VORLAGEN UND NACHRICHTEN in:

Gnomon, page 366 - 384

GNO, Volume 89 (2017), Issue 4, ISSN: 0017-1417, ISSN online: 0017-1417, https://doi.org/10.17104/0017-1417-2017-4-366

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C.H.BECK, München
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VORLAGEN UND NACHRICHTEN Mary Lefkowitz: Euripides and the Gods. Oxford: Oxford UP 2016. XXI, 294 S. 5 Abb. Auf früheren Arbeiten der Verfasserin fußend wendet sich dies Buch gegen die auf A.W. Verrall (1895) zurückgehende ironische Deutung der Darstellung der Götter bei Euripides. Nach Verrall sind Götterauftritte nicht ernst zu nehmen, sondern sollen die Fragwürdigkeit religiöser Vorstellungen zeigen. Da sich die Götter amoralisch und widersprüchlich verhalten und deswegen von Menschen auf der Bühne öfter kritisiert werden, haben schon manche von Euripides’ Zeitgenossen angenommen, er habe Bühnenfiguren als Sprachrohr benutzt, um eigene Kritik anzubringen. Der Name der Verfasserin verspricht eine souveräne eindringliche Behandlung des Themas. Der Fehler der ironischen Deutung besteht ihrer Meinung nach darin, Euripides aus moderner Sicht zu lesen und die Wirkung auf das antike Publikum außer acht zu lassen. Dabei denkt L. auch an Interessenten, denen die Stücke nicht vertraut sind; griechische Sprachkenntnisse werden nicht vorausgesetzt und ausführliche Inhaltsangaben erleichtern den Zugang. Doch auch die Wissenschaft kommt nicht zu kurz. So werden im Text zahlreiche neuere Deutungsversuche diskutiert; dazu kommen ‘Notes’ (S. 205–251), ‘Bibliography’ (S. 253–267, überwiegend englischsprachige Titel), ein ausführlicher ‘Subject Index’ (S. 269–280) und ein ‘Index Locorum’ (S. 281–294), der Namen von Homer bis zur Suda nennt und in dem auch Cicero und Virgil und die Bibel nicht fehlen. Insgesamt ist das Buch für ein breiteres, aber anspruchsvolles Publikum eine anregende und leicht lesbare Darstellung der Euripideischen Tragödien, wobei die Rolle der Götter besonders hervorgehoben wird. L. führt die ironische Deutung auf antike Euripides-Biographen zurück, die kein eigenes Material besaßen, sondern sich auf Komödien wie Aristophanes’ Frösche stützten, in denen Euripides Atheismus und sophistische rationale Götterkritik unterstellt wird (‘Euripides, Socrates, and Other Sophists’, S. 24–48). Dem hält L. entgegen, daß das Euripides-Publikum diese Kritik offensichtlich nicht ernst nahm und den Dichter anscheinend für einen frommen Menschen hielt. In der Tat scheint niemand auf den Gedanken gekommen zu sein, ihm einen Prozeß wegen Asebie anzuhängen. Wie leicht das möglich gewesen wäre, zeigt die Anklage gegen Sokrates. Für L. ist das antike Publikum der allein zulässige Maßstab für die Deutung aller Tragödien; immer wieder wird darauf («ancient audience») verwiesen. Danach ist dessen traditionelle Frömmigkeit für Euripides das Fundament seiner Götterdarstellung. L. spricht es nicht explizit aus, aber Euripides ist dann ein Mahner, der rät, die Götter zu respektieren, obwohl ihr Handeln für die Menschen meist unverständlich ist. Man wird zugeben müssen, daß man Euripides so verstehen kann und das antike Publikum das weitgehend auch getan hat. Verrall ging nach L. von der falschen Voraussetzung aus, Götter müßten gut sein und sich für die Menschen verantwortlich fühlen. Für L. spricht da der christliche Monotheismus des Viktorianischen Zeitalters. Die griechischen Götter seien dagegen am Wohlergehen der Menschen gar nicht interessiert, sondern griffen zwar nach Lust und Laune öfter willkürlich in das irdische Geschehen ein, aber auf sie sei kein Verlaß, auch weil sie untereinander konkurrieren wie etwa Aphrodite und Artemis. Menschen, die glauben, unter dem Schutz eines Gottes zu stehen, dürfen nicht hoffen, er werde sie schützen, wenn ein anderer Gott ihnen schaden will. Diese Sicht wird im Kapitel ‘Piety and Impiety in Euripides’ Herakles’ (S. 49–76) ausführlich demonstriert. Als Herakles, nach dem Wahnsinn wieder zu sich gekommen, Hera anklagend behauptet, wenn ein Gott keine poetische Fiktion, sondern wirklich ein Gott sei, dürfe er sich nicht (schadenstiftend) in das irdische Geschehen einmischen (V. 1345–6), war das Publikum vielleicht überrascht, weil das nach philosophischer Götterkritik klang, aber es sah darin keinen Angriff auf den traditionellen Götterglauben, wie auch Herakles wenig später (V. 1393) die Existenz der Göttin GNOMON 4/89/2017 Vorlagen und Nachrichten 367 Hera wieder voraussetzt. – In diesem Kapitel skizziert L. einen variantenreichen Weg der ironischen Deutung (Wilhelm Nestle 1901, Gilbert Norwood 1920, L.H.G. Greenwood 1953, Philip Vellacott 1975, Helene Foley 1985, Ann Michelini 1987, Harvey Yunis 1988, Franziska Egli 2003, Edith Hall 2010). – Die Frage, ob Götter an sich gut sein sollten, wie Sokrates verlangte, wird übrigens, anders als L. zu glauben scheint, durch den Monotheismus nicht positiv beantwortet, weswegen Leibniz bekanntlich eine Theodizee für nötig hielt. Die anderen Stücke werden in den Kapiteln ‘Athena’, ‘Apollo’, ‘Other Gods’, ‘Gods behind the Scenes’ eingehend besprochen. Auch dort wird nach L. menschliches Unglück nie zum Anlaß, an der Existenz und Macht der Götter ernsthaft zu zweifeln. Wenn Götter am Ende eines Stücks überraschend als rettender deus ex machina auftreten, sah nach L. das fromme antike Publikum darin keinen Widerspruch zur vorhergehenden Handlung (anders als Kurt von Fritz und Karl Reinhardt beim Orestes, Namen, die deutsche Leser bei L. vermissen werden), sondern nur eine Bestätigung seines Glaubens an die Macht der Götter. Und es konnte sich darüber freuen, daß Götter sogar, wenn sie wollen, dem Guten zum Sieg verhelfen. Es ist kaum zu bestreiten, daß die gängige These vom Atheisten und Aufklärer Euripides auf schwachen Füßen steht. Die Götterkritik in seinen Stücken kommt, wie L. zeigt, von Menschen, die an die Götter glauben, aber ihr Handeln nicht verstehen. So haben, könnte man vergleichend hinzufügen, fromme Christen bei einem Unglück schon oft ‘Wie kann Gott das zulassen?’ gefragt, ohne in ihrem Glauben zu wanken. Man kann daher L.s Gegenthese, Euripides sei ebenso fromm gewesen wie Aischylos und Sophokles, zustimmen, ohne eine moderne Sicht auf seine Stücke aufzugeben; denn ihr uns interessierender (menschlicher) Inhalt wird davon nicht berührt. Auch die damaligen Zuschauer müssen ebenso wie wir vor allem an dem auf der Bühne dargestellten irdischen Geschehen Anteil genommen haben. Den Bericht, daß Herakles im Wahnsinn Frau und Kinder getötet hat, kann es nicht ungerührt angehört haben, weil es vorher von Iris erfahren hat, daß Hera dahintersteckt. So müssen wir heute nicht an die griechischen Götter glauben, um griechische Tragödien würdigen zu können. Ihre zeitlose Wirkung beruht nicht auf ihrem religiösen Hintergrund, sondern den dargestellten menschlichen Problemen und Konflikten. Wenn wir da immer noch offene Fragen sehen, ist das keine ironische Sichtweise, sondern ein grundsätzliches Nachdenken über den Menschen, seine Leidenschaften und Schicksale. Kiel Gustav Adolf Seeck Christian Vogel: Stoische Ethik und platonische Bildung. Simplikios’ Kommentar zu Epiktets Handbüchlein der Moral. Heidelberg: Winter 2013. 417 S. (Studien zu Literatur und Erkenntnis. 5.) 54 €. Obwohl die Neuplatoniker hinsichtlich der Epistemologie und Metaphysik die Stoiker häufig kritisierten, z.B. für die Lehre, daß alles Denken von der Sinneswahrnehmung ausgeht, oder für die Annahme der Körperlichkeit der Seele, blieb ihr Einfluß in der Ethik dominant; besonders gut sichtbar ist das am Ideal des plotinischen Weisen, der viele stoische Züge trägt.1 In den späteren neuplatonischen Schulen, in denen sich ein fester Lektürekanon aus Werken des Aristoteles und Platons etablierte, bildete das Encheiridion des Stoikers Epiktet zusammen mit dem pythagoreischen Carmen aureum oder auch einigen paränetischen Reden des Isokrates ein ethisches Propädeutikum zum Philosophiestudium. Zum Encheiridion ist ein umfangreicher Kommentar des Simplikios erhalten. Dieser ist von Ilsetraut Hadot 1996 herausgegeben und 2001 teilweise ins Französische übersetzt worden; größere Partien übersetzten Ted Brennan und Charles Brittain im Rahmen der von Richard Sorabji geleiteten ‘Greek Commentators on Aristotle’- Reihe ins Englische. ––––––––––––––––––––––––––––––––––––– 1 Vgl. J. M. Dillon, ‘An Ethic for the Late Antique Sage’, in: Gerson, L. P. (Hg.), ‘The Cambridge Companion to Plotinus’, Cambridge 1996, 315–335; A. Schniewind, ‘L’éthique du sage chez Plotin. Le paradigme du spoudaios’, Paris 2003. GNOMON 4/89/2017 Gnomon Bd. 89, 2017 368 Dem Verhältnis von stoischer und neuplatonischer Philosophie in Simplikios’ Kommentar zum Encheiridion ist Christian Vogels (V.) Dissertation gewidmet, die an der FU Berlin entstanden ist. Das Buch ist klar gegliedert: Nach einer Einleitung (S. 1–17), in der Fragestellung und Forschungsstand dargestellt werden, werden in einem ersten Hauptteil (S. 19–84) die theoretischen Grundlagen für die Verschiedenheit und Vereinbarkeit von Stoizismus und Platonismus in der Spätantike, insbesondere ihre Erkenntnistheorie, Bildungstheorie und Ethik, besprochen. In einem zweiten, wesentlich umfangreicheren Hauptteil (S. 85–385) wird der Kommentar des Simplikios im einzelnen unter den zuvor gegebenen theoretischen Voraussetzungen und im Blick auf das ausdrückliche Untersuchungsziel des Buches analysiert. Eine Zusammenfassung der Ergebnisse (S. 386– 390) sowie ein Literaturverzeichnis, Sachund Stellenindizes beschließen den Band. Ziel des Buches ist es, wie V. selbst sagt, «ausgehend von den erkenntnistheoretischen Prinzipien des Neuplatonismus zunächst die Verschiedenheit zum Stoizismus klar herauszustellen, um anschließend darlegen zu können, warum und wie Epiktets Ethik dennoch auf Grundlage der neuplatonischen Anthropologie und Bildungskonzeption in den Philosophieunterricht eingebunden werden kann, ohne dessen Philosophie mit der platonischen zu vermischen, zu harmonisieren, zu verschmelzen» (S. 5). Anders gesagt, ist V.’s Ziel, die gängige Forschungsmeinung zum Text, die wesentlich durch die Arbeiten Ilsetraut Hadots geprägt ist, einer Revision zu unterziehen und Simplikios gegen den Vorwurf zu verteidigen, er habe Epiktet mit den Augen des Neuplatonikers gelesen und stoische Terminologien und Gedanken fehlinterpretierend für seine Zwecke verwendet.1 Eine der Hauptfragen ist, wie ein Text, der offensichtlich andere erkenntnistheoretische Voraussetzungen als die eigene neuplatonische Lehre hat, dennoch als Propädeutikum für das Philosophiestudium verwendet werden konnte. Schwierig ––––––––––––––––––––––––––––––––––––– 1 So I. Hadot, ‘Simplicius – Commentaire sur le Manuel d’Epictète, Bd. I: Chapitres I–XXIX’, Paris 2001, CIV–CXXII. zu vereinbaren erscheint das jeweilige Ziel der Texte: Für Epiktet geht es darum, in philosophischen Anfängern mittels vernünftiger Prüfung der Vorstellungen alle seelischen Bewegungen auf das stoische summum bonum, die ‘Affektlosigkeit’ (ἀπάθεια), auszurichten und zur festen charakterlichen Disposition zu machen.2 Für Simplikios besteht das Ziel des Textes darin, «unsere Seele als eine freie zu vervollkommnen, (…) so daß sie sich weder vor etwas fürchtet, noch von etwas betrüben läßt und auch nicht von etwas Geringerem beherrscht wird» (Simpl. In Ench. 192,12–193,17 Hadot, Übs. V.). Es geht ihm also darum, «den richtigen Umgang des Menschen mit seinem Körper, mit seinen körperlichen Trieben herzustellen» (S. 77); es geht ihm nicht um eine völlige Freiheit von diesen Affekten, die stoische apatheia, sondern nur um eine Freiheit im Sinne eines rationalen Gebrauchs der Affekte, die mit dem aristotelischen Begriff der ‘Mäßigung der Affekte’ (μετριοπάθεια) beschrieben werden kann. Überdies wird die apatheia in der neuplatonischen Unterscheidung von Tugendgraden (scala virtutum) der kathartischen und theoretischen Tugend zugeordnet, während die metriopatheia mit der politischen Tugend verbunden ist (Porph. Sent. 32, 23, 4. 25, 6–9 Lamberz). Simplikios zielt nun mit seinem Kommentar zu Epiktets Encheiridion auf die Ausbildung der politischen Tugend, nicht der kathartischen oder theoretischen Tugend (Simpl. In Ench. 194,61–195,67 Hadot). Daraus entstehe in Hadots Deutung «unausgesprochen ein Widerspruch» (S. 11), daß Simplikios Epiktets Schrift nicht gemäß ihrer eigenen Intention im Sinne der stoischen apatheia, sondern zur Ausbildung der aristotelischen metriopatheia verwendet habe. V. löst den vermeintlichen Widerspruch dadurch auf, daß für Simplikios die stoische apatheia des Epiktet der aristotelischen metriopatheia, der Mitte zwischen zwei Extremen, entspreche, «wonach für denjenigen, dessen Vernunftvermögen noch nicht ausgebildet ––––––––––––––––––––––––––––––––––––– 2 Vgl. U. Brandt, ‘Kommentar zu Epiktets Encheiridion’, Heidelberg 2015, 22, der bisher einzige Kommentar zu diesem Werk. GNOMON 4/89/2017 Vorlagen und Nachrichten 369 sind, der Weg zur rechten Mitte, zum maßhaften Handeln von dem für den Menschen ferneren Extrem (vollständiger Verzicht) leichter ist als von dem näheren Extrem (Unbeherrschtheit)» (S. 387. 77–80: mit Verweis auf Arist. Eth. Nic. II 8f, 1108b11–1109a35, bes. 1109a30–35). Epiktets ‘Gebrauch der Vorstellungen’ (χρῆσις φαντασιῶν) ist der zweite zentrale Begriff, auf dem V.’s Interpretation beruht. Nach einer Skizze der Erkenntnistheorie bei Platon und Aristoteles (S. 19–30) und bei den Stoikern (S. 44–51. 63–65) kommt V. zu dem Schluß, daß Epiktets «Vorstellungsdenken» der platonisch-aristotelischen «Unterscheidungsphilosophie» «eindeutig…entgegensteht» (S. 50). Dennoch kann V. den Text der Ebene der Meinung zuordnen: Der Nutzen von Epiktets Encheiridion für den platonischen Schulunterricht sei die «Ausbildung des untersten dianoetischen Vermögens, nämlich des Meinungsvermögens» (S. 90), indem der Schüler durch Belehrung in griffigen, kurzen Sätzen und anhand von vielen Beispielen zu einer entsprechenden Einsicht in rational geleitete Handlungen und durch entsprechende Wiederholungen zu einem festen Habitus der Seele gebracht werde. Insgesamt ist V.’s Buch eine philosophisch durchdachte und zugleich philologisch versierte Arbeit, deren Deutung Anlaß gibt, gewohnte Sichtweisen auf den Text zu überdenken. Es ist allerdings zu fragen, ob die Verteidigung des Simplikios gegen den Vorwurf, Epiktet und die Stoa gelegentlich mißzuverstehen, vollumfänglich gelingt und ob V.’s Interpretation nicht doch eher den Eindruck bestätigt, Simplikios habe den stoischen Text stets mit seiner eigenen Blickrichtung und Zielsetzung gelesen. Nichtsdestotrotz ist V.’s Deutung ein interessanter Beitrag zur Rezeption der stoischen Ethik im Neuplatonismus, einem Gebiet, dem noch verstärkte Aufmerksamkeit gebührt. Göttingen Michael Schramm Lucretius, De rerum natura. Édition critique et traduction Bernard Combeaud. Préface Michel Onfray. Bordeaux: Mollat 2015. 687 S. 50 €. La ‘préface’ del filosofo dell’ateismo Michel Onfray parte dall’interrogativo: «Pourquoi paraȋt-il impensable à Lucrèce comme à Épicure de nier purement et simplement l’existence des dieux?» per concludere dopo ampia esposizione che a quel tempo «Épicure et Lucrèce développent donc leur pensée polythéiste et matérialiste dans un temps où l’athéisme est impossible à envisager, probablement parce que la phylogenèse cérébrale et spirituelle ne permet pas encore de prendre congé des dieux». Inoltre Onfray pensa, come Bernard Combeaud, che Lucrezio abbia completato il poema ma che la fine per qualche caso sia scomparsa. Per quel che riguarda il problema delle fonti epicuree di Lucrezio, Onfray scrive: «On pourra faire toutes les thèses que l’on voudra sur les sources épicuriennes de Lucrèce on n’obtiendra jamais que du vent, du vent chargé d’un tout petit peu de poussière. Car, rappelons-le en renvoyant à Diogène Laërce, une bible historiographique à mes yeux, Épicure a publié pas moins de trois cents rouleaux. Vie et doctrines des philosophes illustres donne une liste de quarante-trois titres parmi, dit le texte, ‹ce qu’il a composé de mieux...›. Il a donc écrit sur la nature, l’amour, les physiciens, les apories, les choix, le critère, les dieux, la piété, les genres de vie, la vision, le toucher, le destin» eccetera. «Tout ceci est perdu». Ad una attenta lettura di questo testo del de rerum natura appare chiaro che si tratta sostanzialmente di quello per un’edizione divulgativa e scolastica, seguendo per lo più il testo dell’edizione Bailey (1900–19222), e accompagnandolo con una originale traduzione in francese. Si danno di essa qui di séguito i primi cinque versi del de r. n.: «Mère des fils d’Enée, volupté de l’homme et des dieux, / Alme Vénus qui, sous la voûte aux routes constellées, / Et la Mer portenefs et la Terre au fruit généreux / Va peuplant – puisque par toi toutes les vies animées / Sont conçues, et, décloses, voient le soleil radieux». Le pagine da 492 a 678 riguardano un apparato di note GNOMON 4/89/2017 Gnomon Bd. 89, 2017 370 esplicative in genere buone, rispetto al testo seguito. L’aspetto tuttavia assai strano di questo testo supposto critico è che si ignora completamente l’edizione critica con traduzione italiana di E. Flores, Bibliopolis editore in Napoli, in tre volumi, usciti rispettivamente il I nel 2002, il II nel 2004, il III nel 2009. E la stranezza consiste anche nel fatto che Napoli non è in Papuasia ma in Italia, e legata strettamente alla Francia più che ad ogni altro paese al mondo. Per questo motivo d’ora in poi non posso che trattare, almeno in modo esemplificativo, che di qualche aspetto del testo dato da Combeaud rispetto alle mie acquisizioni di oltre un cinquantennio. Innanzi tutto, a me sembra, Combeaud ha visto in microfilm soltanto i codici O e Q, citando gli altri di seconda mano, e con errori considerevoli, per es., fin dall’inizio, l’inversione dei vv. 15–14 «recte restituit» L mentre invece risale a (P). Per quel che riguarda la grafia del testo latino Combeaud mi appare in genere più corretto in confronto a Bailey, e nel verso d’inizio scrive giustamente diuomque rispetto all’errato divumque di Bailey: vd. mia edizione, diuomque O2 QG magis euphonon: diuum- O(P). Invece a I 50 Combeaud (vd. anche nota p. 499) segue il Bailey scrivendo: quod super est, uacuas auris [animumque sagacem] e motivandolo cosí: «sic hic uersus legitur apud interpretem Vergilli (sic) ad Georg.III,3», contro vd. Flores quod superest, Memmi, uacuas auris mihi teque Flores7 54: mihi Memmius et te LPFC omis. OQG mihi Memmius auris AB animumque Sauppe plerique edd. A I 122 Combeaud ha come OQ e Bailey permaneant contro permanent di Sr in mg. j1 Politianus (cf. etiam III 699), defendit Flores1 119 sq., mentre a 190 crescentesque in OQG(P)pDI Bailey e Combeaud contro crescendoque L in ras. DrIr et uett. edd. usque ad Havercampum et Flores. I vv. I 434–435 vengono nell’ordine invertiti da Combeaud, come in T e Lachmann-Bailey contro altri editori e Flores. Nel Libro II a 305 l’editore francese legge effugere ex omni quicquam est , neque in omne, come in Bailey con l’addizione di Munro plerique edd., ma contra Flores (sia pure dubit., e cf. u. III 44) effugere ex omni quicquam est, neque in omne; mentre a 422 il francese ha omnis enim, sensus quae mulcet cumque, con l’addizione falsamente riportata come di Martin (che se l’era attribuita, mentre invece era di Postgate), non seguendo in questo caso il testo di Bailey che ha figura di Schneidewin. Laddove in Flores c’è omnis enim sensus quae mulcet cumque , seguendo et Büchner iuuat res Brieger in Proleg. XLIV, praeeunte iuuat ue DrIr; uidentur (ex u. 421 repet.) OQG(P). Cosí a 428 in Combeaud c’è sed magis angellis paulum prostantibus, , con l’addizione attribuita in nota a Martin e Bailey, quando invece quest’ultimo, reprinted 19622, ha attribuendolo ad Howard. Analogamente nei libri successivi prevale il testo di Bailey, sia pure spesso mal riportato con errori come sopra, per cui a III 267 Combeaud ha est odor, et quidam color, et sapor, et tamen ex his, con color correzione del Lambino per il calor dei mss., di Bailey e Flores, e vi aggiunge peraltro una nota, buona anche se discutibile. Tuttavia a 444 dove Bailey legge, con i codd. OQ, corpore qui nostro rarus magis Ϯ incohibescit Ϯ ? limitandosi a dare il testo corrotto, il nostro francese, seguendo un sospetto di Ernout, ha incohibescat che può considerarsi un’ottima, sia pur rara, correzione dell’uno e dell’altro (cf. anche nota a p. 564; per questo passo Flores segue Woltjer 1899 incohibens sit). Ancora, distinguendosi dal Bailey, il francese rifacendosi a Marullo (cf. nota p. 567) salva il verso III 763 = 746 (ponendolo dopo 764) che «recte del. Lachmann, scilicet ut dittographia propter uis in uu. 747 et 764» (Flores), aggiungendovi il v. 764a = 747, creando così uno sbalorditivo assurdo, del quale in apparato mi sembra abbia qualche sospetto. A IV 1154 poi il testo di Flores ha et tribuunt ea quae non sunt is commoda uere (e rifilano ad esse quei pregi che in verità non ci sono) con is di OQ, fort. recte pro eis contro his Os(P), ma ovviamente l’editore francese, che ignora Flores, seguendo C. Bailey accetta l’insulso his. A V 385 invece giustamente Combeaud con patrantur si distingue da Bailey patrarunt, e a sua insaputa concorda con Flores che ha in apparato: patrantur OQ(P)p GNOMON 4/89/2017 Vorlagen und Nachrichten 371 Diels patrarunt Goebel3 41 Bailey Costa pessime. I vv. VI 608–638 furono infine espunti dal Bailey seguendo, come dice, Lachmann (che fu accolto dalla maggioranza degli editori posteriori), ma Combeaud correttamente li salva preceduto dall’ignorato Flores, vd. apparato (tuttavia al v. 609 accoglie, contro il Bailey, la lezione natura di OQ(P) invece di naturam di Dr Ir Da Pontanus ed editori successivi, compreso Flores). E diciamo che per sua buona fortuna non sono questi un caso unico, segno che se Combeaud avesse dedicato più tempo all’edizione del testo di Lucrezio, si sarebbe risparmiato molti degli errori del vecchissimo testo di Bailey. Napoli Enrico Flores Ann Vasaly: Livy’s Political Philosophy. Power and Personality in Early Rome. Cambridge: Cambridge UP 2015. XI, 209 S. With this fine analysis of the structures, themes, and characters of Livy’s first pentad, Ann Vasaly (henceforth ‘V.’) enriches our understanding of the contribution of exemplarity to Roman historiography. Whether that contribution amounts to a political philosophy depends on how one defines political philosophy. In pointing us to ‘power and personality’ the subtitle may be a better guide to the book’s subject matter. Like many, V. sees Livy’s history as a remedium for the ills of the state, initiated when Livy was «waiting ... to see who would triumph in the civil wars of the 30s» (128). After a brief introductory chapter entitled ‘Livy and Domestic Politics’, which provides an overview of the triumviral period focused on events in the Transpadane region of Livy’s Padua, V. turns to the literary precedents, in particular to the ‘Archaeologies’ in which historians (Thucydides, Polybius, Sallust) and philosophers describe the earliest phases of political development. Cicero in De republica 2, for example, «illustrates how an idealizing historical narrative may be employed to do the didactic work of abstract political theory» (20). Livy’s first pentad, V. argues, can be seen as an «archaeology writ large» (10). In the second chapter, on Livy’s preface, V. stresses the connection between Livy’s didactic purpose and the malleability of the history of early Rome, as exemplified in the story of the duel between Manlius and the Gaul, which Livy has made «more obviously didactic» than it was in his putative source (33 on 7.9–10). In arguing that the didaxis is specifically political V. adds to a recent spate of work on Livy’s political engagement.1 However, rendering quibus ... artibus domi militiaeque (praef. 9) as «the operation of public policy, both domestically and abroad» (29) is tendentious; ‘public policy’ obviously sounds more like political philosophy than does ‘skills’, a more conventional translation of artibus used later (125). And the chapter subtitle’s characterization of the preface as «a reader’s guide to the first pentad» understates the author’s embrace of the entirety of Roman history here (e.g., praef. 4 res est ... immensi operis, ut quae supra septingentesimum annum repetatur). The next four chapters are devoted to the major political issues that surface in the narrative of the regal period and the early republic, namely, monarchy (ch. 3), tyranny (ch. 4), political oratory (ch. 5), and class conflict (ch. 6). In discussing Book 1 V. focuses on gradual maturation of the populus Romanus towards readiness for libertas. The lesson, she argues, is «that the best form of imperium at any particular time is dependent on the character of the governed, and that the character of the people, in turn, responds over time to that of its ruler» (53). But given that there were ––––––––––––––––––––––––––––––––––––– 1 E.g., D. S. Levene, ‘History, Metahistory, and Audience Response in Livy 45’, in: Classical Antiquity, 23, 2006, 73–108; D. Hammer, ‘Roman Political Thought and the Modern Theoretical Imagination’, Norman, OK, 2008; J. Connolly, ‘Virtue and Violence. The Historians on Politics’, in: A. Feldherr, ed., ‘The Cambridge Companion to the Roman Historians’, Cambridge, 2009, 181–94; D. J. Kapust, ‘Republicanism, Rhetoric, and Roman Political Thought. Sallust, Livy, and Tacitus’, Cambridge, 2012; B. Mineo, ‘Livy’s Historical Philosophy’, in: B. Mineo, ‘A Companion to Livy’, Malden, MA, 2015, 139–52. GNOMON 4/89/2017 Gnomon Bd. 89, 2017 372 no constitutional alternatives in view during this period, except perhaps in the case of Servius Tullius’ aborted abdication (1.48.9), I am not convinced that the reader is meant to infer a general political principle from the particular instance of Rome’s monarchy. One might just as well take Livy’s regal period as a lively and specific realization of a principle articulated by Aristotle, among others (Pol. 1296b10–17 = 4.9.3–10.1, cited in note 54 on p. 159). Chapter 4, ‘Tyranny and the Tyrannical Temperament’, introduces Livy’s technique of familial stereotyping, so well treated in V.’s articles on the Quinctii and Claudii, and «one of the central questions of ancient political theory: the character of the potential tyrant and the circumstances facilitating his rise to power» (59).1 The villain of the decemviral period, Appius Claudius, looms large. The issue of character also predominates in chapter 5, ‘The Best Citizen and the Best Orator’, in which V. looks at several foils to Appius Claudius, including the paragon Camillus and the more interesting triad of Quinctii (Capitolinus, Caeso, and Cincinnatus), good men and proponents of concordia (64), indeed of concordia ordinum (3.69.4). The natural connection with Cicero is drawn (94–95), but I would have welcomed a discussion of concordia in light of the failure of Ciceronian politics. Discordia is the theme in chapter 6, in which V. looks at Livy’s analysis of popularis politics, arguing (contra Seager) that «for Livy ... the assessment of both patrician and plebeian populares depends on the ultimate aim of their interaction with the masses» (116).2 Much of the chapter thus turns on character, but the constitution – specifically, the worthiness of the populace to wield power (121) – is the focus of the final section, in which the ––––––––––––––––––––––––––––––––––––– 1 A. Vasaly, ‘Personality and Power. Livy’s Depiction of the Appii Claudii in the First Pentad’, in: Transactions of the American Philological Association 117, 1987, 203–26; eadem, ‘The Rhetoric of Anti-Rhetoric. The Quinctii in Livy’s First Pentad’, in: Classical World 92, 1999, 513– 30. 2 R. Seager, ‘Populares in Livy and the Livian Tradition’, in: Classical Quarterly 27, 1977, 379–90. big political issues of the speech of the tribune Lucius Canuleius (4.3–5) are made salient through a comparison with Dionysius’ account of the same episode (4.11.53– 61). The conclusion is a substantial chapter on ‘Livy’s ‹Republic›’ in which V. juxtaposes Livy’s discussions of tyranny, oratory, and concordia with those of Cicero in the De officiis, De oratore, and De republica (with De legibus) respectively. Contemporary forms of political power come briefly under scrutiny: term limits and untrammeled power, for example, are as relevant to the dictatorship or triumvirate as to the decemvirate (128). However, V. admits that «there are limits to the complexity of the political ideas that Livy communicates through the process of historiographical exemplarity» (125). These limitations are exacerbated by the book’s focus on the first pentad. The exclusion of the rest of the work, while defensible in pragmatic terms as well as with reference to programmatic statements (e.g., 6.1.1–3), has the unfortunate effect of making Livy’s analyses seem simplistic, perhaps more simplistic than they would have seemed to readers who, as Livy knew they would, hurried on to more recent events (praef. 4). For example, the idea that the survival of the republic depended on the production of «outstanding leaders capable of countering the influence of pernicious demagogues by guiding the people to make wise choices» (129) is bound to have developed nuances as the reader encountered one effective but imperfect leader after another over the centuries of republican history. The series begins as early as Manlius Torquatus, whose story straddles Books 5 and 6, or perhaps with Romulus himself, although the negative elements of his story are discounted here (37). And even the Pompeianus Livy would have been hard pressed to deliver a Pompey entirely in the mold of a Quinctius Capitolinus. Livy’s political program, as summarized by V., does not exactly dazzle us with its political savvy: he would like to see «the achievement of unity through an act of will by the individuals and groups that make up the Roman state» (136). Instead, as V.’s sensitive readings show, the exempla of the first pentad support political discourse by GNOMON 4/89/2017 Vorlagen und Nachrichten 373 illustrating some contexts in which such an act of will might be called for and by contributing words and images to debates about personal and public decisions. ‘Applied philosophy’, if you like. Philadelphia Cynthia Damon Petr Kitzler: From Passio Perpetuae to Acta Perpetuae. Recontextualizing a Martyr Story in the Literature of the Early Church. Berlin/Boston: de Gruyter 2015. XIV, 159 S. (Arbeiten zur Kirchengeschichte. 127.). If an external observer with no knowledge of philology, history or early Christianity were to read the book under review, she would conclude that the author of the Passio Perpetuae et Felicitatis did his or her best to prevent future readers from knowing who wrote the text (whether male or female, Montanist or not, whether a single author or three), when it was composed and under which circumstances, whether in Latin or in Greek. The unknown ancient author would appear to the external observer almost as a trickster who aims to confuse his or her readers. The same observer would also notice that Petr Kitzler (PK) devotes his attention precisely to these and other aspects which the unknown author seems so stubbornly to have wanted to keep hidden. For PK, in other words, as for the majority of scholars, the most famous early Christian passio becomes a field experiment for historical and philological enquiry. The Passio stands out among early Christian texts as one that has recently received a great deal of attention, not only from specialists in early Christian history but also from literary scholars and comparatists, and for many reasons, including the highly enigmatic nature of the text on the one hand, and fascinating questions of gender on the other. PK navigates with skill and perspicacity the traditional core of scholarship on Perpetua as well as the more recent discussions. In fact, it is worth emphasizing that his book is less about the text itself than about its early reception. PK divides his relatively brief discussion into three chapters. In the first, he treats the Passio as a ‘pre-text’ (with this term he refers to the textual basis for future reception and scholarly discussion). A summary description of the Passio is provided, including one of its immediate historical, cultural and religious contexts, especially in relationship to other acta and passiones. In this section the reader will find a detailed and at the same time concise discussion of the most debated issues: dating, authorship, language (Latin or Greek?), and religious orientation (Montanism?). The second chapter focusses on what PK describes as the ‘innovative features’ of the Passio, especially the subversive qualities which have universally been recognized in the figure of Perpetua herself, an example of bold resistance not only to her pagan antagonists but, more significantly, to the social norms of her time. (I for one find the term ‘innovative’ slightly awkward here, since it seems to imply a genealogical relationship between the early acta and passiones and this text, as if the author of Passio consciously innovates the genre by adding some original traits.) While the first two chapters represent a judicious and compact discussion of questions that have been handled in previous scholarship, the third (and last) chapter contains the most interesting material: it discusses the early reception of the Passio, within which Augustine plays the major role. In his doctrinary work De natura et origine animae and in various Sermones as well as in other texts, the Church Father cites and discusses Perpetua’s example; but, as PK rightly argues, his discussions consistently tend to «normalize» Perpetua’s figure, i.e. to render her more in conformance to the new status and recently acquired institutional establishment of the Church, above all by erasing her socially and theologically subversive traits and taming the womanly unruliness she represents. According to PK, Augustine’s influential vision of the martyr as she is represented within the text of the Passio constitutes the conceptual base of later reception, in particular of the Acta Perpetuae, extant in two versions (conventionally labeled Acta A and Acta B). Although PK does not use the term ‘rewriting’, this is what the Acta are in his opinion: a new version, in two different variants, of a pre-existent text (the Passio), a version conceived in line GNOMON 4/89/2017 Gnomon Bd. 89, 2017 374 with a precise agenda largely in harmony with the authoritative Augustinian interpretation. PK thus sees both versions of the Acta as a product of the late fifth century. In this review it is not my intention to discuss once again the many problematic details of the Passio which have been abundantly debated among scholars, widely acknowleged and endorsed by PK. Instead I will use the opportunity to raise some theoretical and methodological issues which deeply mark this book and – truth to tell – most scholarly discussion. Certain hermeneutical principles, which are at the base of PK’s book, are not only implicitly acknowledged and taken for granted, but lead to almost paradoxical consequences. The Passio, as has widely been recognized, is one of the most subversive texts of early Christianity – and, I would add, of ancient literature in general – not only because of its content (testifying to the social and theological unruliness of its female protagonist), but also for another perhaps even more important reason. The Passio, in contrast to other acta and passiones, in its very structure macroscopically thematizes, and thereby destabilizes, the main function of the martyrological text: its pretense to be a historical document which testifies to the glorious death of its heroical protagonists, and thus to be functional to the creation of Christian communities. The text of the Passio has in fact three different voices: the editor or redactor, i.e. the one who tells the story; Perpetua herself in her diary (the most famous and impressive part of the text); and Saturus’ narrative of his vision. The plurality of the voices – here I would qualify: not of the real voices but as they appear in the text – simply unhinges the question of authorship and authenticity. Regardless of what has been argued and may be argued in the future, again and again, we will in fact never know who wrote the text, or whether the portion attributed to Perpetua really was written by the martyr herself. It is also extremely unlikely that we will ever be able to definitely resolve the question of the original language – whether Latin or Greek – or of the possible Montanist background. And yet, or perhaps precisely because all these questions remain fundamentally insolvable, all scholarly efforts have been directed to them. PK’s book is no exception. Indeed, in some ways it is not only a resumption of previous scholarship, but it takes some of its features to an extreme. For example, PK rather confidently asserts that 1) the text is ‘authentic’, i.e. that the editor was an eyewitness of the martyrdom and that he put together the text immediately after the event, between 203 and 205; 2) Perpetua and Saturus did indeed write their respective parts, and the visions are ‘authentic’ (!); 3) Perpetua did indeed write her diary while in prison; 4) the Latin version is primary; 5) the text is not a Montanist document. Like so many other scholars, then, PK cannot resist analyzing all the information provided by the text, treating it as evidence, and formulating conclusions as if no doubt remains (although, to be sure, he repeatedly uses expressions like «almost certain»). On p. 22 PK assembles his dogmas, such as «The Christian editor has no reason to create a double pseudepigraphical fiction», «it is unlikely that the editor would have put so much effort into inventing three linguistically and stylistically different texts», «would a potential falsifier have dared fake an account of events that must have still been within the living memory of his contemporaries?». All these arguments could easily be turned around and their opposites asserted with equal conviction. Yet to pursue this kind of discussion would obviously not bring us any further in the appreciation of one of the most – as PK himself recognizes – enigmatic texts. For the text of the Passio, thanks to its very structure if nothing else, undermines precisely that historical credibility which it superficially tries to establish. The most original part of the book is without any doubt the last, dedicated to the early reception of the Passio both in hagiography and theological texts (Tertullian and Augustine) as well as its re-writing (Acta A and B). Surprisingly, however, PK has the reception of the Passio begin precisely with the Passio itself, since he sees in its anonymous editor its «very first interpreter» (p. 56). PK thereby pushes to its extreme the circularity of the most common approach to this remarkable work, as GNOMON 4/89/2017 Vorlagen und Nachrichten 375 if there were a Passio outside the Passio itself! To conclude, PK’s book provides a useful précis of the scholarly discussion on the Passio, and in its final chapter offers a number of interesting insights into its early reception. The epistemic limitation of the discussion, however, lies in my opinion in the parti pris that the Passio is an ‘authentic’ historical document and that thanks to its status as historical evidence the text reaches a higher aesthetical and literary level. But ‘authenticity’ does not necessarily depend on historical reliability, as this text shows in an exemplary way. Even more than its subversive content, the subversive textual quality of the Passio will never cease unsettling its readers, and deservedly so. From a certain perspective this text presents an extreme challenge to the kind of historical and philological research whose mission the Passio systematically dodges and defies. By asserting the sovereign centrality of the text, this work demands to be taken seriously; yet, as Augustine implicitly noticed, this particular passio cannot be exemplary, since the typical claim of exemplarity which characterizes the martyr act is here undermined by the form of the text. The text, in fact, pushes us to admire it so much precisely because we cannot grasp its elusive nature: admiranda, non imitanda. Ghent Marco Formisano Francesco Neri: Reliquie eroiche nella Grecia arcaica e classica (VI – IV sec. a.C.). Napoli: Società editrice il Mulino 2010. XVII, 257 S. (Istituto Italiano per gli Studi Storici. 58.) 33 €. Im Gegensatz zur Verehrung der Götter kannte der Kult der Heroen im antiken Griechenland eine räumliche Zentrierung. Die akzeptierte Grabstelle des Heros bildete den Fokus für die Entfaltung seiner sakralen Wirkmächtigkeit, auch wenn es konkurrierende Stätten für einzelne Heroen geben konnte. Aus der spätarchaischen und klassischen Zeit Griechenlands ist uns nun eine ganze Reihe von Bestrebungen einzelner Poleis überliefert, die sterblichen Überreste bedeutender Heroen auf ihr Territorium zu transferieren und sich damit eine besondere sakrale Bindung zu sichern. Das mit Abstand bekannteste Beispiel dafür ist ohne Zweifel die Überführung der Gebeine von Theseus von Skyros nach Athen, die Kimon nach den Perserkriegen aufwändig durchführte. Diese Aktivitäten, die in vieler Hinsicht eine Ausnahme in den religiösen Praktiken der griechischen Welt darstellten, wurden bisher kaum als genuines Phänomen wahrgenommen und systematisch untersucht. Dies möchte nun das vorliegende Buch durch eine vergleichende Analyse ändern. Das Werk ist insgesamt zweigeteilt. Auf eine Einführung in die Problematik (VII– XVII) folgt ein erster Teil (1–153), in dem elf bekannte Fälle aus dem genannten Zeitraum untersucht werden. Dass das Inhaltsverzeichnis des Buches an diesem Punkt sehr knapp ist und auf eine weitere Untergliederung der Seitenzahlen verzichtet, ist erstaunlich und für den Leser bedauerlich. Eine stärkere Transparenz wäre für die gezielte Nutzung sinnvoll gewesen. Als relevante Fälle hat der Autor folgende Überführungen von Überresten identifiziert: Adrastos und Melanippos nach Sikyon (1–18), Orestes (18–41) und Teisamenos (41–46) nach Sparta, Minos nach Agrigent (46–62), Hektor nach Theben (62–71), Theseus nach Athen (71–100), die mythische Überführung des Schulterblattes des Pelops nach Troja und seine Rückholung (100–116), Rhesos nach Amphipolis (116–131), Arkados nach Mantinea (131–141), Hippodameia nach Olympia (141–146) und Aristomenes nach Messenien (146–153). Bei den Einzeluntersuchungen werden zunächst die wichtigsten Quellen in Original und Übersetzung vorgestellt. Dann werden die historischen Umstände einschließlich der Bedeutung des Heros für die betroffenen Regionen analysiert und schließlich die Prozedur der Übertragung rekonstruiert. Insgesamt zeichnen sich die Einzelskizzen durch eine klare Struktur und eine umfassende Aufarbeitung der Informationsbasis aus, zu der auch eine ausführliche Darstellung der Forschungsdiskussion gehört. In einem zweiten Teil (155–229) werden dann die Ergebnisse der Einzeluntersuchungen zu allgemeineren Aussagen zusammengefasst. Hierbei weist der Autor GNOMON 4/89/2017 Gnomon Bd. 89, 2017 376 zunächst auf die zeitliche Verdichtung der Phänomene im ausgehenden 6. Jh. v. Chr. und in den ersten Jahrzehnten des 5. Jh. v. Chr. hin; hinzu kommt noch eine zweite Periode beim Übergang vom 5. zum 4. Jh. v. Chr. (158–179). Regional fällt die überproportionale Präsenz der Peloponnes sowohl bei den ursprünglichen Fundorten der Heroengräber als auch bei den Zielen der Transferierung auf. Dies könnte mit der intensiven Gegenwart von Überresten aus der mykenischen Zeit zu tun haben, die diese Komponenten des sakralen Lebens im Bewusstsein der Menschen besonders förderte. Eine genauere Untersuchung der Terminologie ergibt den klaren Befund, dass die Quellen zur Beschreibung der Vorgänge keine religiös konnotierten Begriffe verwenden, sondern eine nüchterne und prosaische Sprache vorherrscht (179–186). So wird in der Regel lediglich auf die Überführung der Knochen verwiesen, und dies in einer Form, die auch auf die Überreste normaler Menschen hätte angewandt werden können. Vielleicht waren die Vorgänge nicht zahlreich genug, um sprachlich eigene Strukturen zu entwickeln, oder die Prozeduren wurden eher als genuiner Teil der menschlichen Lebenswelt angesehen. Diese eher selbstverständliche Einbettung in die eigene Lebenswelt könnte auch die Tatsache erklären, dass diese Aktivitäten eine hohe interregionale Komponente besaßen und sich trotzdem ohne größere Probleme umsetzen ließen (186–229). Als Ursache für die Suche nach den Überresten und die Umbettung wird fast immer das Orakel von Delphi angegeben. Nur die Überführung von Minos nach Sizilien macht hier eine Ausnahme, was auf starke Eigenmotivation des Theron von Akragas zur Festigung seiner Herrschaft hinweist. Interessant sind auch die Überlegungen, dass es keine Hinweise auf Widerstände in den Regionen gab, in denen die Überreste der Heroen vorher lagen. Oft sei diesen die Bedeutung, die später den Gräbern zugewiesen wurde, nicht bewusst gewesen. Erstaunlich ist dabei die Tatsache, dass die betroffenen Gemeinschaften nicht versuchten, die sich nun bietende Chance zur sakralen Verstärkung ihres eigenen Gemeinwesens durch die Überreste zu nutzen. Dies zeigt, dass der Heroenkult in seiner sakralen Strahlkraft komplexere Verwebungen mit den spezifischen Strukturen in den Gemeinwesen aufwies als z.B. die Reliquien von Heiligen im Mittelalter. So konnten die Kulte nicht einfach additiv genutzt werden. Erklärungen für das Auffinden der Gräber wurden in der Antike kaum gegeben, die reklamierten Erfolge allgemein akzeptiert. Insgesamt kommt Neri zu dem Ergebnis, dass die Umbettung von Heroen immer in Zeiten von Neugründungen bzw. grundlegenden Reformen, die als Neubeginn angesehen wurden, stattfanden. Die Einholung der Überreste der Heroen wurde dabei als eine Stärkung der sakralen Verankerung verstanden, die eine dauerhafte Überlebensfähigkeit des neuen Gemeinwesens bzw. der reformierten Polis gewährleisten sollte. Ein weiterer Aspekt war vor allem bei Sparta und Athen das Bestreben, die sich ausweitenden Dominanzansprüche sakral zu unterfüttern und auf diese Weise die Reklamation von Sonderstellungen zu rechtfertigen. Nicht alle Überlegungen müssen den Leser überzeugen: Wieso wehrten sich die betroffenen Regionen nicht gegen die Überführung der Reliquien, wenn damit z.B. die spartanische Dominanz gerechtfertigt werden sollte? Religiöse Argumente hätten hier den Widerstand unterfüttern können. Das Problem scheint vielschichtiger gewesen zu sein. Insgesamt hat der Autor jedoch eine Rekonstruktion vorgelegt, die im Detail präzise Auskunft gibt und am Ende aus den Einzelfällen bedenkenswerte Rückschlüsse zieht. Gerade deshalb wäre es wünschenswert gewesen, wenn sich der Autor bei der Einordnung der Ergebnisse in den sakralen Kosmos des antiken Griechenlands noch etwas mutiger gezeigt und seine Resultate dazu genutzt hätte, eigene Positionierungen in der aktuellen Forschungsdebatte über Gemeinsamkeiten und Diversität des religiösen Lebens im antiken Griechenland zu konturieren. Dies bleibt nun dem Leser selbst überlassen, der sich dabei aber auf eine gelungene Studie zu diesem Thema stützen kann. Bochum Bernhard Linke GNOMON 4/89/2017 Vorlagen und Nachrichten 377 Barbara Pferdehirt, Markus Scholz. (Hrsgg.): Bürgerrecht und Krise. Die Constitutio Antoniniana 212 n. Chr. und ihre innenpolitischen Folgen. Mainz 2012. 103 S. Die Constitutio Antoniniana (CA), d.h. der Erlaß Caracallas (wohl 212 n. Chr., wie hier, 51–2, von T. Barnes wieder bekräftigt), der die politische Romanisierung des Römischen Reiches dramatisch vervollständigte, hat schon eine umfangreiche Literatur hervorgebracht. Der hier anzuzeigende Sammelband unter der Leitung von zwei Archäologen des Römisch- Germanischen Zentralmuseums in Mainz und Mitherausgebern des Bandes versucht nun, jene bedeutende Maßnahme und ihren politischen, sozialen und teilweise monumentalen Kontext möglichst umfassend und zugleich knapp zu würdigen. Dies wird unternommen in der Form eines entsprechenden, nach Teilthemen gegliederten Führers, der ursprünglich als ‘Begleitbuch’ für eine gleichnamige Ausstellung in Mainz gedacht war. Man findet im Bändchen wichtige Aspekte der Severerzeit behandelt, mit reichlichem Bildmaterial und gewissenhafter Heranziehung einschlägiger Literatur. Das Niveau der Mitarbeiter reicht von wirklichen Spezialisten (wie z.B. dem Papyrologen Peter Kuhlmann, der im Text der wohl als Pap. Giss. 40 I erhaltenen CA auf die alte Ergänzung der problematischen dediticii verzichtet [48–50], und dem Historiker Timothy Barnes, s. oben) bis zu Mainzer postgraduierten Studenten, die besonders Fragen der damaligen römischen Militärorganisation behandeln. Das Ergebnis ist demgemäß sehr ungleichmäßig, aber immer anregend. Besonders Beiträge, in denen u.a. die numismatischen Daten der Zeit Caracallas in Bezug auf sein eigenes Portrait und das seines schließlich ermordeten Bruders und Mitkaisers Geta fein behandelt werden (21–9) oder das inschriftliche Material über die onomastischen Nebenwirkungen des Erlasses, d.h. die Verbreitung des kaiserlichen Gentiliziums Aurelius im Römischen Reich, nach genaueren statistischen Methoden (67–75) erfaßt werden, sind nützlich und dokumentieren weiter die dynastischen Hintergründe und die zahlenmäßige Bedeutung jenes Wechsels. Die Schilderung der sozialen Wirklichkeit im Reich vor und nach dem Erlaß Caracallas läßt dagegen viel zu wünschen übrig: Man findet hier z.B. keine Erwähnung der strafrechtlich-sozialen Dichotomie der römischen Bürger selbst in honestiores und humiliores und ihrer Bedeutung vor und nach der CA. Was die Beweggründe Caracallas für die CA betrifft, sind die Herausgeber in einem Schlußteil (85–6) vorsichtig genug, verschiedene Motive mitwirken zu lassen, ohne aber auch die imitatio Alexandri Caracallas mit zu erwägen. Vereinfachend ist auch die Formulierung (88), was die Folgen der CA betrifft, «Caracallas Konstitution überwand in den Ostprovinzen das Denken in den engen Polisgrenzen…»; diese Entwicklung hatte ja dort viel früher angefangen und ist auch nach der CA viel differenzierter zu betrachten. Auf jeden Fall verstärkt auch diese Publikation die schon wachsende Forschungstendenz, die Constitutio Antoniniana nicht mehr als einen weiteren Launentrick eines skurrilen Kaisers, sondern als Produkt einer breiteren zeitgenössischen Entwicklung im Römischen Reich der Severerzeit, und zwar mit positivem Ergebnis für die Reichskohärenz, anzusehen. Athen Kostas Buraselis Laura Maria Michetti, Iefke van Kampen (Edd.): Il tumulo di Monte Aguzzo a Veio e la Collezione Chigi. Ricostruzione del contesto dell’olpe Chigi e note sulla formazione della collezione archeologica della famiglia Chigi a Formello. Testi di Marisa Di Bisceglie, Daniele F. Maras, Laura M. Michetti e Iefke van Kampen con un’Appendice di Mary Anne Tafuri. Roma: Giorgio Bretschneider Editore 2014. 221 S. 15 + 66 Taf. 2°. (Accademia Nazionale dei Lincei. Monumenti Antichi. Serie Miscellanea. 16.). Il volume, a cura di L. M. Michetti e I. v. Kampen, nasce dalla volontà di mettere a disposizione degli studiosi un importante monumento funerario etrusco di età medio-orientalizzante scoperto nella seconda metà del XIX secolo nel territorio dell’antica Veio: il tumulo principesco di Monte Aguzzo a Formello, più noto come GNOMON 4/89/2017 Gnomon Bd. 89, 2017 378 Tumulo Chigi per aver restituito l’olpe omonima, capolavoro della ceramica greca ascritto, secondo gli studi più recenti, alla fase di passaggio dal Protocorinzio Medio al Tardo (650–640 a.C.). A seguito dell’accentrarsi dell’interesse degli studiosi sul vaso, il tumulo con il corredo e la collezione archeologica dei Chigi erano rimasti sostanzialmente inediti. Il nome della famiglia, reso prestigioso nel XVII secolo dall’elezione di Alessandro VII al soglio pontificio (1655–1667), evoca importanti residenze e palazzi allocati non solo a Roma, dove nel Museo Nazionale Etrusco di Villa Giulia sono esposti dal 1913 l’olpe e la straordinaria anforettaalfabetario di bucchero, ma anche ad Ariccia e a Formello. In questo ultimo comune, in cui ricade oggi il territorio dell’antica Veio e nel palazzo dell’importante famiglia, ha sede dal 1992 il Museo dell’Agro Veientano che, nel momento in cui questo testo è licenziato per la stampa, è chiuso per i lavori del nuovo allestimento. Nelle more di stampa il Museo è stato inaugurato il 2 Dicembre 2016. Dopo aver recentemente accolto i materiali della Collezione, conservati anch’essi dal 1918 nel Museo Nazionale Etrusco di Villa Giulia, in linea con la sua vocazione territoriale l’ente riserverà al Tumulo Chigi uno spazio particolare nel quadro dei contesti funerari veienti di età orientalizzante e arcaica. La nuova esposizione comprenderà anche una scelta significativa degli ‘Oggetti Chigi’, di cui solo una parte è stata rinvenuta nel tumulo nel 1882 e l’altra in seguito a scavi effettuati tra il 1783 e il 1917 nelle proprietà di famiglia. Una piccola parte della collezione rimarrà, invece, nel palazzo di Ariccia. All’atto della stesura del volume le due curatrici disponevano di una solida base di lavoro costituita dalla Tesi di Laurea della compianta Marisa Di Bisceglie, dedicata allo studio dei materiali del Tumulo e discussa presso l’Università di Roma ‘La Sapienza’ nell’A.A. 1970–1971, relatore il Prof. M. Pallottino. La ricostruzione del contesto dell’olpe Chigi, violato già in antico come indicato dalla presenza di ceramiche ‘intruse’ e smembrato in più nuclei fin dai tempi dello scavo, si basa sul rapporto redatto da G. Ghirardini per le Notizie degli Scavi dopo il sopralluogo e i rilievi effettuati da R. Lanciani e soprattutto, sulla corposa documentazione d’archivio conservata nella SBAEM e nell’Archivio Vaticano, che hanno consentito il riconoscimento dei 256 oggetti schedati nel Catalogo, di cui 122 appartenenti al corredo del Tumulo e già schedati dalla Di Bisceglie e i rimanenti 134 alla c.d. Collezione. Dopo una ‘Presentazione’ distinta in due parti a firma di G. Colonna e G. Bartoloni, l’opera si articola in cinque capitoli, preceduti da una esauriente bibliografia (pp. 6– 28) e seguiti da due appendici, la prima di I. v. Kampen (‘I documenti d’archivio’, pp. 179–197) e la seconda di M. A. Tafuri (‘Analisi dei reperti osteologici provenienti dal Tumulo di Monte Aguzzo’, p. 201). Chiudono il volume una serie di indici, a cura di L. M. Michetti e di tavole, che ne rendono agevole la consultazione. Il primo capitolo (pp. 31–44) è dedicato alla storia della scoperta, alle vicende del monumento funerario fino alla tutela attuale, a quelle dei suoi materiali e della Collezione acquistati dallo Stato tra il 1913 e il 1918 (I. van Kampen) e all’inquadramento del Tumulo nell’ambito delle esperienze architettoniche etrusche di età orientalizzante (L. M. Michetti). Il secondo capitolo (pp. 49–94) consiste nel catalogo di tutti gli ‘Oggetti Chigi’ secondo la suddivisione sopra anticipata e ricostruita attraverso la documentazione d’archivio: la prima sezione (2.1, pp. 49–75) è costituita dalle schede dei materiali del Tumulo già redatte dalla Di Bisceglie, con l’aggiornamento bibliografico e le integrazioni degli oggetti a opera delle due curatrici, che si sono rese necessarie con il prosieguo degli studi e il più ampio taglio dato al lavoro; la seconda (2.2, pp. 76–94) è dedicata agli oggetti della Collezione. L. M. Michetti si è occupata nella prima sezione della ceramica d’importazione, compresa l’olpe Chigi (Cat. n. 1) – argomento di un importante convegno del 2010 e di una recente monografia di M. D’Acunto, elaborata contemporaneamente al volume in oggetto in un fruttuoso clima di scambio scientifico – della ceramica etrusco-geometrica e dell’etrusco-corinzia del contesto, fatta eccezione per i balsamari tra i quali spicca un aryballos miniaturistico iscritto (Cat. n. 92), studiati da D. F. Maras (pp. 116–120); nella seconda sezione, la GNOMON 4/89/2017 Vorlagen und Nachrichten 379 Michetti si è occupata dei materiali di ambito cronologico non coerente con quello del corredo: due vasi attici a figure nere, una pelike lucana a figure rosse, un’olla ad aironi, una lucerna a vernice nera e un pendente in avorio forse pertinente al corredo. I. van Kampen ha redatto per entrambe le sezioni 2.1 e 2.2 del Catalogo le schede del bucchero (la classe di materiali più rappresentata), degli impasti, delle due anfore della Collezione e di alcuni oggetti appartenenti al corredo: un piattello in bucchero grigio con cristogramma reimpiegato in età cristiana, un’anfora grecoitalica, una fuseruola d’impasto e due chiodi in ferro. L’importanza di questi materiali, numericamente esigui, si manifesta nella ipotesi ricostruttiva delle deposizioni del tumulo condotta nel capitolo 5. Le schede hanno carattere descrittivo; le considerazioni generali di carattere tipologico, stilistico e cronologico sono contenute nel capitolo 3 (pp. 97–137) dove si mantiene la medesima suddivisione per autore, ma i materiali del contesto e della Collezione sono trattati unitariamente al fine di offrire un quadro d’insieme delle produzioni e della loro circolazione nel contesto dell’orientalizzante veiente. Nel capitolo 4 (pp. 141–149) D. F. Maras affronta lo studio delle due testimonianze epigrafiche provenienti dal Tumulo (tranne le didascalie dipinte sull’olpe e il cristogramma sul piattello di bucchero) presenti sull’Alfabetario (Cat. n. 16) e sull’aryballos etrusco-corinzio miniaturistico (Cat. n. 92). Quanto al primo, lo studioso respinge l’ipotesi di P. Liverani di espungere il vaso dai materiali del contesto, ribadendo quanto sostenuto durante il Convegno del 2010. La serie di iscrizioni apposte almeno da due mani diverse documentano, accanto alle due sequenze alfabetiche e alle formule (magiche?), l’offerta del vaso da parte della madre (ati) di nome anaia al figlio venel e la firma dell’artigiano (velthur). Questi, nell’interpretazione di Maras, potrebbe essere il padrone dell’officina, «da identificare con un personaggio di rango aristocratico (eventualmente appartenente alla stessa famiglia titolare del Tumulo Chigi» (pp. 145–146, in part. nota 551). La presenza dell’epiteto ati e l’assenza dei gentilizi relativi ai tre personaggi avvalorano l’ipotesi che l’oggetto abbia fatto parte della tomba di famiglia. Inoltre, come prospettato da L. M. Michetti nel capitolo 5, p. 159, il contesto familiare dell’Alfabetario bene si sposa con il tema principale del programma figurativo dell’olpe Chigi: le tappe dell’iniziazione verso l’età adulta, segnata dal passaggio dalla caccia alla guerra. Nella lettura interpretativa delle testimonianze epigrafiche condotta da Maras assume un certo rilievo la formula onomastica una uras pẹpụnaṡ incisa sul piccolissimo aryballos etrusco-corinzio (Cat. n. 92), prodotto a Veio e iscritto in grafia locale. Il vasetto, appartenente al corredo del Tumulo o a una delle tre tombe poco distanti scavate da Lanciani, ha quindi pieno titolo per fare luce sulle famiglie ivi sepolte. Già notata dalla Di Bisceglie e pubblicata dallo stesso Maras nella REE del 2004 e poi nel fascicolo veiente del CIE, l’iscrizione è distinta da un doppio gentilizio, un Individualnamengentilicium e un gentilizio di tipo patronimico, pepunas, che lo studioso identifica verosimilmente con il nome della gens proprietaria del Tumulo Chigi. L’una uras, sulla base del confronto con le più recenti tesserae hospitales, sarebbe un personaggio di rango poco elevato, di origine straniera (falisca), in rapporto di probabile clientela con la gens pepunas (p. 147). Una prospettiva diversa sull’identificazione della gens titolare del Tumulo si aprirebbe se anaia fosse il gentilizio e non il prenome della donna che ha donato l’Alfabetario al figlio venel; velthur potrebbe invece essere stato un artigiano al suo servizio (G. Colonna, comunicazione orale al convegno del 2010 e ‘Firme di artisti in Etruria’, in AnnMuseo Faina 2014, pp. 50–51). In relazione, infine, alle modalità di redazione delle didascalie dell’olpe Chigi, Maras ribadisce l’ipotesi già espressa in occasione del Convegno del 2010, secondo la quale esse facevano parte del modello originale di medio o grande formato utilizzato dal pittore (o scriba) del vaso (pp. 148–149). Nel capitolo 5 le due curatrici, inserendo il Tumulo Chigi nel quadro complessivo del territorio veiente e della fase orientalizzante locale, raggiungono importanti risultati che poggiano su basi consolidate, in particolare la datazione dell’impianto della tomba sulla base delle caratteristiche archi- GNOMON 4/89/2017 Gnomon Bd. 89, 2017 380 tettoniche fissata da G. Colonna all’Orientalizzante medio, terminus post quem anche per i materiali più antichi del corredo. Altri risultati sono stati oggetto di anticipazioni in contributi preliminari degli stessi autori apparsi altrove, che hanno trovato nell’edizione integrale del contesto il luogo per la ricostruzione d’insieme. È il caso della suddivisione del corredo, circoscritto tra un momento avanzato dell’orientalizzante medio e il primo ventennio del VI, in tre fasi cronologiche e della conseguente individuazione di tre (o forse quattro) deposizioni: la principale e più antica individuata nella cella di fondo, databile al 650–630 a.C., la seconda del 630–600 a.C. e la terza del 600–580 a.C. Alla prima appartengono con sicurezza l’olpe Chigi, l’Alfabetario e probabilmente anche il vaso di bucchero con decorazione graffita, come indicato da I. van Kampen (p. 123), tutti dedicati insieme alla maggior parte degli altri oggetti a Venel, destinatario della sepoltura principale. Quanto alle produzioni artigianali veienti, la considerazione unitaria delle classi di materiali del Tumulo e della Collezione ha consentito di tracciarne un quadro un po’ più articolato di quello noto, sia per la ceramica etruscogeometrica (attraverso l’individuazione di una bottega innovatrice del repertorio più comune della produzione ad aironi attestata sia nel corredo che nella Collezione Chigi) che etrusco-corinzia, con manufatti di particolare interesse quali il lebete con anse verticali inquadrate da fiori di loto, forma plasmata su prototipi metallici di origine cipriota documentata anche in altri contesti del territorio e per la quale la Michetti ipotizza una produzione locale (pp. 112–113). Tra gli impasti, è da rilevare la presenza di Tripod Bowl di produzione o imitazione fenicia (I. v. Kampen, p. 134). Lo studio del bucchero ha documentato tipi finora ignoti a Veio e ha consentito di isolare un piccolo set di vasi miniaturistici che non trovano confronto nella classificazione di Rasmussen e sono probabilmente ascrivibili a una fase sperimentale della produzione locale, caratterizzata da forme che derivano da quelle dell’impasto del primo quarto del VII sec. a.C. (pp. 153– 154). L’incrocio dei dati ricavati dai materiali con quelli tratti dall’indagine antropologica e la valorizzazione di altri indizi quali la presenza dei chiodi di bronzo forse appartenenti a una cassa di legno, della fuseruola e del pendente, hanno consentito di ipotizzare il doppio uso di incinerazione e inumazione e che ati anaia sia stata probabilmente deposta nella camera di sinistra della tomba. Il volume, con il quale si riprende la pubblicazione sistematica delle necropoli arcaiche di Veio, si presenta come un contributo prezioso alle nostre conoscenze sull’orientalizzante del territorio il cui quadro, più ricco e aggiornato, a di recente raggiunto anche il pubblico dei visitatori del Museo dell’Agro Veientano (pp. 174– 175). Roma Marina Sclafani Manuela Mirschenz: Fließende Grenzen. Studien zur römischen Kaiserzeit im Ruhrgebiet. Rahden/Westf.: Verlag Marie Leidorf 2013. 223 S. 36 Abb. 13 Taf. 4°. (Bochumer Forschungen zur Ur- und Frühgeschichtlichen Archäologie. 6.). Die Publikation basiert auf der im Frühjahr 2013 unter dem Titel ‘Studien zum grenz- überschreitenden Austausch zwischen Imperium Romanum und Germania Magna während der römischen Kaiserzeit im Ruhrgebiet’ an der Ruhr-Universität Bochum angenommenen Dissertation. Besonders hervorzuheben ist die Tatsache der äußerst zeitnahen Publikation dieser akademischen Abschlußarbeit. Kern der Arbeit ist eine intensive Literaturrecherche, in der sekundäre Quellen und Informationen zu Befunden und Fundgruppen sowie zu ökonomischen Aspekten der römischen Kaiserzeit im Ruhrgebiet von der Autorin systematisch in einer Datenbank erfaßt und statistisch ausgewertet wurden. Sie stellt daher weniger die Vorlage neuer Fundkomplexe dar, vielmehr behandelt sie, auf der Basis bisher vorgelegter Grabungsergebnisse, strukturelle Fragen zum Austausch- und Vermittlungsprozeß zwischen der niedergermanischen Provinz und dem angrenzenden Barbaricum. Wie die Autorin im Vorwort deutlich macht, ist eine Fortsetzung und GNOMON 4/89/2017 Vorlagen und Nachrichten 381 Anpassung an den jeweiligen Forschungsstand und die Einbeziehung bislang nicht publizierter Materialvorlagen wahrscheinlich schon auf kurze Sicht erforderlich: Das systematische Zusammentragen vorhandener, jedoch unübersichtlicher Information ist der Grundstein zur Erforschung komplexerer Vorgänge und, so die Hoffnung der Autorin, eine nutzbringende Möglichkeit für zukünftige Arbeiten zum Ruhrgebiet. Die Einleitung (S. 7–16) nutzt die Autorin, um Zielsetzung und Methode vorzustellen, ebenso um den terminologischen Rahmen abzugrenzen. Vor dem Hintergrund der gesetzten Fragestellung und des geografischen Rahmens werden Begriffe wie ‘Grenzen und Räume’, ‘Austausch’, ‘Kultur’, aber auch die feinen Unterschiede der gegenseitigen Durchdringung von kulturellen Erscheinungen, was unter den Begriffen ‘Romanisierung – Akkulturation – Transformation – Kreolisation’ subsumiert wird, beleuchtet. Einen Schwerpunkt bildet die Besprechung der literarischen Überlieferung zu den Völkerschaften rechts des Rheins. Das zweite Kapitel widmet sich den Rahmenbedingungen der ‘Archäologie im rechtsrheinischen Untersuchungsraum’ (17–22). Nach der Besprechung der heutigen geografischen Gliederung und Aufteilung der Bodendenkmalforschung wird auf die durch die massive Industrialisierung und intensive Besiedlung eingeschränkten Erhaltungs- und Fundbedingungen sowie die Fundumstände in diesem Untersuchungsraum eingegangen. Dies wird in Relation zum Publikationstand gesetzt – die Grundlage und Ausgangsposition einer jeglichen Literaturrecherche: 79 bekannte Siedlungen (s. Liste 1 im Anhang des Werkes) im zentralen Untersuchungsgebiet sowie 17 Siedlungen in dessen Peripherie, wobei die Funddichte (im Verhältnis zur Kreisgröße) in Herne am höchsten ist. In zwei Dritteln der Fälle handelt es sich um eine zufällige Auffindung von Siedlungsbefunden oder -material (nur zu 35% erfolgten systematische Grabungen), wobei etwa 43% der als Siedlung angesprochenen Fundstellen durch Befunde wie Pfostenspuren oder Gruben gesichert sind. Letztere Gruppe konzentriert sich auf das Gebiet zwischen Lippe und Ruhr. Ein ausgeprägter Schwerpunkt kaiserzeitlicher Siedlungen ist im Raum Herne/Bochum zu vermerken; Siedlungsleere scheint hingegen am rechten Niederrhein zwischen Ruhrund Lippemündung (S. 21–22 nebst Grafiken) zu herrschen. Dabei bleibt die Frage offen, ob dies allein der Forschungslage geschuldet ist. Die Besprechung der Struktur dieser Siedlungen sowie der Grundrißtypen (ein-, zwei und dreischiffige Pfostenhausgrundrisse sowie Grubenhäuser) ist Gegenstand von Kapitel 3 (S. 23– 31). Unter dem Titel ‘Ökonomie im Rechtsrheinischen’ werden in Kapitel 4 die Grundlagen und Voraussetzungen der Wirtschaft im Untersuchungsraum vorgestellt, etwa Gewässernetz, Bodengüte, agrarklimatische Bedingungen sowie diverse Rohstoffquellen: Solequellen, Salzgewinnung, Metallagerstätten (Buntmetalle, Eisen), Steinkohle, Gesteine (Festgestein, Kalk, Sandstein, Alaunschiefer, Tonstein, Tonmergelstein); dazu die archäologischen und literarischen Nachweise für unterschiedliche wirtschaftliche Aktivitäten in den Siedlungen (Metallrecycling, Textilherstellung, Kulturpflanzenanbau – u.a. Getreide, Gewürze, Kräuter –, Viehzucht, Fischerei, Waldprodukte, Jagd – inkl. Leder, Fellen und Pelzen sowie Seife und Haarfärbemitteln). Als besonderes Beispiel wird in Kapitel 5 (S. 49–56) vor dem Hintergrund der besprochenen Rahmenbedingungen exemplarisch der Siedlungsort Kamen-Westick analysiert, ein Ort, der sich durch seinen besonderen Reichtum an römischem Importmaterial auszeichnet. In der Forschung wurde ihm daher eine wichtige Rolle im Austausch zwischen dem römischen Rheinland und dem Barbaricum zugeschrieben. Während Kapitel 6 (S. 57–60) sich der ‘Siedlungsgenese im Rechtsrheinischen’ widmet, wird im nachfolgenden Kapitel 7 (S. 61–64) die ‘Grabkultur im Rechtsrheinischen’ dargelegt. Kapitel 8 (S. 65–76) legt den Schwerpunkt auf die ‘Materielle Kultur im Rechtsrheinischen’. In den von der Autorin angelegten großen Gruppen (Keramik, Metallartefakte, Knochenartefakte) werden bestimmte Leitformen und deren Verbreitungsmuster besprochen. Zum Bedauern des Lesers werden die Darlegungen in diesem Kapitel jedoch nicht von GNOMON 4/89/2017 Gnomon Bd. 89, 2017 382 Verbreitungskarten begleitet wie in den vorangegangen Kapiteln. Nach einem kurzen Kapitel 9 (S. 77–78), in dem die bisherigen Ergebnisse kurz zusammengefaßt werden (‘Zwischenbilanz und Deutung’), befaßt sich die Autorin in Kapitel 10 (‘Schnittstellen und Vernetzung’, S. 79–115) mit dem Aspekt des römischen Imports im rechtsrheinischen Raum; wieder nach Gattungen wie Keramik (Terra Sigillata, Firnisware, Glattwandige Ware, rauwandige Gebrauchskeramik), Bronze-, Glasgefäße, Fibeln, Militaria und Bronzestatuetten getrennt. Vorangesetzt ist eine überschauliche Darlegung zum Stand der Forschung zur relativen und absoluten Chronologie im Untersuchungsgebiet (S. 80–87). Nur schwer nachzuvollziehen ist die Tatsache, daß darauf erneut ein Kapitel unter der Überschrift ‘Zwischenbilanz und Deutung’ (S. 117–118) folgt. Demgegenüber werden unter der Überschrift ‘Reflexionen des grenzüberschreitenden Austausches im linksrheinischen Raum’ (S. 119–149) die wechselseitigen Einflüsse aus der anderen Perspektive gezeigt. Hier wird, nach einer historischen Einführung mit dem Schwerpunkt auf der Militärgeschichte nach 69/70 n. Chr. unter besonderer Berücksichtigung der Entwicklung in Gelduba (Krefeld-Gellep), das Modell des Fernhandelsplatzes Gelduba diskutiert. Einen argumentativen Strang bildet die Besprechung der Artefakte germanischer Provenienz in ihrem linksrheinischen Kontext (Bernstein, Trachtzubehör, ‘Orakelstäbe’, Kämme, Keramik); einen weiteren, schließlich, eine umfassende Gräberanalyse mit den dort anzutreffenden Bestattungssitten in mehreren linksrheinischen Nekropolen (Krefeld-Gellep/Gelduba, Moers-Asberg/Asciburgium, Neuss/ Novaesium, Köln/Colonia Claudia Ara Agrippinensium). In Kapitel 13 (S. 151–153) wird auf drei Seiten eine Zusammenfassung der ganzheitlichen Herangehensweise zu den Aspekten von Romanisierung und Germanisierung unternommen. Das Ruhrgebiet mit der westlichen Hellwegzone erweist sich weniger als Transitzone denn als Bestandteil eines Grenzraumes, der vor allem in der jüngeren römischen Kaiserzeit raschen und umfangreichen Veränderungen unterliegt. Seine Raumgrenzen sind dabei nicht klar zu definieren, auch ist der Austausch zwar erkennbar, jedoch nicht zu konkretisieren. Zur Erfassung der spezifischen regionalen Bedingungen des grenzüberschreitenden Austausches wird dem rechtsrheinischen, zum Barbaricum gehörenden Untersuchungsraum zwischen Lippe und Wupper zunächst nach Siedlungsstrukturen, Grabformen, germanischer materieller Kultur und wirtschaftlichen Potentialen ein differenziertes Profil verliehen. Der rechtsrheinische Untersuchungsraum wird nach Erkenntnissen dieser Studie dadurch charakterisiert, daß sich keine scharfen Trennungen zwischen einzelnen Kulturräumen, -elementen und -impulsen ziehen lassen. Dabei zeigen sich Prozesse von Veränderungen des sozialen Raumes sowie fließende Grenzen in synchroner und diachroner Hinsicht. Entgegen der bisherigen Pauschalierung eines sog. ‘Rhein-Wesergermanischen Kulturkreises’ hat die vorliegende Untersuchung gezeigt, daß während der römischen Kaiserzeit zwischen Lippe und Wupper äußerst vielfältige Strukturen herrschten. Die Gemeinsamkeiten der kaiserzeitlichen Siedlungen des rechtsrheinischen Untersuchungsraumes beschränken sich auf wenige Merkmale (Positionierung an kleinen Fließgewässern, Fehlen von Fortifikationen, Holzpfostenbauweise). Kulturelle Einflüsse von außen, eventuell auch Migrationen, machen sich im Totenbrauchtum (Übergang von Brandgrubengräbern zu Urnen-, Brandschüttungsgräbern und Knochenlagern) ab der Mitte des 2. Jhs. n. Chr. bemerkbar (s. S. 152). Der Beginn eines langfristigen Wandlungsprozesses scheint sich besonders deutlich für die Mitte des 2. Jhs. n. Chr. abzuzeichnen – ein Zeitpunkt, für den verstärkt die Zufuhr römischer Artefakte verzeichnet wird. Dies vor Augen, gewinnt der Drucktitel des Werkes ‘Fließende Grenzen’ einen konkreten Sinn, zumal er zudem mit dem Begriff des Rheinlimes spielt, der, wie die Forschung der letzten Jahrzehnte erbracht hat, keinen Demarkationswall zwischen zwei politischen Räume darstellte. Zudem spiegelt der Zustrom provinzialrömischer Erzeugnisse eine gewisse Permeabilität der politischen Grenzen wider. Unscharf bleibt GNOMON 4/89/2017 Vorlagen und Nachrichten 383 jedoch die konkrete Darlegung dieser vielschichtigen und multidirektionalen Austauschprozesse, deren Erfassung durch die Bedingungen und Dynamiken, die sich konkret in dem geografisch umrissenen Untersuchungsraum und in den archäologischen Quellen beobachten lassen, nur mittels Modellen erfolgen kann. Das Werk schließt mit einem Literaturverzeichnis (S. 155–164), einem Abbildungsnachweis (S. 165) und diversen Anhängen, welche die Handhabung desselben erleichtern. Die Listen 1 bis 3 zeigen unterschiedliche Befundgattungen: Liste 1 Siedlungsplätze im rechtsrheinischen Raum (S. 167–199); Liste 2 Gräber im rechtsrheinischen Raum (S. 200–204); Liste 3 Münzhortfunde im rechtsrheinischen Raum (S. 205–208). Weitere Listen zeigen ausgewählte Fundgattungen wie Terra-Nigra- Drehscheibengefäße des Typs Chenet 342/Gellep 273 in rechtsrheinischen Siedlungskontexten (Liste 4, S. 209–214), Bernsteinfunde aus linksrheinischen Kontexten (Liste 5, S. 215–220) und germanische Fibeln im linksrheinischen Grenzgebiet (Liste 6, S. 221–223). Dreizehn Tafeln, teilweise in Farbe, zeigen die im Laufe des Textes besprochenen Pläne archäologischer Befunde. Madrid Marcus Heinrich Hermanns PERSONALIEN Der ord. Professor der Lateinischen Philologie des Mittelalters und der Neuzeit an der Universität Heidelberg Dr. Walter Berschin feiert am 17. Juni 2017 seinen 80. Geburtstag. Der ord. Professor der Klassischen Philologie an der Universität Mannheim Dr. Burkhart Cardauns feiert am 18. Juli 2017 seinen 85. Geburtstag. Der ord. Professor der Alten Geschichte an der Universität Hamburg Dr. Jürgen Deininger feiert am 10. Juni 2017 seinen 80. Geburtstag. Der ord. Professor der Alten Geschichte an der Freien Universität Berlin Dr. Alexander Demandt feiert am 6. Juni 2017 seinen 80. Geburtstag. Der Professor der Alten Geschichte und Epigraphik an der Universität Köln Dr. Helmut Engelmann feiert am 1. Juli 2017 seinen 80. Geburtstag. Die ord. Professorin der Alten Geschichte an der Universität Gießen Dr. Helga Gesche feiert am 8. Juli 2017 ihren 75. Geburtstag. Der Professor der Klassischen Philologie an der Universität München Dr. Joachim Gruber feiert am 17. Juni 2017 seinen 80. Geburtstag. Der Professor der Klassischen Archäologie an der Universität Wien Dr. Friedrich Wilhelm von Hase feiert am 26. Juni 2017 seinen 80. Geburtstag. Der Professor der Klassischen Archäologie an der Universität Salzburg Dr. Stefan Hiller feiert am 21. Juni 2017 seinen 75. Geburtstag. Der Professor der Byzantinistik und Neogräzistik an der Universität Wien Dr. Wolfram Hörandner feiert am 2. Juli 2017 seinen 75. Geburtstag. Der ord. Professor der Byzantinistik und Neogräzistik an der Universität Wien Dr. Johannes Koder feiert am 26. Juli 2017 seinen 75. Geburtstag. Die ord. Professorin der Mittellateinischen Philologie an der Universität Münster Dr. Christel Meier-Staubach feiert am 17. Juli 2017 ihren 75. Geburtstag. Die ord. Professorin der Klassischen Archäologie an der Universität Würzburg Dr. Erika Simon feiert am 27. Juni 2017 ihren 90. Geburtstag. Der ord. Professor der Klassischen Philologie an der Universität Zürich Dr. Peter Stotz feiert am 28. Juni 2017 seinen 75. Geburtstag. Der Professor der Byzantinistik und Neogräzistik an der Universität Bonn Dr. Erich Trapp feiert am 5. Juni 2017 seinen 75. Geburtstag. GNOMON 4/89/2017 ____________________________________________________________________________ Der GNOMON erscheint vierteljährlich zweimal. Bezugspreis jährlich 204,– E (Print) bzw. 232,– E (Print & Online) Jahresabo Online only E 204,– Vorzugspreis für Mitglieder des Verbandes der Historiker und Historikerinnen Deutschlands und des Verbands der Geschichtslehrer Deutschlands e.V. sowie für die Mitglieder der Mommsen-Gesellschaft Abonnement Print E 183,60, Abonnement Print & Online E 208,80. Jahresabo Online only E 183,60 Die Berechnung erfolgt jährlich. Preise früherer Bände auf Anfrage beim Verlag. Onlinezugang zu früheren Jahrgängen: Preis auf Anfrage (Basispreis für die Jahrgänge 2004–2012: E 916,–) Anzeigen: Bertram Götz (verantwortlich). Verlag C.H.BECK, Anzeigen-Abteilung, Wilhelmstraße 9, D-80801 München/Postanschrift: Postfach 40 03 40, D-80703 München. Disposition: Herstellung Anzeigen, techn. Daten, Diana Wendler, Tel.: 0 89/3 81 89-598, Fax: 0 89/3 81 89-599. E-Mail: anzeigen@beck.de Bestellungen nehmen alle Buchhandlungen entgegen. 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Abstract

As a critical journal for all classical studies, the GNOMON fosters the links between the distinct classical disciplines. It has thus an exceptional position among the classical review journals and allows familiarization with research and publications in neighbouring disciplines. The reviews address an international readership from all fields in classical studies. The GNOMON publishes reviews in German, English, French, Italian and Latin.

The GNOMON is published in eight issues a year.

Zusammenfassung

Der GNOMON pflegt als kritische Zeitschrift für die gesamte Altertumswissenschaft die Verbindung zwischen den verschiedenen Disziplinen der Altertumswissenschaft. Er nimmt dadurch eine Sonderstellung unter den Rezensionsorganen ein und bietet die Möglichkeit, sich über wichtige Forschungen und Publikationen auch in den Nachbarbereichen des eigenen Faches zu orientieren. Die Rezensionen im GNOMON wenden sich an ein internationales Publikum, das aus allen Teilgebieten der Altertumswissenschaft kommt. Die Publikationssprachen im GNOMON sind: Deutsch, Englisch, Französisch, Italienisch und Lateinisch.

Der GNOMON erscheint acht Mal im Jahr.