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5.3 Die Erfassung der Steuern in der Investitionsrechnung in:

Hartmut Bieg, Heinz Kußmaul

Investition, page 181 - 194

2. Edition 2009, ISBN print: 978-3-8006-3658-7, ISBN online: 978-3-8006-4434-6, https://doi.org/10.15358/9783800644346_181

Series: Vahlens Handbücher der Wirtschafts- und Sozialwissenschaften

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5.3 Die Erfassung der Steuern in der Investitionsrechnung 157 Die Erfassung der Steuern in der Investitionsrechnung 5.3 Die Erfassung der Steuern in der Investitionsrechnung 5.3.1 Die Modifizierung des Kalkulationszinssatzes Eine Erfassung des Steuereinflusses erfolgt in den diversen geeigneten Modellen der Investitionsrechnung u.a. im Kalkulationszinssatz; eine Korrektur des Kalkulationszinssatzes, der einer Investitionsentscheidung im Fall der Nichtberücksichtigung von Steuern zugrunde liegt, um die Steuerwirkung ist deshalb erforderlich. Bei der Verwendung der Kapitalwertmethode wird ein vollkommener und für den Investor unbeschränkter Kapitalmarkt unterstellt, d.h., es besteht die Möglichkeit, Kapital in beliebiger Höhe zu einem bestimmten, einheitlichen Zinssatz (Kalkulationszinssatz) sowohl anzulegen als auch aufzunehmen. Dieser Zinssatz ist bestimmt entweder durch die Verzinsung der bestmöglichen Anlagealternative oder aber durch die vorteilhafteste Kapitalbeschaffungsmöglichkeit (vgl. dazu nochmals Abschnitt 4.1.2.1.4). Die im Falle der Finanzierung über Eigenkapital als Referenzzinssatz angesetzte Verzinsung der bestmöglichen Anlagealternative unterliegt aber der Belastung mit Ertragsteuern. Der Kalkulationszinssatz vor Steuern (i) ist im Falle der Einbeziehung von Ertragsteuern in die Investitionsrechnung also um die durch den Ertragsteuersatz ser bewirkte Renditeminderung (i ? ser) zu kürzen. Dem liegt die Annahme zugrunde, dass die Alternativinvestition innerhalb des Gewerbebetriebs erfolgt und ebenfalls dem Ertragsteuersatz ser unterliegt. Sofern sie im Privatvermögen erfolgt, ist bei der Kürzung nicht die Gewerbesteuer zu berücksichtigen.284 Wenn es sich in diesem Fall um eine Finanzinvestition handelt, so kommt grds. nicht der persönliche Einkommensteuersatz sek, sondern der Abgeltungsteuersatz i.H.v. 25 % (zzgl. SolZ) zur Anwendung.285 Auf die angesprochene Kürzung kann lediglich in solchen Fällen verzichtet werden, in denen die Alternativanlage steuerbefreit ist oder die Besteuerung keinen Einfluss auf die Entscheidungsfindung hat (vgl. Abschnitt 5.1). Bei einer Finanzierung über Fremdkapital, bei der sich der Kalkulationszinssatz am tatsächlich zu zahlenden effektiven Sollzinssatz orientiert, ist zu beachten, dass die gezahlten Fremdkapitalzinsen in voller Höhe (i. d. R. Einkommensteuer bzw. Körperschaftsteuer) oder zumindest teilweise (Gewerbesteuer; Einkommen- und Körperschaftsteuer bei Greifen der Zinsschranke286) bei der steuerlichen Bemessungsgrundlage als Betriebsausgaben abzugsfähig sind. 284 Vgl. Perridon, Louis/Steiner, Manfred: Finanzwirtschaft der Unternehmung. 14. Aufl., München 2007, S. 72-73. 285 Erträge aus Kapitalanlagen – wie bspw. Zinserträge – unterliegen einem Abgeltungsteuersatz i.H.v. 25 % und können auf Antrag mit dem persönlichen Einkommensteuersatz besteuert werden; vgl. Kußmaul, Heinz: Betriebswirtschaftliche Steuerlehre. 5. Aufl., München 2008, S. 254-258. 286 Nach der in § 4h EStG und § 8a KStG geregelten Zinsschranke kann der Betriebsausgabenabzug von Zinsaufwendungen unter bestimmten Umständen teilweise eingeschränkt werden; vgl. dazu Kußmaul, Heinz/Ruiner, Christoph/Schappe, Christian: Die Einführung einer Zinsschranke im Rahmen der Unternehmensteuerreform 2008. In: Arbeitspapiere zur Existenzgründung, hrsg. von Heinz Kußmaul, Band 25, Saarbrücken 2008. 5 Die Berücksichtigung der Steuern und Geldentwertung158 Ausgehend von einem Ertragsteuersatz ser ist also im Investitionsrechnungsmodell mit folgendem – gegenüber der Investitionsrechnung ohne Berücksichtigung von Steuereinflüssen – veränderten Kalkulationszinsfuß zu rechnen:287 ? ?s eri i 1 s? ? ? Bis zur Unternehmenssteuerreform 2008 musste unterschieden werden, ob im Falle einer Fremdkapitalfinanzierung eine Beziehung zu Dauerschulden i.S. des Gewerbesteuergesetzes a. F. vorhanden war oder nicht. Diese Differenzierung war notwendig, da sich je nach vorliegender Situation ein anderer Kalkulationszinssatz ergab. Seit der Reform erfolgt bei den gewerbesteuerlichen Hinzurechnungen gem. § 8 GewStG keine Unterscheidung mehr zwischen Dauerschulden und sonstigem Fremdkapital, sondern grds. sind 25 % aller angefallenen Schuldzinsen bei der Gewerbesteuer nicht als Betriebsausgaben abziehbar und müssen dem Gewinn aus Gewerbebetrieb wieder hinzuaddiert werden. Sofern eine Finanzierung über Fremdkapital vorgenommen wird, lässt sich der Kalkulationszinssatz nach Steuern darstellen als: ? ? ? ?s ge ge eri i 0,25 h i m 1 s? ? ? ? ? ? ? wobei: is: Kalkulationszinssatz nach Steuern; i: Kalkulationszinssatz vor Steuern; hge: gewerbesteuerlicher Hebesatz; mge : Messzahl der Gewerbeertragsteuer; ser : Ertragsteuersatz. Wird nicht die bei der Kapitalwertmethode grundsätzlich gültige Prämisse eines vollkommenen und für den Investor unbeschränkten Kapitalmarktes zugrunde gelegt, sondern statt dessen die Gültigkeit mehrerer Zinssätze bzw. Alternativrenditen unterstellt, so muss im Falle der Finanzierung über Fremdkapital eine Berücksichtigung projektbedingter Zins- und Tilgungszahlungen in der Zahlungsreihe der Investition erfolgen; die Wahl des richtigen Kalkulationszinssatzes wird dann zu einem zentralen Problem bei der Investitionsentscheidung, denn von ihr hängt die Vorteilhaftigkeit und damit die Annahme oder Ablehnung einer Investition in entscheidender Weise ab.288 287 Vgl. dazu insbesondere Bieg, Hartmut: Betriebswirtschaftslehre 1: Investition und Unternehmungsbewertung. 2. Aufl., Freiburg i. Br. 1997, S. 101-102; Schneider, Dieter: Investition, Finanzierung und Besteuerung. 7. Aufl., Wiesbaden 1992, S. 218-219; Wöhe, Günter/Bieg, Hartmut: Grundzüge der Betriebswirtschaftlichen Steuerlehre. 4. Aufl., München 1995, S. 360-361. 288 Vgl. Wöhe, Günter/Bieg, Hartmut: Grundzüge der Betriebswirtschaftlichen Steuerlehre. 4. Aufl., München 1995, S. 361. 5.3 Die Erfassung der Steuern in der Investitionsrechnung 159 5.3.2 Der Überblick über die grundlegenden Modelle der Investitionsrechnung zur Berücksichtigung des Steuereinflusses 5.3.2.1 Einordnung In der Literatur werden im Wesentlichen folgende grundlegende Ansätze zur Berücksichtigung von Steuern bei der Ermittlung der Vorteilhaftigkeit von Investitionen diskutiert, wobei alle dargelegten Modelle auf der Kapitalwertmethode basieren:289 ? Standardmodell: Zur Berücksichtigung von Ertragsteuern, bei dem die um die Absetzungen für Abnutzung (AfA) gekürzten Rückflüsse die steuerliche Bemessungsgrundlage bilden; Berücksichtigung des Entlastungseffekts durch die steuerliche Abzugsfähigkeit von Fremdkapitalzinsen im Kalkulationszinssatz. ? Modifikationen des Standardmodells: – für den Fall einer projektbezogenen Finanzierung und – bei Gewährung staatlicher Investitionshilfen. ? Bruttomethode: Pauschale Berücksichtigung der gesamten Ertragsteuerwirkungen über die Festlegung des Kalkulationszinssatzes; es erscheinen auch in der Rechnung nach Steuern keine Ertragsteuerzahlungen in der Zahlungsreihe der Investition. 5.3.2.2 Standardmodell zur Berücksichtigung von Ertragsteuern Für den Kapitalwert C0s einer Investition nach Steuern sieht der Ansatz bei Anwendung des Standardmodells (auch Nettomethode II genannt) folgendermaßen aus:290 ? ? ? ? n t 0s t t er t t t s t 0 n n er n n s C E A s E A AfA 1 i L s (L RB ) (1 i ) ? ? ? ? ?? ? ? ? ? ? ? ?? ? ? ? ? ? ? ?? ?? ? ? 289 Vgl. dazu u.a. Adam, Dietrich: Investitionscontrolling. 3. Aufl., München/Wien 2000, S. 173-175; Blohm, Hans/Lüder, Klaus/Schaefer, Christina: Investition. 9. Aufl., München 2006, S. 107-108; Büschgen, Hans E.: Betriebliche Finanzwirtschaft – Unternehmensinvestitionen. Frankfurt a. M. 1981, S. 88-89; Kruschwitz, Lutz: Investitionsrechnung. 12. Aufl., München 2009, S. 133-143. 290 Vgl. dazu u.a. Bieg, Hartmut: Betriebswirtschaftslehre 1: Investition und Unternehmungsbewertung. 2. Aufl., Freiburg i. Br. 1997, S. 105; Blohm, Hans/Lüder, Klaus/Schaefer, Christina: Investition. 9. Aufl., München 2006, S. 108; Busse von Colbe, Walther/Laßmann, Gert: Betriebswirtschaftstheorie. Band 3. 3. Aufl., Berlin 1990, S. 68; Eilenberger, Guido: Betriebliche Finanzwirtschaft. 7. Aufl., München/Wien 2003, S. 193-194; Götze, Uwe: Investitionsrechnung. 5. Aufl., Berlin u.a. 2006, S. 133-134; Kußmaul, Heinz: Betriebswirtschaftliche Steuerlehre. 5. Aufl., München 2008, S. 154-158; Perridon, Louis/Steiner, Manfred: Finanzwirtschaft der Unternehmung. 14. Aufl., München 2007, S. 70-71; Rose, Gerd: Betriebswirtschaftliche Steuerlehre. 3. Aufl., Wiesbaden 1992, S. 239-240; Schneeloch, Dieter: Besteuerung und betriebliche Steuerpolitik. Band 2: Betriebliche Steuerpolitik. 2. Aufl., München 2002, S. 213-216; Schneider, Dieter: Investition, Finanzierung und Besteuerung. 7. Aufl., Wiesbaden 1992, S. 224-229. 5 Die Berücksichtigung der Steuern und Geldentwertung160 wobei: C0s: Kapitalwert der Investition nach Steuern; Et : Einzahlungen der Periode t; At : Auszahlungen der Periode t; AfAt : Abschreibungen der Periode t; ser: Ertragsteuersatz; is: Kalkulationszinssatz nach Ertragsteuern; Ln : Liquidationserlös, falls Ln> 0 bzw. Liquidationsauszahlung, falls Ln< 0; RBn: Restbuchwert im Zeitpunkt t = n ; n: Nutzungsdauer des Investitionsobjekts; t: Zeitindex (t = 0 , 1, 2, ..., n). Durch diese Bestimmungsgleichung wird u.a. zum Ausdruck gebracht, dass im Falle einer Abweichung zwischen Restbuchwert des Investitionsobjekts und des am Ende des Planungszeitraumes dafür erzielbaren Liquidationserlöses ein erfolgswirksamer Vorgang mit ertragsteuerlichen Wirkungen gegeben ist, und dass außerdem die auf den Erfolg (Zahlungsüberschuss abzüglich Absetzungen für Abnutzung) einer Periode zu zahlenden Ertragsteuern den Einzahlungsüberschuss der entsprechenden Periode schmälern. Geht man davon aus, dass zum Zeitpunkt t = 0 bei Realisierung der Investition keine Einzahlungen vorliegen und wird außerdem eine Zusammenfassung der in einer Periode anfallenden Ein- und Auszahlungen zu einer einzigen Größe Zahlungsüberschuss Zt vorgenommen, so lässt sich die o.g. Formel folgendermaßen darstellen: ? ? ? ? n t 0s 0 t er t t s t 1 n n er n n s C A Z s Z AfA 1 i L s (L RB ) (1 i ) ? ? ? ? ?? ? ? ? ? ? ? ?? ? ? ? ? ? ? ?? ?? ? ? wobei: A0: Anschaffungsauszahlung im Zeitpunkt t = 0 ; Zt: Differenz zwischen den Ein- und Auszahlungen der Periode t mit folgender Wirkung: ? Einzahlungsüberschuss der Periode t, wenn Z t> 0 bzw. ? Auszahlungsüberschuss der Periode t, wenn Z t< 0. In den Ertragsteuersatz ser muss neben dem zugrunde gelegten Einkommensteuersatz – eventuell zzgl. des landesüblichen Kirchensteuersatzes – (bei personenbezogenen Unternehmungen) bzw. dem Körperschaftsteuersatz (bei firmenbezogenen Unternehmungen) der 5.3 Die Erfassung der Steuern in der Investitionsrechnung 161 Gewerbesteuersatz sge und auch der Solidaritätszuschlag mit einbezogen werden.291 Des Weiteren ist zu berücksichtigen, dass bei Einzelunternehmungen und Personengesellschaften nach § 35 EStG eine pauschale Anrechnung der Gewerbesteuer i.H.d. 3,8fachen Gewerbesteuermessbetrages erfolgt; insofern ist das Modell dort entsprechend zu modifizieren. ? Für den Ertragsteuerfaktor bei Kapitalgesellschaften ergibt sich ohne Berücksichtigung des Solidaritätszuschlags: er e/k ges s s? ? ? bzw. mit Berücksichtigung des Solidaritätszuschlags: ? ?er e/k SolZ ges s 1 s s? ? ? ? ? Für den Ertragsteuerfaktor bei Einzelunternehmungen und Personengesellschaften ergibt sich dann ohne Berücksichtigung des Solidaritätszuschlags: er e/k ge ge ge 1s s s 3,8 s h ? ? ? ? ? ? bzw. mit Solidaritätszuschlagswirkung: ? ?er e/k ge SolZ ge ge 1s s s 3,8 1 s s h ? ? ? ? ? ? ? ? ?? ?? ? ? ? wobei: ser: Ertragsteuersatz; se/k: Einkommen- bzw. kombinierter Einkommen-/Kirchensteuersatz oder Körperschaftsteuersatz; sge: Gewerbeertragsteuersatz; sSolZ: Solidaritätszuschlagssatz; hge: Gewerbesteuerhebesatz. Aus Vereinfachungsgründen wird im Standardmodell angenommen, dass se/k dem Spitzengrenzsteuersatz (45 % bei der Einkommensteuer seit VAZ 2008; 15 % bei der Körperschaftsteuer seit VAZ 2008) entspricht. Dadurch ist es möglich, auf einen Periodenindex für den Einkommensteuersatz und die schwierige Abschätzung zukünftiger Einkommensverhältnisse, die den Steuersatz beeinflussen, zu verzichten.292 291 Im Folgenden wird für Einzelunternehmen und Personengesellschaften jeweils davon ausgegangen, dass die Thesaurierungsbegünstigung mit Nachversteuerung gem. § 34a EStG keine Anwendung findet. 292 Vgl. dazu v.a. Perridon, Louis/Steiner, Manfred: Finanzwirtschaft der Unternehmung. 14. Aufl., München 2007, S. 71. 5 Die Berücksichtigung der Steuern und Geldentwertung162 Der Gewerbesteuersatz sge ist abhängig von der Höhe des Hebesatzes, der von den Gemeinden unterschiedlich festgelegt wird, und von der Höhe der Steuermesszahl, die gem. § 11 Abs. 2 GewStG einheitlich 3,5 % beträgt. Bei Annahme eines Hebesatzes von 400 % auf eine Steuermesszahl von 3,5 % ergibt sich ein Steuersatz von 14 %, den man nach folgender Formel ermittelt: ge ge ges Steuermesszahl m Hebesatz h? ? Unter diesen Voraussetzungen beträgt der Ertragsteuerfaktor ser ohne Berücksichtigung des Solidaritätszuschlags ? bei einem Körperschaftsteuersatz von 15 %: ers 0,15 0,14 0,29? ? ? ; ? bei einem Einkommensteuersatz von 45 %: ? ?ers 0,45 0,14 4 3,8 0,14 0,457? ? ? ? ? ? ; mit Berücksichtigung der Solidaritätszuschlagswirkung ? bei einem Körperschaftsteuersatz von 15 %: ? ?ers 0,15 1 0,055 0,14 0,29825? ? ? ? ? ; ? bei einem Einkommensteuersatz von 45 %: ? ?? ? ? ?ers 0,45 0,14 4 3,8 1 0,055 0,14 0,474435? ? ? ? ? ? ? ? . Unter Umständen kann der Ertragsteuersatz auf den bei Liquidation des Investitionsobjekts eventuell anfallenden Veräußerungsgewinn (Ln–RBn) von dem für die Versteuerung der sonstigen Rückflüsse anzuwendenden Ertragsteuersatz ser abweichen, wenn ein ermäßigter Steuersatz zum Tragen kommt oder die Übertragung von stillen Reserven auf andere Wirtschaftsgüter möglich ist. Im Standardmodell wird von den vereinfachenden Annahmen ausgegangen, dass Freibeträge überschritten und dass die Bemessungsgrundlagen der verschiedenen zu berücksichtigenden Steuerarten gleich hoch sind, also insbesondere die gewerbesteuerlichen Hinzurechnungen und Kürzungen gem. §§ 8 und 9 GewStG nicht zu beachten sind. Der dabei zugrunde liegende Kalkulationszinsfuß nach Steuern is wird i. Allg. durch Reduzierung des Kalkulationszinsfußes vor Steuern i um die durch den Ertragsteuersatz ser bewirkte Renditeminderung bestimmt (vgl. dazu auch Abschnitt 5.3.1): ? ?s eri i 1 s? ? ? Der Kalkulationszinsfuß soll bei unvollkommenem Kapitalmarkt neben dem Zinssatz der verdrängten optimalen Alternative ggf. auch noch den Zinssatz für Fremdkapital und für Supplementinvestitionen zum Ausdruck bringen. Durch die Einbeziehung der Steuern werden die Möglichkeiten der Deckungsgleichheit dieser Zinssätze weiter verringert, da steuerlich zu unterscheiden ist, ob Zinsen im Gewerbebetrieb – steuerliche Abzugsfähigkeit der 5.3 Die Erfassung der Steuern in der Investitionsrechnung 163 Kreditzinsen zu drei Viertel; Habenzinsen sind der Gewerbesteuer unterworfen – oder im Privatvermögen anfallen. Durch die Einbeziehung von Verlustsituationen sowie von Substanzsteuern kann das Standardmodell der Berücksichtigung von Steuern im Investitionskalkül erweitert werden. Des Weiteren ist der Übergang vom Kapitalwertkriterium zum Endwertkriterium und damit die Berücksichtigung eines gespaltenen Soll- und Habenzinsfußes möglich.293 Folgende Prämissen liegen dem Standardmodell zugrunde:294 ? Existenz einer Einheitsertragsteuer, der alle Gewinne unterliegen: Charakteristisch für diese ist eine allgemein und einheitlich definierte Bemessungsgrundlage sowie ein von der Höhe der Bemessungsgrundlage unabhängiger Steuersatz (proportionaler Tarif ohne Freibeträge: Grenzsteuersatz entspricht dem Durchschnittssteuersatz); unberücksichtigt bleiben also insb. die Unterschiede in der Bemessungsgrundlage von Einkommensteuer bzw. Körperschaftsteuer und Gewerbesteuer und die Abhängigkeit des Einkommensteuersatzes von der Höhe des Einkommens. ? Heranziehung des Periodenerfolgs (Gt) und des Veräußerungserfolgs (Ln?RBn) als Bemessungsgrundlagen für die Ermittlung der Ertragsteuerzahlungen: Bestimmt werden kann der Periodenerfolg als Differenz zwischen dem Einzahlungs- überschuss einer Periode (Et?At) und der steuerlichen Abschreibungen dieser Periode (AfAt). Keine Berücksichtigung finden steuerliche Auswirkungen der Abzugsfähigkeit aller nicht zahlungswirksamen Aufwendungen, soweit sie nicht Abschreibungen sind; auch erfolgt eine Abstrahierung von der Tatsache, dass die Zeitpunkte der Erfolgsrealisierung und der Zahlung auseinander fallen können. Der Veräußerungserfolg lässt sich ermitteln aus dem Liquidationserlös abzüglich des Restbuchwertes des Investitionsobjekts zum Zeitpunkt der Veräußerung; eine teilweise oder vollständige Befreiung des Veräußerungserfolges von der Ertragsbesteuerung – z.B. aufgrund der Bestimmungen des § 6b EStG – bleibt außer Acht. ? Auslösung einer Steuerzahlung durch Perioden- bzw. Veräußerungsgewinn, Erlangen einer Steuerersparnis durch Perioden- bzw. Veräußerungsverlust: Eine Zurechnung der Steuerwirkungen erfolgt stets zur Periode der Erfolgsentstehung (sofortige Besteuerung bzw. sofortiger Verlustausgleich); im Falle des Auftretens eines Periodenverlustes bei einem Investitionsobjekt wird also unterstellt, dass der Gesamterfolg der Unternehmung in dieser Periode nicht negativ ist bzw. eine unmittelbare Verlustrücktragsmöglichkeit besteht. 293 Vgl. zu den letzten beiden Absätzen Perridon, Louis/Steiner, Manfred: Finanzwirtschaft der Unternehmung. 14. Aufl., München 2007, S. 73 sowie in etwas modifizierter Form Perridon, Louis/Steiner, Manfred: Finanzwirtschaft der Unternehmung. 13. Aufl., München 2004, S. 97. 294 Vgl. dazu insbesondere Blohm, Hans/Lüder, Klaus/Schaefer, Christina: Investition. 9. Aufl., München 2006, S. 109-111; Götze, Uwe: Investitionsrechnung. 5. Aufl., Berlin u.a. 2006, S. 131- 132; Kruschwitz, Lutz: Investitionsrechnung. 12. Aufl., München 2009, S. 134-136. 5 Die Berücksichtigung der Steuern und Geldentwertung164 ? Unabhängigkeit des Steuersatzes von der Höhe des Erfolgs und Konstanz im Zeitablauf, gleichermaßen Gültigkeit für Periodenerfolg und Veräußerungserfolg: Ansatz findet i. Allg. der maximale Grenzsteuersatz der Einkommensteuer (keine Berücksichtigung der Thesaurierungsbegünstigung gem. § 34a EStG) bzw. der Körperschaftsteuersatz, wobei regelmäßig die Wirkungen der Gewerbesteuer und des Solidaritätszuschlags zusätzlich berücksichtigt werden. ? Gleichheit des Sollzinssatzes vor Steuern und des Habenzinssatzes vor Steuern: Es wird ein vollkommener und für den Investor unbeschränkter Kapitalmarkt unterstellt. 5.3.2.3 Die Erweiterung des Standardmodells zur Berücksichtigung einer projektbezogenen Finanzierung Zur Berücksichtigung einer projektbezogenen Finanzierung muss die Zahlungsreihe des Standardmodells um Finanzierungszahlungen und um die Steuerwirkungen der Abzugsfähigkeit von Fremdkapitalzinsen als Betriebsausgaben erweitert werden. Diese Aufgabe erfüllt das Modell der sogenannten Nettomethode I.295 Der Kapitalwert einer Investition nach Steuern C0s lässt sich dabei als Summe der für Eigenkapital und Fremdkapital getrennt errechneten Kapitalwerte der Investition darstellen. Es ist grundsätzlich möglich, dass der Eigenkapitalkostensatz nach Steuern seb und der Fremdkapitalkostensatz nach Steuern sfb voneinander abweichen. Es ergibt sich deshalb folgender Kapitalwert nach Steuern C0s: ? ? ? ? ? ? ? ? ? ? ? ? ? ? ? ? n ts 0s t t er t t t t e t 0 ns n er n n e n nt ts t t e t t f t 0 t 0 C E A s E A AfA ZZ 1 b L s L RB 1 b Y ZZ 1 b Y ZZ 1 b ? ? ? ? ? ? ? ? ?? ? ? ? ? ? ? ? ?? ? ? ?? ? ? ? ? ?? ? ? ? ? ? ? ? ? ? ? ? ? Dabei bedeuten die in Ergänzung zum Standardmodell zusätzlich verwendeten Symbole: ZZt: Zinszahlungen in der Periode t; s eb : Eigenkapitalkostensatz nach Steuern; fb : Fremdkapitalkostensatz vor Steuern; Yt: Kreditaufnahme (Yt< 0) bzw. Kredittilgung (Yt> 0) in der Periode t. 295 Vgl. dazu und zum Folgenden insbesondere Blohm, Hans/Lüder, Klaus/Schaefer, Christina: Investition. 9. Aufl., München 2006, S. 111-114 sowie Kußmaul, Heinz: Betriebswirtschaftliche Steuerlehre. 5. Aufl., München 2008, S. 158-159 und in Ansätzen auch Adam, Dietrich: Investitionscontrolling. 3. Aufl., München/Wien 2000, S. 169-174. 5.3 Die Erfassung der Steuern in der Investitionsrechnung 165 Wird unterstellt, dass zum Zeitpunkt t = 0 bei Realisierung der Investition keine Einzahlungen vorliegen und erfolgt darüber hinaus eine Zusammenfassung der in einer Periode anfallenden Ein- und Auszahlungen zu einer einzigen Größe Zahlungsüberschuss Zt, so kann die o.g. Formel folgendermaßen dargestellt werden: ? ? ? ? ? ? ? ? ? ? ? ? ? ? ? ? n ts 0s 0 t er t t t e t 1 ns n er n n e n nt ts t t e t t f t 0 t 0 C A Z s Z AfA ZZ 1 b L s L RB 1 b Y ZZ 1 b Y ZZ 1 b ? ? ? ? ? ? ? ? ?? ? ? ? ? ? ? ? ?? ? ? ?? ? ? ? ? ?? ? ? ? ? ? ? ? ? ? ? ? ? Erfolgt eine Kreditaufnahme ohne Disagio, so beträgt der Kapitalwert der Investition der Fremdkapitalgeber ? ? ? ? n -t t t f t 0 Y ZZ 1 b ? ? ? ?? gleich null; die erstgenannte Formel vereinfacht sich dann zu: ? ? ? ? ? ? ? ? ? ? ? ? n ts 0s t t er t t t t e t 0 nn ts s n er n n e t t e t 0 C E A s E A AfA ZZ 1 b L s L RB 1 b Y ZZ 1 b ? ? ? ? ? ? ?? ? ? ? ? ? ? ? ?? ? ? ?? ? ? ? ? ? ? ? ? ?? ? ? ? Durch anderweitige Zusammenfassung der unter dem zuletztstehenden Summenzeichen subsumierten Werte ergibt sich schließlich folgende formale Gestalt: ? ? ? ? ? ? ? ? n ts 0s t t er t t t t t t e t 0 ns n er n n e C E A s E A AfA ZZ Y ZZ 1 b L s L RB 1 b ? ? ? ? ?? ? ? ? ? ? ? ? ? ? ?? ? ? ?? ? ? ? ? ?? ? ? Lassen sich die Einzahlungen und Auszahlungen der jeweiligen Perioden zu einer Größe Zahlungsüberschuss Zt zusammenfassen und wird des Weiteren unterstellt, dass nur vor Beginn der Laufzeit des Investitionsprojekts zum Zeitpunkt t = 0 eine Fremdkapitalaufnahme stattfindet und in der Folgezeit lediglich Zins- und Tilgungszahlungen geleistet werden, so kann man schreiben: ? ? ? ? ? ? ? ? n ts 0s 0 0 t er t t t t t e t 1 ns n er n n e C A Y Z s Z AfA ZZ Y ZZ 1 b L s L RB 1 b ? ? ? ? ?? ? ? ? ? ? ? ? ? ? ? ?? ? ? ?? ? ? ? ? ?? ? ? 5 Die Berücksichtigung der Steuern und Geldentwertung166 Liegt eine Situation vor, in der keine reine Fremdfinanzierung, sondern eine Mischfinanzierung erfolgt, gibt es verschiedene Möglichkeiten einer Berücksichtigung dieses Zustandes.296 Hinsichtlich einer Anwendung der Nettomethode I ist es generell erforderlich, die mit der Investition verbundenen Fremdkapitaleinzahlungen und -rückzahlungen Yt und die Fremdkapitalzinszahlungen ZZt projektindividuell zu bestimmen. Liegt keine projektbezogene Finanzierung vor, so ist diese Methode nur anwendbar, wenn man sich mit der Annahme einer für alle Investitionen geltenden Finanzierungsregel behilft.297 5.3.2.4 Die Erweiterung des Standardmodells zur Berücksichtigung staatlicher Investitionshilfen Unter den Begriff der staatlichen Investitionshilfen fallen ? Steuervergünstigungen (Sonderabschreibungen, erhöhte Absetzungen, Investitionszulagen) und ? Finanzhilfen (Zuschüsse, insbesondere Investitionszuschüsse, Darlehen). Da sich Sonderabschreibungen und erhöhte Absetzungen unmittelbar im Standardmodell berücksichtigen lassen und projektbezogene Darlehenshilfen im Rahmen der Nettomethode I mit in die Investitionsentscheidung einbezogen werden können, besteht keine Notwendigkeit, diese Formen staatlicher Investitionshilfen bezüglich ihrer modellmäßigen Erfassung zu erörtern. Einer speziellen Betrachtung bedarf es dagegen hinsichtlich der Investitionszulagen und Investitionszuschüsse.298 Unter dem Begriff „Investitionszulagen“ werden nicht-rückzahlbare staatliche Geldmittel zur Durchführung von Investitionen erfasst, die derzeit bei Vorliegen der Fördervoraussetzungen des Investitionszulagengesetzes gewährt werden. Sie zählen nicht zu den Einkünften i.S. des Einkommensteuergesetzes.299 296 Bezüglich der verschiedenen Ansätze dazu vgl. u.a. Blohm, Hans/Lüder, Klaus/Schaefer, Christina: Investition. 9. Aufl., München 2006, S. 111-112; Mertens, Peter: Ertragsteuerwirkungen auf die Investitionsfinanzierung – ihre Berücksichtigung in der Investitionsrechnung. In: Zeitschrift für betriebswirtschaftliche Forschung 1962, S. 576; Swoboda, Peter: Investition und Finanzierung. In: Betriebswirtschaftslehre im Grundstudium der Wirtschaftswissenschaft, Band 3, 5. Aufl., Göttingen 1996, S. 58-60. 297 Vgl. dazu ausführlich Blohm, Hans/Lüder, Klaus/Schaefer, Christina: Investition. 9. Aufl., München 2006, S. 112-113. 298 Vgl. dazu insbesondere Blohm, Hans/Lüder, Klaus/Schaefer, Christina: Investition. 9. Aufl., München 2006, S. 114-116 und Kußmaul, Heinz: Betriebswirtschaftliche Steuerlehre. 5. Aufl., München 2008, S. 159-160. 299 Vgl. § 12 InvZulG 2007 (Investitionszulagengesetz 2007 vom 15.7.2006, BGBl 2006 I, S. 1614) bzw. § 13 InvZulG 2010 (Investitionszulagengesetz 2010 vom 07.12.2008, BGBl 2008 I, S. 2350). Das Investitionszulagengesetz 2010 gilt für Investitionen in den Jahren 2010 bis 2013 und sieht ein Ende der Investitionsförderung durch Investitionszulagen für Geschäftsjahre nach 2013 vor; diese soll bis zum Jahre 2013 planmäßig auslaufen, indem der Fördersatz jährlich gemindert wird; vgl. BT-Drucksache 16/10291, S. 12; vgl. Stellung nehmend Haupt, Heiko: Das Investitionszulagengesetz 2010 – der Anfang vom Ende der Investitionszulage. In: Deutsches Steuerrecht 2009, S. 1070- 1076. 5.3 Die Erfassung der Steuern in der Investitionsrechnung 167 Der Ausdruck „Investitionszuschüsse“ verkörpert ebenfalls nicht-rückzahlbare staatliche Geldmittel zur Durchführung von Investitionen, jedoch im Vergleich zu Investitionszulagen mit dem Unterschied, dass auf Investitionszuschüsse – auch bei Erfüllung der Fördervoraussetzungen – kein Rechtsanspruch besteht und sie des Weiteren zu den Einkünften i.S. des EStG gehören und deshalb zu versteuern sind. Gemäß R 6.5 Abs. 2 EStR steht dem Steuerpflichtigen bei der Versteuerung der Investitionszuschüsse grundsätzlich ein Wahlrecht zu. Er kann sie entweder als Betriebseinnahmen ansetzen und damit in der Zahlungsperiode erfolgswirksam berücksichtigen oder sie erfolgsneutral behandeln. Während im ersten Fall die Anschaffungs- oder Herstellungskosten der betreffenden Wirtschaftsgüter nicht berührt werden, dürfen die Anlagegüter, für die die Zuschüsse gewährt worden sind, im zweiten Fall „nur mit den Anschaffungs- oder Herstellungskosten bewertet werden, die der Steuerpflichtige selbst [...] aufgewendet hat“;300 damit sind die Zuschüsse im Ergebnis bei den Anschaffungs- oder Herstellungskosten abgezogen worden. Bei abnutzbaren Wirtschaftsgütern bedeutet das eine Verteilung der Besteuerung der Zuschüsse auf die betriebsgewöhnliche Nutzungsdauer durch Verringerung der Absetzung für Abnutzung. Soll eine Berücksichtigung von Investitionszulagen und Investitionszuschüssen bei der Ermittlung des Kapitalwerts nach Steuern anhand des Standardmodells erfolgen, so muss die Zahlungsreihe entsprechend modifiziert werden. Im Falle der erfolgswirksamen Verrechnung von Investitionszuschüssen ergibt sich für den Kapitalwert nach Ertragsteuern und staatlichen Investitionsfördermaßnahmen:301 ? ? ? ? ? ? ? ? n tIF 0s t t t er t t t s t 0 n n er n n s C Z IZL IZS s Z IZS AfA 1 i L s L RB 1 i ? ? ? ? ?? ? ? ? ? ? ? ? ?? ? ? ?? ? ? ? ? ?? ? ? Bei erfolgsneutraler Verrechnung von Investitionszuschüssen gilt für den Kapitalwert nach Ertragsteuern und staatlichen Investitionsfördermaßnahmen:302 ? ?? ? ? ? ? ? ? ? n tIF 0s t t t er t t t s t 0 n n er n n s C Z IZL IZS s Z AfA IZS 1 i L s L RB 1 i ? ? ? ? ?? ? ? ? ? ? ? ? ? ?? ? ? ?? ? ? ? ? ?? ? ? 300 R 6.5 Abs. 2 S. 3 EStR. 301 Vgl. dazu auch Blohm, Hans/Lüder, Klaus/Schaefer, Christina: Investition. 9. Aufl., München 2006, S. 115. 302 Vgl. auch Blohm, Hans/Lüder, Klaus/Schaefer, Christina: Investition. 9. Aufl., München 2006, S. 115. 5 Die Berücksichtigung der Steuern und Geldentwertung168 wobei: IF : Investitionsförderung; tIZL : Investitionszulage in der Periode t; tIZS : Investitionszuschuss in der Periode t; tIZS? : Minderung der planmäßigen steuerlichen Abschreibung der Periode t als Folge der Minderung der Anschaffungs- bzw. Herstellungskosten um den Investitionszuschuss. Im Falle konstanter Steuersätze ist der Kapitalwert bei erfolgsneutraler Verrechnung des Investitionszuschusses aufgrund des Steuerstundungseffektes und des daraus resultierenden Zinsvorteils stets höher als bei erfolgswirksamer Verrechnung. Hinsichtlich des Kalkulationszinssatzes erfolgt hier in Analogie zum Standardmodell die Unterstellung, dass es sich um den internen Zinsfuß nach Ertragsteuern einer alternativen Finanzinvestition handelt, für die keine Steuervergünstigungen oder staatliche Finanzhilfen gewährt werden.303 Insb. bei Anfangsverlusten infolge hoher Abschreibungen kann bei Investitionsvorhaben das sog. „Steuerparadoxon“ beobachtet werden. Dabei wächst der Kapitalwert der Investition durch Einführung einer Steuer oder mit steigenden Steuersätzen. Zwar verringern die Gewinnsteuererhöhungen das Nettoeinkommen des Unternehmers bzw. der Unternehmung; es kann sich aber mit wachsenden Steuersätzen lohnen, andere Investitionsvorhaben zu wählen, welche die Steuererhöhung kompensieren oder zumindest mildern.304 Eine eigenkapitalfinanzierte Sachinvestition bspw. wird mit steigenden Gewinnsteuersätzen vorteilhaft, wenn der Periodenüberschuss des Investitionsobjektes nach Abschreibungen negativ ist und die Unternehmung insgesamt noch Gewinn ausweist.305 5.3.2.5 Die Bruttomethode Der Berechnung des Kapitalwerts einer Investition nach Ertragsteuern liegt bei Anwendung der Bruttomethode folgende Formel zugrunde:306 ? ? ? ? n -tB B 0s t t t 0 C E - A 1 i ? ? ? ?? 303 Vgl. Blohm, Hans/Lüder, Klaus/Schaefer, Christina: Investition. 9. Aufl., München 2006, S. 116. 304 Vgl. Schneider, Dieter: Investition, Finanzierung und Besteuerung. 7. Aufl., Wiesbaden 1992, S. 246-250. 305 Vgl. Wacker, Wilhelm H./Seibold, Sabine/Oblau, Markus: Lexikon der Steuern. 2. Aufl., München 2005, S. 348-349. 306 Vgl. dazu u.a. Blohm, Hans/Lüder, Klaus/Schaefer, Christina: Investition. 9. Aufl., München 2006, S. 116; Kußmaul, Heinz: Betriebswirtschaftliche Steuerlehre. 5. Aufl., München 2008, S. 160-161; Mozer, Klaus: Der Kalkulationszinsfuß unter Berücksichtigung der Erfolgsteuern bei Publikumskapitalgesellschaften, insbesondere im deutschen und amerikanischen Steuersystem. Berlin 1972, S. 58. 5.3 Die Erfassung der Steuern in der Investitionsrechnung 169 Im Rahmen dieses Verfahrens erfolgt eine indirekte Berücksichtigung der Ertragsteuern durch entsprechende Festlegung des Kalkulationszinssatzes iB in der Investitionsrechnung.307 Der dargelegte Berechnungsansatz gleicht lediglich formelmäßig der Grundrechnung der Kapitalwertmethode (vgl. Abschnitt 4.2.1.1). Die Grundform der Bruttomethode vernachlässigt die steuermindernde Wirkung von Abschreibungen bei der Festlegung des Kalkulationszinssatzes iB; sie kann daher streng gesehen lediglich für nicht abschreibbare Investitionsvorhaben herangezogen werden.308 Unter der Prämisse eines einheitlichen Ertragsteuersatzes ser ergibt sich der Kalkulationszinssatz bei Eigenfinanzierung B Bei i? als Produkt aus gewünschtem Nettozinssatz, der in der Literatur unterschiedlich entweder als Eigenkapitalkostensatz vor Steuern (be) oder als Eigenkapitalkostensatz nach Steuern ( seb ) interpretiert wird, und Korrekturfaktor 1 1 s? Demgemäß beträgt der Kalkulationszinssatz für die Grundform der Bruttomethode bei Eigenkapitalfinanzierung im ersten Fall eB B e bi i 1 s ? ? ? und im zweiten Fall ? ?s eeB B e e b 1 sbi i b 1 s 1 s ? ? ? ? ? ? ? ? Der erste Ansatz sagt aus, dass der Kalkulationszinssatz iB höher ist als der Kalkulationszinssatz bei Ermittlung des Kapitalwerts ohne Berücksichtigung von Steuern. Plausibel erscheint dies in Situationen, in denen dem Eigenkapitalgeber eine steuerbefreite Alternativanlagemöglichkeit zur Verfügung steht. Bei steuerpflichtigen Alternativanlagemöglichkeiten muss dagegen bei der Festlegung des gewünschten Nettozinssatzes berücksichtigt werden, dass auch die Erträge aus Alternativanlagen der Besteuerung unterliegen. Diese Überlegung kommt im zweiten Ansatz zur Geltung. In diesem Fall entspricht der Kalkulationszinssatz iB dem Kalkulationszinssatz bei der Ermittlung des Kapitalwerts ohne Berücksichtigung von Steuern; dies bedeutet, dass die Grundform der Bruttomethode und die Kapitalwertrechnung vor Steuern nicht nur formal, sondern auch materiell identisch sind. 307 Vgl. Blohm, Hans/Lüder, Klaus/Schaefer, Christina: Investition. 9. Aufl., München 2006, S. 116. 308 Vgl. Mozer, Klaus: Der Kalkulationszinsfuß unter Berücksichtigung der Erfolgsteuern bei Publikumskapitalgesellschaften, insbesondere im deutschen und amerikanischen Steuersystem. Berlin 1972, S. 58. 5 Die Berücksichtigung der Steuern und Geldentwertung170 Der Kalkulationszinssatz bei Fremdfinanzierung B Bfi i? wird gleich dem Fremdkapitalkostensatz bf gesetzt. Da Fremdkapitalzinsen als Betriebsausgaben steuerlich abzugsfähig sind, muss für deren Abgeltung nur ein Verdienst in Höhe der Zinsen erfolgen.309 Bei Vorliegen einer Mischfinanzierung wird in der Literatur verschiedentlich die Festlegung eines Mischzinssatzes ? ? ? ? S eB B B e f f bi 1 i i 1 b 1 s ? ? ? ? ? ? ? ? ? ? ? ? ? ? ? vorgeschlagen (? verkörpert dabei den Anteil des Fremdkapitals am insgesamt benötigten Kapital). Es besteht allerdings nur dann das Erfordernis der Bildung eines Mischzinssatzes, wenn B Be fi i? ist, d.h. wenn sich der Eigen- und der Fremdkapitalkostensatz vor Steuern nicht entsprechen.310 Einigkeit besteht in der Literatur darüber, dass das Standardmodell und gegebenenfalls auch die Nettomethode I grundsätzlich der Bruttomethode vorzuziehen sind. Da die Steuerwirkungen unterschiedlicher Abschreibungsverläufe und unterschiedlicher Finanzierungsregeln bei Fremd- und Mischfinanzierung zumindest bei der Grundform der Bruttomethode unberücksichtigt bleiben, wird sie allenfalls als Näherungsverfahren akzeptiert.311 Der Einfluss der Geldentwertung auf Investitionsentscheidungen 5.4 Der Einfluss der Geldentwertung auf Investitionsentscheidungen und Berücksichtigung in der Investitionsrechnung Da derzeit in Deutschland wie auch in anderen europäischen Ländern die reale Kaufkraft des Geldes jährlich fortschreitend in gewissem Maße sinkt, stellt sich zwangsweise die Frage, ob und gegebenenfalls wie die Geldentwertung in Phasen anhaltender Steigerung des Preisniveaus mit z.T. überdurchschnittlich hoher Rate in Investitionsrechnungen berücksichtigt werden muss. Auf jeden Fall werden die für die Investitionsrechnung relevanten Daten in folgender Weise beeinflusst: Zum einen verändern sich durch die Geldentwertung die Einstandspreise der benötigten Produktionsfaktoren (z.B. Rohstoffe, Löhne, Mieten etc.) und damit i.d.R. auch die Verkaufs- 309 Vgl. dazu v.a. Blohm, Hans/Lüder, Klaus/Schaefer, Christina: Investition. 9. Aufl., München 2006, S. 117-118; Buchner, Robert: Der Einfluß erfolgsabhängiger Steuern auf investitions- und finanzierungstheoretische Planungsmodelle. In: Zeitschrift für Betriebswirtschaft 1971, S. 672; Mertens, Peter: Ertragsteuerwirkungen auf die Investitionsfinanzierung – ihre Berücksichtigung in der Investitionsrechnung. In: Zeitschrift für betriebswirtschaftliche Forschung 1962, S. 573-588; Mozer, Klaus: Der Kalkulationszinsfuß unter Berücksichtigung der Erfolgsteuern bei Publikumskapitalgesellschaften, insbesondere im deutschen und amerikanischen Steuersystem. Berlin 1972, S. 58-61. 310 Vgl. Blohm, Hans/Lüder, Klaus/Schaefer, Christina: Investition. 9. Aufl., München 2006, S. 117. 311 Vgl. dazu u.a. Blohm, Hans/Lüder, Klaus/Schaefer, Christina: Investition. 9. Aufl., München 2006, S. 118; Mertens, Peter: Ertragsteuerwirkungen auf die Investitionsfinanzierung – ihre Berücksichtigung in der Investitionsrechnung. In: Zeitschrift für betriebswirtschaftliche Forschung 1962, S. 580-588.

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References

Zusammenfassung

Zu Beginn dieses Lehrbuches wird auf die grundlegenden Prinzipien und Bestandteile der Finanzwirtschaft eingegangen. Daran schließt sich die umfangreiche Auseinandersetzung mit der Investition (und hier vor allem mit den Verfahren der Investionsrechnung) an. Dabei werden alle theorie- und praxisrelevanten Facetten behandelt. Zur Veranschaulichung der Inhalte dient ein durchgehendes Beispiel. Im letzten Kapitel wird sich mit Fragen der Unternehmensbewertung (inkl. DCF-Verfahren) auseinandergesetzt.

- Einführendes Lehrbuch in die Verfahren der Investitionsrechnung

- Behandelt werden theoretische wie praxisrelevante Fragestellungen.

- Zusammenhänge und finanzwirtschaftliche Entscheidungskriterien

- Einordnung von Investitionsrechnung und Investitionsentscheidungen

- Statische und dynamische Verfahren der Investitionsrechnung

- Dynamische Verfahren der Investitionsrechung

- Bestimmung der optimalen Nutzungsdauer und des Ersatzzeitpunktes von Investitionen

- Unsicherheit bei Investitionsentscheidungen

- Investitionsprogrammentscheidungen

- Entscheidungen über Finanzinvestitionen

"Insgesamt betrachtet liegt hier ein beachtliches Nachschlagewerk zum Themenkomplex Investition und Finanzierung vor, das jede einschlägige Frage in ihren Grundzügen beantwortet… Angehenden Betriebswirten und Praktikern kann das Handbuch uneingeschränkt empfohlen werden."

Ingo Nautsch in "Die Bank" zur Vorauflage der Bände.

Prof. Dr. Hartmut Bieg ist Inhaber des Lehrstuhls für Bankbetriebslehre an der Universität des Saarlandes.

Professor Dr. Heinz Kußmaul ist Direktor des Betriebswirtschaftlichen Instituts für Steuerlehre und Entrepreneurship am Lehrstuhl für Allgemeine Betriebswirtschaftslehre, insbesondere Betriebswirtschaftliche Steuerlehre, an der Universität des Saarlandes.

Für Studierende der Betriebswirtschaftslehre im Bachelor für das Fach Investition & Finanzierung an Universitäten, Fachhochschulen und Berufsakademien. Das Buch bietet aber auch Praktikern zahlreiche Anhaltspunkte zur Lösung von Investitionsproblemen.