Content

3.4 Die Rentabilitätsvergleichsrechnung in:

Hartmut Bieg, Heinz Kußmaul

Investition, page 83 - 86

2. Edition 2009, ISBN print: 978-3-8006-3658-7, ISBN online: 978-3-8006-4434-6, https://doi.org/10.15358/9783800644346_83

Series: Vahlens Handbücher der Wirtschafts- und Sozialwissenschaften

Bibliographic information
3.4 Die Rentabilitätsvergleichsrechnung 59 3.3.2 Kritik Ebenso wie bei der Kostenvergleichsrechnung besteht auch bei der Gewinnvergleichsrechnung die Gefahr des Vergleichs unechter Alternativen. Brauchbar sind Ergebnisse der Gewinnvergleichsrechnung nur dann, wenn es sich um Investitionsobjekte mit gleicher Nutzungsdauer und gleichem Kapitaleinsatz handelt. Da Anschluss- und Ergänzungsinvestitionen bei unterschiedlicher Nutzungsdauer bzw. bei unterschiedlichem Kapitaleinsatz nicht berücksichtigt werden, kann es zu Fehlentscheidungen bezüglich der Vorteilhaftigkeit von Investitionsprojekten kommen. Auch erfolgt keine Berücksichtigung der zeitlichen Entwicklung der Erfolgsgrößen (Kosten und Erlöse). Die Vorteile einer Gewinnvergleichsrechnung liegen in der Einfachheit der Datenbeschaffung und der Rechnung.119 3.4 Die Rentabilitätsvergleichsrechnung 3.4.1 Allgemeine Bemerkungen und Detaildarstellung Zur Berechnung von Rentabilitätskennziffern für verschiedene betriebswirtschaftliche Zwecke wird der Erfolg einer betrachteten Periode ins Verhältnis zu bestimmten anderen Grö- ßen, z. B. zum eingesetzten Kapital oder zum Umsatz der Periode gesetzt. Bei der statischen Rentabilitätsvergleichsrechnung wird ausschließlich die Kapitalrentabilität zur Entscheidung über Investitionsprojekte benötigt; Ziel ist die Maximierung dieser Größe. Zur Ermittlung der Kapitalrentabilität muss der Gewinn eines Investitionsprojekts zum dafür erforderlichen Kapitaleinsatz ins Verhältnis gesetzt werden: PeriodengewinnKapitalrentabilität Kapitaleinsatz ? Wenngleich diese Relation zunächst eindeutig erscheint, so lässt sich doch festhalten, dass die Kapitalrentabilität sehr unterschiedliche Inhalte aufweisen kann, was konsequenterweise unterschiedliche Ergebnisse bei der Beurteilung von Investitionen hervorruft. Die Divergenz bei der Ermittlung der Höhe der Kapitalrentabilität lässt sich damit begründen, dass bezüglich der Zählergröße (Periodengewinn) und/oder Nennergröße (Kapitaleinsatz) unterschiedliche begriffliche Vorstellungen vorhanden sind. Auch bei der Differenzierung in Eigen- und in Gesamtkapitalrentabilität ist diese Problematik weiterhin gegeben: PeriodengewinnEigenkapitalrentabilität Eigenkapital ? 119 Vgl. Bieg, Hartmut: Die Verfahren der Investitionsrechnung und ihre Verwendung in der Praxis. In: Der Steuerberater 1985, S. 23; Büschgen, Hans E.: Betriebliche Finanzwirtschaft – Unternehmensinvestitionen. Frankfurt a. M. 1981, S. 42. 3 Die statischen Verfahren der Investitionsrechnung60 Periodengewinn FremdkapitalzinsenGesamtkapitalrentabilität Eigenkapital Fremdkapital ? ? ? Zweck der Rentabilitätsvergleichsrechnung ist die Ermittlung der monetären Vorteilhaftigkeit von Investitionsprojekten. Im Gegensatz zu Kosten- und Gewinnvergleichsrechnungen kann bei einer Rentabilitätsvergleichsrechnung auch die unterschiedliche Kapitalbindung der einzelnen Projekte berücksichtigt werden; aus diesem Grund können sich im Verhältnis zur Gewinnvergleichsrechnung bei unterschiedlichem Kapitaleinsatz andere Vorteilhaftigkeiten ergeben. Zur Ermittlung des Kapitaleinsatzes sind dem Investitionsprojekt diejenigen Eigen- und Fremdkapitalbeträge zuzurechnen, die bei der Anschaffung des Investitionsobjekts zusätzlich gebunden bzw. aufgenommen werden. Da bei der Rentabilitätsvergleichsrechnung ebenfalls eine fiktive Durchschnittsperiode als Grundlage für die Entscheidung bezüglich Investitionen dient, basiert die Berechnung letztendlich auch wieder auf Durchschnittsgrö- ßen, d. h., es ist die durchschnittliche zusätzliche Kapitalbindung heranzuziehen. Bei Erweiterungsinvestitionen ergibt sich der zusätzliche Periodengewinn aus der Differenz zwischen zusätzlichen Erlösen und zusätzlichen Kosten, bei Rationalisierungsinvestitionen ist der Erfolg dagegen in der Kostenersparnis gegenüber der bisherigen Situation zu sehen. Auch bei der Höhe des Gewinns handelt es sich um eine Durchschnittsgröße, unabhängig davon, ob die Berechnung über die gesamte Dauer der Investition erfolgt oder ob der Gewinn des ersten Jahres geschätzt und als Durchschnittsgewinn verwendet wird.120 3.4.2 Die Relevanz der kalkulatorischen Zinsen Da es keine eindeutig zu präferierenden Basisgrößen für die Ermittlung von Rentabilitätskennzahlen gibt, muss sich ein Investor über die jeweilige Bedeutung der berechneten Kennzahl in Abhängigkeit von den zugrunde liegenden Größen im Klaren sein. Zieht man den als Ergebnis der Gewinnvergleichsrechnung resultierenden kalkulatorischen Gewinn (Betriebsergebnis) als eine der relevanten Größen zur Ermittlung der Rentabilität heran, so drückt dieser Gewinn aus, dass die Periodenerlöse neben allen anderen Kosten auch die bei Fremdfinanzierung anfallenden Zinsen für das aufgenommene Fremdkapital und/oder die bei Eigenfinanzierung aufgrund der Investitionsentscheidung entgangenen Erträge (kalkulatorische Zusatzkosten) übersteigen. Wird der per Gewinnvergleichsrechnung ermittelte kalkulatorische Gewinn ins Verhältnis zum zusätzlichen durchschnittlich gebundenen Kapital in Beziehung gesetzt, so gibt die errechnete Rentabilitätskennziffer an, „welche Rendite das durchschnittlich gebundene 120 Vgl. Bieg, Hartmut: Betriebswirtschaftslehre 1: Investition und Unternehmungsbewertung. 2. Aufl., Freiburg i. Br. 1997, S. 41-42; Blohm, Hans/Lüder, Klaus/Schaefer, Christina: Investition. 9. Aufl., München 2006, S. 144-150; Büschgen, Hans E.: Betriebliche Finanzwirtschaft – Unternehmensinvestitionen. Frankfurt a. M. 1981, S. 42-43; Götze, Uwe: Investitionsrechnung. 5. Aufl., Berlin u.a. 2006, S. 60-63; Kruschwitz, Lutz: Investitionsrechnung. 12. Aufl., München 2009, S. 35-37; Walz, Hartmut/Gramlich, Dieter: Investitions- und Finanzplanung. 6. Aufl., Heidelberg 2004, S. 122-123. 3.4 Die Rentabilitätsvergleichsrechnung 61 Gesamtkapital über die Verzinsung des Fremdkapitals und die kalkulatorische Verzinsung des Eigenkapitals hinaus erzielt“.121 Sofern die auf diese Weise errechnete Rentabilität eines Investitionsprojekts größer als null ist, handelt es sich um ein vorteilhaftes Projekt. Stehen mehrere vorteilhafte Projekte zur Wahl, so erfolgt unter Zugrundelegung ausschließlich monetärer Gesichtspunkte aufgrund der Rentabilitätsvergleichsrechnung im Allgemeinen eine Entscheidung zugunsten des Projekts mit der höchsten Rendite. Möchte der Investor eine Investitionsentscheidung nicht auf der Basis der über den kalkulatorischen Zins hinausgehenden Verzinsung treffen, sondern aufgrund der tatsächlichen Durchschnittsverzinsung im Sinne der üblicherweise definierten Eigenkapital- oder Gesamtkapitalrentabilität, so hat eine entsprechende Modifikation des im Rahmen der Gewinnvergleichsrechnung ermittelten kalkulatorischen Gewinns zu erfolgen. Zur Berechnung der Eigenkapitalrentabilität müssen zu dem aus der Gewinnvergleichsrechnung resultierenden kalkulatorischen Gewinn wieder die dort als Negativkomponente berücksichtigten kalkulatorischen Eigenkapitalzinsen hinzugerechnet werden; der als Zählergröße bei der Berechnung der Eigenkapitalrentabilität verwendete Gewinn darf also nicht um die kalkulatorischen Eigenkapitalzinsen vermindert werden. Diese so ermittelte Rentabilitätsziffer drückt aus, welche Rendite auf das eingesetzte Eigenkapital durch eine bestimmte Investition erwirtschaftet wird. Besteht eine Wahlmöglichkeit zwischen mehreren Projekten mit positiver Eigenkapitalrentabilität, so erscheint unter monetären Gesichtspunkten im ersten Augenblick das Projekt mit der höchsten Eigenkapitalrentabilität, also das relativ vorteilhafteste, am günstigsten. Ob es sich allerdings auch als absolut vorteilhaft erweist, kann ohne Heranziehung einer Vergleichsalternative nicht beurteilt werden. Deshalb wird als relevante Vergleichsgröße im Allgemeinen die gewünschte Mindestverzinsung des Eigenkapitals verwendet. Der Investor wird nämlich nur dann überhaupt zur Durchführung eines bestimmten Investitionsprojekts bereit sein, wenn das relativ vorteilhafteste Projekt, d. h. das Projekt mit der höchsten Eigenkapitalrentabilität, keine niedrigere Eigenkapitalrentabilität als die gewünschte Mindestverzinsung aufweist. Auch ein einzelnes zur Disposition stehendes Projekt wird nur dann verwirklicht werden, wenn es diese Bedingung erfüllt. Im Gegensatz zur Eigenkapitalrentabilität soll bei der Gesamtkapitalrentabilität die vom Investor gewählte Finanzierungssituation nicht entscheidungsbeeinflussend sein. Wird als maßgebliche Basisgröße zur Berechnung der per Gewinnvergleichsrechnung ermittelte kalkulatorische Gewinn gewählt, so ist dieser zum Zweck der Ermittlung der Gesamtkapitalrentabilität wieder um die kalkulatorischen Eigenkapitalzinsen und auch um die Fremdkapitalzinsen zu erhöhen, d. h. also, dass bei der Berechnung der als Zähler in der Gesamtkapitalrentabilität berücksichtigten Gewinnziffer weder kalkulatorische Eigenkapitalzinsen noch Fremdkapitalzinsen abgezogen werden. 121 Walz, Hartmut/Gramlich, Dieter: Investitions- und Finanzplanung. 6. Aufl., Heidelberg 2004, S. 123. 3 Die statischen Verfahren der Investitionsrechnung62 Auch in diesem Fall ist bei der Entscheidungsmöglichkeit zwischen mehreren Investitionsprojekten das relativ vorteilhafteste daraufhin zu überprüfen, ob es die Kapitalkosten deckt, ob es also die vom Verschuldungsgrad (Verhältnis Fremdkapital zu Eigenkapital), von den Fremdkapitalzinsen und von der gewünschten Mindestverzinsung des Eigenkapitals abhängige Mindesthöhe erreicht. Diese Aussage gilt gleichermaßen auch für Überlegungen, die sich nur auf ein einzelnes Investitionsprojekt beziehen.122 3.4.3 Kritik Das der Rentabilitätsvergleichsrechnung zugrunde liegende Vorteilhaftigkeitskriterium stellt auf die Analyse der monetären, in Rentabilitätsgrößen gemessenen Vorteilhaftigkeit eines einzelnen Investitionsprojekts ab. Es stellt sich aber die Frage, ob es auch ohne Schwierigkeiten bei der Auswahl eines Investitionsprojekts aus einer Anzahl sich gegenseitig ausschließender Investitionsprojekte angewendet werden kann, indem dasjenige Investitionsprojekt als realisierungswürdig eingestuft wird, das die höchste Rentabilität erzielt, die zudem den Mindestanforderungen des Investors entspricht. Auch hier ist festzustellen, dass durch die Vernachlässigung etwaiger Anschluss- bzw. Ergänzungsinvestitionen die Gefahr des Vergleichs unvollständiger Alternativen gegeben ist. Problemlos angewendet werden kann die Rentabilitätsvergleichsrechnung also nur, wenn die zur Auswahl stehenden Investitionsalternativen identische Nutzungsdauern und identische Kapitalbindungen aufweisen. Allerdings liefert die Rentabilitätsvergleichsrechnung bei Vorhandensein einer derartigen Situation auch keine anderen Ergebnisse bezüglich der Vorzugswürdigkeit eines Investitionsprojekts als die Gewinnvergleichsrechnung.123 3.5 Die statische Amortisationsrechnung 3.5.1 Allgemeine Bemerkungen und Detaildarstellung Im Gegensatz zu den bisher dargestellten statischen Verfahren der Investitionsrechnung wird die Vorteilhaftigkeit einer Investition bei der statischen Amortisations(dauer)rechnung (engl.: pay-off) nicht anhand von erfolgsrechnerischen Größen (Kosten, Gewinn, Rentabilität) beurteilt, sondern es erfolgt hier die Beurteilung anhand einer Zeitgröße. Diese stellt diejenige Zeitdauer dar, innerhalb der die Anschaffungskosten einer Investition durch die aus dem Investitionsprojekt resultierenden Einzahlungsüberschüsse wieder zurückerwirtschaftet werden, in der sich der Kapitaleinsatz also amortisiert. Die Zeitspanne wird als Amortisationsdauer (bzw. Kapitalrückfluss- oder Kapitalwiedergewinnungszeit, Pay-off-, Pay-back- oder Pay-out-Periode) bezeichnet. Für die rechentechnische Vorgehensweise wird unterstellt, dass zunächst alle Einzahlungsüberschüsse zur Amortisation des Kapitaleinsatzes 122 Vgl. zu diesen Ausführungen v.a. Bieg, Hartmut: Die Verfahren der Investitionsrechnung und ihre Verwendung in der Praxis. In: Der Steuerberater 1985, S. 24-25; Däumler, Klaus-Dieter: Grundlagen der Investitions- und Wirtschaftlichkeitsrechnung. 12. Aufl., Herne 2007, S. 195-196; Walz, Hartmut/Gramlich, Dieter: Investitions- und Finanzplanung. 6. Aufl., Heidelberg 2004, S. 125- 126. 123 Vgl. Bieg, Hartmut: Die Verfahren der Investitionsrechnung und ihre Verwendung in der Praxis. In: Der Steuerberater 1985, S. 25-26; Kruschwitz, Lutz: Investitionsrechnung. 12. Aufl., München 2009, S. 37.

Chapter Preview

References

Zusammenfassung

Zu Beginn dieses Lehrbuches wird auf die grundlegenden Prinzipien und Bestandteile der Finanzwirtschaft eingegangen. Daran schließt sich die umfangreiche Auseinandersetzung mit der Investition (und hier vor allem mit den Verfahren der Investionsrechnung) an. Dabei werden alle theorie- und praxisrelevanten Facetten behandelt. Zur Veranschaulichung der Inhalte dient ein durchgehendes Beispiel. Im letzten Kapitel wird sich mit Fragen der Unternehmensbewertung (inkl. DCF-Verfahren) auseinandergesetzt.

- Einführendes Lehrbuch in die Verfahren der Investitionsrechnung

- Behandelt werden theoretische wie praxisrelevante Fragestellungen.

- Zusammenhänge und finanzwirtschaftliche Entscheidungskriterien

- Einordnung von Investitionsrechnung und Investitionsentscheidungen

- Statische und dynamische Verfahren der Investitionsrechnung

- Dynamische Verfahren der Investitionsrechung

- Bestimmung der optimalen Nutzungsdauer und des Ersatzzeitpunktes von Investitionen

- Unsicherheit bei Investitionsentscheidungen

- Investitionsprogrammentscheidungen

- Entscheidungen über Finanzinvestitionen

"Insgesamt betrachtet liegt hier ein beachtliches Nachschlagewerk zum Themenkomplex Investition und Finanzierung vor, das jede einschlägige Frage in ihren Grundzügen beantwortet… Angehenden Betriebswirten und Praktikern kann das Handbuch uneingeschränkt empfohlen werden."

Ingo Nautsch in "Die Bank" zur Vorauflage der Bände.

Prof. Dr. Hartmut Bieg ist Inhaber des Lehrstuhls für Bankbetriebslehre an der Universität des Saarlandes.

Professor Dr. Heinz Kußmaul ist Direktor des Betriebswirtschaftlichen Instituts für Steuerlehre und Entrepreneurship am Lehrstuhl für Allgemeine Betriebswirtschaftslehre, insbesondere Betriebswirtschaftliche Steuerlehre, an der Universität des Saarlandes.

Für Studierende der Betriebswirtschaftslehre im Bachelor für das Fach Investition & Finanzierung an Universitäten, Fachhochschulen und Berufsakademien. Das Buch bietet aber auch Praktikern zahlreiche Anhaltspunkte zur Lösung von Investitionsproblemen.