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1.4 Herausforderungen im Einkauf in:

Peter Krampf

Beschaffungsmanagement, page 18 - 20

Eine praxisorientierte Einführung in Materialwirtschaft und Einkauf

2. Edition 2014, ISBN print: 978-3-8006-4848-1, ISBN online: 978-3-8006-4849-8, https://doi.org/10.15358/9783800648498_18

Series: Management Competence

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Vahlen Competence Krampf – Beschaffungsmanagement (2. Auflage) Herstellung: Frau Brun Änderungdatum: 04.06.2014 Ausgabedatum: 04.06.2014 Status: Druckdaten Seite 9 1.4 Herausforderungen im Einkauf 9 erfolgreiche Verhandlung darstellt. Am Ende muss die Verhandlungstaktik mit den involvierten Verhandlungspartnern des eigenen Unternehmens, so beispielsweise Technik, Logistik abgestimmt werden. Auf Basis der Vorbereitung findet anschließend die eigentliche Verhandlung statt. In der Praxis hat sich neben der persönlichen oder telefonischen inzwischen auch die elektronische Verhandlung etabliert. Dort finden sich verschiedene Vorgehensweisen, wie beispielsweise die holländische oder die Reverse Auction6, die teilweise auch im privaten Umfeld (z. B. Ebay) Einklang gefunden haben. Am Ende der Verhandlung stellt der Einkauf das Ergebnis zusammen und legt dies im Idealfall einem interdisziplinär besetzten Gremium als Vergabevorschlag dar. Zielsetzung ist es in der Regel, dem wirtschaftlich günstigsten Lieferanten den Auftrag für die Belieferung zu erteilen. Begann bis vor einigen Jahren erst mit der Bestellschreibung die Wertschöpfung des Einkaufs, so hat sich dies inzwischen weitestgehend verändert. Die Bestellschreibung stellt den Abschluss erfolgreicher Einkaufsaktivitäten dar. Nach der Vergabeentscheidung müssen die entsprechenden Daten in das IT-System eingepflegt und eine entsprechende Bestellung an den Lieferanten verschickt werden. Viele Firmen sind dazu übergegangen, dass nur mit der Angabe der Auftragsnummer, die mit der Bestellung automatisch vergeben wird, Rechnungen vergütet werden. Damit wird das Maverick Buying und die Vergabe „auf Zuruf“ im Unternehmen signifikant reduziert. Am Ende des Beschaffungsprozesses können bei Rahmenverträgen, die Aufträge über einen längeren Zeitraum beinhalten, auf Basis der eingegebenen Bestellung nun die anfallenden Mengenabrufe aus dem IT- System getätigt werden. Diese Aktivität entfällt in zahlreichen Unternehmen auch bereits auf den Bereich Disposition bzw. Logistik. 1.4 Herausforderungen im Einkauf „Die Beschaffung wurde … lange von vielen Firmen nur als notwendiges Übel und nicht als wertsteigernde Funktion angesehen.“ Hildebrandt, in: Fröhlich, Lingohr, 2010, S. 59 Zahlreiche Umwelt- und Umfeldveränderungen zwingen den Einkauf, seine Aktivitäten kontinuierlich zu überprüfen und anzupassen. So gewinnt bspw. die Internationalisierung immer mehr an Bedeutung und 6 Bei der holländischen Auktion nennt der Auktionator anfänglich einen niedrigen Preis, der sukzessive erhöht wird. Derjenige Lieferant, der als erstes das Gebot akzeptiert, erhält den Zuschlag. Bei der Reverse Auktion wird mit einem Maximalpreis (meist das günstigste Angebot der ersten Runde) gestartet und während eines fest definierten Zeitraums unterbieten sich die Zulieferer. Es erhält derjenige Lieferant den finalen Zuschlag, der am Ende das günstigste Angebot abgibt. 6. Vergabe verhandlung 7. Bestell schreibung 8. Bestellabruf 1.4 Herausforderungen im Einkauf Internationale Lieferantenbasis Vahlen Competence Krampf – Beschaffungsmanagement (2. Auflage) Herstellung: Frau Brun Änderungdatum: 04.06.2014 Ausgabedatum: 04.06.2014 Status: Druckdaten Seite 10 1 Grundlagen der Beschaffung10 erhöht die Anforderungskomplexität an die Beschaffung von Produkten. Auf der einen Seite werden die Absatzmärkte globaler erschlossen, auf der anderen Seite findet auch die Produktion zunehmend in unterschiedlichen Ländern statt. Daher muss der Einkauf seine Lieferantenbasis international ausrichten, um z. B. Local Content-Anforderungen gerecht zu werden, wenn Länder einen gewissen Bezug von nationalen Lieferanten fordern, um überhaupt erst Endprodukte in diesem Land vertreiben zu können, beispielsweise eine Fertigung zu unterhalten. Z. B. verbessert sich in der Türkei die Einspeisevergütung, wenn man beim Bau von Windkraftanlagen türkische Zulieferer bei Bauteilen berücksichtigt. Darüber hinaus hilft der Bezug von ausländischen Lieferanten, um Potenziale auf Basis unterschiedlicher Preisniveaus auszunutzen. In erster Linie geht es dabei um die Nutzung von Lohnkostenunterschieden. Daneben zeigen sich ebenso Differenzen in den Materialkosten und dem Einsatz von Kapital in unterschiedlichen Ländern. Auch die Kundenanforderungen zwingen die meisten Branchen zu immer höherer Variantenvielfalt ihrer Endprodukte. So erwarten die Kunden Auswahlmöglichkeiten beispielsweise zwischen Karosserievarianten, verschiedenen Motorstärken, Farb- und Stoffkombinationen sowie weiteren optionalen Ausstattungsmöglichkeiten. Das reduziert die eingekaufte Menge bei gleichzeitig höherer Varianz an unterschiedlichen Zukaufteilen. Parallel steigt jedoch auch die Komplexität und Vernetzung der einzelnen Produktkomponenten. Waren beispielsweise vor einigen Jahren noch viele mechanische Bauteile in einem Fahrzeug zu finden, so haben die neuen Modelle der Automobilindustrie kontinuierlich mehr elektronische Bauteile bekommen. Trotz einer höheren Variantenvielfalt und geringeren Mengen je Kaufteil wird von der Beschaffung erwartet, die Produkte zu gleichen bzw. günstigeren Konditionen zu beziehen. Der Einfluss von Anspruchsgruppen nimmt in der Entscheidung ebenfalls zu. Eine gesamthafte Betrachtung unter Total Cost Gesichtspunkten benötigt neben dem Einkaufsbereich z. B. auch die Involvierung des Technikbereichs, der Produktion, der Qualitätssicherung oder der Logistik. Eine Nichtberücksichtigung derartiger Unternehmensbereiche könnte im späteren Ablauf zu Mehraufwänden, wie z. B. in der Fertigung oder durch Nacharbeiten, führen. Eine wesentliche Herausforderung ist es auch, die immer weiter sinkenden Innovationszeiten von Produkten zu bewerkstelligen. Die Verkaufszeit der ersten Golfgeneration war beispielsweise noch neun Jahre (von 1974 bis 1983) gewesen. Die Entwicklungszeit des Nachfolgermodells war damit ebenfalls entsprechend lang. Inzwischen hat sich dies beim Modellwechsel von Golf V auf Golf VII auf vier Jahre (von 2008 bis 20012) verkürzt. Das bedeutet, dass sich die Entwicklung und Entscheidungsfindung für neue Kaufteile mehr als halbiert hat. Neben der schnelleren Reaktionszeit für Entwicklung, Einkauf, Produktion etc. ist ein Produkt damit auch eine deutlich geringere Zeit auf dem Markt und muss in Variantenvielfalt Interdisziplinäre Entscheidungen Kürzere Entwick lungszeiten Vahlen Competence Krampf – Beschaffungsmanagement (2. Auflage) Herstellung: Frau Brun Änderungdatum: 04.06.2014 Ausgabedatum: 04.06.2014 Status: Druckdaten Seite 11 1.5 Merkmalsausprägungen der Beschaffung 11 dieser Phase seine Entwicklungskosten amortisieren. Steigen die Verkaufszahlen pro Jahr nicht entsprechend an, so bedeutet dies, dass sich auch die Stückzahlen je verkauften Modells drastisch reduzieren. Während vom Modell Golf I 6,7 Millionen Stück verkauft werden konnten wurde das letzte Modell, der Golf VI, nur noch 2,8 Millionen Mal an Kunden ausgeliefert. Bei gleichbleibenden Entwicklungskosten hätte sich damit der Fixkostenbetrag für Entwicklungskosten je Fahrzeug mehr als verdoppelt. 1.5 Merkmalsausprägungen der Beschaffung – Abschied vom Bestellschreiber „Compared to other business functions, for quite some time purchasing has lacked adequate recognition as a major contributor to achieving sustainable competitive advantages.“ Kaufmann, in: Hahn, Kaufmann, 2002, S. 5 Das Berufsbild des Einkäufers hat sich in den Branchen und Unternehmen, die dem Einkauf eine höhere Bedeutung zugewiesen haben, in den letzten Jahren stark verändert. War früher der Fokus eher auf dem „Be- 1.5 Merkmalsausprägungen der Beschaffung Einkäufer als Inhouse Consultant Reduktion des Produktlebenszyklus bei VW-Golf-Modellen ? 5 66 8 9 4 200820031997199119831974 Golf I Golf II Golf III Golf IV Golf V Golf VI PLZ in Jahren 2012 Golf VII Quelle: FAZ, 2.9.2012, S. 36, Eigene Darstellung Abb. 4: Produktlebenszyklus bei Golf-Modellen

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Zusammenfassung

Beschaffungsmanagement: Den Einkauf erfolgreich managen.

Dieses Buch beschreibt die Herausforderungen der Einkaufsabteilungen in den Unternehmen. Sie betreffen insbesondere die zukünftige Ausrichtung und Aufstellung der Beschaffung sowie den konsequenten Einsatz von Werkzeugen, um den Unternehmenswert nachhaltig steigern zu können. Dabei geht der Autor unter anderem folgenden Fragen nach:

Wie weit sollen die Aufgaben des Einkaufs innerhalb der Wertschöpfungskette gehen?

In welchen Ländern soll zukünftig verstärkt eingekauft werden und wie findet man für welche Warengruppe dort geeignete Lieferanten?

Wie kann die Auswahl und die Zusammenarbeit mit den Lieferanten gestaltet werden?

Wie sollte sich der Einkauf zukünftig aufstellen? Ist eher eine zentrale oder dezentrale Einkaufsorganisation erfolgreich?

Für diese und zahlreiche andere Fragestellungen werden in diesem Buch Antworten gegeben, die theoretisch fundiert und mit Beispielen aus der Unternehmenspraxis untermauert sind.