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3.2 Die Kostenvergleichsrechnung in:

Hartmut Bieg, Heinz Kußmaul

Investition, page 76 - 82

2. Edition 2009, ISBN print: 978-3-8006-3658-7, ISBN online: 978-3-8006-4434-6, https://doi.org/10.15358/9783800644346_76

Series: Vahlens Handbücher der Wirtschafts- und Sozialwissenschaften

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3 Die statischen Verfahren der Investitionsrechnung52 Im Wesentlichen laufen die Berechnungen hierbei auf der Basis einer Durchschnittsperiode ab; es handelt sich also um einperiodige Verfahren, bei denen die genannten Größen für Investitionsprojekte mit mehrjähriger Nutzungsdauer nicht für alle zukünftigen Perioden errechnet werden, sondern eine Orientierung an durchschnittlichen Erfolgsgrößen erfolgt, indem eine „Durchschnittsperiode“ herangezogen wird, diese Durchschnittswerte als charakteristisch für die gesamte Investition angesehen werden und eine Entscheidungsfindung anhand dieser Durchschnittswerte erfolgt. Zeitliche Unterschiede im Entstehen der in die Rechnung einbezogenen Größen finden keine Berücksichtigung.107 Die Gefahr bei der Heranziehung statischer Verfahren als Entscheidungsunterstützungsmodell liegt darin, dass u. U. falsche bzw. unvollständige Alternativen formuliert und als logische Konsequenz deshalb „unvollständige Vergleiche“ durchgeführt werden. 3.2 Die Kostenvergleichsrechnung 3.2.1 Allgemeine Bemerkungen und Detaildarstellung Hat der Entscheidungsträger die Wahlmöglichkeit zwischen mindestens zwei realisierbaren Alternativen, so kann eine Kostenvergleichsrechnung durch Gegenüberstellung der Kosten der einzelnen Investitionsprojekte zum Zweck der Ermittlung der kostengünstigsten Alternative durchgeführt werden. In den Kostenvergleich einzubeziehen sind alle durch das jeweilige Investitionsvorhaben verursachten zusätzlichen Kosten, die zum einen aufwandsgleich (Löhne und Gehälter einschließlich Nebenkosten, Materialkosten einschließlich Materialnebenkosten, Energiekosten, Raumkosten, Werkzeugkosten, Instandhaltungskosten) und zum anderen kalkulatorischer Art (kalkulatorische Abschreibungen, kalkulatorische Zinsen) sein können.108 Nicht unbedingt in die Entscheidung miteinbezogen werden müssen solche Kostenarten, die für alle Alternativen in gleicher Höhe anfallen, da sie keinen Einfluss auf das Ergebnis des Vergleichs haben. Möchte der Investor allerdings nicht nur Kenntnis über die Vorteilhaftigkeit der Projekte erlangen, sondern auch über die relative Bedeutung der Kostenunterschiede, so ist von dieser Vernachlässigung abzusehen.109 107 Vgl. Bieg, Hartmut: Betriebswirtschaftslehre 1: Investition und Unternehmungsbewertung. 2. Aufl., Freiburg i. Br. 1997, S. 26-27; Götze, Uwe: Investitionsrechnung. 5. Aufl., Berlin u.a. 2006, S. 50; Kruschwitz, Lutz: Investitionsrechnung. 12. Aufl., München 2009, S. 32; Perridon, Louis/Steiner, Manfred: Finanzwirtschaft der Unternehmung. 14. Aufl., München 2007, S. 27 und S. 28; Schierenbeck, Henner: Methodik und Aussagewert statischer Investitionskalküle. In: Wirtschaftswissenschaftliches Studium 1976, S. 219; Walz, Hartmut/Gramlich, Dieter: Investitionsund Finanzplanung. 6. Aufl., Heidelberg 2004, S. 111. 108 Vgl. dazu u.a. Betriebswirtschaftlicher Ausschuß des VCI: Unternehmerische Investitionskontrolle. Herne/Berlin 1974, S. 78; Bieg, Hartmut: Die Verfahren der Investitionsrechnung und ihre Verwendung in der Praxis. In: Der Steuerberater 1985, S. 20; Blohm, Hans/Lüder, Klaus/Schaefer, Christina: Investition. 9. Aufl., München 2006, S. 134; Walz, Hartmut/Gramlich, Dieter: Investitions- und Finanzplanung. 6. Aufl., Heidelberg 2004, S. 114-115. 109 Vgl. Bieg, Hartmut: Die Verfahren der Investitionsrechnung und ihre Verwendung in der Praxis. In: Der Steuerberater 1985, S. 20. 3.2 Die Kostenvergleichsrechnung 53 Nachdem eine Kostenvergleichsrechnung die positive Erfolgsgröße Erlöse vollkommen unberücksichtigt lässt, kann sie konsequenterweise nur folgende Investitionsentscheidungen unterstützen: ? Investitionsvorhaben, bei denen die Höhe der Erlöse unabhängig davon ist, welche der Investitionsalternativen ausgewählt wird, da infolge der Realisierung gleicher Qualität der hergestellten Produkte alle Alternativen zu gleichen Absatzmengen und Absatzpreisen führen. Derartige Vorhaben können u. a. Ersatz- bzw. Rationalisierungsinvestitionen sein, eventuell aber auch Erweiterungsinvestitionen, sofern die verschiedenen realisierbaren Investitionsalternativen Umsatzsteigerungen in gleichem Umfang zur Folge haben. ? Investitionsvorhaben, die aufgrund von Gesetzesbestimmungen oder von Anordnungen übergeordneter Entscheidungsorgane in jedem Fall durchgeführt werden müssen, obwohl nicht mit Erlösen zu rechnen ist oder die Erlöse nicht quantifiziert werden können.110 Die Ausrichtung einer Investitionsentscheidung an der Kostenvergleichsrechnung impliziert, dass sich der Investor darüber im Klaren ist, dass auch bei einer Entscheidung für die kostengünstigste Alternative wegen der Vernachlässigung der Erlöse nicht gewährleistet ist, dass diese Investition einen Beitrag zur Erwirtschaftung eines positiven Erfolgs mit sich bringt. Zu den Kosten, die sich infolge der Realisierung eines bestimmten Investitionsprojekts neu ergeben oder die die laufenden Betriebskosten ändern, die also variabel in Bezug auf Durchführung oder Unterlassung des Investitionsvorhabens sind, zählen auch die kalkulatorischen Abschreibungen und die kalkulatorischen Zinsen, da sie hinsichtlich der Investitionsentscheidung – unabhängig von der Tatsache, dass sie nach Durchführung der Investitionsmaßnahme im Allgemeinen als fixe Kosten in Bezug auf Ausbringungsänderungen gelten – variable Kosten darstellen, also durch eine entsprechende Entscheidung verhindert werden könnten. Die kalkulatorischen Abschreibungen pro Periode ergeben sich als Quotient aus Anschaffungskosten (vermindert um den erwarteten Restveräußerungserlös oder Schrottwert) und der Anzahl der Jahre der Nutzung: 0 n Abschreibung pro Periode Anschaffungskosten (A ) Restverkaufserlös (L ) Anzahl der Nutzungsperioden (n) ? ? ? Von der Vorgehensweise her entspricht dies der in der Finanzbuchhaltung angewendeten linearen Abschreibungsmethode; dort richtet sich die Nutzungsdauer allerdings nach den handelsrechtlich bzw. steuerrechtlich (AfA-Tabellen) gebotenen bzw. zugelassenen Werten, während hier eine Rechnung im Sinne der Kostenrechnung mit der unter wirtschaftlichen 110 Vgl. Bieg, Hartmut: Betriebswirtschaftslehre 1: Investition und Unternehmungsbewertung. 2. Aufl., Freiburg i. Br. 1997, S. 28; Büschgen, Hans E.: Betriebliche Finanzwirtschaft – Unternehmensinvestitionen. Frankfurt a. M. 1981, S. 36. 3 Die statischen Verfahren der Investitionsrechnung54 Gesichtspunkten ermittelten voraussichtlichen Nutzungsdauer durchgeführt wird. Die Anwendung anderer Abschreibungsmethoden (v. a. degressive Abschreibung bzw. Abschreibung nach Leistungseinheiten) bzw. die Einbeziehung von etwaigen, in einer bestimmten Periode gewährten Sonderabschreibungen hat auf das Ergebnis der Kostenvergleichsrechnung keinen Einfluss, da die Jahresabschreibungsbeträge in Durchschnittswerte überführt werden; diese Durchschnittswerte sind von der angewendeten Abschreibungsmethode völlig unabhängig. Die kalkulatorischen Zinskosten werden ermittelt, indem das während der Nutzungsdauer durchschnittlich gebundene Kapital mit dem zugrunde gelegten Kalkulationszinssatz multipliziert wird. Dabei liegt der Bestimmung der Höhe des durchschnittlich gebundenen Kapitals die Überlegung zugrunde, dass bei abnutzbaren Gütern die Hälfte der Anschaffungskosten des Investitionsobjekts als durchschnittlich gebunden gilt. Unterstellt wird dabei allerdings eine kontinuierliche Kapitalfreisetzung über den Absatzmarkt; eine Berücksichtigung von auftretenden Verlusten, von zeitlichen Verschiebungen im Kapitalrückfluss und von vorgezogenen Tilgungen des aufgenommenen Kapitals unterbleibt völlig. Wird am Ende der wirtschaftlichen Nutzungsdauer des Investitionsobjektes ein Liquidationserlös erzielt, so ist dieser als über die gesamte Nutzungsdauer gebunden anzusehen, was letztendlich auf die durchschnittliche Kapitalbindung in der Weise Einfluss hat, als diese nun nicht mehr A0 : 2, sondern (A0+Ln ) : 2 beträgt. Die kalkulatorischen Zinskosten lassen sich danach formal berechnen als hälftige Summe aus den Anschaffungskosten und dem Restveräußerungserlös, multipliziert mit dem von der Finanzierung abhängigen Kalkulationszinssatz: 0 n Zinskosten pro Periode Anschaffungskosten (A ) Restverkaufserlös (L ) Zinssatz (i) 2 ? ? ?? ? ?? ? ? ? Bei Fremdfinanzierung des Objektes wird eine Rechnung unter Verwendung der Zinskosten des aufgenommenen Fremdkapitals durchgeführt, bei Eigenfinanzierung zieht man die aufgrund der Investition entgangenen Zinsen (kalkulatorische Zusatzkosten) heran.111 Grafisch veranschaulicht wird die durchschnittliche Bindung des eingesetzten Kapitals ohne bzw. bei Erzielung eines Liquidationserlöses am Ende der wirtschaftlichen Nutzungsdauer (n) in Abbildung 18 (Seite 55) und Abbildung 19 (Seite 55). 111 Vgl. dazu insbesondere Bieg, Hartmut: Betriebswirtschaftslehre 1: Investition und Unternehmungsbewertung. 2. Aufl., Freiburg i. Br. 1997, S. 30; Götze, Uwe: Investitionsrechnung. 5. Aufl., Berlin u.a. 2006, S. 52-56; Perridon, Louis/Steiner, Manfred: Finanzwirtschaft der Unternehmung. 14. Aufl., München 2007, S. 29-32; Walz, Hartmut/Gramlich, Dieter: Investitions- und Finanzplanung. 6. Aufl., Heidelberg 2004, S. 114-116. 3.2 Die Kostenvergleichsrechnung 55 0 n EUR Zeit A0 ? Kapitalbindung = A0 2 Abbildung 18: Durchschnittlich gebundenes Kapital, kein Liquidationserlös 0 n EUR Zeit A0 Ln ? Kapitalbindung = A0 + Ln 2 Abbildung 19: Durchschnittlich gebundenes Kapital, Liquidationserlös Durchgeführt werden kann eine Kostenvergleichsrechnung zum einen als Gesamtkostenvergleich (Vergleich der für die einzelnen Investitionsprojekte ermittelten Gesamtkosten je Durchschnittsperiode) und zum anderen als Stückkostenvergleich (Vergleich der für die einzelnen Investitionsprojekte ermittelten vollen Stückkosten je Leistungseinheit). Verfügen die verglichenen Investitionsprojekte über die gleiche Leistungsabgabe, so führen beide Rechnungen bezüglich der Vorteilhaftigkeit der Investitionsprojekte immer zur gleichen Reihenfolge; eine unterschiedliche Reihenfolge kann sich dagegen bei Zugrundelegung verschiedener Ausbringungsmengen ergeben.112 Wann im Einzelfall eine Kostenvergleichsrechnung auf Gesamt- bzw. auf Stückkostenbasis durchgeführt werden kann, ist aus Abbildung 20 (Seite 56) ersichtlich. 112 Vgl. Bieg, Hartmut: Betriebswirtschaftslehre 1: Investition und Unternehmungsbewertung. 2. Aufl., Freiburg i. Br. 1997, S. 30. apitalbindung = A0 2A0 apitalbindung = A0 + Ln 2 t A0 Ln 3 Die statischen Verfahren der Investitionsrechnung56 Anwendbarkeit der Kostenvergleichsrechnung Prüfung mehrerer Alternativen Alternativen besitzen identische Outputqualität Alternativen weisen identische Quantität des Output auf Entscheidungshilfen durch Vergleich der Gesamtkosten möglich Prüfung einer Alternative Alternativen besitzen unterschiedliche Outputqualität Alternativen weisen unterschiedliche Quantität des Output auf Vergleich der Stückkosten erforderlich Projekt mit den geringeren Stückkosten hat den größeren Output Projekt mit den höheren Stückkosten hat den größeren Output Projekt mit den geringeren Stückkosten ist relativ vorteilhaft Kostenvergleich ist nicht anwendbar oder nicht aussagekräftig Abbildung 20: Übersicht über den Anwendungsbereich der Kostenvergleichsrechnung113 3.2.2 Kritik Da eine marktwirtschaftlich agierende Unternehmung als Oberziel im Allgemeinen Gewinnmaximierung anstrebt, kann die Kostenvergleichsrechnung bezüglich der Beurteilung von Investitionen nur dann zu einem aussagefähigen Ergebnis führen, wenn die durch die einzelnen Investitionsobjekte erzielbaren Erlöse bei jeder der zur Wahl stehenden Alternativen gleich hoch sind. Zieht man nicht die für eine Kostenvergleichsrechnung charakteristischen Durchschnittswerte (durchschnittliche Auslastung bzw. Kosten) heran, d. h., erfolgt aus Vereinfachungsgründen keine Umrechnung der voraussichtlichen Kosten während der gesamten Nutzungsdauer eines Investitionsobjekts in einen Durchschnittswert, sondern kalkuliert man mit den i.d.R. am problemlosesten und exaktesten zu schätzenden Kosten des ersten Jahres nach Durchführung der Investition, impliziert dies die Unterstellung einer Veränderung der Kosten aller miteinander verglichenen Objekte im Zeitablauf in gleicher Weise; u. U. kann diese Sichtweise bei voneinander differierenden Kostenstrukturen der Vergleichsobjekte (unterschiedliche Abschreibungs-, Zins- und Betriebskosten sowie unterschiedliche Lohnintensität) aber eklatante Fehlentscheidungen hervorrufen. Aber selbst bei exakter Berechnung der Durch- 113 Entnommen aus Walz, Hartmut/Gramlich, Dieter: Investitions- und Finanzplanung. 6. Aufl., Heidelberg 2004, S. 114. 3.2 Die Kostenvergleichsrechnung 57 schnittswerte bleiben die Veränderungen der Erfolgsgrößen im Zeitablauf gänzlich unberücksichtigt.114 Ein weiteres Problem der Kostenvergleichsrechnung liegt darin, dass die der Entscheidung über Investitionen zugrunde liegenden Kostengrößen keine Extremsituationen des betrieblichen Produktionsbereiches widerspiegeln; es werden keine Kapazitätsspitzen oder extrem niedrige Auslastungssituationen sowie die daraus resultierenden Kostensituationen berücksichtigt.115 Darüber hinaus besteht die Gefahr falscher Vorteilhaftigkeitsentscheidungen, wenn die zur Auswahl stehenden Investitionsalternativen unterschiedliche Nutzungsdauern aufweisen. Es kann nämlich u. U. der Fall eintreten, dass sich das Projekt mit der längeren Nutzungsdauer bezogen auf die „Durchschnittsperiode“ rechnerisch als kostengünstigstes herausstellt. Wählt der Investor dieses Projekt, so fallen dabei auch noch in denjenigen Perioden Kosten an, in denen ein kürzerfristiges Investitionsprojekt bereits beendet ist, also keine Kosten mehr verursacht; ebenso erfolgt bei der die Erlösseite außer Acht lassenden Kostenvergleichsrechnung beim längerfristigen Projekt eine Vernachlässigung der in diesem Zeitraum noch erzielten Erlöse. Ein wesentlicher Kritikpunkt an der Kostenvergleichsrechnung ist auch, dass bei unterschiedlichen Anschaffungskosten der verglichenen Investitionsprojekte der Problembereich der Finanzierung vollkommen außer Acht gelassen wird; es wird nämlich unterstellt, dass jedes zur Entscheidung stehende Investitionsprojekt zum zugrunde liegenden Zinssatz finanziert werden kann. Dabei ergibt sich die Frage, was der Investor mit dem verfügbaren Restkapital macht, falls er sich für das Investitionsprojekt mit den niedrigsten Anschaffungskosten entscheidet.116 Als Vorteile der Kostenvergleichsrechnung können die relativ einfache rechentechnische Anwendbarkeit und die leichte Beschaffung der benötigten Informationen aus dem internen bzw. evtl. auch aus dem externen Rechnungswesen der Unternehmung gesehen werden. Aus diesem Grund kommt die Kostenvergleichsrechnung in erster Linie bei der Beurteilung kleinerer Ersatz- und Rationalisierungsinvestitionen sowie bei überschlägigen Überlegungen – z. B. auch bei Verhandlungen unter großem zeitlichem Entscheidungsdruck – zum Einsatz.117 114 Vgl. dazu u.a. Bieg, Hartmut: Die Verfahren der Investitionsrechnung und ihre Verwendung in der Praxis. In: Der Steuerberater 1985, S. 21; Blohm, Hans/Lüder, Klaus/Schaefer, Christina: Investition. 9. Aufl., München 2006, S. 143. 115 Vgl. dazu insbesondere Bieg, Hartmut: Betriebswirtschaftslehre 1: Investition und Unternehmungsbewertung. 2. Aufl., Freiburg i. Br. 1997, S. 38; Götze, Uwe: Investitionsrechnung. 5. Aufl., Berlin u.a. 2006, S. 57-58. 116 Vgl. dazu insbesondere Bieg, Hartmut: Die Verfahren der Investitionsrechnung und ihre Verwendung in der Praxis. In: Der Steuerberater 1985, S. 21-22; Götze, Uwe: Investitionsrechnung. 5. Aufl., Berlin u.a. 2006, S. 56-58. 117 Vgl. Bieg, Hartmut: Betriebswirtschaftslehre 1: Investition und Unternehmungsbewertung. 2. Aufl., Freiburg i. Br. 1997, S. 38. 3 Die statischen Verfahren der Investitionsrechnung58 3.3 Die Gewinnvergleichsrechnung 3.3.1 Allgemeine Bemerkungen und Detaildarstellung Im Gegensatz zur Kostenvergleichsrechnung werden in der Gewinnvergleichsrechnung auch die Erlöse berücksichtigt, was den Anwendungsbereich dieses statischen Investitionsrechenverfahrens vergrößert. Hier ist es nun auch möglich, Erweiterungsinvestitionen hinsichtlich ihrer Vorteilhaftigkeit zu untersuchen. Als Beurteilungsmaßstab dient die durch ein Investitionsprojekt in jeder Durchschnittsperiode ausgelöste Gewinnveränderung; maßgeblich ist also der Saldo zwischen den durch das Investitionsprojekt hervorgerufenen durchschnittlichen Kosten je Periode und den durch diese Maßnahme ausgelösten durchschnittlichen Erlösen je Periode. Durch den Vergleich mit der Nicht-Realisation eines Investitionsprojekts (Null-Alternative) kann ein relativ vorteilhaftes Investitionsprojekt unmittelbar auch auf seine absolute Vorteilhaftigkeit hin überprüft werden. Wird eine Gewinnvergleichsrechnung zur Beurteilung mehrerer relativ vorteilhafter Investitionsalternativen herangezogen, so ist diejenige Alternative zu realisieren, die in der fiktiven Durchschnittsperiode zum größten positiven Erfolg führt. Kann durch keines der zur Auswahl stehenden Investitionsprojekte ein Gewinn realisiert werden, so erweisen sich alle betrachteten Alternativen als absolut unvorteilhaft und sollten daher nicht realisiert werden. Analog zur Kostenvergleichsrechnung erfolgt auch in der Gewinnvergleichsrechnung eine Berücksichtigung der Kosten der Kapitalverzinsung (zu zahlende Zinsen auf das in Anspruch genommene Fremdkapital bzw. anderweitig erzielbare und somit gewünschte Mindestverzinsung des Eigenkapitals). Daher ist es bei der Gewinnvergleichsrechnung – im Gegensatz zur Kostenvergleichsrechnung – möglich, auch einzelne Investitionsprojekte hinsichtlich ihrer monetären Vorteilhaftigkeit zu untersuchen. Der durch ein bestimmtes Investitionsobjekt erzielte zusätzliche Periodengewinn stellt dann den Betrag dar, der dem Investor nach Abdeckung aller Kosten über die gewünschte Mindestverzinsung des Eigenkapitals hinaus zufließt. Da hier die einer Durchschnittsperiode zugrunde liegende Erlössituation – für die man in der betrieblichen Praxis trotz der bereits geschilderten Problematik häufig das erste Jahr der Lebensdauer eines Investitionsprojekts als repräsentativ heranzieht – berücksichtigt wird, ist ein Vorteilhaftigkeitsvergleich auch bei unterschiedlicher Leistungsabgabe der verglichenen Investitionsprojekte denkbar. In diesem Zusammenhang erfolgt auch die Lösung des Problems der Realisation unterschiedlicher Absatzpreise, die bei den verschiedenen Projekten erzielbar sind.118 118 Vgl. dazu u.a. Bieg, Hartmut: Die Verfahren der Investitionsrechnung und ihre Verwendung in der Praxis. In: Der Steuerberater 1985, S. 22-23; Büschgen, Hans E.: Betriebliche Finanzwirtschaft – Unternehmensinvestitionen. Frankfurt a. M. 1981, S. 40-41; Kern, Werner: Investitionsrechnung. Stuttgart 1974, S. 125; Perridon, Louis/Steiner, Manfred: Finanzwirtschaft der Unternehmung. 14. Aufl., München 2007, S. 34-35; Walz, Hartmut/Gramlich, Dieter: Investitions- und Finanzplanung. 6. Aufl., Heidelberg 2004, S. 118-120.

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References

Zusammenfassung

Zu Beginn dieses Lehrbuches wird auf die grundlegenden Prinzipien und Bestandteile der Finanzwirtschaft eingegangen. Daran schließt sich die umfangreiche Auseinandersetzung mit der Investition (und hier vor allem mit den Verfahren der Investionsrechnung) an. Dabei werden alle theorie- und praxisrelevanten Facetten behandelt. Zur Veranschaulichung der Inhalte dient ein durchgehendes Beispiel. Im letzten Kapitel wird sich mit Fragen der Unternehmensbewertung (inkl. DCF-Verfahren) auseinandergesetzt.

- Einführendes Lehrbuch in die Verfahren der Investitionsrechnung

- Behandelt werden theoretische wie praxisrelevante Fragestellungen.

- Zusammenhänge und finanzwirtschaftliche Entscheidungskriterien

- Einordnung von Investitionsrechnung und Investitionsentscheidungen

- Statische und dynamische Verfahren der Investitionsrechnung

- Dynamische Verfahren der Investitionsrechung

- Bestimmung der optimalen Nutzungsdauer und des Ersatzzeitpunktes von Investitionen

- Unsicherheit bei Investitionsentscheidungen

- Investitionsprogrammentscheidungen

- Entscheidungen über Finanzinvestitionen

"Insgesamt betrachtet liegt hier ein beachtliches Nachschlagewerk zum Themenkomplex Investition und Finanzierung vor, das jede einschlägige Frage in ihren Grundzügen beantwortet… Angehenden Betriebswirten und Praktikern kann das Handbuch uneingeschränkt empfohlen werden."

Ingo Nautsch in "Die Bank" zur Vorauflage der Bände.

Prof. Dr. Hartmut Bieg ist Inhaber des Lehrstuhls für Bankbetriebslehre an der Universität des Saarlandes.

Professor Dr. Heinz Kußmaul ist Direktor des Betriebswirtschaftlichen Instituts für Steuerlehre und Entrepreneurship am Lehrstuhl für Allgemeine Betriebswirtschaftslehre, insbesondere Betriebswirtschaftliche Steuerlehre, an der Universität des Saarlandes.

Für Studierende der Betriebswirtschaftslehre im Bachelor für das Fach Investition & Finanzierung an Universitäten, Fachhochschulen und Berufsakademien. Das Buch bietet aber auch Praktikern zahlreiche Anhaltspunkte zur Lösung von Investitionsproblemen.