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C. Verbindlichkeiten in:

Gerhard Scherrer

Rechnungslegung nach neuem HGB, page 314 - 328

Eine anwendungsorientierte Darstellung mit zahlreichen Beispielen

3. Edition 2011, ISBN print: 978-3-8006-3787-4, ISBN online: 978-3-8006-3917-5, https://doi.org/10.15358/9783800639175_314

Series: Vahlens Handbücher der Wirtschafts- und Sozialwissenschaften

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c. Verbindlichkeiten Der Begriff ��Verbindlichkeiten" ist im Gesetz nicht definiert. Nach h.M. stellen Verbindlichkeiten Verpflichtungen gegenüber Dritten dar, die dem Grunde und der Höhe nach sicher sind. Die Umschreibung ist nicht umfassend. Verbindlichkeiten können auch bei dem Betrag nach ungewissen Verpflichtungen vorliegen. Dies gilt für Verbindlich keiten, die mit dem Barwert anzusetzen sind, z.B . die Verbindlichkeit aus dem Erwerb eines Vermögensgegenstandes auf Leibrente. Ebenso sind Verbindlich keiten in fremder Währung dem Betrag in Euro nach nicht sicher. I. Nachweis und Ansatz von Verbindlichkeiten Grundlage für den Nachweis der bestehenden Verbindlichkeiten sind zunächst Saldenlisten. Sie zeigen das Inventar der Verpflichtungen des Unternehmens gegenüber Dritten auf. Die Saldenlisten weisen jedoch lediglich die Sollbestände der Verbindlichkeiten aus. Die weitergehende Übereinstimmung von Soll- und Istbeständen kann durch die Einholung von Saldenbestätigungen festgestellt werden. Ein Vorgehen, das früher sehr aufwendig war und nach neuen Buchfüh rungssystemen eher leicht abgewickelt werden kann. Bezüglich der Verpflichtung zur Einholung von Saldenbestätigungen sowie der Verfahren der Bestätigungsanfrage wird auf die entsprechenden Ausführungen zu dem Posten "Forderungen und sonstige Vermögens gegen stände" verwiesen. Es ist darauf hinzuweisen, dass bei häufigen Belieferungen durch einen Hauptliefe ranten die Abstimmung der Buchführungen in kurzen Zeiträumen erfolgen, damit Abweichungen in den Debitoren- und Kreditorenkonten früh erkannt werden. Neben der Einholung von Saldenbestätigungen kann der Nachweis von Ver pflichtungen durch die Heranziehung von Unterlagen geführt werden. Spezifi sche Unterlagen zur Feststellung des Nachweises von Verbindlichkeiten sind u .a. Eingangsrechnungen, Verträge, und Schriftverkehr. Für die zum Abschlussstichtag bestehenden Verbindlichkeiten eines Unterneh mens gilt Ansatzpflicht. Passivierungspflichtige Verbindlichkeiten sind solche mit rechtlichem Bestehen oder wirtschaftlicher Verursachung. 1 . Rechtliches Bestehen und wirtschaftliche Verursachung Nach h.M. setzt rechtliches Bestehen oder wirtschaftliche Verursachung der Ver pflichtung eines Unternehmens gegenüber einem Dritten Erzwingbarkeit voraus. Sie liegt vor, wenn sich das mit der Schuld belastete Unternehmen rechtlich oder wirtschaftlich der Erfüllung einer Verpflichtung nicht entziehen kann. C. Verbindlichkeiten 279 Die Frage nach dem Bestehen einer Verpflichtung des mit der Schuld belasteten Unternehmens gegenüber einem Dritten am Abschlussstichtag ist nach Auffas sung im Schrifttum für die rechtlich entstandene und für die wirtschaftlich verursachte Verbindlichkeit unterschiedlich zu beantworten : • Die rechtliche Verpflichtung eines Unternehmens gegenüber einem Drit ten kann am Abschlussstichtag voll entstanden sein. In diesem Fall besteht Ansatzpflicht nach § 246 Abs. 1 HGB. Hierunter fallen Verpflichtungen, bei denen zum Abschlussstichtag die Merkmale des Entstehens einer Ver bindlichkeit erfüllt sind. Die Ansatzpflicht besteht unabhängig davon, ob der Geschäftspartner (Gläubiger) sein Forderungsrecht in der Bilanz erfasst hat. Rechtlich nicht voll entstandene Verpflichtungen sind als Verbindlich keiten anzusetzen, wenn sie im abgelaufenen Geschäftsjahr wenigstens wirtschaftlich verursacht sind. Nach dem BFH ist eine rechtlich nicht voll entstandene Verpflichtung im Allgemeinen dann wirtschaftlich verursacht, wenn der Tatbestand, dessen Rechtsfolge die Verbindlichkeit ist, im We sentlichen vor dem Abschlussstichtag des Unternehmens verwirklicht ist, und die künftigen Ereignisse, die zum Entstehen der Verpflichtung führen, wirtschaftlich dem abgeschlossenen Geschäftsjahr zuzurechnen sind. • Wirtschaftlich verursacht sind neben dem angeführten BFH Fall sog. fak tische Verpflichtungen. Sie liegen vor, wenn bei dem Schuldner ein recht lich nicht vorliegender Leistungszwang besteht. Dies gilt für den Fall, in dem sich das Schuldnerunternehmen der Verpflichtung zur Erbringung der Leistung, Ld.R. der Zahlung, aus sittlichen oder wirtschaftlichen Gründen nicht entziehen kann. 2. Wirtschaftliche Vermögens belastung Ein Merkmal für das Bestehen von Verbindlichkeiten ist neben der Verpflich tung die wirtschaftliche Vermögensbelastung. Sie wird im Schrifttum angenom men, wenn künftige Aufwendungen bei dem Schuldnerunternehmen entstehen: • durch Vermögensabgänge, z.B. die Tilgung von Darlehensschulden und von Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen. Eine Verbindlichkeit be steht unabhängig davon, ob die künftigen Zahlungen der Höhe nach sicher sind; • durch Aufwand, der den Erträgen gegenüberzustellen ist, d.h. es liegt eine Verbindlichkeit vor, wenn die künftigen Aufwendungen dem Grunde und der Höhe nach sicher sind. Nach h.M. hängt die wirtschaftliche Vermögensbelastung auch davon ab, ob die Verpflichtung unbedingt ist oder erst durch Eintritt einer Bedingung entsteht oder entfällt. Danach seien die folgenden Fälle zu unterscheiden: • Bei aufschiebend bedingten Verpflichtungen soll Ansatzpflicht mit Eintritt der Bedingung bestehen. Ist der Eintritt sicher und steht nur noch der Zeit- 280 Fünfter Teil: Bilanzierung des Fremdkapitals punkt der Bedingung aus, soll die Verpflichtung eine anzusetzende Verbind lichkeit sein. Ist der Eintritt wahrscheinlich, soll eine Rückstellung ange setzt werden. Die Vorgabe entspricht nicht der Bilanzierung aufschiebend bedingter Verbindlichkeiten und Forderungen. Aufschiebend bedingte Ver pflichtungen eines Unternehmens sind mit dem Eintritt der Bedingung an satzpflichtig. • Bei auflösend bedingten Verpflichtungen besteht bei einem Unternehmen Ansatzpflicht bis zum Eintritt der auflösenden Bedingung. Steht nur noch das Zeitpunkt aus und ist damit der Eintritt der auflösenden Bedingung sicher, soll im Gegensatz zu der Behandlung aufschiebend bedingter Verpflichtun gen die Verbindlichkeit nicht mehr ansetzbar sein. Die Auffassung im Schrifttum entspricht nicht der Bilanzierung von auflösend bedingten Ver bindlichkeiten. Auflösend bedingte Verpflichtungen sind bis zum Eintritt der Bedingung ansatzpflichtig Bezüglich des Zeitpunktes für das Entstehen der Ansatzpflicht einer Verbind lichkeit gelten die oben angeftihrten Grundsätze ftir das Entstehen einer Ver pflichtung. Es sind die folgenden Fälle zu unterscheiden: • Eine Verbindlichkeit ohne Leistung des Geschäftspartners ist anzusetzen, wenn die wirtschaftliche Verursachung eingetreten oder die Verpflichtung rechtlich entstanden ist. Dies gilt für eingegangene Verbindlichkeiten des Schuldnerunternehmens ohne Gegenleistung, z.B. bei definitiven Zusagen von Spenden. • Eine Verbindlichkeit mit Leistung des Geschäftspartners ist im Zeitpunkt der rechtlichen Entstehung anzusetzen, d.h. wenn der Geschäftspartner seine vertragsgemäße Leistung erbracht hat. Eine Verbindlichkeit ist anzusetzen bei : o Lieferungsgeschäften zu dem Zeitpunkt, zu dem der gelieferte Gegens tand eingegangen oder mit Gefahrenübergang in die Verfügungsrnacht des Erwerbers gelangt ist; o Dienstleistungsgeschäften zu dem Zeitpunkt, zu dem die Dienstleistung beendet ist; o Dauerschuldverhältnissen pro rata temporis . Nach h.M. besteht Ansatzverbot ftir die Verbindlichkeit eines Unternehmens, wenn Erzwingbarkeit durch die Gegenpartei nicht mehr gegeben ist und sich das Unternehmen auf den Wegfall der Erzwingbarkeit beruft. Die Erlöschung der Verbindlichkeit ist gegeben: • bei Erftillung, Aufrechnung, Erlass oder Schuldumwandlung, wenn ein Recht zur Verweigerung der Leistung besteht und das Unternehmen das Recht der Einrede der Verjährung in Anspruch nimmt, oder • von dem Unternehmen, das eine Lieferung oder Leistung erhalten hat, mit einer Inanspruchnahme aus der Verbindlichkeit mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nicht mehr gerechnet wird. C. Verbindlichkeiten 28 1 H. Ausweis von Verbindlichkeiten Der Ausweis von Verbindlichkeiten wird in § 266 Abs. 3 C. HGB geregelt. Die Gliederung ist zwingend, aber nicht abschließend. Gegebenenfalls dürfen neue Posten nach § 265 Abs. 5 Satz 2 HGB hinzugefiigt werden, wenn ihr Inhalt nicht von einem vorgeschriebenen Posten gedeckt wird. Im Einzelnen umfasst der in § 266 Abs . 3 C. HGB vorgegebene Ausweis der Verbindlichkeiten die im Fol genden angefiihrten Posten. 1 . Verbindlichkeiten als Anleihen Anleihen sind nach § 2 Satz 1 WpHG an einem Markt gehandelte Schuldtitel, wie Inhaberschuldverschreibungen und Orderschuldverschreibungen einschließ lich Genussscheine, Options scheine und Zertifikate, die Schuldtitel vertreten. Überwiegende Bedeutung unter den Anleihen haben Teilschuldverschreibun gen (Obligationen) . In der Obligation als Wertpapier ist die Forderung auf Er fiillungszahlung eines Teilbetrages der Anleihe verbrieft. Eine Obligation kann nach § § 783, 808a B GB ein Inhaber- oder Orderpapier sein. In der Praxis kommen, soweit ersichtlich, nur Inhaberschuldverschreibungen vor, die nach den maßgeblichen rechtlichen Bestimmungen übertragen werden. Zur Ausstattung der Obligation gehören die Laufzeit, der vertraglich vereinbar te Zinssatz, der Ausgabekurs, die Höhe und Besicherung, die Art der Tilgung, der Tilgungstermin, bestehende Kündigungsrechte, die Stückelung, die Zinster mine, die Beendigung der Verzinsung und die äußere Ausstattung des Wertpa piers . Sonderformen der Obligation sind u.a. die Gewinnschuldverschreibung, Wan delschuldverschreibung, Optionsanleihe (Warrant), Null-Kupon-Anleihe, Anlei he mit variabler Verzinsung, Doppelwährungsanleihe, Anleihen mit Disagio, An leihen mit Agio sowie der Genussschein. Zur Ausgabe einer der angefiihrten Sonderformen der Obligation bedarf es der Genehmigung durch die Hauptver sammlung der AG als Schuldnerunternehmen. Nach § 22 1 Abs . 1 Satz 2 AktG bedarf der Beschluss einer Mehrheit, die mindestens drei Viertel des bei der Be schaffung vertretenen Grundkapitals vertretenen Grundkapitals umfasst. Den Sonderformen der Obligationen ist gemeinsam, dass sie neben einer festen Verzinsung dem Anleger Gewinnchancen bieten, die sich wie im Folgenden dar stellen: • Die Gewinnschuldverschreibung gewährt neben dem festen Zinssatz eine gewinnabhängige zusätzliche Kapitalverzinsung, oder der Gläubiger erhält ausschließlich eine am Gewinn orientierte Verzinsung. Reine Gewinnschuld verschreibungen haben das Risiko ausfallender Verzinsung in Verlust jahren. Sie haben deshalb am deutschen Kapitalmarkt keine Bedeutung. • Die Merkmale der Wandelschuldverschreibung umfassen neben dem fes ten Zinssatz das Recht zum Bezug von Aktien zu einem vorgegebenen Preis. Der Bezug erfolgt durch Umtausch einer oder mehrerer Teilschuldverschrei- 282 Fünfter Teil: Bilanzierung des Fremdkapitals bungen Ld.R. unter Zuzahlung eines vorgegebenen Geldbetrages. Bei den gebräuchlichen Fällen der Ausgabe von Wandelschuldverschreibungen ist der Wandlungspreis bis zum Ende der Laufzeit konstant. Die Anleihebedin gungen können jedoch vorsehen, dass sich der Wandlungspreis in Abhängig keit von der Laufzeit der Anleihe erhöht. • Die Optionsanleihe beinhaltet neben dem Recht auf Zins und Rückzahlung das Recht zum Bezug von Aktien zu einem vorgegebenen Preis. Hierzu um fasst die Optionsanleihe zwei Papiere: die Teilschuldverschreibung und den Optionsschein (Warrant). Die Bedingungen rur Optionsanleihen sehen im Allgemeinen vor, dass nach Auflegung der Anleihe die Teilschuldverschrei bung und der Options schein getrennt und danach beim Erwerber als zwei un terschiedliche Wertpapiere gehandelt werden können. Das Bezugsrecht der Inhaber von Wandelschuldverschreibungen und der In haber von Optionsscheinen wird durch die Schaffung von bedingtem Kapital der Kapitalgesellschaft (bedingte Kapitalerhöhung), d.h. durch auszugebende Aktien, nach § § 1 92 ff. AktG abgesichert. Damit wird gewährleistet, dass bei Ausübung des Umtausch- oder Optionsrechtes die Aktien aus der Kapitaler höhung an die Berechtigten ausgegeben werden können. • Die Null-Kupon-Anleihe (Zerobond), zu der auch der Bundesschatzbrief B mit einer Laufzeit von sieben Jahren zählt, gewährt keine j ährlichen laufen den Zinszahlungen. Zins und Zinseszins werden thesauriert und jeweils dem Betrag der Anleihe zugeschrieben. Bei Endfälligkeit der Anleihe werden die kumulierten Zinsen zusammen mit dem Anleihebetrag an die Gläubiger aus bezahlt. • Die Anleihe mit variabler Verzinsung (Floating Rate Notes, FRN) legt in regelmäßigen zeitlichen Abständen anhand eines Referenzzinssatzes die Ver zinsung der Schuldverschreibung fest. Hierzu dient ein Geldmarktzinssatz, der rur die Verzinsung der Anleihe um einen Zuschlag oder Abschlag des jeweiligen Zinssatzes korrigiert wird. • Die Doppelwährungsanleihe (Multi Currency Notes) weist Unterschiede in der Ausgabewährung und der Rückzahlungswährung auf. Die Zinszahlung kann in der Ausgabewährung aber auch in der Rückzahlungswährung verein bart werden. • Die Anleihe mit Disagio (Disagio-Anleihe) hat in Höhe des Disagios unter schiedlichen Ausgabe- und Errullungszahlungsbetrag, wobei der Ausgabebe trag geringer als der Erfiillungszahlungsbetrag ist. In der Regel ist der Erfiil lungsbetrag mit 1 00 % des Nominalbetrags festgesetzt und der Ausgabebe trag um das Disagio geringer. Zulässig sind auch ein Ausgabebetrag von 1 00 % des Nominalbetrags und ein um das Disagio höherer Erfiillungsbetrag. • Die Anleihe mit Agio (Agio-Anleihe) hat in Höhe des Agios unterschiedli chen Ausgabe- und Erfiillungsbetrag, wobei der Ausgabebetrag höher ist als der Errullungsbetrag. Dabei kann der Ausgabebetrag um das Agio höher sein als der Nominalbetrag und der Erfiillungsbetrag dem Nominalbetrag entspre- C. Verbindlichkeiten 283 ehen. Möglich ist auch, dass der Ausgabebetrag 1 00 % des Nominalbetrages ausmacht und der Errullungsbetrag um das Disagio höher ist als der Nomi nalbetrag. • Zu den Anleihen wird der Genussschein gerechnet, sofern das über Genuss scheine beschaffte Kapital als Fremdkapital qualifiziert wird. Der Genuss schein ist als Wertpapier verbrieftes Genussrecht, das entsprechend der obi gen Darstellung dem Inhaber des Genussrechtes keine Mitgliedschaftsrechte gewährt. Er vermittelt dem Berechtigten einen Anteil am lahresüberschuss des Unternehmens, an dem die Genussscheine gehalten werden. Der Anteil am lahresüberschuss dieses Unternehmens ist meist an die Dividendenaus schüttung geknüpft, verbunden mit einer Mindestverzinsung. Insoweit kann ein Genussschein Ähnlichkeiten mit einer Gewinnschuldverschreibung ha ben. 2. Verbindlichkeiten gegenüber Kreditinstit�ten Unter dem Posten "Verbindlichkeiten gegenüber Kreditinstituten" sind sämtliche Verbindlichkeiten gegenüber inländischen Kreditinstituten und Finanzleistungs instituten im Sinn des § 1 Abs . 1 und Abs. l a) KWG und gegenüber ausländi schen Kreditinstituten auszuweisen. Zu den Verbindlichkeiten gegenüber Kreditinstituten rechnen nach h.M. auch durch Wechsel unterlegte und durch Forderungsabtretung gesicherte Exportfi nanzierungskredite, sofern nicht ein gesonderter Ausweis erfolgt. Bei Ausweis des durch Wechsel gesicherten Exportfinanzierungskredites unter den Verbind lichkeiten gegenüber Kreditinstituten ist die Mitzugehörigkeit zu den Wechsel verbindlichkeiten in der Bilanz zu vermerken oder im Anhang anzugeben. 3. Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen Unter dem Posten "Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen" nach § 266 Abs. 3 C. 4. HGB sind die Verbindlichkeiten aus Verträgen auszuwei sen, bei denen der Vertragspartner seine Lieferung oder Leistung gegenüber dem bilanzierenden Unternehmen bereits erbracht hat, die Gegenleistung des Schuld ners (bilanzierendes Unternehmen) in Form der Zahlung aussteht. Für den Aus weis einer Verbindlichkeit unter dem Posten kommt es nicht darauf an, ob der Grund der Verbindlichkeit auf bezogene Roh-, Hilfs- oder Betriebsstoffe rur die Fertigung des bilanzierenden Unternehmens sind. Unabhängig von der Entste hungsursache sind alle Verbindlichkeiten unabhängig von der Art des Vertrages unter den Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen auszuweisen. Durch Stundung können Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen nicht ihren Charakter verlieren. Sie sind auch dann unter dem Posten auszuwei sen, wenn die Stundung über das ursprünglich vereinbarte Zahlungsziel hinaus geht. Eine abweichende Auffassung will in diesen Fällen die ursprünglichen Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen unter sonstigen Verbindlich- 284 Fünfter Teil: Bilanzierung des Fremdkapitals keiten ausweisen. Nach h.M. erfolgt richtigerweise ein Wechsel des Ausweises einer Verbindlichkeit aus Lieferung und Leistung nur bei grundsätzlicher Verän derung des Charakters der Verbindlichkeit. Ein typischer Fall hierzu ist die No vation. Dabei wird eine Verbindlichkeit aus Lieferungen und Leistungen in eine Finanzverbindlichkeit umgewidmet und entsprechend umgebucht. Bezüglich der Verrechnung von Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistun gen mit Forderungen besteht nach dem durch das BilMoG neu gefassten § 254 HGB die Möglichkeit der Bildung von Bewertungseinheiten, in denen Verbind lichkeiten aus Lieferungen und Leistungen gegenüber einem Geschäftspartner mit Forderungen gegen diesen Geschäftspartner verrechnet werden können. Die Bildung von Bewertungseinheiten nach § 254 HGB kann erfolgen: • bei Kontokorrent, wenn von vorneherein nur der Saldo geschuldet wird; • bei geleisteten Anzahlungen auf entsprechende Verbindlichkeit aus Lieferungen und Leistungen; und • bei Vorliegen der Voraussetzungen für die Aufrechnung nach § 3 87 BGB. Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen gegenüber verbundenen Un ternehmen oder gegenüber Unternehmen, mit denen ein Beteiligungsverhältnis besteht, sind unter dem Posten "Verbindlichkeiten gegenüber verbundenen Un ternehmen" bzw. unter dem Posten "Verbindlichkeiten gegenüber Unternehmen, mit denen ein Beteiligungsverhältnis besteht" gesondert auszuweisen. 4. Verbindlichkeiten aus Annahme und Ausstellung von Wechseln Zu den Wechselverbindlichkeiten im Sinn des § 266 Abs . 3 C. 5 . HGB zählen als Schuldwechsel gezogene Wechsel (Tratten), bei denen das bilanzierende Unter nehmen Bezogener und eigene Wechsel (Solawechsel), bei denen es Aussteller ist. Man unterscheidet Warenwechsel, Finanzwechsel und Kautions-, Sicherungs oder Depotwechsel .. Der Warenwechsel sichert eine Forderung aus einer Lieferung oder Leistung. Der Lieferant zieht einen Wechsel auf den Abnehmer in Höhe des Rechnungsbe trages . Mit der Hingabe des Wechsels durch den Bezogenen, hier des Schuldners als bilanzierendes Unternehmen, an den Aussteller erlischt nach § 364 Abs. 2 BGB seine ursprüngliche Verbindlichkeit aus Lieferungen oder Leistungen nicht. Die Wechselverbindlichkeit tritt rechtlich neben die ursprüngliche Verbind lichkeit aus Lieferung oder Leistung. Ihr Zweck ist die vorgezogene und besser durchsetzbare Befriedigung des Gläubigers. In der Bilanz des Bezogenen wird die Verbindlichkeit jedoch nur einmal angesetzt. Die Gegenbuchung zur Passi vierung der Wechselverbindlichkeit betrifft die Verbindlichkeiten aus Lieferun gen und Leistungen. Sie sind bilanztechnisch ausgeglichen. Beim Finanzwechsel geht der Bezogene, z.B. die Hausbank oder das Mutterun ternehmen eines Tochterunternehmens, die Wechselverbindlichkeit ein, um dem Auftraggeber, hier dem Schuldner als bilanzierendes Unternehmen, Kredite zu beschaffen. Das bilanzierende Unternehme kann den Finanzwechsel zum Aus- C. Verbindlichkeiten 285 gleich seiner Verbindlichkeiten in Zahlung geben oder diskontieren lassen. Für den Bezogenen entsteht damit eine Wechselverbindlichkeit, die in der Bilanz un ter dem Posten "Verbindlichkeiten aus der Annahme gezogener Wechsel und der Ausstellung eigener Wechsel" auszuweisen ist. Der Ausgleichsanspruch des Be zogenen gegen den Auftraggeber ist unter dem Posten "sonstige Vermögensge genstände" auszuweisen. Ein Kautions-, Sicherungs- oder Depotwechsel dient ausschließlich Siche rungszwecken des Gläubigers . Ein Kautions-, Sicherungs- oder Depotwechsel des Kreditnehmers wird bei dem Kreditgeber hinterlegt. Mit Aufnahme des Kre dites hat der Kreditnehmer, d.h. das bilanzierende Unternehmen, als Gegenposten zu den erhaltenen flüssigen Mitteln die Verbindlichkeiten gegenüber Kreditinsti tuten zu passivieren. Der Wechsel wird in der Bilanz nicht erfasst. Kommt der Schuldner seinen Verpflichtungen aus dem Kreditverhältnis nach, erhält er den Wechsel des Finanzgeschäftes zurück. Wird der Kredit von dem Kreditnehmer nicht vereinbarungsgemäß mit Zinsen zurückgezahlt, kann der Kreditgeber den Wechsel in den Verkehr bringen. Der Kreditnehmer hat die Wechselverbindlich keit unter "Verbindlichkeiten gegenüber Kreditinstituten'" zu passivieren. Verbindlichkeiten aus der Annahme gezogener Wechsel und der Ausstellung ei gener Wechsel, die an verbundene Unternehmen oder an Unternehmen, mit denen ein Beteiligungsverhältnis besteht, weitergegeben werden, sind grund sätzlich unter den entsprechenden Bilanzposten auszuweisen . Der Ausweis ent fallt bei Weitergabe des Wechsels an einen fremden Dritten, i .d.R. an einen Gläubiger des bilanzierenden Unternehmens. 5. Verbindlichkeiten gegenüber verbundenen und Unternehmen, m it denen ein Bete iligungsverhältnis besteht Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen gegenüber verbundenen Un ternehmen oder gegenüber Unternehmen, mit denen ein Beteiligungsverhältnis besteht, sind unter dem Posten "Verbindlichkeiten gegenüber verbundenen Un ternehmen" bzw. unter dem Posten "Verbindlichkeiten gegenüber Unternehmen, mit denen ein Beteiligungsverhältnis besteht" auszuweisen. Unabhängig von ihrer Entstehungsursache sind unter dem Posten des § 266 Abs. 3 C. 6. HGB alle Verbindlichkeiten auszuweisen, die gegenüber verbundenen Unternehmen bestehen. Maßgebend für die begriffliche Abgrenzung des verbun denen Unternehmens ist § 27 1 Abs. 2 HGB. Der Ausweis bei dem bilanzierenden Unternehmen betrifft Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen und aus Finanztransaktionen. Dies gilt für: • erhaltene Anzahlungen auf Bestellungen; • Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen; • Verbindlichkeiten aus der Annahme gezogener Wechsel und der Ausstellung eigener Wechsel; und • sonstige Verbindlichkeiten. 286 Fünfter Teil: Bilanzierung des Fremdkapitals Aufgrund der Mitzugehörigkeit zu anderen Posten ist nach § 265 Abs. 3 Satz 1 HGB die Mitzugehörigkeit in der Bilanz des Gläubigers zu vermerken oder im Anhang anzugeben, wenn es zur Aufstellung eines klaren und übersichtlichen Jahresabschlusses erforderlich ist. Unabhängig von ihrer Entstehungsursache sind unter dem Posten des § 266 Abs . 3 C. 7. HGB alle Verbindlichkeiten gegenüber Unternehmen auszuweisen, mit denen ein Beteiligungsverhältnis besteht. Maßgeblich für die Zuordnung von Verbindlichkeiten ist der Begriff der Beteili gung des § 27 1 Abs. 1 HGB. Die obigen Ausführungen zum Ausweis der Ver bindlichkeiten gegenüber verbundenen Unternehmen gelten entsprechend für Verbindlichkeiten gegenüber Unternehmen, mit denen ein Beteiligungsverhältnis besteht. 6. Sonstige Verbindlichkeiten Unter den sonstigen Verbindlichkeiten nach § 266 Abs . 3 C. 8. HGB sind alle Verbindlichkeiten auszuweisen, die keinem der Posten der Verbindlichkeiten nach § 266 Abs . 3 C . HGB zugeordnet werden können. Zu den sonstigen Ver bindlichkeiten als einem Sammelposten gehören u.a . : • Darlehensverbindlichkeiten; • Steuerschulden; • Verbindlichkeiten gegenüber Kunden, sog. kreditorische Debitoren; • antizipative Aufwandsabgrenzungen, z.B. zum Jahresabschluss noch zu zah lende Miet- und Pachtzinsen oder Versicherungsbeiträge; • rückständige Löhne, Gehälter, Tantiemen, Gratifikationen, Auslagenerstat tungen; und • einbehaltene und noch abzuführende Steuern, z.B . Lohnsteuer, Umsatzsteuer, und Sozialversicherungsbeiträge. Nach § 266 Abs . 3 C . 8. HGB sind die in dem Posten "sonstigen Verbindlichkei ten" enthaltenen Steuerverbindlichkeiten und Verbindlichkeiten im Rahmen der sozialen Sicherheit gesondert zu vermerken. 7. Verbindlichkeiten gegenüber Gesellschaftern Nach § 42 Abs. 3 GmbHG sind Verbindlichkeiten gegenüber Gesellschaftern einer GmbH gesondert auszuweisen oder im Anhang anzugeben. Dies gilt u.a. für die folgenden Posten: Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen, aus Miet- und Pachtverhältnissen, aus Darlehen oder aus der Verpflichtung zur Aus schüttung von Gewinnen oder anderen Beträgen. Zu den Verbindlichkeiten eines Unternehmens gegenüber Gesellschaftern gehö ren auch eigenkapitalersetzende Gesellschafterdarlehen mit und ohne Rang rücktritts erklärung. C. Verbindlichkeiten 287 • Vereinzelt wird die Auffassung vertreten, dass eigenkapital ersetzende Ge seIlschafterdarlehen mit Rangrücktrittserklärung in einem besonderen Posten zwischen Eigen- und Fremdkapital auszuweisen seien. Nach h.M. sind ei genkapitalersetzende Gesellschafterdarlehen, auch wenn der Rangrücktritt erklärt worden ist, zutreffender Weise Fremdkapital. Entsprechend sind die Gesellschafterdarlehen in der Bilanz unter den Verbindlichkeiten auszuwei sen. • Eine Pflicht zur gesonderten Kennzeichnung der eigenkapitalersetzenden Darlehen unter den Verbindlichkeiten gegenüber Gesellschaftern schreibt § 42 Abs . 3 GmbHG nicht vor. Die Verbindlichkeiten sind i.d.R. gesondert auszuweisen oder im Anhang anzugeben. Bei Ausweis unter anderen Posten muss dies in der Bilanz oder im Anhang vermerkt werden. Dies gilt rur jede Art von Darlehen, also auch rur eigenkapital ersetzende Darlehen. • Nach der Begründung des RegE zum MoMiG besteht, soweit Rückerstat tungsansprüche aus Gesellschafterdarlehen in der Insolvenz nachrangig be richtigt werden (§ 39 Abs . 1 Nr. 5 InsO), keine Notwendigkeit, diese Forde rungen in der Überschuldungsbilanz im Rahmen der bestehenden Verbind lichkeiten als Passiva anzusetzen, da nach Auffassung des Gesetzgebers die Interessen der außen stehenden Gläubiger bereits durch den Rangrücktritt hinreichend gewahrt sind. Es ist unklar, ob die Einlage eines stillen Gesellschafters einer GmbH unter einem Posten " Verbindlichkeit gegenüber Gesellschaftern"' auszuweisen ist. Dies wird bejaht, wenn der stille Gesellschafter zugleich Gesellschafter der GmbH ist. Handelt es sich dagegen um einen Nichtgesellschafter, ist § 42 Abs. 3 GmbHG nicht anzuwenden. Die Einlage des stillen Gesellschafters ist in diesem Fall unter dem passiven Posten "sonstige Verbindlichkeiten" auszuweisen. III. Bewertung von Verbindlichkeiten 1. Grundsätze der Bewertung von Verbindlichkeiten Verbindlichkeiten sind nach der Neuformulierung des § 253 Abs. 1 Satz 2 HGB durch das BilMoG mit ihrem Erfüllungsbetrag zu bewerten, d.h. mit dem Be trag, den der Schuldner aufzuwenden hat, um seine Verpflichtung gegenüber dem Gläubiger zu errullen. Dies gilt dem Grundsatz nach rur alle Verbindlichkeiten ohne Rücksicht auf den Entstehungsgrund der Verbindlichkeit, bestehende Si cherheiten und F älligkeiten. Mit der Neuformulierung ist die bislang im Gesetz verwendete Bezeichnung "Rückzahlungsbetrag" wegen deren irreruhrendem Charakter zu Recht aufgege ben worden. Bei wörtlicher Auslegung ist eine Rückzahlung, d.h. der Betrag, den ein Schuldner an den Gläubiger zurückzahlt, nur bei vorheriger Auszahlung mög lich. Der Begriff "Rückzahlungsbetrag" ist daher von der abgelehnt und mit dem BilMoG durch den Begriff "Errullungsbetrag" ersetzt worden. 288 Fünfter Teil: Bilanzierung des Fremdkapitals Bei der Bestimmung des Erfüllungsbetrages können Unsicherheiten bestehen, die sich wie folgt darstellen • Zukünftige Schwankungen des Erfüllungsbetrages, z.B. bei Währungsver bindlichkeit. Der Erfiillungsbetrag ist bei der Folgebewertung der Verbind lichkeit grundsätzlich nach den Verhältnissen zum jeweiligen Bilanzstichtag zu bewerten. Für die Bewertung gilt jedoch das Imparitätsprinzip. Bei hö herem Erfiillungsbetrag ist der Betrag der Verbindlichkeit zu erhöhen, bei niedrigerem Erfiillungsbetrag bleibt die Verbindlichkeit unverändert. • Fraglich ist, wie eine Verbindlichkeit, die im Rahmen einer nachträglichen Anpassung des Erfüllungsbetrages mit einem höheren Wert angesetzt wur de, in den Folgej ahren zu behandeln ist. Bei Entfallen des Grundes fiir die Erhöhung des Erfiillungsbetrages ist der niedrigere Wert anzusetzen, sofern letzterer nicht unter dem Wert bei der Entstehung der Verbindlichkeit liegt. 2. Erfüllungsagio und Erfüllungsdisagio Die bilanzielle Behandlung des Erfüllungsagios, wie bei Aufuahme eines Darle hens oder einer Anleihe zum Nennbetrag und die Erfullung zu einem über dem Nennbetrag liegenden Erfiillungsbetrag ist unter Heranziehung des § 250 Abs. 3 Satz 1 HGB zu lösen. Für das Agio besteht ein Wahlrecht, den Betrag in den aktiven Rechnungsabgrenzungsposten einzustellen und entsprechend Satz 2 durch planmäßige jährliche Abschreibungen zu tilgen. Als Alternative wird die direkte aufwandswirksame Verrechnung des Agios vorgeschlagen. Der Verrechnung des Agios ist entgegenzuhalten, dass das Erfüllungsagio kei nen Anwendungsfall des § 250 Abs. 3 HGB darstellt. Es ist eher davon ausgehen, dass mit dem Aufgeld die Normalverzinsung der Anleihe hergestellt wird. Aus dieser Sicht bietet sich eher an, den Betrag als aktiven Rechnungsabgrenzungs posten im Sinn des § 250 Abs . 1 HGB in der Bilanz des Emittenten der Agioan leihe anzusetzen. Allerdings sind dagegen grundsätzliche Bedenken bezüglich der Behandlung des Unterschiedsbetrags als Ausgaben vor dem Abschlussstich tag im Sinn des § 250 Abs. 1 Satz 1 HGB zu erheben. Die bilanzielle B ehandlung des Erfüllungsdisagios, wie der Aufnahme einer Anleihe zum Nennbetrag und der Erfiillung zu einem niedrigeren Erfiillungsbe trag ist unproblematisch. Für das Disagio besteht die Pflicht, den Betrag des Di sagios in den passiven Rechnungsabgrenzungsposten einzustellen und planmäßig erfolgswirksam als Ertrag zu vereinnahmen. Ein Problem entsteht bei der Bewertung von Anleihen in Form von Zero-Bonds, auf die keine periodischen Zinszahlungen geleistet werden. Die Zinsen werden am Ende der Laufzeit mit dem Ausgabebetrag beglichen. Bei der Bilanzierung von Zero-Bonds ist zwischen Ausgabe- und Erfüllungsbetrag zu unterscheiden. Aufgrund der Kumulierung der Zinsen während der Laufzeit können abhängig von Zinssatz und Laufzeit des Zero-Bond Ausgabe- und Erfiillungsbetrag weit voneinander abweichen. C. Verbindlichkeiten 289 Es ist nicht eindeutig, ob die am Ende der Laufzeit im Rahmen des Erfiillungs betrages zu zahlenden Zinsen in den Erfiillungsbetrag der Verbindlichkeit ein zubeziehen sind oder ob davon auszugehen ist, dass sich der Erfiillungsbetrag jährlich in Höhe des B etrages bestimmt, der dem Gläubiger unabhängig von der Fälligkeit des Zero-Bonds am Abschlussstichtag geschuldet wird. Für die Bewer tung vor Fälligkeit des Zero-Bonds sind zwei Bewertungsmethoden zu unter scheiden: • Nach der Bruttomethode basiert die Bewertung des Zero-Bonds bei der E mission und in den folgenden Geschäftsjahren mit dem Erfiillungsbetrag zu züglich der Zinsen und Zinseszinsen. Der i .d.R. hohe Unterschieds betrag zu dem Anleihegläubiger am Abschlussstichtag geschuldeten Betrag kann in den aktiven Rechnungsabgrenzungsposten aufgenommen werden. • Nach der Nettomethode wird der Zero-Bond mit dem Betrag auf der Pas sivweite angesetzt, der dem Anleihegläubiger am jeweiligen Abschlussstich tag geschuldet wird. Das ist der Betrag, mit dem aus Ausgabebetrag zuzüg lich der bis zum jeweiligen Abschlussstichtag aufgelaufenen Zinsen und Zin seszinsen. 3. Verzinsung von Verbindlichkeiten Bei Bewertung der Verbindlichkeiten mit dem Erfiillungsbetrag ist im Allgemei nen von einer marktüblichen Verzinsung auszugehen. Davon abweichend können Fälle nicht marktüblicher Verzinsung auftreten, wobei u.a. zwischen überverzins lichen, unverzinslichen oder niedrig verzinslichen Verbindlichkeiten sowie Ver bindlichkeiten mit steigender Verzinsung unterschieden wird. a) Überverzinsliche Verbindlichkeiten Überverzinsliche Verbindlichkeiten des Schuldner-Unternehmens sind wie nor malverzinsliche Verbindlichkeiten mit dem Erfüllungsbetrag zu bewerten. Die Überverzinslichkeit auf gesunkenem Marktzinsniveau, soll nach h.M. bei der Schuldner zumindest in wesentlichen Fällen und bei länger laufenden Ver bindlichkeiten in Höhe des Barwertes der Mehrzinsen eine Drohverlustrückstel lung ansetzen. In Bezug auf die Verbindlichkeit bis zum Erfiillungszeitpunkt und der Zinszahlungen liegt nach dieser Auffassung ein schwebendes Geschäft vor. Dabei soll der Betrag der zu erbringenden Gegenleistung (Barwert der Zinszah lungen bei Diskontierung mit dem aktuellen Marktzinssatz) den Betrag des Leis tungsanspruchs (Barwert der am Abschlussstichtag möglichen niedrigeren Zins belastung) übersteigen. Stehen der Überverzinslichkeit andere von dem Gläubiger dem Schuldner einge räumte Vorteile gegenüber, wird von der h.M. danach unterschieden, ob die Vorteile dauerhafter, d.h. auf nicht absehbare Zeit, oder einmaliger Natur sind. Dabei gilt: Bei dauerhaften Vorteilen, z.B . bei günstigen Einkaufskonditionen, soll eine Drohverlustrückstellung entfallen. Bei Vorteil einmaliger Natur, soll 290 Fünfter Teil: Bilanzierung des Fremdkapitals er abgegrenzt und entsprechend der Inanspruchnahme des Kapitals ertragswirk sam aufgelöste werden. Die h.M. ist nicht in beiden Fällen überzeugend. Sie verkennt, dass die Senkung des Marktzinsniveaus die Entscheidung des Unternehmens unter Zugrundelegung des Finanzplanes mit dem vorgegebenen Zins zum Zeitpunkt der Investition nicht berührt. Damit bleiben auch die vereinbarten Zinszahlungen von der Ände rung des Marktzinses unberührt. Für eine Drohverlustrückstellung besteht kein Raum. Zudem sind die angefuhrten Vorteilsgewährungen bei gesunkenem Marktzinsniveau nur schwer nachvollziehbar. b ) Unterverzinsliche Verbindlichkeiten Die Bewertung der unverzinslichen oder niedrig verzinslichen Verbindlichkeiten ist mit dem Erfüllungsbetrag vorzunehmen. Eine Abzinsung ist nach h.M. nicht zulässig. Dies gilt fur tatsächlich unterverzinsliche Verbindlichkeiten. Die Ab zinsung würde zu einer Vorwegnahme künftiger Erträge fuhren mit Verletzung des Realisationsprinzips . Von diesem Grundsatz können sich Ausnahmen erge ben. Ist die Unterverzinslichkeit darin begründet, dass der fur die Verbindlichkeit ver einbarte Erfullungsbetrag höher ist als der Ausgabebetrag, sind im Differenzbe trag Zinsen enthalten. In diesem Fall ist fur den Unterschiedsbetrag § 250 Abs. 3 HGB anwendbar. Er darf in die aktiven Rechnungsabgrenzungen aufgenommen werden und ist über die Laufzeit der Verbindlichkeit aufzulösen. c. Verbindlichkeiten mit steigender Verzinsung Verbindlichkeiten mit steigender Verzinsung sind dadurch gekennzeichnet, dass fur einen Teil der Laufzeit die Verzinsung unter der fur die gesamte Vertrags dauer geltenden Durchschnittsverzinsung, fur den anderen Teil über der Durchschnittsverzinsung liegt. Verbindlichkeiten mit steigender Verzinsung sind mit dem Erfullungsbetrag zu bewerten. Nach der Restwertmethode ist fur den Teil der Laufzeit der Verbindlichkeiten, der über der Durchschnittsverzinsung liegt, eine Drohverlustrückstellung anzu setzen. Dabei ist jedoch zu beachten, dass die Rückstellungsbildung zu erhebli chen Verzerrungen der Zins belastung während der Perioden der Laufzeit der Verbindlichkeiten fuhrt. Nach neuerer Auffassung sind in Höhe der Differenz zwischen der Durch schnittsverzinsung und den niedrigeren Zinsen während des ersten Teils der Laufzeit Rückstellungen in Höhe der Zinsdifferenzen multipliziert mit dem Be trag der Verbindlichkeit zu passivieren und entsprechend der niedrigeren Zinsen im zweiten Teil der Laufzeit erfolgswirksam aufzulösen. Als Ergebnis erhält man, abweichend von den Zahlungsströmen aus den Zinszahlungen, eine gleich mäßige Zinsbelastung während der Gesamtlaufzeit des Bestehens der Verbind lichkeit. C. Verbindlichkeiten 29 1 Beispiel 46: Unter pari Emission Die A AG begibt für die F inanzierung eines Zweigwerkes zum 1 . 1 0. 1 0 eine Anleihe im Volu men von nominal 50 Mill. €; Ausgabe 95 %, Rückzahlung 1 00 %, Laufzeit 1 0 Jahre, Zins 6 % p.a. auf den Nominalbetrag, faUig jeweils am 1 . 1 0. eines Jahres. Der Kapitalmarktzins ist über die Laufzeit 6,5 %. Am 1 . 1 0. 1 0 fließt der A AG der Ausgabebetrag gekürzt um die Forderung der Emissionsbank von 0,8 Mill. € zu. Das Disagio soll aktiviert und über die Laufzeit der An leihe aufgelöst werden. 1 . Es ist der Vorgang in der Bilanz der A AG zum 3 1 . 1 2. 1 0 darzustellen. 2. Angenommen, die Ausgabe der Anleihe wäre unter sonst gleichen Bedingungen über pari zu 1 1 0 % bei einem Zinssatz von 7,5 % auf den Nominalbetrag von 5 0 Mill. € erfolgt. Es ist der Vorgang in der B ilanz der A AG zum 3 1 . 1 2 . 1 0 aufzuzeigen. Zudem ist für den Fall, dass die über pari Emission zur gleichen Zinsbelastung wie die unter 1 . dargestellte unter pari Emission führt, die Ursache hierfür rechnerisch zu erklären. 3 . Angenommen, die Anleihe wäre für die Finanzierung eines Zweigwerkes in den USA im Umfang von nominal 50 Mill. US $ worden; Ausgabe 95 %, Rückzahlung 1 00 %, Laufzeit 1 0 Jahre, Zins 6 % p.a. auf den Nominalbetrag, fallig jeweils am 1 . 1 0. eines Jahres. Emissionsgebühren für die Auflegung der Anleihe 1 Mill . US-$. Zum Ausgabezeit punkt 1 . 1 0. 1 0 ist der Devisenkurs 1 US-$ 0,9 €, zum 3 1 . 12 . 1 0 1 US-$ 0,77 €. Es ist der Vorgang in der Bilanz der A AG zum 3 1 . 12 . 1 0 aufzuzeigen. 4. Angenommen, die Anleihe sei als Zero Bond aufgelegt worden mit nominal 50 Mill. €; Ausgabebetrag 20 Mil!. €, Laufzeit 20 Jahre. Es ist der Vorgang in der Bilanz der A AG zum 3 1 . 1 2. 1 0 darzustellen. Beispiel 47: Wandelschuldverschreibung und Optionsanleihe Wandelschuldverschreibungen (WSV) und Optionsanleihen sind beim Emittenten bilanzielle gleich zu behandeln. Sie werden daher im folgenden Beispiel zusammengefasst. Bilanzielle Unterschiede beim Erwerber werden in der Lösung zu 3. aufgezeigt. Die A AG legt am 1 . 1 . 1 0 eine WSV IOptionsanleihe über nominal 40 Mill. € auf: Laufzeit 5 Jahre, Zins 5 ,5 % p.a. gleich dem Kapitalmarktzins, Ausgabe 1 20 %, Maklergebühren 0, 1 % des Nominalbetrags. Am 3 1 . 1 2 . 1 0 notiert die nominal 1 .000 € WSV IOptionsanleihe mit 1 . 1 50 €. 1 . Es sind die bilanziellen Wirkungen der Ausgabe der WSV/Optionsanleihe zum Ausgabe zeitpunkt und in der Bilanz der A AG zum 3 1 . 1 2. 1 0 aufzuzeigen. 2. Angenommen, der Kapitalmarktzins die A AG hätte unter sonst gleichen Bedingungen bei einem Kapitalmarktzins von 7 % p.a. die WSV /Optionsanleihe aufgelegt. Es sind bei geän dertem Kapitalmarktzins die bilanziellen Wirkungen der Ausgabe der WSV /Optionsanleihe zum Ausgabezeitpunkt und in der Bilanz der A AG zum 3 1 . 1 2. 1 0 aufzuzeigen. 3 . E s ist aufzuzeigen, welche Unterschiede i n der bilanztechnischen Behandlung beim Erwer ber einer Wandelschuldverschreibung und einer Optionsanleihe besteht. 292 Fünfter Teil: Bilanzierung des Fremdkapitals Beispiel 48: Aktienanleihe Das Kreditinstitut K AG ist Emittent einer Aktienanleihe im Nennbetrag von 5 Mill. €. Ausgabe 1 5 . 1 0. 1 0. Das aktienbezogene Tilgungswahlrecht umfasst 65 Tsd. Aktien der Z AG. Die Lauf zeit der Anleihe ist 4 Monate, Zinssatz 1 2 % p.a.; Marktzins 4 %, Optionsprämie bei einem Basispreis von 77 € ftir eine Put-Option auf die Aktie 5 €, für eine Call-Option 6 €. Der Emittent verkauft am gleichen Tag 65 Tsd. Put-Optionen. Am 3 1 . 1 2. 1 0 notiert die Aktie der Z AG mit 70 €, die Put-Option mit 1 1 € und die Call-Option mit 1 €. 1 . E s ist der Vorgang im Jahresabschluss der K AG zum 3 1 . 1 2. 1 0 darzustellen. 2. Die B AG hat 500 Tsd. € der Aktienanleihe gezeichnet. Es ist der Erwerbsvorgang und die B ilanzierung im Jahresabschluss der B AG zum 3 1 . 1 2 . 1 0 abzubilden. 3 . Zum Erfüllungszeitpunkt 1 5 .2. 1 1 ist der Kurs der Aktie der Z A G 6 5 € . Der Emittent K AG erftillt seine Tilgungsverpflichtung durch Lieferung von Aktien der B AG. Es ist die bilan zieHe Abbildung des Vorgangs im Rechnungswesen des Emittenten K AG und des Erwer bers B AG darzustellen. 4. Angenommen zum Erfüllungszeitpunkt 1 5 .2. 1 1 ist der Kurs der Aktie der Z AG 82 €. Der Emittent K AG erftillt seine Tilgungsverpflichtung durch Rückzahlung in Cash. Es ist die bilanzielle Abbildung des Vorgangs im Rechnungswesen des Emittenten K AG und des Erwerbers B AG darzustellen.

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Zusammenfassung

Dieses Werk ist als Lehrbuch und Nachschlagewerk konzipiert. Es beinhaltet eine umfassende und problembezogene Darstellung der Konzernrechnungslegung. Hierzu werden die Ausführungen durch eine Vielzahl von Beispielen vor allem im Bereich der Konsolidierung mit vorgeschlagenen Lösungen ergänzt. Die Interpretationen der Vorschriften des HGB zur Konzernrechnungslegung werden durch die Aufnahme der Regelungen der einschlägigen internationalen Standards ergänzt.

Aus dem Inhalt:

- Grundsätze der Konzernrechnungslegung nach HGB

- Ansatz und Bewertung von Bilanzposten

- Voll- und Quotenkonsolidierung

- Equity-Bewertung assoziierter Unternehmen

- Konzern-Kapitalflussrechnung und Konzern-Segmentberichterstattung

- Konzern-Eigenkapitalspiegel

- Konzernanhang und Konzernanlagebericht

Dieses Handbuch wendet sich an Studierende der Betriebswirtschaftslehre im Bereich der externen Rechnungslegung, an Praktiker im Rechnungswesen, an Wirtschaftsprüfer und an Examenskandidaten für die Prüfung zum Wirtschaftsprüfer.

Der Autor:

Prof. Dr. Gerhard Scherrer war bis zu seiner Emeritierung ordentlicher Professor an der Universität Regensburg und Inhaber des Lehrstuhls für Betriebswirtschaftslehre, insbesondere Financial Accounting and Auditing. Darüber hinaus war er mehrere Jahre Vorsitzender der Kommission Rechnungswesen im Verband der Hochschullehrer für Betriebswirtschaft und Mitglied im Prüfungsausschuss für die Prüfungen von Wirtschaftsprüfern.