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Carlo Petri, Universum Science Center Bremen: Erkenntnis als Erlebnis in:

Oliver Nickel (Ed.)

Eventmarketing, page 280 - 290

Grundlagen und Erfolgsbeispiele

2. Edition 2007, ISBN print: 978-3-8006-3136-0, ISBN online: 978-3-8006-4372-1, https://doi.org/10.15358/9783800643721_280

Bibliographic information
Universum Science Center Bremen: Erkenntnis als Erlebnis Dr. Carlo Petri 1 Die Welt steckt voller Fragen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 279 2 Das Konzept: Erkenntnis als Erlebnis . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 280 3 Die Umsetzung: Einblicke in Inszenierung und Erlebnisdramaturgie . . . 281 4 Prinzipien des Lernens . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 285 5 Das Universum im Kontext von Marketingevents . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 287 5.1 Das Universum als MICE-Medium . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 287 5.2 Das Universum als Ideenmaschine . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 287 5.3 Danfoss Universe: Kernkompetenzen als Erlebnis . . . . . . . . . . . . . . . . . 288 6 Fazit . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 289 1 Die Welt steckt voller Fragen Warum fallen die Menschen in Australien nicht von der Erde? Wie entstehen Erdbeben? Warum haben wir keinen Vulkan im Garten? Denke ich im Schlaf? Können Tiere lachen? Was passierte beim Urknall? Woher komme ich? Die Welt steckt voller Fragen. Fragen, die Kinder stellen. Bei den Antworten kommen nicht nur Eltern ins Schwitzen. Aber: Wie gelangen wir zu den Antworten, was führt uns zur Erkenntnis, wodurch entstehen Aha-Effekte? Durch Lesen, beim Zuhören oder Beobachten? Sicher auch, aber nicht nur. Ohne aktive Beteiligung – im Kopf oder mit allen Sinnen – ist Erkenntnis nur schwer zu erlangen. Wer nicht neugierig gemacht wird, ist nicht gespannt auf Neues und Überraschendes, auf Verblüffendes und Unerwartetes. Wer keinen Antrieb hat zum Fragen-Stellen und Staunen-Wollen, und wer sich nicht einlässt auf Unbekanntes, der kann auch keine Aha-Effekte erleben. „Ich kann keinem Menschen das Schwimmen beibringen, wenn ich ihn nicht ans Wasser lasse“, wusste schon Frank O. Oppenheimer, Mitbegründer des weltweit ersten bedeutenden und immer wieder viel zitierten Science Centers, des Exploratorium in San Francisco. Das erinnert auch an den Vergleich, den Lao Tse schon vor langer Zeit zog: Sag es mir – und ich werde es vergessen. Zeige es mir – und ich werde mich dran erinnern. Beteilige mich – und ich werde es verstehen. Dieser Sinnspruch gehört zum Leitmotiv des Universum® Science Center in Bremen. Dabei hört sich „Science Center“ ungefähr wie „Zentrum der Wissenschaft“ an. Nicht gerade spektakulär, denn gilt nicht immer noch die Allgemeinvorstellung: Wissenschaft ist total abgehoben? Trocken? Unverständlich? Mitnichten. 2 Das Konzept: Erkenntnis als Erlebnis Unter dem Motto Hingehen – Staunen – Entdecken bietet das Universum®, ein ungewöhnlicher Erlebnisort, Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen einen faszinierenden Einstieg und gleichzeitig einen spielerischen Zugang zu den Fragen und Geheimnissen unseres Universums. Dabei ist der Gast nicht passiver Beobachter, sondern aktiv Beteiligter. Das macht den Besuch zu einem höchst persönlichen und intensiven Erlebnis – Spaß inbegriffen. Nicht die Antworten, nicht die Lösungen stehen im Mittelpunkt der Vermittlung, sondern das Aktivieren von Fragen, aber auch In-Frage-Stellen. Fragen sind Sonden, Ansatzpunkte für Entdeckungen. 280 Teil III: Erfolgsbeispiele aus der Praxis Abb.1: Universum Science Center: Positionierung im Marktumfeld (Quelle: Universum Science Center) Aktive Beteiligung / Interaktion entdecken / erleben / mitmachen Passive Unterhaltung betrachten / konsumieren / physisch erfahren Freizeit- und Vergnügungspark Museum Universum Science Center Bremen Deutsches Museum, München Klass. Kunstmuseum VW Autostadt, Wolfsburg Legoland Günzburg Danfoss Universe, Nordborg Ravensburger Spieleland, Meckenbeuren Zeitspeicher Papenburg Deutsches Auswandererhaus Bremerhaven Kinder-Spielscheunen Sea Life Centre, Timmendorfer Strand Miniatur Wunderland Hamburg 3 Die Umsetzung: Einblicke in Inszenierung und Erlebnisdramaturgie Schon der futuristische Bau, glitzernd und glänzend unter einer Haut von 35000 Edelstahlschindeln, weckt von außen Neugierde. Universum Science Center Bremen: Erkenntnis als Erlebnis 281 Abb. 2: Das Universum Science Center in Bremen (Quelle: Universum Science Center) Und verführt zu allerlei Spitznamen und Wortschöpfungen: „Überraschungsei in Silberfolie“, „Riesenschildkröte“, „schwangere Auster“, „Silberwal“, „Miesmuschel“, „Astro-Porsche“, „verchromte Riesen-Pistazie“ oder „Walnuss„ sind nur einige der Assoziationen. Nach fünf Jahren Universum® gilt der Bau zusammen mit der Stadthalle als eines von zwei bedeutenden, zeitgenössischen, architektonischen Highlights in Bremen. Um im Bild zu bleiben: Der Besucher betritt den Bauch des „Wales“ über eine Brücke, denn der „Wal“ schwimmt in einem künstlich angelegten, etwa 6000 m2 großen See. Hier beginnt auch schon das Prinzip der Erlebnisdramaturgie, die Planer und Macher des Universum® bewusst in Szene gesetzt haben: Der Gast begibt sich auf eine Reise. Er verlässt am Parkplatz oder an der Haltestelle seine Alltagswelt und betritt eine neue, zunächst unbekannte Welt. Die Vorhänge des wissenschaftlichen Elfenbeinturms werden gelüftet: Schon der erste Blick zeigt kein museumsartiges Inneres mit Vitrinen, gedämpftem Flüstern und Hinweisen wie „Bitte nicht berühren!“, keine Halle mit langen Textschildern, sterilen Diavortragsräumen oder laborähnlichen Beobachtungsräumen. Vielmehr taucht dort ein lebendiges Erkundungszentrum auf, in dem es überall klickert, klackert und klötert. Scheinbar unübersichtlich auf den ersten Blick, aber dann auch wieder stimulierend für die Suche nach persönlichen Entdeckungen. Drei Treppen, die sich wie eine Doppelhelix kreuz und quer über vier Etagen schlängeln, führen zu einer 4000 m2 großen Aktionsfläche und den drei Themenbereichen „Mensch“, „Erde“ und „Kosmos“ – gedacht, genannt und gestaltet als so genannte „Expeditionen“. Im Universum® werden die Besucher zu Wissenschaftlern und Forscherinnen, die sich auf diese Expeditionen begeben. Die drei Expeditionen „Mensch“, „Erde“, „Kosmos“ erzählen dabei Geschichten. Sie bilden jeweils den dramaturgischen Rahmen für Exponate und Experimentierstationen, für die eigene, individuelle Reise durch das Science Center. • So führt die Expedition „Mensch“ vom Moment der Zeugung bis in die Welten des menschlichen Geistes. • Auf der Expedition „Erde“ gelangt man vom Mittelpunkt der Erde bis in die luftigen Höhen der Atmosphäre. • Die Expedition „Kosmos“ beginnt in den Weiten des Alls und bringt den Besucher bis in die kleinsten Strukturen der Materie. In der Realisierungsphase des Universum® wurde eine Vielzahl von Künstlern für Innenraumdesign und Exponatebau einbezogen. Sie ermöglichten ein Höchstmaß an Abwechslungsreichtum und Ästhetik der gestalteten Bereiche. Aktiv- und Passivstationen, Hell- und Dunkelräume, Spannungs- und Entspannungszonen wechseln sich ab. Der Besuch wird dadurch lang, aber nicht langwierig, eher kurzweilig. Im Schnitt bleibt jeder fast 4 Stunden. Nach kurzer Zeit im Universum® verliert man das Gefühl für Raum und Zeit, das man vor dem Besuch noch hatte. Beste Voraussetzung für das Einlassen auf die Wissens- und Wissenschaftsfragen, denn: Man verliert sich an den 250 Mitmachstationen und Exponaten zum Ausprobieren und Selbstexperimentieren, versinkt in den Rätseln der Phänomene. Eine begehbare Gebärmutter des englischen Künstlers Jan Niedojadlo versetzt einen zurück ins Vorgeburtliche: Eine gedämpfte, warme Atmosphäre. Blubbert es dort tatsächlich so? Auf einer Wiege wird der Gleichgewichtssinn aktiviert. Dem Spaß an der Bewegung mag die Frage nach der Funktionsweise unseres Gleichgewichtsorgans folgen. Ein riesiger Gong lässt den gesamten Körper die Schwingungen im Tieftonbereich spüren. Man benötigt etwas Zeit, um zu entscheiden, ob es ein wohliges Vibrieren oder einen unangenehmen Druck in der Magengegend darstellt. Vielleicht auch beides? Nirgendwo wird deutlicher, dass Schall Luftbewegung ist, und dass wir tiefe Töne eben nicht nur hören, sondern auch spüren können. Spürend und tastend muss man sich auch im, besonders bei Kindern äußerst beliebten, Taktildom fortbewegen, denn hier herrscht absolute Finsternis. Mit 282 Teil III: Erfolgsbeispiele aus der Praxis den Händen voraus suchen wir den Weg und erahnen den Stellenwert unseres Sehsinns. Im Erdzylinder kann an einer Messingkugel mit Hilfe von Eisensand das Magnetfeld der Erde sichtbar gemacht werden. Dem rein haptischen Erleben des Phänomens „Magnetismus“ können Fragen und Erkenntnisse über Stärke, Verteilung und Ausrichtung des Erdmagnetfeldes beim genauen Betrachten des Exponates folgen. Universum Science Center Bremen: Erkenntnis als Erlebnis 283 Abb. 3: Magnet Erde (Quelle: Universum Science Center) Später trifft man auf das aufsteigende Magma, ein Exponat, das durch seine Ästhetik auffällt. Langsam suchen sich Blasen von „Magma“ (Luft) den Weg durch das „Gestein“ (feiner Sand) nach oben zum Vulkanschlot. Hier verweilen viele Besucher und bekommen einen Eindruck des Prozesses, der geschmolzenes Gestein zu Tage fördert. Auf dem Erdbebensofa wählt der Besucher zwischen drei historischen Erdbeben und erlebt sie am eigenen Leib. Spaß am „Durchgerüttelt werden“ mischt sich mit Nachdenklichkeit über dieses zerstörerische Naturphänomen. Am Flusslauf kann man mit den Händen das Flussbett verändern, Dämme aufschütten und Schiffchen fahren lassen. Der Spieltrieb erfasst hier regelmäßig alle Generationen. 284 Teil III: Erfolgsbeispiele aus der Praxis Abb.4: Auf dem Erdbebensofa (Quelle: Universum Science Center) Abb.5: Flusslauf (Quelle: Universum Science Center) Auf der Expedition „Kosmos“ nimmt man zunächst an einer Zeitreise teil. Die fünfminütige Simulation bringt einen zurück zum Anfang von Raum und Zeit, zum Urknall. Der Raum der gefrorenen Schatten zieht viele Besucher an. Hier kann man seinen eigenen, von einem Blitzlicht an die Wand geworfenen Schatten auch nachträglich betrachten. Im Wettbewerb ist immer wieder der lustigste Schatten gefragt. Häufig ist die Frage zu hören: „Und wie funktioniert das? Warum kann die Farbe das Licht speichern?“ Eine Riesenkugelbahn lädt zum Experimentieren ein und ein Stückchen weiter kann man einen Ball im Luftstrom tanzen lassen. „Hands on – minds on“ lautet somit die Formel für den Zugewinn an Spaß und Erkenntnis. Interaktion wird zum didaktischen Prinzip und aufgrund seiner Wirklichkeitsnähe ist es gleichzeitig auch Gütezeichen für die Echtheit der Wahrnehmung (vgl. Besio, 1995). 4 Prinzipien des Lernens Science Center wie das Universum® unterscheiden sich grundlegend von anderen Institutionen des Freizeit- und Bildungsbereichs. Das Universum® ist Spiel- und Lernplatz in einem, Bühne der Wissenschaft und faszinierendes Laboratorium zugleich, Ort der Unterhaltung und der Kommunikation. Das Science Center macht aus Besuchern Akteure, animiert zum Staunen, hilft, den Fragen unserer Welt in erster Linie spielerisch auf den Grund zu gehen. Und gerade weil es ein Spielplatz ist, ist es auch ein Lernort. Basierend auf den Ergebnissen der Hirn- und Lernforschung der letzten Jahre konnten im Universum® sechs Faktoren, die Lernen beeinflussen, herausgearbeitet werden (vgl. Haller, 2003). Dieses Modell unterstreicht den Stellenwert von Emotion, Handlungsorientierung und sozialem Erleben für erfolgreiches Lernen. „Die Hand ist das äußere Gehirn des Menschen“, bemerkte schon Hugo Kükelhaus, der Gründer der Erfahrungsfelder zur Entfaltung der Sinne: Aktives Handeln ist eine Grundvoraussetzung für nachhaltiges Lernen. Und auch die Bedeutung von Emotionen für das Lernen ist in letzter Zeit immer wieder betont worden. So lässt sich der bedeutende Hirnforscher Manfred Spitzer (2002) zitieren: „Menschen lernen besser, wenn sie mit Freude lernen.“ An vielen der Mitmachstationen, Exponate und Installationen kann eine typische Verhaltensabfolge beobachtet werden: • Zunächst werden alle Sinne der Besucher herausgefordert, wird Neugier geweckt. Das Erlebnis und der Spaß stehen im Vordergrund. • Ihnen folgen zumeist Fragen über das Beobachtete und Erlebte. Zum Teil können diese Fragen mit Hilfe der kurzen Exponattexte, den Mitarbeitern in der Ausstellung (Scouts) oder den ausführlicheren Computerprogrammen beant- Universum Science Center Bremen: Erkenntnis als Erlebnis 285 wortet werden. Andere Fragen bleiben jedoch offen und ermutigen zu eigenem Überlegen, zu eigenen „Forschungen“ an anderer Stelle und zu anderer Zeit. So kommt dem Universum® Science Center eine wichtige Rolle bei der Motivation zur Auseinandersetzung mit wissenschaftlichen Phänomenen zu. Die Sinne berauschen und gleichzeitig den Verstand bemühen, dazu animiert die Bremer Ausstellung, über das Glück des Aha-Erlebnisses zu neuen Erkenntnissen gelangen. Dabei zeigt sich, dass – unabhängig vom Alter, von der Vorbildung oder von persönlichen Interessen – drei Merkmale den Besuch zu einer Besonderheit und damit auch zu einem individuellen Erlebnis machen: 1. Spaß haben: am Spiel, am Probieren, am „Be-Greifen“, auch viel lachen, sich amüsieren – allein, zu zweit, in der Gruppe, 2. Sinnstiftung: man nimmt Erkenntnisse und neue Sichtweisen mit nach Hause, sieht die Welt hinterher vielleicht mit anderen Augen, 3. Soziales Erleben: man tauscht sich aus über das gerade Erlebte, die Wirkung am eigenen Leib, über das Prinzip des Phänomens. 286 Teil III: Erfolgsbeispiele aus der Praxis Abb.6: Grundlagen des Lernens im Universum (Quelle: Haller, 2003) 5 Das Universum im Kontext von Marketingevents 5.1 Das Universum® als MICE-Medium Wenn am Abend die Tore des Science Center schließen, öffnet es sich zudem immer öfter einer weiteren attraktiven Nutzungsmöglichkeit: Meetings, Incentives, Events privater Firmen oder Institutionen ermöglichen eine einzigartige Kombination von privater Veranstaltung, dem Erlebnis der wissenschaftlichen Mitmach-Ausstellung und einer unverwechselbaren und spannungsreichen Location. Hinzu kommen öffentliche Veranstaltungen mit Bezug zur Wissenschaft: Vorträge der „Science Time“, Workshops zu den Sonderausstellungen und nicht zuletzt das äußerst erfolgreiche „Dinner im Dunkeln“, das Einzelpersonen und Gruppen das unvergessliche Erlebnis eines zweistündigen Aufenthalts mit Dreigängemenü in absoluter Dunkelheit ermöglicht. Wissenschaft als Ereignis und als Erkenntnisgewinn. In der heutigen Zeit der Informationsflut und Nachrichtenschwemme ein wichtiger Schritt. Wie sagte der amerikanische Evolutionsforscher Edward Wilson: „Wir ertrinken in Wissen und dürsten nach Einsicht“. Das Universum® also nicht als neues Wahrzeichen, sondern eher als „Denk-Mal“? 5.2 Das Universum® als Ideenmaschine Die Motivationen, die Unternehmen mit der Realisierung von Live-Communication oder Besucherattraktionen wie „Brand Lands“ („Markenwelten“) verfolgen, sind zum Teil vergleichbar mit denen, die hinter dem Universum® Science Center stehen. Ebenso wie hier darum geht, die Kernkompetenz Wissens- und Wissenschaftsvermittlung zu transportieren, überlegen sich dort Markenartikler und Industrieunternehmen, wie sie ihre besonderen Unternehmens-, Marken- oder Produktqualitäten möglichst erlebnisreich in einer zwanglosen, entspannten Atmosphäre ohne Wettbewerbsumfeld vermitteln können. Es gilt, den besonderen Nutzwert eines Produktes, einer Marke in den Vordergrund zu stellen, um gleichzeitig das Vertrauen in und die Sympathie zu einem Unternehmen, zu dem Produkt, zu einer Marke aufzubauen und zu stärken. Das, was eine Marke von einer anderen unterscheidet, also ihr distinktiver Wert, soll in einem außergewöhnlich inszenierten Rahmen, der die Aufnahmebereitschaft und Aufgeschlossenheit des Besuchers gegenüber den zu vermittelnden Inhalten steigert, hervorgehoben werden. Ziel ist, dass Kunden, Besucher oder auch die eigenen Mitarbeiter die Alleinstellungsmerkmale einer Marke im wahrsten Sinne des Wortes erkennen, erfahren, begreifen können. Doch wie kann es Unternehmen gelingen, die ureigenen Kompetenzen ihrer Zielgruppe gegenüber eingängig zu kommunizieren und deren Vertrauen in den Mehrwert einer Marke zu gewinnen oder zu festigen? Universum Science Center Bremen: Erkenntnis als Erlebnis 287 Wie der Erfolg des Universum® nahe legt, sind drei Grundprinzipien – und gleichzeitig Merkmale des Science Centers – bei der Realisierung drei-dimensionaler Erlebnisorte zu beachten: • Erstens soll dem Besucher der Spaß am aktiven Teilnehmen ermöglicht werden. • Zweitens gilt es, dem gesellschaftlichen Hunger nach Sinnstiftung und neuen Erkenntnissen zu begegnen. • Drittens sollen Rahmenbedingungen für Kommunikation und damit soziales Erleben geschaffen werden. Um den Mehrwert einer Marke erkennen, verstehen und diesen nachhaltig verinnerlichen zu können, ist eine interaktive Beteiligung an der Ausstellung sehr hilfreich. Die Aufnahme von Informationen erhält damit einen emotionalen Zusatznutzen und der Besucher gerät unwillkürlich ins Staunen darüber, „was die alles wissen und können“. Damit ist das Interesse an den Machern geweckt und der Gast verinnerlicht deren Kompetenz. Indem dem Kunden neue Erkenntnisse, neues Wissen – z.B. bezüglich der Besonderheiten eines Produktes – mit auf den Weg gegeben werden, wird ihm das Gefühl vermittelt, etwas Sinnstiftendes, Wertvolles in seiner Freizeit getan zu haben. Themen-, Marken-, Produkt- oder Unternehmensbezogene Besucherattraktionen übernehmen zudem die Funktion von Orten der Kommunikation. Durch den Austausch mit anderen Besuchern über das gerade Erfahrene wird der Sinn einer Marke eher erkannt. Durch das direkte Gespräch mit anderen am Ort des Erlebten wird das neu erworbene Vertrauen in die Marke und deren Produkte beim Kunden nachhaltig gefestigt. 5.3 Danfoss Universe: Kernkompetenzen als Erlebnis Am Beispiel der im Mai 2005 eröffneten Besucherattraktion Danfoss Universe kann verdeutlicht werden, wie mit Hilfe der drei Qualitäten Spaß, Sinnstiftung und Soziales Erleben ein edutainment-orientierter Ort zur Unternehmenskommunikation – quasi eine stationäre Eventplattform – entstehen kann, welcher die Kernkompetenzen eines Unternehmens vermittelt, ohne deren eigene Produkte in den Vordergrund zu stellen. Das für seine Kälte- und Wärmetechnik international bekannte dänische Unternehmen Danfoss schuf an seinem Unternehmenssitz in Nordborg einen Erfinder- und Themenpark rund um die Themen „Wärme“, „Kälte“ und „Bewegung“, der die Besucher mit allen Sinnen anspricht. Der Gast wird auf diese drei Leitthemen mit inszenierten Naturphänomenen eingestimmt. Es kann z.B. ein kalbender Gletscher beobachtet, gefühlt und gehört werden und in der Vulkankammer wird der Ausbruch eines Vulkans mit Hilfe von Schwefelgeruch und beweglichem Untergrund simuliert. Ergänzt wird die Attraktion durch Ausstellungsbereiche zu den gleichen Schwerpunktthemen, in welchen 288 Teil III: Erfolgsbeispiele aus der Praxis der Besucher mit Hilfe von interaktiven Exponaten selbst dazu angeregt wird, komplexe naturwissenschaftliche Zusammenhänge zu erforschen und begreifen. In keinem der Ausstellungsbereiche trifft der Besucher auf ein Produkt aus dem Hause Danfoss. Indirekt und unaufdringlich wird er unmittelbar an die Kernkompetenz des Unternehmens herangeführt: Ebenso sensibel wie glaubwürdig macht Danfoss deutlich, dass es Produkte auf hohem technologischen Niveau produziert, mit deren Hilfe der Kunde einen Beitrag zu einem bewussten Umgang mit den so eben erlebten natürlichen Ressourcen leisten kann. 6 Fazit „Kernkompetenzen erlebbar machen!“ muss die Maxime heißen, wenn es darum gehen soll, Menschen zu erreichen, neugierig zu machen und letztendlich von der Fähigkeit eines Unternehmens und der Qualität seiner Marken zu überzeugen. Durch das persönliche, intensive und mit anderen geteilte Erleben von Kompetenzen, die indirekt auf spielerische Art und Weise erfahren werden, wird die Bindung des Kunden an das Unternehmen emotionalisiert, gestärkt und – im besten Falle – ein Leben lang bestehen. Das Konzept des Universum® in Bremen mit seinem speziellen Konzept von „Erkenntnis als Erlebnis“ scheint jedenfalls aufzugehen. Die Neuartigkeit der Ausstellung und die Alleinstellung des Angebotes machten das Science Center in kürzester Zeit zu einem Publikumsmagneten und zu einem der erfolgreichsten und beliebtesten Wissenschaftscenter in Europa. Gerechnet hatte man mit 300 000 Besuchern pro Jahr, über 2,4 Millionen wissens- und erlebnishungrige Besucher kamen in den ersten 5 Jahren tatsächlich. In den nächsten Jahren wird auf einem 9000 Quadratmeter großen Außengelände zusätzlich ein Entdeckerpark angelegt. Dort können die Besucher zahlreiche Experimentierstationen ausprobieren und verschiedenartigste Landschafts- und Naturerlebnisse, Ausblicke, Angebote und Perspektivänderungen erfahren. Universum Science Center Bremen: Erkenntnis als Erlebnis 289

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Zusammenfassung

Die Brücke zwischen Theorie und Praxis

Eventmarketing ist der systematische Prozess der Inszenierung dreidimensionaler, live-erlebbarer Themen zu Marketingzwecken. Events sind heute fester Bestandteil im Kommunikations-Mix marketingtreibender Unternehmen. Die Grenzen zwischen »Above-the-Line« und »Below-the-Line« sind in vielen Branchen deutlich verblasst.

Die Herausforderung für die Eventpraxis liegt in der Steigerung der Professionalität in dieser Marketingteildisziplin: Marketingevents markentechnisch und dramaturgisch noch systematischer gestalten: »Erkenntnis als Erlebnis« beschreibt dabei ein wichtiges Zukunftsfeld. Eine dem Mitteleinsatz entsprechende Überprüfung der Maßnahmen im Hinblick auf Effektivität und Effizienz zur Regel machen.

Als ein theoretisch fundiertes, aber deutlich praxisorientiertes Werk schlägt das Buch gezielt die Brücke zwischen Theorie und Praxis. Namhafte Marketingwissenschaftler und Marketingverantwortliche renommierter Markenartikler, Geschäftsführer oder Experten aus Eventagenturen und Markenberatungen behandeln in diesem Buch Grundlagen für den Erfolg von Eventmarketing sowie konzeptionelle und operative Aspekte und schildern Beispiele für erfolgreiches Eventmarketing in der Praxis. Für Führungskräfte in allen Industriebereichen, Unternehmensberater, Marketingfachleute, Werbe- und Eventagenturen.

Der Autor

Dr. Oliver Nickel beschäftigt sich seit mehr als 15 Jahren mit forschungsgestützter Marken- und Kommunikationsberatung. Er ist Mitglied der Geschäftsleitung bei Icon Added Value.