Oliver Grote, Paul Cartledge: Democracy. A Life. in:

Gnomon, page 335 - 339

GNO, Volume 89 (2017), Issue 4, ISSN: 0017-1417, ISSN online: 0017-1417, https://doi.org/10.17104/0017-1417-2017-4-335

Browse Volumes and Issues: Gnomon

C.H.BECK, München
Bibliographic information
O. Grote: Cartledge, Democracy 335 Paul Cartledge: Democracy. A Life. Oxford: Oxford UP 2016. XXVI, 383 S. 20 Abb. 6 Ktn. 20 £. Nicht wenige Leser werden vor ihrer Lektüre des Buches die Erwartung hegen, eine epochenübergreifende Studie verschiedener Ausprägungen des Phänomens ‘Demokratie’ in Händen zu halten, die über das angestammte Spezialgebiet des Althistorikers Paul Cartledge hinausgeht – weckt der originelle Titel doch die bildhafte Vorstellung einer ‘Biographie’ der Demokratie von ihrer Wiege in der Antike bis ins gesetzte (oder gebrechliche?) Alter in der Gegenwart. Bereits der Blick ins Inhaltsverzeichnis dürfte in diesem Fall für Ernüchterung sorgen, denn nur vier der 20 Kapitel – insgesamt weit weniger als ein Zehntel des Gesamtumfangs – beschäftigen sich eingehend mit der nachantiken oder modernen Demokratie. Es wäre also ein Leichtes, die Rezension des Buches mit einem kritischen Hinweis auf den irreführenden Titel zu beginnen oder die in weiten Teilen vorherrschende Konzentration auf die athenische Demokratie des klassischen Zeitalters zu bemängeln. Angesichts der zugrunde gelegten Auffassung von Demokratie und der hieraus resultierenden Konzeption des Werkes täte man dem Verf. damit jedoch Unrecht. In seinem Prolog beschreibt C. demokratia als des Volkes «power of decision and control» (7) und stellt somit klar, dass die faktische Machtausübung durch die Bürger die notwendige Bedingung jedweder Demokratie darstellt. Dementsprechend versteht er unter demokratischer Politik (im Sinne des engl. ‘politics’) die öffentliche und kollektive Entscheidungsfindung aller Bürger, die – nach vorangegangener offener Beratung – über entscheidungsbedürftige Belange der Gemeinde im Modus «one citizen, one vote» abstimmen (3f). Um von einer echten Demokratie zu sprechen, müsse das Volk – so betont er immer wieder (3. 36f) – tatsächlich «empowered» sein, das Ergebnis dieses Prozesses auch durchzusetzen. Eine solche Definition mag man aus heutiger Sicht für zu eng halten, zumal sie unsere Repräsentativdemokratie nicht einschließt. Ontogenetisch (um einmal im Bild von der Demokratie als lebendigem Wesen zu bleiben) bzw. historisch ist sie aber korrekt, und nicht nur das: Auch unsere gegenwärtige Auffassung von Demokratie scheint sich zumindest grundsätzlich noch immer an diesem Ideal zu orientieren, wenn wir uns größtenteils darüber einig sind, dass Demokratie die richtige Form politischen Lebens darstellt, aber immer öfter bemängeln, dass die modernen politischen Systeme echte Partizipation, geschweige denn die direkte Macht des Volkes, nicht mehr vorsehen.1 Gerade diese Inkongruenz zwischen der ‘etablierten’ repräsentativen und einer ‘wahren’, dem Wortsinn entsprechenden Demokratie scheint ein wesentliches Moment der aktuellen Diskussionen auszumachen. Der Ansatz, die athenische Demokratie des 5. und 4. Jh., als die Herrschaft des Volkes in höchstem Maße verwirklicht war, zum Maßstab zu nehmen, erscheint auch aus dieser Perspektive gerechtfertigt und gewährleistet zudem eine stabile analytische Kategorie. Mit Blick auf die Vorgeschichte der Demokratie in Griechenland, der C. recht viel Raum widmet (Kap. 2–4, 35–75), droht dieser Ausgangspunkt freilich zu ––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––– 1 Hierzu siehe etwa unlängst P. Mair, ‘Ruling the Void’, London 2013; D. Azzellini/M. Sitrin, ‘They Can’t Represent Us! Reinventing Democracy from Greece to Occupy’, London 2014; R. Fuller, ‘Beasts and Gods’, London 2015. GNOMON 4/89/2017 O. Grote: Cartledge, Democracy 336 ganz anders gelagerten Schwierigkeiten zu führen. Die Orientierung an der klassischen Demokratie birgt hier zweifellos die Gefahr einer evolutionärteleologischen Deutung, die etwa in politischen Praktiken und Institutionen der archaischen Zeit direkte Vorformen des demokratischen Systems zu erkennen glaubt und mithin eine Entwicklungslinie konstruiert, die in dieser Geradlinigkeit allenfalls im Auge des rückblickenden Betrachters aufscheint. Selbstverständlich ist sich C. dieser Problematik bewusst und betont, wie sehr die archaische Zeit als «age of experiment» verschiedene Formen politischen Denkens und Handelns hervorbrachte, die keineswegs geradlinig auf die Demokratie zusteuerten. Nichtsdestotrotz sei es notwendig, die Voraussetzungen der späteren Demokratie aufzudecken (50f). Wie umsichtig der Verf. dann in den einzelnen Fällen vorgeht, zeigt sich beispielsweise bei seiner Bewertung der solonischen Reformen. Dort betont er zwar ihre Bedeutung für die spätere Demokratie und hebt in diesem Zusammenhang besonders die Solon zugeschriebene Einrichtung der Heliaia bzw. das mit ihr etablierte Prinzip ‘one citizen = one vote’ hervor, tritt jedoch entschieden der zuweilen geäußerten Annahme entgegen, der Gesetzgeber habe damit bereits eine Form der Demokratie eingeführt (53f). Dass C. hierbei recht apodiktisch vorgeht, verwundert allerdings, da sich viele Aspekte der solonischen Reformen als Argumente gegen ihre demokratische Deutung angeboten hätten – beispielsweise der auf die oberste Vermögensklasse der Bürger beschränkte Zugang zum Archontat oder das immense machtpolitische Gewicht desselben Amtes, das sich in der in einem der Gedichte Solons erhobenen Forderung widerspiegelt, der Demos habe sich den ‘Lenkern des Volkes’1 zu fügen. Überhaupt ist das Buch nicht ganz frei von unzureichenden Begründungen, etwa wenn der Verf. die Frage, ob das hellenistische Rhodos eine Demokratie gekannt habe, mit dem Hinweis darauf verneint, die Forschung habe gute Gründe für eine oligarchische Regierungsform angeführt – ohne diese Gründe denn auch zu nennen (238). Undurchsichtig bleibt auch, warum er einerseits dem milesischen Beschlussverfahren in frühhellenistischer Zeit eine demokratische Prägung mit dem argumentum e silentio abspricht, es gebe in den erhaltenen Dekreten keinen Hinweis auf die Möglichkeit, Beschlussanträge zu modifizieren (236), andererseits Erythrai als «the proverbial rule-proving democratic exception» der hellenistischen Zeit hervorhebt, weil sich dort in zwei erhaltenen Dekreten eine demokratisch geprägte Tyrannenmörder-Ideologie erkennen lasse (236–238). Inhaltlich mag man C.s Einschätzungen teilen oder auch nicht;2 die Art und Weise seiner Argumentation überzeugt hier jedenfalls kaum, zumal er später in seiner zusammenfassenden Würdigung der hellenistischen Zeit betont, der «Hellenistic mode of democracy» sei zwar propagandistisch als Synonym für Republik oder Freiheit benutzt worden, habe aber mit der klassischen Demokratie oder dem aristotelischen Verständnis dieser Staatsform nichts mehr zu tun gehabt (244f). Dass er zuvor die demokratisch eingefärbte Ideologie in Erythrai als ––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––– 1 Sol. fr. 6 W. 2 Vgl. aber S. Carlsson, ‘Hellenistic Democracies: Freedom, Independence and Political Procedure in some East Greek City-States’, Stuttgart 2010. – Zu Erythrai siehe D. Teegarden, ‘Death to Tyrants: Ancient Greek Democracy and the Struggle Against Tyranny’, Princeton 2013, 142ff. GNOMON 4/89/2017 O. Grote: Cartledge, Democracy 337 Zeugnis für eine seltene hellenistische Demokratie gelten lässt, ist somit nicht nur inkonsequent, sondern methodisch fragwürdig. Solche Schwächen beschränken sich aber i.W. auf die Kapitel 14–17, die sich mit dem Nachwirken der Demokratie in nachklassischer Zeit beschäftigen. Demgegenüber ist C.s Würdigung der klassischen Demokratie, die den größten Teil seines Buches ausmacht (Kap. 5–13), in weiten Teilen überzeugend und überaus instruktiv. Beeindruckend ist v.a. die Bandbreite der angesprochenen Themen: Neben längeren ereignisgeschichtlichen Aufrissen (etwa 77–82. 157–167. 203– 209) und Analysen der politischen Institutionen und Ämter in Athen (Kap. 7) spricht er auch kultur- und sozialgeschichtliche Aspekte an, darunter die Bedeutung von Kult, Religion, Drama und Sklaverei für die Demokratie in Athen sowie die dortige Rolle der Frau (Kap. 8), und stellt die Wichtigkeit juristischer Prozesse und deren Orientierung am Gemeinwohl der athenischen Polis heraus (Kap. 10). Zudem thematisiert er den Delisch-Attischen Seebund und andere Belange athenischer Außenpolitik (v.a. Kap. 9) und klammert auch geistesgeschichtliche Fragen nicht aus, indem er sich sowohl dem antidemokratischen Denken als auch Ansätzen einer antiken Demokratietheorie widmet (Kap. 6). Exemplarisch seien einige der vielen überzeugenden Standpunkte des Verf. herausgegriffen. Er betont die im Vergleich mit dem geringen politischen Gewicht der Amtsträger immense Macht der athenischen Volksversammlung (116) und sieht durch den Rat der 500, der dem Demos die praktische Beteiligung an tagespolitischen Angelegenheiten ermöglichte, eine «participatory democracy» (111) verwirklicht. Die gleichmäßige Verteilung der Plätze im Rat sowie der meisten Ämter auf die zehn Phylen fasst er als Form der Repräsentation auf (110. 116). Nicht nur in seinem Kapitel über athenische Gerichtsverfahren (169f), sondern bereits in seinen Ausführungen zu den Institutionen weist C. besonders eindringlich auf die «jurisdictional dimension of the demos’ kratos» (117) hin; die hiermit verbundene Macht des Volkes spiegele sich besonders eindrucksvoll in der Tatsache wider, dass im Zuge der oligarchischen Umstürze von 411 und 404 die demokratischen Gerichtshöfe unmittelbar ausgesetzt wurden, offensichtlich also als Garant der Volksherrschaft galten (120). Weniger gelungen ist freilich seine Einschätzung der Sklaverei als «basis of the Athenian democracy» (138), die er mit der Existenz öffentlicher Sklaven mit bürokratischer und polizeilicher Funktion, v.a. aber mit der wirtschaftlichen Bedeutung der Ausbeutung von Sklaven begründet – seine Beispiele sind die Silberminen von Laureion und die Arbeit auf den Landgütern der Reichen. Führte man diesen Gedanken des Verf. aber weiter, so ginge hieraus hervor, dass die athenische Demokratie fundamental auf einem bürokratischen Apparat, der Existenz von Münzen oder dem Reichtum einer Oberschicht basierte, was sicherlich unzutreffend ist. Zur m.E. entscheidenden Frage, in welchem Umfang die Sklaverei auch dem Durchschnittsathener ermöglichte, abkömmlich für die politische Partizipation zu sein, dringt C. gar nicht vor.1 Auch sein Versuch, mithilfe einer (fragwürdigen) Definition des Bürgerstatus die Bedeutung der Sklaverei zu unterstreichen, kann kaum zufriedenstellen: In seiner Formel «being an Athenian ––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––– 1 Gegen die zuweilen vertretene Meinung, beinahe jeder Athener habe ‘seinen’ Sklaven besessen, siehe W. Ameling, ‘Landwirtschaft und Sklaverei im klassischen Attika’, in: HZ 266 (1998), 281–315. GNOMON 4/89/2017 O. Grote: Cartledge, Democracy 338 citizen meant, by definition, not being a slave» (138) lässt sich das Wort ‘slave’ beliebig durch eine andere soziale oder ethnische Gruppe ersetzen, etwa durch ‘metic’, ‘Spartan’ oder ‘alien’. Generell bleibt an dieser Stelle unklar, inwiefern eine solche Dichotomie mit allerhöchstens mentalitätsgeschichtlichen oder bürgerrechtlichen Implikationen die Behauptung einer funktionalen Bedeutung der Sklaverei für die Demokratie stützen kann. Überzeugend tritt C. hingegen in seinen Kapiteln zum 4. Jh. (Kap. 11–13, z.T. auch schon in Kap. 7) dem gängigen Vorurteil entgegen, der Höhepunkt der griechischen Demokratie sei bereits im Zeitalter des Perikles erreicht gewesen. Die weiteste Verbreitung unter griechischen Poleis habe sie jedenfalls erst im zweiten Viertel des 4. Jh. erfahren (197). In Athen habe das neu eingeführte Verfahren der Nomothesie keineswegs eine reine ‘Herrschaft der Gesetze’ eingeführt, da man dort nicht etwa zwischen der ‘Souveränität’ der Volksversammlung und der eines durch den Demos besetzten Gremiums von Nomotheten unterschieden habe. Auch der Grad an demokratischer Partizipation des Volkes sei hierdurch nicht gesunken (106. 223). Und dennoch: Die demokratische Praxis habe sich im Laufe des 4. Jh., vor allem in der Ära des Lykurg, verändert; sie sei «more managed …, more top-down», mehr an die Autorität einzelner Personen gebunden und mithin weniger egalitär geworden, wie C. es anschaulich beschreibt (225). Bereits diese inhaltliche Zusammenfassung zeigt, wie stark der Verf. die athenische Demokratie in den Mittelpunkt rückt, was angesichts der Quellenlage kaum verwundern kann. In seinen kurzen Passagen über weitere Poleis mit demokratischen Systemen wie Argos, Naxos, Korinth und Syrakus (145–157. 195– 199) hätte allenfalls das nur kurz erwähnte Elis eine detailliertere Studie verdient, da hier verhältnismäßig reichhaltiges Inschriftenmaterial zur Verfügung steht. Ein anderer (in diesem Fall nicht regionaler, sondern eher politologisch inspirierter) Schwerpunkt des Buches ist wohl als leidenschaftliches Anliegen seines Autors zu erklären: Immer wieder wendet er sich mit Verve gegen den «revisionism» (36) solcher Autoren, die versucht haben, frühe Demokratien auch in anderen Kulturen als der griechischen nachzuweisen, wie der Anthropologe Jack Goody oder der Nobelpreisträger Amartya Sen. Vor allem letzterer orientiert sich stark an Vorstellungen einer sog. ‘Konsensdemokratie’, die auf öffentlichen Diskussionen bis zur Verkündung eines ‘scheinbaren Konsenses’ basiert und als solche in vielen Kulturen zu finden ist. Mit Recht wehrt sich C. gegen die weitverbreitete Unsitte, derartige Modi der Entscheidungsfindung als demokratisch zu bezeichnen: Konsenssystemen ermangele es zwei fundamentaler Voraussetzungen der Demokratie, da sie weder die politische Macht des Volkes noch die politische Gleichheit der Bürger1 gewährleisten könnten (2–8. 35–37). Das leidenschaftliche Bestreben des Autors, der athenischen Demokratie ihren rechtmäßigen Platz in der Geschichte der Politik und des politischen Denkens zuzuweisen, mag ––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––– 1 Hierzu und zum ‘scheinbaren Konsens’ generell Ph. Urfalino, ‘La décision par consensus apparent. Nature et propriétés’, in: Revue européenne des sciences sociales 136 (2007), 47–70, der zeigt, dass Konsensentscheidungen bestehende Ungleichheiten der Teilnehmer legitimieren oder neue hervorbringen. Siehe auch E. Flaig, ‘Die Mehrheitsentscheidung’, Paderborn u. a. 2013, 31–51. GNOMON 4/89/2017 O. Grote: Cartledge, Democracy 339 man kritisieren;1 die sachliche Richtigkeit seiner Argumentation wird hierdurch jedenfalls nicht geschmälert. Der sich mit dem Nachhall der Demokratie in nachklassischer Zeit beschäftigende Teil des Buches (Kap. 14–17) ist ziemlich knapp ausgefallen – so umfasst Kap. 17 spärliche fünf Seiten, deckt aber die Spätantike, das gesamte Mittelalter und die Renaissance ab – und untersucht im Wesentlichen den Niedergang der Demokratie bzw. den totalen Bedeutungsverlust des Begriffs demokratia. Dass etwa Aelius Aristides das römische Reich als ‘Demokratie unter einem Herrscher und kosmêtês’ versteht oder bei Justinian Demokratie zum Synonym für den Aufruhr eines gewalttätigen Mobs wird, veranlasst C. zum resignierenden Seufzer «sic transit gloria mundi antiqui» (274). Der letzte Teil des Buches beinhaltet dann eine wiederum sehr kurze Betrachtung der Demokratierezeption in der Moderne seit dem 17. Jh. (Kap. 18–20), die sich i.W. an den Positionen bekannter politischer Denker wie Hobbes, Rousseau, Tocequeville oder Marx orientiert. Diese hätten der griechischen Demokratie durchweg wenig Verständnis entgegengebracht; vor diesem Hintergrund sei Georg Grote geradezu ein «pioneer in the re-evaluation of ancient Athens as a democracy» (302) gewesen. Auch hier zeigt sich eindringlich, dass die griechische Demokratie der klassischen Zeit stets als Orientierungspunkt dient, weswegen alle nachfolgenden Entwicklungen als Geschichte eines Niedergangs oder einer unzureichenden Rezeption erzählt werden – das mag tendenziös erscheinen, ist historisch aber sicherlich korrekt und angesichts des vorab gewählten Zuschnitts nur konsequent. Das Werk beschließt ein Ausblick auf die Gegenwart (305–313), in dem C. die Chancen für eine stärkere Demokratisierung in heutigen Staaten eher pessimistisch einschätzt. Demgegenüber wirkt sein (selbstverständlich nicht neuer) Vorschlag, durch die Verbindung moderner Kommunikationstechnologien mit direktdemokratischer Praxis nach antikem Muster eine globalisierte Form echter Demokratie hervorzubringen (310), beinahe etwas gutgläubig. Ob man das Buch insgesamt für gelungen hält oder nicht, hängt wohl nicht unwesentlich von den zuvor gehegten Erwartungen ab. Sucht man eine transepochale Geschichte politischer Systeme mit der Bezeichnung ‘Demokratie’, die sowohl der antiken Versammlungs- als auch der modernen Repräsentativdemokratie gerecht wird und zuverlässig den Forschungsstand aufbereitet,2 so ist man sicherlich enttäuscht. Begnügt man sich aber mit einer Betrachtung des Aufstiegs und Falls der griechischen (oder eigentlich athenischen) Demokratie sowie ihrer Rezeption, wird man sich über ein lesenswertes, informatives und mitunter auch unterhaltsames3 Buch freuen. Paderborn Oliver Grote ––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––– 1 So etwa J. Hanink in ihrer Rezension ‘Democracy When? A review of Paul Cartledge’s Democracy: A Life’ auf der Website eidolon.pub. 2 Deutschsprachige Literatur nimmt C. kaum zur Kenntnis. Namen wie Christian Meier, Wilfried Nippel oder Jochen Bleicken findet man weder im Fließtext noch in den spärlichen Anmerkungen (und auch nur z.T. im Literaturverzeichnis). 3 C. lockert seinen Text gelegentlich in humoristischer Weise auf – etwa wenn er den Delisch-Attischen Seebund als ATO («Aegean Treaty Organization») bezeichnet (147) oder das Erscheinen des ‘Inventory of Archaic and Classical Poleis’ des Copenhagen Polis Centre in eine Reihe von «post-antique landmarks» mit dem Fall Konstantinopels, der Französischen Revolution oder der Amerikanischen Unabhängigkeitserklärung stellt (xxvi). GNOMON 4/89/2017

Chapter Preview

References

Abstract

As a critical journal for all classical studies, the GNOMON fosters the links between the distinct classical disciplines. It has thus an exceptional position among the classical review journals and allows familiarization with research and publications in neighbouring disciplines. The reviews address an international readership from all fields in classical studies. The GNOMON publishes reviews in German, English, French, Italian and Latin.

The GNOMON is published in eight issues a year.

Zusammenfassung

Der GNOMON pflegt als kritische Zeitschrift für die gesamte Altertumswissenschaft die Verbindung zwischen den verschiedenen Disziplinen der Altertumswissenschaft. Er nimmt dadurch eine Sonderstellung unter den Rezensionsorganen ein und bietet die Möglichkeit, sich über wichtige Forschungen und Publikationen auch in den Nachbarbereichen des eigenen Faches zu orientieren. Die Rezensionen im GNOMON wenden sich an ein internationales Publikum, das aus allen Teilgebieten der Altertumswissenschaft kommt. Die Publikationssprachen im GNOMON sind: Deutsch, Englisch, Französisch, Italienisch und Lateinisch.

Der GNOMON erscheint acht Mal im Jahr.