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A. Immaterielle Vermögensgegenstände in:

Gerhard Scherrer

Rechnungslegung nach neuem HGB, page 87 - 95

Eine anwendungsorientierte Darstellung mit zahlreichen Beispielen

3. Edition 2011, ISBN print: 978-3-8006-3787-4, ISBN online: 978-3-8006-3917-5, https://doi.org/10.15358/9783800639175_87

Series: Vahlens Handbücher der Wirtschafts- und Sozialwissenschaften

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Zweiter Teil Bilanzierung der Gegenstände des Anlagevermögens A. Immaterielle Vermögensgegenstände I. Grundlagen Die wesentliche Änderung des § 248 HGB durch das BilMoG wird von dem Ge setzgeber (RegE BT. Drucks. 1 6/ 1 0067 S. 49) in der Aufhebung des Verbots der Aktivierung selbst geschaffener immaterieller Vermögensgegenstände des Anlagevermögens gesehen. Das Ziel der Änderung wird darin gesehen, die im materiellen Vermögensgegenstände den Abschlussadressaten offenzulegen. Die Bilanzierung selbst geschaffener immaterieller Vermögensgegenstände des Anlagevermögens beinhaltet nach Auffassung des Gesetzgebers ein Problem in Bezug auf die Festlegung der Herstellungskosten des Unternehmens und die Un sicherheit bezüglich der Nutzungs dauer. Ob tatsächlich die Ermittlung der Her stellungskosten regelmäßig nicht eindeutig zurechenbaren ist, und hohe Unsi cherheit hinsichtlich ihrer künftigen Nutzungsdauer besteht, kann in Frage ge stellt werden. Dagegen lässt sich die Absicherung der selbst geschaffenen imma teriellen Vermögensgegen-stände des Anlagevermögens durch eine Ausschüt tungssperre nachvollziehen. 11. Nachweis und Ansatz des selbst geschaffenen immaterieller Anlage vermögens 1. Nachweis des selbst geschaffenen immateriellen Anlagevermögens Abweichend von der Erbringung des Nachweises über das Vorhandensein mate rieller Anlagegegenstände kann vielfach der Nachweis des Bestehens nicht greif barer immaterieller Vermögensgegenstände des Anlagevermögens in einem Unternehmen lediglich anhand von Unterlagen und Dokumenten erbracht wer den. Die Dokumente der internen Rechnungslegung des Unternehmens, vor al lem der zahlungsorientierten (pagatorischen) Kostenrechnung, die gleichzeitig als objektive Grundlage rur die Wertermittlung selbst erstellter immaterieller Vermögensgegenstände des Anlagevermögens heranzuziehen sind, können die Grundlage fur den Nachweis der immateriellen Vermögensgegenständen des An lagegegenstände sein. Dies gilt u.a. rur Patenteintragungen, Urkunden über Kon- 50 Zweiter Teil: Bilanzierung der Gegenstände des Anlagevermögens zessionen, Schutzrechte, Urheberrechte, Nutzungsrechte, Belieferungs- und Be zugsrechte, Quoten und Kontingente. Dessen ungeachtet kann in Einzelfällen der Nachweis anhand des körperlichen Bestandes, z.B. anhand von Bildträgern, Tonträgern oder EDV-Datenträgern, geführt werden. Über diese Dokumente müssen Zugänge und Abgänge und der Bestand der immateriellen Vermögens gegenstände des Anlagevermögens fest stell bar sein. Nach Auffassung des Schrifttums ist bezüglich des Zugangszeitpunktes eines immateriellen Vermögensgegenstandes des Anlagevermögens bei Zugang zu unterscheiden, ob die Nutzungsfähigkeit des Gegenstandes mit dem Verfügungs recht über einen körperlichen Gegenstand zusammenhängt. • Ist ein immaterieller Vermögensgegenstand des Anlagevermögens mit einem körperlichen Gegenstand verbunden, soll Zugangszeitpunkt der Übergabe zeitpunkt des körperlichen Gegenstandes sein. Gleiches gilt bei Nutzungs rechten an Sachen, z.B. Nießbrauch, Mietrecht. Auch hierfür soll der Zu gangszeitpunkt die Erlangung der tatsächlichen Verfügungs gewalt des erwer benden Unternehmens sein. • Ist ein immaterieller Anlagegegenstand nicht mit einem körperlichen Ge genstand verbunden, wie z.B . eine Lizenz oder ein anderes Recht, soll der Zugangszeitpunkt des Wirksamwerden der rechtlichen Übertragung der Be fugnis zur Ausübung des jeweiligen Rechtes, z.B . des Rechtes aus der Li zenz, sein. Für den Abgangszeitpunkt eines immateriellen Vermögens gegenstandes des Anlagevermögens gelten die obigen Ausführungen zum Zugangszeitpunkt ent sprechend. Abgangsarten sind die Veräußerung oder das Erlöschen des Rechts an dem immateriellen Vermögensgegenstand. Problematisch ist die Bestimmung des Abgangszeitpunktes in den Fällen, in denen er sich nicht durch Veräußerung oder Untergang ergibt, z.B . bei der vollen Abschreibung eines immateriellen Vermögens gegenstandes. Die volle Abschreibung ist nach h.M. im Zweifel als Abgang anzunehmen. Die sem Vorgehen liegt jedoch eine nicht zulässige Vermischung von Ansatz und Bewertung eines immateriellen Vermögens gegenstandes des Anlagevermögens vor. Tatsächlich stellt die Vollabschreibung keinen Abgang eines immateriellen Vermögensgegenstandes dar. Bei korrekter Unterscheidung zwischen dem Ab gang eines immateriellen Vermögensgegenstandes und seiner Bewertung ist auch ein voll abgeschriebener Vermögensgegenstand ansatzpflichtig: die Bewertung erfolgt zu dem Betrag null . 2. Ansatz des selbst geschaffenen immateriellen Anlagevermögens Bezüglich der Ansatzpflicht ist zu unterscheiden zwischen entgeltlich erwor benen, unentgeltlich erworbenen und selbst erstellten immaterieller Vermö gensgegenstände des Anlagevermögens. A. Immaterielle Vermögensgegenstände 5 1 (a) Für die entgeltlich erworbenen immateriellen Vermögensgegenstände des Anlagevermögens u.a. Patente, Konzessionen, gewerbliche Schutzrechte und ähnliche Rechte und Werte sowie Lizenzen an solchen Rechten und Werten be steht aufgrund ihrer Eigenschaft als Vermögensgegenstände Ansatzpflicht. Er werbsvorgänge können u.a. Kauf, Tausch und vergütete Übernahmen von Mitar beitererfindung sein. (b) Die nicht entgeltlich erworbenen immateriellen Vermögensgegenstände des Anlagevermögens können u.a. auf Schenkungen von Gesellschaftern, von Mitarbeitern oder auf Übertragungen von Mitarbeitererfindungen ohne Gegen leistung zurückgehen. Die Ansatzpflicht war bisher strittig; Nach § 248 Abs. 2 HGB a.F. bestand Ansatzverbot und entsprach damit nicht dem Grundsatz der Vollständigkeit. (c) Für die selbst geschaffenen immateriellen Vermögensgegenstände des An lagevermögens bestand, wie angeführt, vor dem BilMoG das Ansatzverbot des § 248 Abs . 2 HGB . Für immaterielle Vermögensgegenstände des Anlagevermö gens, die nicht entgeltlich erworben wurden, durfte ein Aktivposten nicht ange setzt werden. Nach dem RetE (S . 97 f.) zum BilMoG sollte durch Einführung einer Ansatzpflicht für immaterielle Vermögensgegenstände des Anlagevermö gens, das zuvor bestehende generelle Ansatzverbot aufgehoben werden. Nach dem RegE zum BilMoG besteht die wesentliche Änderung des § 248 Abs. 2 HGB in der Aufhebung des zuvor bestehenden Verbots der Aktiivierung selbst geschaffener immaterieller Vermögensgegenstände des Anlagevennögens (BT Drucks. 1 611 0067, S. 49 f.) . Der Rechtsausschuss und der Bundesrat erachteten es als ausreichend, für die selbst geschaffenen immateriellen Vennögensgegens tände des Anlagevennögens an Stelle der nach dem RegE verlangten Aktivie rungspflicht quasi ein Aktivierungswahlrecht vorzugeben (BT -Drucks. elektri sche Vorabfassung 1 6/ 12407, S. 1 66 f.) . Die Regelung des § 248 Abs . 2 HGB stellt keine vollumfangliehe Lösung der Aufhebung des Verbots der Aktivierung der nicht entgeltlich erworbenen selbst geschaffenen immateriellen Vermögensgegenstände des Anlagevermögens dar. Tatsächlich besteht nunmehr für einen Teil der selbst geschaffenen immateriellen des Anlagevermögens Ansatzverbot, für einen anderen Teil Ansatzwahlrecht. Die Lösung stellt sich wie folgt dar: • Es besteht weiterhin Ansatzverbot für AufWendungen der Gründung eines Unternehmens, die Beschaffung des Eigenkapitals und den Abschluss von Versicherungsverträgen. • Nach 248 Abs . 2 Satz 2 HGB dürfen in die Bilanz nicht aufgenommen wer den selbst geschaffene Marken, Drucktitel, Verlagsrechte, Kundenlisten oder vergleichbare immaterielle Vermögensgegenstände des Anlagevermögens, d.h. es besteht Ansatzverbot. • Nach dem durch den Rechtsausschusses in der BT-Drucks 1 6/ 12407 neu ein gefügten § 248 Abs . 2 Satz 1 HGB können selbst geschaffene immaterielle Vennögensgegenstände des Anlagevennögens als Aktivposten in die Bilanz aufgenommen werden, d.h. es besteht ein Ansatzwahrecht. Die Zulassung des Ansatzwahlrechts im BilMoG ist nur schwer nachvollziehbar, vergleicht 52 Zweiter Teil: Bilanzierung der Gegenstände des Anlagevermögens man die Argumentation einer Ansatzpflicht für selbst geschaffene immate rielle Vermögensgegenstände des Anlagevennögens im RefE und RegE. Voraussetzung für die Aktivierung von entgeltlich erworbenen und selbst er stellten immateriellen Vermögensgegenständen des Anlagevermögens ist, wie oben angeführt, das Vorliegen der Vermögensgegenstandeigenschaft im Sinn des § 246 Abs . I HGB. Ein Vermögensgegenstand ist eine Sache oder ein Recht, das einen wirtschaftlichen Wert hat, selbständig bewertbar ist und einzeln verwertet werden kann. Einzelverwertbarkeit bedeutet zunächst Einzelveräußerbarkeit. Der Begriff der Einzelverwertbarkeit ist jedoch als übergeordneter Begriff weiter führend: • Einzelverwertbar ist eine Sache, ein Recht oder ein wirtschaftlicher Wert auch dann, wenn die Verwertung nicht durch Veräußerung, sondern durch Verarbeitung, Verbrauch oder durch Nutzungsüberlassung erfoRgen kann. • Einzelverwertbarkeit ist nach Auffassung im Schrifttum auch gegeben, wenn ein Recht durch Vertrag an die Person einer Vertragspartei gebunden ist, z .B. das Alleinvertriebsrecht oder die Handelsvertretung eines Unternehmens. Zum Gläubigerschutz ist die Aktivierung selbst geschaffene immaterielle Ver mögensgegenstände des Anlagevermögens neben anderen Posten nach dem durch das BilMoG neu geschaffenen § 268 Abs. 8 HGB mit einer Ausschüt tungssperre gekoppelt. Nach der Vorschrift dürfen für den Fall des Ansatzes selbst geschaffener immaterieller Vermögensgegenstände des Anlagevermögens in der Bilanz des Unternehmens Gewinne nur unter bestimmten Voraussetzungen ausgeschüttet werden. Hierzu müssen die nach der Ausschüttung verbleibenden frei verfügbaren Rücklagen abzüglich eines Verlustvortrages oder zuzüglich ei nes Gewinnvortrages dem Gesamtbetrag der Erträge des Unternehmens mindes tens entsprechen. Der Anwendungsbereich der Ausschüttungssperre wird auf Kapitalgesellschaften beschränkt. Eine Sperre für Einzelkaufleute und Perso nenhandelsgesellschaften hat nach Auffassung des Gesetzgebers auf grund der Haftung der Gesellschafter keine praktischen Konsequenzen. 111. Ausweis der selbst geschaffenen immateriellen Vermögensgegenstände Mit der Neufassung des § 248 HGB durch das BilMoG und der Aktivierungs pflicht der nicht dem Bilanzierungsverbot des § 248 Abs . 2 Satz 2 HGB unterlie genden selbst erstellten immateriellen Vermögens gegenstände des Anlagever mögens sind in das Gliederungsschema des § 266 Abs . 2 HGB unter dem Pos ten " Immaterielle Vermögensgegenstände" die neuen Posten "Selbstgeschaffe negewerbliche Schutzrechte und ähnliche Rechte und Werte" und "entgeltlich erworbene Konzessionen, gewerbliche Schutzrechte und ähnliche Rechte und Werte sowie Lizenzen an solchen Rechten und Werten" eingefügt worden, um die selbst erstellten immateriellen Vermögensgegenstände des Anlagevermögens von den entgeltlich erworbenen immateriellen Vermögensgegenstände des Anla gevermögens abzugrenzen. A. Immaterielle Vermögensgegenstände 53 Mit der Neugliederung soll sichergestellt werden, dass die selbst geschaffenen immateriellen Vermögensgegenstände des Anlagevermögens, für die die Aus schüttungssperre nach § 268 Abs. 8 HGB besteht, zum Zwecke der Verdeutli chung von den entgeltlich erworbenen immaterieller Vermögensgegenstände des Anlagevermögens getrennt werden. Im Schrifttum wurden bereits bisher mögliche Aufstellungen der unterschiedli chen Arten immaterieller Gegenstände des Anlagevermögens Un ter den Ausweis fallen : • Konzessionen und gewerbliche Schutzrechte: Konzessionen, Patente, Ge brauchsmuster, Warenzeichen, Urheberrechte; • ähnliche Rechte: Lizenzen, Nießbrauchsrechte, Rechte aus Quoten, Kontingenten und Syndikaten, Rechte an EDV-Software; • ähnliche Werte: Know-how, ungeschützte Erfindungen, Kundenkarteien. Eine Gliederung in die angefuhrten Posten ist im Gesetz nicht vorgeschrieben. Dagegen ist die Gliederung der immateriellen Vermögens gegenstände des Anla gevermögens nach dem durch das BilMoG geänderten § 266 Abs . 2 A. I. HGB "Immaterielle Vermögens gegenstände" in die folgenden Posten gegliedert: • Selbst geschaffene gewerbliche Schutzrechte und ähnliche Rechte und Werte, • entgeltlich erworbene Konzessionen, gewerbliche Schutzrechte und ähnliche Rechte und Werte sowie Lizenzen an solchen Rechten und Werten; • Geschäfts- oder F irmenwert; und • geleistete Anzahlungen (auf immaterielle Vermögensgegenstände des Anla gevermögens ) . IV. Bewertung immaterieller Vermögensgegenstände des Anlagevermö gens 1 . Zugangs bewertung a) Erworbene immaterielle Anlagegegenstände (1) Der Zugangswert der erworbenen immateriellen Vermögensgegenstände des Anlagevermögens in Form der Anschaffungskosten bestimmt sich nach der Hö he des von dem erwerbenden Unternehmen an den Veräußerer geleisteten Ent gelts. Maßgeblich für die in die Anschaffungskosten einzubeziehenden Aufwen dungen ist § 253 Abs . 1 Satz 1 HOB. Für die Anschaffungskosten gilt die in Teil 1 angeführte Definition des § 255 Abs . 1 Satz 1 HGB. Zu den Anschaffungskosten im engeren Sinn kommen die Anschaffungsnebenkosten und die Anschaffimgspreisminderungen. 54 Zweiter Teil: Bilanzierung der Gegenstände des Anlagevermögens Die Höhe der Anschaffungskosten nach § 255 Abs . 1 Satz 1 HGB des erwerben den Unternehmens bestimmt sich unabhängig von der Angemessenheit der Leis tung, die der Veräußerer erbracht hat, in Höhe des Betrages, der von dem erwer benden Unternehmen an den Veräußerer geleistet wurde, um den immateriellen Vermögensgegenstand des Anlagevermögens zu erwerben. (2) Ein überhöhter Betrag der Anschaffungskosten des erworbenen immate riellen Vermögensgegenstandes des Anlagevermögens ist von erwerbenden Un ternehmen in voller Höhe als Zugangswert anzusetzen. Bereits beim Erwerb einer eingetretene Wertminderung oder sonstige Überzahlung zum Erwerbeszeit punkt ist nicht beim Zugang des immateriellen Vermögensgegenstandes des An lagevermögens, sondern in der Folgebewertung (Bilanzbewertung) zu berück sichtigen. b) Selbst erstellte immaterielle Anlagegegenstände Der Zugangswert der selbst geschaffenen immateriellen Vermögensgegenstände des Anlagevermögens entspricht den Herstellungskosten, soweit diese während der technischen Entwicklung des jeweiligen immateriellen Vermögensgegens tandes des Anlagevermögens des bilanzierenden Unternehmens angefallen sind. Die bei dem Unternehmen entstandenen Kosten der vorausgehenden For schungsphase sind in die Herstellungskosten nicht einzubeziehen; sie sind direkt als Aufwand in der Gu V anzusetzen. Nach § 255 Abs. 2a HGB sind die bei der Entwicklung eines von dem Unter nehmen selbst geschaffenen immateriellen Vermögens gegenstandes des Anlage vermögens anfallenden Herstellungskosten zu aktivieren. Maßgeblich fiir die Bestimmung der Höhe der Herstellungskosten sind die Bewertungsmaßstäbe des § 255 Abs . 2 Satz 2 und 3 HGB . 2. Folgebewertung Der Folgewert (Bilanzwert) der entgeltlich und der nicht entgeltlich erworbenen selbst geschaffenen immateriellen Vermögens gegenstände des Anlagevermögens ist nach der Neufassung durch das BilMoG in § 253 Abs. 3 HGB geregelt. Für die Bewertung greifen darüber hinaus die allgemeinen Bewertungsgrundsätze des § 252 Abs . 1 HGB, so dass es des im Schrifttum vorgeschlagenen weiteren Grundsatzes "einer besonders kritischen Bewertung von immateriellen Vermö gensgegenständen des Anlagevermögens" nicht bedarf. Wertminderungen überhöhter Anschaffungskosten bei der Zugangsbewertung sowie überhöhter Herstellungskosten sind, wie angeführt, im Rahmen der Folge bewertung bei der Feststellung des Bilanzwertes der immateriellen Vermögens gegenstände des Anlagevermögens im Rahmen planmäßiger und außerplanmäßi ger Abschreibungen vorzunehmen. A. Immaterielle Vermögensgegenstände 55 a) Planmäßige Abschreibung Der planmäßigen Abschreibung unterliegen alle immateriellen Vermögensge genstände des Anlagevermögens, deren Nutzungsdauer zeitlich begrenzt ist. Nach Auffassungen im Schrifttum soll als Abschreibungsmethode ausschließlich die lineare Abschreibung zulässig sein. Die Auffassung wird damit begründet, dass sich Immaterielle Vermögensgegenstände des Anlagevermögens nicht kör perlich abnutzen und deshalb grundsätzlich einen gleichmäßigen Entwertungs verlauf über die Gesamtdauer ihrer jeweiligen Nutzung hinweg haben. Die aus dem Steuerrecht abgeleitete Einschränkung auf die lineare Abschreibung ist nicht überzeugend. Es kann angesichts der schwer schätzbaren Werte immate riellen Vermögensgegenstände des Anlagevermögens und der Möglichkeit, dass sich derartige Werte schnell verflüchtigen können, notwendig sein, fur die ersten Jahre der Nutzung höhere Abschreibungen vorzunehmen, d.h. der Bewertung eine degressive Abschreibung zugrunde zu legen. Der angefuhrte Standpunkt wird nunmehr auch im RegE des BilMoG vertreten. Danach werden neben der linearen Abschreibung die degressive Abschreibung, die Leistungsabschreibung und die progressive Abschreibung als mit den Grund sätzen der ordnungsmäßiger Buchfuhrung und Bilanzierung vereinbar angesehen (BT-Drucks. 1 61 1 0067, S. 56). Als Voraussetzung fur die Anwendung einer be stimmten planmäßigen Abschreibung wird verlangt, dass die Methode mit den Goß vereinbar ist und den tatsächlichen Werteverzehr abbildet. Zeitlich begrenzte Nutzungsdauer besteht bei einem immateriellen Vermö gensgegenstand des Anlagevermögens, der fur das Unternehmen i .d.R. lediglich innerhalb eines bestimmten Zeitraums nutzbar oder verwertbar sind. Entschei dend fur die planmäßige Abschreibung ist der absehbare Werteverzehr des jewei ligen immateriellen Vermögensgegenstandes des Anlagevermögens. Die Höhe der planmäßigen Abschreibung eines Vermögensgegenstandes des Anlagevermögens ist generell abhängig von: • dem Betrag der Anschaffungskosten, • der angewandten Abschreibungsmethode, und • der voraussichtlichen Nutzungsdauer. Maßgeblich fur die der Abschreibung des immateriellen Vermögensgegenstandes des Anlagevermögens zugrunde zu legende Nutzung ist dessen betriebsgewöhn liche Nutzungsdauer. Dies ist der Zeitraum, in dem z.B . ein Recht voraussicht lich ausgeübt wird. Aufgrund einer Vielzahl von Faktoren, wie der technischen Entwicklung oder der Nachfrageverschiebung, ist die betriebsgewöhnliche Nut zungsdauer i .d.R. kürzer als die Zeit, in der ein immaterieller Vermögensgegens tand des Anlagevermögens von dem Unternehmen genutzt werden kann. In die sen Fällen wird im Schrifttum, ohne dass dies ausreichend begründet wurde, eine Nutzungsdauer zwischen drei und funf Jahren als sachgerecht angesehen. Tat sächlich wird die Nutzungsdauer davon abweichend von dieser Auffassung durch 56 Zweiter Teil: Bilanzierung der Gegenstände des Anlagevermögens den von dem Unternehmen geplanten Fertigungsumfang und die erwartete Marktentwicklung bestimmt. Einen Sonderfall der Nutzungsdauerschätzung stellen die zeitlich unbegrenzten Rechte dar, bei denen mit fortlaufenden Verlängerungen gerechnet werden kann, oder bei denen ein Nutzungsende nicht absehbar ist. Dies gilt für die dem Unter nehmen gewährten Verkehrskonzessionen, z.B . für Güterverkehrs-, Taxi-, und anderen Transportkonzessionen, die zeitlich nicht begrenzt sind. Auf die ange führten immateriellen Vermögensgegenstände des Anlagevermögens, sollen we gen der fehlenden zeitlichen Begrenzung (zeitliche Abnutzbarkeü) planmäßige Abschreibungen nicht zulässig sein. Die Nutzungsdauer eines immateriellen Vermögensgegenstandes beginnt i.d.R. mit seinem Übergang auf das erwerbende Unternehmen. Der Beginn der Nut zungsdauer kann zu einem späteren Zeitpunkt nach dem Erwerb liegen, wenn entsprechend einer Vereinbarung die Ausübung des Rechts durch das erwerben de Unternehmen an dem immateriellen Vermögens gegenstand des Anlagever mögens den späteren Beginn des Einsatzes festlegt. Ebenso kann der Beginn der Ausübung zu einem Zeitpunkt liegen, der auf dem Zugang des erwerbenden Un ternehmers liegt. Dies entspricht § 253 Abs. 3 Satz 2 HGB der nicht auf den Er werbszeitpunkt eines immateriellen Vermögens gegenstandes des Anlagevermö gens abstellt, sondern auf die Geschäftsjahre, in denen ein Vermögensgegenstand voraussichtlich genutzt werden kann. b) Außerplanmäßige Abschreibung Außerplanmäßige Abschreibungen können bei zeitlich begrenzt nutzbaren und bei zeitlich unbegrenzt nutzbaren immaterielle Vermögensgegenstände des Anla gevermögens nach § 253 Abs. 3 Satz 3 HGB notwendig sein, um die Vermö gensgegenstände des Anlagevermögens mit dem niedrigeren Zeitwert anzuset zen, der den immateriellen Vermögensgegenständen am Abschlussstichtag beizu legen ist. Abschreibungsgründe sind alle Vorgänge innerhalb und außerhalb des Unter nehmens, die zu einer Wertminderung der immateriellen Vermögensgegenstände des Anlagevermögens fuhren, die nicht von der planmäßigen Abschreibung der Vermögensgegenstände erfasst werden. Beispiel 01: Immaterielle Vermögensgegenstände 1 . Die A AG hat von einem Tochteruntemehmen zu Beginn des Geschäftsjahres 1 0 ein von diesem entwickeltes Patent für 8 Mill. € erworben. Als Entwicklungsaufwendungen traten bei dem Tochterunternehmen auf: Gehaltsaufwendungen für die Jahre 07 bis 09 von je 2 Mill. €, Materialaufwendungen für den Bau eines Prototypen in Höhe von 1 Mill. €, An schaffungskosten eines ausschließlich rur den Test des Prototypen einzusetzenden Testge räts in Höhe von 0,2 Mill. € sowie Umlagen von Aufwendungen für Verwaltung von zu sammen 0, 1 Mill. €. Ein Gutachter schätzt zum Abschlussstichtag den Verkehrswert des A. Immaterielle Vermögensgegenstände 57 Patents auf 6 Mill. €. Das Patent kann von der A AG voraussichtlich 5 Jahre genutzt wer den. 2 . Die A AG wil l ihre Produktpalette im Geschäftsjahr 1 2 durch eine neue Produktgruppe erweitern. Im Jahre 08 beginnt die AG mit der Entwicklung, die voraussichtlich Ende 1 0 abgeschlossen werden kann. Als Entwicklungsaufwendungen fallen i n den Jahren 0 8 bis 1 0 Zahlungen für die Gehälter der rur das Projekt eingestellten Ingenieure i n Höhe von jähr lich 1 ,2 Mill. € an. 3 . Die A AG hat im Jahr 1 0 in Zusammenarbeit mit dem Softwarehaus S im Rahmen eines Werkvertrags das Grundkonzept eines Software-Pakets entwickelt. Die bei der A AG ange fallenen Entwicklungskosten für Ergänzungsbereiche betragen 0,5 Mill. €; das Software haus S liefert im Jahr 1 0 das Grundkonzept zum Preis von 1 Mill. €. Nach der Installation erweisen sich Modifikationen des Grundkonzeptes als notwendig. Ingenieure des Soft warehauses stellen unter Leitung der A AG auf der Basis eines Dienstvertrages die ge wünschten Modifikationen her. Das Softwarehaus S stellt 1 00 Tsd. € in Rechnung. Es ist zu der bilanziellen Behandlung der unter 1 bis 3 angeführten Sachverhahen in der Bilanz der A AG zum 3 1 . 1 2. 1 0 Stellung zu nehmen.

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Zusammenfassung

Dieses Werk ist als Lehrbuch und Nachschlagewerk konzipiert. Es beinhaltet eine umfassende und problembezogene Darstellung der Konzernrechnungslegung. Hierzu werden die Ausführungen durch eine Vielzahl von Beispielen vor allem im Bereich der Konsolidierung mit vorgeschlagenen Lösungen ergänzt. Die Interpretationen der Vorschriften des HGB zur Konzernrechnungslegung werden durch die Aufnahme der Regelungen der einschlägigen internationalen Standards ergänzt.

Aus dem Inhalt:

- Grundsätze der Konzernrechnungslegung nach HGB

- Ansatz und Bewertung von Bilanzposten

- Voll- und Quotenkonsolidierung

- Equity-Bewertung assoziierter Unternehmen

- Konzern-Kapitalflussrechnung und Konzern-Segmentberichterstattung

- Konzern-Eigenkapitalspiegel

- Konzernanhang und Konzernanlagebericht

Dieses Handbuch wendet sich an Studierende der Betriebswirtschaftslehre im Bereich der externen Rechnungslegung, an Praktiker im Rechnungswesen, an Wirtschaftsprüfer und an Examenskandidaten für die Prüfung zum Wirtschaftsprüfer.

Der Autor:

Prof. Dr. Gerhard Scherrer war bis zu seiner Emeritierung ordentlicher Professor an der Universität Regensburg und Inhaber des Lehrstuhls für Betriebswirtschaftslehre, insbesondere Financial Accounting and Auditing. Darüber hinaus war er mehrere Jahre Vorsitzender der Kommission Rechnungswesen im Verband der Hochschullehrer für Betriebswirtschaft und Mitglied im Prüfungsausschuss für die Prüfungen von Wirtschaftsprüfern.