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C. Aktive und passive Rechnungsabgrenzungsposten in:

Gerhard Scherrer

Rechnungslegung nach neuem HGB, page 342 - 348

Eine anwendungsorientierte Darstellung mit zahlreichen Beispielen

3. Edition 2011, ISBN print: 978-3-8006-3787-4, ISBN online: 978-3-8006-3917-5, https://doi.org/10.15358/9783800639175_342

Series: Vahlens Handbücher der Wirtschafts- und Sozialwissenschaften

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c. Aktive und passive Rechnungsabgrenzungsposten Rechnungsabgrenzungsposten dienen der periodengerechten Zuordnung von Einnahmen und Ausgaben zu dem Geschäftsjahr, dem sie erfolgswirksam als Ertrag oder Aufwand zuzurechnen sind. Nach § 250 Abs. 1 Satz 1 HGB sind als aktive Rechnungsabgrenzungsposten Ausgaben vor dem Abschlussstichtag auszuweisen, soweit sie Aufwand rur eine bestimmte Zeit nach dem Abschlussstichtag darstellen. Nach § 250 Abs . 2 HGB sind als passive Rechnungsabgrenzungsposten Einnahmen vor dem Ab schlussstichtag auszuweisen, soweit sie Ertrag rur eine bestimmte Zeit nach dem Abschlussstichtag darstellen. Für die angeruhrten aktiven und passiven Rech nungsabgrenzungsposten besteht Ansatzpflicht. I. Aktive Rechnungsabgrenzungsposten 1 . Anwendungsbereich und Art der Bilanzposte n Die aktiven Rechnungsabgrenzungsposten betreffen primär Verträge, bei denen Leistung und Gegenleistung zeitlich auseinander fal1en. Der Anwendungsbereich geht über Verträge hinaus. Posten der Rechnungsabgrenzung können auch auf Grundlage des öffentlichen Rechts gebildet werden. Die aktiven Rechnungsabgrenzungen können unterschiedlichen Gehalt aufwei sen. In § 246 Abs . 1 , § 247 Abs. 1 HGB stehen aktive Rechnungsabgrenzungs posten neben Vermögensgegenständen und Schulden. Daraus wird zu Recht ge folgert, dass das HGB Rechnungsabgrenzungsposten nicht den Vermögensge genständen oder Schulden zuordnet. Der Umkehrschluss ist nicht zwingend. So werden in bestimmten Fällen aktive Rechnungsabgrenzungen den Vermögensgegenständen zugeordnet, z.B . bei Mietvorauszahlungen, die ein Forderungsrecht auf Rückerstattung der Zahlungen bei Nichtleistung des Vertragspartners beinhalten. Im Rechnungslegungsrecht werden Rechnungsabgrenzungen als Posten besonderer Art gesehen, rur die es einer Zuordnung zu Vermögens gegenständen oder Schulden nicht bedarf. Aktive Rechnungsabgrenzungsposten lassen sich gegenüber den Vermögens ge genständen "sonstige Vermögensgegenstände", "Forderungen aus Lieferungen und Leistungen" und "geleistete Anzahlungen" abzugrenzen: • Die Rechnungsabgrenzungsposten ergeben sich aus § 250 Abs. 1 Satz 1 HGB, nach dem als Rechnungsabgrenzungsposten auf der Aktivseite Ausga ben vor dem Abschlussstichtag auszuweisen sind, soweit sie Aufwand rur ei ne bestimmte Zeit nach diesem Tag darstellen. C. Aktive und passive Rechnungsabgrenzungsposten 307 • Bei geleisteten Anzahlungen erfolgt die Ausgabe vor dem AufWand. Eine Anzahlung ist ebenso wie eine aktive Rechnungsabgrenzung eine V orleis tung des Unternehmens, die dann vorliegt, wenn die Leistung des Vertrags partners noch aussteht. Dies gilt auch fiir die Anzahlung. Die Anzahlung und Rechnungsabgrenzung unterscheiden sich dadurch, dass aktive Rechnungs abgrenzungsposten im Gegensatz zur Anzahlung sich auf einen Zeitbereich, z.B. eine Mietvorauszahlung von einem Monat, richten. 2. Nachweis und Ansatz der aktiven Rechnungsabgrenzungsposten Der Nachweis des Vorliegens einer aktiven Rechnungsabgrenzung kann Ld.R. über das Vorliegen eines Vertrages und die erbrachte Zahlung erfolgen. a) Ansatzpflicht der aktiven Rechnungsabgrenzungsposten Den Ansatz der aktiven Rechnungsabgrenzung im Sinn regelt § 250 Abs. I Satz 1 HGB. Die Bilanzierung der aktiven Rechnungsabgrenzung verlangt das Vor liegen der folgenden Voraussetzungen: • Ausgabe vor dem Abschlussstichtag. • AufWand nach dem Abschlussstichtag. • AufWand fiir eine bestimmte Zeit. Über den Begriff "Ausgabe" in Sinn des § 250 Abs. I Satz 1 HGB besteht im Schrifttum Unklarheit. Die h.M. sieht entgegen der ökonomischen Definition, die streng zwischen den Begriffen ,,Auszahlung" und "Ausgabe" unterschiedet, in der Ausgabe grundsätzlich einen Zahlungsvorgang; dies gilt jedoch nicht fiir die ökonomische Betrachtung. Auszahlungen sind Übertragungen von Geld von ei nem Vertragspartner auf den anderen. Die Ausgabe ist dagegen weitergehend, sie umfasst neben Auszahlungen in Geld die Zunahme von Verbindlichkeiten und die Abnahme von Forderungen. Die Voraussetzung des Aufwands für eine bestimmte Zeit nach dem Ab schlussstichtag hat fiir den Ansatz der aktiven Rechnungsabgrenzung zentrale Bedeutung. Die bestimmte Zeit muss sich aus dem Vertrag oder der Vereinba rung ergeben. Nach h.M. müssen Anfang und Ende des maßgebenden Zeitraumes festliegen. Die bestimmte Zeit muss nicht notwendigerweise auf das folgende Geschäftsjahr beschränkt. Eine Rechnungsabgrenzung kann mehrere Geschäfts jahre umfassen. Bei Vorliegen der oben angefiihrten Voraussetzungen der Ausgabe vor dem Ab schlussstichtag, des AufWandes nach dem Abschlussstichtag und des AufWandes für eine bestimmte Zeit für den Ansatz einer aktiven Rechnungsabgrenzung be steht nach § 250 Abs . 1 Satz 1 HGB Ansatzpflicht. Bezüglich der Verpflichtung zum Ansatz aktiver Rechnungsabgrenzung gilt der Grundsatz der Wesentlichkeit. Liegt eine Beeinträchtigung des Einblicks in die Vermögens- und Ertragslage des Unternehmens nicht vor, kann auf den Ansatz 308 Sechster Teil: Bilanzierung von Aktiv- und Passiv positionen einer unbedeutenden aktiven Rechnungsabgrenzung verzichtet, und der Betrag der Ausgabe als Aufwand in der Gewinn- und Verlustrechnung angesetzt wer den. Beispiele für aktive Rechnungsabgrenzungsposten nach § 250 Abs. 1 Satz 1 HGB sind u.a. Miet- und Pachtvorauszahlungen, Kraftfahrzeugsteuer, Leasing gebühren, Lizenzgebühren, Versicherungsprämien, Zeitungsgebühren, Strom-, Gas- und Wassergebühren, Beiträge für Organisationen. b) Ansatzwahlrecht der aktiven Rechnungsabgrenzungsposten Einen gesetzlich explizit geregelten Sonderfall für den Ansatz aktiver Rech nungsabgrenzung mit einem Ansatzwahlrecht stellt der Unterschiedsbetrag zwi schen Ausgabe- und Erfüllungsbetrag von Verbindlichkeiten nach § 250 Abs. 3 Satz 1 HGB dar. Nach der Vorschrift darf für den Fall, dass der Erfüllungsbetrag einer Verbindlichkeit höher ist als der Ausgabebetrag, der Unterschiedsbetrag als aktive Rechnungsabgrenzung angesetzt werden. Der Unterschied zwischen Erfüllungszahlungs- und Auszahlungsbetrag kann sich aus einem Auszahlungsdisagio mit Erfüllung zum Nominalbetrag oder einem Erfüllungsdisagio mit Auszahlung zum Nominalbetrag ergeben. Einem Auszah lungsdisagio entspricht das Damnum bei der Gewährung eines hypothekarisch gesicherten Kredits. Es ist zu unterscheiden zwischen dem Ausgabebetrag und dem Erfüllungsbetrag einer Verbindlichkeit: • Ausgabebetrag ist der Kurs, zu dem die Anleihe von dem Emittenten am Markt verkauft worden ist. • Erfüllungsbetrag ist der durch die Emissionsbedingungen festgelegte Be trag, zu dem die Anleihe nach Ablauf der Laufzeit durch den Emittenten ein gelöst wird. Bei der Ermittlung des Ausgabedisagios bei Zero-Bonds unterscheidet man zwi schen Ausgabedisagio als Unterschiedsbetrag zwischen dem Ausgabebetrag und dem Erfüllungsbetrag der Anleihe und Auszahlungsdisagio als Unterschiedshe trag zwischen Emissionsbetrag und Ausgabebetrag der Anleihe. Bedeutung hat das Ausgabedisagio. Es enthält den gesamten Zinsaufwand für die Laufzeit der Anleihe. Nicht eindeutig ist, ob der Unterschiedsbetrag im Sinn des § 250 Abs. 3 HGB auch aus einer langfristig zinslos gestundeten Kaufpreisschuld entstehen kann. Wird z.B . beim Kauf eines Vermögensgegenstandes einer Sachanlage der Kauf preis langfristig zinslos gestundet, ist davon auszugehen, dass in dem Kaufpreis Zinsen enthalten sind und damit nicht der Kaufpreis, sondern der Barwert des Kaufpreises die Anschaffungskosten der Sachanlage darstellt. Wird die Sachan lage zum Barwert aktiviert, darf der Unterschiedsbetrag zwischen Barwert und Erfüllungsbetrag als Disagio unter dem aktiven Rechnungsabgrenzungsposten angesetzt werden. C. Aktive und passive Rechnungsabgrenzungsposten 3. Ausweis der aktiven Rechnungsabgrenzungsposten 309 Die nach § 250 Abs . 1 Satz 1 HGB aktivierungspflichtigen Rechnungsabgren zungen sind nach § 266 Abs. 2 C. HGB unter dem "Rechnungsabgrenzungspos ten" auszuweisen. Ein getrennter Ausweis der einzelnen unter den Posten fallen den Sachverhalte oder B ilanzierungssachverhalte wird nicht verlangt. Auch schreibt das Gesetz eine Trennung zwischen ansatzpflichtigen und ansetzbaren Sachverhalten nicht vor. Für den Unterschiedsbetrag zwischen Ausgabe- und Errullungsbetrag von Ver bindlichkeiten, d.h. rur das Disagio nach § 250 Abs. 3 HGB, schreibt § 268 Abs. 6 HGB einen gesonderten Ausweis in der Bilanz oder eine Angabe im Anhang vor. Der gesonderte Ausweis in der Bilanz kann durch Untergliederung des akti ven Rechnungsabgrenzungspostens oder durch die Aufnahme eines Davon-Ver merks vorgenommen werden. 4. Bewertung der aktiven Rechnungsabgrenzungsposten Bewertungsfragen bei aktiven Rechnungsabgrenzungen werden im Schrifttum lediglich im Zusammenhang mit der Abschreibung des Unterschiedsbetrages, d.h. des Disagios nach § 250 Abs. 3 Satz 2 HGB, angesprochen. Nach der Vor schrift ist der Unterschiedsbetrag durch planmäßige jährliche Abschreibungen zu tilgen, die auf die gesamte Laufzeit der Verbindlichkeit verteilt werden kön nen. Der aktivierte Betrag ist spätestens bis zur Errullung der Verbindlichkeit abzuschreiben. Da die jährlichen Abschreibungen auf die gesamte Laufzeit verteilt werden kön nen, muss es auch zulässig sein, sie auf einen Teil der Laufzeit zu verteilen. Al lerdings gilt rur die Abschreibung eines Disagios der Grundsatz der Bewer tungsstetigkeit. Die auf den vorhergehenden Jahresabschluss angewandte Be wertungsmethode ist beizubehalten. Das Gesetz gibt keine spezielle anzuwendende Abschreibungsmethode vor. Das Schrifttum stellt stattdessen strenge Anforderungen an die anzuwendende Ab schreibungsmethode, denen allerdings die gesetzliche Regelung fehlt. So sei eine jährliche, gleich bleibende Mindestabschreibung vorzunehmen. Restriktiv sind auch die Ansprüche an die Abschreibungsmethode, die in Abhängigkeit von der Art des Darlehens gestellt werden. Danach soll gelten: • Bei Fälligkeitsdarlehen soll der Unterschiedsbetrag regelmäßig linear auf die Laufzeit abgeschrieben werden. • Bei Tilgungsdarlehen mit gleichmäßiger Tilgung soll die Abschreibung rur die einzelnen Perioden der Abschreibung, bezogen auf den jeweiligen Kre ditbetrag, am Anfang eines Geschäftsjahres bestimmt werden. • Bei Annuitätendarlehen soll die Abschreibung der einzelnen Geschäftsjah re der Abschreibung in Relation zur abnehmenden Zinsquote der einzelnen Geschäftsjahre, bezogen auf die Gesamtzinsbelastung, bestimmt werden. 310 Sechster Teil: Bilanzierung von Aktiv- und Passiv positionen • Bei fehlender Laufzeit soll als Abschreibungszeitraum die voraussichtliche Tilgungszeit zugrunde gelegt werden. Entsprechend dem Vorsichtsprinzip soll diese jedoch auf den Zeitpunkt begrenzt sein, zu dem der Gläubiger frü hestens den Kredit kündigen kann. Die Restriktionen des Schrifttums bezüglich der vorzunehmenden Anschreibung und der anzuwendenden Bewertungsmethode sind aus dem Gesetz nicht ableitbar und deshalb allenfalls als Empfehlungen, nicht jedoch als zwingend zu beachten de Normen aufzufassen. So widerspricht z.B . die vorgeschlagene Bewertungsme thode für Fälligkeitsdarlehen mit linearer Abschreibung auf die Laufzeit der Vor gabe des § 250 Abs . 3 Satz 2 HGB, nach dem die planmäßigen j ährlichen Ab schreibungen auf die Laufzeit verteilt werden können, nicht aber verteilt werden müssen. Nach dem Wortlaut des § 250 Abs. 3 Satz 2 HGB ist die Vornahme von außer planmäßigen Abschreibungen auf den Unterschiedsbetrag nicht vorgesehen. Trotz fehlender gesetzlicher Regelung wird die Vornahme außerplanmäßiger Ab schreibungen verlangt, wenn die Verbindlichkeit ganz oder teilweise vorzeitig zurückgezahlt, die Laufzeit verkürzt oder das Zinsniveau gefallen ist. Der Auf fassung ist nicht zu folgen, da das Gesetz eine eindeutige Regelung zur Behand lung eines Disagios vorgibt. 11. Passive Rechnungsabgrenzungsposten Passive Rechnungsabgrenzungsposten dienen der periodenbezogenen Zuord nung von Einnahmen vor dem Abschlussstichtag zu dem Geschäftsjahr, dem sie als Ertrag zuzurechnen sind. Das Schulbeispiel für das Entstehen passiver Rech nungsabgrenzung sind Mieteinnahmen vor dem Abschlussstichtag, die Mieter träge für eine bestimmte Zeit (Monat, Quartal, Halbjahr oder Jahr) nach dem Ab schlussstichtag darstellen. 1. Nachweis und Ansatz der passive Rechnungsabgrenzungsposten Geht man von dem Sachverhalt aus, dass passive Rechnungsabgrenzungen nur dann gebildet werden können, wenn das die Vorleistung erhaltende Unternehmen eine Verpflichtung gegenüber dem Geschäftspartner zur Gegenleistung hat, setzt der Anspruch der passiven Rechnungsabgrenzung den Nachweis der Gegenleis tungspflicht voraus. Die Anwendungsbereiche der passiven Rechnungsabgren zung sind Verträge und Verpflichtungsübernahmen. Der Nachweis der Leis tungspflicht setzt voraus, dass: • ein Vertrag vorliegt, aus dem die Gegenleistungspflicht abgeleitet werden kann; und • der Vertragspartner eine Vorleistung erbracht hat, die bei dem bilanzieren den Unternehmen zu einer Einnahme geführt hat. Den Ansatz der passiven Rechnungsabgrenzungen regelt § 250 Abs. 2 HGB. Die Passivierungsfähigkeit knüpft an die folgenden Voraussetzungen an: C. Aktive und passive Rechnungsabgrenzungsposten • Einnahme vor dem Abschlussstichtag, • Ertrag nach dem Abschlussstichtag, und • Ertrag fiir eine bestimmte Zeit. 3 1 1 Über den Begriff "Einnahmen" im Sinn des § 250 Abs . 2 HGB besteht, wie bei den Ausruhrungen zur aktiven Rechnungsabgrenzung dargestellt, keine einheitli che Auffassung. Nach der im Rechnungswesen gängigen Definition sind Ein nahmen Einzahlungen in Geld, Forderungszunahmen und Schuldenabnahmen. Dem folgt die h.M. die in der Einnahme einen Zahlungsvorgang im Sinn einer Erhöhung des Geldvermögens und das Entstehen einer Forderung sieht. Ein Ertrag nach dem Abschlussstichtag des Unternehmens liegt vor, wenn nach Abschluss des Geschäftsjahres eine Erhöhung des Nettovermögens entsteht. Der Ertrag gilt als nach dem Abschlussstiehtag realisiert, wenn von dem bilanzie renden Unternehmen im neuen Geschäftsjahr die Gegenleistung rur die erhaltene Einnahme erbracht wird. Der Ertrag für eine bestimmte Zeit nach dem Abschlussstichtag des Unterneh mens stellt, wie bei der aktiven Rechnungsabgrenzung dargelegt, die wichtigste Bedingung fiir die Zulässigkeit der Passivierung der passiven Rechnungsabgren zung dar. Die bestimmte Zeit wird durch die ausstehende Leistung festgelegt. Voraussetzung ist, dass eine bestimmte Zeit kalendermäßig festliegt oder be stimmt werden kann. Als Beispiele für passive Rechnungsabgrenzungen nach § 250 Abs . 2 HGB werden neben dem Standardfall der über den Geschäftspartner vom dem bilanzierenden Unternehmen voraus erhaltenen Miete oder Pacht für einen Zeitraum nach dem Abschlussstichtag. Ein Sonderfall der passiven Rechnungsabgrenzung ist das Finanzierungslea sing mit Zurechnung des Leasinggegenstandes zum Leasinggeber. Die dabei auf tretenden Abgrenzungsfragen beziehen sich auf die Entgelte der einzelnen Zeit bereiche, z.B. Monate, als Leasingraten und auf die degressive Ausgestaltung der Leasingraten. Zudem kann die Forfaitierung noch nicht falliger Leasingraten beim Leasinggeber zur passiven Rechnungsabgrenzung ruhren. Für passive Rechnungsabgrenzungen besteht Ansatzpflicht. 2. Ausweis der passive Rechnungsabgrenzungsposten Die nach § 250 Abs. 2 HGB ansatzpflichtigen Rechnungsabgrenzungen sind un ter dem Bilanzposten des § 266 Abs . 3 D. HGB auszuweisen. Einen getrennten Ausweis der einzelnen unter den Posten fallenden Sachverhalte sieht das Gesetz nicht vor. Dies gilt auch rur den Fall, dass in die passive Rechnungsabgrenzung ein Unterschiedsbetrag einzustellen ist, der sich daraus ergibt, dass der Errul lungsbetrag der Forderung, einer Ausleihung oder einer anderen Darlehenshinga be höher ist als der Auszahlungsbetrag. Im Schrifttum wird ein gesonderter Ausweis des Disagios bzw. eine entspre chende Angabe im Anhang empfohlen, wenn es sich um einen wesentlichen Be trag handelt. Das Gesetz sieht eine entsprechende Verpflichtung nicht vor. 3 12 Sechster Teil: Bilanzierung von Aktiv- und Passiv positionen 3. Bewertung der passive Rechnungsabgrenzungsposten Bewertungsfragen bei passiver Rechnungsabgrenzung werden im Schrifttum kaum angesprochen. Die Bewertung als Zugangswert erfolgt in Höhe der im laufenden Geschäftsjahr vor dem Abschlussstichtag erhaltenen Einnahmen. Steht eine Einnahme der Höhe nach fest, treten bei der Erfassung der passiven Rech nungsabgrenzung im Allgemeinen aufgrund des gegebenen Betrages keine Be wertungsprobleme auf. Bewertungsprobleme können s ich jedoch bei der Folgebewertung ergeben, wenn die Frage nach der Erfolgswirkung der Einnahme für eine bestimmte Zeit nach dem Abschlussstichtag festgelegt wird. Ein Problem entsteht, wenn der Zeitraum der Ertragsverteilung auf das folgende Geschäftsj ahr oder die folgen den Geschäftsjahre nicht feststeht, sondern geschätzt werden muss. Maßgebend ist dann die sich aus der Schätzung ergebende Ertragsverteilung. Beispiel 53: Disagio Die A AG beabsichtigt am 1 . 1 . 1 1 zur mittelfristigen Finanzierung einer Investition eine Anleihe in Höhe von nominal 1 0 Mil1. € mit einer Laufzeit von fünf Jahren aufzulegen. Es werden die im Folgenden angeführten Alternativen in Erwägung gezogen: (a) Ausgabe und Rückzahlung zum Nominalbetrag von 1 0 Mill. €, Verzinsung zum Kapital marktzinssatz von 5 % p.a. zahlbar jeweils am Jahresende; (b) Ausgabe zum Nominalbetrag von 1 0 Milt €, Rückzahlung mit Agio von 1 0 %, d.h. zu 1 1 Milt. €, Verzinsung mit 3 % p.a. zahlbar jeweils am Jahresende. 1 . Es ist durch Gegenüberstellung der Ergebnisse die Alternative mit der niedrigsten finan ziellen Belastung der A AG zu bestimmen. 2. Für die Alternative (b) mit Rückzahlungsagio soll eine Rechnungsabgrenzung gebildet werden; zudem ist die bilanzielle Behandlung der Rechnungsabgrenzung zum 1 . 1 . 1 1 und für den Jahresabschluss 1 1 darzustellen. Aufgrund unterschiedlicher Ansatz- und Bewertungsvorschriften stimmen Bilanz und GuV der A AG nach Handels- und im Steuerrecht nicht überein. Das Aufzeigen passiver latenter Steuern wird auf die Abweichung bei der Bewertung eines bebauten Grundstücks beschränkt. Es sei die Situation gegeben, in der das Steuerrecht bei der Herstellung eines Gebäudes mit Her stellungskosten von 4 Mill. € Sonderabschreibungen von 50 % im Jahr der Herstellung, rur die die umgekehrte Maßgeblichkeit nicht gilt, gewährt; die planmäßige steuerliche Abschreibung beträgt 1 % p.a., die handelsbilanzielle 2 % p.a. Aus den unterschiedlich hohen Abschreibungen entstehen zeitliche Differenzen. Nach § 274 Abs. 1 HGB sind in der Handelsbilanz passive la tente Steuern anzusetzen. 1 . E s ist die Steuerbilanz und die steuerbilanzielle GuV der A AG zum 3 1 . 1 2 . 1 0 unter Be rücksichtigung der angegebenen Bewertungsahweichung zu erstellen. 2 . Es sind die passiven latenten Steuern der A AG im Jahresabschluss 10 unter der Annahme eines Ertragsteuersatzes von 45 % des Vorsteuergewinns zu ermitteln und die Handelsbi lanz und die handelsbilanzielle GuV der A AG unter Einbeziehung der latenten Steuem zum 3 1 . 12 . 1 0 aufzustellen.

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Zusammenfassung

Dieses Werk ist als Lehrbuch und Nachschlagewerk konzipiert. Es beinhaltet eine umfassende und problembezogene Darstellung der Konzernrechnungslegung. Hierzu werden die Ausführungen durch eine Vielzahl von Beispielen vor allem im Bereich der Konsolidierung mit vorgeschlagenen Lösungen ergänzt. Die Interpretationen der Vorschriften des HGB zur Konzernrechnungslegung werden durch die Aufnahme der Regelungen der einschlägigen internationalen Standards ergänzt.

Aus dem Inhalt:

- Grundsätze der Konzernrechnungslegung nach HGB

- Ansatz und Bewertung von Bilanzposten

- Voll- und Quotenkonsolidierung

- Equity-Bewertung assoziierter Unternehmen

- Konzern-Kapitalflussrechnung und Konzern-Segmentberichterstattung

- Konzern-Eigenkapitalspiegel

- Konzernanhang und Konzernanlagebericht

Dieses Handbuch wendet sich an Studierende der Betriebswirtschaftslehre im Bereich der externen Rechnungslegung, an Praktiker im Rechnungswesen, an Wirtschaftsprüfer und an Examenskandidaten für die Prüfung zum Wirtschaftsprüfer.

Der Autor:

Prof. Dr. Gerhard Scherrer war bis zu seiner Emeritierung ordentlicher Professor an der Universität Regensburg und Inhaber des Lehrstuhls für Betriebswirtschaftslehre, insbesondere Financial Accounting and Auditing. Darüber hinaus war er mehrere Jahre Vorsitzender der Kommission Rechnungswesen im Verband der Hochschullehrer für Betriebswirtschaft und Mitglied im Prüfungsausschuss für die Prüfungen von Wirtschaftsprüfern.