Mark Schiffhauer, Müssen Medien Haltung zeigen? in:

MedienWirtschaft, page 14 - 17

MW, Volume 17 (2020), Issue 1, ISSN: 1613-0669, ISSN online: 1613-0669, https://doi.org/10.15358/1613-0669-2020-1-14

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14 MedienWirtschaft 1/2020 Aktuelle Themen Nun: Definiere Medien, definiere Haltung. Wenn mit „Medien“ die klassischen „Leitmedien“ oder „Qualitätsmedien“ gemeint sind und mit „Haltung“ eine – auch aus aktuellem Anlass – gesteigerte Wachsamkeit, ein gesteigertes kritisch-distanziertes Verhältnis zur Macht und zu den Mächtigen, die ja tatsächlich allerorten an den Grundpfeilern der demokratischen Ordnung rütteln, den Klimawandel – oder gar den Holocaust – leugnen und generell Populismus wie Nationalismus wieder salonfähig machen; ja wenn gar die Pressefreiheit selbst zunehmend unter Beschuss gerät und sogar die Werbung vermehrt „auf Haltung macht“, dann ist man versucht, die Frage im Sinne des Zeitgeistes reflexartig mit „ja, natürlich“ zu beantworten. Selbstverständlich sollen Qualitätsmedien ihrer in der Verfassung verankerten Funktion im demokratischen Gemeinwesen gerecht werden und die Bürger informieren, das Zeitgeschehen einordnen und „sagen, was ist“ – immer im Sinne der Demokratie und einer freiheitlichen Gesellschaft. Wenn mit „Medien“ die neuen Spieler, die großen sozialen Plattformen und News-Aggregatoren gemeint sind und mit dem Ruf nach „Haltung“ die Forderung, soziale Plattformen mögen – ihrer Marktkapitalisierung und Meinungsmacht entsprechend – alles in ihrer Macht stehende tun, um Hasskommentare zu bekämpfen (und außerdem auch in den Ländern Steuern zahlen, wo sie ihre Gewinne erwirtschaften), dann ist man auch in diesem Fall schnell bei einem offensichtlichen „ja, natürlich“. Natürlich sollen die sogenannten sozialen Medien dem eigenen Anspruch, die Welt ein bisschen besser – sprich sozialer – zu machen, auch dadurch entsprechen, dass sie die Welt nicht schlechter – sprich asozialer – machen, indem sie unter anderem der Verbreitung von gezielter Desinformation, von Hetze und Diffamierung entschlossen entgegentreten. Was kann also falsch sein an der Forderung, dass Medien unter digitalen Vorzeichen mehr Haltung zeigen mögen? Lassen wir die sozialen Netzwerke und News-Aggregatoren, die Nachrichten zwar verbreiten, aber nicht selbst für deren Produktion stehen, einmal außen vor und konzentrieren uns auf die traditionellen „Leitmedien“. Abgesehen von der Tatsache, dass Medien wie DIE ZEIT, die erstmals 1946 erschien und somit gewissermaßen zum Gründungsinventar der Bundesrepublik Deutschland gehört, die oben dargestellte Form von machtskeptischer, der Demokratie verpflichteter Gesinnung, die der zeitgenössische Ruf nach mehr Haltung in Medien heute mit Nachdruck einfordert, schon immer per Gründungsgeschichte verinnerlicht haben, glaube ich, dass der Ruf nach mehr Haltung Gefahren © Z EI T ON LI NE ZEIT ONLINE rief Menschen in ganz Deutschland dazu auf, sich mit einem Andersdenkenden aus ihrer Nachbarschaft zu einem politischen Vier-Augen-Gespräche zu treffen. Mithilfe eines Algorithmus – sozusagen einem Tinder für Politik – kamen Paarungen mit konträren Ansichten zustande. Dr. Mark Schiffhauer Chief Creative Officer ZEIT Verlagsgruppe mark.schiffhauer@zeit.de Müssen Medien Haltung zeigen? © F ar id eh D ie hl /Z EI T Ve rla g 1/2020 MedienWirtschaft 15 Aktuelle Themen in sich birgt. So unter anderem die Gefahr, dass JournalistInnen mit dem gutgemeinten Vorsatz, sich für die „gute Sache“ (Demokratie, Europa, Multilateralismus, Klimaschutz) einzusetzen, es mit der gebotenen Trennung von Fakt, Meinung und Kommentar nicht mehr so genau nehmen bzw. sich im Kampf gegen „das Böse“ (Nationalismus, Populismus, Brexit, Unilateralismus, Umweltverschmutzung) dem Vorwurf der mangelnden Distanz der zu beschreibenden Sache aussetzen. Im Ruf nach „mehr Haltung“ steckt immer auch die Gefahr, sich zu sehr mit der „guten Sache“ gemein zu machen, also einer Form von „framing“ der Fakten anheimzufallen, die auf den ersten Blick als „Wahrheit“, bei strenger Betrachtung aber eben bestenfalls als Meinung, schlimmstenfalls sogar als tendenziöse, manipulierende Meinungsmache wahrgenommen werden kann. Oder, wie Stefan Raue, Intendant des Deutschlandradios, es im Herbst 2019 in einer Rede formulierte: „Die vorsätzliche oder fahrlässige Vermischung von Meinung und Tatsachenbehauptung gehört nicht in den Verfassungsauftrag [der Medien, Anm. des Autors]. Meinungen ja, aber nicht im Gewand von Tatsachenbehauptungen, ewigen Wahrheiten und apodiktischen Formulierungen. Und es wäre zu prüfen, ob die derzeitige Renaissance der ‚Haltung‘ als journalistischer Tugend nicht in eine derartige Irre führt.“ 1 Die Falle, in die wir mit dem Ruf nach mehr „Haltung“ im Journalismus zu tappen drohen, ist also im Grunde ideologischer Natur. Eine Gegenthese zur Aussage, dass wir in diesen turbulenten, ideologisch-populistisch aufgeladenen Zeiten mehr von dieser nebulösen „Haltung“ in den Medien bräuchten, ist, dass es im Gegenteil noch viel mehr kritische Distanz zum beschreibenden Subjekt oder Sachverhalt benötigt, JournalistInnen noch größere Sorgfalt bei der Recherche walten lassen sollten und wir Vertreter der Medien unseren Rezipienten durchaus mehr zutrauen dürfen und mehr Respekt zollen sollten. Wenn eines der Stellung von Medien in der Gesellschaft abträglich ist, dann sicherlich die Haltung von MedienvertreterInnen, den Menschen „da draußen“ in Wissen und Moral überlegen zu sein und die Welt erklären zu müssen. Wir sollten unseren LeserInnen, ZuhörerInnen oder ZuschauerInnen schon zutrauen, auch in komplizierten Zeiten, dass sie sich eine eigene Meinung bilden können. An dieser Stelle passt das folgende Zitat von Giovanni di Lorenzo, Chefredakteur der ZEIT, zur Frage der Haltung in Medien und zum Verhältnis von Journalistinnen und LeserInnen: „Ich glaube, dass unser Job nicht primär ist, Haltung zu zeigen und Meinung zu äußern und uns auf eine Seite zu schlagen, sondern erst einmal darstellen, was ist. Und wir glauben auch, dass die Leserinnen und Leser mündig genug sind, dass sie sich eine eigene Meinung bilden können. Das war eigentlich immer schon unser Ansatz, von der Gründung an: Der Leser ist mündig genug, in der Konfrontation mit unterschiedlichen Meinungen sich etwas Eigenes zurechtzuzimmern. Und er braucht nicht die ideologische Keule. Im Gegenteil. Ich glaube, je mehr Haltung wir zeigen, je einheitlicher wir das tun, desto mehr laufen wir Gefahr, an Glaubwürdigkeit zu verlieren, und in der Blase nur noch zu kommunizieren, die eh Bescheid weiß. Wichtiger aber ist, dass wir Menschen, die eigentlich für keine Argumente und für keine Fakten mehr zugänglich sind, jedenfalls den Kampf darum aufzunehmen, dass da wieder etwas durchdringt.“2 Ich halte diesen Hinweis für umso berechtigter, da jede als Meinung enttarnte Tatsachenbehauptung Wasser auf die Mühlen all jener ist, die die klassischen „Leitmedien“ als „Lügenpresse“ diffamieren wollen. Ein falsch interpretierter „Haltungs-Ethos“ im Journalismus kann sich so als Bärendienst an der Berufsgattung und schließlich an der Demokratie erweisen. Der „Fall Relotius“, in dem die Methode des „framing“, der suggestiven Einordnung von Fakten in ein dem Autor ideologisch günstig erscheinendes Narrativ, noch im negativen Sinne durch reine Fiktion übertroffen wurde, mahnt vor diesem Hintergrund zu noch größerer Sensibilisierung. Wem dies alles zu pauschal und zu sehr im Allgemeinen verhaftet erscheint, darf ich an dieser Stelle die Ausgabe „The Lessons from 2016“ des Podcasts „The Daily“ der New York Times nahelegen.3 Im Gespräch mit „Daily-Host“ Michael Barbaro erläutert Dean Baquet, Executive Editor der New York Times, welche Lehren die New York Times aus ihrer Berichterstattung um den US-Präsidentschaftswahlkampf 2016 gezogen hat, insbesondere mit Blick auf die kommende Berichterstattung im Zuge der Präsidentschaftswahlen 2020. Die beiden Journalisten arbeiten mittels Textanalyse in der New York Times erschienener Artikel auf, in welcher Form die Berichterstattung zur Präsidentschaftswahl 2016 voreingenommen war oder „framing“ betrieb und setzen sich mit dem Vorwurf auseinander, die New York Times habe auf der einen Seite Hillary Clinton als sichere Kandidatin der Demokraten dargestellt und gleichzeitig Donald Trump als „unlikely candidate“ der Republikaner porträtiert; weiterhin sei Hillary Clinton, als Donald Trump dann doch entgegen aller Erwartungen als Kandidat der Republikaner feststand, in der Tendenz als sichere Gewinnerin und Trump als quasi chancenlos dargestellt worden. Während des einstündigen Gesprächs diskutieren Baquet und Barbaro die Möglichkeit von „sophisticated, true objectivism“ im Journalismus und kommen mit Blick auf die Berichterstattung der New York Times zur Präsident- 1 https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/medien/dlr-intendant-stefan-rauezur-rolle-des-journalismus-16495341.html?GEPC=s3&premium=0x67da7 1494d93725e1538f3581a0c785d 2 https://www.deutschlandfunk.de/giovanni-di-lorenzo-der-leser-brauchtnicht-die.2907.de.html?dram:article_id=458065 3 https://www.nytimes.com/2020/01/31/podcasts/the-daily/2020-election. html 16 MedienWirtschaft 1/2020 Aktuelle Themen schaftswahl 2016 zu dem Schluss, dass dort in Teilen ein „Framing“ betrieben wurde, dass sich in Einordnung, Wortwahl und „Haltung“ eher an den Werten und Wünschen des New York Times-Newsrooms sowie der Einschätzung des politischen „Establishments“ orientierte und weniger die Stimmung im Land unter den Wählern und die tatsächlichen gesellschaftlichen Entwicklungen reflektierte. Womit wir beim Begriff der journalistischen „Blase“ wären bzw. dem Begriff der „sozialen Blase“ im Allgemeinen. Vielleicht ist die größte Herausforderung für den sogenannten „Qualitätsjournalismus“, sich nicht nur in seiner „Establishment“-Blase zu bewegen und für Rezipienten in eben dieser Blase zu schreiben oder zu senden, sondern offener gegenüber Perspektiven von den „Rändern“, aus anderen „Blasen“, „Schichten“ oder „Milieus“ zu sein, diese in die Betrachtung einzubeziehen bzw. zwischen diesen „Blasen“ zu vermitteln und diese im besten Fall platzen zu lassen und ins Gespräch zu bringen. Ein Problem unserer Gesellschaft scheint nämlich zunehmend darin zu bestehen, dass wir mehr übereinander als miteinander reden, dass wir gelernt haben, uns im digitalen Raum enthemmt zu verachten, aber im realen Leben verlernt haben, uns konstruktiv zu streiten. Immer wieder Gelegenheiten zu schaffen und Anreize zu setzen, die das Miteinander-Sprechen, den Austausch von Argumenten, ja das Streiten an sich fördern, ist essenziell für unsere Gesellschaft. „Eine Demokratie, in der nicht gestritten wird, ist keine“, hat der frühere Bundeskanzler und Herausgeber der ZEIT, Helmut Schmidt, einmal gesagt. Dieser Sentenz folgend hat die Redaktion der ZEIT im September 2019 ein neues Ressort „STREIT“ eingeführt und ich denke, dass eine Haltung immer nur so viel wert ist, wie sie sich in der argumentativen Auseinandersetzung mit Andersdenkenden bewähren kann. Um auch hier von der Theorie in die Praxis zu wechseln und zu illustrieren, wie man Medienmarken und ihre Kanäle einsetzen kann, um nicht nur die „Blasen“ zu durchbrechen, sondern auch das Digitale mit dem Analogen versöhnen kann, sei hier kurz das Projekt „Deutschland spricht“, das die Kollegen der ZEIT ONLINE-Redaktion im Kontext der Bundestagswahl 2017 initiiert haben und das ganz ohne „Haltung“ auskam, vorgestellt. Aus einer spontanen Idee im Newsroom von ZEIT ONLINE, eine Art „Tinder für die Politik“ zu bauen, um im Kontext der Berichterstattung zur Bundestagswahl 2017 Menschen mit konträren Ansichten ins Gespräch zu bringen, wurde ein digitaler Algorithmus entwickelt, mit dem in den kommenden Jahren tausende Menschen mit konträren Ansichten zu unterschiedlichen Themen über ZEIT ONLINE und die Plattformen weiterer Medienpartner ins Gespräch gebracht wurden. Bereits nach einem ersten Aufruf an die Leser auf der Startseite von ZEIT ONLINE im Mai 2017 meldeten sich 12.000 Leserinnen und Leser zu der Aktion an und beantworten auf ZEIT ONLINE einen einfachen Fragebogen zu brisanten Themen wie Migration, Donald Trump, Russlandpolitik oder der sogenannten „Homoehe“. Über einen digitalen Algorithmus wurden die Paarungen ermittelt, die möglichst konträrer Meinung zu den einzelnen Streitthe- © P er -J ac ob B lu t/Z EI T ON LI NE Mehr als 16.000 Menschen hatten sich europaweit für die Aktion „Europe Talks“ registriert, zu der ZEIT ONLINE und 15 Medienpartner aufgerufen hatten. 500 Teilnehmende trafen sich im Mai 2019 in Brüssel. 1/2020 MedienWirtschaft 17 Aktuelle Themen men waren und möglichst nah beieinander wohnten (Matching per Postleitzahl). Die jeweiligen Paarungen wurden einander vorgestellt, verbunden mit der Frage, ob sie sich an einem Sonntag im wirklichen Leben treffen und über ihre Standpunkte diskutieren wollen. Einen Monat später trafen sich 600 Paare mit jeweils sehr unterschiedlicher oder gegensätzlicher Weltsicht in ganz Deutschland, um miteinander zu sprechen. Die Aktion „Deutschland spricht“ war geboren. „Wir haben unser Bürgergefühl entdeckt“, kommentierte damals ein Leser. Ursprünglich als einmalige Aktion gedacht, entwickelte sich „Deutschland spricht“ auch dank des nationalen und internationalen Medienechos weiter. Ab Januar 2018 wurde die internationale Debatten-Plattform „My Country Talks“, finanziert von Google und programmiert von der Berliner Digitalagentur diesdas.digital, aufgebaut. Nachdem namhafte internationale Medien wie LaRepublica aus Italien und Morgenbladet aus Norwegen Mitglieder wurden und die Aktion auch in diesen Ländern durchgeführt und „Deutschland spricht“ den Grimme-Online-Award erhalten hatte, erfolgte 2018 ein neuer Aufruf in Deutschland. 11 Medienpartner beteiligten sich unter der Schirmherrschaft von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier an der zweiten Auflage der Aktion. 28.000 Menschen registrierten sich online und im September 2018 kamen 4.000 Paare zum politischen Zwiegespräch in ganz Deutschland zusammen. Parallel trafen sich bei einer zentralen Veranstaltung in Berlin 100 Teilnehmer und 600 geladene Gäste, darunter auch Bundespräsident Steinmeier. Weitere internationale Länderaktionen, besonders erfolgreich in Österreich und der Schweiz, folgten und im Mai 2019 führte ZEIT ONLINE anlässlich der Europawahl die Aktion „Europe Talks“ durch, mit über 16.000 Teilnehmern aus 33 Ländern und einer Live-Veranstaltung in Brüssel selbst. Im Oktober 2019 folgte eine weitere Ausgabe von „Deutschland spricht“, dieses Mal anlässlich des Jubiläums 30 Jahre Mauerfall, in Kooperation mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und der Sächsischen Zeitung, an der sich 18.000 Menschen beteiligten und die mit einer „ZEIT für Demokratie – Deutschland spricht“-Veranstaltung, die parallel in der Frankfurter Paulskirche und der Dresdner Frauenkirche am 30. Oktober mit SprecherInnen aus Wirtschaft, Politik und Gesellschaft stattfand, abgeschlossen wurde. Diese Form der Aktivierung, dem Andersdenkenden mit Argumenten zu begegnen und sich im Umkehrschluss mit den Argumenten des Gegenübers auseinanderzusetzen, kann, angesichts der tiefen ideologischen Gräben, die unsere Gesellschaft zunehmend zu bestimmen scheinen, als ein einfaches, aber effektives Mittel zur Wiederbelebung unserer Debattenkultur gesehen werden. Eine Alternative, die zwar digitale Mittel zur Hilfe nimmt, aber letztlich auf die analoge Begegnung von Menschen im realen Raum und den Austausch von Argumenten setzt und ohne jegliche „Haltung“, ohne erhobenen Zeigefinger, ohne pädagogisch-gutmenschlichen Impetus auskommt. Vielleicht sind es solche Begegnungen, die viel konkreter und nachhaltiger zu einer „Haltung“ im Sinne eines Bekenntnisses zu den Werten unserer Demokratie führen als jede abstrakte Forderung von „Haltung“ in „den Medien“. Jochen Wegner, Chefredakteur von ZEIT ONLINE, begrüßt Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, der 2018 die Auftaktveranstaltung zur Aktion „Deutschland spricht“ als Schirmherr eröffnete. © A le xa nd er P ro bs t/Z EI T ON LI NE

Zusammenfassung

Im Anschluss stellt Dr. Mark Schiffhauer in seinem Beitrag ein Projekt der Wochenzeitung Die Zeit vor, das zeigt, wie man als Medienmarke Menschen ins Gespräch bringen kann. Auf der Online-Plattform „Deutschland spricht“ stellte Die Zeit ihren Lesern Fragen wie „Hat Deutschland zu viele Flüchtlinge aufgenommen?“. Die Antworten der registrierten User wurden ausgewertet und Menschen mit besonders gegensätzlichen Standpunkten anschließend unter dem Motto „redet miteinander“ analog zusammengebracht. Inzwischen läuft das Projekt auch auf internationaler Ebene sehr erfolgreich. / Nun: Definiere Medien, definiere Haltung. Wenn mit „Medien“ die klassischen „Leitmedien“ oder „Qualitätsmedien“ gemeint sind und mit „Haltung“ eine – auch aus aktuellem Anlass – gesteigerte Wachsamkeit, ein gesteigertes kritisch-distanziertes Verhältnis zur Macht und zu den Mächtigen, die ja tatsächlich allerorten an den Grundpfeilern der demokratischen Ordnung rütteln, den Klimawandel – oder gar den Holocaust – leugnen und generell Populismus wie Nationalismus wieder salonfähig machen; ja wenn gar die Pressefreiheit selbst zunehmend unter Beschuss gerät und sogar die Werbung vermehrt „auf Haltung macht“, dann ist man versucht, die Frage im Sinne des Zeitgeistes reflexartig mit „ja, natürlich“ zu beantworten. Selbstverständlich sollen Qualitätsmedien ihrer in der Verfassung verankerten Funktion im demokratischen Gemeinwesen gerecht werden und die Bürger informieren, das Zeitgeschehen einordnen und „sagen, was ist“ – immer im Sinne der Demokratie und einer freiheitlichen Gesellschaft.

References

Zusammenfassung

MedienWirtschaft - Zeitschrift für Medienmanagement und Medienökonomie