6 Die doppelte Buchführung in:

Gerhard C. Girlich

Buchführung in der Praxis, page 76 - 98

Kontenrahmen, Umsatzsteuer, Anlagevermögen, Betriebsausgaben, Gewinnberechnung

1. Edition 2011, ISBN print: 978-3-8006-3926-7, ISBN online: 978-3-8006-3927-4, https://doi.org/10.15358/9783800639274_76

Series: Vahlen Praxis

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Verlag Franz Vahlen PRAXIS Girlich, Buchführung in der Praxis Hersteller: Frau Deuringer Stand: 02.12.2011 Status: Druckdaten Seite 79 6 Die doppelte Buchführung 6.1 Die Bilanz Im zweiten Kapitel haben wir gesehen, dass es einen Unterschied zwischen Inventar und Bilanz gibt: Abbildung 53: Bilanzgleichung Definition: Bilanz Eine Bilanz ist eine Vermögensaufstellung in horizontaler Form, in der die einzelnen Vermögensposten in Gruppen zusammengefasst werden, ohne dass sich aus der Bilanz die exakte Anzahl der Wirtschaftsgüter ergibt. Praxis-Beispiel: Bilanz Theo Tee betreibt in Trier einen Teeladen. Am 31.12.09 macht er eine Aufstellung über seinen Besitz und seine Schulden : • Kassenbestand: 1.120 Euro • Darlehen bei der Deutschen Bank: 9.800 Euro • Konto bei der Postbank: 1.080 Euro • Konto bei der Dresdner Bank: 1.310 Euro • Bestand an Brombeertee (lt. Inventur): 1.100 Euro • Bestand an Himbeertee (lt. Inventur): 1.280 Euro • Bestand an Pfirsichtee (lt. Inventur): 1.970 Euro • Forderung an Kunden Kaffee: 1.100 Euro • Forderung an Kunden Kakau: 1.040 Euro • Forderung an Kunden Milch: 1.210 Euro Achten Sie bei der Erstellung der Bilanz darauf, dass die einzelnen Wirtschaftsgüter zu Gruppen zusammengefasst werden: • Bilanzposten „Bank“: Konto Postbank, Konto Dresdner Bank • Bilanzposten „Waren“: Brombeertee, Himbeertee, Pfirsichtee • Bilanzposten „Forderungen“: Kunde Kaffee, Kunde Kakau, Kunde Milch Verlag Franz Vahlen PRAXIS Girlich, Buchführung in der Praxis Hersteller: Frau Deuringer Stand: 02.12.2011 Status: Druckdaten Seite 80 6 Die doppelte Buchführung80 Abbildung 54: Bilanz Teeladen Betrachten Sie die Bilanz etwas genauer, so stellen Sie fest, dass diese in zwei Spalten unterteilt ist: • Die linke Spalte wird als AKTIVA bezeichnet; in diese tragen Sie die Besitzgegenstände des Unternehmens ein. • Die rechte Spalte wird als PASSIVA bezeichnet; in diese tragen Sie die Schulden des Unternehmens ein. • Die Differenz zwischen Vermögen und Schulden wird als KAPITAL bzw. Eigenkapital (= Betriebsvermögen) bezeichnet; das Kapital steht in der kleineren Spalte, sodass die Bilanz im Gleichgewicht ist. Als Ergebnis halten Sie den elementaren Bilanzgrundsatz fest (siehe Abbildung 55): Die Bilanzgleichung: AKTIVA = PASSIVA Abbildung 55 : Ausgeglichenheit auf den Buchungsseiten Betrachten Sie die Aktivseite der Bilanz etwas genauer – sind alle Vermögensgüter gleich oder gibt es Unterschiede? Praxis-Beispiel: Aktivseite Abbildung 56: Die Aktivseite Verlag Franz Vahlen PRAXIS Girlich, Buchführung in der Praxis Hersteller: Frau Deuringer Stand: 02.12.2011 Status: Druckdaten Seite 81 6.1 Die Bilanz 81 Welche Gemeinsamkeiten haben Maschine und Pkw? Wieso könnten diese Wirtschaftsgüter in einer Kategorie zusammengefasst werden? Welche Gemeinsamkeiten haben Waren und Forderungen? Wieso könnten diese Wirtschaftsgüter in einer Kategorie zusammengefasst werden? Maschinen und Pkws sind Wirtschaftsgüter, die der Unternehmer anschafft, um diese längere Zeit (Nutzungsdauer größer als ein Jahr) zu nutzen. Somit haben beide Wirtschaftsgüter eine Gemeinsamkeit und können in einer Gruppe zusammengefasst werden. Die Gruppe wird Anlagevermögen genannt . Zu dieser Gruppe gehören alle Wirtschaftsgüter, die die Gruppeneigenschaft erfüllen (z. B. Grundstücke, Schreibtisch). Waren und Forderungen sind Wirtschaftsgüter, die der Unternehmer anschafft, um diese möglichst schnell umzusetzen. Jeder Unternehmer wird daran interessiert sein, möglichst schnell seine Waren zu verkaufen und seine Forderungen einzutreiben. Somit haben beide Wirtschaftsgüter eine Gemeinsamkeit und können in einer Gruppe zusammengefasst werden. Die Gruppe wird Umlaufvermögen genannt . Zu dieser Gruppe gehören alle Wirtschaftsgüter, die die Gruppeneigenschaft erfüllen (z. B. Kasse, Bank). Halten Sie als Erkenntnis aus diesem Beispiel fest: • Wirtschaftsgüter, die dem Betrieb für längere Zeit dienen sollen, werden als Anlagevermögen (AV) bezeichnet. Hierzu zählen zum Beispiel Grundstücke und Maschinen. • Wirtschaftsgüter (WG), die dem Betrieb nur vorübergehend dienen, werden als Umlaufvermögen (UV) bezeichnet. Diese WG sollen ver- äußert oder umgesetzt werden. Hierzu zählen zum Beispiel Waren, Forderungen. Auch die Passivseite kann unterteilt werden: Zum einen gibt es kurzfristige zum anderen langfristige Schulden. Als langfristige Schulden bezeichnen wir Schulden mit einer Laufzeit von mehr als einem Jahr. Daneben werden auch Rückstellungen auf der Passivseite ausgewiesen. Rückstellungen sind Passivposten in der Bilanz, die künftige Risiken abdecken sollen, die bereits jetzt entstanden sind, deren Eintritt/Fälligkeit und Höhe aber ungewiss ist. Praxis-Beispiel: Rückstellungen Zum 31.12.04 verfügt Holger Hobel über folgenden Besitz und Schulden : Maschine: 2.000 Euro Pkw: 4.000 Euro Waren: 3.000 Euro Verbindlichkeit gegenüber Finanzamt: 1.200 Euro Darlehen: 1.100 Euro Für das Jahr 05 rechnet Holger Hobel mit Gewährleistungsansprüchen von Kunden wegen fehlerhaften Schränken, die er in 04 verkauft hat, i. H. v. 900 Euro. Am 20.12.04 wird Holger Hobel verklagt. Sein Anwalt rechnet damit, dass er den Prozess verlieren und 800 Euro zahlen wird. Verlag Franz Vahlen PRAXIS Girlich, Buchführung in der Praxis Hersteller: Frau Deuringer Stand: 02.12.2011 Status: Druckdaten Seite 82 6 Die doppelte Buchführung82 Abbildung 57: Ausgabe der Rückstellungen auf der Passivseite der Bilanz Zu Rückstellungen: Wenn Sie eine Bilanz aufstellen, muss sich der Betrachter der Bilanz ein genaues Bild von Ihrem Unternehmen machen können. Dies geht aber nur dann, wenn er die tatsächlichen Schulden und die Risiken des Unternehmens kennt. Ein Risiko ist es z. B. einen Prozess zu verlieren und Schadenersatz zu zahlen oder von den Kunden für fehlerhafte Produkte in Gewährleistungshaftung genommen zu werden. Ein Bilanzposten ist bisher unbesprochen geblieben: Das Kapital – unser nächstes Thema. Praxis-Beispiel: Kapital Holger Hobel denkt darüber nach, für 15.000 Euro neue Maschinen anzuschaffen . Am 31.12.04 entspricht seine Schlussbilanz der Darstellung in Abbildung 58. Abbildung 58 : Schlussbilanz zum 31.12.2004 Kann er sich die Anschaffung leisten? An liquiden Mitteln stehen Holger Hobel 8.000 Euro zur Verfügung, das reicht nicht aus, um die neue Maschine zu erwerben. Welche Maßnahme ist zu ergreifen? Entweder er treibt ganz schnell seine Forderungen i. H. v. 7.000 Euro ein (dann hat er liquide Mittel i. H. v. 15.000 Euro) oder er nimmt ein Darlehen bei der Bank auf. Verlag Franz Vahlen PRAXIS Girlich, Buchführung in der Praxis Hersteller: Frau Deuringer Stand: 02.12.2011 Status: Druckdaten Seite 83 6.2 Weiterentwicklung der Bilanz 83 Was ist Kapital? Kapital ist der buchtechnische Wert des Unternehmens. Es ist keine Geldrücklage. Definition: Kapital Kapital ist die Differenz zwischen dem Besitz des Unternehmens und den Schulden des Unternehmens, d. h. es ist das Betriebsvermögen. Kapital ist definitiv keine Geldrücklage; vielmehr ist es ein buchtechnischer Wert. Das Kapital kann sowohl auf der Aktivseite als auch auf der Passivseite stehen. • Steht es auf der Aktivseite, hat das Unternehmen mehr Schulden, als es Vermögen hat. Es ist buchtechnisch gesehen überschuldet/insolvent. • Steht es auf der Passivseite, hat das Unternehmen mehr Vermögen, als es Schulden hat. Es ist buchtechnisch gesehen solvent. 6.2 Weiterentwicklung der Bilanz Sie sind jetzt in der Lage eine ordnungsgemäße Bilanz zu Beginn eines Wirtschaftsjahres (in der Regel: 01.01.) aufzustellen. Wie aber verändert sich das Aussehen der Bilanz, wenn es zu einem Geschäftsvorfall kommt? Um die Auswirkung eines Geschäftsvorfalles auf die Bilanz und den Gewinn zu bestimmen, schauen Sie sich folgendes Beispiel an: Praxis-Beispiel: Geschäftsvorfall und Bilanz Berta Brause betreibt in Bad Adelholzen einen Getränkemarkt in der Rechtsform eines Einzelunternehmens. Abbildung  59 gibt einen Überblick über die Eröffnungsbilanz zum 01.01.03 . Abbildung 59 : Beispielbilanz Am 02.01.03 ereignet sich folgender Geschäftsvorfall: Berta Brause erwirbt einen neuen Schreibtisch für 1.000 Euro, den sie am selben Tag bar bezahlt (Umsatzsteuer ist dabei unbeachtlich). Verlag Franz Vahlen PRAXIS Girlich, Buchführung in der Praxis Hersteller: Frau Deuringer Stand: 02.12.2011 Status: Druckdaten Seite 84 6 Die doppelte Buchführung84 Wie verändert sich das Aussehen der Bilanz durch diesen Geschäftsvorfall? Abbildung 60 : Veränderung der Bilanz nach einem Geschäftsvorfall Der Bilanzposten Betriebs- und Geschäftsausstattung (BGA) nimmt um 1.000 Euro zu. Der Bilanzposten Kasse nimmt um 1.000 Euro ab (siehe Abbildung 60). Das Betriebsvermögen ändert sich nicht, es kommt somit zu keiner Gewinnauswirkung. Wenn Sie am Anfang Ihrer Buchführungsbemühungen stehen, ist es erfahrungsgemäß das Schwierigste, den konkreten Vorfall in die abstrakte Welt der Buchführung zu transferieren. Nehmen Sie sich deshalb hierfür etwas Zeit! Alle Geschäftsvorfälle lassen sich in drei Gruppen einteilen : 1. Erfolgsneutrale Geschäftsvorfälle : Geschäftsvorfälle, die das Bild der Bilanz verändern, aber zu keiner Veränderung des Reinvermögens und somit zu keiner Gewinnauswirkung führen (siehe Abbildung 61). Abbildung 61 : Erfolgsneutrale Geschäftsvorfälle Verlag Franz Vahlen PRAXIS Girlich, Buchführung in der Praxis Hersteller: Frau Deuringer Stand: 02.12.2011 Status: Druckdaten Seite 85 6.2 Weiterentwicklung der Bilanz 85 Praxis-Beispiel: Erfolgsneutrale Geschäftsvorfälle Berta Brause betreibt in Bad Adelholzen einen Getränkemarkt in der Rechtsform eines Einzelunternehmens . Abbildung 62 gibt Ihnen einen Überblick über ihre Bilanz zum 02.01.03. Abbildung 62 : Bilanz zum 02.01.03 Es ereignen sich folgende Geschäftsvorfälle: 03.01.03: Kauf eines neuen Computers bei Media Markt für 2.000  Euro, der Kaufpreis wird vom betrieblichen Bankkonto überwiesen. 04.01.03: Per Banküberweisung wird eine sonstige Verbindlichkeit über 2.000 Euro bezahlt. 05.01.03: Berta Brause nimmt 2.000 Euro aus der Kasse und zahlt diese auf das betriebliche Bankkonto ein. 06.01.03: Berta Brause kauft einen Opel Corsa für 13.000 Euro. Vom Kaufpreis zahlt Brause 3.000 Euro bar, für den Restbetrag nimmt sie einen Ratenkredit auf (Rate pro Monat: 500 Euro). Welche Bilanzposten sind durch die Geschäftsvorfälle berührt? Abbildung 63: Erfolgsneutrale Geschäftsvorfälle 2. Erfolgswirksame Geschäftsvorfälle : Geschäftsvorfälle, die das Bild der Bilanz verändern, zu einer Veränderung des Reinvermögens und somit zu einer Gewinnauswirkung führen. Praxis-Beispiel: Erfolgswirksame Geschäftsvorfälle Berta Brause betreibt in Bad Adelholzen einen Getränkemarkt in der Rechtsform eines Einzelunternehmens . Die Bilanz zum 06.01.03 entspricht der Darstellung in Abbildung 64. Verlag Franz Vahlen PRAXIS Girlich, Buchführung in der Praxis Hersteller: Frau Deuringer Stand: 02.12.2011 Status: Druckdaten Seite 86 6 Die doppelte Buchführung86 Abbildung 64 : Bilanz zum 06.01.03 Es ereignen sich folgende Geschäftsvorfälle (siehe Abbildung 65): 07.01.03: Zinsgutschrift auf dem betrieblichen Bankkonto über 100 Euro. 08.01.03: Barzahlung eines Aushilfslohnes bei Fälligkeit i. H. v. 200 Euro. 09.01.03: Verkauf der gesamten Wertpapiere für 2.000 Euro. Der Veräußerungserlös wird dem betrieblichen Bankkonto gutgeschrieben. 10.01.03: Der Kunde Leicht, an den Brause eine Forderung i. H. v. 1.150 Euro hatte, verstirbt vermögenslos. Welche Bilanzposten sind durch die Geschäftsvorfälle berührt? Kommt es zu einer Gewinnauswirkung? Abbildung 65 : Erfolgswirksame Geschäftsvorfälle 3. Private Vorgänge : Geschäftsvorfälle, die das Bild der Bilanz verändern, zu einer Veränderung des Reinvermögens, aber zu keiner Gewinnauswirkung führen. Praxis-Beispiel: Private Vorgänge Berta Brause betreibt in Bad Adelholzen einen Getränkemarkt in der Rechtsform eines Einzelunternehmens – Abbildung 66 zeigt ihre Bilanz zum 10.01.03 . Abbildung 66 : Bilanz zum 10.01.03 Es ereignen sich folgende Geschäftsvorfälle: 11.01.03: Brause hebt für eine private Urlaubsreise 1.000 Euro vom betrieblichen Konto ab. Verlag Franz Vahlen PRAXIS Girlich, Buchführung in der Praxis Hersteller: Frau Deuringer Stand: 02.12.2011 Status: Druckdaten Seite 87 6.3 Zerlegen der Bilanz 87 12.01.03: Brause nimmt 200 Euro aus ihrem Geldbeutel und legt das Geld in die Kasse. 13.01.03: Brause nimmt 50 Euro aus ihrem Geldbeutel und kauft sich einen Pullover. Welche Bilanzposten sind durch die Geschäftsvorfälle berührt? Kommt es zu einer Gewinnauswirkung? Abbildung 67 zeigt die Lösung. Abbildung 67 : Private Geschäftsvorfälle Sie haben gesehen, dass jeder Geschäftsvorfall das Aussehen unserer Bilanz verändert, d. h. während des Wirtschaftsjahres verändert die Bilanz täglich ihr Aussehen; die Anfangsbilanz wird fortgeschrieben. Zum 31.12. erhalten Sie so die Schlussbilanz. 6.3 Zerlegen der Bilanz In vorigem Kapitel haben Sie gelernt, welche Auswirkungen ein Geschäftsvorfall auf die Bilanz hat. Ist es aber sinnvoll, nach jedem Geschäftsvorfall eine neue Bilanz zu erstellen? Sicher nicht! Wir müssen nach einer anderen Methode suchen, um die Anfangsbilanz (AB) fortzuschreiben: Zerlegen Sie die Anfangsbilanz (AB) in einzelne Konten. Auf diesen Konten werden alle Veränderungen dieses Bilanzposten festgehalten, die sich durch laufende Geschäftsvorfälle ergeben. Praxis-Beispiel: Zerlegung einer Bilanz Die Bilanz des Schreiners Max Strebsam hat zum 01.01.05 das Aussehen wie in Abbildung 68 dargestellt. Abbildung 68 : Anfangsbilanz Es folgen folgende Geschäftsvorfälle: • Am 01.04.05 kauft Strebsam einen gebrauchten Pkw für 2.000 Euro; er bezahlt bar. • Am 05.06.05 nimmt Strebsam 1.000 Euro aus der Kasse und zahlt das Geld auf das Bankkonto ein. Verlag Franz Vahlen PRAXIS Girlich, Buchführung in der Praxis Hersteller: Frau Deuringer Stand: 02.12.2011 Status: Druckdaten Seite 88 6 Die doppelte Buchführung88 • Am 07.09.05 erhält er für die Reparatur eines Schrankes 1.000 Euro in bar. Bei jeder Buchhaltung müssen Sie die in Abbildung  69 gelisteten 6 Schritte durchlaufen. Abbildung 69 : Die 6 Schritte einer Buchhaltung Was diese Schritte bezogen auf unseren Fall bedeuten, zeigen Abbildung 70 und Abbildung 71. Abbildung 70 : Die ersten drei Schritte Abbildung 71 : Die Schritte 4 und 5 Sind alle Geschäftsvorfälle auf den Buchungskonten erfasst, sind diese abzuschließen und aus den Schlussbeständen die Schlussbilanz zu erstellen (siehe Abbildung 72). Verlag Franz Vahlen PRAXIS Girlich, Buchführung in der Praxis Hersteller: Frau Deuringer Stand: 02.12.2011 Status: Druckdaten Seite 89 6.4 Buchungskonten 89 Abbildung 72 : Schritt 6 – Erstellen der Schlussbilanz Praxis-Hinweis Eine Zerlegung hilft Ihnen in der Praxis, die Anfangsbilanz während des Jahres fortzuschreiben, ohne nach jedem Geschäftsvorfall eine neue Bilanz aufzustellen. 6.4 Buchungskonten Wir müssen uns als nächstes überlegen, wie ein Buchungskonto am besten Aussehen soll; wie Abbildung 73 zeigt, gibt es hierzu zwei Möglichkeiten. Abbildung 73 : Vertikales Modell (links) und horizontales Modell (rechts) • Im vertikalen Modell werden Zu- und Abgänge chronologisch untereinander notiert, sodass ein Betrachter leicht den Überblick verlieren kann. • Beim horizontalen Modell werden die Zugänge auf die einen, die Abgänge auf die andere Seite notiert, sodass dieses Modell viel übersichtlicher ist und daher in der Praxis angewandt wird (siehe Abbildung 74). Verlag Franz Vahlen PRAXIS Girlich, Buchführung in der Praxis Hersteller: Frau Deuringer Stand: 02.12.2011 Status: Druckdaten Seite 90 6 Die doppelte Buchführung90 Abbildung 74 : Das horizontale Modell Die linke Seite des Buchungskonto wird Soll-Seite genannt, die rechte Seite Haben-Seite . Das Buchungskonto wird auch als T-Konto bezeichnet, da es die Form eines „T“ hat. Praxis-Hinweis Bitte machen Sie nicht den Fehler und setzen Sie „Soll“ mit etwas Negativen und „Haben“ mit etwas Positiven gleich. Von Ihren Kontoauszügen her mag Ihnen diese Überlegung nahe liegen, dennoch gilt: • Soll → linke Seite • Haben → rechte Seite Die Buchungskonten werden unterschieden in Aktivkonten, Passivkonten und Kapitalkonto. Auf den folgenden Seiten werden wir uns diese Untergliederung näher anschauen. 6.4.1 Buchungssatz Wenn Sie wollen, können Sie Ihre gesamte Buchhaltung mit Papier und Bleistift machen. Sie müssen sich hierzu lediglich die Anfangsbilanz, die T-Konten und die Schlussbilanz aufzeichnen. Einfacher geht es, wenn Sie die Buchhaltung mit Hilfe eines PC-Programms erstellen. Bei einem PC-Programm müssen Sie dem Computer erst einmal den Geschäftsvorfall „erzählen“. Hierzu müssen Sie sich der Sprache des Computers bedienen und der Computer versteht nur Buchungssätze ! Formulierung eines Geschäftsvorfalles in der Sprache der Buchführung: Zuerst werden die Soll-Buchungen, dann die Haben-Buchungen angegeben. Praxis-Beispiel: Geschäftsvorfall richtig buchen Machen wir uns die Materie an einem Beispiel klar : Max Strebsam kauft am 15.06.06 einen Schreibtisch für 1.000 Euro und bezahlt den Kaufpreis bar. • Welche Bilanzposten sind berührt und in welcher Höhe? BGA: + 1.000 Euro Kasse: – 1.000 Euro BGA = Betriebs- und Geschäftsausstattung (z. B. Schreibtisch, Schrank, Computer) • Wird das Kapital berührt? Nein! Verlag Franz Vahlen PRAXIS Girlich, Buchführung in der Praxis Hersteller: Frau Deuringer Stand: 02.12.2011 Status: Druckdaten Seite 91 6.4 Buchungskonten 91 • Formulierung eines Buchungssatzes Soll-Buchung Haben-Buchung BGA 1.000 an Kasse 1.000 In der Praxis müssen Sie lediglich den Buchungssatz aufstellen. Die Verbuchung auf den T-Konten wird der PC für Sie übernehmen. 6.4.2 Aktivkonten Definition: Aktivkonten sind die Buchungskonten von Bilanzposten, die auf der Aktivseite stehen, d. h. von Besitzposten. Bei einem Aktivkonto steht der Anfangsbestand auf der Soll-Seite, d. h. auf der linken Seite (ein Aktivposten steht auch in der Bilanz auf der linken Seite!). Ebenso werden die Zugänge auf der Soll-Seite gebucht (Zugänge immer auf dieselbe Seite wie der Anfangsbestand). Die Abgänge werden auf der Haben-Seite gebucht (Abgänge immer auf die andere Seite, denn die Haben-Seite ist bei einem Aktivkonto wie ein Minuszeichen). Der Schlussbestand kommt grundsätzlich auf die Haben-Seite, sodass das Buchungskonto im Gleichgewicht ist (siehe Abbildung 75). Abbildung 75 : Aktivkonto Das Aktivkonto ist aus folgender mathematischer Gleichung hervorgegangen: Saldo = Anfangsbestand + Zugänge – Abgänge Anfangsbestand + Zugänge = Abgänge + Saldo Praxis-Beispiel: Aktivkonto Fridolin Fisch betreibt in Flensburg einen Fischladen . Er ermittelt seinen Gewinn mit Hilfe des BVV. Umsatzsteuer fällt bei ihm nicht an; Vorsteuer kann er nicht in Abzug bringen (= Kleinunternehmer). Abbildung 76 zeigt seine Bilanz zum 01.01.05. Verlag Franz Vahlen PRAXIS Girlich, Buchführung in der Praxis Hersteller: Frau Deuringer Stand: 02.12.2011 Status: Druckdaten Seite 92 6 Die doppelte Buchführung92 Abbildung 76 : Beispielbilanz zum 01.01.05 Im Jahr 05 ereignen sich folgende Geschäftsvorfälle: • Am 10.07. erhält Fisch alle sonstigen Forderungen per Banküberweisung bezahlt. • Am 09.08. verkauft Fisch seine Maschinen für 10.000 Euro an Harry Hai; Hai bezahlt aber erst am 10.10. per Scheck, den Fisch am 15.12. einlöst. • Am 17.12. nimmt Fisch 1.000 Euro aus der Kasse und zahlt das Geld auf das betriebliche Bankkonto ein. • Am 20.12. kauft Fisch einen gebrauchten Pkw für 2.000 Euro; Fisch bezahlt sofort per Banküberweisung. • Am 31.12. führt Fisch eine Inventur durch und ermittelt einen Fischbestand i. H. v. 500 Euro. Verbuchen Sie die Geschäftsvorfälle auf den Buchungskonten und erstellen Sie die Schlussbilanz zum 31.12.05 (siehe Abbildung 77). Abbildung 77 : Übersicht der Geschäftsvorfälle Zu Forderungseingang: Der Eingang der Forderungen führt dazu, dass der Forderungsbestand weniger wird (= Minderung Aktivkonto und damit Haben-Buchung) und der Bankbestand sich erhöht (= Zugang Aktivkonto und damit Soll-Buchung). Zu Verkauf Maschine: Ab dem 09.08. hat Herr Fisch eine Forderung gegenüber Herrn Hai. Auch nach dem 10.10. hat Herr Fisch noch eine Forderung gegenüber Herrn Hai, nur ist diese Forderung jetzt abgesichert durch einen Scheck. Erst mit Geldeingang am 15.12. erlischt die Forderung von Herrn Fisch. Verlag Franz Vahlen PRAXIS Girlich, Buchführung in der Praxis Hersteller: Frau Deuringer Stand: 02.12.2011 Status: Druckdaten Seite 93 6.4 Buchungskonten 93 Zu Geldumschichtung: Dieser Vorgang führt lediglich dazu, dass der Kassenbestand weniger wird (= Haben) und der Bankbestand mehr wird (= Soll). Zu Kauf Pkw: Dieser Vorgang führt lediglich dazu, dass der Bankbestand weniger wird (= Haben) und der Bestand an Pkw mehr wird (= Soll). Zu Inventur: Da die Inventur exakt den Anfangsbestand ergibt, ist nichts veranlasst. Abbildung 78 zeigt die Schlussbilanz. Abbildung 78 : Schlussbilanz für das Beispiel 6.4.3 Passivkonten Definition: Passivkonten sind die Buchungskonten von Bilanzposten, die auf der Passivseite stehen, d. h. von Schuldposten. Bei einem Passivkonto steht der Anfangsbestand auf der Haben-Seite, d. h. auf der rechten Seite (ein Passivposten steht auch in der Bilanz auf der rechten Seite!). Ebenso werden die Zugänge auf der Haben-Seite gebucht (Zugänge immer auf dieselbe Seite wie der Anfangsbestand!). Die Abgänge werden auf der Soll-Seite gebucht (Abgänge immer auf die andere Seite, denn die Soll-Seite ist bei einem Passivkonto wie ein Minuszeichen). Der Schlussbestand kommt auf die Sollseite, sodass das Buchungskonto im Gleichgewicht ist (siehe Abbildung 79). Verlag Franz Vahlen PRAXIS Girlich, Buchführung in der Praxis Hersteller: Frau Deuringer Stand: 02.12.2011 Status: Druckdaten Seite 94 6 Die doppelte Buchführung94 Abbildung 79 : Passivkonto Das Passivkonto ist aus folgender mathematischer Gleichung hervorgegangen: Anfangsbestand + Zugänge – Abgänge = Saldo Abgänge + Saldo = Anfangsbestand + Zugänge Praxis-Beispiel: Passivkonto Fridolin Fisch betreibt in Flensburg einen Fischladen . Abbildung 80 zeigt seine Bilanz zum 01.01.06. Abbildung 80 : Beispielbilanz Im Jahr 06 ereignen sich folgende Geschäftsvorfälle: • Am 07.05. wandelt Herr Fisch die Darlehensschuld in eine kurzfristige Verbindlichkeit um (Laufzeit: 10 Monate). • Am 16.08. bezahlt Herr Fisch sonstige Verbindlichkeiten (sonst. Vbdl.) i. H. v. 2.000 Euro per Banküberweisung. • Am 30.09. nimmt Herr Fisch ein Hypothekendarlehen über 20.000 Euro auf, das er zur Expansion seines Fischladens verwenden will. Das Geld wird auf das betriebliche Bankkonto überwiesen. Das Darlehen ist abgesichert über eine Hypothek, die auf seine private Eigentumswohnung (ETW) eingetragen ist. Verbuchen Sie die Geschäftsvorfälle auf den Buchungskonten und erstellen Sie die Schlussbilanz zum 31.12.06 (siehe Abbildung 81 und Abbildung 82). Verlag Franz Vahlen PRAXIS Girlich, Buchführung in der Praxis Hersteller: Frau Deuringer Stand: 02.12.2011 Status: Druckdaten Seite 95 6.4 Buchungskonten 95 Abbildung 81 : So buchen Sie richtig Soll Darlehen Haben Soll so Vbdl. Haben AB 2.600 AB 2.000 07.05 2.600 16.08 2.000 07.05 2.600 SB 0 SB 2.600 Soll Bank Haben Soll HypoDarlehen Haben AB 6.700 AB 0 16.08 2.000 30.09 20.000 30.09 20.000 SB 24.700 SB 20.000 AKTIVA Bilanz zum 31.12.06 PASSIVA I. Anlagevermögen Kapital 5.000 € PKW 2.000 € II. Umlaufvermögen Hypothek 20.000 € Waren 500 € sonst. Vbdl. 2.600 € Kasse 400 € Bank 24.700 € 27.600 € 27.600 € Abbildung 82 : Schlussbilanz für das Beispiel 6.4.4 Kapitalkonten Definition: Das Kapitalkonto wird angesprochen, wenn sich das Betriebsvermögen des Unternehmens ändert. Eine Betriebsvermögensänderung kann entweder durch private Vorgänge (Entnahme, Einlagen) oder durch betriebliche Vorgänge (Gewinn, Verlust) stattfinden. Im Allgemeinen kann man das Kapitalkonto wie ein Passivkonto behandeln (siehe Abbildung 83). Verlag Franz Vahlen PRAXIS Girlich, Buchführung in der Praxis Hersteller: Frau Deuringer Stand: 02.12.2011 Status: Druckdaten Seite 96 6 Die doppelte Buchführung96 SOLL Soll GuV Haben Aufwand Ertrag Summe SOLL Summe HABEN Anfangsbestand Kapitalkonto HABEN betriebliche Änderungen private Änderungen Soll Privat Haben Entnahme Einlagen Abbildung 83 : Kapitalkonto In der Praxis wird das Kapitalkonto weiter unterteilt, und zwar in ein Privatkonto und ein Gewinn/Verlust-Konto: • Privatkonto: auf diesem Konto werden alle Entnahmen und Einlagen erfasst • Gewinn/Verlust-Konto: auf diesem Konto werden Erträge und Aufwand erfasst Unter einem Ertrag versteht man den Gewinn aus einem Geschäftsvorfall; unter Aufwand den Verlust aus einem Geschäftsvorfall. Die Summe aller Erträge und Aufwendungen ist der Gewinn bzw. Verlust des Unternehmens . Praxis-Beispiel: Ertrag Markus Antonius kauft am 05.07.06 zwei antike Schreibtische für je 5.000 Euro . Am 08.09.06 verkauft er einen Schreibtisch für 7.000 Euro; den anderen Schreibtisch verkauft er am 10.10.06 für 7.700 Euro. Beim Verkauf des ersten Schreibtisches hat er einen Gewinn von 2.000  Euro (7.000 Euro – 5.000 Euro) und beim Verkauf des zweiten Schreibtisches hat er einen Gewinn von 2.700 Euro (7.700 Euro – 5.000 Euro) gemacht. Den Gewinn aus einem einzelnen Geschäftsvorfall nennt man Ertrag , d. h. beim Verkauf des ersten Schreibtisches hat Antonius einen Ertrag von 2.000 Euro und beim Verkauf des zweiten hat er einen Ertrag i. H. v. 2.700 Euro erzielt. Alle Erträge des Jahres abzüglich aller Aufwendungen des Jahres ist der (Jahres) Gewinn oder (Jahres)Verlust . Aber ist es jetzt wirklich sinnvoll, alle Erträge und Aufwendungen auf einem Konto zu erfassen? Praxis-Beispiel: Unterteilung GuV Das GuV-Konto von Marcus Antonius hat im I. Quartal 06 das Aussehen wie Tabelle 8. Verlag Franz Vahlen PRAXIS Girlich, Buchführung in der Praxis Hersteller: Frau Deuringer Stand: 02.12.2011 Status: Druckdaten Seite 97 6.4 Buchungskonten 97 Soll GuV Haben 28.01 Telefonrechnung 500 Euro 31.01 Lohnzahlung Jan. 2.000 Euro 05.02 Büromaterial 200 Euro 08.02 Telefonrechnung 300 Euro 28.02 Lohnzahlung Feb. 3.000 Euro 31.03 Lohnzahlung März 5.000 Euro Tabelle 8 : GuV-Konto Wie viel Geld hat Marcus Antonius für Löhne und Telefon im ersten Quartal 06 ausgegeben? • Telefonkosten: 500 Euro + 300 Euro = 800 Euro • Lohnkosten: 2.000 Euro + 3.000 Euro + 5.000 Euro = 10.000 Euro Hier war es noch relativ einfach, die Kosten für Telefon und Löhne herauszufiltern. Stellen Sie sich aber vor, das GuV-Konto würde über mehrere Seiten gehen – in dem Fall hätten Sie Schwierigkeiten, die Kosten für Telefon und Löhne herauszufinden. Sie werden sicherlich einsehen, dass es sinnvoll ist, das GuV-Konto weiter zu zerlegen, um jederzeit und ohne große Mühe die Aufwendungen für eine Ausgabenart abzufragen. Auf Grund des Ergebnisses des letzen Beispiels müssen wir das GuV- Konto weiter unterteilen in diverse Ertrags- und Aufwandskonten. Hierbei gilt aber: • Aufwand wird im Soll gebucht • Ertrag wird im Haben gebucht Abbildung 84 verdeutlicht dies. Abbildung 84 : Ertrag im „Haben“ und Aufwand im „Soll“ gebucht Verlag Franz Vahlen PRAXIS Girlich, Buchführung in der Praxis Hersteller: Frau Deuringer Stand: 02.12.2011 Status: Druckdaten Seite 98 6 Die doppelte Buchführung98 Welches Unterkonto Sie verwenden, hängt von der Ertragsart bzw. Aufwandsart ab. Details hierzu lesen Sie in Kapitel 7.4 „Ertragskonten“. Praxis-Beispiel: GuV-Konten Fridolin Fisch betreibt in Flensburg einen Fischladen . Abbildung 85 gibt einen Überblick über seine Bilanz zum 01.01.10. Abbildung 85 : Beispielbilanz am 01.01.10 Im Jahr 10 ereignen sich folgende Geschäftsvorfälle: • Am 31.03. erhält Herr Fisch 500 Euro auf seinem Bankkonto gutgeschrieben. Laut Kontoauszug stehen Herrn Fisch 700 Euro Guthabenzinsen zu, 200 Euro Überziehungszinsen wurden in Abzug gebracht. • Am 30.04. kauft Herr Fisch für 2.000 Euro Papier und Bleistifte. Die beigefügte Rechnung bezahlt er erst am 30.05. per Überweisung. • Am 10.06. bezahlt Herr Fisch mit der betrieblichen EC-Karte eine Benzinrechnung über 45,59 Euro. • Am 30.06. zahlt er für sein betriebliches Hypothekendarlehen per Überweisung Zinsen i. H. v. 2.000 Euro. • Am 20.09. bezahlt Herr Fisch mit der privaten EC-Karte eine Benzinrechnung über 39,67 Euro. Verbuchen Sie die Geschäftsvorfälle auf den Buchungskonten (siehe Abbildung 86) und erstellen Sie die Schlussbilanz zum 31.12.10 (siehe Abbildung 87). Abbildung 86 : So buchen Sie richtig Verlag Franz Vahlen PRAXIS Girlich, Buchführung in der Praxis Hersteller: Frau Deuringer Stand: 02.12.2011 Status: Druckdaten Seite 99 6.4 Buchungskonten 99 Abbildung 87 : Schlussbilanz des Beispiels 6.4.5 Übungsfall zu Buchungskonten Fridolin Fisch betreibt in Flensburg einen Fischladen . Im Jahr 11 ereignen sich folgende Geschäftsvorfälle: • Am 20.04. zahlt Herr Fisch per Banküberweisung eine Gewerbesteuer- Vorauszahlung i. H. v. 500 Euro. • Am 16.05. macht Herr Fisch eine Erbschaft über 50.000 Euro. Das Geld lässt er sich auf sein betriebliches Bankkonto überweisen. • Am 18.05. hebt Herr Fisch 5.000 Euro vom betrieblichen Bankkonto ab und legt es in die Kasse ein. • Am 20.08. organisiert Herr Fisch für einen reichen Hamburger Musikproduzenten eine Fischparty. Hierfür überweist dieser am 21.08. an Herrn Fisch auf das betriebliche Bankkonto 3.000 Euro. • Am 31.08. zahlt (vom betrieblichen Bankkonto) Herr Fisch sein Hypothekendarlehen über 20.000 Euro zurück. Auch die Vorfälligkeitsentschädigung über 2.000 Euro bezahlt Herr Fisch am 31.08. per Überweisung vom betrieblichen Bankkonto. • Am 16.09. bezahlt Herr Fisch die Erbschaftsteuer über 8.000 Euro per Überweisung vom betrieblichen Bankkonto. • Am 20.10. rutscht Herr Fisch in seinem Laden aus und bricht sich das Bein. Für den Notarzt muss Herr Fisch am 30.10. einen Betrag von 500 Euro vom betrieblichen Bankkonto überweisen. • Am 15.12. kauft Herr Fisch in einem Schreibwarenladen Stifte für sein Büro. Den Betrag von 30,35 Euro bezahlt er sofort bar. Verlag Franz Vahlen PRAXIS Girlich, Buchführung in der Praxis Hersteller: Frau Deuringer Stand: 02.12.2011 Status: Druckdaten Seite 100 6 Die doppelte Buchführung100 Bitte stellen Sie die Buchungssätze für das Jahr 11 auf (siehe Tabelle 9). Datum Konto im Soll Betrag Konto im Haben Betrag 20.04. Gewerbesteuer 500 Euro Bank 500 Euro 16.05. Bank 50.000 Euro Privateinlage 50.000 Euro 18.05. Kasse 5.000 Euro Bank 5.000 Euro 21.08. Bank 3.000 Euro Erlöse 3.000 Euro 31.08. Hypothek 20.000 Euro Bank 22.000 Euro Zinsaufwand 2.000 Euro 16.09. Privatsteuern 8.000 Euro Bank 8.000 Euro 20.10. Außergewöhnliche Belastung 500 Euro Bank 500 Euro 15.12. Büromaterial 30,35 Euro Kasse 30,35 Euro Tabelle 9 : Buchungssätze Zum 16.05. und 16.09.: Erbschaften sind immer privat veranlasst. Somit liegt hier eine Geldeinlage vor. Die gezahlte Erbschaftsteuer gehört damit auch in den privaten Bereich. Bei Zahlung vom betrieblichen Bankkonto liegt eine Geldentnahme vor. Zum 31.08.: Wenn Sie ein Hypothekendarlehen vor dem Laufzeitende kündigen, müssen Sie der Bank eine Entschädigung für den entgangenen Zins bezahlen. Diese Entschädigung wird als Vorfälligkeitsentschädigung bezeichnet. Zum 20.10.: Kosten für Ärzte, Medikamente etc. sind immer privat veranlasst. Diese Aufwendungen können Sie aber in der privaten Einkommensteuererklärung als außergewöhnliche Belastung geltend machen (siehe hierzu Kapitel 4.3 „In diesen Schritten ermitteln Sie die Einkommensteuer“). Das Buchungskonto „außergewöhnliche Belastung“ ist ein Unterkonto des Privatkontos. Verlag Franz Vahlen PRAXIS Girlich, Buchführung in der Praxis Hersteller: Frau Deuringer Stand: 02.12.2011 Status: Druckdaten Seite 101 7 Arbeiten mit dem Kontenrahmen 7.1 Aufbau eines Kontenrahmens Wie Sie im letzten Kapitel gesehen haben, ist es teilweise schwierig, das geeignete Buchungskonto zu finden und die Übersicht über die vielen Buchungskonten zu behalten. Deshalb gibt es in der Praxis vorgegebene Kontenrahmen . Die gängigsten Kontenrahmen sind der SKR 03 und SKR 04 . Beide Kontenrahmen sind jeweils in zehn Kontenklassen eingeteilt; jede Kontenklasse wiederum in verschiedene Kontengruppen (siehe Tabelle 10). CD-Tipp Auf der CD-ROM zum Buch stehen Ihnen die beiden Kontenrahmen SKR03 und SKR04 – zusammen mit einer Kurzfassung – im Ordner Kapitel 7 – Kontenrahmen mit einem Klick zur Verfügung. Die Kurzfassung finden Sie auch als Anlage zu diesem Buch in Kapitel 14.1 „Zusammenfassung des Kontenrahmens“. SKR 03 Kontenklasse SKR 04 Anlagevermögen Eigenkapital langfristige Verbindlichkeiten 0 Anlagevermögen Umlaufvermögen kurzfristige Verbindlichkeiten Privatkonten 1 Umlaufvermögen Zinskonten außerordentlicher Ertrag (a. o. E)/außerordentlicher Aufwand (a. o. Ä.) Steuerkonten 2 Kapital Warenkonten 3 Rückstellungen Verbindlichkeiten Aufwendungen 4 Umsatzerlöse sonstige Erträge frei 5 Materialaufwand frei 6 Aufwendungen

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Zusammenfassung

Buchführung in der Praxis

Dieser aktuelle Ratgeber liefert einen praxisorientierten Einstieg in die Grundlagen der doppelten Buchführung. Ausgehend von einem Unternehmensgründer werden die theoretischen Grundlagen kurzweilig vermittelt. Durch die zahlreichen Praxisbeispiele und Schaubilder ist das Werk besonders anschaulich.

Buchführung auf den Punkt gebracht:

– Zahlreiche Übungen und Beispiele aus der Buchführungspraxis

– Von Einzelbelegen zum vorläufigen Jahresergebnis: So berechnen Sie Einnahmen und Ausgaben

– Auf CD-ROM: Excel-Tools zu Abschreibung, Gewinn- und Verlustermittlung, AfA-Tabellen und DATEV-Kontenrahmen