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Quality Audits, Zertifizierungen und Akkreditierungen in:

Anke Hanft

Bildungs- und Wissenschaftsmanagement, page 319 - 326

1. Edition 2008, ISBN print: 978-3-8006-3468-2, ISBN online: 978-3-8006-4405-6, https://doi.org/10.15358/9783800644056_319

Series: Vahlens Handbücher der Wirtschafts- und Sozialwissenschaften

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4.5. Quality Audits, Zertifizierungen und Akkreditierungen 307 4.5. Quality Audits, Zertifizierungen und Akkreditierungen 4.5.1. Begriff und Merkmale Der Begriff Audit stammt aus dem lateinischen „audire“ und meint „hören, zuhören“. In seiner gegenwärtigen Bedeutung wurde er aus dem Englischen übernommen, wo er für „Revision“ oder „Prüfung“ steht. Quality Audits bezeichnen dem gemäß die systematische Untersuchung der Qualitätssicherung von Leistungsprozessen in einer Organisation, mit dem Ziel, Schwachstellen zu identifizieren, Verbesserungsmöglichkeiten aufzuzeigen und deren Umsetzung zu überprüfen. Quality Audits geben Auskunft über die Wirksamkeit und Angemessenheit der organisatorischen Qualitätsmanagementsysteme und informieren das Management über dessen Stärken, Schwächen und Zielerreichung. Voraussetzung für die Durchführung eines Quality Audits ist also, dass die Organisation bereits über ein Qualitätsmanagementsystem oder Maßnahmen zur Qualitätssicherung verfügt. Audits können von der Organisation selbst oder in ihrem Auftrag für interne Zwecke durchgeführt werden, sie können durch Kunden oder Stakeholder der Organisation erfolgen, wenn eine entsprechende vertragliche Beziehung dies vorsieht, oder sie können durch unabhängige, über entsprechende Akkreditierungen verfügende Organisationen durchgeführt werden. Letzteres erfolgt oft dann, wenn das Audit mit dem Ziel der Zertifizierung erfolgt. Externe Quality Audits haben sich in den Hochschulsystemen vieler europäischer Nachbarländer als die am meisten verbreitete Formen der Qualitätssicherung durchgesetzt (z.B. Schweiz, Großbritannien, Schweden, Frankreich) (vgl. Hochschulrektorenkonferenz 2006b). Eine wichtige Voraussetzung für die Durchführung von externen Audits ist wechselseitiges Vertrauen. Da organisationsseitig interne Daten zur Verfügung gestellt werden, ist es unabdingbar, dass diese im Auditierungsprozess nur für die mit der Auditierung verfolgten Zwecke genutzt werden. Ist eine vertrauliche Behandlung der Ergebnisse vereinbart, sind Auditoren daran gebunden. Umgekehrt sind die Auditoren darauf angewiesen, von der Organisation offen informiert zu werden, den Zugang zu echten Daten und Informationen zu erhalten, um ihrer Auditorenrolle nachkommen zu können und brauchbare Ergebnisse zu erhalten. Auditierungen können, müssen aber nicht in die Vergabe eines Qualitätssiegels oder eine Zertifizierung einmünden. Auch sind Standards oder Normen keine Voraussetzung für die Durchführung eines Audits. Sie können lediglich der Bestandsaufnahme dienen, um daraus Verbesserungsmaßnahmen abzuleiten, deren Erreichung dann gegebenenfalls wiederum in einem Auditierungsprozess überprüft wird. Als Zertifizierung bezeichnet man Verfahren, die die Erreichung von Standards oder Normen von Leistungsprozessen, Produkten, Dienstleistungen oder gan- 308 4. Qualitätsmanagement und Evaluation zen Unternehmen überprüfen. Sie werden durch unabhängige Zertifizierungseinrichtungen durchgeführt, die bei erfolgreicher Zertifizierung Gütesiegel oder anerkannte Zertifikate vergeben. Durch dieses Zeugnis kann das zertifizierte Unternehmen gegenüber Kunden, der Öffentlichkeit und anderen Stakeholdern die Erreichung qualitativer (Mindest-)Standards nachweisen. In Wirtschaftsunternehmen gilt dieser Nachweis mehr und mehr als Voraussetzung für unternehmensübergreifende Kooperationen bei der Erstellung von Produkten oder Dienstleistungen. Zertifizierungen dürfen nur von Einrichtungen ausgesprochen werden, die über entsprechende qualifikatorische Voraussetzungen verfügen und von den Unternehmen bzw. der Branche, die sie zertifizieren, anerkannt sind. Eine Bildungseinrichtung, die sich zertifizieren lassen will, meldet sich bei der von ihr ausgewählten Zertifizierungsagentur an, bereitet sich anhand von Zertifizierungsfragebögen auf die Vorort-Untersuchung (Audit) durch die Zertifizierungseinrichtung vor und erhält dann, sofern die Erfüllung der genormten qualitativen (Mindest-)Standards nachgewiesen wird, das entsprechende, zeitlich begrenzt gültige Zertifikat. Mit diesem wird nachgewiesen, dass das Unternehmen über ein Qualitätsmanagementsystem verfügt und – selbst – definierte Standards einhält. Die Kosten des in regelmäßigen Abständen zu wiederholenden Verfahrens trägt das zu zertifizierende Unternehmen. Zu den bekanntesten Zertifizierungsverfahren zählen die ISO EN-Zertifizierungen (vgl. Abs. 4.3.1) und – im Bildungsbereich – das EFQM-Modell (vgl. Abs. 4.3.2) und das LQW- Verfahren (vgl. Abs. 4.3.3). Die Akkreditierung gewinnt in Deutschland im Zuge der Umsetzung des Bologna-Prozesses an Bedeutung. Sie ersetzt staatliche Genehmigungsverfahren von Studiengängen, insbesondere bei der Neueinführung von Bachelor- und Masterstudiengängen. Statt der früher obligatorischen staatlichen Genehmigung einzelner Prüfungsordnungen, bei der in erster Linie die Überprüfung formaler Kriterien im Vordergrund stand, erfolgt in der Akkreditierung auch eine Überprüfung inhaltlicher Kriterien. Hierdurch soll die internationale Vergleichbarkeit von Studiengängen und die Einhaltung von qualitativen Mindeststandards gewährleistet werden. Zur Organisation der Akkreditierungsverfahren richteten HRK und KMK im Dezember 1998 einen bundesweiten Akkreditierungsrat ein, dessen vorrangige Aufgabe darin besteht, vergleichbare Qualitätsstandards bei der Akkreditierung der neuen gestuften Studiengänge zu gewährleisten und die mit der Akkreditierung beauftragten Agenturen zu akkreditieren.17 Letztere erhalten nach erfolgreicher Akkreditierung – zeitlich befristet – das Qualitätssiegel des deutschen Akkreditierungsrats, das sie, wiederum zeitlich befristet, an die von ihnen akkreditierten Studiengänge vergeben. 17 Vgl. http://www.bmbf.de/de/3336.php, Download: 11.3. 2007. 4.5. Quality Audits, Zertifizierungen und Akkreditierungen 309 Akkreditierungsagenturen in Deutschland sind • Agentur für Qualitätssicherung durch Akkreditierung von Studiengängen (AQAS) • Akkreditierungs-, Certifizierungs- und Qualitätssicherungs-Institut (ACQUIN) • Foundation for International Business Administration Accreditation (FIBAA) • Zentrale Akkreditierungs- und Zertifizierungsagentur (ZEvA) Mit dem Beschluss der KMK zur „künftige(n) Entwicklung der länder- und hochschulübergreifenden Qualitätssicherung in Deutschland“ vom März 2002 wurde das dezentral organisierte Akkreditierungssystem dauerhaft etabliert und der Akkreditierungsrat im Jahre 2005 in die „Stiftung zur Akkreditierung von Studiengängen in Deutschland“ überführt. Der Stiftung obliegt eine Schlüsselfunktion im gesamten Akkreditierungssystem, deren Aufgaben im Stiftungsgesetz definiert sind:18 • zeitlich befristete Akkreditierung und Reakkreditierung von Akkreditierungsagenturen (Agenturen), • Zusammenfassung der ländergemeinsamen und landesspezifischen Strukturvorgaben zu verbindlichen Vorgaben für die Agenturen, • Regelung von Mindestvoraussetzungen für Akkreditierungsverfahren einschließlich der Voraussetzungen und Grenzen von gebündelten Akkreditierungen, • Überwachung der Akkreditierungen, welche durch die Agenturen erfolgen, • Gewährleistung eines fairen Wettbewerbs unter den Agenturen, • Festsetzung der Voraussetzungen für die Anerkennung von Akkreditierungen durch ausländische Einrichtungen unter Berücksichtigung der Entwicklung in Europa, • Förderung der internationalen Zusammenarbeit im Bereich der Akkreditierung und der Qualitätssicherung, • regelmäßige Berichterstattung an die Länder über die Entwicklung bei der Umstellung des Studiensystems auf die gestufte Studienstruktur und über die Qualitätsentwicklung im Rahmen der Akkreditierung. Ob die Aufgaben des Akkreditierungsrates mit Einrichtung des Europäischen Registers für Qualitätssicherungsagenturen, wie es im Bologna-Prozess vorgesehen ist,19 in dieser Weise bestehen bleiben oder die Akkreditierung von Qualitätssicherungsagenturen zukünftig auf europäischer Ebene erfolgt, bleibt abzuwarten. Die Arbeit der Stiftung wird durch mehrere Organe überwacht und begleitet. Diese bestehen aus • dem Akkreditierungsrat, bestehend aus Hochschulvertretern, Ländervertretern, Vertretern aus der Berufspraxis, Studierenden, ausländischen Experten sowie jeweils einem Vertreter der Agenturen, 18 Vgl. http://www.akkreditierungsrat.de/. Download: 7.1. 2007. 19 Vgl. Londoner Kommuniqué vom Mai 2007. http://www.bmbf.de/de/3336.php, Download: 31.7. 2007. 310 4. Qualitätsmanagement und Evaluation • dem Vorstand und • dem Stiftungsrat (Vertretern der Länder und der Hochschulrektorenkonferenz).20 Mit Hilfe dieses Systems soll sichergestellt werden, dass die Entwicklung des Hochschulsystems in Deutschland trotz weitgehender Entbindung von staatlicher Aufsicht entlang gemeinsamer Standards und Strukturvorgaben erfolgt. Nicht sichergestellt werden kann mit diesem System, dass über die Einhaltung von Mindeststandards hinaus eine kontinuierliche Qualitätsentwicklung erfolgt. 4.5.2. Dimensionen und Gegenstand von Audits, Zertifizierungen und Akkreditierungen Audits, Zertifizierungen und Akkreditierungen können unterschiedlich dimensioniert sein. Während bei der Akkreditierung von Studiengängen in Deutschland bislang programm- bzw. produktorientierte Audits dominieren, überwiegen in der Weiterbildung prozess- bzw. systemorientierte Verfahren. Systemorientierte Verfahren beurteilen die Wirksamkeit eines Qualitätsmanagementsystems bezogen auf Systemelemente. Diese können auf die gesamte Organisation, Organisationsbereiche, wie die Studiengangs- oder die Personalverwaltung, oder auf Systemkomponenten, wie das Steuerungs- oder das Informationssystem, bezogen sein. Im Mittelpunkt steht die Überprüfung, ob und inwieweit diese Systeme oder Organisationsbereiche zur Erreichung der organisatorischen Qualitätsziele beitragen. Systemorientierte Audits können als interne Audits oder externe Zertifizierungs- oder Akkreditierungsaudits erfolgen. Prozessorientierte Verfahren überprüfen, inwieweit Prozesse und Verfahrensabläufe zur Erreichung der organisationsseitigen Qualitätsziele beitragen und wo möglicherweise Verbesserungspotenziale bestehen. Gegenstand sind vollständige Prozessketten, beginnend bspw. mit der ersten Kontaktaufnahme eines potenziellen Teilnehmers oder Studierenden bis hin zur Aushändigung seines Zertifikats oder Zeugnisses. Die Überprüfung einzelner Studienprogramme erfolgt innerhalb dieses Verfahrens nur in kleinen Stichproben. Programm- oder produktorientierte Verfahren untersuchen einzelne Produkte oder Programme im Hinblick darauf, ob und inwieweit sie eigene oder von au- ßen definierte Qualitätsanforderungen oder (Mindest-)Standards erfüllen. Sie legen den Schwerpunkt auf die Qualitätssicherung von Lehrprogrammen und -maßnahmen und ermöglichen den Kunden eine gewisse Orientierung. Clusterakkreditierungen: Hierbei handelt es sich um eine Bündelung von Programmakkreditierungen, die den Verfahrensaufwand der Einzelakkreditierung von Programmen minimieren sollen. Sie bietet sich an, wenn eine hochschul- 20 Vgl. http://www.akkreditierungsrat.de/, Download: 7.1. 2007. 4.5. Quality Audits, Zertifizierungen und Akkreditierungen 311 weite Umstellung auf BA/MA-Strukturen erfolgt, und ist auf affine Studiengänge gerichtet. Der Clusterakkreditierung kann eine fachübergreifende Systembewertung vorangestellt werden (Arnold 2006; Habel 2006). Neben der in Deutschland – noch – im Vordergrund stehenden Akkreditierung von Studiengängen (Programm-Akkreditierung) hat sich international die Akkreditierung von Institutionen oder Systemen als Alternative zu staatlichen Genehmigungsverfahren durchgesetzt (z.B. Norwegen, Großbritannien, USA). Die Akkreditierung der gesamten Bildungsinstitution oder Hochschule ist dort die Voraussetzung für die Gewährung staatlicher Zuschüsse und wird durch die Akkreditierung von Studiengängen oder Qualitätssicherungssystemen lediglich ergänzt. Ähnliche Verfahren gelten in Deutschland für Weiterbildungseinrichtungen. Angesichts der Fülle der derzeit zu akkreditierenden Studiengänge stößt die in Deutschland praktizierte Programmakkreditierung an ihre Grenzen. Um eine völlige Überlastung und den befürchteten Zusammenbruch des Gesamtsystems zu verhindern, werden durch deutsche Akkreditierungsagenturen inzwischen verstärkt Clusterakkreditierungen durchgeführt. Weiterhin entwickeln sie derzeit institutionelle, system- und prozessorientierte Verfahren, die stärker an der internationalen Evaluations- und Akkreditierungspraxis ausgerichtet sind. So will AQCUIN seine Programmakkreditierung mit einem prozessorientierten Verfahren verknüpfen und hat hierzu ein zweijähriges, vom BMBF gefördertes Modellprojekt durchgeführt.21 Ziel des Verfahrens ist, die Prozessqualität bezogen auf die Entwicklung, Implementierung, Durchführung und Weiterentwicklung von Studienprogrammen systematisch und zuverlässig zu erfassen sowie deren Wirksamkeit zu überprüfen (Hofmann 2006). Und die ZEvA entwickelt ein institutionelles Evaluationsverfahren des Qualitätsmanagements in Studium und Lehre, das in ersten Pilot-Verfahren seit 2007 eingesetzt wird. Vom Wissenschaftsrat (2007b) wurde zudem ein Verfahren vorgelegt, das nichtstaatlichen Hochschulen eine institutionelle Akkreditierung ihrer wissenschaftlichen Qualitätsmaßstäbe in Forschung und Lehre anbietet. Und KMK und BMBF empfehlen in ihrem nationalen Bericht zur Umsetzung der Bologna-Prozesse die „Entwicklung eines Konzepts, das es langfristig ermöglicht, die Programmakkreditierung durch institutionelle Ansätze zu ergänzen“ (KMK/BMBF 2007). Die Kultusministerkonferenz fasste hierzu im Juni 2007 einen Beschluss, der Systemakkreditierungen neben den bislang bestehenden Programmakkreditierungen vorsieht. Die Systemakkreditierung soll sich auf das Qualitätssicherungssystem einer Hochschule beziehen, kann aber in Ausnahmefällen auch Teilbereiche großer Hochschulen zum Gegenstand haben. Ziel ist die Verringerung des Verfahrensaufwands der Hochschulen und die Beschleunigung der Zertifizierungsverfahren.22 21 Vgl. http://www.acquin.org/acquincms/index/Prozessakkreditierung, Download: 29.10. 2006. 22 Vgl. http://www.kmk.org/aktuell/home1.htm, Download: 20.7. 2007. 312 4. Qualitätsmanagement und Evaluation 4.5.3. Quality Audits und Akkreditierung im europäischen Hochschulraum Die Durchsetzung gemeinsamer Qualitätsstandards ist eine wichtige Voraussetzung für die erfolgreiche Entwicklung eines europäischen Hochschulraums. Der Bologna-Prozess gilt daher als wichtigster Motor zur Einführung von Akkreditierungssystemen innerhalb Europas (Schwarz/Westerheijeden 2004, S. 35 ff.). Eine erste Aussage der Verpflichtung zur Qualitätssicherung enthält das Berliner Kommunique der europäischen Bildungsminister vom 19.9. 2003:23 „They [the Bologna Ministers] also stress that consistent with the principle of institutional autonomy, the primary responsibility for quality assurance in higher education lies with each institution itself and this provides the basis for real accountability of the academic system within the national quality framework.“ In der Bergen-Konferenz der europäischen Bildungsminister wurden die Anforderungen an die interne Qualitätssicherung der Hochschulen weiter präzisiert. Inzwischen hat sich ein internationales Netzwerk zur Qualitätssicherung im Hochschulbereich etabliert, in das auch die deutsche Stiftung zur Akkreditierung von Studiengängen eingebunden ist. So will das deutschsprachige Netzwerk von Akkreditierungsagenturen und -räten (D-A-CH) die gegenseitige Anerkennung der von ihnen akkreditierten Studiengänge gewährleisten. Und mit der European Association for Quality Assurance in Higher Education (ENQA) wurde eine gemeinsame europäische Dachorganisation für die mit der Qualitätssicherung im Hochschulbereich beauftragten Institutionen gebildet, die im Auftrag der europäischen Bildungsminister Standards, Verfahren und Richtlinien für die Qualitätssicherung (ESG), sowie angemessene Peer Review Verfahren für Akkreditierungsagenturen entwickelt. Von der ENQA wurden Anforderungen an die interne Qualitätssicherung (Part 1),24 die externe Qualitätssicherung (Part 2) und Quality Assurance Agencies (Part 3) erarbeitet, die trotz einheitlicher Standards den Anspruch erheben, nationale Rahmenbedingungen sowie die institutionelle Autonomie der Hochschulen zu bewahren25, (s. Tab. 4.10). Kennzeichen für das von der ENQA entwickelte Verfahren ist, dass die Begutachtung in der Regel (bei externen Audits) durch externe, unabhängige Experten (Audit Panel, Peers) erfolgt und Bestandteil einer externen Rechenschaftslegung oder Zertifizierung ist. Angeknüpft wird an bestehende institutionelle (Qualitätsmanagement-)Prozesse und an organisationsseitig definierte Quali- 23 http://www.bologna-berlin2003.de/pdf/Communique1.pdf. Download: 7.1. 2007. 24 Vgl. Abs. 4.1.2.2. 25 Vgl. Standards and Guidelines for Quality Assurance in the European Higher Education Area http://www.enqa.net/files/ENQA%20Bergen%20report.pdf. Download: 8.3. 2007. 4.5. Quality Audits, Zertifizierungen und Akkreditierungen 313 tätsstandards. Weiterhin ist das Verfahren durch eine Prozess-Orientierung gekennzeichnet, d.h. es wird davon ausgegangen, dass adäquat gestaltete Prozesse zur angestrebten Qualität der Ergebnisse („outcomes“) führen und in followups dokumentiert werden können. Zudem gibt es eine starke Betonung des – veröffentlichten – Feed-backs, um die Transparenz des Verfahrens zu sichern. Auf die Weise soll ein Gleichgewicht zwischen der Selbstständigkeit der Hochschulen und ihrer öffentlichen Verantwortung hergestellt werden. Standards für interne Qualitätssicherungsmaßnahmen der Hochschulen Standards für externe Qualitätssicherungsmaßnahmen der Hochschulen Standards für Qualitätssicherungsagenturen 1 Hochschulen verfügen über eine QS-Politik und setzen entsprechende QS-Verfahren ein. Externe QS-Maßnahmen der Hochschulen berücksichtigen die Wirksamkeit deren interner Qualitätssicherung. Die von QS-Agenturen durchgeführten Maßnahmen entsprechen den Standards für externe QS-Maßnahmen. 2 Hochschulen haben ein System der Genehmigung, des Monitoring und der regelmäßigen Überprüfung ihrer Studienangebote und Studienabschlüsse. Ziel und Zweck externer QS-Maßnahmen werden durch alle Beteiligten festgelegt und sind offen gelegt. QS-Agenturen sind durch öffentliche Behörden anerkannt. 3 Studierende werden nach offen gelegten Kriterien und Verfahren beurteilt. Jede Entscheidung, die auf einer externen Evaluierung gründet, erfolgt aufgrund ausdrücklich festgelegter und veröffentlichter Kriterien. QS-Agenturen führen ihre Leistungen regelmäßig durch. 4 Hochschulen setzen Maßnahmen, um die Qualifikation ihrer Lehrenden zu gewährleisten. Diese Maßnahmen werden im Zuge externer Evaluierungen geprüft. Externe QS-Maßnahmen stellen die Eignung der Hochschule fest, die selbst gesetzten Ziele zu erreichen. QS-Agenturen verfügen über angemessene Ressourcen zur Durchführung ihrer Leistungen. 5 Hochschulen gewährleisten ausreichende und angemessene Ressourcen für ihre Lehrangebote. Evaluierungsberichte werden veröffentlicht und verschriftlicht. QS-Agenturen legen ihrer Arbeit klar definierte Ziele zu Grunde. 314 4. Qualitätsmanagement und Evaluation Ziel ist die Entwicklung gemeinsamer Standards, ohne dass gemeinsame Qualitätssicherungsverfahren eingeführt werden müssen. Die Standards sind daher offen für verschiedene Qualitätssicherungsverfahren. Kritisiert wird an den ENQA-Standards ihr mangelnder Bezug auf die Forschung. Tatsächlich sind Akkreditierungs- und Zertifizierungsverfahren gegenwärtig auf Studium und Lehre begrenzt. 4.6. Benchmarking 4.6.1. Merkmale Der Begriff „Benchmark“ stammt aus der Landvermessung und bezeichnet Fixpunkte bei Höhen- und Richtungsvergleichen. Benchmarks sind somit Maßstäbe oder Normen, die als „Best Practices“ die Grundlage für einen Vergleich bilden. Dieser Vergleich ist Ausgangspunkt für einen Prozess, in dem den Ursachen unterschiedlicher Bewertungen nachgegangen und nach Ansatz- 6 Hochschulen sammeln, analysieren und nutzen Informationssysteme für die Durchführung ihrer Leistungen. QS-Maßnahmen, die zu Empfehlungen führen oder Maßnahmen festlegen, beinhalten auch ein Verfahren zur Umsetzung von Folgemaßnahmen (Follow-up). QS-Agenturen sind unabhängig in ihrer Ausübung, ihren Entscheidungen und Empfehlungen. 7 Hochschulen veröffentlichen regelmäßig aktuelle und objektive Informationen zu ihren Studien und Abschlüssen. Externe QS-Maßnahmen werden regelmäßig durchgeführt. QS-Agenturen unterliegen selbst einer externen Qualitätssicherung. 8 QS-Agenturen veröffentlichen von Zeit zu Zeit einen Überblick über die Ergebnisse ihrer Evaluierungen. QS-Agenturen legen Rechenschaft über ihre Funktionsweise ab. Tab. 4.10: Standards und Richtlinien der ENQA (ESG), Quelle: Eigene Darstellung in Anlehnung an: Standards and Guidelines for Quality Assurance in the European Higher Education Area. S. 6–8, http://www.enqa.net/files/ENQA%20Bergen%20report.pdf. (Download: 8.3. 2007) Standards für interne Qualitätssicherungsmaßnahmen der Hochschulen Standards für externe Qualitätssicherungsmaßnahmen der Hochschulen Standards für Qualitätssicherungsagenturen

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References

Zusammenfassung

Den Wandel begleiten

Neu im Bildungsmanagement

Die Beschäftigten in Bildungs- und Wissenschaftseinrichtungen sind gegenwärtig mit erheblichen Veränderungen konfrontiert. Der Wandel von bürokratischen Strukturen hin zu modernen unternehmerisch handelnden Bildungseinrichtungen vollzieht sich in einem Umfeld, das durch einen sich verschärfenden Wettbewerb gekennzeichnet ist. Dabei nimmt der Einfluss externer Interessengruppen zu und die öffentliche Aufmerksamkeit, was das Leistungsvermögen und den Umgang mit der neu gewonnenen Autonomie anbelangt, wächst. Von den Beschäftigten wird in Zukunft verlangt, erfolgreiche Bildungsangebote zu entwickeln mit dem Ziel, dass sich die Einrichtungen langfristig am Markt positionieren können. Dieses Buch soll einen Beitrag dazu leisten, die Arbeit in Bildungsorganisationen professionalisieren zu helfen. Studierenden und Praktiker auf dem tertiären und quartären Bildungsbereich werden Managementansätze und -konzepte vorgestellt, die ihnen bei der Entwicklung und Vermarktung von Angeboten Unterstützung leisten.

- Rahmenbedingungen des Bildungs- und Wissenschaftsmanagements

- Steuerungs- und Managementsysteme

- Management organisatorischer Kernprozesse

- Qualitätsmanagement und Evaluation

- Management organisatorischer Veränderungen

- Personalmanagement

Die Autorin

Prof. Dr. Anke Hanft ist Leiterin des Arbeitsbereichs Weiterbildung und Bildungsmanagement an der Fakultät Bildungs- und Sozialwissenschaften der Universität Oldenburg. Sie ist Herausgeberin der Zeitschrift "Hochschulmanagement" und Vorsitzende der internationalen Steuerungsgruppe der Österreichischen Qualitätssicherungsagentur (AQA).