 bis 5 "Rohergebnis"; • Nr. 2 und 3 "Bestandsveränderung und andere aktivierte Eigenleistungen"; • Nr. 5a und b "Materialaufwand"; • Nr. 6a und b "Personalaufwand"; • Nr. 7a und b "Abschreibungen"; • Nr. 9 bis 1 1 "Erträge aus F inanzanlagen und sonstige Zinsen"; • Nr. 1 0, 1 1 und 1 3 "Zinsergebnis"; • Nr. 9 bis 1 3 "Finanzergebnis" ; • Nr. 1 5 bis 1 7 "außerordentliches Ergebnis". A. Form und Inhalt der Gewinn und Verlustrechnung 333 3. Weitergehende und abweichende Gliederung der Gewinn- und Verlustrechnung Das Gliederungsschema der Gewinn- und Verlustrechnung nach § 275 HGB ist in erster Linie auf Produktions- und Handelsunternehmen abgestellt. Sie kann daher weder die Besonderheiten des einzelnen Produktions- und Handelsun ternehmen noch die Besonderheiten der Unternehmen anderer Geschäftszwei ge berücksichtigen. Es sei denn, fur einen speziellen Geschäftszweig wird ein abweichendes Schema zugelassen oder vorgeschrieben, wie in den folgenden Fällen mit dem Formblatt 2 und 3 der Verordnung über die Rechnungslegung der Kreditinstitute und Finanzdienstleistungsinstitute (Kreditinstituts-Rechnungs legungsverordnung RechKredV) vom 1 1 . 12 . 1 998 oder mit dem Formblatt 2 bis 4 der Verordnung von Versicherungsunternehmen (Versicherungsunternehmens Rechnungslegungsverordnung - Rech Vers V) 8. 1 2. 1 994. Abweichend von den Sonderfällen sehen die allgemeinen Grundsätze zur Lösung des Problems der Abweichung vor, dass die Gliederungen in § 275 Abs. 2 und 3 HGB geändert werden können. Die Änderungen können sich erstrecken auf: • Die weitere Untergliederung der in § 275 Abs . 2 oder 3 HGB angegebenen Posten. • Die HinzufUgung neuer Posten zu den in § 275 Abs . 2 oder 3 HGB angege benen Posten. • Die Änderung der im Gliederungsschema der in § 275 Abs . 2 oder 3 HGB angefUhrten Postenbezeichnungen. Die in § 275 Abs . 2 oder 3 HGB vorgesehenen Posten der Gewinn- und Verlust rechnung sind weiter aufteilbar. Dies ist j edoch nach § 265 Abs . 5 Satz I HGB nur dann zulässig, wenn die vorgeschriebene Gliederung beachtet wird. Die im Schrifttum angefUhrte Voraussetzung, dass durch die Untergliederung die Klar heit und Übersichtlichkeit der Ertragslage des bilanzierenden Unternehmens ver bessert wird, ist § 265 HGB nicht zu entnehmen. Die Hinzufügung neuer Posten in die Gewinn- und Verlustrechnung beruht auf der Grundlage des § 265 Abs. 5 Satz 2 HGB, nach dem neue Posten nur hinzuge fUgt werden dürfen, wenn ihr Inhalt nicht von einem vorgeschriebenen Posten gedeckt wird. Ein Beispiel wäre der Posten "Personalaufwendungen fUr Leihar beiter" in der Gewinn- und Verlustrechnung der Kapitalgesellschaft. Eine von § 275 Abs . 2 oder 3 HGB abweichende Gliederung der Gewinn- und Verlustrechnung ist nach h.M. vorzunehmen, wenn dies wegen der Besonderheit des Unternehmens zur Aufstellung eines klaren und übersichtlichen J ahresab schlusses erforderlich ist. Die in § 265 Abs. 6 HGB verlangte Abweichung von dem Gliederungsschema soll . den Besonderheiten des einzelnen Unternehmens Rechnung tragen. Die allgemeinen Grundsätze der Klarheit und Übersichtlich keit des Jahresabschlusses stehen über den in § 275 Abs. 2 oder 3 HGB festge legten Gliederungsschemata. 3 34 Achter Teil: Gewinn- und Verlustrechnung 4. Bruttoausweis der Gewinn- und Verlustrechnung Für die Gewinn- und Verlustrechnung gilt prinzipiell der Bruttoausweis . Nach § 246 Abs. 2 HGB dürfen Aufwendungen nicht mit Erträgen verrechnet werden. Dies gilt z.B . rur Erträge aus der Auflösung von in vorhergehenden Geschäftsjah ren angesetzten Rückstellungen. Wird mit der Auflösung einer Rückstellung gleichzeitig eine neue Rückstellung angesetzt, sind die beiden Vorgänge geson dert abzuwickeln. Eine Saldierung mit Aufwendungen aus der Bildung von Rückstellungen im laufenden Geschäftsjahr ist nicht zulässig. Gleiches gilt rur die nicht zulässige Saldierung von Zinsaufwendungen mit Zinserträgen. Von dem Grundsatz des Verrechnungsverbots von Erträgen und Aufwen dungen besteht j edoch eine Reihe von Ausnahmen . Unter anderem kommen dabei in Betracht: (1) Steueraufwendungen: Strittig ist die Verrechnung von Steueraufwendungen rur Vorjahre und dem laufenden Geschäftsjahr mit Steuererstattungen und Erträ gen aus der Auflösung von Steuerrückstellungen. Nach h.M. sind diese Steuer aufwendungen und Steuererträge sämtlich in den Posten des § 275 Abs. 2 Nr. 1 8 HGB bei Anwendung des Gesamtkostenverfahrens bzw. des § 275 Abs. 3 Nr. 1 7 HOB bei Anwendung des Umsatzkostenverfahrens einbeziehbar und damit als Aufwendungen und Erträge verrechenbar. Die abweichende Auffassung verlangt Informationen über die saldierten Bruttobeträge . Diese können durch Einrugung eines neuen Postens oder durch Untergliederung des Postens "Steuern vom Ein kommen und vom Ertrag" offengelegt werden. (2) Erlösschmälerungen: Sie sind nach § 277 Abs. 1 HOB von den Umsatzerlö sen in Abzug zu bringen. Zu den Erlösschmälerungen rechnen Preisnachlässe und zurückgewährte Entgelte. Mit den Umsatzerlösen zu verrechnen sind Rück stellungen rur Preisnachlässe und Erlösschmälerungen auf Umsätze des vorher gehenden Geschäftsjahres. (3) Veräußerungserlöse: Erlöse aus der Veräußerung von Vermögensgegens tänden des Anlagevermögens sind unter den sonstigen betrieblichen Erträgen auszuweisen. Die Erlöse sind um die Buchwerte der veräußerten Vermögensge genstände des Anlagevermögens zum Zeitpunkt der Veräußerung zu kürzen. (4) Veränderungen des Bestands an fertigen und unfertigen Erzeugnissen: Der Betrag des Postens "Erhöhung oder Verminderung des Bestands an fertigen und unfertigen Erzeugnissen" nach § 275 Abs . 2 Nr. 2 HOB ist mit den Be standsverminderungen zu verrechnen. Ein positiver Unterschiedsbetrag geht er höhend, ein negativer Unterschiedsbetrag mindernd in die Ermittlung der Erträge ein. (5) Kleine und mittelgroße Kapitalgesellschaften: Ein Wahlrecht der Verrech nung bzw. der Zusammenfassung gewährt § 276 Satz 1 HGB kleinen und mittel großen Kapitalgesellschaften. Sie dürfen bestimmte Ertrags- und Aufwandspos ten unter der Bezeichnung "Rohergebnis" zu einem Posten zusammenfassen. Bei Anwendung des Gesamtkostenverfahrens können die Posten des § 275 Abs. 2 Nr. A. Form und Inhalt der Gewinn und Verlustrechnung 335 1 bis 5 HGB verrechnet werden. Es sind dies wie angeführt die Umsatzerlöse, die Bestandsveränderungen an fertigen und unfertigen Erzeugnissen, die anderen aktivierten Eigenleistungen, die sonstigen betrieblichen Erträge und der Materi alaufwand. Die Anwendung des Umsatzkostenverfahrens umfasst die Verrechnung der Posten des § 275 Abs . 3 Nr. 1 bis 3, 6 HGB. Es sind dies Die Umsatzerlöse aus den bilanziellen Herstellungskosten der zur Erzielung der Umsatzerlöse erbrach ten Lieferungen und Leistungen; das Bruttoergebnis vom Umsatz als Diffe renzbetrag zwischen Umsatzerlösen und Herstellungskosten der zur Erzielung der Umsatzerlöse erbrachten Leistungen; und die sonstigen betrieblichen Er träge. 11. Gliederungsverfahren der Gewinn- und Verlustrechnung 1. Grundsätze der Gliederu ngsverfahren Zur Gliederung der Gewinn- und Verlustrechnung gewährt § 275 HGB ein Wahlrecht. Es erlaubt das Gesamtkostenverfahrens oder des Umsatzkosten verfahrens anzuwenden. Neben dem früher allein zulässigen Gesamtkostenver fahren wurde das Umsatzkostenverfahren als ein weiteres Verfahren zur Gliede rung der Gewinn- und Verlustrechnung zugelassen. Die Zulassung wurde damit begründet, dass das Umsatzkostenverfahren weltweit gebräuchlicher als das Ge samtkostenverfahren sei und den deutschen Unternehmen die Möglichkeit gebe, sich in einer international vergleichbaren Form darzustellen. Eine überholte Be gründung. Das Gesamtkostenverfahren und das Umsatzkostenverfahren wurden von dem Gesetzgeber und einem Teil des Schrifttums als gleichwertig und gleich geeig net angesehen, die in § 264 Abs. 2 HGB aufgestellten Forderungen zu erfüllen. Ob das Gesamtkostenverfahren oder Umsatzkostenverfahren besser geeignet ist, ein den tatsächlichen Verhältnissen entsprechendes Bild der Ertragslage des Un ternehmens zu vermitteln, ist ohne Bedeutung. Beide Verfahren führen zum glei chen Jahresüberschuss bzw. Jahresfehlbetrag. Unterschiedliche Gliederung ent steht bei dem Ausweis der Erträge und Aufwendungen des operativen Ergeb nisses eines Unternehmens. Der Grundsatz der Gliederungsstetigkeit verlangt, dass von der einmal ge wählten Form der Darstellung (Gesamtkostenverfahren oder Umsatzkostenver fahren) der Ge'winn- und Verlustrechnung nach § 265 Abs. 1 Satz 1 HGB grund sätzlich nicht abgewichen werden darf. Ein Wechsel von dem gewählten Verfah ren zu dem anderen Verfahren ist jedoch in einer Reine von Ausnahmefällen möglich, z. B . bei Änderung der Geschäftstätigkeit eines Unternehmens, die ei nen Wechsel eher erforderlich macht oder bei Aufnahme des Unternehmens in einen Konzern bzw. bei Wechsel der Konzernzugehörigkeit eines Tochterunter nehmens. 336 A chter Teil: Gewinn- und Verlustrechnung 2. Konzepte der Gliederungsverfahren a) Konzept des Gesamtkostenverfahren Das Gesamtkostenverfahren ist dadurch charakterisiert, dass im Betriebsergeb niskonto der Kostenrechnung die Gesamtkosten nach Kostenarten, die Leistun gen nach Kostenträgern gegliedert sind. Die Bezeichnung "Gesamtkostenver fahren" ist darauf zurückzufiihren, dass im Betriebsergebniskonto die gesamten Kosten der Abrechnungsperiode, d.h., sowohl die Kosten der abgesetzten Pro dukte als auch die Kosten der auf Lager produzierten Produkte, ausgewiesen werden. Der Betriebserfolg (Betriebsgewinn) ergibt sich durch Addition der Er löse sowie der Bestandsveränderungen der einzelnen Kostenträger (Produkte) abzüglich der Summe der Kosten der einzelnen Kostenarten. Die bei Anwendung des Gesamtkostenverfahrens vorzunehmende Gliederung der Gewinn- und Verlustrechnung nach § 275 Abs . 2 HGB entspricht im Aufwands bereich, nicht aber im Ertragsbereich dem Gesamtkostenverfahren der Kosten rechnung. Unterschiede treten jedoch in zweifacher Hinsicht auf: • Die Aufwendungen in der Gewinn- und Verlustrechnung sind, obwohl sie nach Aufwandsarten gegliedert sind, wesentlich gröber zusammenge fasst, als dies bei einer zweckgerechten Kostenrechnung der Fall ist. • Die Erlöse und Bestandserhöhungen müssen in der Gewinn- und Verlust rechnung nicht nach Kostenträgern (Produkten) gegliedert werden. Zwar verlangt § 285 Nr. 4 HGB für große Kapitalgesellschaften eine Aufgliede rung der Umsatzerlöse nach Tätigkeitsbereichen sowie nach geographisch bestimmten Märkten, soweit sich, unter Berücksichtigung der Organisation des Verkaufs von für die gewöhnliche Geschäftstätigkeit der Gesellschaft ty pischen Erzeugnissen und typischen Dienstleistungen, die Tätigkeitsbereiche und geographisch bestimmten Märkte untereinander erheblich unterscheiden. Die Anforderungen des § 285 Nr. 4 HGB führen jedoch nicht zwingend zu einer Gliederung der Umsatzerlöse und der Bestandserhöhungen nach Kos tenträgern (Produkten). Begründet ist dies: ( 1 ) mit der begrenzten Aufgliede rungspflicht der Vorschrift, (2) der Möglichkeit der Unterlassung der Auf gliederung bei der Gefahr erheblicher Nachteile nach § 286 Abs. 2 HGB so wie (3) der fehlenden Verpflichtung zur Aufgliederung der Erhöhung oder Verminderung des Bestandes an fertigen und unfertigen Erzeugnissen. Das Gesamtkostenverfahren nach § 275 Abs. 2 HGB stellt einerseits auf den Ausweis der Bruttoerträge, d.h. der Erträge der externen Lieferung und Leis tung in Form der Umsatzerlöse, sowie in Form der positiven und der negativen Bestandsveränderungen ab. Andererseits hat das Gesamtkostenverfahren auf grund der Aufwandsgliederung nach Aufwandsarten eine Annäherung an das Verfahren der pagatorischen Kostenrechnung im Rahmen der internen Rech nungslegung. Die Gliederung des Gesamtkostenverfahrens nach Aufwandsar ten soll aufzeigen, welche Produktionsfaktoren den Aufwand der Betrachtungs periode verursacht haben. A. Form und Inhalt der Gewinn und Verlustrechnung 337 b) Konzept des Umsatzkostenverfahren Das Umsatzkostenverfahren ist in der Kostenrechnung als Umsatzkostenverfah ren auf Voll- und Teilkostenbasis bekannt. Beiden Verfahren ist gemeinsam, dass sie im Betriebsergebniskonto sowohl die Aufwendungen als auch die Erträ ge nach Kostenträgern (Produkten) gliedern. Auf der Ertragsseite wird bei An wendung des Verfahrens auf einen Ausweis der Bestandserhöhungen und der anderen aktivierten Eigenleistungen verzichtet. Auf der Aufwandsseite werden nur die Kosten der abgesetzten Produkte, nicht die Kosten der auf Lager pro duzierten Produkte, ausgewiesen. Die Gliederung der Gewinn- und Verlustrechnung nach § 275 Abs. 3 HGB weist gegenüber der Gliederung des Gesamtkostenverfahrens Unterschiede und In formationsnachteile auf. Sie ergeben s ich in zweifacher Hinsicht: • Die Aufwendungen in der Gewinn- und Verlustrechnung sind nicht nach Kostenträgern (Produkten), sondern eher nach KostensteIlen bzw. nach Kos tenarten gegliedert, so dass sich weder Produktgewinne . noch Produktde ckungsbeiträge aus der Gewinn- und Verlustrechnung ermitteln lassen. • Die Erlöse in der Gewinn- und Verlustrechnung sind nicht nach Kostenträ gern (Produkten) gegliedert. Bezüglich der Angaben nach § 285 Nr. 4 HGB wird auf die Ausfuhrungen zum Gesamtkostenverfahren verwiesen. Die Gegenüberstellung von Umsatzerlösen und Aufwendungen weist beim Umsatzkostenverfahren insoweit eine Differenzierung auf, als in einem ersten Schritt den Umsatzerlösen lediglich die Herstellungskosten der zur Erzielung der Umsatzerlöse erbrachten Leistungen gegenübergestellt werden. Die Herstel lungskosten werden der Höhe nach in der Gewinn- und Verlustrechnung unab hängig davon ausgewiesen, ob sie in dem laufenden Geschäftsjahr oder in einem früheren Geschäftsjahr angefallen sind. Als Unterschieds betrag zwischen Umsatzerlösen und Herstellungskosten der zur Erzielung der Umsatzerlöse erbrachten Leistungen ist nach § 275 Abs. 3 Nr. 3 HGB das Bruttoergebnis vom Umsatz auszuweisen. Das Bruttoergebnis wird gekürzt um die Vertriebskosten und die allgemeinen Verwahungskosten. Auf wand, der den Funktionsbereichen nicht zuordenbar ist, wird unter den sonstigen betrieblichen Aufwendungen nach § 275 Abs . 3 Nr. 7 HGB ausgewiesen. Dieser Posten unterscheidet sich grundsätzlich von dem gleichnamigen Posten im Ge samtkostenverfahren. Nach h.M. ist Voraussetzung fur die Anwendung des Umsatzkostenverfahrens ein betriebliches (internes) Rechnungswesen, aus dem die in der Gewinn- und Verlustrechnung auszuweisenden Aufwendungen abgeleitet werden können. Im Allgemeinen soll dies in der Betriebsabrechnung erfolgen. Ob, wie im Schrift tum empfohlen, eine Hilfsrechnung fur die Herleitung der Daten ausreichend ist, muss im Grunde generell, zumindest jedoch fur komplexe Fertigungs- und Kos tenstrukturen mit Kostenversarbeitungsmodellen bezweifelt werden. 338 Achter Teil: Gewinn- und Verlustrechnung Es wird die Auffassung vertreten, dass das Problem der Ermittlung der Herstel lungskosten im Sinn von Vollkosten nicht neu sei . Die Ermittlung der Herstel lungskosten soll für die Steuerbilanz bisher schon ähnliche Anforderungen ge stellt und erfüllt haben. Die Feststellung ist nicht überzeugend. Es wird vielfach übersehen, dass der Herstellungskostenbegriff nach § 275 Abs . 3 Nr. 2 HOB und der Herstellungskostenbegriff nach § 255 Abs . 2 HOB nicht übereinstimmen. Es wird verwiesen auf den Abschnitt C . Umsatzkostenverfahren 1 . 1 . "Herstellungs kosten der zur Erzielung der Umsatzerlöse erbrachten Leistungen.

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Zusammenfassung

Dieses Werk ist als Lehrbuch und Nachschlagewerk konzipiert. Es beinhaltet eine umfassende und problembezogene Darstellung der Konzernrechnungslegung. Hierzu werden die Ausführungen durch eine Vielzahl von Beispielen vor allem im Bereich der Konsolidierung mit vorgeschlagenen Lösungen ergänzt. Die Interpretationen der Vorschriften des HGB zur Konzernrechnungslegung werden durch die Aufnahme der Regelungen der einschlägigen internationalen Standards ergänzt.

Aus dem Inhalt:

- Grundsätze der Konzernrechnungslegung nach HGB

- Ansatz und Bewertung von Bilanzposten

- Voll- und Quotenkonsolidierung

- Equity-Bewertung assoziierter Unternehmen

- Konzern-Kapitalflussrechnung und Konzern-Segmentberichterstattung

- Konzern-Eigenkapitalspiegel

- Konzernanhang und Konzernanlagebericht

Dieses Handbuch wendet sich an Studierende der Betriebswirtschaftslehre im Bereich der externen Rechnungslegung, an Praktiker im Rechnungswesen, an Wirtschaftsprüfer und an Examenskandidaten für die Prüfung zum Wirtschaftsprüfer.

Der Autor:

Prof. Dr. Gerhard Scherrer war bis zu seiner Emeritierung ordentlicher Professor an der Universität Regensburg und Inhaber des Lehrstuhls für Betriebswirtschaftslehre, insbesondere Financial Accounting and Auditing. Darüber hinaus war er mehrere Jahre Vorsitzender der Kommission Rechnungswesen im Verband der Hochschullehrer für Betriebswirtschaft und Mitglied im Prüfungsausschuss für die Prüfungen von Wirtschaftsprüfern.