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5.2 Ausblick auf zukünftige Forschungsprogramme in:

Peter Kajüter

Risikomanagement im Konzern, page 417 - 419

Eine empirische Analyse börsennotierter Aktienkonzerne

1. Edition 2011, ISBN print: 978-3-8006-3440-8, ISBN online: 978-3-8006-4868-9, https://doi.org/10.15358/9783800648689_417

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5.2  Ausblick auf zukünftige Forschungsprogramme 393 werden. Hinzuweisen ist auch darauf, dass kleinere Konzerne unterdurchschnittlich häufig an der Studie mitgewirkt haben und daher trotz statistischer Repräsentativität in der Stichprobe weniger vertreten sind. Da Risikomanagementsysteme in kleinen Konzernen den Befunden dieser Studie zufolge i.d.R. einen geringeren Entwicklungsstand aufweisen, könnten die Untersuchungsergebnisse möglicherweise ein zu gutes Bild widerspiegeln. Restriktionen für die Aussagefähigkeit der Untersuchungsergebnisse sind bei der Teilstudie zur internen Prüfung des Risikomanagementsystems ferner auf die im Vergleich zur Hauptstudie kleine empirische Basis zurückzuführen. Diese liegt jedoch nicht in einer mangelnden Rücklaufquote begründet, sondern vielmehr in der ebenfalls kleinen Grundgesamtheit. Dennoch vermögen die Befunde dieser Teilstudie das deskriptive Wissen zu einem wichtigen Aufgabenfeld der internen Revision zu erweitern. Nicht berücksichtigt wurden bei der empirischen Analyse des Risikomanagements im Konzern beteiligungsspezifische Faktoren. So wurde beispielsweise nicht untersucht, wie groß die Tochtergesellschaften der Aktienkonzerne sind oder ob zwischen den Tochtergesellschaften Größenunterschiede bestehen. Diese könnten möglicherweise dazu führen, dass z.B. das Ausmaß der Entscheidungs- und Aufgabendezentralisation beim Risikomanagement innerhalb des Konzerns in Abhängigkeit von der Bedeutung der Tochtergesellschaft sehr unterschiedlich ausgeprägt ist. Einen Hinweis hierauf lieferte ein Respondent, der erwähnte, dass in dem betreffenden Konzern einer börsennotierten Tochtergesellschaft größere Freiräume bei der Ausgestaltung des Risikomanagementsystems gewährt werden als den übrigen Tochterunternehmen. Schließlich ist anzumerken, dass die Arbeit aufgrund der verfolgten Forschungsziele den Anspruch hatte, den Untersuchungsgegenstand sowohl in theoretischer als auch in empirischer Hinsicht in seiner Ganzheit zu erfassen. Deshalb war die Analyse nicht auf einzelne Gestaltungsparameter, wie z.B. bestimmte Risikomanagement-Instrumente, fokussiert, sondern war um eine umfassende Perspektive bemüht. Dies bedingt aber zwangsläufig, dass nicht alle Problemfelder im Detail diskutiert werden konnten. 5.2 Ausblick auf zukünftige Forschungsprogramme Vor dem Hintergrund der in den vorstehenden Ausführungen dargelegten Begrenzungen dieser Arbeit erscheinen weitere Forschungsbemühungen auf dem Gebiet des Risikomanagements im Allgemeinen sowie des Risikomanagements im Konzern im Besonderen erforderlich. Ansatzpunkte für künftige Forschungsarbeiten lassen sich zwei Problemkomplexen zuordnen: (1) Konzeptionelle Weiterentwicklung des Risikomanagements Bei der systematischen Bestandsaufnahme der zahlreichen Gestaltungsparameter des Risikomanagements im Konzern wurden methodisch-konzeptionelle Defizite z.B. bei der Aggregation von Risiken im Konzern offenbar. Aufgrund des Untersuchungsschwerpunkts dieser Arbeit konnten diese Probleme nur aufge- 394 5  Zusammenfassung und Ausblick zeigt, aber nicht einer Lösung zugeführt werden. Künftige Forschungsarbeiten könnten sich daher dieser zentralen Aufgabe des Risikomanagements widmen und Vorschläge für eine theoretisch fundierte und zugleich pragmatisch umsetzbare Methodik der Risikoaggregation entwickeln. Weiter manifestierten die Befunde dieser Untersuchung, dass nach Einschätzung der befragten Konzerne die Leistungsfähigkeit ihrer Risikomanagementsysteme u.a. durch das Fehlen geeigneter Frühwarnindikatoren beeinträchtigt wird.1 Diese Erkenntnis weist auf ein relevantes Problemfeld der Konzernpraxis hin, dem sich künftige Forschungsprojekte annehmen könnten. (2) Weitere empirische Fundierung des Risikomanagements Angesichts des erheblichen empirischen Defizits sollten künftige Forschungsarbeiten ferner darum bemüht sein, einen Beitrag zur weiteren empirischen Fundierung des Risikomanagements zu leisten. Hierbei sind verschiedene methodische Ansätze denkbar. Eine Möglichkeit besteht darin, im Rahmen von Intensivfallstudien die Beziehungen zwischen dem Mutterunternehmen und den Tochtergesellschaften in Bezug auf das Risikomanagement detailliert zu untersuchen. Solche Studien könnten Erkenntnisse darüber liefern, inwieweit sich diese Beziehungen in Abhängigkeit von bestimmten Merkmalen der Tochtergesellschaft unterscheiden und daher eine Differenzierung des Risikomanagementsystems im Konzern erfordern. Darüber hinaus würden auch empirische Forschungsarbeiten, die sich einer anderen Grundgesamtheit zuwenden, zur Weiterentwicklung des Erkenntnisstandes im Risikomanagement beitragen. Beispielsweise könnte durch Feldstudien die Ausgestaltung des Risikomanagements auch in nicht börsennotierten Aktiengesellschaften untersucht werden, um dadurch möglicherweise bestehende Unterschiede in Abhängigkeit von der Börsennotierung aufzudecken. Interessant erscheint weiterhin eine international vergleichende Studie zur Praxis des Risikomanagements in Konzernen. Auf diese Weise könnten für international agierende Konzerne wertvolle Einblicke in den Umgang mit Risiken in anderen Ländern gewonnen werden. Erkenntnissen hierüber kommt deshalb eine hohe Bedeutung zu, weil die Befunde dieser Arbeit signalisieren, dass kulturelle Unterschiede im Umgang mit Risiken die Leistungsfähigkeit von Risikomanagementsystemen nach Ansicht der befragten Konzerne am stärksten beeinträchtigen.2 Schließlich könnten sich Forschungsprojekte in Zukunft auch darum bemühen, die Evolution von Risikomanagementsystemen im Zeitablauf zu analysieren. Beispielsweise wäre zu prüfen, ob und inwieweit sich die entwickelte Realtypologie mit der Zeit verändert, also z.B. eine vermehrte Hinwendung zu den effizienten Realtypen erfolgt. Auf dem noch jungen, aber an Bedeutung gewinnenden Forschungsgebiet des Risikomanagements verbleiben folglich auch weiterhin reizvolle Fragestellungen. 1 Vgl. Abschnitt 3.3.5. 2 Vgl. Abschnitt 3.3.5. Anhang A Fragebogen A  (Risikomanagement‐Koordinatoren)

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References

Zusammenfassung

"Wer sich für Risikomanagement im Konzern interessiert, kommt an [diesem Buch] nicht vorbei. Kajüter hat eine Lücke besetzt in einem wichtigen und sehr praxisrelevanten Fragenbereich". Die Wirtschaftsprüfung 23/2012

Die empirische Studie zum Risikomanagement.

Dieses neue Werk stellt die Ergebnisse einer umfangreichen Studie zu Risikomanagementsystemen börsennotierter Aktienkonzerne vor und entwickelt anhand der empirischen Daten eine Typologie von Risikomanagementsystemen in Konzernen. Darauf aufbauend werden aus der Vielfalt an Gestaltungsmöglichkeiten fünf Typen konzernweiter Risikomanagementsysteme herausgearbeitet.

Der Nutzen

Die konkrete Analyse offenbart Unterschiede in der Wirksamkeit der Risikomanagementsystemtypen und zeigt dadurch differenzierte Gestaltungsempfehlungen für die Implementierung von Risikomanagementsystemen in Konzernen auf.

Pressestimmen

"Die vorliegende Ausarbeitung ist eine überaus empfehlenswerte, mitunter spannende Lektüre, die sich an ein breites Fachpublikum richtet. So hat es der Autor verstanden, Praktiker mit Entscheidungshilfen und unternehmensspezifischen Empfehlungen zu versorgen, ohne den wissenschaftlichen Tiefgang vermissen zu lassen. Eine herausragende Arbeit, der man möglichst viele Leser wünscht." Der Betriebswirt 1/2013